[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Gewinnung von hoch reinem Stickstoff durch
Tieftemperaturzerlegung von Luft in einem Rektifiziersäulensystem, das eine Hochdrucksäule
und eine Niederdrucksäule aufweist, wobei bei dem Verfahren Einsatzluft in die Hochdrucksäule
eingeleitet wird, eine sauerstoffangereicherte Fraktion aus der Hochdrucksäule entnommen
und in die Niederdrucksäule eingespeist wird und eine hoch reine Stickstofffraktion
aus der Niederdrucksäule entnommen und als Produkt abgeführt wird.
[0002] Ein Verfahren der eingangs genannten Art und eine entsprechende Vorrichtung sind
aus EP 948730 B1 (= US 6196023 B1), EP 955509 A1 (= US 6196022) oder EP 1146301 bekannt.
Dort wird eine besonders hohe Stickstoffreinheit in Bezug auf leichterflüchtige Verunreinigungen,
insbesondere Wasserstoff, erreicht, indem das Stickstoffprodukt einige Böden (so genannte
Sperrböden) unterhalb des Kopfs der Niederdrucksäule abgezogen wird. Die leichterflüchtigen
Komponenten werden mit einem Spülstrom vom Kopf der Niederdrucksäule abgezogen.
[0003] Allerdings enthält das hoch reine Stickstoffprodukt bei den bekannten Verfahren immer
noch leichterflüchtige Verunreinigungen wie Wasserstoff, die bisher nur durch entsprechende
Maßnahmen bei der Vorreinigung von Luft zu vermindern waren, die einen hohen apparativen
Aufwand erfordern.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, die Reinheit des hoch reinen Stickstoffprodukts
weiter zu erhöhen und dabei mit mäßigem apparativen Aufwand auszukommen.
[0005] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die sauerstoffangereicherte Fraktion vor
ihrer Einleitung in die Niederdrucksäule einem Reinigungsschritt zur Entfernung von
leichterflüchtigen Verunreinigungen unterzogen wird.
[0006] Im Rahmen der Erfindung hat sich herausgestellt, dass sich die leichterflüchtigen
Verunreinigungen nicht nur im oberen Bereich der Niederdrucksäule anreichem, sondern
auch mit der sauerstoffangereicherten Fraktion in die Niederdrucksäule eingetragen
werden, die notwendigerweise unterhalb der Entnahme des Stickstoffprodukts eingeleitet
wird. Obwohl diese Fraktion an leichterflüchtigen Bestandteilen gegenüber der Luft
abgereichert wird, ist beispielsweise ihr Wasserstoffgehalt überraschenderweise dennoch
so groß, dass er Einfluss auf die Reinheit des Stickstoffprodukts hat. Die erfindungsgemäße
gezielte Reinigung der sauerstoffangereicherten Fraktion vor ihrer Einleitung in die
Niederdrucksäule verhindert wirksam die Eintragung von leichterflüchtigen Verunreinigungen
in die Niederdrucksäule unterhalb der Entnahme des hoch reinen Stickstoffprodukts.
[0007] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kann das gesamte sauerstoffangereicherte Produkt
der Hochdrucksäule in die Niederdrucksäule gefahren werden, ohne dass dies die Produktreinheit
verschlechtert. Dadurch kann der Luftfaktor (Verhältnis zwischen Produkt- und Einsatzmenge)
verringert werden und der Energieverbrauch nimmt ab. Auch bei erhöhter Wasserstoff-Konzentration
in der Einsatzluft kann das hoch reine Stickstoffprodukt sauber gehalten werden.
[0008] Als "sauerstoffangereichert" wird hier eine Fraktion bezeichnet, die einen höheren
Sauerstoffgehalt als die atmosphärische Luft aufweist. Dieser kann beispielsweise
25 bis 40 mol-%, vorzugsweise 30 bis 35 mol-% betragen.
[0009] Unter "leichterflüchtigen Verunreinigungen" werden Luftkomponenten verstanden, die
einen niedrigeren Siedepunkt als Stickstoff haben, beispielsweise Wasserstoff, Neon
und/oder Helium.
[0010] Grundsätzlich ist bei der Erfindung jede Reinigungsmethode einsetzbar. Besonders
günstig ist es jedoch, wenn die sauerstoffangereicherte Fraktion in dem Reinigungsschritt
zur Entfernung von leichterflüchtigen Verunreinigungen in eine Trennsäule eingeführt
und durch dort durch Gegenstrom-Stoffaustausch gereinigt wird. Die Trennsäule ist
vorzugsweise als Abtriebssäule ausgebildet.
