[0001] Die Erfindung betrifft ein Bauteil aus einer Mehrzahl von Blechkassetten gemäss Oberbegriff
des Anspruchs 1, sowie ein Gebäude mit einem solchen Bauteil.
[0002] Aus dem deutschen Gebrauchsmuster DE-G-91 05 036.7 ist ein Wandelement bekannt, das
eine der Windlastaufnahme dienende Unterkonstruktion aufweist. Auf dieser Unterkonstruktion
sind sich horizontal erstreckende, aus Stahlblech gefertigte Kassettenelemente befestigt.
Die Kassettenelemente umfassen einen rückseitigen Basisabschnitt, der den inneren
Windabschluss bildet. Quer zu diesem sich nach vorne erstreckende Querstege tragen
von den Querstegen seitlich abstehende Flansche. Die Flasche sind einander entgegengerichtet.
Der Innenraum der Blechkassette ist mit Dämmstoffplatten gefüllt. Diese Dämmstoffplatten
weisen eine Dicke auf, die grösser als die Breite der Querstege ist. Sie weisen schlitzartige
Ausnehmungen auf, in die hinein sich die Flansche erstrecken. Die Aussenfläche der
Dämmstoffplatten bildet den Untergrund für eine fugenlose Putzbeschichtung.
[0003] Diese bekannten Blechkassetten haben den Vorteil, dass mit relativ leichten und grossflächigen
Elementen rasch und kostengünstig grossflächige Wände erstellt werden können. Nachteilig
an den bekannten Blechkassetten ist jedoch, dass sie eine tragende Struktur benötigen,
an denen sie befestigt werden können, um zusammen ein solches Bauteil bilden zu können.
[0004] Aus der WO 02/38880 ist eine Blechkassette bekannt, welche einen Rücken, zwei gleichgerichtete,
rechtwinklig zum Rücken abgebogene Stege, und von den Stegen parallel zum Rücken zwei
nach innen zueinander hin abgebogene Flansche besitzt. An den Flanschen ist der Rand
jeweils zum Rücken hin umgebogen. Diese Kassetten sind in Längsrichtung dank rollgeformten
Prägungen im Rücken leicht gewölbt. Auch eine Wölbung des Rückens quer zur Längsrichtung
wird vorgeschlagen. Diese Wölbungen dienen der Vorspannung der Kassette. Dank der
Vorspannung können grössere Spannweiten überbrückt werden. Die Kassetten können zu
tragenden, flächigen Gebilden zusammengefügt und deren Stege mit Schrauben miteinander
verbunden werden.
[0005] Aus der US-A-2,180,317 ist ein tragendes Bauelement aus einer Mehrzahl von Blechkassetten
gemäss Oberbegriff des Patentanspruchs 1 bekannt. Die Blechkassetten besitzen jeweils
einen Rücken, zwei gleich gerichtete, rechtwinklig zum Rücken abgebogenen Stege und
an den Stegen zwei gegeneinander gebogene Flansche. An den Flanschen sind zum Rücken
hin gebogene Versteifungsränder vorhanden. Die Blechkassetten sind Steg an Steg nebeneinander
angeordnet und über eine Nut und einen in die Nut steckbaren Kamm in benachbarten
Stegen miteinander zu einem flächigen Bauteil verbunden. Solche Bauteile sind bemerkenswert
tragfähig, da die zusammengefügten Stege zusammen jeweils einen 1-Träger bilden.
[0006] Der Kamm besitzt eine grösste äussere Dicke, welche dünner ist als die grösste Weite
der Nut, in welche der Kamm einsteckbar ist. Der Unterschied beträgt etwa die doppelte
Blechstärke der Kassette. Dieses Spiel wird benötigt, damit Verbindungsteile zwischen
den Stegen angeordnet werden können. In breiteren Stegen können mehrere Nuten oder
Kämme ausgebildet sein. Solche Kassetten können in unterschiedlichen Blechstärken
und aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden.
[0007] Die US-A-2,180,317 schlägt zur Anpassung der Belastbarkeit der Konstruktion vor,
die Stegbreite oder die Schwere der Kassetten entsprechend zu wählen. Zur Verstärkung
solcher Konstruktionen in Bereichen mit erhöhter Last oder bei stirnseitigen Stössen
zwischen zwei Kassetten schlägt sie die Integration von Verbindungsteilen zwischen
den Stegen von zwei längsseitig aneinanderstossenden Kassetten und innere Passstücke
in den Kassetten vor.
[0008] Kassetten mit unterschiedlich hohen Stegen können stirnseitig oder längsseitig zusammengefügt
werden, dank dem Nut und Kamm auf einer übereinstimmenden Höhe angeordnet sind. Und
zwar ist der Abstand von Kamm und Nut je nach Bedürfnis zum Flansch hin oder zum Rücken
hin übereinstimmend ausgebildet.
[0009] In weit gespannten Bogenkonstruktionen sei es manchmal gewünscht, über die gesamte
Bogenspanne höhere und niedrigere Kassetten hintereinander anzuordnen. In einem Bogendach
können von den gegenüberliegenden Stützpunkten zum Scheitel hin leichtere Kassetten
und/oder solche mit niedrigeren Stegen verwendet werden, da die Last im Scheitelbereich
geringer ist.
[0010] Die Stegbreiten und die Dicke des Bleches sind sodann auf die jeweilige Lastsituation
abgestimmt.
[0011] Nachteilig an den aus diesen Kassetten gebildeten Bauteilen ist, dass die Kassette
auf die Lastsituation ausgerichtet bemessen werden muss. Dies führt dazu, dass alle
Kassetten, wenn auch standardisiert, objektbezogen dimensioniert hergestellt sind.
Da zum Anmeldezeitpunkt dieses Stands der Technik alle Kassetten auf Kantmaschinen
gekantet wurden, war dies nicht von Belang. Die Standardisierung der Kassetten innerhalb
eines Bauobjektes genügte bereits, um wirtschaftlich zu sein. Die Kantpressen selber
mussten nicht an die individuellen Masse angepasst werden, sondern lediglich die für
die Produktion erforderlichen Anschlag-Einstellungen, welche ohnehin bei jeder Charge
verstellt werden mussten. Beim Rollformen jedoch, muss für unterschiedliche Profile
der Rollformer verändert werden. Eine Rollform muss jedoch unverändert für eine sehr
grosse Produktionsmenge, und daher für unterschiedlichste Objekte genutzt werden können,
um wirtschaftlich zu sein.
