(19)
(11) EP 1 396 677 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
10.03.2004  Patentblatt  2004/11

(21) Anmeldenummer: 02020125.7

(22) Anmeldetag:  07.09.2002
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7F23G 5/00, F23H 17/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(71) Anmelder: BBP Environment GmbH
51643 Gummersbach (DE)

(72) Erfinder:
  • Zormeier, Thomas
    51645 Gummersbach (DE)
  • Zimmermann, Bernhard, Dr.
    51503 Rösrath (DE)

(74) Vertreter: Lüdtke, Frank, Dipl.-Ing. 
Patentanwalt Postfach 10 18 69
30839 Langenhagen
30839 Langenhagen (DE)

   


(54) Müllverbrennungsanlage mit einem Verbrennungsrost


(57) Eine Müllverbrennungsanlage weist einen Kessel (1) auf, der in einen auf einem Fundament (7) abgestützten Kesselstahlbau (15) eingehängt ist und dessen Wände zusammen mit einem Verbrennungsrost (8) einen Feuerraum (2) begrenzen. Der Verbrennungsrost (8) ist von einem Rosttragrahmen (11) getragen. Der Rosttragrahmen (11) ist mit einer vertikal verfahrbaren Einheit verbunden, über die der Rosttragrahmen (11) an dem Fundament (7) abgestützt ist. Zwischen dem Rosttragrahmen (11) und dem Kessel (1) ist mindestens eine Messeinrichtung (14) angeordnet. Die vertikal verfahrbare Einheit ist nach Vorgabe einer Stellgröße der Messeinrichtung (14) verstellbar angeordnet.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Müllverbrennungsanlage mit einem Verbrennungsrost mit den Merkmalen des Oberbegriffes des Anspruches 1.

[0002] Bei einem bekannten Konstruktionsprinzip für Müllverbrennungsanlagen wird der Kessel nicht auf das Fundament gestellt, sondern in das Kesselgerüst eingehängt. Das hat zur Folge, dass die durch die eingebrachte Wärme entstehende Dehnung des Kessels nur nach unten und zu den Seiten, nicht aber nach oben erfolgen kann. Da der Verbrennungsrost und der Kessel dicht miteinander verbunden sein müssen, um Lufteintritte zu verhindern, wird der Spalt zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel mit einem Kompensator abgedichtet. Dieser gleicht die durch unterschiedliche Wärmedehnung unvermeidbare Relativbewegung zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel aus. Um den Spalt definiert klein zu halten, wird der Rosttragrahmen nicht auf das Fundament gestellt, sondern über Tragrohre im Kesselgerüst aufgehängt. Die Tragrohre werden in den Wasser-Dampf-Kreislauf des Kessels eingebunden, so dass die Längendehnung infolge der Temperaturänderung ähnlich zu der des Kessels ist. Dadurch kann der Abstand zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel nahezu konstant gehalten werden.

[0003] Ein definierter Spalt ist für den sicheren Betrieb der Anlage von erheblicher Bedeutung, da nur so der Verschleiss im Übergangsbereich zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel kontrollierbar bleibt. Die Tragrohre zur Aufhängung des Rosttragrahmens erfordern jedoch einen aufwendigen Gerüstaufbau, weil die Tragrohre über Auflageplatten und Tellerfedern in dem Kesselgerüst aufzuhängen sind. Außerdem sind die Tragrohre in den Wasser-Dampf-Kreislauf des Kessels einzubinden.

[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einer gattungsgemäßen Müllverbrennungsanlage den Verbrennungsrost so abzustützen, dass auf Tragrohre für die Abstützung des Rosttragrahmens verzichtet werden kann und dass eine Relativbewegung zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel während des Betriebes der Müllverbrennungsanlage minimiert wird.

[0005] Die Aufgabe wird bei einer gattungsgemäßen Müllverbrennungsanlage erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

[0006] Bei der erfindungsgemäßen Müllverbrennungsanlage können die Lasten aus dem Verbrennungsrost, dem Rosttragrahmen sowie aus dem Brennstoffschacht und dem Schlackefallschacht, die mit dem Rosttragrahmen verbunden sind, unmittelbar in das Fundament eingeleitet werden, wodurch Einsparungen im Stahlbau für das Kesselgerüst möglich werden. Die vertikal verfahrbare Einheit ersetzt die Tragrohre für die Abstützung des Rostragrahmens. Durch den Entfall dieser Tragrohre entfallen auch die zur Aufhängung der Tragrohre im Kesselgerüst notwendigen Auflageplatten und Tellerfedern sowie die Einbindung der Tragrohre in den Wasser-Dampf-Kreislauf des Kessels. Der durch die Wärmedehnung bedingte Relativbewegung zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel wird durch die vertikal verfahrbare Einheit entgegengewirkt.

[0007] Durch die mit der vertikal verfahrbaren Einheit zusammenwirkende Messeinrichtung lässt sich der Spalt zwischen dem Verbrennungsrost und dem Kessel in allen Betriebszuständen der Müllverbrennungsanlage exakt definieren. Über eine mit der Messeinrichtung verbundene Regeleinheit kann die vertikal verfahrbare Einheit der Kesseldehung geregelt nachgefahren werden, wodurch der Spalt konstant zu halten ist.

