[0001] Die Erfindung betrifft ein motorbetriebenes Werkzeuggerät, insbesondere Bohrmaschine
oder Schrauber, mit einer motorischen Antriebsvorrichtung, einer Spindel und einer
Mitnahme-/Blockiervorrichtung für die Spindel, mit einem bezüglich der Spindel frei
drehbaren, von der Antriebsvorrichtung antreibbaren Antriebsteil, mit wenigstens einem
Mitnahmeelement mit einem Kraftübertragungsbereich, und mit einem mit der Spindel
drehfest verbundenen Abtriebsteil, sowie mit wenigstens zwei Klemmkörpern und einer
gehäusefesten Klemmfläche, wobei bei motorseitigem Antrieb eine Drehmomentübertragung
vom Antriebsteil über das Mitnahmeelement auf das Abtriebsteil und auf die Spindel
erfolgt und bei werkzeugseitigem Antrieb eine Blockierung der Spindel unter Klemmung
wenigstens eines Klemmkörpers zwischen dem Abtriebsteil und der gehäusefesten Klemmfläche
erfolgt, wobei bei motorseitigem Antrieb die Drehmitnahme von Mitnahmeelement und
Abtriebsteil über den Klemmkörper erfolgt, indem das Mitnahmeelement mit seinem Kraftübertragungsbereich
den Klemmkörper in Drehrichtung erfasst und diesen gegen einen Anlagebereich des Abtriebsteils
drückt.
[0002] Durch die Mitnahme-/Blockiervorrichtung wird erreicht, dass bei Eingriff des Werkzeugs
in ein Werkstück und gleichzeitigem Ausfall der Energieversorgung beispielsweise das
Werkzeuggerät mit dem Werkzeug gedreht werden kann, etwa um das Werkzeug aus der Eingriffslage
mit dem Werkstück zurückzuziehen, ohne dass dabei Drehmomente von Außen auf die Antriebsvorrichtung
des Werkzeuggeräts übertragen werden.
[0003] Aus der EP 0 982 101 A2 und der US 5,788,021 sind Werkzeuggeräte bekannt, deren Mitnahmeelemente
geeignete erste Flächen zum Antrieb des Antriebsteils und hiervon getrennte zweite
Flächen zur Entriegelung der Klemmkörper aufweisen. Diese Anordnung erweist sich im
Hinblick auf die Vielzahl von zu fertigenden Wirkflächen der Mitnahmeelemente als
nachteilig.
[0004] In der DE 199 42 271 A1 ist ein Antriebsmechanismus für ein Elektrowerkzeug offenbart,
bei dem eine Schaltbuchse vorgesehen ist, die über eine Kupplung mit einem Stirnrad
in Kontakt steht.
[0005] In der JP 05 269 677 und in JP 05 269 676 sind gattungsgemäße Spindellockmechanismen
offenbart. Der Antrieb der Mitnahmeelemente erfolgt über einen Träger, der über Achsen
mit Zahnrädern eines Planetengetriebes in Verbindung steht. Diese Konstruktion ist
sehr aufwendig.
[0006] Hiervon ausgehend ist es Aufgabe der Erfindung, einen einfacheren konstruktiven Aufbau
zu schaffen.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Werkzeuggerät erfindungsgemäß dadurch
gelöst, dass das Mitnahmeelement Bestandteil eines Rings ist, der drehfest mit dem
als Zahnrad ausgebildeten Antriebsteil verbunden ist.
[0008] Das Mitnahmeelement ist auf einem Ring angeordnet, der drehfest mit dem Antriebsteil
verbindbar ist. Dies ermöglicht gegenüber der einstückigen Ausführung von Antriebsteil
und Mitnahmeelement eine vereinfachte Herstellung.
[0009] Das Antriebsteil ist als Zahnrad ausgebildet, das durch ein mit diesem kämmendes
Antriebsritzel antreibbar ist.
[0010] Der Ring und/oder das Zahnrad können bspw. als Gussteil, Sinterteil oder als Kaltfließpressteil
ausgebildet sein, um eine wirtschaftliche Herstellung zu ermöglichen. Zur Montage
wird der Ring mit dem Mitnahmeelement in eine Ringaufnahme am oder im Zahnrad eingesetzt.