[0012] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein kostengünstiges und grossflächig geschlossenes,
aus Blechkassetten herstellbares Bauteil vorzuschlagen, welches einer individuellen
Lastsituation entsprechend jeweils genügend stark auslegbar ist.
[0013] Bei einem eingangs erwähnten Bauteil aus einer Mehrzahl von Blechkassetten sind die
Blechkassetten mit jeweils einem Rücken, zwei gleich gerichteten, rechtwinklig zum
Rücken abgebogenen Stegen und an den Stegen zwei gegeneinander gebogenen Flanschen
ausgebildet. Sie sind Steg an Steg nebeneinander angeordnet, und aneinander anliegende
Stege der Blechkassetten sind miteinander verbunden. Dabei weist das Bauteil sowohl
wenigstens eine erste Blechkassette, welche aus einem Blech einer ersten, dünneren
Blechstärke geformt ist, als auch wenigstens eine zweite Blechkassette auf, welche
aus einem Blech einer zweiten, dickerer Blechstärke geformt ist.
[0014] Gemäss dem nächstliegenden Stand der Technik sind Kassetten unterschiedlicher Blechstärke
stirnseitig zu einem Kassettenband gestossen, und daher hintereinander angeordnet.
Um eine Verstärkung der Stösse zu erreichen, sind diese stirnseitigen Stösse seitlich
aneinander angrenzender Kassettenbänder gegeneinander verschoben.
[0015] Erfindungsgemäss ist bei diesem Bauteil jedoch die erste Kassette rollgeformt, und
die Stege der rollgeformten ersten Blechkassette und der zweiten Blechkassette liegen
über die gesamte Länge wenigstens einer der beiden Blechkassetten an einander an.
Es ist also ein erfindungsgemässes Bauteil gebildet aus Kassetten mit geringerer und
Kassetten mit grösserer Blechstärke, welche in einer Richtung quer zur Kassettenlängsrichtung
nebeneinander angeordnet sind. Dies erlaubt die rollgeformte erste Blechkassette bzw.
die rollgeformten ersten Blechkassetten mit Standard-Abmessungen bezüglich Blechdicke
und Querschnittform herzustellen. Dies wiederum schafft die Voraussetzungen für eine
kostengünstige Herstellung einer Grosszahl der Kassetten. Dennoch ist die Lastsituation
individuell berücksichtigbar, indem die Blechdicke der zweiten Blechkassette und/oder
der Rhythmus im Wechsel zwischen ersten und zweiten Blechkassetten individuell gewählt
werden kann. Diese beiden Parameter sind auf die statischen Anforderungen bezogen,
die das Bauteil erfüllen muss, und aufeinander abgestimmt wählbar.
[0016] Diese erfindungsgemässe Lösung beschreitet einen gänzlich neuen Weg. Ein Bauteil
aus einer Mehrzahl von Kassetten bildet eine Scheibe, welche praktisch einer Addition
von einfachen Balken entspricht. Das Bauteil ist statisch daher lediglich in Längsrichtung
der Kassetten tragfähig. Es ist deshalb überraschend, dass für die Erhöhung der Belastbarkeit
des Bauteils nicht alle Kassetten gleichermassen verstärkt zu werden brauchen. Es
genügt nämlich erstaunlicherweise, einzelne der Kassetten, z.B. jede dritte oder vierte
Kassette, tragfähiger auszubilden. Gerade dies aber ermöglicht erst den wirtschaftlichen
Einsatz von rollgeformten Blechkassetten in statisch tragenden Bauteilen.
[0017] Vorteilhaft weist daher die rollgeformte erste Blechkassette Standard-Abmessungen
bezüglich Blechdicke und Querschnittform auf, und ist die Blechdicke der zweite Blechkassette
und/oder der Rhythmus im Wechsel zwischen ersten und zweiten Blechkassetten abgestimmt
auf die durch das Bauteil zu tragende Last.
[0018] Im Gegensatz zu herkömmlichen rollgeformten Kassetten besitzen die ersten Blechkassetten
des erfindungsgemässen Bauteils vorteilhaft eine grössere Blechdicke. Die statische
Belastbarkeit der Blechkassette ist bei höherer Blechstärke grösser, aber die Kosten
für den Rollformer steigen mit Zunahme der Blechstärke auch an. Vorteilhafte Blechstärken
liegen daher bei Edelstahl zwischen wenigstens 1,5 mm und maximal 2 mm, vorzugsweise
zwischen wenigstens 1,5 und maximal 1,8 mm. Beim weicheren und formbareren Normalstahl
müssen bzw. dürfen die Blechstärken höher liegen. Bevorzugte Blechstärken bei Normalstahl
liegen daher zwischen wenigstens 2 mm und maximal 3 mm, vorzugsweise zwischen wenigstens
2 und maximal 2,5 mm.
[0019] Um die Tragfähigkeit des Bauelements der Belastungssituation entsprechend anzupassen,
kann die Blechstärke der ersten Kassette in diesen Grenzen gewählt werden. Da das
Bauteil nebeneinander Blechkassetten unterschiedlicher Blechstärke aufweist, sind
viele Zwischenbereiche der Tragfähigkeit zwischen den Blechstärken-Stufen erreichbar.
Zur Erhöhung der Tragfestigkeit können zwischen den rollgeformten auch abgekantete
Blechkassetten eingefügt werden, die eine wesentlich höhere Blechstärke aufweisen
können. Da diese abgekanteten Blechkassetten dank dem Wechsel mit rollgeformten Kassetten
lediglich in geringer Zahl hergestellt werden müssen, ist das Bauteil dennoch kostengünstig
herstellbar.
[0020] Vorteilhaft weist die rollgeformte Blechkassette ferner eine einheitliche Stegbreite
von wenigstens 140 mm und maximal 260 mm und eine einheitliche Rückenbreite von wenigstens
350 mm und maximal 1000 mm auf.
