[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von Turbinenschaufeln mit darin
angeordneten Kühlkanälen, wobei ein keramischer Kern hergestellt wird, der mit einem
Wachs umspritzt wird, wobei über dem mit Wachs umspritzten Kern durch wiederholtes
Tauchen und Besanden eine keramische Formschale erzeugt wird, die nach dem Entfernen
des Wachses gebrannt wird, wobei der durch das Entfernen des Wachses entstandene Raum
zur Bildung der Turbinenschaufel mit geschmolzenem Metall ausgegossen wird und dabei
Bewegungen des Kerns in der Formschale durch vom Kern ausgehende, sich bis in die
Formschale erstreckende Positionierungshilfen verhindert werden, und wobei nach dem
Erhärten des Metalls die Formschale und der Kern entfernt werden sowie die metallische
Turbinenschaufel mechanisch bearbeitet wird.
[0002] Derartige Verfahren sind in verschiedenen Ausführungen bekannt. In der Regel ist
das untere Ende des Kerns beim Abguß fest angeordnet, sein oberes Ende kann aber unter
dem Einfluß des einströmenden geschmolzenen Metalls Bewegungen ausführen, die verhindert
werden müssen, damit die Wandungen der Turbinenschaufel in allen Bereichen die gewünschte
Wandstärke aufweisen.
[0003] Dazu ist es bekannt, in diejenigen Bereiche der den Kern umgebenden Wachsschicht,
die später die Wandungen der Turbinenschaufel begrenzen, Stifte einzudrücken, die
gegen den Kern stoßen und etwas über die Wachsschicht vorstehen (DE 38 13 287 C2;
EP 0 324 229 B1). Die überstehenden Enden der Stifte werden in die Formschale eingebettet
und verhindern nach dem Entfernen des Wachses beim Abguß Bewegungen des Kerns. Das
ist fertigungstechnisch aufwendig und kann in Abhängigkeit vom Stiftmaterial auch
zu lokalen Veränderungen der Materialeigenschaften der Turbinenschaufel sowie zu Problemen
bei einer gegebenenfalls nachfolgenden Beschichtung der Turbinenschaufel führen .
[0004] Bei einem anderen bekannten Verfahren (EP 0 585 183 A1) wird der Kern mit Vorsprüngen
(Bumper) versehen, die als Abstandshalter dienen. Es ist auch schon vorgeschlagen
worden, die Wachsschicht des Kerns bereichsweise zu entfernen, so daß entsprechende
Vorsprünge bzw. Abstandshalter von der Formschale gebildet werden (US 6 364 001 B1).
Auch das ist fertigungstechnisch aufwendig und garantiert nicht die gewünschte Wandstärke
der Turbinenschaufel.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren der eingangs beschriebenen Gattung anzugeben,
bei dem Bewegungen des Kerns während des Abgusses zuverlässig verhindert werden und
Beeinträchtigungen der Materialeigenschaften oder Oberflächen der Turbinenschaufel
ausgeschlossen sind.
[0006] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß als Positionierungshilfe ein Stift in die
freie Stirnseite des Kerns eingebettet wird, der über die Stirnseite vorsteht und
auch in die Formschale eingebettet wird, und daß das vorstehende Ende des Stiftes
bei der mechanischen Bearbeitung entfernt wird. Damit bleiben die Materialeigenschaften,
die Wandstärken und die Oberflächen aller funktionswichtigen Bereiche der Turbinenschaufel
von der Anordnung des Stiftes unberührt. Der Stift läßt sich ohne zusätzlichen Aufwand
in den keramischen Kern einbetten. Sein über die vom sogenannten Kronenboden der Turbinenschaufel
vorstehendes Ende kann leicht entfernt werden. Das unter dem Kronenboden befindliche
Ende des Stiftes braucht nicht entfernt zu werden, denn es stört nicht. Es versteht
sich, daß die Abmessungen des Stiftes so gewählt werden, daß einerseits eine feste
Einbettung in das Kernmaterial möglich ist und daß andererseits der Stift eine hinreichende
Stabilität beim Abguß aufweist.
[0007] Vorzugsweise sollte der Stift aus einer Nickelbasis-Legierung bestehen, insbesondere
aus NiCr 82. Eine solche Legierung ist im wesentlichen oxydationsbeständig und weist
eine hinreichende mechanische Festigkeit im Hochtemperaturbereich oberhalb 1.400°C
auf. Es können aber auch andere an sich bekannte Materialien für den Stift verwendet
werden, z.B. Platin, Edelmetall-Legierungen auf Palladiumbasis oder auf Wolframbasis,
oder gegebenenfalls auch Stifte aus keramischen Materialien.
[0008] Wird ein Stift verwendet, dessen Material beim Brennen der Formschale oxydiert, dann
empfiehlt sich eine Ausführung, bei der der Stift mit einem Widerlager für das Metall
der Turbinenschaufel versehen wird. Dabei kann es sich im einfachsten Fall um eine
Umfangsnut handeln. Der Stift sollte dann so in den Kern eingebettet werden, daß die
Umfangsnut sich im Bereich des späteren Kronenbodens befindet.
