(19)
(11) EP 1 407 833 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
14.04.2004  Patentblatt  2004/16

(21) Anmeldenummer: 03022545.2

(22) Anmeldetag:  02.10.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7B07B 1/24, B07B 4/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK

(30) Priorität: 11.10.2002 DE 10247510

(71) Anmelder: LINDE-KCA-Dresden GmbH
01277 Dresden (DE)

(72) Erfinder:
  • Pilz, Gerhard
    4470 Enns (AT)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zur Klassierung von Abfällen mittels einer Siebtrommel


(57) Es wird ein Verfahren zur Klassierung von Abfällen mittels einer Siebtrommel beschrieben, wobei bei der Klassierung auftretende gasförmige und gegebenenfalls staubhaltige Emissionen über einen Abluftkanal (3) von der Siebtrommel (1) abgezogen werden. Um eine gleichzeitige Sortierung von Abfallfraktionen zu ermöglichen, wird vorgeschlagen, den Abluftkanal (3) zur Sortierung von Abfällen einzusetzen. Um eine Abscheidung von zum Beispiel flugfähigen Abfallbestandteilen zu ermöglichen, wird in der Siebtrommel (1) vorzugsweise ein Längsluftstrom aufrechterhalten, der die hochgewirbelten flugfähigen Abfallbestandteile in den Abluftkanal (3) befördert.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Klassierung von Abfällen mittels einer Siebtrommel mit einem Siebtrommelkörper, wobei bei der Klassierung auftretende gasförmige und gegebenenfalls staubhaltige Emissionen über einen Abluftkanal von der Siebtrommel abgezogen werden, sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.

[0002] Zur Klassierung von vorzerkleinerten oder nicht-vorzerkleinerten Abfällen wie zum Beispiel Hausmüll, Restabfällen, Sortierresten, Gewerbe- und Sperrmüll wird üblicherweise eine gekapselte Siebtrommel eingesetzt. Die Abfälle fallen durch die Sieblöcher der Siebtrommel nach unten und werden von einem meist trichterförmigen Abwurfschacht oder einer Abwurfhaube aufgefangen. Zum Schutz vor gasförmigen und gegebenenfalls staubhaltigen Emissionen aus der Siebtrommel ist der Abwurfschacht beziehungsweise die Abwurfhaube meist an ein Be- und Entlüftungssystem der Anlage angeschlossen. Gegebenenfalls mit abgeführter Staub wird über Abscheider beziehungsweise Filter abgesondert. Da bestimmte Abfallbestandteile, zum Beispiel flugfähige Folien, nicht durch die Sieblöcher fallen, ist in der Regel eine weitere Sortierung des Abfalls notwendig. Dies bedeutet, dass ein zusätzlicher Verfahrensschritt erforderlich ist, wodurch weitere Investitionskosten verursacht werden.

[0003] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens so auszugestalten, dass auf wirtschaftliche Weise auch eine Sortierung von Abfällen ermöglicht wird.

[0004] Diese Aufgabe wird verfahrensseitig erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Siebtrommelkörper und der Abluftkanal zur Sortierung von Abfallfraktionen eingesetzt werden.

[0005] Die Erfindung basiert auf der Überlegung, eine Sortierung von Abfallfraktionen in den Verfahrensschritt der Klassierung mittels einer Siebtrommel zu integrieren. Dabei wird die Siebtrommel gezielt zur Abscheidung von Abfallfraktionen, insbesondere von flugfähigen Folien, aus dem Abfallstrom genutzt, wobei die Verwirbelung der Abfälle durch die Drehung der Siebtrommel gezielt ausgenützt wird. Zweckmäßigerweise wird durch seitlich angeordnete Zuluftdüsen, die geregelt oder ungeregelt betrieben werden können, eine Begasung des Siebtrommelinneren im wesentlichen quer zur Siebtrommelachse durchgeführt, so dass die Siebtrommel als Windsichter genutzt wird. Dadurch wird die Verwirbelung der Abfälle unterstützt. Die flugfähigen Abfallfraktionen, insbesondere die Folien, werden aus dem Abfallstrom durch die Rotation und Neigung der Siebtrommel von den anderen Abfallfraktionen getrennt und in einen quasi schwebenden Zustand gebracht. Mittels eines im oberen Siebtrommelkörper aufrecht erhaltenen im wesentlichen achsenparallel zur Siebtrommelachse ausgerichteten Gasstroms können die flugfähigen Abfälle in den Abluftkanal befördert werden. Die in den Abluftkanal geförderten Abfälle werden zweckmäßigerweise mittels fördertechnischer Einrichtungen, zum Beispiel Transportrollen, in einen vom Abluftkanal abzweigenden Kanal überführt. Der Kanal leitet die Abfälle schließlich vorzugsweise in eine Absetzkammer oder einen Zyklon zur Abscheidung der flugfähigen Abfallbestandteile.