[0021] Die Flansche weisen vorteilhaft eine Breite auf, die zwischen wenigstens 50 und höchstens
120 mm liegt. Ein bevorzugter Bereich liegt zwischen wenigstens 70 und höchstens 100
mm. Die optimale Breite liegt zwischen 85 und 95 mm.
[0022] Diese Ausbildung und diese Bereiche der Dimensionierung der rollgeformten Blechkassette
gewährleisten einerseits die statische Belastbarkeit der Kassette, welche Belastbarkeit
ermöglicht, die Blechkassette als Tragstruktur einzusetzen. Andererseits erlauben
diese Bereiche die wirtschaftliche Herstellung der Blechkassette im Rollformverfahren.
[0023] Eine solche Blechkassette ist überraschend vielseitig einsetzbar. So kann sie senkrecht
gestellt als tragende Stütze und im Verbund mit anderen senkrecht gestellten Blechkassetten
als tragende Wandscheibe eingesetzt werden. Zudem kann eine Mehrzahl gleichartiger
Blechkassetten zu eine Bodenplatte zusammengesetzt werden. In vielen Fällen ist die
Belastbarkeit der Bodenplatte bei der ausschliesslichen Verwendung von rollgeformten
Kassetten ungenügend. Es ist dann zweckmässig, erfindungsgemäss Kassetten mit grösserer
Blechstärke zwischen die rollgeformten Kassetten geringerer Blechstärke einzumischen.
Dies erlaubt, in der Planung von einer Standard-Stegbreite auszugehen und den unterschiedlichen
Lastsituationen durch die Blechdicken einzelner, meist an der Kantmaschine handgefertigter
Kassetten gerecht zu werden.
[0024] Die statisch tragende Richtung der Bodenplatte ist die Kassettenlängsrichtung. Quer
zur Kassettenlängsrichtung muss eine solche Bodenplatte daher entlang von wenigsten
zwei linearen Auflagen aufliegen. Zwischen den Auflagen kann sie eine Raumbreite von
bis zu 10 Metern überspannen. Ebenso ist die Blechkassette im Dach einsetzbar als
Tragschale, die entweder wie ein Pfettendach horizontal gespannt ist, oder aber wie
ein Sparrendach in der Fallline gespannt ist. Es ist daher möglich, die Tragstruktur,
sowie auch nichttragende Bauteile, eines Gebäudes fast gänzlich aus Blechkassetten
herzustellen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stahl- oder Holz- Tragstrukturen bildet
diese aus Blechkassetten gebildete Tragstruktur geschlossene Flächen.
[0025] Um die Tragfestigkeit zu erhöhen und einen Ausgleich für die Produktionsungenauigkeit
zu erhalten ist bei der rollgeformten Blechkassette vorteilhaft zwischen den Stegen
anschliessend an die Flansche jeweils ein zum Rücken hin gerichteter Rand vorhanden.
Die Breite des Randes liegt vorteilhaft in einem Bereich zwischen wenigstens 5 und
50 mm, bevorzugt weist er wenigstens 12 und höchstens 30 mm auf. Eine optimale Randbreite
liegt zwischen 17 und 25 mm. Dieser Versteifungsrand wirkt sich auch bei abgekanteten
Kassetten mit wesentlich stärkeren Blechstärken positiv auf die Belastbarkeit der
Kassette aus und ermöglicht daher die Blechstärke zu minimieren.
[0026] Die notwendigen Stegbreiten für in Wänden zu verwendende Blechkassetten sind eher
geringer als für in Böden zu verwendende Kassetten. Bei Wänden sind Stegbreiten von
ca. 150 bis 160 mm optimal, während bei Böden 200 mm vorteilhaft wären. Daher weist
jeder Steg der rollgeformten Blechkassette vorteilhaft eine Breite zwischen wenigstens
160 mm und maximal 200 mm auf. Vorteilhaft wird ein Kompromissmass gewählt, das sowohl
in Wänden als auch in Böden einsetzbar ist, um den gleichen Rollformer für alle Blechkassetten
verwenden zu können. Daher liegt eine bevorzugte Breite zwischen wenigstens 175 und
maximal 190 mm.
[0027] Für eine optimale Belastbarkeit der Blechkassette darf der Rücken nicht zu breit
sein. In einer Bodenplatte sind die Anzahl Stege und deren Höhe in Verbindung mit
den Dimensionen des auf Druck belasteten Rückens und der auf. Zug belasteten Flanschen
massgebend für deren Belastbarkeit. In Abwägung der benötigten Anzahl Stege pro Flächeneinheit
und der Belastbarkeit der Blechkassetten weist der Rücken der rollgeformten Blechkassette
vorteilhaft eine Breite zwischen wenigstens 550 und maximal 750 mm, bevorzugt zwischen
600 und 650 mm auf.
[0028] Die Blechkassetten können auf der Baustelle zu Bauteilen zusammengefügt werden. Vorteilhaft
werden sie jedoch bereits im Werk zu Bauteilen zusammengebaut. Diese Bauteile oder
Bauelemente werden dann auf die Baustelle transportiert und mit einem Kran versetzt.
[0029] Ohne Weiteres kann auch einmal eine Blechkassette aus bestimmten Gründen mit dem
Rücken auf jener Seite des Bauelementes montiert sein, auf der die übrigen Blechkassetten
die Öffnung zum Innenraum aufweisen, ohne dass dadurch ein solches Bauteil nicht der
Erfindung entsprechen würde. Es kann also auch ein Flansch neben einem Rücken liegen.
[0030] Die Dicke des Bauelements (das ist die Breite des Steges) kann genutzt werden, indem
in den Hohlräumen der Blechkassetten Transportwege für Medien vorgesehen werden. So
ist es möglich, die Blechkassetten direkt als Lüftungskanäle für beheizte Luft oder
klimatisierte Luft oder gekühlte Luft zu benutzen. Die Blechkassetten müssen dazu
lediglich mit einer Abdeckung versehen werden. Diese Abdeckung verschliesst den Bereich
zwischen den beiden Flanschen und dichtet beispielsweise an den umgebogenen Rändern
der Flansche. Die Abdeckung kann lokal Luftaustrittöffnungen aufweisen oder luftdicht
ausgebildet sein. Andere Medien, die in den Hohlräumen der Blechkassetten angeordnet
werden können, sind Wasserleitungen, Abwasserleitungen, Elektroinstallationen, Elektroverteilkästen
und -Leitungen , Gasleitungen, Pressluftleitungen, Ölleitungen, Sprinkleranlagen,
etc. Die Blechkassetten können genutzt werden zur passiven Sonnenenergienutzung. Dazu
werden beispielsweise die von der Umgebung oder der Sonne aufgeheizten Kassetten-Rücken
mit durch den Hohlraum streichender Luft gekühlt und die dadurch gewonnene Wärme genutzt.
