[0001] Hochfeste Stähle mit guten Dehnungskennwerten und Verarbeitbarkeit werden im Bereich
des Fahrzeugbaus, im allgemeinen Stahlbau sowie im Maschinen- und Apparatebau zur
Herstellung von Bauteilen benötigt, die hohe Kräfte aufnehmen und in ihrer Formgebung
optimal an die sich jeweils stellenden konstruktiven Anforderungen angepasst werden
können.
[0002] Ein für diese Einsatzzwecke bestimmtes hochfestes, gut verformbares Warmband und
ein Verfahren zu seiner Herstellung sind aus der EP 0 295 500 B1 bekannt. Der für
die Erzeugung des bekannten Warmbands verwendete Stahl enthält neben Eisen und den
herstellungsbedingt unvermeidbaren Verunreinigungen (in Gew.-%) 0,15 bis weniger als
0,3 % C, 0,5 bis 2,0 % Si, 0,5 bis 2,0 % Mn. Zusätzlich können in dem Stahl 0,0005
bis 0,0100 Ca oder 0,005 bis 0,050 % Seltenerdmetalle enthalten sein.
[0003] Der bekannte Stahl wird gemäß der EP 0 295 500 B1 in einer Warmwalzstaffel mit einer
Warmwalzendtemperatur warmgewalzt, die mit maximal 50 °C von der Ar3-Temperatur abweicht.
Im Anschluss an das Warmwalzen wird das Warmband auf dem sich an die Warmwalzstaffel
anschließenden Rollgang gesteuert abgekühlt, wobei die EP 0 295 500 B1 zwei Wege dieser
gesteuerten Abkühlung vorgibt. Auf dem ersten Weg wird das Band in einer ersten Stufe
bei relativ niedrigen Abkühlgeschwindigkeiten von 15 bis 45 K/s und dann in einer
zweiten Stufe mit einer jeweils erhöhten Abkühlgeschwindigkeit gekühlt, die zwischen
35 bis 80 K/s lag. Bei der anderen Variante erfolgt die Abkühlung dreistufig mit Abkühlgeschwindigkeiten,
die in der ersten Stufe 50 bis 85 K/s, in der zweiten Stufe 10 bis 45 K/s und in der
dritten Stufe 35 bis 80 K/s betrug. Die bei beiden Varianten erreichten Haspeltemperaturen
lagen zwischen 370 bis 520 °C.
[0004] Zusätzlich zu der mehrstufigen Abkühlung wird gemäß dem aus der EP 0 295 500 B1 bekannten
Verfahren eine Abkühlung des Warmbandes im Coil durchgeführt. Dabei wird das Band
mit einer Abkühlgeschwindigkeit von mindestens 30 °C/h auf eine unter 200 °C liegende
Temperatur beschleunigt abgekühlt.
[0005] Warmband, das in dieser Weise hergestellt worden ist, besitzt eine aus Ferrit, Restaustenit
und Bainit gebildete Struktur. Die Bildung von Perlit und Martensit ist dabei weitestgehend
unterdrückt, um die Bildung von Restaustenit nicht zu behindern.
[0006] Das gemäß dem bekannten Verfahren hergestellte Warmband weist zwar eine hohe Festigkeit
bei hoher Dehnbarkeit auf. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass seine Herstellung
aufwändig ist. Auch zeigt sich im Fall plötzlicher Belastungen durch hohe kinetische
Energien, wie sie beispielsweise bei Kraftfahrzeugen bei einem Unfall typischerweise
auftreten, dass es nur schwer möglich ist, mit dem bekannten Stahl die immer weiter
steigenden Anforderungen an ein optimiertes Crash-Verhalten zu erfüllen. Hinzu kommt,
dass die konventionelle Fertigung des bekannten Warmbandes aufwändig ist.
