[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Regeln eines Verdichtersatzes oder eines
Lüftersatzes, aufweisend einen oder mehrere Verdichter bzw. einen oder mehrere Lüfter.
[0002] Bei gattungsgemäßen Verfahren, die in Kälteanlagen bzw. -maschinen zur Anwendung
kommen, erfolgt die Regelung des Saugdruckes durch Zu- bzw. Abschalten eines oder
mehrerer Verdichter. Die Regelung des Hochdruckes erfolgt durch Zu- bzw. Abschalten
einer oder mehrerer Lüfterstufen.
[0003] Zur Erzielung der geforderten Leistung und zur Vermeidung einer zu hohen Schalthäufigkeit
- diese würde die Verdichter bzw. die Lüfter unverhältnismäßig belasten -, werden
die einzelnen Leistungsstufen zeitverzögert zu- und abgeschaltet. Hierbei setzt sich
die Zeitverzögerung t
g aus einer Basiseinschaltzeit t
b - die als konstant angenommen wird - und eine von der Regelabweichung abhängigen
variablen Schaltzeit t
v zusammen.
[0004] Die Ermittlung der Zeitverzögerung t
g erfolgt nach folgender Formel:
t
g = t
b + t
v
wobei für t
v gilt:

Hierbei sind:
- tv
- = variable Schaltzeit
- tv_max
- = maximale variable Schaltzeit
- dt
- = Regelabweichung
- dtmax
- = maximale Regelabweichung
wobei sofern dt > dt
max, dann gilt dt = dt
max
[0005] Aus der obigen Formel ist ersichtlich, dass sich die Zeitverzögerung t
g umgekehrt proportional zu der Regelabweichung dt verhält.
[0006] Zu lange Schaltzeiten führen zu vergleichsweise hohen Regelabweichungen. Zu kurze
Schaltzeiten hingegen bewirken ein Überschreiten der zulässigen Schalthäufigkeit der
Verdichter bzw. Lüfter. Zwar werden zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Kälteanlage
bzw. -maschine die Schaltzeiten eingestellt, jedoch sind diese nur für den bei der
Inbetriebnahme herrschenden Anlagenzustand als optimal anzusehen.
[0007] Ändert sich der Leistungsbedarf - bspw. im Nachtbetrieb, wenn der oder einzelne Verbraucher
abgedeckt und/oder abgeschaltet werden - und/oder variieren die Umgebungsbedingungen
der Anlage - bspw. bei Änderungen der Außentemperatur und/oder der Temperatur im Verkaufsraum
-, so weichen die aktuellen Schaltzeiten von den zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme
eingestellten Optimalwerten ab.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein gattungsgemäßes Verfahren anzugeben,
das es ermöglicht, die Schaltzeiten der Verdichter bzw. Lüfter an die jeweils aktuellen
Umgebungsbedingungen und/oder an den jeweils erforderlichen Leistungsbedarf anzupassen.
[0009] Dies wird erfindungsgemäß durch eine Verfahrensweise gemäß dem kennzeichnenden Teil
des Patentanspruches 1 gelöst.
[0010] Erfindungsgemäß wird nunmehr zur Begrenzung der Schalthäufigkeit der Verdichter bzw.
Lüfter zunächst die maximale Anzahl der Schaltungen je Stunde je Verdichter bzw. je
Lüfter vorgegeben. Mittels dieses Parameters wird festgelegt, in welchen minimalen
Zeitabständen ein Verdichter bzw. Lüfter eingeschaltet werden kann bzw. darf.
[0011] Beträgt bspw. die maximale Schalthäufigkeit 10 Schaltungen pro Stunde, kann ein Verdichter
bzw. Lüfter folglich frühestens alle 6 Minuten erneut eingeschaltet werden; Voraussetzung
hierfür ist selbstverständlich, dass der Verdichter bzw. Lüfter zuvor ausgeschaltet
wurde.
[0012] Bei Kälte- bzw. Wärmebedarf erfolgt das Zu- und Abschalten von Verdichtern bzw. Lüftern
in Abhängigkeit von der Abweichung von einem voreingestellten Sollwert. Hieraus ergibt
sich eine Bedarfszykluszeit t
Bz; diese ist definiert als Zeitintervall zwischen dem Einschalten eines Verdichters
bzw. Lüfters und dem nächstfolgenden Zeitpunkt, zu dem erneut ein Kälte- bzw. Wärmebedarf
besteht und zeitverzögert ein Verdichter bzw. Lüfter zugeschaltet wird.
[0013] Das Zuschalten eines oder mehrerer Verdichter bzw. Lüfter erfolgt nach einer Verzögerungszeit
t
V_EIN, das Abschalten eines oder mehrerer Verdichter bzw. Lüfter nach einer Verzögerungszeit
t
V_Aus.
[0014] Zur Einhaltung der geforderten maximalen Schalthäufigkeit ist ein erneutes Zuschalten
eines oder mehrerer Verdichter bzw. Lüfter erst nach Ablauf der Einschaltverzögerungszeit
t
E möglich. Die Einschaltverzögerungszeit t
E wird mittels der maximal vorgegebenen Schaltungen pro Stunde berechnet; somit gilt:

[0015] Durch die Einschaltverzögerungszeit t
E ergibt sich je Verdichter bzw. Lüfter eine Einschaltsperrzeit t
S_EIN. Diese Einschaltsperrzeit wird wie folgt berechnet:

