Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft die Konstruktion des Fahrweges einer Magnetschwebebahn, speziell
die exakte Lagerung von Betonfertigteilplatten des Fahrweges auf einem Träger.
Stand der Technik
[0002] Der Fahrweg der Magnetschwebebahn besteht grundsätzlich aus einer Fahrbahnplatte
mit integrierten Führungs- und Tragflächen beziehungsweise Einbauteilen für solche
Tragelemente. Abhängig von der vorhandenen Infrastruktur der Umgebung verläuft der
Fahrweg ebenerdig oder muß entsprechend aufgeständert werden. Die unmittelbaren Tragelemente,
deren Geometrie durch das Fahrzeug in sehr engen Grenzen vorgegeben wird, sind von
der Form bzw. Struktur des Unterbaus unabhängig.
Bisherige Fahrweglösungen sehen für den ebenerdigen Fahrweg knapp über den Boden aufgeständerte
Fertigteilplatten vor. Der hoch aufgeständerte Fahrweg hingegen wurde bisher stets
als eigener Träger mit Spannweiten von 12,4 Metern, 24,8 Metern oder 31 Metern ausgeführt,
wobei der "Fahrweg" in der Regel gleichzeitig als tragender Trägerobergurt ausgebildet
wurde.
[0003] Die Herstellung derartiger Konstruktionen für Magnetschwebebahnen ist bekannt und
wurde im Emsland ausgeführt. Hierzu wurden die exakt vorgefertigten Betonfertigteile
über dem Träger ausjustiert und anschließend mit aushärtendem Mörtel unterfüttert.
Die exakte Lagerung der Betonfertigteilplatten war damit gewährleistet.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß der zur Unterfütterung verwendete Mörtel langfristig
den großen auftretenden dynamischen Belastungen und Witterungseinflüssen nicht gewachsen
ist, so daß dessen Zustand häufig kontrolliert werden muß.
Aufgabe der Erfindung
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine exakte und gleichzeitig dauerhafte und wartungsarme
Lagerung von exakt gefertigten Betonfertigteilen einer Magnetschwebebahn auf mit größeren
Toleranzen gefertigten Tragstrukturen zu ermöglichen.
Darstellung der Erfindung
[0005] Die Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegebenen Merkmale gelöst.
Eine genaue Analyse der Aufgaben einzelner Baukomponenten, deren Fertigung und Montage
insbesondere unter den Aspekten Toleranz, Fertigungsgenauigkeit und Kosten hat nämlich
folgendes Bild ergeben:
- Die seitlichen Führungsflächen und die Einbauteile zur Befestigung der Statorpakete
sind mit außerordentlich hoher Genauigkeit herzustellen. Die geforderte geometrische
Präzision kann unter dem Gesichtspunkt der Qualitätssicherung und der Wirtschaftlichkeit
nur unter Verwendung von Fertigteilen erreicht werden.
- Die Größe solcher "präziser" Fertigteile sollte im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit
auf unter zehn Meter begrenzt werden.
- Die schwere Tragstruktur des Unterbaus kann erheblich preiswerter hergestellt werden,
wenn die strengen Toleranzen des "Fahrweges" unberücksichtigt bleiben.
- Eine Trennung des Fahrweges in einen preiswerten Unterbau und in werksgefertigte "präzise"
Fahrwegelemente ist hinsichtlich Qualität, Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit
sinnvoll.
[0006] Das erfindungsgemäße Konzept sieht daher die Verwendung von bekannten Fertigteil-Fahrwegplatten
(1) justierbar aufgelagert auf einen Unterbauträger (5) vor, der z.B. auch kontinuierlich
ausgebildet sein kann. Ein solcher möglicher kontinuierlicher Unterbau (5) hätte dann
den wesentlichen Vorteil, daß, wie bei einer endlos verschweißten Schiene oder wie
bei der festen Fahrbahn der Unterbau (5) praktisch keine Längsverformung infolge Schwinden
oder Temperatur erfährt. Die relativ kurzen Fahrwegplatten (1) würden in einem solchen
Falle also auf einem quasi verformungsfreien Unterbau (5) befestigt. Eine besondere
Bedeutung kommt der Lagerung der Fertigteil-Fahrwegplatten auf dem Unterbau zu. Zum
einen müssen Fertigungstoleranzen des Ortbetonunterbaus (5) kompensiert werden, zum
anderen müssen die statischen und dynamischen Kräfte aus dem Fahrzeug sicher, dauerhaft
und möglichst wartungsfrei sowie vorzugsweise auch einfach nachjustierbar aufgenommen
werden können.
