[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Düse zur Erzeugung eines Hochdruckstrahls
gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Eine derartige Düse ist Bestandteil eines Düsenkopfes, der beispielsweise in der
Hochdruckwasserstrahltechnik als Wasserstrahldüse Verwendung findet. Eine solche Wasserstrahldüse
dient beispielsweise der Reinigung von Oberflächen, dem Abtragen von Beschichtungen,
dem Aufrauen von Flächen sowie dem Schneiden und Trennen von Werkstoffen.
[0003] Zur Erzeugung des Hochdruckstrahles wird der von einer Pumpe in einem Volumenstrom
des Mediums erzeugte Druck durch eine Querschnittsverengung innerhalb der Düse in
einen Strahl, vorzugsweise einen Flüssigkeitsstrahl, mit hoher Geschwindigkeit umgewandelt.
Dabei findet als Flüssigkeit üblicherweise Wasser Verwendung. Die erzeugten Drücke
können bis zu 4000 bar und darüber betragen, während die Geschwindigkeit bei bis zu
900 m/s liegt.
[0004] Aufgrund der sich daraus ergebenden außerordentlich hohen Beanspruchung der Düsenscheibe
ist es aus der DE 94 19 809 U1 bekannt, diese aus einem Saphir herzustellen.
[0005] Für eine halbwegs akzeptable Standzeit ist es jedoch erforderlich, die Düsenscheibe
sowie die Ausnehmung, in der diese einliegt, hinsichtlich der Parallelität der Kontaktflächen,
der Konzentrizität und Winkligkeit sowie der Maßgenauigkeit in sehr engen Toleranzgrenzen
zu bearbeiten. Abgesehen davon, dass dies nur mit einem erheblichen Fertigungsaufwand
möglich ist, führen selbst die geringen Toleranzen beim Betrieb der Düse zu einer
äußerst hohen Beanspruchung der Düsenscheibe, die die Standzeit sehr stark beeinflusst.
[0006] Wenngleich in der DE 94 19 809 U1 nicht ausdrücklich erwähnt, wird die Düsenscheibe
in der Praxis mit einem Dichtring versehen, der aus einer Buntmetall-Legierung oder
einem Kunststoff gefertigt ist und der die Düsenscheibe gegenüber dem seitlichen Wandbereich
der Ausnehmung des Düsenkörpers abdichtet.
[0007] Allerdings ist der Dichtring nicht in der Lage, die Düsenscheibe seitlich abzustützen,
wie es erforderlich wäre, um auf die Düsenscheiben einwirkende Spannungen aufzunehmen,
die durch den hohen Innendruck in der Düsenbohrung entstehen. Diese nicht vorhandene
radiale Unterstützung der Düsenscheibe führt häufig zu Rissen und Brüchen während
des Betriebes, woraus sich gefährliche Situationen ergeben, insbesondere wenn solche
Düsen in handgeführten Werkzeugen, wie beispielsweise Spritzpistolen oder dergleichen,
eingesetzt werden. Durch die schlagartige Entspannung des Drucks beim Bruch der Düsenscheibe
steigt die Rückstoßkraft unerwartet und unzulässig hoch an, was zu einer Gefährdung
des Benutzers der Spritzpistole führen kann.
[0008] Bei der bekannten Düse wird eine axiale Vorspannkraft über eine Druckschraube aufgebracht,
die sowohl an der Düsenscheibe wie auch dem Düsenkörper anliegt. Dabei wird die Kraft
über die Düsenscheibe und den Dichtring auf den Düsenkörper geleitet.
[0009] Dies setzt jedoch voraus, dass mit einem hohen Fertigungsaufwand entsprechende Höhentoleranzen
der Bauteile eingehalten werden. Trotzdem kann es bei Überschreitung des Anzugsmomentes
an der Druckschraube zum Bruch der spröden Düsenscheibe kommen. Dies ist relativ häufig
der Fall, da viele Düsen unter rauen Betriebsbedingungen, zum Beispiel auf Baustellen
zur Betonsanierung eingesetzt und montiert werden.
[0010] Die genannte fehlende radiale Unterstützung der Düsenscheibe führt auch zu einer
hohen Beanspruchung durch in der Strahlflüssigkeit befindliche Schmutzpartikel, die
beim Aufprall auf die zugeordnete Stirnfläche der Düsenscheibe ebenfalls zu Rissen
mit den geschilderten Auswirkungen führen können.
