[0001] Die Erfindung betrifft eine Dichtung zwischen den relativ zueinander drehbaren Teilen
eines Drehschieberventils. Die Abdichtung zwischen den beiden relativ zueinander drehbaren
Teilen eines Drehschieberventils hat die Funktion, sowohl in der Schließstellung als
auch in der Öffnungsstellung des Drehschieberventils sowie in jeder Zwischenstellung
zu verhindern, dass Strömungsmittel über den Spalt zwischen den beiden relativ zueinander
drehbaren Teilen auslecken kann. Ebenso bedeutsam kann allerdings auch die Funktion
sein, das Eindringen von Fremdstoffen wie beispielsweise Schmieröl über den Spalt
zwischen den relativ zueinander drehbaren Teilen des Drehschieberventils in die vom
Drehschieberventil beeinflussten Strömungsmittelkanäle zu verhindern.
[0002] Die vorliegende Erfindung hat insbesondere, wenngleich nicht ausschließlich, die
Anwendung von Drehschieberventilen als Einlaß- und Auslassventile bei Kolbenverbrennungsmotoren
im Blick, was an sich schon lange Zeit bekannt ist (z.B. CH-PS 222 337 aus dem Jahre
1943).
[0003] Im Zusammenhang mit dem Einsatz von Drehschieberventilen zur Ladungssteuerung von
Kolbenverbrennungsmotoren ist es beispielsweise aus der EP 0 099 837 A2 bekannt, die
Abdichtung zwischen dem walzenförmigen Drehschieberkörper und dem in aufnehmenden
Gehäuse im Bereich der mit dem Zylinder verbundenen Gehäuseöffnung durch einen Dichtungsring
herzustellen, der in einer Ringnut sitzt, welche die als Einlassbohrung oder Auslassbohrung
zum Zylinder dienende Gehäuseöffnung konzentrisch umgibt und am Nutboden über Druckfedern
abgestützt ist. Der Dichtungsring hat dabei eine Zylinderringform mit unterer, vom
Drehschieberkörper abgewandter Stirnfläche und der zylindrischen Walzenkontur des
Drehschieberkörpers entsprechend gewölbter oberer, dem Drehschieberkörper zugewandter
Stirnfläche, und er wird durch eine Mehrzahl von zwischen Nutboden und Dichtungsring
sitzenden jeweils in Sackbohrungen des Dichtungsrings greifenden Schraubendruckfedern
in Anlage am Drehschieberkörper vorgespannt gehalten, der unter anderem aus einem
keramischen Material bestehen kann.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine verbesserte Dichtungsanordnung zwischen einem
Drehschiebergehäuse und einem relativ dazu drehbaren Drehschieberkörper im Bereich
einer Öffnung des Gehäuses oder des Drehschieberkörpers zu schaffen. Bei einer Anwendung
des Drehschieberventils als Einlaß- oder Auslassventil eines Verbrennungsmotors wird
im allgemeinen die Dichtungsanordnung der Gehäuseöffnung zuzuordnen sein, wenn diese
die Einlassöffnung oder Auslassöffnung des Zylinders bildet. Es sind aber auch Anwendungsfälle
vorstellbar, an denen der Drehschieberkörper feststeht und die Dichtungsanordnung
der Drehschieberkörperöffnung zuzuordnen ist und das Drehschiebergehäuse sich relativ
zum Drehschieberkörper dreht.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 angegebene Dichtungsanordnung gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0006] Die erfindungsgemäße Dichtungsanordnung verwendet den Strömungsmitteldruck im Strömungskanal
bzw. in der von der Dichtungsanordnung umgebenen Öffnung zur Erzeugung bzw. Unterstützung
des Anlagedrucks des Dichtungsrings an der Gegenfläche. Der jeweils erzeugte Anlagedruck
ist damit abhängig von dem Strömungsmitteldruck. Damit ist der Dichtungsanpressdruck
jeweils nur gerade so groß, wie er unter den gegebenen Druckbedingungen für eine zuverlässige
Abdichtung notwendig ist. Bei dem oben erwähnten Stand der Technik muß der gewählte
Anpressdruck dagegen so groß sein, dass er im ungünstigsten Fall für eine saubere
Abdichtung ausreicht.