Um die bisherigen Probleme mörteluntergossener Fahrwegplatten zu vermeiden, sieht
die Erfindung daher eine stahlbaumäßige Verbindung zwischen Fertigteilplatten (1)
und Unterbau (5) vor.
[0007] Hierzu sieht die Erfindung vor, die maßgenau vorgefertigten Fahrwegplatten (1) in
einem geringen Abstand (ungefähr 1 bis 10 Zentimeter, bevorzugt ungefähr 5 Zentimeter)
oberhalb des Unterbaus (5) in Sollage zu justieren, den Zwischenraum zwischen Fahrwegplatte
(1) und Unterbau (5) an den Stellen, an denen die Fahrwegplatte (1) auf dem Unterbau
(5) abgestützt werden soll, auszumessen und in diesen ausgemessenen Zwischenraum zwischen
Fahrwegplatte (1) und Unterbau (5) maßangefertigte Teile aus Stahl oder auch einer
geeigneten anderen Metallegierung oder einem geeigneten Kunststoff oder einem geeigneten
Verbundmaterial als Distanzstücke (3) einzubringen. Beim Einbau dieser Distanzstücke(3)
wird die Fahrwegplatte bevorzugt kurzzeitig etwas über die Sollage angehoben.
An den Auflagerpunkten besitzt die Fahrwegplatte (1) Stahleinbauteile (2), die entsprechend
den statischen Anforderungen dimensioniert und im Beton verankert sind. Ebenso besitzt
der Unterbau (5) an den Auflagerpunkten einbetonierte Stahleinbauteile (4). Der Mittelteil
des Lagers ist sozusagen das Distanzstück (3), daß bei der Montage der Fertigteilplatten
(1) ausgemessen und passend angefertigt beziehungsweise aus einem Rohling passend
gefräst wird.
Das Einjustieren der Fertigteil-Fahrwegplatte (1) erfolgt bei der Montage zum Beispiel
mittels Justierschrauben oder einer ähnlichen Justiereinrichtung auf dem Unterbau
(5) höhen- und lagerichtig. Anschließend wird der Spalt, der bevorzugt größenordnungsmäßig
etwa 5 cm beträgt, an jedem Lager zwischen den oberen und unteren Stahleinbauteilen
(2, 4) vermessen. Wenn es sich bei den Stahleinbauteilen (2, 4) um ebene Platten handelt,
so genügt es, an mindestens drei Punkten zu vermessen, da drei Punkte eine Ebene aufspannen.
Wenn die Stahleinbauteile (2, 4) komplizierter geformt sind, z. B. definierte Ausnehmungen
oder Fortsätze (12) aufweisen, so muß an mehr Punkten gemessen werden.
Mit den aufgenommenen Daten wird zeitnah ein passendes Distanzstück (3) angefertigt,
welches auch eine mögliche Schiefwinkligkeit der oberen und unteren Lagerteile (2,
4) berücksichtigt.
Die eigentliche Befestigung der Fahrwegplatten (1) auf dem Unterbau (5) geschieht
bevorzugt mittels Schraubenverbindung (7, 8, 9). Die Schrauben (7) werden durch die
Lagerteile geführt und vorgespannt.
Die Vorteile des beschriebenen erfindungsgemäßen Stahllagers (2, 3, 4) sind insbesondere:
- Dauerhaftigkeit
- Verformungsfreiheit
- einfache Nachjustierbarkeit durch einfache parallelflächige Futterbleche bei Setzungen
des Unterbaus
- keine Relaxation der Vorspannung durch Kriechen eines Vergußmörtels oder Kunststofflagers
- durch eine zusätzliche Formgebung der Lagerteile (2, 3, 4), insbesondere des individuell
gefertigten Mittelteils (3), kann eine Zwangszentrierung der Fahrwegplatten (1) auf
dem Unterbau (5) erreicht werden. Dies wäre bei der Erstmontage und bei möglichen
späteren Justierungen und von großem Vorteil.
