[0001] Die Erfindung betrifft ein zweiachsiges Antriebsaggregat für ein Drehgestell eines
Schienenfahrzeuges nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
[0002] Antriebsaggregate für ein zweiachsiges Drehgestell eines Schienenfahrzeuges weisen
für jede Achse ein eigenes Achsgetriebe auf, welches auf der Radachse befestigt ist,
von einer Antriebswelle angetrieben wird und ein Abtriebsmoment auf die Radachse,
d. h. die beiden Räder überträgt. Aus dem Abtriebsmoment resultiert ein Reaktionsmoment,
welches abgestützt werden muss - dies geschieht durch eine Drehmomentstütze. Bekannt
sind als Längslenker ausgebildete horizontale Drehmomentstützen, die am Achsgetriebegehäuse
angebracht sind und das Reaktionsmoment aus dem Achsgetriebe in horizontaler Richtung
am Drehgestell abstützen. Bei Drehgestellkonzepten mit in Fahrtrichtung elastischen
Achsaufhängungen beeinflusst eine solche Drehmomentstütze das Eigenlenkverhalten der
Achse negativ. Bekannt sind ferner so genannte vertikale Drehmomentstützen, die als
starr am Getriebegehäuse befestigter Hebelarm ausgebildet sind, wobei sich dieser
Hebelarm über einen vertikal angeordneten Lenker am Drehgestell abstützt. Diese Art
der Drehmomentabstützung beeinflusst das Eigenlenkverhalten der Achsen nicht; nachteilig
ist dagegen, dass das Getriebegehäuse beim Einfedern des Drehgestells relativ zur
Achse verdreht wird. Dies verursacht zum Teil erhebliche Drehmomentstöße.
[0003] Durch die DE-A 32 32 939 wurde eine weitere Art der Drehmomentabstützung über ein
so genanntes Pendel bekannt, welches nicht am Drehgestell, sondern am Wagenkasten
des Schienenfahrzeuges befestigt ist. Bei diesem Antriebsaggregat weist jede Achse
ein eigenes Achsgetriebe und einen eigenen Antrieb über je eine Kardanwelle auf; die
beiden Antriebe sind somit parallel geschaltet. An jedem Achsgetriebe ist eine Drehmomentstütze
befestigt, die sich an dem zwischen den beiden Achsen angeordneten Pendel abstützt.
Darüber hinaus wird über diese Drehmomentstützen auch die Zugkraft von den Achsen
auf den Wagenkasten übertragen. Auch bei dieser Bauweise tritt beim Einfedern eine
Verspannung infolge einer Verdrehung der Getriebegehäuse relativ zur Achse auf.
[0004] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, für ein Antriebesaggregat der eingangs
genannten Art eine verbesserte Drehmomentabstützung vorzuschlagen, die insbesondere
das Eigenlenkverhalten der Achsen wenig beeinflusst und beim Einfedern des Drehgestells
kein Verdrehen der Getriebegehäuse relativ zu den Achsen hervorruft.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich aus den Merkmalen des Patentanspruches 1. Demnach
werden die beiden Achsgetriebegehäuse direkt durch eine Drehmomentstütze miteinander
verbunden, sodass sich beide Achsgetriebe gegeneinander abstützen. Vorteilhaft hierbei
ist, dass keine Anlenkvorrichtung zum Drehgestell vorhanden ist und dass demzufolge
beim Einfedern des Drehgestells kein relatives Verdrehen der Achsgetriebegehäuse zur
Achse erfolgt und damit auch keine zusätzlichen Verspannmomente auftreten. Schließlich
ist von Vorteil, dass das Eigenlenkverhalten nicht beeinflusst wird.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0007] Nach einer Weiterbildung der Erfindung, sind die beiden Achsen längsverspannt, d.
h. sie weisen einen gemeinsamen Antrieb auf, der über eine Kardanwelle das erste Achsgetriebe
und über eine zwischengeschaltete Kardanwelle auch das zweite Achsgetriebe antreibt.