Der Hohlraum kann auch für eine Hypokaustenheizung genutzt werden.
[0031] Bei gewissen Nutzungen der Hohlräume ist es zweckmässig, die Hohläume benachbarter
Blechkassetten miteinander zu verbinden. Dazu sind vorteilhaft Verbindungsöffnungen
in den Stegen ausgebildet.
[0032] Wenn auch an jeder beliebigen Stelle eine Verbindungsöffnung ausgebildet sein kann,
so sind sie bevorzugt an den Enden der Blechkassetten ausgebildet. Die Lage der Verbindungsöffnung
am Ende der Blechkassette schwächt die Belastbarkeit der Blechkassette am wenigsten.
[0033] Eine Tragstruktur eines Gebäudes, z.B. ein tragender Wandkern, eine Bodenplatte oder
ein Dachstuhl, weist vorteilhaft wenigstens ein erfindungsgemässes Bauteil aus einer
Mehrzahl von Blechkassetten auf. Diese Tragstruktur kann vertikal stehende Blechkassetten
aufweisen, die Wandscheiben oder Stützen bilden und Lasten vertikal abstützen. Diese
Struktur kann in Böden und Decken auch horizontal angeordnete Blechkassetten aufweisen.
Diese liegenden Blechkassetten leiten die Kräfte von darauf angeordneten Lasten quer
zur Lastrichtung auf die abstützenden Elemente, insbesondere auf Wandscheiben und
Stützen, auf denen die Blechkassetten aufliegen. Diese Tragstruktur kann aber auch
räumlich geformt sein. Sie kann aus Blechkassetten bestehen, die beispielsweise wenigstens
einen vertikalen Wandbereich und wenigstens einen geneigten Dachbereich umfassen.
Der Übergang zwischen Wandbereich und Dachbereich kann gerundet oder kantig ausgebildet
sein. Die Blechkassetten können einen Bogen beschreiben, so dass die Tragstruktur
eine Bogenschale bildet. Durch das Vorsehen von Stegen, die in einem von einem rechten
Winkel abweichenden Winkel zum Rücken stehen, können auch in Querrichtung der Blechkassette
gebogene Strukturen, z.B. in Längsrichtung tragende Gewölbe, hergestellt werden.
[0034] Eine solche Tragstruktur besteht aus einem oder mehreren erfindungsgemässen Bauteilen.
Erfindungsgemässe Bauteile aus mehreren nebeneinander gefügten Blechkassetten können
daher verwendet werden als in Längsrichtung der Blechkassetten Drucklast aufnehmende
Wandscheiben, mit einer Flächenlast belastbare, Raum überspannende Bodenplatten, oder
mit einer Flächenlast belastbare Dachstühle.
[0035] Zur Erhöhung der Spannweite einer Kassette kann ein Zugband vorgesehen sein, das
an den Enden der Kassette angreift, und wenigstens eine Strebe, die zwischen diesen
Enden die Kassette gegen das Zugband vorspannt. Das Zugband kann auf der Seite des
Rückens oder der Öffnung vorgesehen sein. Zweckmässigerweise ist das Zugband an eine
Kassette mit grösserer Blechdicke gebunden.
[0036] Vorteilhaft werden dabei in wenigstens einem Hohlraum einer Blechkassette Medien,
insbesondere Luft einer Lüftungs-, Heizungsanlage oder Klimaanlage, Wasser einer Heizungs-
oder Klimaanlage, ein Kühlmedium einer Kühlanlage, Wasser einer Sprinkleranlage oder
Strom in einer elektrischen Installation transportiert.
[0037] Vorteilhaft wird der Hohlraum wenigstens einer Blechkassette zur Speicherung von
Energie in einem im Hohlraum angeordneten Latentwärmespeicher verwendet.
[0038] Ein Gebäude kann daher Tragwände aus vertikal ausgerichteten, erfindungsgemässen
Bauteilen aufweisen. Es kann auch mit einer Bodenplatte aus horizontal ausgerichteten
erfindungsgemässen Bauteilen versehen sein. Ferner kann ein Gebäude auch einen Dachstuhl
aus horizontalen oder geneigten erfindungsgemässen Bauteilen aufweisen. Bei einem
Gebäude kann daher eine oder können mehrere oder praktisch alle tragenden Strukturen
aus Blechkassetten erstellt sein. Vorteilhaft ist dabei, wenn möglichst viele Blechkassetten
dieselben Abmessungen aufweisen und daher standardisiert kostengünstig auf einem Rollformer
hergestellt werden können. Daher werden erfindungsgemäss diese rollgeformte Kassette
zusammen mit Blechkassetten einer stärkeren Blechstärke zu der Lastsituation angepassten
Bauteilen zusammengestellt.
Kurzbeschreibung der Figuren:
[0039] In den Figuren sind Ausführungsbeispiele der Erfindung, bzw. der einzelnen Kassetten,
im Detail beschrieben. Es zeigt:
- Fig. 1
- einen Querschnitt durch ein bevorzugtes Profil einer für ein erfindungsgemässes Bauteil
geeigneten Blechkassette,
- Fig. 2
- eine mit Dämmstoff gefüllte Blechkassette,
- Fig. 3
- einen Längsschnitt durch ein Blechkassette gem. Fig. 1,
- Fig. 4
- einen perspektivischen Ausschnitt aus einer Dachkonstruktion für eine stützenlose
Halle,
- Fig. 5
- eine Schemazeichnung eines Gebäudes aus Blechkassetten gemäss Fig. 1,
- Fig. 6
- eine gebogene Blechkassette,
- Fig. 7
- ein ebenflächiges Bauelement aus mehreren Kassetten,
- Fig. 8
- ein Bauelement aus mehreren abgewinkelten Kassetten,
- Fig. 9
- eine vorgespannte Zwischendecke aus Kassetten,
- Fig. 10
- eine Satteldachkonstruktion mit vorgespannten Kassetten und Zuggurt,
- Fig. 11
- einen Querschnitt durch eine Kassette mit einem eingelegten Füllstück zur Erstellung
einer Beton-Rippendecke,
- Fig. 12
- eine Tabelle mit den Stahlspannungen und den Durchbiegungen einer Stahlkassette abhängig
von Stegbreite und Blechdicke einerseits und Spannweite andererseits bei Zug im Rücken
der Kassette.