- durch eine zusätzliche Formgebung der Lagerteile (2, 3, 4), insbesondere des individuell
gefertigten Mittelteils (3), können Horizontalkräfte redundant auch bei Ausfall der
Vorspannung der Befestigungsschrauben (7) aufgenommen werden.
- durch eine zusätzliche Formgebung der Lagerteile (2, 3, 4) können auch sämtliche Horizontalkräfte
planmäßig aufgenommen werden.
[0008] Die einbetonierten Stahlteile (2, 4) der Lager können konventionell beschichtet sein
oder auch feuerverzinkt. Das maßangefertigte (z. B. mittels CNC, CAM, CIM gefräste)
mittlere Paßstück (3) ist ebenfalls bevorzugt an den Außenflächen beschichtet. Es
ist jedoch auch möglich sowohl für die einbetonierten Lagerteile (2, 4), als auch
für das mittlere Distanzstück (3) korrosionsfreies Material zu verwenden. Eine kostengünstige
Möglichkeit bietet hier Gußeisen. Ein Hohlraum zwischen Schraube und Innenwand der
Aussparung (11) wird bevorzugt mit Korrosionsschutzfett (10) verpreßt.
[0009] Fig.1 zeigt ein mögliches Ausführungsbeispiel, bei dem das obere (2) und untere Lagerteil
(4) als ebene Platten mit Verankerungen (6) ausgeführt sind und zwischen denen sich
ein maßangefertigter Klotz (3) als Distanzstück befindet. Eine Schraube (7) preßt
Fahrweg (1) und Unterbau (5) aneinander. Fig. 2 zeigt ein mögliches Ausführungsbeispiel,
bei dem das obere (2) und untere Lagerteil (4) nicht als ebene Platten ausgeführt
sind, sondern eine Erhebung (12) mit Aussparung (11) für eine Schraube (7) aufweist.
Das Distanzstück (3) weist dementsprechend maßangefertigt zwei Ausnehmungen (13) auf,
in die die Erhebungen (12) eingreifen und zu einer horizontalen Lagestabilisierung
der Fahrwegplatte (1) auf dem Unterbau (5) führen.
Legende
[0010]
- 1
- Fahrwegplatte
- 2
- oberes Lagerteil
- 3
- maßangefertigtes Distanzstück
- 4
- unteres Lagerteil
- 5
- Unterbau
- 6
- Verankerung
- 7
- Schraube
- 8
- Mutter
- 9
- Unterlegscheibe
- 10
- Korrosionsschutzfett
- 11
- Aussparung
- 12
- Erhebung
- 13
- Ausnehmung
1. Lager für die Lagerung einer Fertigteil-Fahrwegplatte (1) einer Magnetschwebebahn
auf einem Unterbau (5),
dadurch gekennzeichnet, daß sie aus folgenden Teilen besteht:
a.) einem oberen Lagerteil (2) aus Stahl oder Hartmetall, welches in der Fertigteil-Fahrwegplatte
(1) fest verankert (6) ist und zum Unterbau (5) weisend eine definierte beschichtete
oder unbeschichtete Fläche aufweist
b.) einem unteren Lagerteil (4) aus einem Stahl oder Hartmetall, welches im Unterbau
(5) fest verankert (6) ist und zur Fahrwegplatte (1) weisend eine definierte beschichtete
oder unbeschichtete Fläche aufweist
c.) einem mittleren Distanzstück (3) aus einem beschichteten oder unbeschichteten
Stahl, einer Metallegierung, einem Kunststoff oder einem Verbundmaterial, welches
genau den Sollabstand zwischen oberem (2) und unterem Lagerteil (4) überbrückt und
an seiner dem oberen (2) und unteren Lagerteil (4) zugewandten Seite genau an die
Form und Ausrichtung der Fläche des oberen Lagerteils (2) und des unteren Lagerteils
(4) angepaßt wurde.
2. Lager nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der nach unten weisenden Fläche des oberen Lagerteils (2) um eine Ebene
handelt.