Beide Achsgetriebe sind somit antriebsmäßig hintereinander geschaltet und über Räder
und Schiene gegeneinander verspannt. Damit ergeben sich auch gegensinnige Reaktionsmomente
der Achsgetriebe, was sich insofern vorteilhaft auswirkt, weil sich die beiden gegensinnigen
Momente über die gemeinsame Drehmomentstütze kompensieren. Damit tritt keine gegenseitige
Verspannung der beiden Getriebe auf.
[0008] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung besteht die Drehmomentstütze
aus zwei parallel zueinander angeordneten Lenkern - symmetrisch zu der mittig angeordneten
Kardanwelle - die Lenker sind mit ihren Enden direkt mit den Achsgetrieben verbunden.
[0009] Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung sind die Lenker sind die Lenker
als Dreieckslenker ausgebildet, d. h. sie weisen an einem Ende ein Einzelgelenk und
am anderen Ende ein zweifaches bzw. Doppelgelenk auf, über welche sie mit den Getriebegehäusen
verbunden sind. In dem Doppelgelenk wirkt ein Kräftepaar, welches das Reaktionsmoment
aufnimmt und über den Lenker und das am anderen Ende angeordnete Einzelgelenk an der
anderen Achse abstützt.
[0010] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sind die Lenker in entgegengesetzter Richtung
angeordnet, d. h. an jedem Achsgetriebe ist ein Doppelgelenk des einen und ein Einzelgegelenk
des anderen Lenkers angeordnet. Dadurch ergibt sich eine gleichmäßige Abstützung des
Reaktionsmomentes auch bei Fahrtrichtungswechsel, d. h. Drehrichtungswechsel des Reaktionsmomentes.
[0011] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sind die beiden Anlenkpunkte des Doppelgelenkes
senkrecht übereinander angeordnet. Dies hat den Vorteil, dass die Lenker um diese
senkrechte Achse durch das Doppelgelenk bei Schiefstellung der Achsen schwenken können.
Die Lenker können somit einem Schwenken der Achsen folgen.
[0012] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sollen die beiden Anlenkpunkte des Doppelgelenks
möglichst weit auseinander liegen. Dadurch werden die in den Gelenken angreifenden
Kräfte zur Aufnahme des Reaktionsmomentes reduziert.
[0013] Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung sind die Gelenke als Elastomergelenke
ausgebildet, d. h. sie sind einerseits dämpfend und andererseits hinreichend beweglich
und nachgiebig. Vorteilhaft ist auch, wenn die Gelenke des Doppelgelenks als sphärische
Elastomergelenke ausgebildet sind, um die bereits erwähnte Schwenkbewegung der Lenker
zu ermöglichen.
[0014] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung weist das Einzelgelenk in Fahrtrichtung und
quer zur Fahrtrichtung unterschiedliche Federsteifigkeiten auf: in Fahrtrichtung ist
die Federsteifigkeit relativ gering, d. h. das Gelenk ist weich, während es in Richtung
der Radachsen eine relativ hohe Federsteifigkeit aufweist, d. h. hart ausgebildet
ist. Dies kann durch entsprechende Ausbildung und metallische Einlagen im Elastomergelenk
ermöglicht werden.
[0015] In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung soll der Abstand zwischen dem Einzelgelenk
und der Radachse möglichst gering sein. Dies hat den Vorteil, dass die Beanspruchung
des Einzelgelenks herabgesetzt wird und das Reaktionsmoment möglichst direkt an der
Achse abgestützt wird.
[0016] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird im
Folgenden näher beschrieben.
Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht eines zweiachsigen Antriebsaggregats mit Drehmomentstütze,
- Fig. 1a
- eine Draufsicht auf das Antriebsaggregat gemäß Fig. 1 und
- Fig. 1b
- eine Seitenansicht des Antriebsaggregates gemäß Fig. 1.
[0017] Fig. 1 zeigt ein zweiachsiges Antriebsaggregat 1 für ein nicht dargestelltes Drehgestell
eines Schienenfahrzeuges, insbesondere eines dieselmotorisch angetriebenen Schienenfahrzeuges.