[0007] Die der Erfindung zu Grunde liegende Aufgabe bestand daher darin, ein kostengünstig
und praxisgerecht durchführbares Verfahren anzugeben, welches zuverlässig die Herstellung
von hinsichtlich ihrer Festigkeits- und Verformungseigenschaften optimierten Warmbändern
ermöglicht.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zum Herstellen eines warmgewalzten
Stahlbands gelöst, das perlitfrei ist, TRIP-Eigenschaften besitzt und eine Zugfestigkeit
von mindestens 600 MPa aufweist. Erfindungsgemäß wird dieses Warmband in einem kontinuierlich
ablaufenden Arbeitsprozess erzeugt, bei dem mindestens folgende Arbeitsschritte durchgeführt
werden:
- Vergießen einer Stahlschmelze, die neben Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen
(in Gew.-%) 0,06 - 0,3 % C, 0,1 - 3,0 % Si, 0,3 - 1,1 % Mn, wobei die Summe aus den
Gehalten an Si und Mn 1,5 - 3,5 % beträgt, mindestens eines der Elemente Ti oder Nb
in Gehalten von jeweils 0,005 - 0,15 %, sowie wahlweise einzeln oder in Kombination
max. 0,8 % Cr, max. 0,8 % Mo, max. 1 % Cu und max. 1 % Ni, enthält, zu Dünnbrammen,
- Glühen der mit einer 850 bis 1050 °C betragenden Einlauftemperatur in einen Glühofen
einlaufenden Dünnbrammen bei Glühtemperaturen von 1000 bis 1200 °C für eine Glühdauer
von 10 bis 60 Minuten,
- Entzundern der Dünnbrammen in einem Zunderwäscher unter einem Abspritzdruck der zum
Entzundern eingesetzten Flüssigkeit von mindestens 300 bar,
- Fertigwarmwalzen der Dünnbrammen zu einem Warmband bei Warmwalzendtemperaturen, die
im Bereich von 750 bis 1000 °C liegen,
- gesteuertes Abkühlen des erhaltenen Warmbands auf eine Haspeltemperatur,
- Haspeln des Warmbands.
[0009] Gemäß der Erfindung wird in einem kontinuierlich ablaufenden Verfahren, wie es typisch
auf einer Gießwalzanlage durchführbar ist, ein TRIP-Eigenschaften besitzendes Warmband
erzeugt, welches aufgrund einer optimierten Abstimmung seiner Legierungsgehalte und
der Art und Weise seiner Herstellung eine Kombination von Verformungseigenschaften
und Festigkeitswerten aufweist, die einerseits seine Verarbeitung vereinfacht und
andererseits zu einem verbesserten Kraftaufnahmevermögen im Fall plötzlicher Belastung
durch hohe Verformungsenergien beiträgt.
[0010] Der Si- und Mn-Gehalt des verarbeiteten Stahles sind dabei so abgestimmt, dass im
erhaltenen Warmband eine für die Erzielung des TRIP-Effekts ausreichende Menge an
Restaustenit gewährleistet ist. Mangan stabilisiert den nach der gesteuerten Abkühlung
im Stahl verbleibenden Restaustenit. Die Anwesenheit von Silizium unterstützt einerseits
die Bildung von Ferrit und verbessert zudem die Dehnbarkeit des Stahls. Andererseits
wirkt sich der Silizium-Gehalt günstig im Hinblick auf die Anreicherung des im Zuge
der Warmbanderzeugung nicht umgewandelten Austenits mit Kohlenstoff aus. Neben den
die mechanischen Eigenschaften verbessernden Effekten bewirkt die erfindungsgemäße
Beschränkung der Si- und Mn-Gehalte auch eine Verbesserung der Oberflächenbeschaffenheit
der Warmbänder. Besonders sicher stellen sich diese Wirkungen dann ein, wenn die Summe
aus den Gehalten an Silizium und Mangan 1,5 - 2,5 Gew.-%, insbesondere 1,8 - 2,3 Gew.-%,
beträgt.
[0011] Wesentlicher Bestandteil der erfindungsgemäß verarbeiteten Legierung ist neben den
Gehalten an Silizium und Mangan der Gehalt an mindestens einem der Elemente Niob und
Titan. TRIP-Stähle enthalten Restaustenit und weisen infolgedessen den Effekt der
sogenannten "TRansformation Induced Plasticity" auf. Wesentlich ist dabei die erfindungsgemäß
vorgeschriebene Kombination aus der Verfahrensführung über eine Gießwalzanlage und
dem Vorhandensein von Ti und/oder Nb.
