[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1
und eine entsprechende Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 5.
Derartige Verfahren und die entsprechenden Vorrichtungen werden zumeist von der
kommunalen Abwasserwirtschaft aber auch von Abwasser erzeugenden Betrieben zur Verminderung
von Geruchsbelästigungen durch unkontrollierten Austritt von geruchsintensiven Gasen
aus den Schächten des Abwassemetzes eingesetzt.
[0002] Der Transport häuslicher und industrieller Abwässer erfolgt über Abwassemetze mit
Freigefälle- oder Druckleitungen zu Sammelstationen mit oder ohne Pumpwerk und von
dort zu Abwasserreinigungsanlagen. Dabei bestehen die Rohrleitungsnetze überwiegend
aus Kunststoff- oder Keramikmaterial und die Sammel-, Kontroll- und Pumpwerksschächte
aus nicht korrosionsbeständigen Beton- oder Metallelementen. Auf Grund einer relativ
hohen Verweildauer der Abwässer im Abwassemetz wird wegen Sauerstoffmangels ein Faulprozess
in Gang gesetzt, in dessen Folge auf Grund mikrobiologischer Umwandlungen Sulfide
entstehen, die in Form von Schwefelwasserstoff aus dem Abwasser entweichen. Der Schwefelwasserstoff
hat sehr nachteilige Eigenschaften.
Zum einen ist Schwefelwasserstoff äußerst übelriechend und gesundheitsschädigend.
Davon sind die umliegenden Wohngebiete aber auch das Reparatur- und Wartungspersonal
der Abwasserwirtschaftsbetriebe stark betroffen. Zum anderen ist Schwefelwasserstoff,
der sich durch biochemische Vorgänge zu hochaggressiver Schwefelsäure umwandelt, die
Ursache für biochemische Korrosion. Hierbei werden Beton- und Metallelemente der Abwasserschächte
stark angegriffen und in kürzester Zeit unbrauchbar. Bei Erreichung einer kritischen
Korrosionstiefe an den Bauwerksteilen kann der Abwasserschacht dabei bis zum Einsturz
gefährdet sein. Dadurch entstehen wirtschaftliche Schäden in erheblicher Größenordnung.
Biochemische Korrosion und Geruchsbelästigung stehen somit in einem kausalen Zusammenhang
zu einer Freisetzung von Schwefelwasserstoff. Damit kommt einer Verringerung oder
gar Vermeidung der Freisetzung von Schwefelwasserstoff aus dem Abwasser der Abwasserschächte
eines Abwassernetzes eine sehr große Bedeutung zu.
[0003] Um das Austreten schwefelwasserstoffhaltiger Abluft aus Abwasserschächten zu unterbinden,
sind eine Reihe von technischen Lösungen vorgeschlagen worden, die zufließendes Oberflächenwasser
selbst als Geruchsverschluss verwenden (EP 0 675 238 A2; CH 658 279 A5).
Nachteilig dabei ist die Abhängigkeit der Funktion eines solchen Geruchsverschlusses
von ausreichend Oberflächenwasser. Besonders in wasserarmen Zeiten ist die Funktion
beeinträchtigt. Solche Geruchsverschlüsse weisen eine ungenügende Funktionssicherheit
auf. Zudem lässt sich keine Verringerung der biochemischen Korrosion mit derartigen
Vorrichtungen realisieren.
[0004] Das Austreten schwefelwasserstofthaltiger Abluft aus Abwasserschächten wird, wie
beispielsweise in der DE 101 13 845 A1 offenbart, mittels eines Filters vermindert.
Derartige Filter werden in den Abwasserschacht eingehängt und die aufsteigenden Gase
werden entsprechend herausgefiltert.