Das Aggregat 1 weist zwei Achsen 2, 3 auf, auf welchen jeweils ein Achsgetriebe 4,
5 montiert ist. Das Achsgetriebe 5 bzw. die Achse 3 wird über eine erste Kardanwelle
6 (Antriebswelle) angetrieben. Zwischen den Achsgetrieben 3, 4 ist zum Antrieb des
Achsgetriebes 4 eine weitere Kardanwelle 7 (Zwischenwelle) angeordnet, welche einen
Teil der Antriebsleistung der Antriebswelle 6 auf das Achsgetriebe 4 überträgt und
damit die Achse 2 antreibt. An den Enden der Achsen 2 und 3 sind drehfest Antriebsräder
8, 9 angeordnet, die die Zugkraft auf eine Schiene 10 übertragen. Das Antriebsaggregat
1 ist somit infolge der beiden hintereinander geschalteten Antriebe über die Zwischenwelle
7 und die Schiene 10 längsverspannt. Zwischen den beiden Achsgetrieben 4, 5 ist eine
Drehmomentstütze 11 angeordnet, die aus zwei parallel zueinander angeordneten Lenkern
12, 13 (vgl. Fig. 1a) besteht. Der Lenker 12 ist als so genannter Dreieckslenker ausgebildet,
d. h. er weist drei Anlenkpunkte 14, 15, 16 auf, die als Gelenke ausgebildet sind.
Der Lenker 12 greift somit mit einem als Gabel 12a, 12b ausgebildeten Ende über die
Gelenke 14, 15 (Doppelgelenk) an dem Achsgetriebe 4 und mit seinem anderen Ende 12c
über das Einzelgelenk 16 an dem Achsgetriebe 5 an. Die beiden Gelenke 14, 15 sind
senkrecht in einem Abstand a (d. h. senkrecht zur Schiene 10) über einander angeordnet.
Der Abstand des Gelenkes 16 von der Mittelinie der Achse 3 ist mit b gekennzeichnet.
Der Lenker 13 weist denselben Aufbau als Dreieckslenker auf wie der Lenker 12, allerdings
ist er in entgegengesetzter Richtung wie der Lenker 12 angeordnet und befestigt, d.
h. er ist gegenüber dem Lenker 12 um 180 Grad um dessen Hochachse y gedreht. Das Doppelgelenk
14', 15' des Lenkers 13 ist somit am Achsgetriebe 5 und das Einzelgelenk 16' ist am
Achsgetriebe 4 angeordnet. Alle Gelenke 14, 15, 16 sowie 14', 15' und 16' sind vorzugsweise
als Elastomergelenke ausgebildet und weisen somit eine begrenzte, den Betriebbedingungen
angepasste Beweglichkeit und Elastizität auf. Die beiden Doppelgelenke 14, 15 und
14', 15' sind vorzugsweise als sphärische Elastomergelenke ausgebildet, sodass ein
Verschwenken des Lenkers 12 um eine senkrecht durch die beiden Gelenke 14, 15 verlaufende
Achse g möglich ist. Ein analoges Verschwenken gilt für den Lenker 13.
[0018] Die Federsteifigkeit des Einzelgelenkes 16 bzw. 16' ist in Fahrtrichtung X geringer
als quer zur Fahrtrichtung, d. h. in Richtung Z (vgl. Fig. 1b). Da die Achsen 3, 4,
z. B. bei Kurvenfahrt, ihre Winkellage zueinander verändern, ändert sich auch der
Abstand der Gelenke 14, 16 - daher ist das Gelenk 16 in Fahrtrichtung X weich ausgebildet,
d. h. es besitzt einen relativ großen Federweg. In Querrichtung Z ist das Gelenk 16
und ebenso das Gelenk 16' relativ hart, d. h. mit einem kurzen Federweg ausgebildet.
Man erreicht diese unterschiedlichen Federsteifigkeiten in senkrecht zueinander verlaufende
Richtungen durch metallische, dachförmig ausgebildete Einlagen, wie das in Fig. 1b
für das Gelenk 16 angedeutet ist.
