[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine induktiv beheizte Galette, mit einer von
einem ortsfesten Spulenkörper getragenen Spule, mit einer angetriebenen Welle, welche
den Spulenkörper konzentrisch durchdringt, und mit einem ferromagnetischen Galettenmantel,
der auf der Welle drehfest angebracht ist und die Spule konzentrisch umgibt.
[0002] Galetten sind um ihre Drehachse rotierend angetriebene Rollen oder Walzen, welche
beispielsweise in Streck- und Texturiervorrichtungen die um sie herumgeschlungenen
Fäden, Bänder und dergleichen fördern. Beheizte Galetten, die dazu dienen, den überlaufenden
Faden auf eine bestimmte Temperatur aufzuheizen, werden insbesondere beim Luftblastexturieren
verwendet, das ist ein Verfahren bei der Kunstfaserherstellung, bei dem in einem glatten
Endlosgarn (Multifilamentgarn) eine Kräuselung erzeugt wird, was durch Verblasen des
Garns in einer Luftblasdüse (Texturierdüse) zu Schlingen, Schlaufen, Bögen und dergleichen
erfolgt. Um diese Kräuselung optimal zu gestalten, muss die Kunstfaser vor dem eigentlichen
Texturierprozess aufgeheizt und verstreckt werden. Es gibt noch weitere Anwendungen
für beheizte Galetten, beispielsweise beim Verstrecken oder "Streckfixieren".
[0003] Lange Zeit erfolgte das Aufheizen und Verstrecken durch zwei Rollen und ein still
stehendes Heizelelement, wobei die Rollen mit unterschiedlicher Drehzahl drehen und
so für den Verzug des Garns sorgen. Diese Anordnung hat den Nachteil, dass das Garn
an dem still stehenden Heizelement reibt, wodurch Beschädigungen einzelner Filamente
entstehen können. Andererseits benötigt eine kontaktlose Wärmeübertragung einen sehr
heissen Wärmestrahler, der bei einem Maschinenstillstand das Garn sofort verbrennen
würde. In beiden Fällen müssen die Heizelemente relativ lang sein, damit bei hohen
Produktionsgeschwindigkeiten genügend Wärme auf das Garn übertragen werden kann. Lufttexturiermaschinen
dieser Art sind sehr gross und platzraubend gebaut und besitzen in der Regel einen
gemeinsamen Antrieb für alle Produktionsspindeln. Dieses Maschinenkonzept ist auf
Grossproduktion ausgelegt und unflexibel.
[0004] Zur Erhöhung der Flexibilität hat man Maschinenkonzepte mit kleineren Maschinen entwickelt,
bei denen jede Spindel einzeln angetrieben und damit unabhängig betreibbar ist. Es
werden beheizte Rollen, so genannte Heizgaletten verwendet, welche das Garn gleichzeitig
verstrecken und beheizen. Diese Art der Beheizung vereinigt die Vorteile einer schonenden
Wärmeübertragung, einer platzsparenden Bauweise der Maschine und deren flexible Benutzbarkeit.
Heizgaletten sind beispielsweise in der WO-A-02/12603, EP-A-0 443 390 und der EP-A-0
622 972 beschrieben.
[0005] Bei diesen bekannten Heizgaletten ist im Bereich innerhalb des Galettenmantels ein
hohlzylindrischer Heizkörper über die Antriebswelle gestülpt und mit einer Stirnseite
an einem Träger fixiert. Am Umfang des Heizträgers ist ein sich im wesentlichen über
die Länge des Galettenmantels erstreckendes Heizmittel angeordnet, welches vorzugsweise
durch elektrische Spulen gebildet ist, die eine Erwärmung des Galettenmantels mittels
Induktion ermöglichen.
[0006] Durch die Erfindung soll nun eine Neukonzeption einer Heizgalette vorgestellt werden,
die sich durch geringe Kosten, einen hohen Wirkungsgrad und eine hohe Genauigkeit
auszeichnet.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass die Spule eine Wicklung
aus Hochfrequenz-Litzen aufweist, welche ein magnetisches Wechselfeld mit einer hohen
Frequenz erzeugt, und dass Mittel für die Abschirmung der angetriebenen Welle von
dem durch die Wicklung erzeugten Magnetfeld vorgesehen sind.
[0008] Die Hochfrequenz-Induktionsheizung hat den Vorteil, dass die Lagerung des Motors
der angetriebenen Welle nicht so stark aufgeheizt wird wie bei einer üblichen Induktionsheizung
mit 50 Hz Netzfrequenz. Bei 50 Hz werden auch durch magnetische Kräfte des Magnetfeldes
erzeugte Schläge auf die Lagerung übertragen, die bei Hochfrequenz wegen der Trägheit
der Mechanik nicht wirksam werden können. Aus diesem Grund ist die Hochfrequenz-Induktionsheizung
schonender für die Lagerung. Die Mittel für die Abschirmung der angetriebenen Welle
haben zur Folge, dass möglichst wenig Energie des Magnetfeldes in diese Welle geht,
welche sich dadurch wesentlich weniger aufheizt als der Galettenmantel.