[0011] Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die sauerstoffangereicherte Fraktion flüssig in
den oberen Bereich der Trennsäule eingeführt wird. Aufsteigender Dampf kann beispielsweise
durch einen Sumpfverdampfer gebildet werden. Vorzugsweise wird jedoch eine gasförmige
Fraktion aus der Niederdrucksäule als aufsteigender Dampf in den unteren Bereich der
Trennsäule eingeleitet.
[0012] Die gereinigte sauerstoffangereicherte Fraktion wird aus dem unteren Bereich der
Trennsäule entnommen und von dort in die Niederdrucksäule eingeleitet. Hierzu ist
es günstig, wenn die Trennsäule zum Beispiel etwa unter demselben Druck wie die Niederdrucksäule
betrieben wird, sodass die sauerstoffangereicherte Fraktion ohne die Hilfe eine Pumpe
oder anderer Fördermittel in die Niederdrucksäule fließt. Die Einspeisung findet vorzugsweise
an derselben Stelle statt, an der auch die gasförmige Fraktion aus der Niederdrucksäule
entnommen wird, die in der Trennsäule im Gegenstrom zu der sauerstoffangereicherten
Fraktion aufsteigt.
[0013] Die unerwünschten leichterflüchtigen Bestandteile werden im Kopfgas der Trennsäule
angereichert. Mit dem Kopfgas werden sie aus dem oberen Bereich der Trennsäule entnommen.
Wenn die Niederdrucksäule und die Trennsäule unter einem gegenüber dem Atmosphärendruck
erhöhten Druck betrieben werden, ist es günstig, das Kopfgas arbeitsleistend zu entspannen
und damit Kälte für das Verfahren zu gewinnen. Alternativ kann das Kopfgas der Trennsäule
gegen eine verdampfende flüssige Zwischenfraktion der Niederdrucksäule kondensiert
und als Kältemittel für einen weiteren Kondensator-Verdampfer, beispielsweise einen
Kopfkondensator der Niederdrucksäule verwendet werden.
[0014] Alternativ oder zusätzlich kann durch andere Methoden Verfahrenskälte gewonnen werden,
beispielsweise durch die Entspannung von Restgas aus einem Kopfkondensator der Niederdrucksäule
oder aus der Niederdrucksäule selbst, oder aber mittels einer Luftturbine, die in
die Hochdrucksäule einbläst. Auch jede Kombination derartiger Kältegewinnungsmethoden
ist möglich. Eine Direkteinblasung von Luft in die Niederdrucksäule sollte im Allgemeinen
vermieden werden, da dies wiederum zur Kontamination des Stickstoffprodukts mit leichterflüchtigen
Verunreinigungen führen würde.
[0015] Häufig wird das hoch reine Stickstoffprodukt unter überatmosphärischem Druck benötigt.
In solchen Fällen ist es günstig, die Niederdrucksäule ebenfalls unter deutlich überatmosphärischem
Druck von beispielsweise 3 bis 8 bar, vorzugsweise 3 bis 6 bar zu betreiben. (In der
Hochdrucksäule, die üblicherweise über einen gemeinsamen Kondensator-Verdampfer, den
Hauptkondensator, in wärmetauschender Verbindung mit der Niederdrucksäule steht, herrscht
dann ein Druck von beispielsweise 6 bis 20, vorzugsweise 7 bis 16 bar.) In solchen
Fällen ist es günstig, die Rücklaufflüssigkeit für die Niederdrucksäule nicht oder
nicht nur vom Hauptkondensator abzuziehen, sondern teilweise oder vollständig in einem
Kopfkondensator der Niederdrucksäule zu erzeugen. Dazu wird gasförmiger Kopfstickstoff
aus der Niederdrucksäule im Verflüssigungsraum des Kopfkondensators durch indirekten
Wärmeaustausch mit einer im Verdampfungsraum des Kopfkondensators verdampfenden Kühlfraktion
mindestens teilweise kondensiert. Mindestens ein Teil des dabei erzeugten flüssigen
Stickstoffs wird als Rücklauf auf die Niederdrucksäule aufgegeben. Vom Kopfkondensator
wird vorzugsweise ein Spülgas abgezogen, mit dem auch leichterflüchtige Verunreinigungen
entweichen.