[0008] Mehrere Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden im Folgenden näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
schematisch den Längsschnitt durch eine Müllverbrennungsanlage;
Fig. 2
schematisch den Längsschnitt durch eine Müllverbrennungsanlage gemäß einer anderen Ausführungsform und
Fig. 3A und 3B
schematisch zwei verschiedene Ausführungsformen einer vertikal verfahrbaren Einheit.


[0009] Eine Müllverbrennungsanlage ist allgemein bekannt und wird nachfolgend nur soweit beschrieben, wie es zum Verständnis der Erfindung notwendig ist. Die Müllverbrennungsanlage enthält einen Kessel 1 mit einem Feuerraum 2, an den sich ein nur teilweise dargestellter Rauchgaszug 3 anschließt. Der Feuerraum 2 ist seitlich durch die Seitenwände 4 des Kessels 1 und oben durch eine Feuerraumdecke 5 begrenzt. Die Seitenwände 4, die Feuerraumdecke 5 und der Rauchgaszug 3 sind als gasdicht miteinander verschweißte Rohrwände ausgebildet und in einen Wasser-Dampf-Kreislauf eingebunden.

[0010] Der Kessel 1 ist in einen Kesselstahlbau 15 eingehängt, von dem Teile in den Fig. 1 und 2 zu erkennen sind.

[0011] Der Feuerraum 2 des Kessels 1 ist nach unten durch einen Verbrennungsrost 8 begrenzt, der beispielsweise als Vorschubrost ausgebildet ist. Vor dem Verbrennungsrost 8 befindet sich ein Brennstoffschacht 9, und hinter dem Verbrennungsrost 8 ist ein Schlackefallschacht 10 vorgesehen. Der Verbrennungsrost 8 steht zusammen mit dem Brennstoffschacht 9 und dem Schlackefallschacht 10 auf einem Rosttragrahmen 11 auf. Der Müll wird über den Brennstoffschacht 9 auf den Verbrenungsrost aufgegeben, über den Verbrennungsrost 8 in Richtung auf den Schlackefallschacht 10 gefördert und unter Zufuhr von Verbrennungsluft auf dem Verbrennungsrost 8 verbrannt. Infolge der Aufhängung des Kessels 1 in dem Kesselstahlbau 15 dehnt sich der Kessel 1 durch die bei der Verbrennung des Mülls entstehende Wärme nach den Seiten und nach unten aus.

[0012] Um den Spalt zwischen dem Verbrennungsrost 8 und dem Kessel 1 definiert zu halten, dient die nachfolgend beschriebene Vorrichtung. Diese besteht aus einer vertikal verfahrbaren Einheit und einer Messeinrichtung 14. Die vertikal verfahrbare Einheit besteht aus mehreren Einzelelementen 12, die an verschiedenen Stellen mit dem Rosttragrahmen 11 verbunden und entweder auf ein Fundament 7 oder an einem Träger 6 aufgehängt sind. Die vertikal verfahrbare Einheit bewirkt eine vertikale Lageänderung des Rosttragrahmens 11 gegenüber dem Kessel 1. Eine vertikale Lageänderung des Rosttragrahmens 11 erfordert eine horizontale Verschiebemöglichkeit oder eine Schwenkmöglichkeit des Verbindungspunktes zwischen der vertikal verfahrbaren Einheit und dem Rosttragrahmen 11 und dem Fundament 7. Die Verbindung zwischen der vertikal verfahrbaren Einheit und dem Rosttragrahmen 11 und dem Fundament 7 wird daher, wie in den Fig. 1, 2 und 3B angedeutet, als Gelenk 13, z. B. in Form von Kugelgelenkaugen oder Bolzenlagern, ausgeführt sein. Die Einzelelemente 12 der vertikal verschiebbaren Einheit können auch horizontal verschieblich auf Gleitlagern oder Wälzlagern 16 gelagert sein (Fig. 3B). Auf diese Weise lässt sich der Rosttragrahmen 11 auf und ab bewegen sowie um eine oder zwei Achsen schwenken. Jede beliebige Lage kann eingestellt werden, was eine Optimierung der Spaltgröße in allen Betriebszuständen ermöglicht.

[0013] Die Einzelelemente 12 der vertikal verfahrbaren Einheit können auf dem Fundament 7 aufstehen und den Rosttragrahmen 11 von unten stützen, wodurch die Last direkt in das Fundament 7 eingeleitet wird (Fig. 1). Alterantiv können die Einzelelemente 12 der vertikal verfahrbaren Einheit oberhalb des Rosttragrahmens 11 an dem Träger 6 aufgehängt sein, wodurch die Last über den Träger 6 in das Fundament 7 eingeleitet wird (Fig. 2).

