[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Auswahl einer Zustandsoption eines durch
ein Schloß gesicherten Bereichs.
[0002] Vorrichtungen der vorgenannten Art sind aus dem Stand der Technik bekannt und haben
sich insbesondere aus sicherheitsrelevanten Aspekten im täglichen Praxiseinsatz in
Justizvollzugsanstalten bewährt.
[0003] Die in Justizvollzugsanstalten vorgesehenen Gefängniszellen sind mittels Sicherheitsschlösser
aufweisenden Zellentüren sicher verschlossen. Geöffnet werden können diese nur unter
Verwendung des zum Sicherheitsschloß korrespondierend ausgebildeten Schlüssels, der
in aller Regel ausschließlich nur dem Wachpersonal zur Verfügung steht. Zum Schutz
insbesondere des Wachpersonals ist es aus dem Stand der Technik bekannt, daß dieses
vor einem Öffnen eines Zellenschlosses und damit vor einem Öffnen des gesicherten
Bereichs einer zentralen Stelle über ein dafür vorgesehenes Zellenkommunikationssystem
den Zustand der Zelle mitteilt, der vor einem Öffnen der Zellentür durch das Wachpersonal
vorbestimmt wird. Zustände die der gesicherte Bereich durch vorherige Auswahl erreichen
soll, können beispielsweise sein die Einschaltung von Zwangslicht oder die automatische
Alarmauslösung nach Ablauf eines vorbestimmbaren Zeitintervalls, wenn nach Ablauf
dieses Zeitintervalls das Hauptschloß nicht wieder verschlossen wird. Diese vom Wachpersonal
wählbaren Zustände können nach einer Mitteilung an die zentrale Überwachungsstelle
von dieser verfolgt und dokumentiert werden, so daß insgesamt durch diese Zustandsoptionswahl
des Wachpersonals eine zusätzliche Sicherung sowohl für das Wachpersonal als auch
für die gesamte Justizvollzugsanstalt erreicht werden kann.
[0004] Zur Wahl einer Zustandsoption ist es aus dem Stand der Technik vorbekannt, neben
dem Schloß für die Zellentür ein weiteres mit einem Schlüssel zu bedienendes Schloß
vorzusehen, über dessen Bedienung das Wachpersonal eine Zustandsoption anwählen kann.
Vor einem Öffnen der Zellentür ist dieses Schloß unter Verwendung eines separaten
Schlüssels zu bedienen, wobei die Auswahl der Zustandsoption über die mittels des
Schlüssels zu führende Schloßstellung angewählt wird. Von Nachteil bei dieser vorbekannten
Zustandsoptionswahl ist der Umstand, daß das Wachpersonal nicht nur den Schlüssel
für das Hauptschloß zum Öffnen und Schließen der Zellentür mitzuführen hat, sondern
darüber hinaus auch den Schlüssel für das Schloß zur Wahl der Zustandsoption mit sich
zu tragen hat. Somit wird nicht nur die Anzahl der vom Wachpersonal mitzuführenden
Schlüssel unnötigerweise erhöht, auch ist das Handling und die Auswahl der Zustandsoption
aufwendig.
[0005] Die aus dem Stand der Technik vorbekannten Schlösser zur Wahl der Zustandsoption
sind separat vom Zellenschloß außerhalb des Türblattes der Zellentür in dafür im Mauerwerk
vorgesehene Ausnehmungen angeordnet und zumeist unter Putz verlegt. Insbesondere aus
Kostengründen ist diese Art der Ausgestaltung von Nachteil, denn hat sich sowohl der
Montage- als auch der Installationsaufwand als sehr beträchtlich herausgestellt. Auch
sind Wartung und etwaige Reparaturen zum Teil nur sehr aufwendig durchzuführen.
[0006] Hiervon ausgehend ist es
Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung zur Auswahl einer Zustandsoption anzugeben, die kostengünstig
herstell- und montierbar ist und zudem eine vereinfachte Handhabung ermöglicht. Weiterhin
wird mit der Erfindung ein Verfahren zur Auswahl einer Zustandsoption vorgeschlagen.
[0007] Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung zur Auswahl einer Zustandsoption eines
durch ein Schloß gesicherten Bereichs, die gekennzeichnet ist durch eine berührungslos
ansteuerbare Auswahlelektronik.