Nachteilig bei deren Verwendung ist, dass die Filter in Zeitabständen gereinigt
oder gar ersetzt werden müssen. Filter erreichen über ihre Einsatzdauer keine gleichbleibende
Filterwirkung. Zudem sind Filter unflexibel gegenüber wechselnden Verhältnissen innerhalb
des Abwassernetzes. Als besonders nachteilig beim Einsatz derartiger Filter zeigt
sich verstärkte biochemische Korrosion in den Abwasserschächten. Filter behindern
die notwendige Luftzirkulation in einem Abwassernetz und sind auch auf Grund der hohen
Kosten ungeeignet. Auf unterschiedliche Verhältnisse zu einer Luftzirkulation in vernetzten
Abwasserschächten wird nicht eingegangen.
[0005] Mit der DE 101 07 496 A1 haben die Anmelder eine Vorrichtung zur Vermeidung von Gasaustritt
aus einem Abwasserschacht vorgestellt. Die Vorrichtung besteht aus einer unmittelbar
über einem Gerinne des Abwasserschachtes angeordnete Verschlussplatte, die mittels
einer an ihrem äußeren Umfang angebrachten Dichtung gegen vertikal verlaufende Schachtwände
abdichtbar ausgeführt ist. Die Oberfläche der Verschlussplatte weist dabei eine Neigung
auf, die zu einer kreisförmigen Abflussöffnung verläuft, welche eine darüber befindliche
schwimmfähige Abdichtkugel formschlüssig aufnimmt. Dabei bildet sich zwischen der
kreisförmigen Abflussöffnung der Verschlussplatte und der schwimmfähigen Abdichtkugel
eine linienförmige Abdichtung aus.
Nachteilig dabei ist, dass durch die vollständige Abdichtung des Abwasserschachtes
die notwendige Luftzirkulation in dem Abwasserschacht unterbunden ist und die zwangsläufig
zu einer Veränderung der natürlichen Be- und Entlüftung auch benachbarter Abwasserschächte
eines Abwassernetzes führt. Das Geruchsproblem wird somit auf die benachbarten Abwasserschächte
verlagert. Auf unterschiedliche Verhältnisse zu einer Luftzirkulation in vernetzten
Abwasserschächten wird jedoch nicht eingegangen.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, ein gattungsmäßiges Verfahren und
eine entsprechende Vorrichtung zur Abführung von geruchsintensiven Gasen aus einem
Abwassernetz zu entwickeln, bei dem Geruchsbelästigungen sowohl unter Berücksichtigung
der örtlichen Rahmenbedingungen des Abwassernetzes als auch der Aufrechterhaltung
der notwendigen Luftzirkulation örtlich begrenzt werden.
[0007] Verfahrensseitig wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs
1 gelöst. Zweckdienliche Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen 2 bis
4. Im Bezug auf die Vorrichtung wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale
des Anspruchs 5 gelöst und zweckmäßig durch die Unteransprüche 6 bis 9 ausgestaltet.
[0008] Das erfindungsgemäße Verfahren und die entsprechende Vorrichtung zur kontrollierten
Abführung von geruchsintensiven Gasen aus einem Abwassernetz beseitigt die genannten
Nachteile des Standes der Technik.
Vorteilhaft bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es, dass mit
überschaubarem Aufwand und vergleichsweise geringen Mitteln eine gezielte, örtlich
begrenzbare und sich an ändernde Anforderungen anpassbare Reduzierung von Geruchsbelästigungen
erreichbar ist. Besonders vorteilhaft ist jedoch, dass dabei das gesamte Abwassernetz
Betrachtung findet und eine Verbesserung der Gesamtsituation durch gezielte Leitung
der geruchsintensiven Gase ermöglicht wird. Dabei wird die Durchlässigkeit der Verschlussplatte
mit einer Vielzahl von losen, ineinander verschachtelt angeordneten Formteilchen realisiert,
wobei sowohl die Menge, die Form als auch die Größe der Formteilchen variierbar ist,
so dass eine entsprechend mindere oder verstärkte Durchlässigkeit einstellbar ist.