[0016] Bei zu langen Ein- und Ausschaltverzögerungszeiten ist das Ergebnis negativ, bei
zu kurzen Zeiten positiv. Bei mehreren Verdichtern bzw. Lüftern ergeben sich im Regelfall
unterschiedliche Einschaltsperrzeiten; bei der nachfolgenden Berechnung wird lediglich
die kürzeste Einschaltsperrzeit herangezogen.
[0017] Zur Vermeidung der Einschaltsperrzeit werden die Ein- und Ausschaltverzögerungszeiten
t
V_EIN und t
V_AUS je Verdichter bzw. Lüfter jeweils für den nächsten Bedarfszyklus neu berechnet.
[0018] Wie oben beschrieben, setzen sich die Ein- und Ausschaltverzögerungszeiten aus einer
Basiseinschaltzeit t
b und einer variablen Schaltverzögerung bzw. Schaltzeit t
v zusammen. Die (kürzeste) Einschaltsperrzeit t
S_EIN wird prozentual auf beide Verzögerungszeiten verteilt.
PV_EIN = Prozentualer Anteil auf die variable Einschaltverzögerung
(z. B. 0,8 = 80 % der Abweichung auf Einschaltverzögerung, 20 % auf Ausschaltverzögerung)
PB_EIN = Prozentualer Anteil auf die Basiseinschaltverzögerung
(z. B. 0,5 = 50 % der Abweichung auf Basiseinschaltverzögerung, 50 % auf variable)
[0019] Berechnung der neuen Basiseinschaltzeit t
V_EIN_B:

wobei P ein Proportionalitätsfaktor ist, mittels dessen eine Verstärkung oder Dämpfung
des Reglers erfolgen kann.
[0020] Berechnung der neuen variablen Einschaltzeit t
V_EIN_B:

[0021] Berechnung der neuen Basisausschaltzeit t
V_AUS_B:

[0022] Berechnung der neuen variablen Ausschaltzeit t
V_AUS_V:

[0024] Nach der bereits angeführten Formel t
g = t
b + t
v für die Zeitverzögerung kann nunmehr die Zeitverzögerung t
g_EIN, mit der ein Verdichter bzw. Lüfter zugeschaltet wird, nach folgender Formel ermittelt
werden: t
g_EIN = t
V_EIN_B + t
V_EIN_V.
[0025] Die Zeitverzögerung t
g_AUS, mit der ein Verdichter bzw. Lüfter abgeschaltet wird, berechnet sich nach folgender
Formel: t
g_AUS = t
V_AUS_B + t
V_AUS_V
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Regeln eines Verdichtersatzes oder eines Lüftersatzes
ermöglicht eine Optimierung der Schaltzeiten der Verdichter und Lüfter eines Verdichter-
bzw. Lüftersatzes. Eine manuelle Optimierung der Schaltzeiten - wie sie bisher vorgenommen
wird - erübrigt sich dank des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0027] Die Optimierung der Schaltzeiten der Verdichter und Lüfter eines Verdichter- bzw.
Lüftersatzes hat zur Folge, dass sich die Lebensdauer der Verdichter und Lüfter erhöht.
1. Verfahren zum Regeln eines Verdichtersatzes oder eines Lüftersatzes, aufweisend einen
oder mehrere Verdichter bzw. einen oder mehrere Lüfter,
dadurch gekennzeichnet, dass
a) den Verdichtern bzw. Lüftern die maximale Anzahl der Schaltungen pro Stunde vorgegeben
und daraus die Einschaltverzögerungszeit tE errechnet wird, wobei gilt: tE = 60 Minuten / maximale Anzahl der Schaltungen pro Stunde,
b) die Bedarfszykluszeit tBz, die als Zeitintervall zwischen dem Einschalten eines Verdichters bzw. Lüfters und
dem nächstfolgenden Zeitpunkt, zu dem erneut ein Kälte- bzw. Wärmebedarf besteht und
zeitverzögert ein Verdichter bzw. Lüfter zugeschaltet wird, definiert ist, ermittelt
wird,
c) eine Einschaltsperrzeit tS_EIN je Verdichter bzw. Lüfter ermittelt wird, wobei gilt: tS_EIN = tE - tBZ - tV_EIN und die Verzögerungszeit tV_EIN, mit der ein Verdichter bzw. Lüfter zugeschaltet wird, vorgegeben wird,
d) eine Basiseinschaltzeit tV_EIN_B ermittelt wird, wobei gilt:

wobei P ein Proportionalitätsfaktor ist, mittels dessen eine Verstärkung oder Dämpfung
des Reglers erfolgen kann, N für die Anzahl der Verdichter bzw. Lüfter, die während
einer Bedarfszykluszeit eingeschaltet sind, steht und die ermittelte Einschaltsperrzeit
tS_EIN prozentual auf die Basiseinschaltverzögerung und die variable Einschaltverzögerung
verteilt wird,
e) eine variable Einschaltzeit tV_EIN_B ermittelt wird, wobei gilt:

f) eine Basisausschaltzeit tV_AUS_B ermittelt wird, wobei gilt:

g) eine variable Ausschaltzeit tV_AUS_V ermittelt wird, wobei gilt:

h) die Zeitverzögerung tg_EIN, mit der ein Verdichter bzw. Lüfter zugeschaltet wird, nach folgender Formel ermittelt
wird: tg_EIN = tV_EIN_B + tV_EIN_V und
i) die Zeitverzögerung tg_Aus, mit der ein Verdichter bzw. Lüfter abgeschaltet wird, nach folgender Formel ermittelt
wird: tg_AUS = tV_AUS_B + tV_AUS_V