[0011] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Düse der gattungsgemäßen
Art so weiter zu entwickeln, dass sie einfacher herstellbar ist, ihre Standzeit erhöht
und die Betriebssicherheit verbessert wird.
[0012] Diese Aufgabe wird durch eine Düse gelöst, die die Merkmale des Anspruches 1 aufweist.
[0013] Eine solcher Art ausgebildete Düse weist gegenüber der bekannten Düse erhebliche
Vorteile auf.
[0014] So ist zunächst einmal zu nennen, dass die Düsenscheibe nun quasi fest eingespannt
in der Ausnehmung des Düsenkörpers einliegt und zwar in allen beim Betrieb der Düse
möglichen Belastungsrichtungen.
[0015] Insbesondere werden wirksame Radialkräfte, die aus dem Betriebsinnendruck in der
Düsenbohrung resultieren, unmittelbar auf den Düsenkörper geleitet. Dadurch wird die
Düsenscheibe extrem widerstandsfähig, so dass eine plötzliche Rissbildung oder ein
Bruch praktisch ausgeschlossen sind. Auch die Empfindlichkeit gegenüber Schmutzpartikeln
ist erheblich reduziert.
[0016] Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung sind der Düsenkörper mit der
einliegenden Düsenscheibe als eine Baueinheit hergestellt und so montierbar, dass
keine unmittelbaren Druckkräfte bei der Montage, beispielsweise mittels einer Druckschraube
oder eines in diesem Sinne fungierenden Einlaufkörpers, auf die Düsenscheibe einwirken.
[0017] Dabei kann die Düsenscheibe im Inneren des Düsenkörpers angeordnet sein, das heißt,
dass die Düsenscheibe allseitig von dem Düsenkörper umschlossen ist.
[0018] Aufgebrachte Spannkräfte zur Festsetzung des Düsenkörpers werden dadurch ausschließlich
in den Düsenkörper geleitet.
[0019] Dies ist gleichermaßen der Fall, wenn die Düsenscheibe in der dann stirnseitig in
den Düsenkörper eingebrachten Ausnehmung einliegt, wobei der Einlaufkörper als Druckstück
den Düsenkörper gegen einen Gehäuseboden verspannt und der vom Einlaufkörper ausgehende
Spanndruck außerhalb der Düsenscheibe in den Düsenkörper geleitet wird.
[0020] Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass der Düsenkörper
durch Sintern oder Gießen hergestellt wird, wobei die Düsenscheibe zuvor eingebracht
wird, so dass sie von dem Werkstoff des Düsenkörpers nach dem Gießen oder Sintern
vollständig umschlossen ist.
[0021] Hierdurch kann auf eine besondere Bearbeitungsgenauigkeit der Düsenscheibe verzichtet
werden, was naturgemäß mit einer Kostenersparnis verbunden ist.
[0022] Der Düsenkörper-Werkstoff, in den die Düsenscheibe zunächst ohne Düsenbohrung eingebettet
ist, ist vorzugsweise korrosionsbeständig und hochfest.
[0023] Durch den Sinterprozess bzw. das Gießen werden auf die Kontaktflächen der Düsenscheibe
hohe, bleibende Druckspannungen aufgebracht, die für den Betrieb der Düse die genannten
Vorteile mit sich bringen.
[0024] Nach Beendigung des Sinterns bzw. des Gießens werden die Außen- bzw. Dichtflächen
des Dichtkörpers hergestellt, sowie eine Austritts- und ggf. eine Eintrittsbohrung
und die Düsenbohrung eingebracht. Hierdurch wird eine hohe Konzentrizität erreicht,
die zu einer Optimierung des aus der Düse austretenden Mediumstrahles führt.