Gleichzeitig ist eine merkliche Verringerung biochemischer Korrosion innerhalb der
Abwasserschächte realisierbar, was deren Lebensdauer erhöht und somit hohen Instandhaltungskosten
vorbeugt, weil die Vielzahl von Formteilchen die geruchsintensiven Gase behindert
und gleichzeitig als Träger eine Ansiedlung von geruchsstoffabbauenden Mikroorganismen
ermöglicht. Weiterhin ist es vorteilhaft, dass durch Langzeitmessungen, die in allen
oder in speziell interessierenden Schächten des Abwassemetzes durchgeführt werden
können und sowohl saisonale Änderungen der Umgebungsbedingungen als auch bezogen auf
Abwassermenge und dessen Güte eine exakte Einstellung der Durchlässigkeit für Luft
und geruchsintensive Gase durch die Anpassung der Formteilchen vorgenommen werden
kann. Dadurch ist eine jederzeitige flexible Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen
möglich, die ohne große Kosten durchgeführt werden kann.
Vorteilhaft bei der Anwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist es, dass eine
individuelle Einstellung des Gasaustausches über eine einfach gestaltete Verschlussplatte
mit einem verstellbaren Drosselventil realisierbar ist. Dabei ist es von Vorteil,
wenn das Drosselventil in Form einer Vielzahl von losen, ineinander verschachtelt
angeordneten Formteilchen ausgeführt ist, die innerhalb eines Haltenetzes zusammengefasst
sind und die Drosselung über die Menge, die Form und die Größe der Formteilchen variierbar
ist, so dass eine entsprechend mindere oder verstärkte Durchlässigkeit erreicht wird.
Dies ermöglicht sowohl eine kostengünstige Erstausstattung der Schächte des Abwassernetzes
als auch eine kostenfreundliche Anpassung. Es ist vorteilhaft, wenn die Verbindungsöffnung
der Verschlussplatte dabei einen kleineren Durchmesser als den Schachtdurchmesser
aufweist, mittels einer Lochplatte abgedeckt und unterhalb der Verschlussplatte eine
mindestens die Lochplatte überdeckende Aufnahmewanne zur Aufnahme der Formteilchen
aufweist, weil dadurch in einfacher Weise die Formteilchen funktionsgerecht eingebaut
werden können. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Aufnahmewanne rechteckig ausgeführt
und deren jeweils kleinere Seitenflächen ein zirkulationsfähiges Lochmuster besitzen
und abnehmbar ausgeführt sind, weil dadurch ein gedämpftes, horizontales Anströmen
der Formteilchen realisiert wird. Dies wirkt sich positiv auf die Funktionsfähigkeit
und Sicherheit der Vorrichtung aus.
[0009] Die Erfindung soll anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert werden.
Dazu zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Abwasserschachtes mit einer über dem Gerinne angeordneten
Verschlussplatte in einer geschnittenen Seitenansicht und
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung der Figur 1 in einer Aufsicht gleichfalls im Schnitt.
[0010] Ein Abwasserschacht besteht gemäß der Figuren 1 und 2 in der Regel aus einem zylindrischen
Körper mit einer vertikalen Schachtwand 1, einer unteren Sohlplatte 2 mit einem Gerinne
3, die allesamt aus einem Betonmaterial bestehen, sowie einer oberen Schachtabdeckung
4 und einem in den Abwasserschacht hineinragenden Laubfang 5. Sowohl die Schachtabdeckung
4 als auch der Laubfang 5 weisen Öffnungen auf, durch die einerseits Oberflächenwasser
in den Abwasserschacht einströmen und andererseits Luft zirkulieren kann.
Innerhalb des Abwasserschachtes ist direkt oberhalb des Gerinnes 3 der Sohlplatte
2 eine den Querschnitt des Abwasserschachtes verschließende Verschlussplatte 6 angeordnet.
Die Verschlussplatte 6 besteht aus einem korrosionsbeständigen Kunststoff oder einem
Material mit ähnlichem Eigenschaftsprofil. Die Verschlussplatte 6 weist auf ihrer
Unterseite parallel zueinander verlaufende Nuten 7, 7' auf, die sich über die gesamte
Länge der Verschlussplatte 6 erstrecken und die die Verschlussplatte 6 je etwa dritteln
und in einen mittleren Teil 8, einen ersten Flügel 9 und einen zweiten Flügel 9' faltbar
aufteilen.