- Fig. 13
- eine Tabelle mit den Stahlspannungen und den Durchbiegungen einer Stahlkassette abhängig
von Stegbreite und Blechdicke einerseits und Spannweite andererseits bei Druck im
Rücken der Kassette.
[0040] Die in Figur 1 dargestellte Blechkassette 11 ist ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel
einer für ein erfindungsgemässes Bauteil geeigneten ersten oder zweiten Blechkassette.
Die Blechkassette 11 besitzt einen Rücken 13 und zwei vom Rücken 13 senkrecht wegstehende
Stege 15. Parallel zum Rücken 13 ragen Flansche 17 von den Stegen weg und einander
entgegen. Von den Flanschen 17 ragen senkrecht umgebogene Ränder 19 in den Hohlraum
21 der Blechkassette 11 hinein. Im Rücken 13 sind zwei V-förmige, versteifende Sicken
23 mit einer Tiefe von 15 mm und einem nach innen gerichteten Scheitel vorgesehen.
Der Scheitelwinkel der Sicke 23 beträgt 90°. Die Blechkassette 11 ist aus einem Flachblech
rollgeformt. Der Rücken 13 und die Stege 15, jeder Steg 15 und sein Flansch 17, sowie
jeder Flansch 17 und der daran anschliessende Rand 19 stehen in einem Winkel von 90°
zueinander und besitzen jeweils eine gemeinsame Biegekante. Die Blechkassette 11 weist
folgende Masse auf:
| Breite der Rückens 13: |
623 mm |
| Breite des Stegs 15: |
180 mm |
| Breite des Flansches 17: |
90 mm |
| Breite des Randes 19: |
20 mm |
| Öffnungsweite zwischen den Rändern 19: |
443 mm |
| Blechstärke (Normalstahl): |
2 mm |
| Biegeradien an den Biegekanten: |
3 mm |
| Sickenabstand: |
300 mm |
| Abwicklung: |
1204.17 mm |
| Gewicht: |
19.27 kg/ml |
| |
30.83 kg/ m2 |
[0041] Die Länge der Blechkassette kann den Gegebenheiten entsprechend bis zu 15 m gewählt
werden.
[0042] Bei einer solchen Blechkassette bilden zwei miteinander verbundene Stege 15 zusammen
mit den an die Stege 15 anschliessenden Flanschen 17 und Rändern 19 einerseits und
je einem Teil der Rücken 13 andererseits eine Art Doppel-T- oder I-Profil. Die Belastbarkeit
dieses Profils ist durch den Abstand der Zug- und Druckgurte und deren Querschnitte
begrenzt. Welche Bereiche der Flansche 17 und Ränder 19 sowie der Rücken 13 auf Druck
belastet und welche auf Zug belastet sind, und welche Lasten die Blechkassetten aufnehmen
können, ist durch einen Statiker im Einzelfall abzuklären.
[0043] Die Rücken 13 der Blechkassetten 11 eines Bauteils bilden eine durchgehende Fläche.
Diese Fläche kann als Auflage für einen Bodenaufbau, einen Dachaufbau oder einen Wandaufbau
dienen. Blechschrauben können auf der gesamten Fläche eingeschraubt werden, wie dies
bei Trapezblechen der Fall ist. Es muss daher keine Rücksicht auf ein Sickenmuster
genommen werden. Diese Blechfläche kann auch als fertige Oberfläche vorgesehen sein.
In Produktions- oder Lagerhallen kann die Normalstahlfläche des Rückens 13 als raumbegrenzende
Wandfläche eingesetzt werden. Bei Verwendung von Edelstahl können die Blechkassetten
als direkt raumabschliessende Elemente in empfindlichen Bereichen, wie beispielsweise
in der Nahrungsmittelbranche, eingesetzt werden.
[0044] Die Hohlräume 21 der Blechkassetten können, wie in Figur 2 dargestellt, mit einem
Dämmstoff ausgefüllt werden. Dies geschieht vorteilhaft folgendermassen: Zuerst werden
die an die Stege angrenzenden Bereiche mit Dämmstoffstreifen 22 ausgefüllt. Dann werden
Dämmstoffplatten 23 zwischen die beiden seitlich angeordneten Dämmstoffstreifen 22
eingefüllt, die etwa die Breite der Öffnung zwischen den Rändern 19 aufweisen.
[0045] Die Kassettenhohlräume 21 können aber auch als Medienkanäle genutzt werden. Sie können
ferner mit einem Latentwärmespeicher ausgefüllt werden. Werden die Hohlräume 21 der
Blechkassetten 11 beispielsweise als Luftkanäle verwendet, so sind zweckmässigerweise
Bereiche im Rücken 13 oder sind einzelne Verschlusselemente zum Verschliessen der
offenen Seite der Blechkassetten luftdurchlässig ausgebildet, z.B. durch Vorsehen
einer bereichsweisen Perforation.
[0046] Werden die Blechkassetten 11 als Medienkanäle oder Medienschächte verwendet, so kann
es zweckmässig sein, benachbarte Hohlräume miteinander zu verbinden.
[0047] Aus Figur 3 sind die dazu an den Enden 25 der Blechkassette 11 ausgenommenen Verbindungsöffnungen
27 ersichtlich. Diese Verbindungsöffnungen 27 in den Stegen 15 sind halbkreisförmig
ausgenommen und weisen einen Durchmesser von ca. drei Vierteln der Stegbreite auf.