3. Lager nach mindestens einem der Ansprüche 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der nach oben weisenden Fläche des unteren Lagerteils (4) um eine Ebene
handelt.
4. Lager nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß das obere (2) und untere Lagerteil (4) sowie das Distanzstück (3) eine oder mehrere
Aussparungen (11) für eine oder mehrere Schrauben (7) aufweist, die das obere Lagerteil
(2) mit der daran befestigten Fahrwegplatte (1) und das untere Lagerteil (4) mit dem
daran befestigten Unterbau (5) gegen das mittlere Distanzstück (3) pressen und dadurch
Fahrweg (1) und Unterbau (5) positionsgenau und fest miteinander verbinden.
5. Lager nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß das obere (2) und untere Lagerteil (4) an ihren dem Distanzstück (3) zugewandten
Flächenteilen Erhebungen (12) oder/und Ausnehmungen (13) aufweist, und das Distanzstück
(3) an seinen diesen Flächenteilen zugewandten Flächen passend in diese Erhebungen
(12) oder/und Ausnehmungen (13) eingreifende Ausnehmungen (13) oder/und Erhebungen
(12) aufweist.
6. Verfahren zur Herstellung eines positiongenau über einem Unterbau (5) gelagerten Fertigteil-Fahrweges
(1) einer Magnetschwebebahn unter Zuhilfenahme eines Lagers (2, 3, 4) nach mindestens
einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
a.) zuerst ein Unterbau (5) errichtet wird, der darin verankerte (6) untere Lagerteile
(4) aufweist
b.) Fertigteil-Fahrwegplatten (1), in denen obere Lagerteile (2) fest verankert sind,
in Sollage über dem Unterbau (5) einjustiert werden, wobei zwischen dem unteren Lagerteil
(4) im Unterbau (5) und dem oberen Lagerteil (2) in der Fahrwegplatte (1) ein Zwischenraum
verbleibt
c.) die Zwischenräume zwischen den unteren Lagerteilen (4) im Unterbau (5) und den
oberen Lagerteilen (2) in den Fahrwegplatten (1) nach Ausrichtung und Form vermessen
werden
d.) mittels dieser Meßdaten exakte Distanzstücke (3) zum Ausfüllen der Zwischenräume
hergestellt werden
e.) jedes dieser Distanzstücke (3) anschließend in den passenden Zwischenraum zwischen
unterem Lagerteil (4) im Unterbau (5) und oberem Lagerteil (2) in der Fahrwegplatte
(1) eingefügt wird
f.) und Fahrwegplatte (1) und Unterbau (5) mittels Spannmitteln (7), die durch die
Distanzstücke (3) hindurch oder außerhalb derselben verlaufen, verspannt werden.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Einfügen der Distanzstücke (3) die Fahrwegplatte (1) etwas angehoben wird.
8. Fahrwegplatte (1) für eine Magnetschwebebahn,
dadurch gekennzeichnet, daß sie an ihrer Unterseite Lagerteile (2) mit nach unten gerichteten definierten Flächen
aus beschichtetem oder unbeschichtetem Stahl oder Hartmetall aufweist.
9. Unterbau (5) für eine Magnetschwebebahn,
dadurch gekennzeichnet, daß er auf seiner Oberseite Lagerteile (4) mit nach oben gerichteten definierten Flächen
aus beschichtetem oder unbeschichtetem Stahl oder Hartmetall aufweist.
10. Distanzstück (3) zur Lagerung der Fahrwegplatte (1) einer Magnetschwebebahn über einem
Unterbau (5),
dadurch gekennzeichnet, daß es aus beschichtetem oder unbeschichtetem Stahl, einer Metallegierung, einem Kunststoff
oder einem Verbundmaterial besteht und individuell maßangefertigte Flächen für jeweils
unterschiedliche Paare zueinandergehöriger oberer (2) und unterer Lagerteile (4) von
Fahrwegplatten (1) und Unterbau (5) besitzt.
11. Distanzstück (3) nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, daß es eine Höhe von etwa 1 bis 10 Zentimetern aufweist.
12. Distanzstück (3) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß es eine Höhe von ungefähr 5 Zentimetern aufweist.