[0008] Anders als aus dem Stand der Technik bekannt, erfolgt die Wahl der Zustandsoption
erfindungsgemäß nicht mehr über ein separat vorzusehendes Schloß, sondern statt dessen
über eine berührungslos ansteuerbare Auswahlelektronik. Angeordnet ist diese Auswahlelektronik
bevorzugterweise innerhalb des Türbeschlages für das Zellenschloß. Dies ermöglicht
zum einen eine einfache Montage, eröffnet zum anderen aber auch eine vergleichsweise
einfache Handhabung, denn ist es nicht mehr erforderlich, mit einem separaten Schlüssel
ein für die Auswahl der Zustandsoption vorgesehenes zweites Schloß zu bedienen. Zur
berührungslosen Ansteuerung der Auswahlelektronik sind vorzugsweise Steuereinrichtungen
vorgesehen, die gleichfalls innerhalb des Türbeschlages angeordnet sind und von außen
über im Türbeschlag vorgesehene Ausnehmungen berührungslos erreichbar sind. Vorgesehen
sein kann in diesem Zusammenhang, daß die Auswahlelektronik mittels Magneten ansteuerbar
ist, wozu die Steuereinrichtungen als Magnetschalter, vorzugsweise als Reed-Schalter
ausgebildet sind. Dem Wachpersonal wird so die Möglichkeit eröffnet, durch Betätigung
der als Magnetschalter ausgebildeten Steuereinrichtungen durch beispielsweise im Hauptschlüssel
integrierte Magneten die Auswahlelektronik anzusteuern und die vom Wachpersonal gewünschte
Zustandsoption auszuwählen. Auch können bei der Verwendung einer mittels Magneten
zu betätigenden Anschlußelektronik separat vom Wachpersonal zu führende Magnetstifte
vorgesehen sein, die unabhängig vom Hauptschlüssel für das Zellenschloß gehandhabt
werden können.
[0009] Alternativ zur berührungslosen Betätigung der Auswahlelektronik mittels Magneten
kann die Ansteuerung der Auswahlelektronik auch mittels Infrarot erfolgen. Zudem ist
die Ansteuerung der Auswahlelektronik auch unter Verwendung eines Transponders denkbar.
[0010] Gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung ist vorgesehen, daß das Schloß und die
Auswahlelektronik kommunikationstechnisch miteinander in Verbindung stehen und eine
über die Auswahlelektronik wählbare Zustandsoption erst mit Betätigung des Schlosses
aktivierbar ist. Gemäß diesem Vorschlag der Erfindung wird zwischen der Auswahl einer
Zustandsoption einerseits und dessen Aktivierung andererseits unterschieden. Ausgewählt
wird eine Zustandsoption zunächst durch die Ansteuerung der Auswahlelektronik. Diese
ausgewählte Zustandsoption wird jedoch erst dann aktiviert, das heißt bestätigt, wenn
das Hauptschloß betätigt wird. Die Unterscheidung zwischen Auswahl und Aktivierung
ist dabei insofern von Vorteil, als daß eine fehlerhaft gewählte Zustandsoption durch
Anwahl der tatsächlich gewünschten Zustandsoption auf einfach Weise "umgewählt" werden
kann. Vorgeschlagen wird in diesem Zusammenhang ferner, daß die ausgewählten Zustandsoption
durch eine von außen sichtbar auf dem Türbeschlag angeordnete Zustandsoptionsanzeige
angezeigt wird, so daß das Wachpersonal darüber in Kenntnis gesetzt ist, welche Zustandsoption
ausgewählt wurde. Die Zustandsoptionsanzeige ermöglicht somit die sichtbare Überprüfung
der vorausgewählten Zustandsoption. Gebildet werden kann eine Zustandsoptionsanzeige
beispielsweise durch Lichtdioden, die gemäß der gewählten Zustandsoption entsprechend
aufleuchten. Sollte eine Sichtüberprüfung der aufleuchtenden Lichtdioden ergeben,
daß fälschlicherweise eine verkehrte Zustandsoption vom Wachpersonal ausgewählt wurde,
so kann durch Neuwahl einer Zustandsoption die zuvor gewählte Zustandsoption rückgängig
gemacht werden.