[0009] Beide Effekte erhöhen den Wirkungsgrad. Die Temperatur des Galettenmantels ist sehr
genau regelbar, und der einfache Aufbau der erfindungsgemässen Heizgalette wirkt sich
günstig auf deren Kosten aus.
[0010] Eine erste bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemässen Galette ist dadurch
gekennzeichnet, dass die genannten Mittel für die Abschirmung der angetriebenen Welle
durch innerhalb der Wicklung angeordnete Ferrit-Stäbe gebildet sind.
[0011] Eine zweite bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemässen Galette ist dadurch
gekennzeichnet, dass die Ferrit-Stäbe kranzförmig und parallel zur angetriebenen Welle
auf dem Spulenkörper angeordnet sind.
[0012] Eine dritte bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass die Frequenz
des magnetischen Wechselfeldes zwischen 10 kHz und 100 kHz beträgt. Vorzugsweise beträgt
sie zwischen 20 und 35 kHz.
[0013] Gemäss einer vierten bevorzugten Ausführungsform besteht die Wicklung aus einer Hochfrequenz-Kupferlitze.
Der Spulenkörper besteht vorzugsweise aus Kunststoff oder Aluminium.
[0014] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemässen Galette ist gekennzeichnet
durch einen durch ein in Dünnfilmtechnik hergestelltes Platin-Element gebildeten Sensor
für die Temperatur des Galettenmantels, welcher zur Vergrösserung seiner aktiven Fläche
in ein Blechpaket eingesetzt ist.
[0015] Im Folgenden wird die Erfindung an Hand eines Ausführungsbeispiels und der einzigen
Zeichnung näher erläutert; die Zeichnung zeigt einen schematischen Axialschnitt durch
eine erfindungsgemässe Heizgalette.
[0016] Heizgaletten werden zum Erhitzen eines laufenden synthetischen Fadens, beispielsweise
eines Filamentgarns auf einer Lufttexturiermaschine verwendet. Solche Heizgaletten
bestehen im wesentlichen aus einem stationären Spulenkörper mit einer Spule (Induktor),
einer in Drehrichtung antreibbaren Glocke, die auch als Galettenmantel bezeichnet
wird, einem Temperatursensor und einer Heizsteuerung, mit welcher der Galettenmantel
auf einen vorgegebenen Temperatursollwert geregelt wird. Der Galettenmantel besteht
aus Gusseisen und ist magnetisierbar.
[0017] Beim Heizungssystem handelt es sich um eine Induktionsheizung, die sich gegenüber
einer Widerstandsheizung durch eine höhere Leistungsdichte auszeichnet. Bei der Induktionsheizung
wird eine Wechselspannung verwendet, die an die Spule angelegt wird. Dabei erzeugt
diese im Galettenmantel ein alternierendes Magnetfeld, dessen Wirbelstromfelder den
Galettenmantel aufheizen.
[0018] Die in der Zeichnung dargestellte Galette enthält eine auf einem fest stehenden Spulenkörper
1 angeordnete zylindrische Spule 2 mit einer Wicklung aus einer Hochfrequenz-Kupferlitze,
einen rotierbaren Galettenmantel 3, einen Temperatursensor 4 und eine nicht dargestellte
Heizsteuerung. Die Wicklung erzeugt ein magnetisches Wechselfeld mit hoher Frequenz
von beispielsweise zwischen etwa 10 und 100 kHz, vorzugsweise liegt diese Frequenz
zwischen 20 und 35 kHz. Die Feldlinien treten durch die eine Stirnfläche der Spule
2 aus, gehen in den Galettenmantel 3 über, dringen durch die andere Stirnfläche wieder
in die Spule 2 ein und schliessen sich im Spulenzentrum. Dabei erzeugt das magnetische
Wechselfeld im Galettenmantel Wirbelströme, welche ihrerseits Verluste hervorrufen.
Der Galettenmantel 2 ist auf einer angetriebene Welle 5 aufgespannt, welche in einem
fest stehenden Aufnahmekörper 6 drehbar gelagert und mit einem Antrieb (nicht dargestellt)
verbunden ist.
[0019] Die angetriebene Welle 5 besteht aus rostfreiem Stahl oder Aluminium und ist als
Hohlwelle ausgeführt. Der Spulenkörper 1 besteht aus Kunststoff oder Aluminium, um
die magnetischen Feldlinien nicht zu beeinflussen; er ist mit dem Aufnahmekörper 6
fest verbunden. Der für den Spulenkörper 1 gewählte Kunststoff ist ein Perfluor-Copolymer,
das sich thermoplastisch verarbeiten, insbesondere spritzgiessen, lässt.