[0016] Als Kühlfraktion für den Kopfkondensator der Niederdrucksäule kann jede geeignete
Flüssigkeit eingesetzt werden, insbesondere eine oder mehrere der in EP 948730 B1
(= US 6196023 B1), EP 955509 A1 (= US 6196022) und EP 1146301 für diesen Zweck verwendeten
Fraktionen. Vorzugsweise wird der Kopfkondensator mit Sumpfflüssigkeit der Niederdrucksäule
gekühlt.
[0017] Zur weiteren Erhöhung der Produktreinheit wird die hoch reine Stickstofffraktion
mindestens einen theoretischen oder praktischen Boden unterhalb des Kopfs der Niederdrucksäule
entnommen, wie es aus EP 948730 B1 (= US 6196023 B1), EP 955509 A1 (= US 6196022)
und EP 1146301 an sich bekannt ist. Der Umfang der Sperrböden beträgt beispielsweise
einen bis zehn, vorzugsweise drei bis fünf theoretische oder praktische Böden.
[0018] Um einen Produktdruck zu erreichen, der über dem Betriebsdruck der Niederdrucksäule
liegt, kann die hoch reine Stickstofffraktion stromabwärts ihrer Entnahme in flüssigem
Zustand auf einen erhöhten Druck gebracht, anschließend in einem Produktverdampfer
durch indirekten Wärmeaustausch verdampft und als hoch reines Produkt abgeführt werden.
Diese Produktverdampfung kann - wie in EP 948730 B1 (= US 6196023 B1), EP 955509 A1
(= US 6196022) und EP 1146301 dargestellt, in dem Hauptwärmetauscher-System stattfinden,
das auch zur Abkühlung der Einsatzluft vor ihrer Einspeisung in die Hochdrucksäule
dient, oder aber in einem separaten Produktverdampfer in indirektem Wärmeaustausch
gegen eine kondensierende Fraktion aus der Hochdrucksäule oder Niederdrucksäule, beispielsweise
gegen gasförmigen Stickstoff aus dem oberen Bereich der Hochdrucksäule.
[0019] Die Erfindung betrifft außerdem eine Vorrichtung zur Gewinnung von hoch reinem Stickstoff
durch Tieftemperaturzerlegung von Luft gemäß den Patentansprüchen 9 bis 15.
[0020] Die Erfindung sowie weitere Einzelheiten der Erfindung werden im Folgenden anhand
eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0021] Verdichtete und gereinigte Einsatzluft 1 wird in einem Hauptwärmetauscher 2 abgekühlt
und einer Hochdrucksäule 4 unter einem Druck von 14 bar zugeleitet (3). Das Rektifiziersystem
weist außerdem eine Niederdrucksäule 5 auf, die mit einem Druck von 5 bar betrieben
wird und mit der Hochdrucksäule über einen gemeinsamen Kondensator-Verdampfer (Hauptkondensator)
6 in wärmetauschender Verbindung steht. Eine gasförmige Stickstofffraktion 7 vom Kopf
der Hochdrucksäule wird im Hauptkondensator 6 verflüssigt und zu einem ersten Teil
über die Leitungen 8 und 9 als Rücklauf auf die Hochdrucksäule aufgegeben. Ein zweiter
Teil 10 wird in einem Unterkühlungs-Gegenströmer 11 unterkühlt und über Leitung 12
zum Kopf der Niederdrucksäule 5 geführt.
[0022] Die Sumpfflüssigkeit 13 wird als sauerstoffangereicherte Fraktion aus der Hochdrucksäule
abgezogen und ebenfalls unterkühlt (11). Die unterkühlte sauerstoffangereicherte Fraktion
14 wird in einem Drosselventil 15 auf etwa den Betriebsdruck der Niederdrucksäule
5 entspannt und erfindungsgemäß einem Reinigungsschritt zur Entfernung von leichterflüchtigen
Verunreinigungen zugeführt, der iri dem Beispiel aus einer Trennsäule 16 besteht,
die als Abtriebssäule ausgebildet ist. Die sauerstoffangereicherte Fraktion wird auf
den Kopf der Trennsäule 16 aufgegeben und tritt dort in Gegenstrom-Stoffaustausch
mit einer gasförmigen Fraktion 17 von einer Zwischenstelle der Niederdrucksäule 5.