[0012] Diese Mikrolegierungselemente werden bei der konventionellen Erzeugung über Brammenguss
in der Bramme ausgeschieden und gehen nur teilweise bei der Erwärmung der Bramme vor
dem Warmwalzen wieder in Lösung. Bei der erfindungsgemäß vorgeschriebenen Erzeugung
einer Dünnbramme bleiben diese Elemente bedingt durch die zwischen der Dünnbrammenerzeugung
und dem Warmwalzen in der Regel in einem Tunnelofen im Durchlauf erfolgende Wärmezufuhr
dagegen bis zum Beginn des Warmwalzens in Lösung. Diese Ausscheidungen verbessern
die Kornfeinung des fertigen Warmbands und tragen einerseits zu einer Erhöhung des
Restaustenitanteils und andererseits zu einer Stabilisierung des Restaustenits gegen
eine Umwandlung in Martensit bei. Erfindungsgemäß erzeugter und zusammengesetzter
Stahl ist daher in der Lage, höhere Belastungen zu ertragen. Diese Eigenschaft macht
ihn besonders geeignet für die Herstellung von so genannten "crash-relevanten" Bauteilen,
die beispielsweise bei einem Unfall plötzlich hohen Beanspruchungen ausgesetzt sind.
Durch die gegebenenfalls kombinierte, notwendige Anwesenheit von Niob und/oder Titan
in Gehalten von jeweils bis zu 0,15 Gew.-% werden so in Kombination mit dem erfindungsgemäß
eingeschlagenen Verfahrensweg die Verformbarkeit des Warmbands selbst und die Verfestigungsprozesse
im Fall einer Verformung eines aus dem erfindungsgemäß erzeugten Warmband hergestellten
Bauteils gezielt verbessert.
[0013] Nach dem Vergießen des erfindungsgemäß verwendeten Stahls zu Dünnbrammen, deren Dicke
typisch 40 bis 70 mm beträgt, laufen die erhaltenen Dünnbrammen mit Temperaturen,
die im Bereich von 850 - 1050 °C in einen Tunnelofen ein. Bevorzugt beträgt die Einlauftemperatur
nicht weniger als 950 °C, um die Bildung von Ausscheidungen in diesem Stadium der
Warmbanderzeugung zu vermeiden.
[0014] In dem Ofen werden die Dünnbrammen bei 1000 - 1200 °C im Durchlauf geglüht. Die Tunnelofentemperatur
ist dabei vorzugsweise auf den Bereich von 1000 - 1050 °C beschränkt, um eine übermäßige
Zunderbildung zu vermeiden. Auf diese Weise wird der bei ca. 900 °C liegende Temperaturbereich
sicher umgangen, bei dem es im erfindungsgemäß verwendeten Stahl zu einem Ausscheidungsmaximum
kommt. Stattdessen werden die Mikrolegierungselemente in Lösung gehalten mit der Folge,
dass sie im fertigen Produkt feiner und homogener verteilt vorliegen.
[0015] Zum selben Zweck ist die Verweilzeit im Tunnelofen auf 10 - 60 Minuten, bevorzugt
15 - 35 Minuten, beschränkt. Darüber hinaus bewirkt die Beschränkung der Glühdauer
unmittelbar eine Erhöhung der Ausbringung der erfindungsgemäß eingesetzten Gieß-Walz-Anlage.
[0016] Auch wenn es bei der durch die Erfindung vorgegebenen Vorgehensweise insgesamt zur
Entstehung geringerer Zundermengen auf den Oberflächen der verarbeiteten Dünnbrammen
kommt, werden die Dünnbrammen nach dem Glühen in einem Zunderwäscher gezielt entzundert.
Der Druck, mit dem dabei die Reinigungsflüssigkeit, in der Regel Wasser, auf die Brammen
gegeben wird, beträgt erfindungsgemäß mindestens 300 bar, um eine weitestgehende Entfernung
aller auf den Oberflächen der Bramme vorhandenen Rückstände zu erreichen. Besonders
die auf den Brammen vorhandene Menge an Fayalit, welches andernfalls im weiteren Prozess
die Bildung von unerwünschtem Rotzunder verursachen kann, wird auf diese Weise weitestgehend
entfernt.