Die Ringaufnahme kann an einer Stirnseite des Zahnrads oder als Vertiefung oder als
Durchgangsöffnung im Zahnrad ausgebildet sein. Die Durchgangsöffnung ermöglicht eine
Montage des Ringelements von einer beliebigen Stirnseite aus.
[0011] Die Verbindung zwischen Ring und Zahnrad kann kraft- oder formschlüssig ausgebildet
sein. Bspw. ist der Ring in eine Aufnahme im Zahnrad eingesetzt, die einen geringfügig
kleineren Durchmesser als der Ring aufweist, um mit diesem eine Presspassung zu bilden.
Der Ring kann entlang seines äußeren Umfangs auch eine Profilverzahnung aufweisen,
die in eine entsprechende Verzahnung entlang des Umfangs der Ringaufnahme im Zahnrad
eingreift.
[0012] Es wäre denkbar, dass die Kraftübertragung vom Kraftübertragungsbereich des Mitnahmeelements
über den Klemmkörper auf den Anlagebereich des Abtriebsteils genau in Umfangsrichtung
erfolgt. Es erweist sich aber als besonders vorteilhaft, dass ein Kraftübertragungsbereich
des Mitnahmeelements den Klemmkörper bei motorseitigem Antrieb geringfügig nach radial
innen in Richtung auf die Spindelachse drückt und damit eine gegenüber der gehäusefesten
Klemmfläche berührungslose Relativbewegung des Klemmkörpers ermöglicht.
[0013] Auf diese Weise wird erreicht, dass eine Berührung mit oder eine Wälzbewegung auf
der gehäusefesten Klemmfläche vermieden wird und somit der Verschleiß des Werkzeuggeräts
reduziert wird gegenüber einem Werkzeuggerät aus EP 0 982 101 A2, bei dem sich die
Klemmkörper bei motorseitigem Antrieb in einer in radialer Richtung unbestimmten Lage
befinden, in der sie mit einer gehäusefesten Klemmfläche in Kontakt treten können
und damit einem Verschleiß unterworfen sind.
[0014] Es erweist sich als besonders vorteilhaft, wenn der Kraftübertragungsbereich des
Mitnahmeelements der vorliegenden Erfindung gegen die radiale Richtung geneigt ist
und dadurch bewirkt, dass der Klemmkörper geringfügig nach radial innen gedrückt wird
und somit von der gehäusefesten Klemmfläche beabstandet ist.
[0015] Es hat sich des Weiteren als vorteilhaft herausgestellt, den Anlagebereich des Abtriebsteils
mit einer derart ausgebildeten Ausnehmung zur Aufnahme oder Anlage des Klemmkörpers
zu versehen, dass der Klemmkörper, wenn er in der Ausnehmung aufgenommen ist oder
gegen diese anliegt, zumindest geringfügig von der gehäusefesten Klemmfläche beabstandet
ist. Dies ermöglicht es, den Klemmkörper bei motorseitigem Antrieb in einer Lage zu
fixieren, in der er keinem Verschleiß unterworfen ist, sondern lediglich statisch
belastet wird.
[0016] Die Klemmkörper sind vorteilhafter Weise rotationssymmetrisch ausgelegt und können
beispielsweise als Rollen oder Kugeln ausgebildet sein.
[0017] Es hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt, mehrere Mitnahmeelemente, jeweilige
Klemmkörper und am Abtriebsteil jeweilige Anlagebereiche vorzusehen. Hierdurch kann
eine Unwucht verringert oder vermieden werden, und die zu übertragenden Kräfte können
gleichmäßig in die Spindel eingeleitet oder vom Gehäuse aufgenommen werden. Bei einer
bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind drei Mitnahmeelemente, sechs Klemmkörper
und sechs Anlagebereiche am Abtriebsteil vorgesehen, bei der die Mittellinien der
Mitnahmeelemente einen Winkelabstand von vorzugsweise 120 Grad aufweisen.
[0018] Die Klemmkörper haben einen bevorzugten Klemmweg von ca. 15 bis 45 Grad.