[0011] Die Unterscheidung zwischen Auswahl und Aktivierung der Zustandsoption hat zudem
im Hinblick auf das Zellenkommunikationssystem Vorteile. So wird zur Erhöhung der
Sicherheit innerhalb der Justizvollzugsanstalt eine für eine vorbestimmte Zelle aktivierte
Zustandsoption über das Zellenkommunikationssystem an eine zentrale Überwachungseinrichtung
übermittelt, von welcher aus zu jedem Zeitpunkt eine Überprüfung der für die jeweiligen
Zellen der Justizvollzugsanstalt gewählten Zustandsoptionen möglich ist. Um von dieser
zentralen Stelle aus eine sichere Überprüfung durchführen zu können, ist es jedoch
erforderlich, zu unterscheiden, ob vom Wachpersonal eine Zustandsoption nur ausgewählt
oder auch tatsächlich bestätigt wurde.
[0012] Gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung ist vorgesehen, daß für eine wirksame
Aktivierung der über die Auswahlelektronik wählbaren Zustandsoption ein vorgebbares
Zeitintervall vorgesehen ist. Eine ausgewählte, nicht aber bestätigte Zustandsoption
verfällt somit innerhalb des vorgebbaren Zeitintervalls, so daß nach Ablauf dieses
Zeitintervalls die Zustandsoption zunächst erneut auszuwählen ist, bevor diese durch
eine Betätigung des Hauptschlosses aktiviert werden kann.
[0013] Bezüglich des Verfahrens wird zur
Lösung der Aufgabe vorgeschlagen ein Verfahren zur Auswahl einer Zustandsoption eines durch
ein Schloß gesicherten Bereichs, bei dem in einem ersten Schritt mittels einer berührungslos
ansteuerbaren Auswahlelektronik eine aus mehreren wählbaren Zustandsoptionen ausgewählt
wird, die dann in einem zweiten Schritt in Folge der Betätigung des Schlosses aktiviert
wird.
[0014] Gemäß diesem Verfahren ist vorgesehen, daß für den Fall, daß vor einer Betätigung
des Hauptschlosses eine Zustandsoption ausgewählt werden soll, diese zunächst in einem
ersten Schritt mit der berührungslos ansteuerbaren Auswahlelektronik zu bestimmen,
das heißt auszuwählen ist. Sobald dieses geschehen ist und das Zellenschloß betätigt,
das heißt geöffnet, wird, wird die zuvor ausgewählt Zustandsoption bestätigt, das
heißt aktiviert. Die auf diese Weise ausgewählte und/oder aktivierte Zustandsoption
wird gemäß einem weiteren Merkmal des Verfahrens angezeigt, wobei die ausgewählte
und später aktivierte Zustandsoption vorzugsweise über eine entsprechende Zustandsoptionsanzeige
direkt an der Zellentür und die aktivierten Zustandsoption zudem über das Zellenkommunikationssystem
an einer zentral verwalteten Stelle angezeigt wird.
[0015] Insgesamt wird mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung sowie mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren eine Lehre zum technischen Handeln vorgeschlagen, die auf einfache Weise
die Auswahl einer Zustandsoption für einen gesicherten Bereich, beispielsweise eine
Gefängniszelle einer Justizvollzugsanstalt, ermöglicht, wobei sowohl die Kosten für
die Herstellung als auch für die Montage vergleichsweise gering gehalten werden können
und in Folge der berührungslosen Ansteuerung der Auswahlelektronik auch eine vereinfachte
Handhabung im täglichen Praxiseinsatz erreicht wird.
[0016] Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung anhand
der nachfolgenden Figuren. Dabei zeigen:
- Fig. 1:
- in einer dreidimensionalen Ansicht einen der Aufnahme der erfindungsgemäßen Vorrichtung
dienenden Türbeschlag;
- Fig. 2:
- in einer teilgeschnittenen Draufsicht den Türbeschlag nach Fig. 1;
- Fig. 3:
- in einer geschnittenen Seitenansicht den Türbeschlag nach Fig. 2 gemäß der Schnittlinie
III-III und
- Fig. 4:
- in einer teilgeschnittenen Draufsicht von oben den Türbeschlag nach Fig. 2.