[0007] Die erfindungsgemäße Dichtungsanordnung hat damit mehrere Vorteile. Zum einen entfällt
die Notwendigkeit von ausreichend starken Federn, um einen die saubere Abdichtung
gewährleistenden Anpressdruck des Dichtungsrings an die Gegenfläche zu erzeugen, sondern
bei der Erfindung bedarf es nur einer relativ kleinen Grundvorspannung des Dichtungsrings,
um diesen überhaupt aus der ihn aufnehmenden Nut heraus in Anlage an die Gegenfläche
zu heben. Damit ist in der Nut deutlich weniger konstruktiver Platzbedarf erforderlich,
was auch die notwendige Ausdehnung der Nut verringert. Des weiteren ist bei der erfindungsgemäßen
Dichtungsanordnung die Störungsgefahr in Gestalt der Gefahr von Federbrüchen durch
Überlastung oder Übermüdung sowie auch die Gefahr einer durch Ermüdung oder Ausleiern
der Federn mit dadurch veränderten Andrückeigenschaften eliminiert. Die Beanspruchung
der Dichtungsringstirnfläche und/oder der Dichtungsgegenfläche wird im zeitlichen
Mittel verringert und dadurch wird auch der mögliche Verschleiß reduziert.
[0008] Zur Erzeugung der Grundvorspannung des Dichtungsrings kann bei der erfindungsgemäßen
Dichtungsanordnung zweckmäßigerweise zwischen Nutgrund und Dichtungsring eine Blattfeder
angeordnet sein, die nur eine geringere Grundvorspannung erzeugt, damit der Dichtungsring
nicht in die Dichtungsnut "fällt", die schon wegen der Berücksichtigung der notwendigen
Toleranzen den Dichtungsring ein gewisses Bewegungsspiel gestatten muß. Diese Blattfeder
muß daher nur eine geringe Kraft aufbringen sowie einen geringen Federweg und kann
daher kleiner ausgebildet sein und ist weitaus weniger bruchgefährdet oder betriebsbedingten
Veränderungen der Federcharakteristik unterworfen, als dies bei der oben erwähnten
herkömmlichen Dichtungsanordnung der Fall ist.
[0009] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachstehend unter Bezugnahme auf die anliegenden
Zeichnungen mehr im einzelnen beschrieben. In den Zeichnungen zeigt:
- Fig. 1
- eine auseinandergezogene perspektivische Darstellung eines Drehschieberkörpers und
einer Halbschale als Gehäusebauteil und der Dichtungsanordnung,
- Fig. 2
- die Einzelheit II des in Fig. 1 gezeigten Dichtungsrings,
- Fig. 3
- eine vergrößerte Schnittdarstellung als Funktionsbild der Dichtungsanordnung, und
- Fig. 4
- eine Darstellung ähnlich Fig. 3 mit weiteren Modifikationen des Dichtungsrings.
[0010] Fig. 1 zeigt in auseinandergezogener Darstellung einen etwa walzenförmigen Ventilschieberkörper
1 mit einer Mantelfläche 11 und einem Ventilkanal 12 mit einer ersten Mündungsöffnung
13 und einer diametral gegenüberliegenden, aber axial versetzten zweiten Mündungsöffnung
14, weiter ein Gehäusebauteil in Gestalt einer Halbschale 2 mit einer Öffnung 21,
die mit der erwähnten ersten Mündungsöffnung 13 des Ventilkanals 12 des Drehschieberkörpers
1 zusammenwirkt, und einer die Öffnung 21 umgebenden Aufnahmenut 22 für einen Dichtungsring,
weiter einen Dichtungsring 3, der in die Aufnahmenut 22 der Halbschale 2 einzusetzen
ist, und eine ringförmig geformte Blattfeder 4, die zwischen dem Nutgrund und dem
Dichtungsring 3 in die Aufnahmenut 22 der Halbschale 2 einzulegen ist.