[0019] Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den beigefügten
Patentansprüchen und aus der zeichnerischen Darstellung und nachfolgenden Beschreibung
einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung. In der Zeichnung zeigt:
- Figur 1
- eine Schnittansicht durch ein Werkzeuggerät mit einer Mitnahme-/Blockiervorrichtung,
- Figur 2
- eine Explosionsdarstellung der Mitnahme/Blockiervorrichtung mit weiteren Bestandteilen
des Werkzeuggeräts,
- Figur 3
- eine teilweise geschnittene Ansicht der Mitnahme/Blockiervorrichtung bei motorseitigem
Antrieb und
- Figur 4
- eine Figur 3 entsprechende Ansicht der Mitnahme/Blockiervorrichtung in Blockierposition
bei werkzeugseitigem Antrieb.
[0020] Figur 1 zeigt ein Werkzeuggerät 2 mit einer Antriebsvorrichtung 4 mit einem Antriebsritzel
6, das in ein Antriebsteil 8 in Form eines Zahnrads 10 eingreift. Das Antriebsteil
8 ist über eine Mitnahme-/Blockiervorrichtung 12 mit einer Spindel 14 verbunden, auf
der, beispielsweise mittels eines Bohrfutters, ein Werkzeug 16 befestigt ist. Die
Mitnahme-/Blockiervorrichtung 12 umfasst, wie in Figur 2 dargestellt, das Antriebsteil
8 in Form eines Zahnrads 10, mehrere Mitnahmeelemente 18, Klemmkörper 20, ein mit
der Spindel 14 drehfest verbundenes Abtriebsteil 22 und eine gehäusefeste Klemmfläche
24, die von einem Ringbauteil 25 gebildet ist. Auf dem Antriebsteil 8 sind die Mitnahmeelemente
18 drehfest mit dem Antriebsteil 8 vorgesehen, die beim motorseitigen Antrieb mit
den Klemmkörpern 20 und dem Abtriebsteil 22 zusammenwirken. Die Mitnahmeelemente 18
sind einstückig mit einem Ring 26 ausgebildet, der seinerseits drehfest mit dem Antriebsteil
8 verbunden ist.
[0021] Die Mitnahmeelemente 18 wirken beim motorseitigem Antrieb auf die Klemmkörper 20,
die im Beispiel als Klemmrollen ausgeführt sind. Die Kraftübertragung erfolgt von
den Mitnahmeelementen 18 über die Klemmkörper 20 auf das Abtriebsteil 22. Das Abtriebsteil
22 weist radiale Vorsprünge 28 auf, über die Kräfte auf das Abtriebsteil 22 und auf
die Spindel 14 und somit auf das Werkzeug 16 übertragen werden. Die Klemmkörper 20
und das Abtriebsteil 22 sind umgeben von der gehäusefesten Klemmfläche 24.
[0022] In Figur 3 ist die relative Lage von Mitnahmeelementen 18, Klemmkörpern 20 und Abtriebsteil
22 bei motorseitigem Antrieb dargestellt. An den Mitnahmeelementen 18 sind Kraftübertragungsflächen
30 vorgesehen, die sich in Kontaktlage mit den in Drehrichtung unmittelbar folgenden
Klemmkörpern 20 befinden, die wiederum in Kontaktlage mit Anlagebereichen 32 des Abtriebsteils
22 stehen. Die Anlagebereiche 32 sind beidseitig an den radialen Vorsprüngen 28 vorgesehen
und als Ausnehmungen zur Aufnahme der Klemmkörper 20 ausgebildet. Die Ausnehmungen
sind durch konkave Ausgestaltung an die Außenkontur der Klemmkörper 20 angepasst.
Der Bereich zwischen den radialen Vorsprüngen 28 ist zur Aufnahme der Mitnahmeelemente
18 und der Klemmkörper 20 zurückgesetzt, so dass ein in Umfangsrichtung erstreckter
Raum 33 für die Bewegung der Mitnahmeelemente 18 und der Klemmkörper 20 gebildet ist.
Die Richtung 34 der Kraftübertragungsfläche 30 ist bezüglich einer radialen Richtung
36 geneigt (Figur 3). Somit wird der Klemmkörper 20 gegen den Anlagebereich 32 des
Abtriebsteils 22 gedrückt und dabei auch geringfügig nach radial innen Richtung auf
die Spindelachse gezwungen bzw. festgehalten, so dass der jeweilige Klemmkörper 20
von der gehäusefesten Klemmfläche 24 zumindest geringfügig beabstandet ist. Die gehäusefeste
Klemmfläche 24 ist von dem Ringbauteil 25 gebildet, welches mit Hilfe radialer Vorsprünge
38 mit dem Gehäuse des Werkzeugsgeräts 2 drehfest verbunden ist.