Die gereinigte sauerstoffangereicherte Fraktion wird aus dem Sumpf der Trennsäule
16 entnommen und fließt über Leitung 18 in die Niederdrucksäule 5. Die Einspeisung
kann wie dargestellt an derselben Stelle erfolgen, an der die gasförmige Fraktion
17 abgezogen wird, oder auch um einen oder mehrere theoretische oder praktische Böden
versetzt.
[0023] Die Sumpfflüssigkeit 19 der Niederdrucksäule 5 wird, soweit sie nicht im Hauptkondensator
6 verdampft, unterkühlt (11) und über Leitung 20 und Entspannungsventil 21 in den
Verdampfungsraum eines Kopfkondensators 22 der Niederdrucksäule 5 eingeführt. In dessen
Verflüssigungsraum kondensiert der gasförmige Stickstoff 23 vom Kopf der Niederdrucksäule
5 fast vollständig; das Kondensat 24/25 wird in die Niederdrucksäule zurückgeleitet.
Ein Restdampf, der insbesondere leichterflüchtige Verunreinigungen wie Helium, Neon
und/oder Wasserstoff enthält, wird als Spülgas 26 aus der im Kopfkondensator kondensierten
Fraktion 19 (wie dargestellt) oder alternativ direkt aus dem Kopfkondensator 22 entnommen.
Der Restdampf 26 wird in die Atmosphäre abgeblasen oder mit einem anderen Reststrom,
zum Beispiel in Leitung 38, vermischt.
[0024] Nach Durchlaufen eines Stoffaustauschabschnitts 27 (so genannte Sperrböden), der
in dem Beispiel 3 bis 5 praktische Böden aufweist, wird ein Teil der in der Niederdrucksäule
5 herabfließenden Flüssigkeit als hoch reine Stickstofffraktion 28 entnommen, in flüssigem
Zustand auf Druck (im Beispiel 14 bar) gebracht (Pumpe 29) und über die Leitungen
30 und 31 durch den Unterkühlungs-Gegenströmer 11 zu einem Produktverdampfer 32 geführt.
Der unter einem Druck von 13,4 bar verdampfte Stickstoff 33 wird im Hauptwärmetauscher
2 angewärmt und schließlich als hoch reines Druckprodukt 34 (PGAN) abgeführt. (Ein
Teil kann als Sperrgas [Sealgas] verwendet werden.) Das hoch reine Stickstoffprodukt
kann gegebenenfalls in gasförmigem Zustand weiter verdichtet werden. In dem Beispiel
weist das hoch reine Druckstickstoffprodukt 34 eine Gesamtverunreinigung von 10 ppb
(einschließlich Kohlenmonoxid) auf. Bei Bedarf kann ein Teil des gasförmigen Stickstoffs
7 vom Kopf der Drucksäule im Hauptwärmetauscher 2 angewärmt und als weiteres Druckprodukt
geringerer Reinheit gewonnen werden (nicht dargestellt).
[0025] Auf der Verflüssigungsseite des Produktverdampfers 32 wird ein (anderer) Teil 35
des gasförmigen Stickstoffs 7 vom Kopf der Hochdrucksäule 4 kondensiert. Die dabei
entstehende Flüssigkeit 36 wird als zusätzlicher Rücklauf auf die Hochdrucksäule 4
aufgegeben. Der Produktverdampfer 32 kann als Umlaufverdampfer (Badverdampfer mit
Thermosiphon-Effekt) oder als Fallfilmverdampfer ausgebildet sein. Flüssig vertriebener
Stickstoff 37 wird gegebenenfalls in die Niederdrucksäule 5 zurückgeführt. Auch am
Produktverdampfer 32 kann ein Restdampf, der insbesondere leichterflüchtige Verunreinigungen
wie Helium, Neon und/oder Wasserstoff enthält, entnommen werden (nicht dargestellt).
Über Leitung 44 kann eine Spülflüssigkeit. kontinuierlich oder diskontinuierlich entnommen
und verworfen werden, um die Anreicherung von schwererflüchtigen Komponenten im Verdampfungsraum
des Kopfkondensators 22 zu vermeiden.