[0011] Wie man sieht, ist die Öffnung 21 der Halbschale ebenso wie die Mündungsöffnung 13
des Drehschieberkörpers 1 nicht kreisrund, sondern in jeweils zweckentsprechend gewählter
Weise oval bzw. länglich. Die Aufnahmenut 22, der Dichtungsring 3 und die Blattfeder
4 haben eine entsprechende Form.
[0012] Der Dichtungsring 3 ist, wie Fig. 2 als Einzelheit II der Darstellung in Fig. 1 zeigt,
an einer Stelle des Umfangs geschlitzt, jedoch mit sich gasdicht überlappenden Enden
31, 32 ausgebildet, so dass Veränderungen der Umfangslänge beispielsweise durch Wärmedehnungsbewegungen
ohne begleitende Radialbewegung aufgenommen werden können.
[0013] Die Blattfeder 4 kann in Umfangsrichtung leicht gewellt sein und ist so ausgelegt,
dass sie nur eine schwache Vorspannkraft auf den Dichtungsring 3 ausübt, um diesen
aus dem Nutgrundbereich heraus in Anlage an die Mantelfläche 11 des Drehschieberkörpers
1 zu heben.
[0014] Das Gehäuse, in dem der Drehschieberkörper 1 drehbar sitzt, ist nicht im einzelnen
dargestellt. Es ist zweckmäßigerweise axial geteilt und in dem die Mantelfläche des
Drehschieberkörpers 1 umgebenden Bereich mit Halbschalen ausgebildet, von denen eine
als Halbschale 2 dargestellt ist. Beim Einsatz des Drehschieberventils als Einlaß-
bzw. Auslassventil eines Kolbenmotors bildet das Gehäuse einen Teil des Zylinderkopfs,
und die Öffnung 21 der Halbschale 2 zusammen mit einer entsprechenden Öffnung des
angrenzenden Gehäuseteils steht mit dem Zylinder in Verbindung.
[0015] Fig. 3 zeigt einen vergrößerten schematischen Schnitt durch die Anordnung von Drehschieberkörper
1 und einem Teil eines Zylinderkopfs bildenden Gehäuse 20, wobei hier aus Vereinfachungsgründen
die Halbschale 2 nicht eigens dargestellt ist, sowie dem in der Aufnahmenut 22 sitzenden
Dichtungsring 3. Die Blattfeder 4 aus Fig. 1 ist der Einfachheit halber ebenfalls
in Fig. 3 nicht dargestellt, da Fig. 3 vor allem die Funktion erläutern soll.
[0016] Fig. 3 zeigt, dass die Aufnahmenut 22 sowohl in ihrer Breite als auch in ihrer Tiefe
größer als der Dichtungsring 3 ist, dass weiter der Dichtungsring an der radial äußeren
Nutwand anliegt und ein Zwischenraum zwischen der radial inneren Nutwand und dem Dichtungsring
besteht, und dass auch ein Zwischenraum zwischen der Unterseite des Dichtungsrings
und dem Nutboden der Aufnahmenut 22 besteht. Fig. 3 zeigt weiter, dass der Zylinderraum
über die Öffnung 21 und dem Spalt zwischen Gehäuse 20 und Drehschieberkörper 1 Verbindung
mit den freien Innenraumteilen der Aufnahmenut radial innerhalb und unterhalb des
Dichtungsrings 3 hat. Der Druck des Mediums im Zylinder wirkt also sowohl auf die
radial innere Fläche des Dichtungsrings als auch auf die untere Stirnfläche des Dichtungsrings
und übt somit sowohl einen radialen Anpressdruck gegen die äußere Nutwand als auch
einen auf die untere Stirnfläche des Dichtungsrings wirkenden Anpressdruck gegen die
Mantelfäche 11 des Drehschieberkörpers 1 aus. Je stärker der Druck im Zylinder, desto
stärker ist daher die Anpresskraft, mit welcher der Dichtungsring 3 an die Mantelfläche
11 des Drehschieberkörpers 1 angedrückt wird.