[0025] Da ein betriebsbedingter Bruch der Düsenscheibe praktisch ausgeschlossen ist, erhöht
sich die Betriebssicherheit für den Benutzer gegenüber der bekannten Düse. Darüber
hinaus ergibt sich auch eine Erhöhung der Standzeit, die dadurch noch zusätzlich gesteigert
wird, dass der Düsenkörper mit der eingelagerten Düsenscheibe sowohl in Längs- wie
auch in Querachsrichtung spiegelsymmetrisch ausgebildet ist. Dies eröffnet die Möglichkeit,
den Düsenkörper zu wenden, wenn der Eingangsbereich der Düsenbohrung betriebsbedingt
abgenutzt sein sollte. In diesem Fall wird der Düsenkörper mit der eingeschlossenen
Düsenscheibe lediglich um 180° Grad gedreht, so dass dann die vorherige Ausgangsseite
der Düsenbohrung nun die Eingangsseite bildet.
[0026] Die Düsenscheibe kann aus einem keramischen Hartstoff bestehen, vorzugsweise einem
Saphir, Rubin, polykristallinem Diamant oder einer Mischkeramik.
[0027] Neben der genannten Möglichkeit, die Düsenscheibe durch Gießen oder Sintern des Düsenkörpers
einzubetten, besteht auch die Möglichkeit, sie mit dem Düsenkörper zu verlöten, vorzugsweise
durch Hartlöten.
[0028] In jedem Fall erlaubt die robuste Bauweise der Düse auch die Einbringung von Flachstrahlgeometrien
der Düsenbohrung, die dann einen von der Kreisform abweichenden Querschnitt aufweisen
kann, beispielsweise elliptisch oder rechteckig. Insofern ergibt sich durch die Erfindung
ein erweiterter Einsatzbereich.
[0029] Zur Erhöhung der Standzeit kann neben der genannten Wendemöglichkeit des Düsenkörpers,
die Düsenbohrung nachgearbeitet werden, insbesondere im Bereich der Eintrittskante,
so dass sich insgesamt eine auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht nennenswerte
Verbesserung ergibt.
[0030] Weitere vorteilhafte Ausbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
[0031] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand der beigefügten Zeichnungen
beschrieben.
[0032] Es zeigen:
- Figuren 1 und 2
- jeweils eine erfindungsgemäße Düse in einem Längsschnitt.
[0033] In den Figuren 1 und 2 ist jeweils eine Düse zur Erzeugung eines Hochdruckstrahls
aus einem strömungsfähigen Medium, beispielsweise einer Flüssigkeit, einem Flüssigkeit-Feststoff-Gas-Gemisch
oder einem Gas, dargestellt, die in ihrem Grundaufbau einen Düsenkörper 1, eine darin
in einer Ausnehmung 7 einliegende, aus einem hochfesten Werkstoff bestehende Düsenscheibe
2 mit einer axialen, vorzugsweise zentrischen Düsenbohrung 3 sowie einen Einlaufkörper
8 aufweist, mit dem der Düsenkörper 1 in einem nicht dargestellten Düsengehäuse zu
einem Düsenkopf fest verspannbar ist.
[0034] Dabei liegt der Einlaufkörper 8, der auf seiner dem Düsenkörper 1 zugewandten Seite
einen axial angeordneten Zuführkanal 6 aufweist, durch den das Medium unter Druck
in Pfeilrichtung einspeisbar ist, stimseitig eine Dichtfläche 11 bildend, an dem Düsenkörper
1 an.
[0035] Erfindungsgemäß liegen bei beiden gezeigten Ausführungsbeispielen die Düsenscheibe
2, die vorzugsweise eine rotationssymmetrische Form aufweisen, unter Druckspannung
an den Kontaktflächen der Ausnehmung 7 an. Neben einer zylindrischen kann die Düsenscheibe
2 selbstverständlich auch andere Raumformen einnehmen, je nach Bedarfsfall.
[0036] Bei dem in der Figur 1 gezeigten Beispiel wird die Düsenscheibe 2 vollständig von
dem Düsenkörper 1 umschlossen, das heißt, die Düsenscheibe 2 ist insoweit vollständig
eingekapselt.
[0037] Demgegenüber ist sie bei der in der Figur 2 gezeigten Ausführung lediglich seitlich
und auf der dem Einlaufkörper 8 gegenüberliegenden Stirnseite unter Druckspannung
an der Ausnehmung anliegend. Hierbei ist die Dichtfläche 11 zum Mittenbereich hin
begrenzt durch einen Freischnitt 12, der die zugewandte Stirnseite der Düsenscheibe
2 soweit überdeckt, dass die Dichtfläche 11 außerhalb der Düsenscheibe 2 am Düsenkörper
1 anliegt.