[0020] Auf der angetriebene Welle 5 ist eine Distanzbuchse 7 aus Aluminium vorgesehen, die
einen axialen Anschlag für die Positionierung des Galettenmantels 3 bildet. Die Buchse
7 kann wegfallen, wenn die Befestigung des Galettenmantels 3 auf der angetriebenen
Welle 5 über einen Konus erfolgt (siehe dazu beispielsweise WO-A-02/12603 oder CH-A-607
586). Innerhalb der Wicklung, zwischen dem Spulenkörper 1 und der Spule 2, sind auf
dem Spulenkörper 1 Ferritstäbe 8 kranzförmig und parallel zur angetriebene Welle 5
angeordnet.
[0021] Bekanntlich ist die magnetische Feldstärke einer Spule innerhalb der Spule am grössten,
was zur Folge hätte, dass durch das Magnetfeld der Spule 2 in der angetriebenen Welle
1 und in der Distanzbuchse 7 Wirbelströme erzeugt und somit diese beiden Bauteile
beheizt würden. Dieser Effekt wird durch geeignete Wahl der Form und des Materials
der angetriebenen Welle 5 und die Distanzbuchse 7 und durch die Ferritstäbe 8 vermieden,
indem verhindert wird, dass die Feldlinien durch diese Bauteile führen.
[0022] Weichmagnetische Ferrite besitzen einen kleinen magnetischen Widerstand. Die Ferritstäbe
8 im Inneren der Wicklung leiten somit den Magnetfluss besser als die angetriebene
Welle 5 und die Distanzbuchse 7 und wirken als Abschirmung dieser Bauteile gegen das
von der Spule 2 erzeugte Magnetfeld. Zur Verringerung des Einflusses der noch vorhandenen
Restfeldstärke ist die angetriebene Welle 5 aus Chromstahl oder Aluminium und die
Distanzbuchse 7 aus Aluminium gefertigt. Diese Massnahmen verhindern eine Erwärmung
durch Ummagnetisierungsverluste. Um auch die Wirbelstromverluste möglichst gering
zu halten, muss der elektrische Widerstand der genannten Bauteile erhöht werden. Dies
wird durch Reduktion des Querschnitts erreicht, indem die angetriebene Welle 5 als
Hohlwelle und die Distanzbuchse 7 möglichst dünnwandig ausgebildet ist.
[0023] Der Temperatursensor 4, der gegen Magnetismus unempfindlich sein muss, ist durch
einen in Dünnfilmtechnik hergestellten Platinfühler gebildet. Da die Reaktionszeit
des Temperatursensors 4 zu dessen aktiver Oberfläche indirekt proportional ist und
der Platinfühler somit eine möglichst grosse Oberfläche aufweisen sollte, ist der
Fühler mit Wärmeleitpaste in ein Blechpaket von mehr als der 10-fachen Oberfläche
eingeklebt. Der Temperatursensor 4 ist am Aufnahmekörper 6 befestigt, also fest stehend,
und ragt in einen Schlitz des rotierbaren Galettenmantels 3. Diese Anordnung hat gegenüber
einem mit dem Galettenmantel umlaufenden Wärmefühler den Vorteil, dass für die elektrische
Verbindung zwischen der Heizsteuerung und dem Temperatursensor 4 keine Schleifringe
oder sonstige einem Verschleiss unterworfene Kontaktelemente erforderlich sind.
1. Induktiv beheizte Galette, mit einer von einem ortsfesten Spulenkörper (1) getragenen
Spule (2), mit einer angetriebenen Welle (5), welche den Spulenkörper (1) konzentrisch
durchdringt, und mit einem ferromagnetischen Galettenmantel (3), der auf der Welle
(5) drehfest angebracht ist und die Spule (2) konzentrisch umgibt, dadurch gekennzeichnet, dass die Spule (2) eine Wicklung aus Hochfrequenz-Litzen aufweist, welche ein magnetisches
Wechselfeld mit einer hohen Frequenz erzeugt, und dass Mittel für die Abschirmung
der angetriebenen Welle (5) von dem durch die Wicklung erzeugten Magnetfeld vorgesehen
sind.
2. Galette nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die genannten Mittel für die Abschirmung der angetriebenen Welle (5) durch innerhalb
der Wicklung angeordnete Ferrit-Stäbe (8) gebildet sind.
3. Galette nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ferrit-Stäbe (8) kranzförmig und parallel zur angetriebenen Welle (5) auf dem
Spulenkörper (1) angeordnet sind.
4. Galette nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Frequenz des magnetischen Wechselfeldes zwischen 10 kH und 100 kHz beträgt.
5. Galette nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die genannte Frequenz zwischen 20 und 35 kHz beträgt.
6. Galette nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Wicklung aus einer Hochfrequenz-Kupferlitze besteht.
7. Galette nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass der Spulenkörper
(1) aus Kunststoff oder Aluminium besteht.
8. Galette nach einem der Ansprüche 1 bis 7, gekennzeichnet durch einen durch ein in Dünnfilmtechnik hergestelltes Platin-Element gebildeten Sensor (4) für die
Temperatur des Galettenmantels (3), welcher zur Vergrösserung seiner aktiven Fläche
in ein Blechpaket eingesetzt ist.
9. Galette nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die angetriebene Welle (5) aus Chromstahl oder Aluminium gefertigt und als Hohlwelle
ausgebildet ist.