[0017] Für das manipulationsfreie Verschließen von gesicherten Bereichen, wie beispielsweise
Zellen in Strafvollzugsanstalten, dienen aus dem Stand der Technik an sich vorbekannte
Sicherheitsschlösser. Derartige Schlösser lassen sich lediglich mit den speziell dafür
vorgesehenen Schlüsseln öffnen und schließen, wobei sie zudem durch extrem robuste
Bauweise sowohl hinsichtlich des Schloßkorpus als auch bezüglich der Schloßmechanik
weitestgehend vor Zerstörung durch Vandalismus geschützt sind. Dabei ist insbesondere
bei Sicherheitsschlössern für Zellentüren von Justizstrafvollzugsanstalten vorgesehen,
daß diese über ein Haupt- und ein Nebenschloß verfügen. Hauptschloß und Nebenschloß
werden durch jeweils unterschiedliche Schlüssel bestätigt, wobei das Hauptschloß in
seiner Funktion dem Nebenschloß vorgeschaltet ist. Dies hat zur Folge, daß die Tür,
das heißt das Schloß, in jedem Fall durch Betätigung des Hauptschlosses zu schließen
bzw. zu öffnen ist. Ist das Hauptschloß in die geöffnete Position verbracht, so wird
das Nebenschloß freigegeben, über welches dann eine hierfür vorgesehene zweite Falle
betätigt und für ein Öffnen und Schließen genutzt werden kann. Das Hauptschloß geht
in seiner Funktion dem Nebenschloß jedoch vor, so daß ein Öffnen oder Schließen durch
das Nebenschloß eine Betätigung durch das Hauptschloß in keinem Falle verhindern kann.
Verwendung findet eine derartige Anordnung von Haupt- und Nebenschloß insbesondere
im freien Vollzug, bei welchem der Häftling zu bestimmten Zeiten seine Zelle frei
betreten und verlassen kann. Für die Betätigung des Nebenschlosses erhält der Häftling
einen Schlüssel, wobei die Verwendung des Schlüssels für das Hauptschloß dem Wach
personal vorbehalten bleibt. Wird das Hauptschloß vom Wachpersonal zu vorgegebenen
Zeiten in seine geöffnete Stellung verbracht, so kann der Häftling unter Verwendung
des Schlüssels für das Nebenschloß seine Zellentür auf- und absperren und somit frei
bestimmen, wann er die Zelle verläßt bzw. in welcher Form und in welchem Umfang er
Besuch empfängt. Das Wachpersonal hat jedoch in jedem Fall über den Schlüssel für
das Hauptschloß die Möglichkeit, die Zellentür zu öffnen bzw. zu schließen und damit
die Funktion des Nebenschlosses zu sperren.
[0018] Für das Betreten einer Zelle ist es für das Wachpersonal unter Umständen aus Sicherheitsgründen
erforderlich, den Zustand der Zelle, das heißt des gesicherten Bereiches, vorzubestimmen
und dem sogenannten Zellenkommunikationssystem mitzuteilen. Wählbare Zustände können
beispielsweise die Einschaltung von Zwangslicht, die automatische Alarmgebung nach
Ablauf eines bestimmten Zeitintervalls innerhalb dem eine erneute Betätigung des Schlosses
nicht erfolgt ist oder die freie Zugänglichkeit der Zelle bis zu einer erneuten Betätigung
des Schlosses sein. Diese vorwählbaren Zustände werden von dem Wachpersonal gemäß
dem vorbekannten Stand der Technik durch ein separat zu bedienendes Schloß vorbestimmt.
Dieses Schloß ist außerhalb der Zellentür zumeist unter Putz in der die Zellentür
umgebenden Wand angeordnet und mit einem separaten Schlüssel zu bedienen. Möchte ein
Wärter vor Betreten der Zelle eine Zustandsoption auswählen, so hat er zunächst gemäß
dem aus dem Stand der Technik Vorbekannten das hierfür vorgesehene separate Schloß
zur Zustandsoptionswahl mittels des dafür vorgesehenen Schlüssels zu betätigen. Ist
eine solche Zustandsoptionswahl erfolgt, muß er sodann das Zellenschloß mit dem entsprechenden
Schlüssel öffnen. Diese Art der Zustandsoptionsauswahl ist insofern von Nachteil,
als daß das Wachpersonal für die Betätigung dieser beiden Schlösser zwei entsprechende
Schlüssel mit sich herumtragen muß. Zudem ist die vorbekannte Zustandsoptionswahl
nur unter sehr hohem Aufwand zu installieren, da insbesondere in Folge der Wandanordnung
hohe Montage- und Installationsleistungen zu erbringen sind.