[0009] lm folgenden wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung erläutert; es zeigen:
- Figur 1
- schematisch eine Draufsicht auf eine Breitseite eines Kerns, der für die Herstellung
einer Turbinenschaufel mit Kühlkanälen eingesetzt wird,
- Figur 2
- einen Schnitt in Richtung II-II durch den Gegenstand nach Figur 1,
- Figur 3
- den Gegenstand nach Figur 2 nach dem Umspritzen mit Wachs,
- Figur 4
- den Gegenstand nach Figur 3 mit einer keramischen Formschale über der Wachsschicht,
- Figur 5
- den Gegenstand nach Figur 4 nach dem Ausschmelzen der Wachsschicht,
- Figur 6
- den Gegenstand nach Figur 5 nach dem Abguß,
- Figur 7
- den Gegenstand nach Figur 6 nach dem Entfernen des Kerns und der Formschale,
- Figur 8
- den Gegenstand nach Figur 7 nach dem Entfernen des über den Kronenboden vorstehenden
Endes des Stiftes.
[0010] Der in den Figuren 1 und 2 schematisch wiedergegebene Kern besteht aus einem keramischen
Material. Sein in den Figuren 1 und 2 unterer Abschnitt 2 ist für den Anschluß an
eine nicht dargestellte Halterung eingerichtet. Vom unteren Abschnitt gehen zwei obere
Abschnitte 3, 4 aus, die sich im wesentlichen parallel zueinander erstrecken. Wenigstens
der obere Abschnitt 4 weist Profilierungen 5 auf, die zur Bildung der Kühlkanäle in
der Turbinenschaufel dienen. Bei der Herstellung des Kerns 1 werden in die oberen
Stirnseiten 6 Stifte 7 eingebettet, die über die oberen Stirnseiten 6 vorstehen. Die
Stifte bestehen bei der dargestellten Ausführung aus einer Nickelbasis-Legierung,
nämlich aus NiCr 82.
[0011] Der so vorbereitete Kern wird mit einer Wachsschicht 8 umspritzt (Figur 3). Diese
Wachsschicht 8 definiert einen Raum, der später zur Bildung der Turbinenschaufel mit
geschmolzenem Metall ausgegossen wird. Das über den Kern 1 vorstehende Ende 10 des
Stiftes 7 bzw. der Stifte 7 steht auch über die Wachsschicht 8 vor und weist im Bereich
der Wachsschicht 8 eine Umfangsnut 11 auf.
[0012] In einem weiteren Verfahrensschritt (Figur 4) wird über der Wachsschicht 8 durch
mehrfaches Tauchen und Besanden eine keramische Formschale 9 erzeugt. Nach dem Entfernen
der Wachsschicht 8 wird die Formschale 9 gebrannt (Figur 5).
[0013] Nun kann der von der Wachsschicht 8 freigegebene Raum mit geschmolzenem Metall 12
ausgegossen werden, welches nach dem Abkühlen und Erhärten die Turbinenschaufel bildet.
Das geschmolzene Metall 12 fließt auch in die Umfangsnut 11 des oder der Stifte 7,
so daß ein Formschluß entsteht, der zumindest dann notwendig ist, wenn das Stiftmaterial
beim Brennen der Formschale 9 zu Oberflächenoxydation neigt (Figur 6).
[0014] Nach dem Abkühlen und Erhärten des Metalls 12 werden der Kern 1 und die Formschale
9 entfernt (Figur 7) und die so entstandene Turbinenschaufel 13 kann mechanisch bearbeitet
werden. Im Zuge der mechanischen Bearbeitung wird auch das ursprünglich in die Formschale
9 eingebettete Ende 10 des oder der Stifte 7, welches über den Kronenboden 14 der
Turbinenschaufel 13 vorsteht, entfernt. Das sich in das Innere der Turbinenschaufel
13 erstreckende Ende des oder der Stifte 7 wird nicht entfernt, denn es stört nicht.
1. Verfahren zum Herstellen von Turbinenschaufeln mit darin angeordneten Kühlkanälen,
wobei ein keramischer Kern hergestellt wird, der mit einem Wachs umspritzt wird, wobei
über dem mit Wachs umspritzten Kern durch wiederholtes Tauchen und Besanden eine keramische
Formschale erzeugt wird, die nach dem Entfernen des Wachses gebrannt wird, wobei der
durch das Entfernen des Wachses entstandene Raum zur Bildung der Turbinenschaufel
mit geschmolzenem Metall ausgegossen wird und dabei Bewegungen des Kerns in der Formschale
durch vom Kern ausgehende, sich bis in die Formschale erstreckende Positionierungshilfen
verhindert werden, und wobei nach dem Erhärten des Metalls die Formalschale und der
Kern entfernt werden sowie die metallische Turbinenschaufel mechanisch bearbeitet
wird, dadurch gekennzeichnet, daß als Positionierungshilfe ein Stift (7) in die freie Stirnseite (6) des Kerns (1)
eingebettet wird, der über die Stirnseite (6) vorsteht und auch in die Formschale
(9) eingebettet wird, und daß das vorstehende Ende (10) des Stiftes (7) bei der mechanischen
Bearbeitung entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stift (7) aus einer Nickelbasis-Legierung besteht.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß der Stift aus NiCr 82 besteht.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Stift mit einem Widerlager für das Material der Turbinenschaufel (13) eingesetzt
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet , daß der Stift (7) eine Umfangsnut (11) aufweist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Stift (7) so in den Kern (1) eingebettet wird, daß die Umfangsnut (11) im Bereich
des späteren Kronenbodens (14) angeordnet ist.