Verbindungsöffnungen 27 können auch an beliebigen Stellen der Stege 15 ausgenommen
werden. Unter Umständen sind Verstärkungen der Stegwandung rund um die Verbindungsöffnungen
herum erforderlich.
[0048] Der in Figur 4 dargestellte Ausschnitt zeigt folgenden Aufbau: Ein Fachwerkträger
31 mit einem Untergurt 33 und einem Obergurt 35 und Fachwerkstreben 37 ist aus Blechprofilen
gefertigt. Diese Profile sind zu einem Fachwerk zusammengeschweisst. Als Obergurt
35 ist ein Hutprofil verwendet. Dieses Hutprofil besitzt einen oberen Flachsteg, an
diesem zwei parallele Schenkel, und an jedem der Schenkel einen nach aussen stehenden
Hutrand. Auf diesen Hutrand sind die Flansche 17 einer Vielzahl von Blechkassetten
11 aufgelegt. Die Schenkel des Hutprofils weisen eine Breite auf, die der Breite der
Stege der Blechkassetten entspricht. Die Rücken 13 der Blechkassetten sind daher fluchtend
mit dem Flachsteg des Hutprofils. Weitere solche Fachwerkträger 31 in regelmässigen
Abständen, auf denen die Blechkassetten 11 auflasten, bilden zusammen mit den Blechkassetten
eine grossflächige Dachfläche. Die Flansche und die Hutränder sind miteinander verschraubt
oder verschweisst. Ebenso sind aneinander anliegende Stege benachbarter Blechkassetten
miteinander verschweisst oder verschraubt. Dadurch ergibt sich eine Aussteifung der
durch Blechkassetten und Hutprofile gebildeten Platte.
[0049] Auf diese Fläche, gebildet durch die Rücken 13 der Blechkassetten 11 und die Flachstege
der Hutprofile ist eine Dampfsperre aufgelegt oder aufgeklebt. Es ist auch möglich,
lediglich die Fugen zwischen den Blechkassetten 11 bzw. zwischen den Blechkassetten
und den Hutprofilen mit jeweils einem Streifen einer Dampfsperre zu überkleben. Auf
die Dampfsperre ist eine Dämmschicht, vorzugsweise aus Faserdämmplatten, z.B. Steinwolle
oder Glaswolle, aufgelegt und stossverlegt. Mit Modulbändern sind Halter gesetzt,
an denen eine Profilblech-Dacheindeckung befestigt ist. Die Halter sind mit den Rücken
13 der Blechkassetten 11 verbunden. Als Verbindungsmittel kommen insbesondere Blechschrauben
in Frage, wie sie zur Befestigung in Dachkonstruktionen über Trapezblechen eingesetzt
werden.
[0050] Aus Figur 5 sind eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten der erfindungsgemässen
Bauteile aus Blechkassetten ersichtlich. So können die Blechkassetten 11 zweigeschossige,
nicht tragende Aussenwände 41 oder eingeschossige, tragende Aussenwände 42 bilden.
Die Blechkassetten 11 können zu tragenden Innenwänden 43 zusammengestellt werden.
Sie können Bodenplatten 45 bilden, zu Stürzen 47 und Brüstungen 48 verbunden werden,
sowie Dachstühle 49 bilden. Es können Bodenaussparungen 51 in den Bodenplatten 45
für Lifte und Treppenhäuser vorgesehen werden. Die Spannweiten für Bodenplatten 45
liegen in Längsrichtung der Blechkassetten bei 10 Metern.
[0051] Blechkassetten 11 können auch, wie in Figur 6 dargestellt, als Bogenelemente 53 rund
geformt werden. Der mögliche Bogenradius ist von der Höhe des Steges abhängig.
[0052] Mehrere Blechkassetten 11, wenigstens eine davon mit einer grösseren Blechdicke,
werden erfindungsgemäss zu einem Bauelement 55 zusammengestellt. Ein solches Bauelement
55 ist in Figur 7 dargestellt. Vier Blechkassetten 11 derselben Länge sind Steg 15
an Steg 15 nebeneinander gelegt. Die Stege sind mittels nicht dargestellter Verbindungsmittel
miteinander verbunden. Als Verbindungsmittel kommen in erster Linie Blechschrauben
in Frage. Es kann aber zweckmässig sein, die Stege mittel Punktschweissen oder Linienschweissen
zu verbinden. Solche Bauelemente 55 werden werkseitig zusammengestellt und als Bauelement
55 ausgeliefert. Solche Bauelemente 55 werden auf der Baustelle nebeneinander gelegt
oder gestellt und durch Verbinden der aneinander stossenden Stege 15 miteinander verbunden.
So bilden dann mehrere Bauelemente 55 ganze Bauteile wie Wandscheiben 41,42,53, Bodenplatten
45 oder Dachplatten 49.
[0053] Werkseitig können auch kompliziertere Bauelemente 57 zusammengestellt werden. Ein
solches Bauelement 57 umfasst beispielsweise Kassetten, die eine Wand bilden, Kassetten,
die eine Dachplatte bilden und/oder Kassetten, die eine Bodenplatte bilden. So ist
es möglich, durch ein Aneinanderreihen von solchen Bauelementen 57 beispielsweise
die Aussenwände eines Attikageschosses zusammen mit dem Dach des Attikageschosses
zu versetzen. In Figur 8 ist ein solches Bauelement 57 dargestellt, das Wandteile
59 und Dachteile 61 beinhaltet.