[0019] Die erfindungsgemäße Vorrichtung schafft hier in vorteilhafter Weise Abhilfe. Gezeigt
ist in Fig. 1 ein überhalb einer Rosette für das Hauptschloß - die in dieser Fig.
nicht gezeigt ist - angeordneter Türbeschlag, der eine vandalensichere Abdeckung zum
einen für das Nebenschloß als auch für die erfindungsgemäße Vorrichtung darstellt.
Gebildet ist der Türbeschlag zu diesem Zweck aus einem stich- und/oder kratzfesten
Material, wie beispielsweise Edelstahl.
[0020] Gebildet ist der Türbeschlag 1 aus einer Grundplatte 2 und einer Abdeckung 3, wobei
eine Befestigung der Abdeckung 3 an der Grundplatte 2 mittels entsprechend ausgebildeter
Schrauben 4 und Unterlegscheiben 5 erfolgt, die in dafür an der Grundplatte 2 ausgebildete
Gewinde 6 eingreifen. Zur Aufnahme eines als Nebenschloß dienenden Zylinderschlosses
verfügen sowohl die Grundplatte 2 als auch die Abdeckung 3 über entsprechende Ausnehmungen
10 bzw. 7.
[0021] Innerhalb des Türbeschlags 1 ist eine in den Fign. nicht dargestellte Auswahlelektronik
zur Auswahl einer Zustandsoption angeordnet. Diese Auswahlelektronik ist berührungslos
ansteuerbar, was im Nachfolgenden noch näher beschrieben werden wird.
[0022] Die Auswahlelektronik hat den Zweck, dem Wachpersonal die Möglichkeit einzuräumen,
vor Betreten einer Zelle, das heißt vor einer Betätigung des Hauptschlosses eine Zustandsoption
für den gesicherten Bereich, das heißt die Zelle, anzugeben, wodurch die Sicherheit
sowohl des Wachpersonals als auch der gesamten Justizvollzugsanstalt erheblich verbessert
wird. Zu wählende Zustandsoptionen für den gesicherten Bereich können sein:
- Zwangslicht
- automatische Alarmauslösung für den Fall, daß das Hauptschloß innerhalb einer vorbestimmten
Zeit, beispielsweise drei Minuten, nach Öffnen nicht wieder verschlossen wird und
- dauerhafte Öffnung des Hauptschlosses.
[0023] Selbstredend kann das Hauptschloß auch dann bedient werden, wenn eine Zustandsoption
vom Wachpersonal nicht ausgewählt wird, was beispielsweise dann der Fall sein kann,
wenn die Zelle durch einen Häftling nicht besetzt ist und die Zelle zu Kontroll- oder
Reinigungszwecken zu öffnen ist, doch wird eine Öffnung einer Zelle in aller Regel,
das heißt wenn ein Häftling sich in der Zelle befindet, unter Verwendung der Auswahl
der Zustandsoption erfolgen.
[0024] Gemäß der erfindungsgemäßen Vorrichtung erfolgt die Auswahl der Zustandsoption nicht
über ein separat angeordnetes Schloß, sondern über die berührungslos ansteuerbare
Auswahlelektronik, die innerhalb des Türbeschlages 1 angeordnet ist. Dem Wachpersonal
bleibt es somit erspart, einen separaten Schlüssel für die Bedienung eines solchen
Schlosses mitzuführen. Zudem ist die Installation der erfindungsgemäßen Vorrichtung
sehr viel kostengünstiger, da diese zusammen mit dem Sicherheitsschloß montiert werden
kann. Im Unterschied zum Stand der Technik ist es nicht erforderlich, im Mauerwerk
neben der Zellentür ein separates Schloß für die Auswahl von Zustandsoptionen vorzusehen.
Eingespart werden können hierdurch sowohl Installations- als auch Montagekosten.