Zudem ist die Verschlussplatte 6 umfangseitig mit einer Dichtung 10 ausgerüstet,
die die Abdichtung zu der Schachtwand 1 des Abwasserschachtes ermöglicht. Die Dichtung
10 besteht aus Gummi und kann auch aus einem anderen flexiblen Material mit ähnlichen
Eigenschaften bestehen. Gleichmäßig auf einem äußeren Teilkreis der Verschlussplatte
6 verteilt, verfügt diese über vier Arretierelemente 11, mittels derer eine unterschiedliche
Höhenlage der Verschlussplatte 6 innerhalb des Abwasserschachtes lösbar fixierbar
ist. Jedes der Arretierelemente 11 ist dazu exzentrisch und drehbar auf der Verschlussplatte
6 angeordnet. Die Arretierelemente 11 verfügen jeweils über ein nicht näher erläutertes
Aufnahmeelement, in die eine von oberhalb des Abwasserschachtes geführte und nicht
dargestellte Bedienstange eingreifen kann. Dadurch sind die Arretierelemente 11 über
den äußeren Rand der Verschlussplatte 6 hinaus verdrehbar.
Ferner verfügt die Verschlussplatte 6 über eine mittig angeordnete Verbindungsöffnung
mit einem kleineren als dem Querschnitt des Abwasserschachtes. Diese Verbindungsöffnung
ist mittels einer Lochplatte 12 abgedeckt. Unterhalb der Verschlussplatte 6, dabei
die Lochplatte 12 der Verbindungsöffnung überdeckend, ist eine rechteckige Aufnahmewanne
13 an dem mittleren Teil 8 der Verschlussplatte 6 befestigt. Die Ausrichtung der Aufnahmewanne
13 ist durch Verdrehen der Verschlussplatte 6 zu dem Gerinne 3 der Sohlplatte 2 des
Abwasserschachtes veränderbar. Die jeweils kleineren der Seitenflächen 14, 14' der
Aufnahmewanne 13 besitzen ein zirkulationsfähiges Lochmuster und sind abnehmbar ausgeführt.
Innerhalb der Aufnahmewanne 13 ist ein Haltenetz 15 mit einer Vielzahl verschachtelt
angeordneter Formteilchen 16 entnehmbar untergebracht. Die Gesamtheit der Formteilchen
16 bildet dabei einen Durchflusswiderstand für zirkulierende Luft und die darin enthaltenen
geruchsintensiven Gase durch die Verbindungsöffnung der Verschlussplatte 6 aus. Das
Haltenetz 15 besteht aus einem netzförmigen synthetischen Gewebe, dessen Netzmaschen
jeweils kleiner als die kleinsten Formteilchen 16 ausgeführt ist. Die Formteilchen
16 sind kugelig mit einem Durchmesser von etwa 10,0 mm ausgeführt und bestehen aus
Zellkunststoff. Die Formteilchen 16 können abweichende, auch unregelmäßige Formen
und Größen aufweisen und aus einem abweichenden Material bestehen. Es sind sowohl
einheitliche oder untereinander abweichende Formteilchen 16 vorstellbar.
Mittig auf der Oberseite der Verschlussplatte 6 ausgerichtet sind zwei voneinander
beabstandete Entnahmeösen 17, 17' angeordnet. Weiterhin sind auf der Oberseite des
mittleren Teils 8 der Verschlussplatte 6 zwei Leitösen 18, 18' angebracht. Durch die
Leitösen 18, 18' ist ein Montageseil 19 geführt, dessen untere Enden je an dem ersten
Flügel 9 und an dem zweiten Flügel 9' der Verschlussplatte 6 angebracht sind. Das
Montageseil 19 ist aus dem Abwasserschacht herausgeführt, so dass die gefaltete Verschlussplatte
6 an dem Montageseil 19 in den Abwasserschacht eingebbar und herausnehmbar ist. Das
Montageseil 19 ist bei geschlossenem Abwasserschacht an einer Montagehilfe 20 unterhalb
des Laubfangs 5 an der Schachtabdeckung 4 einhängbar ausgeführt und verbleibt in dem
Abwasserschacht.