[0019] Die Funktion der Drehmomentstütze 11 ist die Folgende: Aufgrund der Längsverspannung
der beiden Achsen 2, 3 ergeben sich gegensinnige Reaktionsmomente an den Achsgetrieben
4, 5. Das Reaktionsmoment des Achsgetriebes 4 wird in den beiden Gelenken 14, 15 aufgenommen
und in den Lenker 12 eingeleitet. Es stützt sich über das Einzelgelenk 16 am Achsgetriebe
5 bzw. an der Achse 3 ab. Analoges gilt für das Reaktionsmoment des Achsgetriebes
5 - es stützt sich über den Lenker 13 am Achsgetriebe 4 bzw. an der Achse 2 ab. Der
Abstand a zwischen den Gelenken 14 und 15 (dies gilt auch für den Abstand der Gelenke
14', 15') soll möglichst groß sein, umso kleiner werden die Kräfte zur Aufnahme des
Reaktionsmomentes in den Gelenken 14, 15 bzw. 14', 15'. Der Abstand b des Gelenkes
16 von der Mittelinie der Achse 3 soll möglichst gering sein, umso geringer wird der
auf das Achsgetriebe 5 wirkende Hebelarm.
Bezugszeichen
[0020]
- 1
- Antriebsaggregat
- 2
- Achse
- 3
- Achse
- 4
- Achsgetriebe
- 5
- Achsgetriebe
- 6
- Antriebswelle
- 7
- Zwischenwelle
- 8
- Antriebsrad
- 9
- Antriebsrad
- 10
- Schiene
- 11
- Drehmomentstütze
- 12
- Lenker
- 13
- Lenker
- 14
- Gelenk (Doppelgelenk)
- 15
- Gelenk (Doppelgelenk)
- 16
- Gelenk (Einzelgelenk)
1. Zweiachsiges Antriebsaggregat (1) für ein Drehgestell eines Schienenfahrzeuges, wobei
jeder der beiden Achsen (2, 3) ein über eine Drehmomentstütze abstützbares Achsegetriebe
(4, 5) zugeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Achsgetriebe (4, 5) gegenseitig durch eine gemeinsame Drehmomentstütze
(11) abgestützt sind.
2. Antriebsaggregat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Achsen (2, 3) einen gemeinsamen Antrieb (6) aufweisen und die Achsgetriebe
(4, 5) über eine Zwischenwelle (7) längsverspannt sind.
3. Antriebsaggregat nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Drehmomentstütze (11) aus zwei parallel zueinander angeordneten Lenkern (12,
13) besteht, die mit den Achsgetrieben (4, 5) verbunden sind.
4. Antriebsaggregat nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Lenker als Dreieckslenker (12, 13) mit je drei Anlenkpunkten (14, 15, 16) ausgebildet
und über ein Einzelgelenk (16) an dem einen (5) und über ein Doppelgelenk (14, 15)
an dem anderen Achsgetriebe (4) angelenkt sind.
5. Antriebsaggregat nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Lenker (12, 13), in Fahrtrichtung X gesehen, in entgegengesetzter Richtung zueinander
angeordnet sind.
6. Antriebsaggregat nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Anlenkpunkte des Doppelgelenkes (14, 15) an einem Achsgetriebe (4) senkrecht
übereinander angeordnet sind.
7. Antriebsaggregat nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden übereinander angeordneten Anlenkpunkte (14, 15) einen möglichst großen
Abstand a aufweisen.
8. Antriebsaggregat nach einem der Ansprüche 3 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Anlenkpunkte (14, 15, 16; 14', 15', 16') als Elastomergelenke ausgebildet sind.
9. Antriebsaggregat nach Anspruch 4, 5, 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Anlenkpunkte (14, 15) des Doppelgelenkes als sphärische Elastomergelenke ausgebildet
sind.
10. Antriebsaggregat nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Einzelgelenk (16), in Fahrtrichtung X gesehen, eine geringere Federsteifigkeit
aufweist als quer zur Fahrtrichtung.
11. Antriebsaggregat nach einem der Ansprüche 4 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Einzelgelenk (16) einen möglichst geringen Abstand b zur Radachse (3) des Achsgetriebes
(5) aufweist, an dem es befestigt ist.