[0025] Vorgesehen ist mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung eine Unterscheidung zwischen
der Auswahl einer bestimmten Zustandsgröße einerseits und der Aktivierung, das heißt
der "Scharfstellung", einer Zustandsoption andererseits. Die Auswahl einer Zustandsoption
erfolgt dabei über die berührungslos ansteuerbare Auswahlelektronik, wobei die Aktivierung
dieser ausgewählten Zustandsoption erst dann erfolgt, sobald das Hauptschloß betätigt
ist. Diese Unterscheidung eröffnet den Vorteil, daß eine Differenzierung zwischen
Auswahl der Zustandsoption und Aktivierung, das heißt Bestätigung, derselben durch
tatsächliche Betätigung des Hauptschlosses möglich ist. Insbesondere mit Blick auf
das Zellenkommunikationssystem, das die Zustandsoption einer jeden Zelle an zentraler
Stelle anzeigt ist diese Differenzierung aus sicherheitsrelevanten Aspekten von Vorteil,
da über das Zellenkommunikationssystem erst dann für eine bestimmte Zelle die Zustandsoption
angezeigt wird, wenn diese durch Betätigung des Hauptschlosses auch tatsächlich vorliegt
und nicht schon dann, wenn diese vom Wachpersonal zwar ausgewählt, aber noch gar nicht
ausgeführt ist.
[0026] Aus Sicherheitsgründen ist mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung zudem vorgesehen,
daß eine Bestätigung, das heißt Aktivierung, der zuvor ausgewählten Zustandsoption
nur innerhalb eines vorbestimmbaren Zeitintervalls nach Auswahl dieser Zustandsoption
möglich ist. Ist nach Auswahl einer Zustandsoption dieses Zeitintervall ohne Betätigung
des Hauptschlosses abgelaufen, so kann nur durch erneute Auswahl derselben oder einer
anderen Zustandsoption diese durch eine Betätigung des Hauptschlosses aktiviert und
angezeigt werden.
[0027] Für eine Anzeige der ausgewählten und durch Betätigung des Hauptschlosses aktivierbaren
Zustandsoption sind außen sichtbar auf dem Türbeschlag Zustandsoptionsanzeigen in
Form von Lichtdioden 9 angeordnet, wie dies den Fign. 1 und 2 zu entnehmen ist. Je
nachdem, welche Zustandsoption vom Wachpersonal ausgewählt wird, leuchten die Lichtdioden
9 entsprechend auf und zeigen dem Wachpersonal auf diese Weise die gewählte Zustandsoption
an. Die Anzeige der gewählten Zustandsoption ermöglicht es dem Wachpersonal somit,
vor Betätigung des Hauptschlosses überprüfen zu können, ob die gewählte Zustandsoption
tatsächlich der gewünschten Zustandsoption entspricht. Sollte dies nicht der Fall
sein, so kann durch erneute Zustandsoptionswahl eine andere Zustandsoption gewählt
werden, die dann wieder entsprechend durch die Lichtdioden 9 angezeigt wird.
[0028] Für eine berührungslos ansteuerbare Auswahlelektronik ist gemäß der Ausgestaltung
des Türbeschlages gemäß den Fign. 1 bis 4 eine mittels Magneten ansteuerbare Auswahlelektronik
vorgesehen. Zu diesem Zweck ist die Auswahlelektronik mit als Magnetschaltern ausgebildeten
Steuereinrichtungen versehen, die vorzugsweise als Reed-Schalter ausgebildet sind.
Erreicht werden können diese Reed-Schalter von außen über im Türbeschlag vorgesehene
Ausnehmungen 8. Für eine Betätigung eines über eine Ausnehmung 8 erreichbaren Magnetschalters
ist in die entsprechende Ausnehmung ein magnetisierter Stift zu führen, der nach entsprechendem
Einschub in die Ausnehmung den vorzugsweise als Reed-Schalter ausgebildeten Magnetschalter
betätigt und so berührungslos die Auswahlelektronik ansteuert und eine bestimmte Zustandsoption
auswählt. Beispielshaft kann vorgesehen sein, daß die in den Fign. zuoberst angeordnete
Ausnehmung 8 den Zugang zu einem Magnetschalter eröffnet, nach dessen Betätigung beispielsweise
die Zustandsoption "Dauerlicht oder Zwangslicht" ausgewählt wird. Sobald dieses geschehen
ist, leuchtet die in den Fign. rechts neben der obersten Ausnehmung 8 angeordnete
Lichtdiode 9 auf und teilt dem Wachpersonal damit mit, daß erfolgreich die Zustandsoption
"Dauerlicht oder Zwangslicht" ausgewählt wurde. Dementsprechend kann beispielsweise
die mittig angeordnete Ausnehmung 8 den Weg auf denjenigen Magnetschalter freigeben,
mit dessen Betätigung die Zustandsoption "automatische Alarmauslösung nach Ablauf