[0014] Die Einzelelemente 12 der vertikal verfahrbaren Einheit können als Hydraulikstütze, als Spindelhubelement, als Zahnstange mit Ritzel oder bei der hängenden Ausführung auch als Seilwinde ausgebildet sein. In den Fig. 3A und 3B ist eine als Hydraulikstütze ausgebildete vertikal verfahrbare Einheit gezeigt, die aus einem mit Druckmedium beaufschlagten Zylinder 17 und einer Kolbenstange 18 besteht. Vorzugsweise ist dabei das Antriebselement - das heißt der Zylinder 17 der Hydraulikstütze, die angetriebene Mutter des Spindelhubelementes, das angetriebene Ritzel - auf dem feststehenden Teil (Fundament 7 oder Träger 6) angeordnet. Das Gegenstück - das heißt die Kolbenstange 18 der Hydraulikstütze, die Spindel des Spindelhubelementes, die Zahnstange - ist mit dem Rosttragrahmen 11 verbunden. Es sind auch Kombinationen möglich.

[0015] Die vertikal verfahrbare Einheit wirkt mit einer Messeinrichtung 14 zusammen, die an den Rosttragrahmen 11 und den Kessel 1 angreift. Die Messeinrichtung 14 liefert eine Stellgröße für die Einstellung des Spaltes zwischen dem Rosttragrahmen 11 und dem Kessel 1. Die Stellgröße wird über eine Regeleinrichtung an den angetriebenen Teil der vertikal verfahrbaren Einheit weitergeleitet.

[0016] Die Messeinrichtung 14 kann eine Wegmesseinrichtung sein, mit der der Abstand bestimmt wird, der sich während des Betriebes aufgrund der Kesseldehnung zwischen dem Vebrennungsrost 8 und dem Kessel 1 einstellt. Der gemessene Abstand wird mit einem zuvor definierten Abstand verglichen. Wird dieser definierte Abstand überschritten, so muss der Vebrennungsrost mit dem Rosttragrahmen 11 durch Aktivieren des Antriebsteils der Einzelelemente 12 der vertikal verfahrbaren Einheit an den Kessel 1 heran gefahren werden. Bei einem Unterschreiten des Abstandes wird der Verbrennungsrost 8 von dem Kessel 1 weg bewegt werden. Dadurch wird der Abstand oder der Spalt zwischen dem Vebrennungsrost 8 und dem Kessel 1 konstant gehalten.

[0017] Die Messeinrichtung 14 kann auch als Kraftmesseinrichtung ausgebildet sein, mit der die Kraft bestimmt wird, die während des Betriebs aufgrund der Kesseldehnung zwischen dem Rosttragrahmen 11 oder dem Verbrennungsrost 8 und dem Kessel 1 wirksam wird. Die gemessene Kraft wird mit einer zuvor definierten Zugkraft verglichen. Wird diese definierte Kraft überschritten, so muß mit Hilfe der vertikal verfahrbaren Einheit der Verbrennungsrost 8 mit dem Rosttragrahmen 11 an den Kessel 1 herangefahren werden. Bei einem Unterschreiten der Kraft wird der Verbrennungsrost 8 vom Kessel 1 weg bewegt. Durch ein Konstanthalten der Kraft zwischen dem Verbrennungsrost 8 und dem Kessel 1 wird auch der Spalt zwischen diesen beiden konstant gehalten. Analoges gilt für eine zuvor definierte Druckkraft.


Ansprüche

1. Müllverbrennungsanlage mit einem Kessel (1), der in einen auf einem Fundament (7) abgestützten Kesselstahlbau (15) eingehängt ist und dessen Wände zusammen mit einem Verbrennungsrost (8) einen Feuerraum (2) begrenzen, wobei der Verbrennungsrost (8) von einem Rosttragrahmen (11) getragen ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Rosttragrahmen (11) mit einer vertikal verfahrbaren Einheit verbunden ist, über die der Rosttragrahmen (11) an dem Fundament (7) abgestützt ist, dass zwischen dem Rosttragrahmen (11) und dem Kessel (1) mindestens eine Messeinrichtung (14) angeordnet ist und dass die vertikal verfahrbare Einheit nach Vorgabe einer Stellgröße der Messeinrichtung (14) über eine Regeleinrichtung verstellbar angeordnet ist.
 
2. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit auf dem Fundament (7) aufsteht.
 
3. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit direkt oberhalb des Verbrennungsrostes (8) an einem auf dem Fundament (7) abgestützten Träger (6) aufgehängt ist.
 
4. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit aus mehreren Einzelelementen (12) besteht, die als Hydraulikstützen ausgebildet sind.
 
5. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit aus mehreren Einzelelementen (12) besteht, die als Spindelhubelement ausgebildet sind.
 
6. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit aus mehreren Einzelelementen (12) besteht, die als Zahnstange mit Ritzel ausgebildet sind.
 
7. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit aus mehreren Einzelelementen (12) besteht, die als Seilwinde ausgebildet sind.
 
8. Müllverbrennungsanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die vertikal verfahrbare Einheit in Gelenken (13) mit dem Rosttragrahmen (11) und dem Fundament (7) oder dem Träger (6) verbunden ist.
 
9. Müllverbrennungsanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Einzelelemente (12) der vertikal verfahrbaren Einheit horizontal verschiebbar sind.
 
10. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (14) eine Weg-Messeinrichtung ist.
 
11. Müllverbrennungsanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (14) eine Kraft-Messeinrichtung ist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht