[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues integriertes Naß-in-naß-Verfahren zur
Herstellung farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen, die mindestens
eine Funktionsschicht und mindestens eine farb- und/oder effektgebende Unidecklackierung
oder alternativ mindestens eine farb- und/oder effektgebende Basislackierung und mindestens
eine Klarlackierung enthalten. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung neue wäßrige
Funktions-Beschichtungsstoffe für die Herstellung farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen.
[0002] Unter integrierten Naß-in-naß-Verfahren werden Beschichtungsverfahren verstanden,
bei denen mindestens zwei unterschiedliche Beschichtungsstoffe in mindestens zwei
Schichten übereinander appliziert, wobei die untere Schicht oder die unteren Schichten
lediglich getrocknet, indes nicht vollständig vernetzt werden, wonach man die Schichten
gemeinsam härtet
[0003] Integrierte Naß-in-naß-Verfahren zur Herstellung farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen,
die mindestens eine Funktionsschicht und mindestens eine farb- und/oder effektgebende
Unidecklacklerung oder alternativ mindestens eine farb- und/oder effektgebende Basislackierung
und mindestens eine Klarlackierung enthalten, sind bekannt. Bei diesen integrierten
Verfahren
(1) appliziert man wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe auf grundierte oder ungrundierte
Substrate, wonach man
(2) die resultierenden Schichten der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe, ohne
sie vollständig zu härten, trocknet,
(3) beschichtet man die getrockneten Schicht (2) mit Wasserbasislacken, wonach man
(4) die resultierenden Wasserbasislackschichten (3), ohne sie vollständig zu härten,
mit Klarlacken beschichtet, wonach man
(5) die Schichten (2), (3) und (4) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten,
die farb- und/oder effektgebenden Basislackierungen und die Klarlackierungen resultieren.
[0004] Beispielhaft wird auf die deutsche Patentanmeldung DE 44 38 504 A 1 verwiesen.
[0005] Die hierbei verwendeten wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe sind physikalisch
härtbar und enthalten als Bindemittel ein wasserverdünnbares Polyurethanharz mit einer
Säurezahl von 10 bis 60 und einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 4.000 bis 25.000.
Das Polyurethanharz ist herstellbar, indem aa) ein Polyester- und/oder Polyetherpolyol
mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 400 bis 5.000 oder ein Gemisch aus
solchen Polyester- und/oder Polyetherpolyolen, bb) ein Polyisocyanat oder einem Gemisch
aus Polyisocyanaten, cc) eine Verbindung, die mindestens eine gegenüber Isocyanatgruppen
reaktive und mindestens eine zur Anionenbildung befähigte Gruppe im Molekül aufweist,
oder ein Gemisch aus solchen Verbindungen und ggf. dd) eine Hydroxyl- und/oder Aminogruppen
enthaltende organische Verbindung mit einem Molekulargewicht von 40 bis 400 oder ein
Gemisch aus solchen Verbindungen miteinander umgesetzt werden und das entstandende
Reaktionsprodukt wenigstens teilweise neutralisiert wird. Die wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe
enthalten desweiteren Pigmente und/oder Füllstoffe, wobei das Verhältnis von Bindemittel
zu Pigment zwischen 0,5:1 und 1,5:1 liegt. Außerdem können sie Aminoplastharze oder
Polyisocyanate in untergeordneten Mengen enthalten.
[0006] Die bekannten wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe gestatten die Herstellung besonders
dünner Füllerlackierungen, Steinschlagschutzgrundierungen oder Funktionsschichten,
ohne daß ein Verlust der Steinschlagbeständigkeit oder eine Verschlechterung der Abdeckung
der Unebenheiten des grundierten Substrats eintreten. Das bekannte Naß-in-naß-Verfahren
ist daher wirtschaftlich und ökologisch besonders günstig.
[0007] Nachteilig ist, daß das bekannte Naß-in-naß-Verfahren auf die Verwendung eines speziellen
Polyurethan-Typs beschränkt ist und daher in dieser Hinsicht keine Alternativen bietet.
Dennoch ist man wegen der zahlreichen wirtschaftlichen, ökologischen und technischen
Vorteile, die die aus der DE 44 38 504 A 1 bekannten wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe
und das hiermit ermöglichte Naß-in-naß-Verfahren bieten, bestrebt, die üblichen und
bekannten sogenannten Einbrennfüller durch die wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe
zu ersetzen.
[0008] Diese Substitution ist aber nicht ohne weiteres möglich, weil bei der Herstellung
der farb- und/oder effektgebenden Mehrschichtlackierungen gemäß der DE 44 38 504 A
1 häufig eine Effekt- und/oder Farbtonverschiebung gegenüber den farb- und/oder effektgebenden
Mehrschichtlackierungen eintritt, bei deren Herstellung ein und dieselben Wasserbasislacke
auf eingebrannte Füllerlackierungen (vgl. z. B. die deutsche Patentanmeldung DE 199
30 552 A 1) appliziert und hierauf gehärtet wurden. Dies verhindert auch die Verwendung
ein und derselben Wasserbasislacke in den beiden Verfahren in einem Betrieb.
[0009] Ein weiteres integriertes Naß-in-naß-Verfahren ist aus der europäischen Patentanmeldung
EP 0 871 552 A 1 bekannt. Bei diesem bekannten integrierten Verfahren wird
(A) auf eine mit einem wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoff (i) beschichtete Substratoberfläche
ein Wasserbasislack (ii), der als filmbildendes Mittel eine wäßrige Polymerdispersion
enthält, aufgebracht,
(B) auf die in Stufe (A) erhaltene Schicht ein geeigneter Klarlack aufgebracht und
(C) die Schicht aus dem wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoff (i) und die Schicht
aus dem Wasserbasislack (ii) zusammen mit der Klarlackschicht eingebrannt,
wobei der Wasserbasislack (ii) eine wäßrige Polymerdispersion enthält, enthaltend
(x) ein (Meth)Acrylatcopolymerisat auf Basis von 30 bis 60 Gew.% C1-C8-Alkyl(meth)acrylat- Monomeren, 30 bis 60 Gew.-% vinylaromatischen Monomeren und 0,5
bis 10 Gew.-% (Meth)acrylsäure und
(y) einen nicht- assoziativ wirkenden Verdicker, der ein (Meth)Acrylatcopolymerisat
auf (C1-C6)-Basis von Alkyl(meth)acrylat und (Meth)acrylsäure enthält.
[0010] Die nach diesen integrierten Verfahren hergestellten farb- und/oder effektgebenden
Mehrschichtlackierungen lassen sich sehr gut reparieren, und die Zusammensetzung der
Funktions-Beschichtungsstoffen (i) ist auch nicht stofflich eingeschränkt. Allerdings
gilt dies nicht für die Wasserbasislacke (ii), bei denen es sich obligatorisch um
wäßrige Dispersionen von (Meth)Acrylatcopolymerisaten auf der Basis der Bestandteil
(x) und (y) handelt. Nur dadurch wird gewährleistet, daß auch Klarlackierungen auf
der Basis von Pulverslurry-Klarlacken für die Herstellung der Mehrschichtlackierungen
eingesetzt werden können, ohne daß es zur Rißbildung ("mud cracking") kommt
[0011] Es besteht daher ein Bedarf nach einem Naß-in-naß-Verfahren, das die Vorteile des
Standes der Technik aufweist, ohne dessen Nachteile zu zeigen und das es gestattet,
ohne großen stofflichen, apparativen und verfahrenstechnischen Aufwand die Einbrennfüller
zu substituieren, ohne daß hierbei eine Effekt- und/oder Farbtonverschiebung in den
Wasserbasislackierungen eintritt.
[0012] Wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe, die mindestens ein gesättigtes, ungesättigtes
und/oder mit olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropftes, ionisch und/oder nichtionisch
stabilisiertes Polyurethan als Bindemittel sowie Pigmente enthalten, sind aus den
deutschen Patentanmeldungen DE 199 14 896 A 1, DE 199 53 445 A 1, DE 199 53 203 A
1 oder DE 199 53 446 A 1 bekannt Sie können thermisch oder thermisch und mit aktinischer
Strahlung gehärtet werden. Die thermische Härtung kann durch Selbstvernetzung oder
Fremdvernetzung erfolgen.
[0013] DE 199 14 896 A 1 lag die Aufgabe zugrunde, neue Polyurethandispersionen bereitzustellen,
die keine oder nur noch eine sehr geringe Neigung zur Bildung von Koagulaten aufweisen.
[0014] DE 199 53 446 A 1 lag die Aufgabe zugrunde, neue olefinisch ungesättigte hydrophile
oder hydrophobe Polyurethane bereitzustellen, die eine besonders hohe Pfropfaktivität
aufweisen und in einfacher Weise erhältlich sind. Außerdem lag ihr die Aufgabe zugrunde
neue Pfropfmischpolymerisate auf der Basis der neuen Polyurethane bereitzustellen.
[0015] Den Patentanmeldungen DE 199 53 445 A 1 und DE 199 53 2 03 A 1 lag im wesentlichen
die Aufgabe zugrunde, wäßrige und nicht wäßrige selbstvernetzende Funktions-Beschichtungsstoffe,
Klebstoffe und Dichtungsmassen auf Polyurethanbasis mit sehr guten anwendungstechnischen
Eigenschaften bereitzustellen. Insbesondere sollen die selbstvernetzenden Funktions-Beschichtungsstoffe,
insbesondere die wäßrigen selbsivernetzenden Funktions-Beschichtungsstoffe, speziell
die setbstvernetzenden Wasserbasislacke, bei bei ihrer Verarbeitung im Naß-in-Naß-Verfahren
auch bei der Verwendung von Pulverklarlack-Slurries keine Rißbildung (mud cracking)
oder Kocher oder Nadelstichen hervorrufen. Dabei sollen die neuen Funktions-Beschichtungsstoffe
eine sehr gute Lagerstabilität, hervorragende Applikationseigenschaften, wie einen
sehr guten Verlauf und eine sehr geringe Läufemeigung auch bei hohen Schichtdicken
zeigen. Die hiermit hergestellten Mehrschichtlackierungen sollen einen hervorragenden
optischen Gesamteindruck sowie eine hohe Chemikalien-, Vergilbungs- und Witterungsbeständigkeit
aufweisen. Nicht zuletzt soll keine Enthaftung der Schichten nach dem Wasserstrahltest
mehr auftreten. Alle diese Vorteile sollen erzielt werden können, ohne daß eine Erhöhung
der Emission organischer Verbindungen in Kauf genommen werden muß.
[0016] Die wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen der DE 199 53 445 A 1, DE 199 53 203
A 1 oder DE 199 53 446 A 1 können unter anderem auch als Füller verwendet werden.