[0017] In der anschließend durchlaufenen Fertigwalzstaffel werden aus den Dünnbrammen bei
Warmwalzendtemperaturen von 750 bis 1000 °C Warmbänder gewalzt, deren Dicke typischerweise
0,8 - 10 mm beträgt. Durch die innerhalb des vorgegebenen Temperaturbereichs jeweils
konkret gewählte Endtemperatur lässt sich die Feinheit und die Zusammensetzung der
Struktur der erhaltenen Warmbänder beeinflussen. So kann schon dadurch, dass das Fertigwalzen
unterhalb der Ar3-Temperatur beendet wird, eine verfeinerte Körnung erreicht werden.
Über der Ar3-Temperatur liegende Warmwalzendtemperaturen können eingestellt werden,
wenn größere Mengen an Restaustenit gebildet werden sollen.
[0018] Im Hinblick auf die Feinheit der Struktur des erhaltenen Warmbandes hat es sich darüber
hinaus als günstig erwiesen, wenn der während des Fertigwarmwalzens erzielte Gesamtumformgrad
ϕ
ges 1,8 - 3,7 beträgt. Auf diese Weise ist eine ausreichende Zerstörung des Gussgefüges
der Brammen sichergestellt und es wird eine optimierte Feinkörnigkeit des erhalten
Warmbandes erzielt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der über das Warmwalzen
erzielte Umformgrad ϕ
ges mindestens 2,5 beträgt. Unterstützt werden kann die Ausbildung eines feinkörnigen
Gefüges zudem dadurch, dass, wenn das Fertigwalzen in mehreren Stichen durchgeführt
wird, die Verformung im letzten Stich des Warmwalzens mindestens 5 %, bevorzugt 15
- 25 %, beträgt.
[0019] Die durch die verschiedenen Maßnahmen der erfindungsgemäßen Vorgehensweise erreichte
Feinkörnigkeit trägt nicht nur zur Verformbarkeit, sondern gemeinsam mit der chemischen
Zusammensetzung des verarbeiteten Stahls auch zur Stabilisierung des erwünschten Restaustenitanteils
bei. So behindert die feine Verteilung der einzelnen im erfindungsgemäß erzeugten
Warmband vorhandenen Phasen auch auf mechanische Weise die Umwandlung des Restaustenits
in Martensit. Das erfindungsgemäße Warmband weist infolge dessen in Bezug auf den
Restaustenitanteil nicht nur eine hohe chemische, sondern auch eine hohe geometrische
Stabilität auf. Diese Stabilität des Gefüges trägt dazu bei, dass noch im aus dem
Warmband erzeugten fertigen Bauteil Restaustenit vorliegen kann.
[0020] Die nach dem Warmwalzen erfolgende gesteuerte Abkühlung hat ebenfalls wesentlichen
Einfluss auf die Ausprägung der Gefügestruktur und mechanischen Eigenschaften des
fertigen Warmbands. So lassen sich durch die Abkühlung gezielt die Anteile der einzelnen
Phasen sowie die Festigkeits- und Dehnungseigenschaften beeinflussen. Gemäß einer
ersten Variante der Erfindung erfolgt die gesteuerte Abkühlung zu diesem Zweck, indem
das Warmband in einer ersten Stufe ausgehend von der Warmwalzendtemperatur mit einer
Abkühlgeschwindigkeit von 70 bis 500 K/s auf eine 600 - 750 °C betragende Zwischentemperatur
gekühlt wird, indem das Warmband anschließend in einer zweiten Stufe für 2 bis 13
Sekunden an Luft abkühlt und indem das Warmband daraufhin in einer dritten Stufe mit
einer 30 bis 200 K/s betragenden Abkühlgeschwindigkeit auf eine Haspeltemperatur gekühlt
wird, die 300 - 530 °C beträgt. Eine möglichst hohe Abkühlgeschwindigkeit in der ersten
Stufe der Abkühlung wirkt sich dabei positiv auf die im erhaltenen Warmband enthaltene
Restaustenitmenge aus. Daher beträgt nach einer bevorzugten Ausführungsform dieser
Variante der gesteuerten Abkühlung die Abkühlgeschwindigkeit in der ersten Stufe der
Abkühlung mindestens 150 K/s, bevorzugt 300 K/s.