[0006] Beispielsweise durch Zusammenknüllen noch nicht flugfähige Abfallbestandteile werden gemäß einer Weiterbildung des Erfindungsgedankens durch aufgesetzte Verstärkungen an der Siebtrommelwand vor einem frühzeitigen Durchfallen durch die Sieblöcher gehindert.

[0007] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die von der Siebtrommel abgezogene Abluft nach einer Abreinigung zumindest teilweise im Kreislauf zur Siebtrommel zurückgeführt wird.

[0008] Die Erfindung betrifft femer eine Vorrichtung zur Klassierung von Abfällen mit einer einen Siebtrommelkörper aufweisenden Siebtrommel, welche mit einem Abluftkanal versehen ist.

[0009] Die gestellte Aufgabe wird vorrichtungsseitig erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der Abluftkanal mit Einrichtungen zur Sortierung von Abfällen ausgestattet ist.

[0010] Zweckmäßigerweise ist die Siebtrommel im oberen Siebtrommelkörper mit einer Gaszuführung zur Erzeugung eines im wesentlichen achsenparallel zur Siebtrommelachse ausgerichteten Gasstromes versehen. Im unteren Siebtrommelkörper ist gemäß einer Weiterbildung des Erfindungsgedankens außerdem eine im wesentlichen quer zur Siebtrommelachse ausgerichtete Gaszuführung angeordnet. Vorzugsweise sind über die gesamte Länge der Siebtrommel mehrere Gaszuführungen verteilt angeordnet.

[0011] Vorteilhafterweise zweigt vom Abluftkanal ein getrennter Kanal zum Abzug von Abfällen ab, wobei an der Abzweigung fördertechnische Einrichtungen, zum Beispiel Transportrollen, zum Überführen der Abfälle in den Kanal angeordnet sind.

[0012] Um ein frühzeitiges Durchfallen von bestimmten Abfallbestandteilen, z.B. noch nicht flugfähigen Abfällen, zu verhindern, sind gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung an der Siebtrommelwand im Bereich der Sieblöcher Verstärkungen aufgesetzt.

[0013] Vorzugsweise wird durch eine Kreislaufführung eine Wiederverwendung der Abluft erreicht. Hierzu führt vom Abluftkanal eine Abluftrückführleitung über eine Abreinigungseinrichtung zur Siebtrommel zurück.

[0014] Die Erfindung eignet sich zur Klassierung und gleichzeitigen Sortierung von allen möglichen Abfällen, insbesondere von Hausmüll, Restabfällen, Sortierresten, Gewerbe- und Sperrmüll. Insbesondere wird mit der Erfindung auf wirtschaftliche Weise eine gezielte Abscheidung von flugfähigen Abfallbestandteilen, zum Beispiel Folien, erreicht. Diese Abfallbestandteile können somit einer separaten Verwertung zugeführt werden. Die erfindungsgemäß ausgebildete Siebtrommel kann beispielsweise einer biologischen und/oder thermischen Abfallbehandlung vorgeschaltet sein. Als biologische Behandlungsstufe kann beispielsweise eine Abfallvergärung oder Abfallkompostierung vorgesehen sein.

[0015] Im folgenden soll die Erfindung anhand eines in den Figuren schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert werden.

[0016] Es zeigen
Figur 1
eine Seitenansicht einer Siebtrommel:
Figur 2
eine Draufsicht einer Siebtrommel;
Figur 3
einen Querschnitt einer Siebtrommel.
Figur 4
eine Detailansicht eines Siebloches mit Verstärkung


[0017] In Figur 1 ist eine gekapselte als Polygonsiebtrommel ausgebildete Siebtrommel zur Klassierung von Abfällen, zum Beispiel von Hausmüll, Restabfällen, Sortierresten, Gewerbe- und Sperrmüll, gezeigt. Unterhalb der Siebtrommel (1) ist ein trichterförmig ausgebildeter Abwurfschacht (7) für die klassierten Abfälle angeordnet. Die Siebtrommel (1) weist darüber hinaus einen Abluftkanal (3) auf, der an das Be- und Entlüftungssystem der Anlage angeschlossen ist, um die Umgebung der Siebtrommel (1) vor gasförmigen und gegebenenfalls staubhaltigen Emissionen aus der Siebtrommel zu schützen. Die Siebtrommel (1) wird gezielt zur Abscheidung von flugfähigen Folien aus dem Abfallstrom im Siebtrommelkörper genutzt. Dabei wird die Verwirbelung der Abfälle durch die Drehung der Siebtrommel (1) gezielt ausgenützt und durch seitlich angeordnete Zuluftdüsen (2) unterstützt. Die Folien werden aus dem Abfallstrom durch die Rotation und die Neigung der Siebtrommel (1) von den anderen Abfallfraktionen getrennt und in einem quasi schwebenden Zustand durch einen Längsluftstrom (5) im Oberteil des Siebtrommelkörpers zum Abluftkanal (3) transportiert. Dort werden die Folien durch Ableitung über einen getrennten Kanal in eine nicht dargestellte Abscheidevorrichtung, Absetzkammer oder einen Zyklon zur Abscheidung der Folien geleitet. Durch fördertechnische Einrichtungen, im vorliegenden Ausführungsbeispiel durch Transportrollen (4), am Eingang in den Abluftkanal wird die Anreicherung des Luftstromes mit flugfähigen Folien unterstützt. Von der Siebtrommel (1) abgezogene Abluft wird nach einer Abreinigung vollständig oder als Teilstorm im Kreislauf zur Siebtrommel (1) zurückgeführt und über eine Luftzufuhreinrichtung (8) zur Erzeugung des Längsluftstromes (5) wieder verwendet.