Vorzugsweise werden sie aber als Wasserbasislacke verwendet. Ob und, wenn ja, inwieweit
die bekannten wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe als Füller in der Lage sind,
im Rahmen eines Naß-in-naß-Verfahrens übliche und bekannte Einbrennfüller zu substituieren,
ohne daß dabei eine Effekt- und/oder Farbtonverschiebung eintritt, ist nicht bekannt.
Außerdem enthalten die bekannten wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe kein separates,
wasserlösliches und/oder -dispergierbares Vernetzungssystem, das in und/oder auf der
Matrix von nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten aus den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen
für sich selbst partiell oder vollständig vernetzt, bevor die Schichten insgesamt
vollständig vernetzten. Den Patentanmeldungen lassen sich auch keine Hinweise entnehmen,
die den Fachmann dazu anregen könnten, den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen
ein solches System zusetzen.
[0017] Aus den deutschen Patentanmeldungen DE 199 04 317 A 1 und DE 198 55 125 A 1 sind
wäßrige Mehrkomponentensysteme auf der Basis von hydroxylgruppenhaltigen Polyurethanen
und Polyisocyanaten bekannt Die wäßrigen Mehrkomponentensysteme können strahlenhärtbare
Bindemittel, Reakiwerdünner und Photoinitiatoren enthalten. Somit liegen zwei separate
Vernetzungssysteme nebeneinander vor. Die wäßrigen Mehrkomponentensysteme können auch
als Füller verwendet werden. Allerdings beginnen die Polyurethane und die Polyisocyanate
bereits nach der Applikation der wäßrigen Mehrkomponentensysteme aufgrund ihrer hohen
Reaktivität sofort zu vernetzten, so daß die Härtung mit aktinischer Strahlung nicht
so durchgeführt werden kann, daß sie vor der vollständigen thermischen Härtung der
Matrix der Schichten im wesentlichen beendet ist. Beide Verletzungsmechanismen laufen
daher parallel ab, oder die Härtung mit aktinischer Strahlung wird nach der thermischen
Härtung durchgeführt
[0018] Der deutschen Patentanmeldung DE 199 04 317 A 1 lag die Aufgabe zugrunde, wäßrige
Mehrkomponentensysteme bereitzustellen, die insbesondere bei längerer Lagerung in
geringerem Umfang oder gar nicht mehr von Mikroorganismen befallen und zerstört werden.
[0019] Der deutschen Patentanmeldung DE 198 155 125 A 1 lag die Aufgabe zugrunde, wäßrige
Mehrkomponentensysteme bereitzustelien, die leicht herstellbar, homogen, leicht handhabbar,
lösemittelarm, kochersicher, spritzsicher und stabil bei forcierter Trocknung sind
und welche matte Beschichtungen liefem, die keine Oberftächendefekte und Grauschleier
aufweisen, sondern witterungsstabil und benzinbeständig sind.
[0020] Demnach konnte der Fachmann auch diesen Patentanmeldungen keine Hinweise entnehmen,
in einem wäßrigen Füller auf Polyurethanbasis zwei unterschiedliche Vernetzungssysteme
nebeneinander zu verwenden, um bei der Substitution herkömmlicher Einbrennlackierungen
durch die wäßrigen Füller auf Polyurethanbasis eine Effekt- und/oder Farbtonverschiebung
der Wasserbasislackierungen zu verhindern.
[0021] Die thermische Vernetzung von Funktions-Beschichtungsstoffen durch die komplementären
Ketogruppen und Hydrazidgruppen ist an sich bekannt. Die Verwendung dieser komplementären
reaktiven funktionellen Gruppen in wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen auf der
Basis von Polyurethanen wird in den vorstehend angegebenen deutschen Patentanmeldungen
nicht beschrieben.
[0022] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein neues Naß-in-naß-Verfahren zur Herstellung
farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen bereitzustellen, das die wirtschaftlichen,
technischen und ökologischen Vorteile des aus der deutschen Patentanmeldung DE 44
38 504 A 1 oder der europäischen Patentanmeldung EP 0 871 552 A 1 bekannten Verfahrens
aufweist und das es gestattet, ohne großen stofflichen, apparativen und verfahrenstechnischen
Aufwand Einbrennfüller zu substituieren, ohne daß hierbei eine Effekt- und/oder Farbtonverschiebung
in den Wasserbasislackierungen eintritt.
[0023] Außerdem war es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen neuen wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoff
bereitzustellen, der sich hervorragend für die Herstellung farb- und/oder effektgebender
Mehrschichtlackierungen eignet, wobei er für die Herstellung von Funktionsschichten,
Füllern, Steinschlagschutzgrundierungen, Unidecklackierungen und Basislackierungen,
insbesondere aber Funktionsschichten, eingesetzt werden kann. Vor allem aber soll
der neue wäßrige Funktions-Beschichtungsstoff für das neue Naß-in-naß-Verfahren geeignet
sein.
[0024] Demgemäß wurde das neue Naß-in-naß-Verfahren zur Herstellung farb- und/oder effektgebender
Mehrschichtlackierungen, die mindestens eine Funktionsschicht und mindestens eine
farb- und/oder effektgebende Unidecklackierung oder alternativ mindestens eine farb-
und/oder effektgebende Basislackierung und mindestens eine Klarlackierung enthalten,
wobei man bei dem Verfahren
(1) wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe auf grundierte oder ungrundierte Substrat
appliziert, wonach man
(2) die resultierenden Schichten der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe, ohne
sie vollständig zu härten, trocknet,
(3) die getrockneten Schichten (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit
wäßrigen Unidecklacken beschichtet, wonach man
(4) die Schichten (2) und (3) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten und
die Unidecklackierungen resultieren;
oder alternativ
(3) die getrockneten Schichten (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit
Wasserbasislacken beschichtet, wonach man
(4) die resultierenden Wasserbasislackschichten (3), ohne sie vollständig zu härten,
mit Klarlacken beschichtet, wonach man
(5) die Schichten (2), (3) und (4) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten,
die Basislackierungen und die Klarlackierungen resultieren;
oder alternativ
(3) die getrockneten Schicht (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit Wasserbasislacken
beschichtet,
(3) die resultierenden Wasserbasislackschichten (3) und die getrockneten Schichten
(2) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten und die Basislackierungen resultieren,
und
(4) die Basislackierungen mit Klarlacken beschichtet, wonach man
(5) die Klarfackschichten (4) härtet, wodurch die Klarlackierungen resultieren;
dadurch gekennzeichnet, daß man wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe, enthaltend
(A) mindestens ein vernetzbares Bindemittel,
(B) mindestens ein separates, wasserlösliches und/oder - dispergierbares Vernetzungssystem,
das in und/oder auf der Matrix der nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten
(2) aus den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen für sich selbst partiell oder
vollständig vernetzt, bevor die Bindemittel (A) vollständig vernetzen, und
(C) mindestens ein Pigment,
verwendet.
[0025] Im folgenden wird das neue Naß-in-naß-Verfahren zur Herstellung farb- und/oder effektgebender
Mehrschichtlackierungen als "erfindungsgemäßes Verfahren" bezeichnet
[0026] Außerdem wurden die neuen wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe gefunden, enthaltend
(A) mindestens ein vernetzbares Bindemittel,
(B) mindestens ein separates, wasserlösliches und/oder - dispergierbares Vernetzungssystem,
das in und/oder auf der Matrix der nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten
(2) aus den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen für sich selbst partiell oder
vollständig vernetzt, bevor die Bindemittel (A) vollständig vernetzen, und
(C) mindestens ein Pigment
[0027] Im folgenden werden die neuen wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe als "erfindungsgemäße
Funktions-Beschichtungsstoffe" bezeichnet
[0028] Weitere Erfindungsgegenstände ergeben sich aus der Beschreibung.
[0029] Im Hinblick auf den Stand der Technik war es überraschend und für den Fachmann nicht
vorhersehbar, daß die Aufgabe, die der vorliegenden Erfindung zugrundelag, mit Hilfe
des erfindungsgemäßen Verfahrens, insbesondere mit Hilfe der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
gelöst werden konnte. Besonders überraschte, daß die Effekt- und/oder Farbtonverschiebungen
von Wasserbasislackierungen, die bei der Substitution herkömmlicher Einbrennfüller
durch wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe auf Polyurethanbasis häufig aufgetreten
waren, durch den Zusatz eines separaten, wasserlöslichen und/oder -dispergierbaren
Vernetzungssystems, das in der Lage ist, in und/oder auf der Matrix von nassen, trocknenden
und/oder getrockneten Schichten aus wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen für sich
selbst partiell oder vollständig zu vernetzen, bevor die Bindemittel (A) insgesamt
vollständig vernetzen, signifikant vermindert werden konnten. Vor allem überraschte,
daß das erfindungsgemäße Verfahren und insbesondere die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
Funktionsschichten lieferten, die auch in für Füller unüblich geringen Schichtdicken
eine hohe Steinschlagbeständigkeit aufwiesen. Dabei zeigten die neuen Funktionsschichten
eine hervorragende Zwischenschichthaftung zwischen den Grundierungen und den Wasserbasislackierungen.
[0030] Das efindungsgemäße Verfahren dient der Herstellung farb- und/oder effektgebender
Mehrschichtlackierungen auf grundierten oder ungrundierten Substraten.
[0031] Die neuen farb- und/oder effektgebenden Mehrschichtlackierungen enthalten mindestens
eine Funktionsschicht und mindestens eine farb- und/oder effektgebende Unidecklackierung
oder alternativ mindestens eine farb- und/oder effektgebende Basislackierung und mindestens
eine Klarlackierung.
[0032] Funktionsschichten i. S. der vorliegenden Erfindung sind Füllerlackierungen i. S.
der deutschen Patentanmeldung DE 44 38 504 A 1 oder der europäischen Patentanmeldung
EP 0 871 552 A 1, die auch in unüblich dünnen Schichtdicken eine hohe Steinschlagschutzwirkung
aufweisen und darüber hinaus häufig noch einen Beitrag zur Farb- und/oder Effektgebung
leisten.
Als Substrate kommen all die in Betracht, deren Oberfläche durch die Anwendung von
Hitze und/oder aktinischer Strahlung bei der Härtung der hierauf befindlichen Schichten
nicht geschädigt wird. Vorzugsweise bestehen die Substrate aus Metallen, Kunststoffen,
Holz, Keramik, Stein, Textil, Faserverbunden, Leder, Glas, Glasfasern, Glas- und Steinwolle,
mineral- und harzgebundene Baustoffen, wie Gips- und Zementplatten oder Dachziegel,
sowie Verbunden dieser Materialien.
[0033] Demnach sind das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
nicht nur für Anwendungen auf den Gebieten der Kraftfahrzeugserienlackierung und Kraftfahrzeugreparaturlackierungen
hervorragend geeignet, sondern kommen auch für die Beschichtung von Bauwerken im Innen-
und Außenbereich und von Türen, Fenstern und Möbeln, für die industrielle Lackierung,
inklusive Coil Coating, Container Coating und die Imprägnierung und/oder Beschichtung
elektrotechnischer Bauteile, sowie für die Lackierung von weißer Ware, inclusive Haushaltsgeräte,
Heizkessel und Radiatoren, in Betracht. Im Rahmen der industriellen Lackierungen eignen
sie sich für die Lackierung praktisch aller Teile und Gegenstände für den privaten
oder industriellen Gebrauch wie Haushaltsgeräte, Kleinteile aus Metall, wie Schrauben
und Muttern. Radkappen, Felgen, Emballagen, oder elektrotechnische Bauteile, wie Motorwicktungen
oder Transformatorwicklungen.
[0034] Im Falle elektrisch leitfähiger Substrate können Grundierungen verwendet werden,
die in üblicher und bekannter Weise aus Elektrotauchlacken hergestellt werden. Hierfür
kommen sowohl anodische als auch kathodische Elektrotauchlacke, insbesondere aber
kathodische Elektrotauchlacke, in Betracht Sie können aber auch eine kathodisch abgeschiedene
Elektrotauchlackschicht aufweisen, die nicht thermisch gehärtet, sondern lediglich
getrocknet oder partiell gehärtet ist Die Elektrotauchlackierung oder die Elektrotauchlackschicht
können dann mit den efindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffen oder den erfindungsgemäß
zu verwendenden Funktions-Beschichtungsstoffen überschichtet werden. Diese können
dann gemeinsam mit der Elektrotauchlackschicht gehärtet werden (Naß-in-naß-Verfahren).
[0035] Beispiele geeigneter kathodischer Elektrotauchlacke sowie ggf. von Naß-in-naß-Verfahren
unter Einbeziehung von Elektrotauchlackschichten werden in der japanischen Patentanmeldung
1975-142501 (japanische Offenlegungsschrift JP 52-065534 A 2, Chemical Abstracts Referat
Nr. 87: 137427) oder den Patentschriften US 4,375,498 A 1, US 4,537,926 A 1, US 4,761,212
A 1, EP 0 529 335 A 1, DE 41 25 459 A 1, EP 0 595 186 A 1, EP 0 074 634 A 1, EP 0
505 445 A 1, DE 42 35 778 A 1, EP 0 646 420 A1, EP 0 639 660 A1, EP 0 817 648 A1,
DE 195 12 017 C1, EP 0 192 113 A 2, DE 41 26 476 A 1 oder WO 98/07794 beschrieben.
[0036] Im Falle von nichtfunktionalisierten und/oder unpolaren Kunststoffoberflächen können
diese vor der Beschichtung in bekannter Weise einer Vorbehandlung, wie mit einem Plasma
oder mit Beflammen, unterzogen oder mit einer Hydrogrundierung versehen werden.
[0037] Im ersten Schritt des erfindungsgemäßen Verfahrens wird auf ein Substrat mindestens
ein, insbesondere ein, erfindungsgemäßer Funktions-Beschichtungsstoff appliziert.
[0038] Der erfindungsgemäße Funktions-Beschichtungsstoff enthält mindestens ein, insbesondere
ein, Bindemittel (A). Die Bindemittel (A) sind in ihrer stofflichen Zusammensetzung
nicht beschränkt. Außerdem können sie Oligomere oder Polymere sein.
[0039] Unter Oligomeren werden Harze verstanden, die mindestens 2 bis 15 Monomereinheiten
in ihrem Molekül enthalten. Unter Polymeren werden Harze verstanden, die mindestens
10 wiederkehrende Monomereinheiten in ihrem Molekül enthalten. Ergänzend wird zu diesen
Begriffen auf Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart,
New York, 1998, »Oligomere«, Seite 425, verwiesen.
[0040] Vorzugsweise werden die Bindemittel (A) aus der Gruppe, bestehend aus physikalisch,
thermisch, mit aktinicher Strahlung oder thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbaren
oder vernetzbaren, statistisch, alternierend und/oder blockartig, aufgebauten, linearen
und/oder verzweigten und/oder kammartig aufgebauten (Co)Polymerisaten von ethylenisch
ungesättigten Monomeren, und Polyadditionsharzen und Polykondensationsharzen, ausgewählt
Zu diesen Begriffen wird ergänzend auf Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg
Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998, Seite 457, »Polyaddition« und »Polyadditionsharze
(Polyaddukte)«, sowie Seiten 463 und 464, »Polykondensate«, »Polykondensation« und
»Polykondensationsharze« verwiesen.
[0041] Beispiele gut geeigneter (Co)Polymerisate (A) sind (Meth)Acrylatcopolymerisate und
partiell verseifte Polyvinylester, insbesondere (Meth)Acry)atcopolymerisate.
[0042] Beispiele gut geeigneter Polyadditionsharze und/oder Polykondensationsharze (A) sind
Polyester, Alkyde, Polyurethane, Polylactone, Polycarbonate, Polyether, Epoxidharz-Amin-Addukte,
Polyhamstoffe, Polyamide oder Polyimide.
[0043] Von diesen sind die Polyurethane (A) von Vorteil, weswegen sie bevorzugt verwendet
werden. Besonders bevorzugt werden die Polyurethane (A) aus der Gruppe, bestehend
aus gesättigten, ungesättigten und mit olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropften,
ionisch oder nichtionisch sowie ionisch und nichtionisch stabilisierten Polyurethanen,
ausgewählt
[0044] Polyurethane (A) sind an sich bekannt und werden beispielsweise in
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A 1, Spalte 1,Zeilen 29 bis 49, Spalte
4, Zeile 23, bis Spalte 11, Zeile 5, und Spalte 19, Zeile 12, bis Spalte 20, Zeile
6,
- der deutschen Patentanmeldung DE 44 38 504 A 1, Seite 2, Zeile 58, bis Seite 4, Zeile
40, i. V. m. Seite 5, Zeile 24, bis Seite 7, Zeile 33,
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 04 624 A 1, Seite 2, Zeile 35, bis Seite 5, Zeile
46, i. V. m. Seite 7, Zeile 36, bis Seite 8, Zeile 14,
- der deutschen Patentanmeldung DE 41 07 136 A 1, Seite 2, Zeile 23, bis Seite 4, Zeile
35, i. V. m. Seite 5, Zeilen 23 bis 59,
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 04 317 A 1, Seite 9, Zeile 44, bis Seite 12,
Zeile 11, i. V. m. Seite 16, Zeile 58, bis Seite 17, Zeile 2,
im Detail beschrieben. Ergänzend wird noch auf die eingangs zitierten deutschen Patentanmeldungen
verwiesen.
[0045] Der Gehalt der efindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe an Bindemitteln (A)
kann breit variieren und richtet sich nach den Erfordernissen des Einzelfalls. Vorzugsweise
liegt der Gehalt bei 10 bis 80, bevorzugt 15 bis 78, besonders bevorzugt 20 bis 76,
ganz besonders bevorzugt 25 bis 74 und insbesondere 30 bis 72 Gew.%, jeweils bezogen
auf den Festkörper des Funktions-Beschichtungsstoffs.
[0046] Die erfindungsgemäßen Funktions-Beschtchtungsstoffe enthalten desweiteren mindestens
ein, insbesondere ein, separates, wasserlösliches und/oder -dispergierbares Vernetzungssystem
(B).
[0047] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung stellt der Begriff »separat« klar, daß das Vernetzungssystem
unabhängig oder im wesentlichen unabhängig von der Vernetzung des Bindemittels (A)
abläuft. Wesentlich ist hierbei, daß das separate Vernetzungssystem (B) in und/oder
auf der Matrix der nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten aus den erfindungsgemäßen
Funktions-Beschichtungsstoffen für sich selbst partiell oder vollständig vernetzt,
bevor die Bindemittel (A), insbesondere die Polyurethane (A) vollständig vernetzen
und so die Schichten insgesamt vollständig vernetzen.
[0048] Das erfindungsgemäß zu verwendende separate Vernetzungssystem (B) kann von beliebiger
Zusammensetzung sein, solange es die erfindungswesentliche Maßgabe erfüllt. Anders
gesagt, kann das erfindungsgemäß zu verwendende separate Vernetzungssystem (B) anhand
der Zusammensetzung der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe auf der Basis der vorstehend
beschriebenen Bindemittel (A), insbesondere der Polyurethane (A), ausgewählt werden.
[0049] Vorzugsweise wird das separate Vernetzungssystem (B) aus der Gruppe, bestehend aus
physikalisch, thermisch, mit aktinischer Strahlung sowie thermisch und mit aktinischer
Strahlung härtbaren Vernetzungssystemen, ausgewählt
[0050] Vorzugsweise werden als aktinische Strahlung elektromagnetische Strahlung, vorzugsweise
nahes Infrarot (NIR), sichtbares Licht, UV-Strahlung oder Röntgenstrahlung, insbesondere
UV-Strahlung, und/oder Korpuskularstrahlung, insbesondere Elektronenstrahlung, verwendet
[0051] Bevorzugt wird das separate Vernetzungssystem (B) aus der Gruppe, bestehend aus thermisch
oder thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbaren Vernetzungssystemen, ausgewählt
Dabei können die Vernetzungssysteme (B) thermisch selbst- und/oder fremdvernetzend
sein.
[0052] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung bedeutet der Begriff "physikalische Härtung"
die Härtung des erfindungsgemäß zu verwendenden separaten Vernetzungssystems (B) durch
Verfilmung beispielsweise an der Oberfläche der Matrix der Schichten aus den erfindungsgemäßen
Funktions-Beschichtungsstoffen, wobei die Verknüpfung über Schlaufenbildung der Polymermoteküle
der Bindemittel (zu dem Begriff vgl. Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme
Verlag, Stuttgart, New York, 1998, »Bindemittel«, Seiten 73 und 74) erfolgt. Oder
aber die Verfilmung erfolgt über die Koaleszenz von Teilchen aus dem separaten Vernetzungssystem
(B) (vgl. Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New
York, 1998, »Härtung«, Seiten 274 und 275). Üblicherweise sind hierfür keine Vernetzungsmittel
notwendig. Gegebenenfalls kann die physikalische Härtung durch Luftsauerstoff, Hitze
oder durch Bestrahlen mit aktinischer Strahlung unterstützt werden.
[0053] Die Auswahl eines physikalisch härtenden separaten Vernetzungssystems (B) richtet
sich nach der Temperatur, bei der der erfindungsgemäße Funktions-Beschichtungsstoff
selbst verfilmt oder thermisch vernetzt Es werden physikalisch härtende separate Vernetzungssysteme
(B) gewählt, deren Mindestfilmbildetemperatur (MFT) (vgl. Römpp Lexikon Lacke und
Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998 »Mindestfilmbildetemperatur«,
Seite 391) unterhalb der Mindestfilmbildetemperatur oder der Vernetzungstemperatur
der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe bzw. der Bindemittel (A) liegt.
Der Fachmann kann daher geeignete physikalisch härtende separate Vernetzungssysteme
(B) für einen gegebenen physikalisch, thermisch oder thermisch und mit aktinischer
Strahlung härtenden erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoff leicht anhand seines
allgemeinen Fachwissens gegebenenfalls unter Zuhilfenahme einfacher Vorversuche ermitteln.
[0054] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung bezeichnet der Begriff "selbstvernetzend" die
Eigenschaft des erfindungsgemäß zu verwendenden Vernetzungssystems (B) "mit sich selbst"
Vernetzungsreaktionen einzugehen. Voraussetzung hierfür ist, daß in mindestens einem
Bestandteilen bereits beide Arten von komplementären reaktiven funktionellen Gruppen
enthalten sind, die für eine Vernetzung notwendig sind, oder reaktive funktionelle
Gruppen, die mit sich selbst reagieren können. Als fremdvernetzend werden dagegen
solche separaten Vernetzungssysteme (B), bezeichnet, worin die eine Art der komplementären
reaktiven funktionellen Gruppen in einem Bindemittel und die andere Art in einem Härter
oder Vernetzungsmittel vorliegen. Ergänzend wird hierzu auf Römpp Lexikon Lacke und
Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998, »Härtung«, Seiten 274
bis 276, insbesondere Seite 275, unten, verwiesen.
[0056] Die Auswahl der komplementären reaktiven funktionellen Gruppen richtet sich danach,
in welchen Temperaturbereich die vollständige Härtung der Matrix der Schichten aus
den erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffen, die auch die Bindemittel (A),
insbesondere die Polyurethane (A), einbezieht, stattfindet. So muß die thermische
Härtung des separaten Vernetzungssystems (B) bei tieferen Temperaturen ablaufen, wenn
es sich bei den erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffen um thermisch oder
thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbare Funktions-Beschichtungsstoffe handelt.
Der Fachmann kann daher für einen gegebenen erfindungsgemäßen Gruppen Funktions-Beschichtungsstoff
die jeweils geeigneten komplementären reaktiven funktionellen Gruppen leicht aufgrund
seines allgemeinen Fachwissens gegebenenfalls unter Zuhilfenahme einfacher orientierender
Versuche auswählen.
[0057] Beispiele geeigneter Bestandteile für die erfindungsgemäß zu verwendenden thermisch
oder thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbaren separaten Vernetzungssysteme
(B), die die vorstehend beschriebenen komplementären reaktiven funktionellen Gruppen
enthalten, werden beispielsweise in
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 30 067 A 1, Seite 3, Zeilen 23 bis 56, i. V.
m. Seite 4, Zeilen 23, bis Seite 7, Zeilen 19, Seite 7, Zeilen 20, Seite 9, Zeile
20, Seite 9, Zeilen 21 bis 29, Seite 9, Zeile 49, bis Seite 11, Zeile 37, Seite 11,
Zeilen 38 bis 68, Seite 12, Zeile 30 bis 55, und Seite 16, Zeile 50, bis Seite 17,
Zeile 13,
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A 1, Spalte 11, Zeile 6, bis Spalte 13,
Zeile 55,
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 04 317 A 1, Seite 3, Zeile 64, bis Seite 2, Zeile
2, i. V. m. Seite 4, Zeile 7, bis Seite 9, Zeile 43, und Seite 15, Zeilen 33 bis 49,
i. V. m. Seite 16, Zeilen 30 bis 45, oder
- der deutschen Patentanmeldung DE 198 18 735 A 1 ,Spalte zwei, Seiten 21 bis 46, Spalte
3, bis Spalte 6, Zeile 33, und Spalte 6, Zeile 55, bis Spalte 7, Zeile 35,
im Detail beschrieben.
[0058] Die Härtung mit aktinischer Strahlung erfolgt mit Hilfe von reaktiven funktionellen
Gruppen, die mindestens eine, insbesondere eine, mit aktinischer Strahlung aktivierbare
Bindung enthalten.
[0059] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter einer mit aktinischer Strahlung aktivierbaren
Bindung eine Bindung verstanden, die bei Bestrahlen mit aktinischer Strahlung reaktiv
wird und mit anderen aktivierten Bindungen ihrer Art Polymerisationsreaktionen und/oder
Vernetzungsreaktionen eingeht, die nach radikalischen und/oder ionischen Mechanismen
ablaufen. Beispiele geeigneter Bindungen sind Kohlenstoff-Wasserstoff-Einzelbindungen
oder Kohlenstoff-Kohlenstoff-, Kohlenstoff Sauerstoff-, Kohlenstoff-Stickstoff , Kohlenstoff-Phosphor
-oder Kohlenstoff-Silizium-Einzelbindungen oder -Doppelbindungen. Von diesen sind
die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen besonders vorteilhaft und werden deshalb
efindungsgemäß ganz besonders bevorzugt verwendet. Der Kürze halber werden sie im
folgenden als "Doppelbindungen" bezeichnet
[0060] Demnach enthält die erfindungsgemäß bevorzugte Gruppe eine Doppelbindung oder zwei,
drei oder vier Doppelbindungen. Werden mehr als eine Doppelbindung verwendet, können
die Doppelbindungen konjugiert sein. Erfindungsgemäß ist es indes von Vorteil, wenn
die Doppelbindungen isoliert, insbesondere jede für sich endständig, in der hier in
Rede stehenden Gruppe vorliegen. Erfindungsgemäß ist es von besonderem Vorteil zwei,
insbesondere eine, Doppelbindung zu verwenden.
[0061] Beispiele geeigneter Gruppen sind (Meth)Acrylat-, Ethacrylat-, Crotonat-, Cinnamat-,
Vinylether-, Vinyiester-, Dicyclopentadienyl-, Norbomenyl-, Isoprenyl-, Isopropenyl-,
Alfyl- oder Butenylgruppen; Dicyclopentadienyl-, Norbomenyl-, Isoprenyl-, Isopropenyl-,
Allyl- oder Butenylethergruppen oder Dicyclopentadienyl-, Norbornenyl-, Isoprenyl-,
Isopropenyl-, Allyl- oder Butenylestergruppen, insbesondere aber Acrylatgruppen.
[0062] Beispiele geeigneter Bestandteile für mit aktinischer Strahlung härtbare separate
Vernetzersysteme (B) sind aus der deutschen Patentanmeldung DE 197 36 083 A 1, Seite
7, Zeile 3, bis Seite 8, Zeile 38, im Detail beschrieben.
[0063] Die Auswahl der mit aktinischer Strahlung härtbaren separaten Vernetzungssysteme
(B) richtet sich vor allem danach, in welchem Wellenlängenbereich die mit aktinischer
Strahlung aktivierbaren Bindungen aktiviert werden. Dieser Wellenlängenbereich soll
außerhalb des Bereichs liegen, mit dem die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
gehärtet werden. Der Fachmann kann daher für einen gegebenen mit aktinischer Strahlung
härtbaren erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoff geeignete mit aktinischer
Strahlung härtbare separate Vernetzungssysteme (B) aufgrund seines allgemeinen Fachwissens
gegebenenfalls unter Zuhilfenahme einfacher orientierender Versuche leicht auswählen.
[0064] Von den vorstehend beschriebenen erfindungsgemäß zu verwendenden separaten Vernetzungssystemen
(B) sind insbesondere diejenigen von Vorteil, die über Ketogruppen und Hydrazidgruppen
thermisch vernetzbar sind. Sie werden daher erfindungsgemäß besonders bevorzugt verwendet.
Die wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe werden, wie bereits erwähnt, als die erfindungsgemäßen
Funktions-Beschichtungsstoffe bezeichnet.
[0065] Das besonders bevorzugte separate Vernetzungssystem (B) ist fremdvernetzend oder
selbstvernetzend.
[0066] Das besonders bevorzugte fremdvernetzende separate Vernetzungssystem (B) enthält
mindestens einen Bestandteil (B 1), der im statistischen Mittel mindestens zwei, vorzugsweise
mindestens drei, Ketogruppen im Molekül enthält Außerdem enthält das besonders bevorzugte
fremdvernetzende separate Vernetzungssystem (B) mindestens einen Bestandteil (B 2),
der im statistischen Mittel mindestens zwei Hydrazidgruppen im Molekül enthält. Vorzugsweise
besteht das besonders bevorzugte fremdvernetzende, separate Vernetzungssystem (B)
aus einem Bestandteil (B 1) und einem Bestandteil (B 2). Das Verhältnis der beiden
Bestandteile (B 1) und (B 2) kann sehr breit variieren und richtet sich nach der Funktionalität
der beiden komplementären Bestandteile.
[0067] Vorzugsweise wird der Bestandteil (B 1) aus der Gruppe, bestehend aus Oligomeren
und Polymeren, die terminale oder laterale oder terminale und laterale Ketogruppen
enthalten, ausgewählt Geeignete Oligomere und Polymere entstammen den vorstehend bei
den Bindemitteln (A) beschriebenen Polymerklassen, wobei (Meth)Acrylatcopolymerisate
(B 1) besonders vorteilhaft sind und deshalb besonders bevorzugt verwendet werden.
[0068] Vorzugsweise werden die Bestandteile (B 2) aus der Gruppe, bestehend aus niedermolekularen
Verbindungen mit mindestens zwei Hydrazidgruppen sowie Oligomeren und Polymeren, die
terminale oder laterale oder terminale und laterale Hydrazidgruppen enthalten, ausgewählt.
Geeignete Oligomere und Polymere entstammen den nachstehend beschriebenen Polymerklassen.
Bevorzugt werden die niedermolekularen Verbindungen mit zwei Hydrazidgruppen im Molekül
verwendet.
[0069] Beispiele geeigneter niedermolekularer Verbindungen mit zwei Hydrazidgruppen sind
die Dihydrazide organischer Dicarbonsäuren, wie Phthalsäure, Terephthalsäure, Naphthalindicarbonsäure,
1,2-, 1,3- oder 1,4-Cydohexandicarbonsäure, Sebacinsäure oder Adipinsäure. Besonders
bevorzugt wird Adipinsäuredihydrazid verwendet
[0070] Die besonders bevorzugten selbstvernetzenden separaten Vernetzungssysteme (B) enthalten
in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform mindestens einen Bestandteil (B 3),
der aus der Gruppe, bestehend aus Oligomeren und Polymeren, die im statistischen Mittel
mindestens zwei, insbesondere mindestens drei, terminale oder laterale oder terminale
und laterale Ketogruppen und mindestens zwei, insbesondere mindestens drei, terminale
oder laterale oder terminale und laterale Hydrazidgruppen im Molekül enthalten, ausgewählt
wird, oder sie bestehen aus diesem Bestandteil (B 3).
[0071] Außer den Ketogruppen können die bevorzugten separaten Vernetzungssysteme (B) noch
mindestens eine der vorstehend beschriebenen komplementären reaktiven funktionellen
Gruppen für die thermische Vernetzung und/oder mindestens eine der vorstehend beschriebenen
reaktiven funktionellen Gruppe, die mindestens eine mit aktinischer Strahlung aktivierbare
Bindung enthalten, aufweisen. Diese reaktiven funktionellen Gruppen können dann der
Vernetzung der separaten Vernetzungssysteme (B) mit der Matrix der Schichten aus den
erfindungsgemäßen Funktions-Beschichiungsstoffen dienen.
[0072] Die besonders bevorzugten separaten Vernetzungssysteme (B), die über Ketogruppen
und Hydrazidgruppen vernetzen können, sind handelsübliche Stoffe und werden beispielsweise
in der Form von wäßrigen Dispersionen unter der Marke Acronal ®, insbesondere Acronal
® A 603 oder A 627, oder unter der Marke Luhydran ®, insbesondere Luhydran ® LR 8950
oder 8975, von der Firma BASF Aktiengesellschaft, unter der Marke Viacryl ®, insbesondere
Viacryl ® VSC 6270, 6286 oder 6295, von der Firma Solutia oder unter der Marke Setalux
®, insbesondere Setalux ® 6810 AQ-25 oder XL 1141, von der Firma Akzo vertrieben werden.
Die wäßrigen Dispersionen werden insbesondere mit Adipinsäuredihydrazid vernetzt Im
allgemeinen liegt der Adipinsäuredihydrazid-Gehalt der wäßrigen Dispersionen bei bis
zu 10 Gew.%, bezogen auf den Festkörpergehalts der wäßrigen Dispersionen.
[0073] Der Gehalt der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe an den separaten Vernetzungssystemen
(B) kann sehr breit variieren und richtet sich nach den Erfordernissen des Einzelfalls.
Vorzugsweise enthalten die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe, jeweils
bezogen auf den Festkörper, 1 bis 50, bevorzugt 2 bis 48, besonders bevorzugt 3 bis
44, ganz besonders bevorzugt 4 bis 42 und insbesondere 5 bis 40 Gew.-% an (B).
[0074] Die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffen enthalten mindestens ein Pigment
(C).
[0075] Vorzugsweise werden die Pigmente (C) aus der Gruppe, bestehend aus farb- und/oder
effektgebenden, fluoreszierenden, elektrisch leitfähigen und magnetisch abschirmenden
Pigmenten, Metallpulvern, organischen und anorganischen, transparenten und opaken
Füllstoffen und Nanopartikeln ausgewählt
[0076] Der Gehalt der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe an den Pigmenten (C)
kann breit variieren. Vorzugsweise wird der Gehalts so gewählt, daß das Mengenverhältnis
von Pigmenten (C) zu Bindemitteln (A) und zu den in den separaten Vernetzungssystemen
(B) gegebenenfalls vorhandenen Oligomeren und Polymeren (Pigment-Bindemittel-Verhältnis)
bei 0,1 : 1 bis 3 : 1, bevorzugt 0,2 : 1 bis 2,8 : 1, besonders bevorzugt 0,3 : 1
bis 2,5 : 1, ganz besonders bevorzugt 0,3 : 1 bis 2 :1 und insbesondere 0,3 : 1 bis
1,5 : 1 liegt.
[0077] Beispiele geeigneter Effektpigmente sind Metallplättchenpigmente wie handelsübliche
Aluminiumbronzen, gemäß DE 36 36183 A 1 chromatierte Aluminiumbronzen, und handelsübliche
Edelstahlbronzen sowie nichtmetallische Effektpigmente, wie zum Beispiel Perlglanz-
bzw. Interferenzpigmente, plättchenförmige Effektpigmente auf der Basis von Eisenoxid,
das einen Farbton von Rosa bis Braunrot aufweist oder flüssigkristalline Effektpigmente.
Ergänzend wird auf Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, 1998,
Seiten 176, »Effektpigmente« und Seiten 380 und 381 »Metalloxid-Glimmer-Pigmente«
bis »Metallpigmente«, und die Patentanmeldungen und Patente DE 36 36 156 A1, DE 37
18 446 A1, DE 37 19 804 A1, DE 39 30 601 A1, EP 0 068 311 A1, EP 0 264 843 A1, EP
0 265 820 A1, EP 0 283 852 A1, EP 0 293 746 A1, EP 0 417 567 A1, US 4,828,826 A oder
US 5,244,649 A verwiesen.
[0078] Beispiele für geeignete anorganische farbgebende Pigmente sind Weißpigmente wie Titandioxid,
Zinkweiß, Zinksulfid oder Lithopone; Schwarzpigmente wie Ruß, Eisen-Mangan-Schwarz
oder Spinellschwarz; Buntpigmente wie Chromoxid, Chromoxidhydratgrün, Kobaltgrün oder
Ultramaringrün, Kobaltblau, Ultramarinblau oder Manganblau, Ultramarinviolett oder
Kobalt- und Manganviolett, Eisenoxidrot, Cadmiumsulfoselenid, Molybdatrot oder Ultramarinrot;
Eisenoxidbraun, Mischbraun, Spinell- und Korundphasen oder Chromorange; oder Eisenoxidgelb,
Nickeltitangelb, Chromtitangelb, Cadmiumsulfid, Cadmiumzinksulfid, Chromgelb oder
Bismutvanadat
[0079] Beispiele für geeignete organische farbgebende Pigmente sind Monoazopigmente, Bisazopigmente,
Anthrachinonpigmente, Benzimidazolpigmente, Chinacridonpigmente, Chinophthalonpigmente,
Diketopyrrolopyrrolpigmente, Dioxazinpigmente, Indanthronpigmente, Isoindolinpigmente,
Isoindolinonpigmente, Azomethinpigmente, Thioindigopigmente, Metallkomplexpigmente,
Perinonpigmente, Perylenpigmente, Phthalocyaninpigmente oder Anilinschwarz.
[0080] Ergänzend wird auf Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, 1998,
Seiten 180 und 181, »Eisenblau-Pigmente« bis »Eisenoxidschwarz«, Seiten 451 bis 453
»Pigmente« bis »Pigmentvolumenkonzentration«, Seite 563 »Thioindigo-Pigmente«, Seite
567 »Titandioxid-Pigmente«, Seiten 400 und 467, »Natürlich vorkommende Pigmente«,
Seite 459 »Polycyclische Pigmente«, Seite 52, »Azomethin-Pigmente«, »Azopigmente«,
und Seite 379, »MetallkomplexPigmente«, verwiesen.
[0081] Beispiele für fluoreszierende Pigmente (Tagesleuchtpigmente) sind Bis(azomethin)-Pigmente.
[0082] Beispiele für geeignete elektrisch leitfähige Pigmente sind Titandioxid/Zinnoxid-Pigmente.
[0083] Beispiele für magnetisch abschirmende Pigmente sind Pigmente auf der Basis von Eisenoxiden
oder Chromdioxid.
[0084] Beispiele für geeignete Metallpulver sind Pulver aus Metallen und Metallegierungen
Aluminium, Zink, Kupfer, Bronze oder Messing.
[0085] Beispiele geeigneter organischer und anorganischer Füllstoffe sind Kreide, Calciumsulfate,
Bariumsulfat, Silikate wie Talkum, Glimmer oder Kaolin, Kieselsäuren, Oxide wie Aluminiumhydroxid
oder Magnesiumhydroxid oder organische Füllstoffe wie Kunststoffpulver, insbesondere
aus Poylamid oder Polyacrlynitril. Ergänzend wird auf Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben,
Georg Thieme Verlag, 1998, Seiten 250 ff., »Füllstoffe«, verwiesen.
[0086] Vorzugsweise werden Glimmer und Talkum angewandt, wenn die Kratzfestigkeit der aus
den erfindungsgemäßen Pulverlacken hergestellten Beschichtungen verbessert werden
soll.
[0087] Außerdem ist es von Vorteil, Gemische von plättchenförmigen anorganischen Füllstoffen
wie Talk oder Glimmer und nichtplättchenförmigen anorganischen Füllstoffen wie Kreide,
Dolomit Calciumsulfate, oder Bariumsulfat zu verwenden, weil hierdurch die Viskosität
und das Fließverhalten sehr gut eingestellt werden kann.
[0088] Beispiele geeigneter transparenter Füllstoffe sind solche auf der Basis von Siliziumdioxid,
Aluminiumoxid oder Zirkoniumoxid.
[0089] Geeignete Nanopartikel werden ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus hydrophilen
und hydrophoben, insbesondere hydrophilen, Nanopartikein auf der Basis von Siliziumdioxid,
Aluminiumoxid, Zinkoxid, Zirkoniumoxid und der Polysäuren und Heteropolysäuren von
Übergangsmetallen, vorzugsweise von Molybdän und Wolfram, mit einer Primärartikelgröße
< 50 nm, bevorzugt 5 bis 50 nm, insbesondere 10 bis 30 nm. Vorzugsweise haben die
hydrophilen Nanopartikel keinen Mattierungseffekt. Besonders bevorzugt werden Nanopartikel
auf der Basis von Siliziumdioxid verwendet.
[0090] Ganz besonders bevorzugt werden hydrophile pyrogene Siliziumdioxide verwendet, deren
Agglomerate und Aggregate eine kettenförmige Struktur haben und die durch die Flammenhydrolyse
von Siliziumtetrachlorid in einer Knallgasflamme herstellbar sind. Diese werden beispielweise
von der Firma Degussa unter der Marke Aerosil ® vertrieben. Ganz besonders bevorzugt
werden auch gefällte Wassergläser, wie Nanohektorite, die beispielsweise von der Firma
Südchemie unter der Marke Optigel ® oder von der Firma Laporte unter der Marke Laponite
® vertrieben werden, verwendet
[0091] Darüber hinaus können die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe noch mindestens
einen Zusatzstoff (D) enthalten, wie er auf dem Gebiet der Funktions-Beschichtungsstoffe
üblicherweise eingesetzt wird.
[0092] Beispiele geeigneter Zusatzstoffe sind molekulardispers lösliche Farbstoffe, Lichtschutzmittel,
wie UV-Absorber und reversible Radikalfänger (HALS); Antioxidantien; niedrig- und
hochsiedende ("lange") organische Lösemittel; Entlüftungsmittel; Netzmittel; Emulgatoren;
Slipadditive; Polymerisationsinhibitoren; Katalysatoren für die Vernetzung; thermolabile
radikalische Initiatoren; thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbare Reaktiverdünner;
Haftvermittler; Verlaufmittel; filmbildende Hilfsmittel; Rheologiehilfsmittel (Verdicker);
Flammschutzmittel; Korrosionsinhibitoren; Wachse; Sikkative; Biozide und/oder Mattierungsmittel;
wie sie beispielsweise in dem Lehrbuch »Lackadditive« von Johan Bieleman, Wiley-VCH,
Weinheim, New York, 1998, oder in der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A 1,
Spalte 14, Seite 26, bis Spalte 15, Zeile 46, im Detail beschrieben werden.
[0093] Methodisch weist die Herstellung der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
keine Besonderheiten auf, sondern erfolgt durch Vermischen der vorstehend beschriebenen
Bestandteile in üblichen und bekannte Mischaggregaten, wie Rührkessel, Ultraturrax,
Inline-Dissolver, Extruder oder Kneter.
[0094] Methodisch weist die Applikation der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe
auch keine Besonderheiten auf, sondern kann durch alle üblichen Applikationsmethoden,
wie z.B. Spritzen, Rakeln, Streichen, Gießen, Tauchen, Träufeln oder Walzen, erfolgen.
Vorzugsweise werden Spritzappükationsmethoden angewandt, wie zum Beispiel Druckluftspritzen,
Airless-Spritzen, Hochrotation, elektrostatischer Sprühauftrag (ESTA), gegebenenfalls
verbunden mit Heißspritzapplikation wie zum Beispiel Hot-Air- Heißspritzen. Dieser
Applikationsmethoden können selbstverständlich auch für die Applikation der Unidecklacke,
der Wasserbasislacke sowie der Klarlacke verwendet werden.
[0095] Nach der Applikation werden die Schichten aus den erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffen
getrocknet, ohne sie vollständig zu härten. Vorzugsweise werden hierbei Temperaturen
von 20 bis 80, bevorzugt 20 bis 70 und insbesondere 20 bis 65 °C angewandt Die Trocknung
kann durch laminare Luftströmungen unterstützt werden. Vorzugsweise werden Trocknungszeiten
von 30 Sekunden bis zwei Stunden, bevorzugt eine Minute bis eine Stunde und insbesondere
eine Minute bis 45 Minuten angewandt
[0096] Erfindungsgemäß vernetzt während dieses Verfahrenschritts das separate, wasserlösliche
und/oder -dispergierbare Vernetzungssystem (B) auf und/oder in der Matrix der nassen,
trocknenden und/oder getrockneten Schichten partiell oder vollständig, bevor die Bindemittel
(A) vollständig vernetzen. Sofern die separaten Vernetzungssysteme (B) auch oder ausschließlich
mit aktinischer Strahlung härtbar sind, werden die Schichten mit aktinischer Strahlung
bestrahlt
[0097] Für die Bestrahlung mit aktinischer Strahlung kommen Strahlenquellen wie Quecksilberhoch-
oder ―niederdruckdampflampen, welche gegebenenfalls mit Blei dotiert sind, um ein
Strahlenfenster bis zu 405 nm zu öffnen, oder Elektronenstrahlquellen in Betracht
Weitere Beispiele geeigneter Verfahren und Vorrichtungen zur Härtung mit aktinischer
Strahlung werden in der deutschen Patentanmeldung DE 198 18 735 A 1, Spalte 10, Zeilen
31 bis 61, beschrieben.
[0098] Im weiteren Verlauf des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die getrocknete Schicht
des erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffs mit mindestens einem, insbesondere
einem, wäßrigen Unidecklack beschichtet, wodurch eine Unidecklackschicht resultiert.
Dabei können die vorstehend beschriebenen Applikationsmethoden angewandt werden. Beispiele
geeigneter wäßriger Unidecklacke werden in den eingangs zitierten Patentanmeldungen,
insbesondere in der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A 1, Spalte 1, Zeilen
29 bis 49, beschrieben. Im Anschluß daran werden die Unidecklackschicht und die getrocknete
Schicht sowie gegebenenfalls die getrocknete Elektrotauchlackschicht gemeinsam physikalisch,
thermisch oder thermisch und mit aktinischer Strahlung, insbesondere thermisch oder
thermisch und mit aktinischer Strahlung gehärtet Dabei werden die vorstehend beschriebenen
Härtungsverfahren angewandt. Dabei kann die thermische Härtung in üblichen und bekannten
Umluftöfen oder mit Hilfe von IR-Lampen erfolgen. Es resultiert somit eine erfindungsgemäße
Mehrschichtiackierung, die mindestens eine, insbesondere eine, Funktionsschicht und
mindestens eine, insbesondere eine, farb- und/oder effektgebende Unidecklackierung
umfaßt.
[0099] Alternativ hierzu wird im weiterem Verlauf des erfindungsgemäßen Verfahrens die getrocknete
Schicht mit mindestens einem, insbesondere einem Wasserbasislack beschichtet, wodurch
eine Wasserbasislackschicht resultiert. Beispiele geeigneter Wasserbasislacke werden
in den eingangs zitierten Patentanmeldungen, insbesondere in der deutschen Patentanmeldung
DE 199 14 896 A 1, Spalte 1, Zeilen 29 bis 49, beschrieben. Die Wasserbasislackschicht
wird anschließend, ohne sie vollständig zu härten, getrocknet. Dabei können die vorstehend
beschriebenen Trocknungsmethoden angewandt werden.
[0100] Im weiteren Verlauf des erfindungsgemäßen Verfahrens wird auf die getrocknete Wasserbasislackschicht
mindestens ein, insbesondere ein, Klarlack appliziert, wodurch eine Klarfackschicht
resultiert Beispiele geeigneter Klarlacke werden in den eingangs genannten Patentanmeldungen,
insbesondere in der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A 1, Spalte 17, Zeile
57, bis Spalte 18, Zeile 30, beschrieben. Sofern es sich nicht um Pulverlacke handelt
können die vorstehend beschriebenen Applikationsverfahren angewandt werden. Beispiele
geeigneter Applikationsverfahren für Pulverlacke werden beispielsweise in der Produkt-Information
der Firma Lacke + Farben AG, "Pulverlacke", 1990, beschrieben.
[0101] Anschließend werden die getrocknete Schicht aus dem erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoff,
die Wasserbasislackschicht und die Klarlackschicht sowie gegebenenfalls die Elektrotauchlackschicht
vorzugsweise thermisch oder thermisch und mit aktinischer Strahlung gehärtet, wobei
die vorstehend beschriebenen Verfahren und Vorrichtungen angewandt werden können.
Hierdurch resultiert eine erfindungsgemäße farb- und/oder effektgebende Mehrschichtlackierung,
die mindestens eine Funktionsschicht, mindestens eine farb- und/oder effektgebende
Wasserbasislackierung und mindestens eine Klarlackierung umfaßt
[0102] In einer weiteren Varianten des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die getrocknete
Schicht aus dem erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoff und die Wasserbasislackschicht
gemeinsam gehärtet Anschließend wird auf die resultierende Wasserbasislackierung mindestens
ein Klarlack appliziert wonach man die resultierende(n) Klarlackschicht(en) härtet,
wobei die vorstehend beschriebenen Verfahren und Vorrichtungen angewandt werden können.
Auch hierdurch resultiert eine erfindungsgemäße farb- und/oder effektgebende Mehrschichtlackierung
des vorstehend beschriebenen Aufbaus
[0103] Die mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellten erfindungsgemäßen farb-
und/oder effektgebenden Mehrschichtlackierungen weisen einen hervorragenden Verlauf,
eine gleichmäßig glatte Oberfläche, eine hohe Zwischenschichthaftung und hervorragende
optische Eigenschaften (Appearance) auf. Gegenüber farb- und/oder effektgebenden Mehrschichtlackierungen,
die keine Funktionsschicht i. S. der vorliegenden Erfindung, sondern lediglich eine
Einbrennfüllerlackierung aufweisen, treten bei der Verwendung ein und desselben Wasserbasislacks
keine oder nur geringe Effekt- und/oder Farbtonverschiebungen ein.
Beispiele und Vergleichsversuch
Herstellbeispiel 1
Die Herstellung einer wäßrigen Dispersion, enthaltend ein Polyurethan (A)
[0104] Für die Beispiele und den Vergleichsersuch wurde die wäßrige Dispersion eines Polyurethans
(A) gemäß der in der deutschen Patentanmeldung DE 44 38 504 A 1, Seite 5, Zeilen 24
bis 42, »1. Herstellung von wasserverdünnbaren Polyurethanharzen; 1.1 Polyurethanharz«,
angegebenen Vorschrift hergestellt
Beispiele 1 und 2 sowie Vergleichsversuch V1
Die Herstellung der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe 1 und 2 (Beispiele
1 und 2) sowie des nicht erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffs V1 (Vergleichsversuch
V1)
[0105] Die erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe 1 und 2 und der nicht erfindungsgemäße
Funktions-Beschichtungsstoff V1 wurden durch Vermischen der in der Tabelle 1 angegebenen
Bestandteile in der angegebenen Reihenfolge und Homogenisieren hergesteltt.
Tabelle 1:
| Die Zusammensetzung der erfindungsgemäßen Funktions-Beschichtungsstoffe 1 und 2 (Beispiele
1 und 2) und des nicht erfindungsgemäßen Funktions- Beschichtungsstoffs V1 (Vergleichsversuch
V1) |
| Bestandteile |
Beispiele: |
| |
1
V1 |
2 |
| Pigmentpaste: |
|
|
| Polyurethandispersion des Herstellbeispiels 1 |
32, 1 |
32, 1 |
| 32,1 |
|
| Additol ® XW 395 (handelsübliches Verlaufmittel der Firma Solutia) |
0,48 |
0,48 |
| 0,48 |
|
| Tensid S (handelsübliches Netzmittel der Firma BASF Aktiengesellschaft) |
0,5 |
0,5 |
| 0,5 |
|
| Aerosil ® R 972 (handelsübliches pyrogenes Siliziumdioxidder Firma Degussa) |
0,34 |
0,34 |
| 0,34 |
|
| Aerosil ® R 805 (handelsübliches pyrogenes Siliziumdioxid der Firma Degussa) |
1,02 |
1,02 |
| 1,02 |
|
| Deionisiertes Wasser |
1,45 |
1,45 |
| 1,45 |
- |
| Flammruß 101 (handelsüblicher Ruß der Firma Degussa) |
0,9 |
0,9 |
| 0,9 |
|
| Sicomix-Schwarz 00-6190 (handelsübliches Schwarzpigment der Firma Degussa) |
2,4 |
2,4 |
| 2,4 |
|
| Talkum 10 MO Micro (handelsüblicher Füllstoff der Firma Luzenac de France) |
3,6 |
3,6 |
| 3,6 |
|
| Titan Rutil R 900-28 (handelsübliches Titandioxidpigment der Firma DuPont) |
0,76 |
0,76 |
| 0,76 |
|
| Aluminiumsilikat ASP 200 (handelsüblicher Füllstoff der Firma Engelhard) |
5,8 |
5,8 |
| 5,8 |
|
| Deionisiertes Wasser |
1,4 |
1,4 |
| 1,4 |
|
| Deionisiertes Wasser |
1,3 |
1,3 |
| 1,3 |
|
| Auflackung: |
|
|
| Viacryl ® VSC 6295 (handelsübliche wäßrige Dispersion eines Methacrylatcopolymerisats,
das mit Adipinsäuredihydrazid vemetzbar ist; Hersteller: Solutia) |
9,9 |
19,8 |
| Polyurethandispersion des Herstellbeispiels 1 |
16,5 |
- |
| 32,1 |
|
| Cymel ® 1133 (handelsübliches Melaminharz der Firma Dyno-Cytec) |
0,9 |
0,9 |
| 0,9 |
|
| Pluriol ® P900 (handelsübliches Polyetherpolyol der BASF Aktiengesellschaft) |
0,8 |
0,8 |
| 0,8 |
|
| Byk ® 346 (handelsübliches Silikontensid der Firma Byk Chemie) |
0,4 |
0,4 |
| 0,4 |
|
| Byketol ® WS (handelsübliches Additiv der Firma Byk Chemie) |
0,8 |
0,8 |
| 0,8 |
|
| Serad ® FX 1010 (handelsübliches Rheologiehilfsmittel der Firma Servo Delden) |
10 |
10 |
| 10 |
|
| Deionisiertes Wasser |
9,1 |
15,25 |
| 2,95 |
|
| Festkörpergehalt: |
35,84 |
35,86 |
| 35,81 |
|
| Pigment-Bindemittel-Verhältnis: |
0,64 |
0,5 |
| |
0,89 |
|
Beispiele 3 und 4 und Vergleichsversuche V2 und V3
Die Herstellung erfindungsgemäßer Mehrschichtlackierungen (Beispiele 3 und 4) und
einer nicht erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierung (Vergleichsersuch V2)
[0106] Für das Beispiel 3 wurde der Funktions-Beschichtungsstoff des Beispiels 1 und für
das Beispiel 4 der Funktions-Beschichtungsstoff des Beispiels 2 verwendet.
[0107] Für den Vergleichsersuch V2 wurde der Funktions-Beschichtungsstoff des Vergleichsversuchs
V1 verwendet.
[0108] Für die Herstellung der Mehrschichdacklerungen wurden Stahltafeln mit einer üblichen
und bekannten kathodischen abgeschiedenen Elektrotauchlackierung beschichtet. Auf
die Elektrotauchlackierung wurde ein handelsüblicher Füller (Ecoprime ® 130 der Firma
BASF Coatings AG) pneumabsch appliziert und anschließend während 30 Minuten bei 130
°C eingebrannt, so daß eine Füllerlackierung resultierte.
[0109] Die beschichtete Oberfläche der Stahltafeln wurde jeweils zur Hälfte mit den Funktions-Beschichtungsstoffen
der Beispiele 1 und 2 (Beispiele 3 und 4) und des Vergleichsversuchs V1 (Vergleichsversuche
V2) beschichtet, so daß stets die Hälfte der herkömmlichen Füllerlackierung sichtbar
blieb. Die resultierenden Schichten aus den Funktions-Beschichtungsstoffen der Beispiele
1 und 2 und des Vergleichsversuchs V1 wurden während 10 Minuten bei 60°C getrocknet
[0110] Anschließend wurde die gesamte beschichtete Oberflächen der Stahltafeln mit einem
handelsüblichen Wasserbasislack im Farbton Brillantsilber der Firma BASF Coatings
AG beschichtet und während 10 Minuten bei 60 °C getrocknet Danach wurden die beiden
Schichten während 30 Minuten bei 130 °C in einem Umluftofen eingebrannt.
[0111] Die resultierenden erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierungen der Beispiele 3 und
4 sowie die resultierende nicht erfindungsgemäße Mehrschichtlackierung des Vergleichsversuchs
V2 wurden farbmetrisch mit dem Standard »eingebrannter Ecoprime ® 130 / Wasserbasislackierung«
direkt verglichen. Dabei ergab sich bei der erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierung
des Beispiels 3 eine Farbtonverschiebung D von nur 2,9 und bei der erfindungsgemäßen
Mehrschichtlackierung des Beispiels 4 eine Farbtonverschiebung D von nur 1,5, wogegen
die nicht erfindungsgemäße Mehrschichtlackierung des Vergleichsversuchs V2 eine Farbtonverschiebung
D von 6,3 zeigte.
1. Naß-in-naß-Verfahren zur Herstellung farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen,
die mindestens eine Funktionsschicht und mindestens eine farb- und/oder effektgebende
Unidecklackierung oder alternativ mindestens eine farb- und/oder effektgebende Basislackierung
und mindestens eine Klarlackierung enthalten, wobei man bei dem Verfahren
(1) wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe auf grundierte oder ungrundierte Substrate
appliziert, wonach man
(2) die resultierenden Schichten der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe, ohne
sie vollständig zu härten, trocknet,
(3) die getrockneten Schichten (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit
wäßrigen Unidecklacken beschichtet, wonach man
(4) die Schichten (2) und (3) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten und
die Unidecklackierungen resultieren;
oder alternativ
(3) die getrockneten Schichten (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit
Wasserbasislacken beschichtet, wonach man
(4) die resultierenden Wasserbasislackschichten (3), ohne sie vollständig zu härten,
mit Klarlacken beschichtet, wonach man
(5) die Schichten (2), (3) und (4) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten,
die Basislackierungen und die Klarlackierungen resultieren;
oder alternativ
(3) die getrockneten Schicht (2) der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe mit Wasserbasislacken
beschichtet,
(4) die resultierenden Wasserbasislackschichten (3) und die getrockneten Schichten
(2) gemeinsam härtet, wodurch die Funktionsschichten und die Basislackierungen resultieren,
und
(5) die Wasserbasislackierungen mit Klarlacken beschichtet, wonach man
(6) die resultierenden Klarlackschichten (5) härtet, wodurch die Klarlackierungen
resultieren;
dadurch gekennzeichnet, daß man wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe, enthaltend
(A) mindestens ein vernetzbares Bindemittel,
(B) mindestens ein separates, wasserlösliches und/oder - dispergierbares Vernetzungssystem,
das in und/oder auf der Matrix der nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten
(2) aus den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen für sich selbst partiell oder
vollständig vernetzt, bevor die Bindemittel (A) vernetzen, und
(C) mindestens ein Pigment,
verwendet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bindemittel (A) aus der Gruppe, bestehend aus gesättigten, ungesättigten und
mit olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropften, ionisch oder nichtionisch sowie
ionisch und nichtionisch stabilisierten Polyurethanen, ausgewählt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Vernetzungssystem (B) aus der Gruppe, bestehend aus physikalisch, thermisch,
mit aktinischer Strahlung sowie thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbaren
Vernetzungssystemen, ausgewählt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Vernetzungssystem (B) aus der Gruppe; bestehend aus thermisch oder thermisch
und mit aktinischer Strahlung härtbaren Vernetzungssystemen, ausgewählt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Vernetzungssystem (B) aus der Gruppe, bestehend aus thermisch fremd- und selbstvernetzenden
Vernetzungssystemen, ausgewählt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, das Vernetzungssystem (B) über Ketogruppen und Hydrazidgruppen thermisch vernetzt
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Pigmente (C) aus der Gruppe, bestehend aus farb- und/oder effektgebenden, fluoreszierenden,
elektrisch leitfähigen und magnetisch abschirmenden Pigmenten, Metallpulvern, organischen
und anorganischen, transparenten und opaken Füllstoffen und Nanopartikeln ausgewählt
werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Herstellung der Grundierung auf die Substrate Elektrotauchlacke appliziert,
die resultierenden Elektrotauchlackschichten, ohne sie vollständig zu härten, mit
den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen und den Unidecklacken oder alternativ
mit den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen, den Wasserbasislacken und den Klarlacken
überschichtet, wonach man alle Schichten gemeinsam oder die Elektrotauchlackschichten,
die Schichten der Funktions-Beschichtungsstoffe und die Wasserbasislackschichten gemeinsam
und die Klarlackschichten separat härtet
9. Wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe, enthaltend
(A) mindestens ein Bindemittel,
(B) mindestens ein separates, wasserlösliches und/oder - dispergierbares Vernetzungssystem,
das in und/oder auf der Matrix der nassen, trocknenden und/oder getrockneten Schichten
(2) aus den wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffen für sich selbst partiell oder
vollständig vernetzt, bevor die Bindemittel (A) vernetzen, und
(C) mindestens ein Pigment,
und wobei das Vernetzungssystem (B)
(B1) mindestens einen Bestandteil, der im statistischen Mittel mindestens zwei Ketogruppen
im Molekül enthält, und
(B 2) mindestens einen Bestandteil, der im statistischen Mittel mindestens zwei Hydrazidgruppen
im Molekül enthält,
und/oder
(B 3) mindestens einen Bestandteil, der im statistischen Mittel mindestens zwei Ketogruppen
und mindestens zwei Hydrazidgruppen im Molekül enthält,
umfaßt oder hieraus besteht.
10. Wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Bindemittel (A) aus der Gruppe, bestehend aus gesättigten, ungesättigten und
mit olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropften, ionisch oder nichtionisch sowie
ionisch oder nichtionisch stabilisierten Polyurethanen, ausgewählt werden.
11. Wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Pigmente (C) aus der Gruppe, bestehend aus farb- und/oder effektgebenden, fluoreszierenden,
elektrisch leitfähigen und magnetisch abschirmenden Pigmenten, Metallpulvern, organischen
und anorganischen, transparenten und opaken Füllstoffen und Nanopartikeln ausgewählt
werden.
12. Wäßrige Funktions-Beschichtungsstoffe nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß das Pigment-Bindemittel-Verhältnis bei 0,1 : 1 bis 3 : 1 liegt.
13. Verwendung der wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe gemäß einem der Ansprüche 9
bis 12 für die Herstellung farb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen.
14. Verwendung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die wäßrigen Funktions-Beschichtungsstoffe zur Herstellung von Funktionsschichten,
Füllern, Steinschlagschutzgrundierungen, Unidecklackierungen und Basislackierungen
verwendet werden.