[0026] Bei Bedarf kann ein Teil der flüssigen hoch reinen Stickstofffraktion 28 aus der
Niederdrucksäule als Flüssigprodukt gewonnen werden. Der unreine Sauerstoff 38, der
durch Verdampfung der Sumpfflüssigkeit 19 der Niederdrucksäule 5 im Kopfkondensator
22 der Niederdrucksäule entsteht, wird in den Wärmetauschern 11 und 2 angewärmt und
als Nebenprodukt oder Restgas abgeführt (39). Er kann beispielsweise für die Regenerierung
einer Vorrichtung zur Luftreinigung eingesetzt werden (nicht dargestellt).
[0027] Kälte wird bei dem Verfahren des Ausführungsbeispiels durch arbeitsleistende Entspannung
43 des Kopfgases 40 - 41 - 42 der Trennsäule 16 erzeugt. Das Kopfgas 40 wird zuvor
im Unterkühlungs-Gegenströmer 11 und im Hauptwärmetauscher 2 auf eine Zwischentemperatur
angewärmt. Der Durchsatz durch die Entspannungsmaschine kann mittels einer Bypass-Leitung
46, die ein Entspannungsventil enthält, eingestellt werden. Alternativ oder zusätzlich
kann die Entspannungsturbine mit dem unreinen Sauerstoff (Restgas) 38 aus dem Verdampfungsraum
des Kopfkondensators 22 der Niederdrucksäule angetrieben werden.
[0028] Die in der Entspannungsmaschine 43 gewonnene mechanische Energie kann beispielsweise
zur Nachverdichtung des im Produktverdampfer 32 verdampften Druckstickstoffprodukts
oder zur Druckerhöhung im Kopfgas der Trennsäule stromaufwärts der Entspannungsmaschine
43 verwendet werden, vorzugsweise durch direkte mechanische Kopplung von Entspannungsmaschine
43 und einem entsprechenden Verdichter. Alternativ kann die Entspannungsmaschine 43
die mechanische Energie an einen Generator oder an eine dissipative Bremse abgeben.
[0029] Die Stoffaustauschelemente in der Niederdrucksäule und in der Hochdrucksäule können
bei der Erfindung und bei dem Ausführungsbeispiel durch konventionelle Stoffaustauschböden
(zum Beispiel Siebböden), Füllkörper (ungeordnete Packung) und/oder geordnete Packung
gebildet werden. Auch Kombinationen verschiedenartiger Elemente in einer Säule sind
möglich.
[0030] In einer von der Zeichnung abweichenden Variante der Erfindung wird das Kopfgas 40
der Trennsäule 16 nicht in den Unterkühlungs-Gegenströmer 11 eingeführt, sondern in
einen zusätzlichen Kondensator-Verdampfer. Dort wird es in indirektem Wärmeaustausch
mit einer verdampfenden Zwischenflüssigkeit aus der Niederdrucksäule kondensiert und
schließlich - zusätzlich zu der Niederdrucksäulen-Sumpfflüssigkeit 19, 20 in den Verdampfungsraum
des Kopfkondensators eingeleitet.
[0031] In einem konkreten Zahlenbeispiel ergeben sich folgende Wasserstoffkonzentrationen
(jeweils molare Mengen):
| Einsatzluft 1, 3 |
5 ppm |
| Sauerstoffangereicherte Fraktion 13, 14 (Sumpf der Hochdrucksäule) |
130 ppb |
| Kopfgas 40 der Trennsäule 16 |
1.200 ppb |
| Spülgas 26 vom Kopf der Niederdrucksäule 5 |
0,3% |
| Hoch reines Stickstoffprodukt 28 |
< 1 ppb |
1. Verfahren zur Gewinnung von hoch reinem Stickstoff durch Tieftemperaturzerlegung von
Luft in einem Rektifiziersäulensystem, das eine Hochdrucksäule (4) und eine Niederdrucksäule
(5) aufweist, wobei bei dem Verfahren Einsatzluft (1, 3) in die Hochdrucksäule (4)
eingeleitet wird, eine sauerstoffangereicherte Fraktion (13, 14) aus der Hochdrucksäule
(4) entnommen und in die Niederdrucksäule (5) eingespeist (18) wird und eine hoch
reine Stickstofffraktion (28, 30, 31, 33, 34) aus der Niederdrucksäule (5) entnommen
und als Produkt abgeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die sauerstoffangereicherte Fraktion (13, 14) vor ihrer Einleitung (18) in die Niederdrucksäule
(5) einem Reinigungsschritt (16) zur Entfernung von leichterflüchtigen Verunreinigungen
unterzogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die sauerstoffangereicherte Fraktion in dem Reinigungsschritt zur Entfernung von
leichterflüchtigen Verunreinigungen in eine Trennsäule (16), insbesondere in eine