[0021] Nach der ersten Phase der schnellen Abkühlung erfolgt in der zweiten Phase eine Kühlpause,
um die Bildung von größeren Mengen an Ferrit und die Anreicherung des Restaustenits
mit Kohlenstoff zu ermöglichen. Die Dauer der zweiten Stufe der Abkühlung kann zu
diesem Zweck bevorzugt auf 4 bis 8 Sekunden beschränkt werden. Anschließend wird in
der dritten Stufe die beschleunigte Abkühlung fortgesetzt, um die Bildung von Perlit
und das Kornwachstum zu unterdrücken.
[0022] Eine andere Variante der Erfindung sieht vor, dass die gesteuerte Abkühlung dadurch
erfolgt, dass das Warmband mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 10 bis 70 K/s kontinuierlich
von der Warmwalzendtemperatur auf die Haspeltemperatur gekühlt wird. Auch auf diese
Weise lässt sich ein Warmband mit der erfindungsgemäß angestrebten Gefügestruktur
erzeugen.
[0023] Schließlich ist es möglich, die Abkühlung so zu steuern, dass das Warmband in einer
ersten Stufe innerhalb von 1 - 7 Sekunden auf eine Temperatur abgekühlt wird, die
etwa 80 °C über der Haspeltemperatur liegt, und dass das Warmband anschließend an
Luft auf die Haspeltemperatur abkühlt, die im Bereich von 300 bis 530 °C liegt. Bei
dieser Variante der gesteuerten Abkühlung erfolgt im ersten Schritt eine besonders
schnelle Abkühlung mit der Folge, dass sich ein besonders feines Gefüge mit hohem
Restaustenitanteil und hoher Festigkeit einstellt.
[0024] Unabhängig, welche der voranstehend erläuterten Varianten der gesteuerten Abkühlung
eingesetzt werden, kühlt das Warmband nach dem Haspeln im Coil weiter ab. Damit es
dabei nicht zur Bildung von unerwünscht großen Mengen an Bainit auf Kosten des Restaustenits
kommt, ist es günstig, wenn das Warmband nach einer Ruhezeit im Coil beschleunigt
abgekühlt wird. Es hat sich gezeigt, dass sich die gewünschte Aufteilung der einzelnen
Phasen-Anteile einstellt, wenn die beschleunigte Kühlung des Coils nach einer im Bereich
von 2 bis 30 liegenden Ruhezeit beginnt. Dabei lässt sich die Abkühlung durch Beaufschlagung
des Coils mit einem Kühlfluid beschleunigen. Abhängig von den jeweils erforderlichen
Abkühlgeschwindigkeiten kann dazu eine Flüssigkeit, beispielsweise Wasser, oder ein
Luftstrom eingesetzt werden.
[0025] Das erfindungsgemäß erzeugte Warmband weist jeweils mindestens drei der Gefügebestandteile
Ferrit, Bainit, Restaustenit oder Martensit auf. Dabei sollte die Summe der Gehalte
an Martensit und Restaustenit mindestens 8 % betragen. Möglichst geringe Martensitgehalte
sind angestrebt, um einen Kohlenstoffverlust zu Ungunsten des Restaustenits zu vermeiden.
Dementsprechend sieht die Erfindung vor, dass der Kohlenstoffgehalt des Restaustenits
mehr als 1 % betragen soll. Dieser Kohlenstoffgehalt lässt sich beispielsweise röntgenographisch
ermitteln.
[0026] Durch die erfindungsgemäße Weise der Herstellung lassen sich Warmbänder erzeugen,
bei denen das Produkt RM*A5 aus Zugfestigkeit Rm und Bruchdehnung A5 mindestens 19.000
MPa*% und das Produkt Rm*A80 aus Zugfestigkeit Rm und Bruchdehnung A80 mindestens
16.000 MPa*%, insbesondere 17.000 MPa*%, beträgt.
[0027] Erfindungsgemäß erzeugtes Warmband eignet sich in besonderer Weise zur Verwendung
im Fahrzeugbau, im Stahlbau, im allgemeinen Maschinen- und Apparatebau sowie im Schiffsbau.