[0038] In beiden Fällen mündet die Düsenbohrung 3 in eine Austrittsbohrung 5 des Düsenkörpers
1.
[0039] Während das durch den Zuführkanal 6 strömende Medium bei der in der Figur 1 gezeigten
Düse unmittelbar in eine Eintrittsbohrung 6 des Düsenkörpers 1, an die sich die Düsenbohrung
3 anschließt, geführt wird, wird das Medium bei der Düse nach Figur 2 der Düsenbohrung
3 über den Freischnitt 12 zugeführt, der sich konzentrisch an den Zuführkanal 6 anschließt.
[0040] Wie bereits geschildert, erfolgt die Einbettung der Düsenscheibe 2 in den Düsenkörper
1 durch Umgießen mit dem dann den Düsenkörper 1 bildenden Werkstoff, durch Sinterung
dieses Werkstoffes oder durch Verlöten der Düsenscheibe 2 mit dem Düsenkörper 1.
[0041] Eine weitere Bearbeitung dieser Baueinheit zur Einbringung der Düsenbohrung 3, der
Eintrittsbohrung 4, der Austrittsbohrung 5 sowie zur Herstellung einer Außenfläche
9 und einer Dichtfläche 10 des Düsenkörpers 1, die dem Einlaufkörper 8 gegenüberliegend
die Stirnfläche bildet, erfolgt anschließend, ohne daß besonders enge Toleranzen beachtet
werden müssen.
Bezugszeichenliste
[0042]
- 1
- Düsenkörper
- 2
- Düsenscheibe
- 3
- Düsenbohrung
- 4
- Eintrittsbohrung
- 5
- Austrittsbohrung
- 6
- Zuführkanal
- 7
- Ausnehmung
- 8
- Einlaufkörper
- 9
- Außenfläche
- 10
- Dichtfläche
- 11
- Dichtfläche
- 12
- Freischnitt
1. Düse zur Erzeugung eines Hochdruckstrahls aus einem strömungsfähigen Medium, mit einem
Düsenkörper (1) und einer darin in einer Ausnehmung (7) einliegenden, aus einem hochfesten
Werkstoff bestehenden Düsenscheibe (2), die eine axiale, vorzugsweise zentrische Düsenbohrung
(3) aufweist, die in eine Ein- und/oder Austrittsbohrung (4, 5) mündet, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenscheibe (2) unter Druckspannung an den Kontaktflächen der Ausnehmung (7)
anliegt.
2. Düse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenscheibe (2) vollständig im Düsenkörper (1) eingekapselt ist.
3. Düse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenkörper (1) durch Sinterung oder Gießen um die Düsenscheibe (2) geformt ist.
4. Düse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenscheibe (2) mit dem Düsenkörper (1) verlötet ist, vorzugsweise durch Hartverlöten.
5. Düse nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenbohrung (3) sowie die Eintritts- und Austrittsbohrung (4, 5) nach der Ummantelung
durch Gießen oder Sintern eingebracht sind.
6. Düse nach Anspruch 1, bei dem der Düsenkörper (1) mittels eines Einlaufkörpers (8)
gegen ein Düsengehäuse verspannbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass die gemeinsamen, eine Dichtfläche (11) bildenden Druckflächen des Düsenkörpers (1)
und des Einlaufkörpers (8) außerhalb der Düsenscheibe (2) liegen.
7. Düse nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Einlaufkörper (8) auf seiner dem Düsenkörper (1) zugewandten Stirnseite einen
konzentrischen, die Dichtscheibe (2) überdeckenden Freischnitt (12) aufweist.
8. Düse nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenkörper (1) und die eingelagerte Düsenscheibe (2) sowohl in Längs- wie auch
in Querrichtung spiegelsymmetrisch ausgebildet sind.
9. Düse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Düsenkörper (1) aus einem korrosions- und säurebeständigen Material besteht.
10. Düse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenscheibe (2) aus einem polykristallinen Diamant besteht.
11. Düse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenbohrung (3) einen von der Kreisform abweichenden Querschnitt aufweist, vorzugsweise
eine elliptischen oder rechteckigen.