[0011] Die Handhabung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur kontrollierten Abführung von
geruchsintensiven Gasen aus einem Abwassernetz und der entsprechenden Vorrichtung
dazu soll nun anhand einer Funktionsbeschreibung erläutert werden. Dazu wird durch
eine Bedienperson entsprechend einer vorangegangenen Messung der Konzentration an
Geruchsteilchen in der Abluft des entsprechenden Abwasserschachtes die Verschlussplatte
6 konfektioniert, indem das mit entsprechenden Formteilchen 16 gefüllte Haltenetz
15 in die Aufnahmewanne 13 eingegeben und mittels der gelochten Seitenflächen 14,
14' verschlossen wird. Danach werden die beiden Enden des Montageseils 19 jeweils
durch eine der Leitösen 18, 18' geführt und das eine Ende des Montageseils 19 an dem
Arretierelement 11 auf dem ersten Flügel 9 und das zweite Ende des Montageseils 19
an dem Arretierelement auf dem zweiten Flügel 9' des Verschlussdeckels 6 befestigt.
Nun wird der Verschlussdeckel 6 in entsprechender Weise entlang der Nuten 7, 7' gefaltet
und an dem Montageseil 19 in den Abwasserschacht bis direkt über dem Gerinne 3 heruntergelassen.
Mittels einer nicht dargestellten Bedienstange werden von der Bedienperson von oberhalb
des Abwasserschachtes der erste Flügel 9 und der zweite Flügel 9' des Verschlussdeckels
6 ausgeklappt und der Verschlussdeckel 6 durch Drehen der Arretierelemente 11 in der
gewünschten Höhenlage in dem Abwasserschacht fixiert. Danach befestigt die Bedienperson
das Montageseil 19 an der Montagehilfe 20, so dass danach der Abwasserschacht mit
dem Laubfang 5 voran mit der Schachtabdeckung 4 verschlossen wird.
In entsprechender Weise werden alle weiteren Abwasserschächte des betreffenden
Abwassernetzes mit einer Verschlussplatte 6 ausgerüstet. Durch Ermittlung von Geruchsbelästigung
oberhalb einzelner Abwasserschächte können diese durch gezielte Veränderung der Menge,
Form oder Größe der Formteilchen 16 so eingestellt werden, dass die natürliche Be-
und Entlüftung nur soweit gedämpft wird, dass kein Geruch durch ausströmendes Gas
mehr wahrgenommen wird. Mit der gezielten Konfektionierung der Formteilchen 16 in
jedem einzelnen Abwasserschacht des Abwassernetzes kann der Austritt der Geruchsgase
zum Beispiel in bevölkerten Ballungsgebieten gänzlich vermieden und dafür in weniger
besiedeltem Gebiet vollzogen werden.
Unterstützt durch Langzeitmessungen in allen oder in speziell interessierenden
Abwasserschächten eines Abwassernetzes kann eine noch genauere Anpassung sowohl an
saisonale Änderungen der Umgebungsbedingungen als auch an unterschiedliche Abwassermenge
und dessen Güte vorgenommen werden.