[0054] Zur Erhöhung der Spannweite von tragenden Kassetten in einer Zwischenbodenoder Dachkonstruktion
können diese vorgespannt sein. In Figur 9 ist eine Zwischendecke 45 dargestellt, deren
Kassetten an den Enden je auf einer Wand 42 und mittig einmal mit einer Strebe 75
abgestützt sind, wobei die Strebe auf ein mit den Enden der Kassette verbundenes Zugband
77 abgestellt ist. In Figur 10 ist eine Satteldachkonstruktion dargestellt. Jede Kassette
11 bildet ein Satteldachelement 79 mit zwei geneigten Dachflächenteilen. Der Rücken
der Kassette kann vorteilhaft nach Aussen und Oben gerichtet sein, so dass die Satteldachelemente
79 zusammen zwei geschlossene Flächen bilden, die an einem First 81 aneinanderstossen
und jeweils an einer Traufe 83 enden. Von Traufe 83 zu Traufe 83 ist ein Zugband 78
gespannt. Auf diesem Zugband 78 ist eine Firststütze 76 abgestellt, die den First
81 unterstützt. Jedes Dachflächenteil der Satteldachelemente 79 ist jeweils mittig
gestützt durch eine Strebe 75, die auf einem Zugband 77 abgestellt ist. Das Zugband
77, auf das die Streben 75 ablastet, bilden an der Stelle, an der die Strebe 75 auf
das Zugband abgestellt ist, einen Winkel, der von 180 Grad abweicht. In dieser Art
kann eine Kassette Teil eines Fachwerkes sein. Dadurch lassen sich grosse Spannweiten
auch ohne zusätzliche Tragelemente überspannen.
[0055] In Figur 11 ist eine bevorzugte Stahl-Beton-Kontruktion dargestellt. Die Kassette
11 ist mit dem Rücken 13 nach unten einen Raum überspannend versetzt. In die Kassette
11 sind Bewehrungseisen 85 parallel zu den Stegen 15 eingelegt. Über die Flansche
17 sind quer zu den Flaschen 17 Bewehrungseisen 85 gelegt. In der Mitte des Rückens
13 ist ein Füllkörper 87 im Hohlraum der Kassette am Rücken 13 festgeklebt. Zwischen
dem Füllkörper 87 und den Stegen 15 ist jeweils ein mit Beton ausfüllbarer Raum ausgebildet,
der den Steg begleitet. In den Flanschen 17 können Öffnungen eingestanzt sein, um
eine Verbindung zwischen den die Stege begleitenden Räumen und dem Raum über den Stegen
herzustellen. Die Kassetten 11 bilden einen geschlossenen Boden. In diesen Boden ist
Beton gegossen, der die Flansche 17 und die Bewehrungseisen 86 über den Flaschen überdeckt.
Dank den Füllkörpern 87 bildet der so gegossene Betonkörper eine Rippendecke, deren
Rippen 89 jeweils zwei verbundene Stege 15 von aneinander angrenzenden Kassetten 11
umschliesst. Diese Rippen 89 und die darüber ausgebildete Platte 91 bilden zusammen
mit den Kassetten 11 eine relativ leichte Tragkonstruktion. Zur Gewichtsreduktion
kann der Beton zusätzlich ein Leichtbeton sein. Als Leichtbeton kommen insbesondere
Schaumglasbeton gemäss der EP-A-00 915 077 oder Schaumbeton in Frage.
[0056] Rollgeformte Kassetten sind gemäss den in Figuren 12 und 13 ausgeführten Tabellen
belastbar. Diese Tabellen wurden berechnet für Kassetten mit den in der Kassettenbezeichnung
angegebenen Parametern. Die Kassettenbezeichnung K2140ZBK bezeichnet die folgenden
Parameter: K= Kassette, 2 = Blechstärke 2 mm, 140 = Stegbreite 140 mm, Z = Zugbelastung
im Rücken, BK = Blechkassette. Die Kassettenbezeichnung K3260DBK bezeichnet hingegen
die folgenden Parameter: K= Kassette, 3 = Blechstärke 3 mm, 260 = Stegbreite 260 mm,
D = Druckbelastung im Rücken, BK = Blechkassette. Die Kassettenbreite ist konstant
mit 500 mm angenommen, die Flanschbreite mit 50 mm. Ein Rand ist in dieser Berechnung
der Belastbarkeit der Kassetten nicht berücksichtig, wirkt sich aber auf deren Belastbarkeit
erhöhend aus. Das e-Modul des Blechs wird mit 420 kN/mm2 eingesetzt. Die beiden Stege
sind jeweils als in den Drittelspunkten zwischen den Enden verbunden angenommen, um
ein Öffnen des Querschnittes zu verhindern. Durch den Verbund einer Mehrzahl von Kassetten
zu einem flächigen Bauelement ist bezüglich der Belastbarkeit eine bessere Wirkung
erreicht als durch die für die Berechnung vereinfachte Annahme der Verbindung an den
Drittelpunkten. Die Momente, Spannungen und Durchbiegungen sind für den "Einfachen
Balken" in Balkenmitte berechnet.
[0057] In den Tabelle von Figuren 12 und 13 sind die Spalten auf Momente bezogen, die auf
die Kassette 11 wirken. Diese sind abhängig von der Länge der Kassette, da die Belastung
gleichbleibend mit 4 kN/m2 angenommen ist. In der ersten Spalte sind die Bezeichnungen
der Kassettentypen aufgelistet. In den oberen Tabellenfeldern sind die bezüglich Moment
(Spannweite) und Kassettentyp errechneten Spannungen aufgelistet. Die Obergrenze liegt
bei der maximal zulässigen Spannung von 160 N/mm2 + 5 %.
[0058] In den unteren Tabellenfeldern sind die Durchbiegungen in derselben Art aufgelistet.
Ein "Einfacher Balken" des Typs K3240ZBK (Fig. 12) beispielsweise weist bei einer
Spannweite von 7 Metern und einer Belastung von 4 kN/m2 in Balkenmitte eine Spannung
von 106 N/ mm2 und eine Durchbiegung von 6 mm auf.
[0059] In der Tabelle gemäss Figur 12 sind die Kassetten mit dem Rücken nach unten belastet.
In der Tabelle gemäss Figur 13 sind sie mit dem Rücken nach oben belastet.
[0060] Die Tabellen sind bei 7.5 Metern Spannweite beschnitten. Sie beziehen sich auf eine
einzige Kassettenform mit unterschiedlichen Stegbreiten. Durch geeignete Wahl der
Kassettenform ( breitere Flansche, Randausbildung am Flansch, Sicken im Rücken und/
oder im Flansch etc.) und durch den Verbund mehrerer Kassetten zu einem flächigen
Bauteil wird die Belastbarkeit der Kassette oder des Bauteils jeweils erhöht. Es sind
daher Spannweiten bis zu 10 Metern möglich. Durch die Ausbildung von Zugbändern, beispielsweise
bei jeder zweiten Kassette, sind Bauteile mit Spannweiten bis zu 20 Metern erreichbar.