1. Wet-on-wet process for producing multicoat colour and/or effect coating systems which
comprise at least one functional coat and at least one solid-colour and/or effect
topcoat or alternatively at least one colour and/or effect basecoat and at least one
clearcoat in which process
(1) aqueous functional coating materials are applied to primed or unprimed substrates,
and then
(2) the resulting films of the aqueous functional coating materials, without being
fully cured, are dried,
(3) the dried films (2) of the aqueous functional coating materials are coated with
aqueous solid-colour topcoat materials, and then
(4) the films (2) and (3) are cured together, to give the functional coats and the
solid-colour topcoats;
or alternatively
(3) the dried films (2) of the aqueous functional coating materials are coated with
aqueous basecoat materials, and then
(4) the resulting aqueous basecoat films (3), without being fully cured, are coated
with clearcoat materials, and then
(5) the films (2), (3), and (4) are cured together, to give the functional coats,
the basecoats, and the clearcoats;
or alternatively
(3) the dried films (2) of the aqueous functional coating materials are coated with
aqueous basecoat materials,
(4) the resulting aqueous basecoat films (3) and the dried films (2) are cured together,
to give the functional coats and the basecoats, and
(5) the aqueous basecoats are coated with clearcoat materials, and then
(6) the resulting clearcoat films (5) are cured, to give the clearcoats;
characterized in that aqueous functional coating materials are used comprising
(A) at least one crosslinkable binder,
(B) at least one separate, water-soluble and/or -dispersible crosslinking system which
independently effects partial or complete crosslinking in and/or on the matrix of
the wet, drying and/or dried films (2) of the aqueous functional coating materials
before the binders (A) crosslink completely, and
(C) at least one pigment.
2. Process according to Claim 1, characterized in that the binders (A) are selected from the group consisting of ionically or nonionically,
and also ionically and nonionically, stabilized polyurethanes which are saturated,
unsaturated and/or grafted with olefinically unsaturated compounds.
3. Process according to Claim 1 or 2, characterized in that the crosslinking system (B) is selected from the group consisting of crosslinking
systems curable physically, thermally, with actinic radiation, and both thermally
and with actinic radiation.
4. Process according to Claim 2 or 3, characterized in that the crosslinking system (B) is selected from the group consisting of crosslinking
systems curable thermally or both thermally and with actinic radiation.
5. Process according to Claim 4, characterized in that the crosslinking system (B) is selected from the group consisting of thermally externally
crosslinking and self-crosslinking systems.
6. Process according to Claim 5, characterized in that the crosslinking system (B) is crosslinked thermally by way of keto groups and hydrazide
groups.
7. Process according to any of Claims 1 to 6, characterized in that the pigments (C) are selected from the group consisting of colour and/or effect pigments,
fluorescent pigments, electrically conductive pigments, and magnetically shielding
pigments, metal powders, organic and inorganic, transparent and opaque fillers, and
nanoparticles.
8. Process according to any of Claims 1 to 7, characterized in that the primer on the substrates is prepared by applying electrocoat materials, overcoating
the resulting electrocoat films, without fully curing them, with the aqueous functional
coating materials and the solid-colour topcoat materials or alternatively with the
aqueous functional coating materials, the aqueous basecoat materials, and the clearcoat
materials, then curing all films together or curing the electrocoat films, the films
of the functional coating materials, and the aqueous basecoat films together and the
clearcoat films separately.
9. Aqueous functional coating materials comprising
(A) at least one binder,
(B) at least one separate, water-soluble and/or -dispersible crosslinking system which
independently effects partial or complete crosslinking in and/or on the matrix of
the wet, drying and/or dried films (2) of the aqueous functional coating materials
before the binders (A) crosslink completely, and
(C) at least one pigment,
and the crosslinking system (B) comprising or consisting of
(B1) at least one constituent containing on average per molecule at least two keto
groups, and
(B2) at least one constituent containing on average per molecule at least two hydrazide
groups,
and/or
(B3) at least one constituent containing on average per molecule at least two keto
groups and at least two hydrazide groups.
10. Aqueous functional coating materials according to Claim 9, characterized in that the binders (A) are selected from the group consisting of ionically or nonionically,
and also ionically and nonionically, stabilized polyurethanes which are saturated,
unsaturated and/or grafted with olefinically unsaturated compounds.
11. Aqueous functional coating materials according to Claim 9 or 10, characterized in that the pigments (C) are selected from the group consisting of colour and/or effect pigments,
fluorescent pigments, electrically conductive pigments, and magnetically shielding
pigments, metal powders, organic and inorganic, transparent and opaque fillers, and
nanoparticles.
12. Aqueous functional coating materials according to any of Claims 9 to 11, characterized in that the pigment:binder ratio is from 0.1:1 to 3:1.
13. Use of the aqueous functional coating materials according to any of Claims 9 to 12
to produce multicoat colour and/or effect coating systems.
14. Use according to Claim 13, characterized in that the aqueous functional coating materials are used to produce functional coats, primer-surfacer
coats, antistoneship primer coats, solid-colour topcoats, or basecoats.
1. Procédé humide-humide de réalisation de peintures en plusieurs couches qui apportent
une couleur et/ou un effet et qui contiennent au moins une couche fonctionnelle et
au moins une peinture en une seule couche qui apporte une couleur et/ou un effet ou,
en variante, au moins une peinture de base qui apporte une couleur et/ou un effet
et au moins un vernis, le procédé comportant les étapes qui consistent à:
(1) appliquer des enduits fonctionnels aqueux sur des supports recouverts ou non d'une
couche de base,
(2) sécher ensuite, sans les durcir complètement, les couches d'enduits fonctionnels
aqueux ainsi obtenues,
(3) revêtir les couches séchées (2) d'enduits fonctionnels aqueux de peintures aqueuses
en une seule couche et
(4) durcir ensemble les couches (2) et (3) pour obtenir les couches fonctionnelles
et les peintures en une seule couche
ou, en variante,
(3) appliquer des peintures à base d'eau sur les couches séchées (2) d'enduits fonctionnels
aqueux,
(4) appliquer ensuite du vernis sur les couches (3) de peintures à base d'eau ainsi
obtenues, sans durcir complètement celles-ci et
(5) durcir ensuite ensemble les couches (2), (3) et (4) pour obtenir les couches fonctionnelles,
les peintures de base et les vernis
ou, en variante,
(3) revêtir de peintures à base d'eau les couches séchées (2) d'enduits fonctionnels
aqueux,
(4) durcir ensemble les couches (3) de peintures à base d'eau ainsi obtenues et les
couches séchées (2) pour obtenir les couches fonctionnelles et les peintures de base,
(5) appliquer du vernis sur les peintures à base d'eau et
(6) durcir ensuite les couches de vernis qui en résultent (5) pour obtenir les vernis,
caractérisé en ce que l'on utilise des enduits fonctionnels aqueux qui contiennent:
(A) au moins un liant réticulable,
(B) au moins un système de réticulation séparé, soluble dans l'eau et/ou dispersible
dans l'eau, qui réticule partiellement ou totalement de lui-même dans et/ou sur la
matrice des couches (2) humides, en cours de séchage et/ou sèches d'enduits fonctionnels
aqueux avant que les liants (A) réticulent et
(C) au moins un pigment.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on sélectionne les liants (A) dans le groupe constitué des polyuréthanes saturés ou
insaturés et stabilisés en conditions ioniques ou non ioniques ainsi qu'ioniques et
non ioniques et greffés sur des composés oléfiniquement insaturés.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce qu'on sélectionne le système de réticulation (B) dans le groupe constitué des systèmes
de réticulation durcissables physiquement, thermiquement, par rayonnement actinique
ainsi que thermiquement et par rayonnement actinique.
4. Procédé selon la revendication 2 ou 3, caractérisé en ce que l'on sélectionne le système de réticulation (B) dans le groupe constitué des systèmes
de réticulation durcissables thermiquement ou thermiquement et par rayonnement actinique.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que l'on sélectionne le système de réticulation (B) dans le groupe constitué des systèmes
de réticulation thermiquement hétéroréticulants et autoréticulants.
6. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce que l'on réticule thermiquement le système de réticulation (B) au moyen de groupes cétone
et de groupes hydrazide.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que l'on sélectionne les pigments (C) dans le groupe constitué des pigments, poudres
métalliques, charges organiques ou minérales, transparentes ou opaques et nanoparticules
qui apportent une couleur et/ou un effet, sont fluorescents, électriquement conducteurs
ou offrent une protection magnétique.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, caractérisé en ce que pour réaliser la couche de fond, on applique sur les supports une peinture par électrophorèse,
on recouvre sans les durcir complètement les couches de peinture d'électrophorèse
obtenues par les enduits fonctionnels aqueux et les peintures en une seule couche
ou, en variante, avec les enduits fonctionnels aqueux, les peintures à base d'eau
et les vernis, et ensuite on durcit ensemble toutes les couches ou on durcit les couches
de peinture d'électrophorèse, les couches d'enduits fonctionnels et les couches de
peintures à base d'eau, d'une part, et les couches de vernis, d'autre part.
9. Enduit fonctionnel aqueux qui contient:
(A) au moins un liant,
(B) au moins un système de réticulation séparé, soluble dans l'eau et/ou apte à être
dispersé dans l'eau, qui réticule partiellement ou totalement de lui-même dans et/ou
sur la matrice des couches (2) humides, en cours de séchage et/ou sèches d'enduits
fonctionnels aqueux avant que les liants (A) réticulent et
(C) au moins un pigment.
et dans lequel le système de réticulation (B) contient ou est constitué
(B1) d'au moins un composant dont la molécule contient au moins deux groupes cétone
en moyenne statistique et
(B2) d'au moins un composant dont la molécule contient au moins deux groupes hydrazide
en moyenne statistique
et/ou
(B3) d'au moins un composant dont la molécule contient en moyenne statistique au moins
deux groupes cétone et au moins deux groupes hydrazide.
10. Enduits fonctionnels aqueux selon la revendication 9, caractérisés en ce qu'on sélectionne les liants (A) dans le groupe constitué des polyuréthanes saturés ou
insaturés et stabilisés en conditions ioniques ou non ioniques ainsi qu'ioniques et
non ioniques et greffés sur des composés oléfiniquement insaturés.
11. Enduits fonctionnels aqueux selon la revendication 9 ou 10, caractérisés en ce que l'on sélectionne les pigments (C) dans le groupe constitué des pigments, poudres
métalliques, charges organiques ou minérales, transparentes ou opaques et nanoparticules
qui apportent une couleur et/ou un effet, sont fluorescents, électriquement conducteurs
ou offrent une protection magnétique.
12. Enduits fonctionnels aqueux selon l'une quelconque des revendications 9 à 11, caractérisés en ce que le rapport pigment-liant est compris entre 0,1:1 et 3:1.
13. Utilisation des enduits fonctionnels aqueux selon l'une quelconque des revendications
9 à 12 pour réaliser des peintures en plusieurs couches qui apportent une couleur
et/ou un effet.
14. Utilisation selon la revendication 13, caractérisée en ce qu'on utilise les enduits fonctionnels aqueux pour réaliser des couches fonctionnelles,
des charges, des peintures de fond qui protègent contre les impacts de gravillons,
des peintures en une seule couche et des peintures de base.