Liste der Bezugszeichen
[0012]
- 1
- Schachtwand des Abwasserschachtes
- 2
- untere Sohlplatte des Abwasserschachtes
- 3
- Gerinne der Sohlplatte
- 4
- Schachtabdeckung
- 5
- Laubfang
- 6
- Verschlussplatte
- 7, 7'
- Nuten der Verschlussplatte
- 8
- mittlerer Teil der Verschlussplatte
- 9, 9'
- erster und zweiter Flügel der Verschlussplatte
- 10
- Dichtung
- 11
- Arretierelement
- 12
- Lochplatte der Verschlussplatte
- 13
- rechteckige Aufnahmewanne
- 14, 14'
- kleine Seitenfläche der rechteckigen Aufnahmewanne
- 15
- Haltenetz der Formteilchen
- 16
- Formteilchen
- 17, 17'
- Entnahmeöse
- 18, 18'
- Leitöse
- 19
- Montageseil
- 20
- Montagehilfe
1. Verfahren zur Abführung von geruchsintensiven Gasen aus einem Abwassernetz mit mehreren,
miteinander verbundenen Abwasserschächten, wobei jeder Abwasserschacht über Gasdurchtrittsöffnungen
mit der Atmosphäre verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die geruchsintensiven Gase innerhalb des Abwassernetzes in Strömungen versetzt werden,
wobei die einzelnen Strömungen zusammengefasst und auf mindestens einen ausgewählten
Abwasserschacht gerichtet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Strömungen der geruchsintensiven Gase zwangsweise erzeugt werden und die Richtung
der Strömungen aus den Unterschieden der Querschnitte der Gasdurchtrittsöffnungen
der Abwasserschächte und die Strömungsintensität aus der Größe der Querschnitte der
Gasdurchtrittsöffnungen bestimmt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die geruchsintensiven Gase vor dem Austritt aus mindestens einem der Abwasserschächte
mit geruchsabbauenden Mikroorganismen in Kontakt gebracht werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass zur Ermittlung der Querschnitte der Gasdurchtrittsöffnungen der jeweiligen Abwasserschächte
Langzeitmessungen in den betreffenden Abwasserschächten des Abwassernetzes durchgeführt
werden, wonach sowohl saisonale Änderungen der Umgebungsbedingungen als auch die Abwassermengen
und die Abwassergüten eine exakte Einstellung der Durchlässigkeit für Luft und geruchsintensive
Gase durch die Anpassung der Formteilchen (16) vorgenommen wird erfasst werden.
5. Vorrichtung zur Abführung von geruchintensiven Gasen aus einem Abwassernetz, bestehend
aus mehreren Abwasserschächten mit jeweils einer, den Abwasserschacht abdeckenden
Verschlussplatte (6) abgedeckt ist, wobei die Verschlussplatte (6) mindestens eine
Gasdurchtrittsöffnung aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Gasdurchtrittsöffnung jeder Verschlussplatte (6) mit einem verstellbaren Drosselventil
ausgestattet ist, das den Gasaustausch durch die Verbindungsöffnung reguliert.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass das Drosselventil in Form einer Vielzahl von losen, ineinander verschachtelt angeordneten
Formteilchen (16) ausgeführt ist, die innerhalb eines Haltenetzes (15) zusammengefasst
sind und die Drosselung über die Menge, die Form und die Größe der Formteilchen (16)
variierbar ist, so dass eine entsprechend mindere oder verstärkte Durchlässigkeit
erreichbar ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Gasdurchtrittsöffnung der Verschlussplatte (6) einen kleineren als den Schachtdurchmesser
aufweist, mittels einer Lochplatte (12) abgedeckt und unterhalb oder oberhalb der
Verschlussplatte (6) eine mindestens die Lochplatte (12) überdeckende Aufnahmewanne
(13) zur Aufnahme der Formteilchen (16) befestigt ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Aufnahmewanne (13) rechteckig oder halbrund ausgeführt ist, die Ausrichtung der
Aufnahmewanne (13) durch Verdrehen der Verschlussplatte (6) zu dem Gerinne (3) des
Schachtes veränderbar ist und die jeweils kleineren der Seitenflächen (14, 14') der
Aufnahmewanne (13) ein zirkulationsfähiges Lochmuster besitzen und abnehmbar ausgeführt
sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Formteilchen (16) als Trägermaterial zur Ansiedlung von geruchsabbauenden Mikroorganismen
ausgelegt sind und die Besiedlungsfläche durch die Form und die Größe der Formteilchen
(16) variierbar ist.