Bei Satteldach-Elementen mit zwei Dachflanken, die im First zusammenstossen, kann
jede Dachflanke einzeln mit Zugbändern vorgespannt werden. Zusätzlich oder alternativ
kann ein Zugband von Traufe zu Traufe oder auch weiter oben zwischen den Dachflanken
vorgesehen sein. Mit den erfindungsgemässen Bauteilen, welche durch abgekantete Kassetten
mit grösseren Blechstärken verstärkt sind und den erwähnten Zugbandkonstruktionen
können daher Spannweiten von bis zu 40 Metern ohne zusätzliche konstruktive Massnahmen
überspannt werden. Es kann daher auf teure Fachwerkträger und den Raum teilende Stützen
verzichtet werden.
[0061] Die zu einem flächigen Bauteil zusammengefügten Kassetten 11 benötigen zudem keinen
Diagonalverbund.
[0062] Zusammenfassend gesagt, weist eine C-förmige Blechkassette 11 einen Rücken 13, vom
Rücken 13 senkrecht abstehende Stege 15 und parallel zum Rücken gerichtete Flansche
17 an den Stegen 15 auf. Die Flansche 17 sind gegeneinander gerichtet. Ein zur Verstärkung
der Flansche 17 abgebogener Rand 19 der Flansche erstreckt sich in den Hohlraum 21
der Blechkassette 11 hinein. Die Abmessungen der Blechkassette 11 und die Blechstärke
sind derart bemessen, dass die Blechkassette als statisch tragendes Element in einem
Boden, einer Wand oder einem Dachstuhl verwendet werden kann. Zur kostengünstigen
Herstellung wird die Blechkassette 11 rollgeformt. Zur Vereinfachung der Montage sind
eine Mehrzahl von Blechkassetten 11 zu einem Bauelement 55 zusammengefügt und jeweils
ein Steg 15 mit einem anliegendem Steg 15 verbunden. Damit die Herstellungskosten
des Bauteils tief sind, sind möglichst viele der Blechkassetten standardisiert und
im Rollformverfahren hergestellt. Zur Anpassung des Bauteils (55) an die statischen
Anforderungen an das Bauteil (55) weisen erfindungsgemäss einzelne der Kassetten (11)
eine grössere Blechdicke auf. Diese einzelnen Kassetten mit grösserer Blechstärke
können rollgeformt oder, bei für das Rollformen ungeeignet grossen Blechstärken, an
einer Kantmaschine objektbezogen massgefertigt sein.
1. Bauteil (55, 57) aus einer Mehrzahl von Blechkassetten (11) mit jeweils einem Rücken
(13), zwei gleich gerichteten, rechtwinklig zum Rücken (13) abgebogenen Stegen (15)
und an den Stegen (15) zwei gegeneinander gebogenen Flanschen (17), welche Blechkassetten
(11) Steg (15) an Steg nebeneinander angeordnet sind und aneinander anliegende Stege
(15) der Blechkassetten (11) miteinander verbunden sind, mit wenigstens einer ersten
Blechkassette (11), welche aus einem Blech einer ersten, dünneren Blechstärke geformt
ist, und wenigstens einer zweiten Blechkassette (11), welche aus einem Blech einer
zweiten, dickerer Blechstärke geformt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Kassette rollgeformt ist, und dass die Stege der rollgeformten ersten Blechkassette
und der zweiten Blechkassette über die Länge wenigstens einer der beiden Blechkassetten
an einander anliegen.
2. Bauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die rollgeformte erste Blechkassette Standard-Abmessungen bezüglich Blechdicke und
Querschnittform aufweist, und dass die Blechdicke der zweite Blechkassette und/oder
ein Rhythmus im Wechsel zwischen ersten und zweiten Blechkassetten individuell gewählt
ist, und zwar abgestimmt auf die durch das Bauteil zu tragenden Last.
3. Bauteil nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Stegbreiten der beiden Blechkassetten unterschiedlicher Blechstärke gleich ist.
4. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die rollgeformte erste Blechkassette eine Rückenbreite von wenigstens 350 mm und
maximal 1000 mm, vorzugsweise zwischen wenigstens 550 und 750 mm, besonders bevorzugt
zwischen 600 und 650 mm besitzt.
5. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Flansche der rollgeformten ersten Blechkassette eine Breite aufweisen, die zwischen
wenigstens 50 und höchstens 120 mm, bevorzugt zwischen wenigstens 70 und höchstens
100 mm, besonders bevorzugt zwischen 85 und 95 mm liegt.
6. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass von den Flanschen (17) einer rollgeformten ersten Blechkassette zwischen den Stegen
(15) jeweils ein zum Rücken (13) hin gerichteter Rand (19) abgebogen ist.
7. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rand eine Breite aufweist, die zwischen mindestens 5 und höchstens 50 mm liegt,
vorteilhaft zwischen 12 und 30 mm, besonders bevorzugt zwischen 17 und 25 mm.
8. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Stege (15) der Blechkassette (11) eine Breite zwischen wenigstens 160 mm und
maximal 200, bevorzugt eine Breite zwischen wenigstens 175 und maximal 190 mm aufweisen.
9. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch ein Zugband und wenigstens eine Strebe zwischen dem Zugband und wenigstens einer
Blechkassette zum Vorspannen der Blechkassette.
10. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, Bauelement nach einem der Ansprüche
1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass Verbindungsöffnungen (27) in den Stegen (15) ausgebildet sind, über welche die Hohlräume
(21) benachbarter Blechkassetten (11) miteinander verbunden sind.
11. Bauteil nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindungsöffnungen (27) an den Enden der Blechkassetten (11) ausgebildet sind.
12. Bauteil nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die rollgeformte erste Blechkassette (11) eine Blechstärke zwischen wenigstens 1,5
mm und maximal 2 mm, vorzugsweise zwischen wenigstens 1,5 und maximal 1,8 mm bei Edelstahlblech
bzw. zwischen wenigstens 2 mm und maximal 3 mm, vorzugsweise zwischen wenigstens 2
und maximal 2,5 mm bei Normstahlblech aufweist.