[0017] Fig. 4 zeigt eine Darstellung ähnlich Fig. 3 mit zusätzlichen vorteilhaften Merkmalen
des Dichtungsrings 3.
[0018] Wie man sieht, ist bei der Anordnung nach Fig. 4 die dem Drehschieberkörper 1 zugewandte
dichtende Stirnfläche des Dichtungsrings 3 modifiziert. Ein radial innenliegender
Abschnitt 33 der dichtenden Stirnfläche ist leicht abgeschrägt, so dass er mit der
Mantelfäche 11 des Drehschieberkörpers 1 einen sich verjüngenden Spalt bildet, in
dessen erweiterten Bereich der Druck aus dem Brennraum hineingelangen kann und dadurch
ein quasi berührungsfreies anliegen des übrigen Teils 34 der dichtenden Stirnfläche
erzeugt, in dem ein minimales Gaspolster zwischen diesem Flächenbereich der Mantelfläche
des Drehschieberkörpers erzeugt wird. Dieser dichtende Flächenbereich 34 der Dichtungsringstimfläche
ist vorzugsweise mit einer speziellen Diamantbeschichtung 35 versehen, die eine harte,
verschleißfeste Oberfläche ergibt.
1. Dichtungsanordnung zwischen den relativ zueinander drehbaren Teilen eines Drehschieberventils,
mit einem Dichtungsring (3), der in einer eine Öffnung (21) eines Drehschieberventilteils
(2) umgebenden Aufnahmenut (22) sitzt und mit seiner Stirnfläche dichtend mit der
Mantelfläche (11) des anderen Drehschieberventilteils (1) zusammenwirkt,
dadurch gekennzeichnet, dass der Dichtungsring (3) an der radial äußeren Nutwand der Aufnahmenut (22) anliegt
und von der radial inneren Nutwand der Aufnahmenut sowie vom Nutboden durch einen
mindestens im wesentlichen freien Zwischenraum beabstandet ist, in den über den Spalt
zwischen den beiden Drehschieberventilteilen (1, 2) Strömungsmittel aus der Öffnung
(21) des einen Drehschieberventilteils (2) eindringen und auf die radial innere Wandfläche
sowie die dem Nutboden zugewandte Stirnfläche des Dichtungsrings einwirken kann, und
dass eine schwache Vorspannung des Dichtungsrings (3) gegen die Mantelfläche (11)
des anderen Drehschieberventilteils (1) vorgesehen ist.
2. Dichtungsanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Dichtungsring (3) und dem Nutboden der Aufnahmenut (22) eine Blattfeder
(4) eingelegt ist, die eine schwache Vorspannung des Dichtungsrings (3) in Anlage
mit dem genannten anderen Drehschieberventilteil (1) erzeugt.
3. Dichtungsanordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Dichtungsring (3) radial geschlitzt ist und die den Schlitz begrenzenden Ringenden
(31, 32) sich gasdicht in Umfangsrichtung überlappen.
4. Dichtungsanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der radial innere Abschnitt (33) der dem anderen Drehschieberventilteil (1) zugewandten
Stirnfläche des Dichtungsrings (3) schwach abgeschrägt ist, so dass sich der Dichtspalt
zwischen der Stirnfläche des Dichtungsring (3) und der Mantelfläche (11) des anderen
Drehschieberventilteils (1), bezogen auf den Dichtungsring, radial einwärts schwach
erweitert.
5. Dichtungsanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die mit der Mantelfläche (11) des anderen Drehschieberventilteils (1) dichtend zusammenwirkende
Stirnfläche des Dichtungsrings (3) mindestens in ihrem tragenden Bereich (34) diamantbeschichtet
oder mit einer anderen harten Oberflächenbeschichtung versehen ist.