[0028] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0029] Es sind Stahlschmelzen S1, S2 und S3 erschmolzen worden, deren Zusammensetzungen
in Tabelle 1 angegeben sind.
[0030] Die Stahlschmelzen S1, S2, S3 sind in einer Gieß-Walz-Anlage zu Dünnbrammen mit einer
Dicke von durchschnittlich 55 mm vergossen worden, die in einem sich kontinuierlich
an das Vergießen anschließenden Vorgang in einen Tunnelofen eingelaufen sind, in dem
sie bei durchschnittlichen Temperaturen von 1050 °C im Durchlauf einer Glühung unterzogen
worden sind. Nach Verlassen des Ofens haben die Dünnbrammen einen Zunderwäscher passiert,
in dem ihre Oberfläche durch Beaufschlagung mit einer unter mehr als 300 bar abgespritzten
Reinigungsflüssigkeit im Durchlauf vom Zunder befreit worden ist.
[0031] Die derart gesäuberten Dünnbrammen sind dann in eine mehrgerüstige Warmwalzstaffel
eingelaufen, in der sie bei einer Warmwalzendtemperatur ET in mehreren Stichen zu
jeweils einem Warmband mit einer Dicke d fertigwarmgewalzt worden sind.
[0032] Anschließend sind die aus den Schmelzen S1 und S2 erzeugten Warmbänder W1 - W4 in
drei Stufen abgekühlt worden. In der ersten Stufe dieser Abkühlung sind die betreffenden
Warmbänder jeweils mit einer Abkühlgeschwindigkeit Ag1 auf eine Zwischentemperatur
ZT1 gekühlt worden. Daran schloss sich für eine Zeitdauer t2 eine Abkühlung an Luft
an, auf die wiederum die dritte Abkühlstufe folgte, in der die Bänder mit einer Abkühlgeschwindigkeit
Ag2 auf eine Temperatur ZT2 gekühlt worden sind. Auf dem zwischen dem Ende der Kühleinrichtung
bis zur Haspeleinrichtung zurückgelegten Weg sind die Warmbänder dann auf die Temperatur
HT angekühlt, mit der sie gehaspelt worden sind.
[0033] Die während der Herstellung der Warmbänder W1 - W4 aus den Schmelzen S1 und S2 eingehaltenen
Endwalztemperaturen ET, die Warmbanddicken d, die jeweiligen Abkühlgeschwindigkeiten
Ag1, die Zwischentemperatur ZT1, die Zeitdauer t2 der zwischengeschalteten Abkühlung
an Luft, die jeweiligen Abkühlgeschwindigkeiten Ag2, die Zwischentemperatur ZT2 und
die Haspeltemperaturen HT sind in Tabelle 2 angegeben.
[0034] In Tabelle 3 sind die für die betreffenden Warmbänder W1 - W4 ermittelten mechanischen
Eigenschaften Zugfestigkeit Rm, Gleichmaßdehnung Ag, Dehnung A80 und Dehnung A5 sowie
das jeweilige Produkt aus Rm*A5 und Rm*A80 angegeben.