eines vorbestimmten Zeitintervalls" ausgewählt wird. Entsprechend dieser Auswahl leuchtet
sodann die neben dieser Ausnehmung 8 angeordnete Lichtdiode 9 auf. Selbstverständlich
können auch unterschiedliche Zustandsoptionen gleichzeitig angewählt werden, beispielsweise
die Zustandsoption "Zwangslicht" in Kombination mit der Zustandsoption "automatische
Alarmauslösung nach Ablauf eines vorbestimmten Zeitintervalls", was dann dazu führen
würde, daß im vorbeschriebenen Beispiel die beiden zuoberst angeordneten Lichtdioden
gleichzeitig aufleuchten. Beispielhaft dargestellt ist in den Fign. 1 bis 4 die Ausgestaltung
dreier Ausnehmungen 8 sowie dreier Lichtdioden 9, so daß insgesamt drei unterschiedliche
Zustandsoptionen allein oder in Kombination ausgewählt werden können. Es versteht
sich dabei allerdings von selbst, daß die Möglichkeit der Zustandsoptionswahl nicht
auf die Auswahl von nur drei Zustandsoptionen begrenzt ist, sondern daß die erfindungsgemäße
Vorrichtung vielmehr auch die Auswahl von mehr als drei Zustandsoptionen erlaubt.
Bezugszeichenliste:
[0029]
- 1
- Türbeschlag
- 2
- Grundplatte
- 3
- Abdeckung
- 4
- Schraube
- 5
- Unterlegscheibe
- 6
- Gewinde
- 7
- Ausnehmung
- 8
- Ausnehmung
- 9
- Lichtdiode
- 10
- Ausnehmung
1. Vorrichtung zur Auswahl einer Zustandsoption eines durch ein Schloß gesicherten Bereichs,
gekennzeichnet durch
eine berührungslos ansteuerbare Auswahlelektronik.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schloß und die Auswahlelektronik kommunikationstechnisch miteinander in Verbindung
stehen und eine über die Auswahlelektronik wählbare Zustandsoption erst mit Betätigung
des Schlosses aktivierbar ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß für eine wirksame Aktivierung der über die Auswahlelektronik wählbaren Zustandsoption
ein vorgebbares Zeitintervall vorgesehen ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswahlelektronik innerhalb des Türbeschlages für das Schloß angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zur Ansteuerung der Auswahlelektronik Steuereinrichtungen vorgesehen sind, die innerhalb
des Türbeschlages angeordnet und von außen über im Türbeschlag vorgesehene Ausnehmungen
erreichbar sind.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswahlelektronik mittels Magnet ansteuerbar ist, wozu die Steuereinrichtungen
als Magnetschalter, vorzugsweise als Reed-Schalter, ausgebildet sind.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß von außen sichtbar auf dem Türbeschlag eine Zustandsoptionsanzeige angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Zustandsoptionsanzeige durch eine Mehrzahl von unter- oder nebeneinander angeordneter
Lichtdioden gebildet ist.
9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswahlelektronik für die zentrale Anzeige einer ausgewählten und/oder aktivierten
Zustandsoption an ein entsprechendes Kommunikationssystem angeschlossen ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswahlelektronik mittels Infrarot ansteuerbar ist.
11. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswahlelektronik unter Verwendung eines Transponders ansteuerbar ist.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die für eine Betätigung der Steuereinrichtungen vorgesehenen Steuermittel als integraler
Bestandteil des zur Betätigung des Schlosses vorgesehenen Schlüssels ausgebildet sind.
13. Verfahren zur Auswahl einer Zustandsoption eines durch ein Schloß gesicherten Bereichs,
bei dem in einem ersten Schritt mittels einer berührungslos ansteuerbaren Auswahlelektronik
eine aus mehreren wählbaren Zustandsoptionen ausgewählt wird, die dann in einem zweiten
Schritt in Folge der Betätigung des Schlosses aktiviert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die ausgewählte und/oder aktivierte Zustandsoption angezeigt wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Informationen über die ausgewählte und/oder aktivierte Zustandsoption einem übergeordneten
Informationssystem mitgeteilt werden.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Aktivierung der ausgewählten Zustandsoption innerhalb eines vorgebbaren Zeitintervalls
erfolgt.