Abtriebssäule, eingeführt und durch dort durch Gegenstrom-Stoffaustausch gereinigt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die sauerstoffangereicherte Fraktion (13, 14) flüssig in den oberen Bereich der Trennsäule
(16) eingeführt wird und eine gasförmige Fraktion (17) aus der Niederdrucksäule (5)
in den unteren Bereich der Trennsäule (16) eingeleitet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die gereinigte sauerstoffangereicherte Fraktion (18) aus dem unteren Bereich der
Trennsäule (16) entnommen und in die Niederdrucksäule (5) eingeleitet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass ein Kopfgas (40, 41, 42) aus dem oberen Bereich der Trennsäule (16) entnommen und
arbeitsleistend entspannt (43) wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass gasförmiger Kopfstickstoff (23) aus der Niederdrucksäule (5) im Verflüssigungsraum
eines Kopfkondensators (22) durch indirekten Wärmeaustausch mit einer im Verdampfungsraum
des Kopfkondensators (22) verdampfenden Kühlfraktion (19, 20) mindestens teilweise
kondensiert wird und mindestens ein Teil des dabei erzeugten flüssigen Stickstoffs
(24, 25) als Rücklauf auf die Niederdrucksäule (5) aufgegeben wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die hoch reine Stickstofffraktion mindestens einen theoretischen oder praktischen
Boden unterhalb des Kopfs der Niederdrucksäule entnommen wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die hoch reine Stickstofffraktion (28, 30, 31, 33, 34) stromabwärts ihrer Entnahme
(28) aus der Niederdrucksäule (5) in flüssigem Zustand auf einen erhöhten Druck gebracht
(29), anschließend in einem Produktverdampfer (32) durch indirekten Wärmeaustausch
verdampft und als hoch reines Produkt abgeführt (33, 34) wird.
9. Vorrichtung zur Gewinnung von hoch reinem Stickstoff durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft mit einem Rektifiziersäulensystem, das eine Hochdrucksäule (4) und eine Niederdrucksäule
(5) aufweist, mit einer Einsatzluftleitung (1, 3) zur Einleitung von Einsatzluft (1,
3) in die Hochdrucksäule (4), Mitteln (13, 14, 16, 18) zur Einleitung einer sauerstoffangereicherten
Fraktion aus der Hochdrucksäule (4) in die Niederdrucksäule (5) und mit einer Produktleitung
(28, 30, 31, 33, 34) zur Entnahme einer hoch reinen Stickstofffraktion aus der Niederdrucksäule
(5), dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zur Einleitung einer sauerstoffangereicherten Fraktion aus der Hochdrucksäule
in die Niederdrucksäule eine Reinigungsstufe (16) zur Entfernung von leichterflüchtigen
Verunreinigungen aufweisen.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Reinigungsstufe eine Trennsäule (16), insbesondere eine Abtriebssäule aufweist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, gekennzeichnet durch eine Gasleitung (17) zur Einführung einer gasförmigen Fraktion aus der Niederdrucksäule
(5) in den unteren Bereich der Trennsäule (16).
12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, gekennzeichnet durch eine Kopfgasleitung (40, 41, 42), die den oberen Bereich der Trennsäule (16) mit
dem Eintritt einer Entspannungsmaschine (43) verbindet.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, gekennzeichnet durch einen Kopfkondensator (22), dessen Verflüssigungsraum mit dem Kopfbereich der Niederdrucksäule
(5) in Strömungsverbindung (23, 24, 25) steht und dessen Verdampfungsraum mit Mitteln
(19, 20) zur Einleitung einer Kühlfraktion (19, 20) verbunden ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 13, gekennzeichnet durch einen Stoffaustauschabschnitt im Umfang mindestens eines theoretischen oder praktischen
Bodens, der in der Niederdrucksäule (5) zwischen deren Kopf und der Produktleitung
(28) angeordnet ist.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Produktleitung (28, 30, 31, 33, 34) stromabwärts ihrer Verbindung mit der Niederdrucksäule
(5) Mittel (29) zur Erhöhung des Drucks der hoch reinen Stickstofffraktion in flüssigem
Zustand und einen Produktverdampfer (32) aufweist.