1. Verfahren zum Herstellen eines perlitfreien warmgewalzten Stahlbands mit TRIP-Eigenschaften
und mit einer Zugfestigkeit von mindestens 600 MPa, bei dem in einem kontinuierlich
ablaufenden Arbeitsprozess mindestens folgende Arbeitsschritte durchgeführt werden:
- Vergießen einer Stahlschmelze, die neben Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen
(in Gew.-%)
C: 0,06 - 0,3 %,
Si: 0,1 - 3,0 %,
Mn: 0,3 -1,1 %,
wobei die Summe aus den Gehalten an Si und Mn
1,5 - 3,5 % beträgt,
mindestens eines der Elemente Ti oder Nb in Gehalten von jeweils 0,005 - 0,15 %,
sowie wahlweise eines oder mehrere der folgenden Elemente
Cr: max. 0,8 %,
Mo: max. 0,8 %,
Cu: max. 1 %,
Ni: max. 1 %,
enthält,
zu Dünnbrammen,
- Glühen der mit einer 850 bis 1050 °C betragenden Einlauftemperatur in einen Glühofen
einlaufenden Dünnbrammen bei Glühtemperaturen von 1000 bis 1200 °C für eine Glühdauer
von 10 bis 60 Minuten,
- Entzundern der Dünnbrammen in einem Zunderwäscher unter einem Abspritzdruck der
zum Entzundern eingesetzten Flüssigkeit von mindestens 300 bar,
- Fertigwarmwalzen der Dünnbrammen zu einem Warmband bei Warmwalzendtemperaturen,
die im Bereich von 750 bis 1000 °C liegen,
- gesteuertes Abkühlen des erhaltenen Warmbands auf eine Haspeltemperatur,
- Haspeln des Warmbands.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe aus den Gehalten an Si und Mn 1,5 - 2,5 Gew.-% beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe aus den Gehalten an Si und Mn 1,8 - 2,3 Gew.-% beträgt.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Glühtemperatur weniger als 1150 °C beträgt.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Glühdauer 15 bis 35 Minuten beträgt.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die während des Fertigwarmwalzens erzielte Gesamtumformung 1,8 - 3,7 beträgt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtumformung mindestens 2,5 beträgt.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Fertigwalzen in mehreren Stichen durchgeführt wird und die Verformung im letzten
Stich mindestens 5 % beträgt.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Verformung im letzten Stich 15 - 25 % beträgt.
10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Warmwalzendtemperatur unterhalb der Ar3-Temperatur liegt.
11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die gesteuerte Abkühlung erfolgt, indem das Warmband in einer ersten Stufe ausgehend
von der Warmwalzendtemperatur mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 70 bis 500 K/s auf
eine 600 - 750 °C betragende Zwischentemperatur gekühlt wird, indem das Warmband anschließend
in einer zweiten Stufe für 2 bis 13 Sekunden an Luft abkühlt und indem das Warmband
daraufhin in einer dritten Stufe mit einer 30 bis 200 K/s betragenden Abkühlgeschwindigkeit
auf eine Haspeltemperatur gekühlt wird, die 300 - 530 °C beträgt.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlgeschwindigkeit in der ersten Stufe der Abkühlung mindestens 150 K/s beträgt.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlgeschwindigkeit in der ersten Stufe der Abkühlung mindestens 300 K/s beträgt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Dauer der zweiten Stufe der Abkühlung 4 bis 8 Sekunden beträgt.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die gesteuerte Abkühlung erfolgt, indem das Warmband mit einer Abkühlgeschwindigkeit
von 10 bis 70 K/s kontinuierlich von der Warmwalzendtemperatur auf die Haspeltemperatur
gekühlt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die gesteuerte Abkühlung erfolgt, indem das Warmband in einer ersten Stufe innerhalb
von 1 bis 7 Sekunden auf eine Temperatur abgekühlt wird, die etwa 80 °C über der Haspeltemperatur
liegt, und indem das Warmband anschließend an Luft auf die Haspeltemperatur abkühlt,
die im Bereich von 300 bis 530 °C liegt.
17. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Warmband im Coil nach einer Ruhezeit beschleunigt abgekühlt wird.
18. Verfahren nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Ruhezeit 2 bis 30 Minuten beträgt.
19. Verfahren nach Anspruch 17 oder 18, dadurch gekennzeichnet, dass die beschleunigte Abkühlung durch Beaufschlagung des Coils mit einem Kühlfluid erfolgt.
20. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das erhaltene Warmband mindestens drei der Gefügebestandteile Ferrit, Bainit, Restaustenit
oder Martensit aufweist.
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe der Gehalte an Martensit und Restaustenit mindestens 8 % beträgt.
22. Verfahren nach einem der Ansprüche 20 oder 21, dadurch gekennzeichnet, dass der Kohlenstoffgehalt des Restaustenits mehr als 1 % beträgt.
23. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Produkt der Zugfestigkeit Rm und der Bruchdehnung A5 des erhaltenen Warmbands
mindestens 19.000 MPa*% beträgt.
24. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Produkt der Zugfestigkeit Rm und der Bruchdehnung A80 des erhaltenen Warmbands
mindestens 17.000 MPa*% beträgt.