[0018] In Figur 2 ist insbesondere die Anordnung der seitlichen Zuluftdüsen (2) zu erkennen.

[0019] Figur 3 zeigt die Siebtrommel im Querschnitt, wobei ebenfalls die seitlichen Zuluftdüsen (2) und der im oberen Bereich der Siebtrommel (1) angeordnete Abluftkanal (3) zu erkennen ist.

[0020] Schließlich ist in Figur 4 noch eine Detaildarstellung der Verstärkungen an der Siebtrommelwand im Bereich der Sieblöcher gezeigt. Diese Verstärkungen dienen dazu, zum Beispiel durch Zusammenknüllen noch nicht flugfähige Abfallbestandteile oder längliche Abfallbestandteile vor dem frühzeitigen Durchfallen durch die Sieblöcher (d) zu hindern.


Ansprüche

1. Verfahren zur Klassierung von Abfällen mittels einer Siebtrommel (1) mit einem Siebtrommelkörper, wobei bei der Klassierung auftretende gasförmige und gegebenenfalls staubhaltige Emissionen über einen Abluftkanal (3) von der Siebtrommel (1) abgezogen werden, dadurch gekennzeichnet, dass der Siebtrommelkörper und der Abluftkanal (3) zur Sortierung von Abfallfraktionen eingesetzt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass flugfähige Abfallfraktionen mittels eines im oberen Siebtrommelkörper aufrechterhaltenen, im wesentlichen achsenparallel zur Siebtrommelachse ausgerichteten Gasstroms (5) in den Abluftkanal (3) befördert werden.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Siebtrommel (1) durch Zufuhr von Gas (2) im wesentlichen quer zur Siebtrommelachse als Windsichter genutzt wird.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die in den Abluftkanal (3) geförderten Abfälle mittels fördertechnischer Einrichtungen (4) in einen vom Abluftkanal (3) abzweigenden Kanal überführt werden.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass bestimmte Abfallbestandteile durch aufgesetzte Verstärkungen an der Siebtrommelwand vor einem frühzeitigen Durchfallen durch die Siebtrommellöcher (6) gehindert werden.
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die von der Siebtrommel (1) abgezogene Abluft nach einer Abreinigung zumindest teilweise im Kreislauf zur Siebtrommel (1) zurückgeführt wird.
 
7. Vorrichtung zur Klassierung von Abfällen mit einer einen Siebtrommelkörper aufweisenden Siebtrommel (1), welche mit einem Abluftkanal (3) versehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Abluftkanal (3) mit Einrichtungen zur Sortierung von Abfällen ausgestattet ist.
 
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Siebtrommel (1) im oberen Siebtrommelkörper mit einer Gaszuführung (8) zur Erzeugung eines im wesentlichen achsenparallel zur Siebtrommelachse ausgerichteten Gasstroms (5) ausgestattet ist.
 
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Siebtrommel (1) im unteren Siebtrommelkörper im wesentlichen quer zur Siebtrommelachse ausgerichtete Gaszuführungen (2) aufweist.
 
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass vom Abluftkanal (3) ein getrennter Kanal zum Abzug von Abfällen abzweigt und an der Abzweigung fördertechnische Einrichtungen (4) zum Überführen der Abfälle in dem Kanal angeordnet sind.
 
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass an der Siebtrommelwand im Bereich der Siebtrommellöcher (6) Verstärkungen aufgesetzt sind, die ein frühzeitiges Durchfallen von bestimmten Abfällen verhindern.
 
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass vom Abluftkanal (3) eine Abluftrückführleitung über eine Abreinigungseinrichtung zur Siebtrommel (1) zurückführt.
 




Zeichnung










Recherchenbericht