[0023] Bei werkzeugseitigem Antrieb durch Einleiten eines Drehmoments in das Werkzeug 16,
die Spindel 14 und das Abtriebsteil 22 wird die Spindel 14 des Werkzeuggeräts 2 blockiert,
wie es in Figur 4 dargestellt ist. Die Klemmkörper 20 werden in eine Blockierlage
zwischen dem Abtriebsteil 22 und der gehäusefesten Klemmfläche 24 bewegt. Die Blockierung
wird dadurch erreicht, dass in Folge der Drehung der Spindel 14 und damit des Antriebsteil
22 der jeweilige dem radialen Vorsprung 28 des Antriebsteil 22 in Drehrichtung nachfolgende
Klemmkörper 20 in einen in radialer Richtung verengten Bereich des Raums 33 zwischen
dem Abtriebsteil 22 und der gehäusefesten Klemmfläche 24 gelangt und dort klemmt und
die weitere Drehung blockiert.
1. Motorbetriebenes Werkzeuggerät (2), insbesondere Bohrmaschine oder Schrauber, mit
einer motorischen Antriebsvorrichtung (4), einer Spindel (14) und einer Mitnahme-/Blockiervorrichtung
(12) für die Spindel (14), mit einem bezüglich der Spindel frei drehbaren, von der
Antriebsvorrichtung antreibbaren Antriebsteil (8), mit wenigstens einem Mitnahmeelement
(18) mit einem Kraftübertragungsbereich (30), und mit einem mit der Spindel drehfest
verbundenen Abtriebsteil (22), sowie mit wenigstens zwei Klemmkörpern (20) und einer
gehäusefesten Klemmfläche (24), wobei bei motorseitigem Antrieb eine Drehmomentübertragung
vom Antriebsteil (8) über das Mitnahmeelement (18) auf das Abtriebsteil (22) und auf
die Spindel (14) erfolgt und bei werkzeugseitigem Antrieb eine Blockierung der Spindel
(14) unter Klemmung wenigstens eines Klemmkörpers (20) zwischen dem Abtriebsteil (22)
und der gehäusefesten Klemmfläche (24) erfolgt, wobei bei motorseitigem Antrieb die
Drehmitnahme von Mitnahmeelement (18) und Abtriebsteil (22) über den Klemmkörper (20)
erfolgt, indem das Mitnahmeelement (18) mit seinem Kraftübertragungsbereich (30) den
Klemmkörper (20) in Drehrichtung erfasst und diesen gegen einen Anlagebereich (32)
des Abtriebsteils (22) drückt, dadurch gekennzeichnet, dass das Mitnahmeelement (18) Bestandteil eines Rings (26) ist, der drehfest mit dem als
Zahnrad (10) ausgebildeten Antriebsteil (8) verbunden ist.
2. Motorbetriebenes Werkzeuggerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Kraftübertragungsbereich (30) des Mitnahmeelements (18) den Klemmkörper (20)
bei motorseitigem Antrieb geringfügig nach radial innen in Richtung auf die Spindelachse
drückt und damit eine gegenüber der gehäusefesten Klemmfläche (24) berührungslose
Relativbewegung des Klemmkörpers (20) ermöglicht.
3. Motorbetriebenes Werkzeuggerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Kraftübertragungsbereich (30) des Mitnahmeelements (18) gegen die radiale Richtung
(36) geneigt ist.
4. Motorbetriebenes Werkzeuggerät nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der Anlagebereich (32) des Abtriebsteils (22) mit einer derart ausgebildeten Ausnehmung
zur Aufnahme oder Anlage des Klemmkörpers (20) versehen ist, dass der Klemmkörper,
wenn er in der Ausnehmung aufgenommen ist oder gegen diese anliegt, zumindest geringfügig
von der gehäusefesten Klemmfläche (24) beabstandet ist.
5. Motorbetriebenes Werkzeuggerät nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Klemmkörper (20) als Rollen oder Kugeln ausgebildet sind.
6. Motorbetriebenes Werkzeuggerät nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Mitnahmeelemente (18), mehrere Klemmkörper (20) und am Abtriebsteil (22)
mehrere Anlagebereiche (32) vorgesehen sind.