[0001] Die Erfindung betrifft eine Legierung zur Herstellung von Gegenständen mit hoher
Warmfestigkeit und Zähigkeit.
[0002] Im Speziellen bezieht sich die Erfindung auf einen Warmarbeitsstahl-Gegenstand mit
hoher Härte, hoher Warmfestigkeit und hoher thermischer Stabilität.
[0003] Allgemein können Warmarbeitsstähle als thermisch vergütbare Eisenbasislegierungen
bezeichnet werden, deren erhöhte mechanische Eigenschaften nach der Wärmebehandlung,
insbesondere deren hohe Festigkeit und Härte bis zu Temperaturen von 500°C und darüber
erhalten bleiben.
[0004] Den steigenden Anforderungen der technischen Entwicklung entsprechend besteht die
allgemeine Forderung an Warmarbeitswerkstoffe deren Güte weiter zu verbessern und
insbesondere deren Warmfestigkeit bei hoher thermischer Stabiltiät zu steigern, sowie
die Zähigkeit zu erhöhen.
[0005] Übliche Warmarbeitstähle sind kohlenstoffhältige Eisenbasislegierungen mit 0,3 bis
0,4 Gew.-% Kohlenstoff (C), deren Härte mit einer Abschreckhärtung durch Martensitbildung
im Gefüge und einem Anlassen anforderungsgemäß erhöht wird. Ein Zusatz von Legierungselementen
in der Regel in Gew.-%:
| Silizium (Si) |
bis 1,5 |
| Chrom (Cr) |
2,5 bis 5,5 |
| Molybdän (Mo) |
bis 3,0 |
| Vanadin (V) |
bis 1,0 |
zum Eisenbasiswerkstoff und eine Anwendung von besonders gestalteten Wärmebehandlungsverfahren
gestattet es, aus diesem einen Gegenstand herzustellen, der hohe Werte für gewünschte
mechanische Eigenschaften bei einer Verwendungstemperatur bis zu ca. 500°C besitzt.
Durch Zulegieren von Wolfram (W) bis 9 Gew.-% und Kobalt (Co) bis 3,0 Gew.-% kann
die Einsatztemperatur etwas erhöht werden.
[0006] Im Wesentlichen ergibt sich die Warmhärte derartiger Stähle durch einen Ausscheidungsmechanismus,
der vom Fachmann als Sekundärhärteanstieg bezeichnet wird, wobei feinste Chrom-Molybdän-Wolfram-Vanadin-Karbide
im Martensitgitter gebildet werden.
[0007] Eine weitere im Wesen zur Abschreckhärtung unterschiedliche Steigerung der Festigkeit
eines Werkstoffes kann durch eine Ausscheidungshärtung erreicht werden. Die Voraussetzung
für eine Ausscheidungshärtung ist eine mit der Temperatur abnehmende Löslichkeit eines
Legierungszusatzes bzw. von Legierungselementen im Grundmetall.
[0008] Bei einer Ausscheidungshärtung wird ein legierter Werkstoff vorerst einer Lösungsglühbehandlung
mit einer anschließenden, verstärkten Abkühlung unterworfen, mit welcher ein Legierungszusatz
oder eine Phase vollständig oder teilweise in Lösung gebracht und in übersättigter
Lösung gehalten wird. Ein anschließendes Erwärmen auf eine Temperatur unterhalb der
Lösungsglühtemperatur bewirkt ein Ausscheiden des Übersättigungsanteiles der (des)
Elemente(s) oder der Phase(n), was eine Änderung der Werkstoffeigenschaften, in der
Regel einen Materialhärteanstieg, bewirkt.
[0009] Ausscheidungshärtbare Eisenbasiswerkstoffe besitzen in der Regel Legierungsgehalte
in Gew.-% von:
| Kohlenstoff (C) |
bis 0,05 |
| Mangan (Mn) |
bis 2,0 |
| Chrom (Cr) |
bis 16,0 |
| Molybdän (Mo) |
bis 6,0 |
| Nickel (Ni) |
bis 26,0 |
| Vanadin (V) |
bis 0,4 |
| Kobait (Co) |
bis 10,0 |
| Titan (Ti) |
bis 3,0 |
| Aluminium (Al) |
bis 0,3 |
[0010] Sowohl die Eisenbasislegierungen mit einer Martensitbildung bei einer Abschreckhärtung,
als auch jene, die durch Ausscheidung von Elementen und Phasen eine Änderung ihrer
mechanischen Eigenschaften erfahren, haben den Nachteil gemeinsam, dass im jeweiligen
Bereich der Legierungszusammensetzung und/oder durch eine Wärmebehandlungstechnologie
jeweils nur Einzeleigenschaften, wie zum Beispiel die Härte und Festigkeit oder die
Temperaturbeständigkeit, verbessert werden, damit aber ein Abfall von weiteren Eigenschaftswerten,
wie zum Beispiel die Materialzähigkeit, die thermische Stabilität und dergleichen,
verbunden ist.
[0011] Ziel der Erfindung ist es, eine Legierung anzugeben, die es ermöglicht, das Eigenschaftsprofil
insgesamt eines daraus gefertigten Gegenstandes zu verbessern. Gemäß der Aufgabe der
Erfindung ist ein Warmarbeitstahl-Gegenstand mit gleichzeitig hoher Härte und hoher
Zähigkeit, hoher Warmfestigkeit und hoher thermischer Stabilität zu schaffen.
[0012] Das Ziel der eingangs genannten Erfindung wird mit einer Legierung, enthaltend in
Gew.-%:
| Kohlenstoff (C) |
0,15 bis 0,44 |
| Silizium (Si) |
0,04 bis 0,3 |
| Mangan (Mn) |
0,06 bis 0,4 |
| Chrom (Cr) |
1,2 bis 5,0 |
| Molybdän (Mo) |
0,8 bis 6,5 |
| Nickel (Ni) |
3,4 bis 9,8 |
| Vanadin (V) |
0,2 bis 0,8 |
| Kobalt (Co) |
0,1 bis 9,8 |
| Aluminium (Al) |
1,4 bis 3,0 |
| Kupfer (Cu) |
unter 1,3 |
| Niob (Nb) |
unter 0,35 |
| Eisen (Fe) |
Rest |
sowie Begleitelemente und herstellungsbedingte Verunreinigungen, erreicht.
[0013] Die sich mit der Erfindung ergebenden Vorteile sind im Wesenlichen darin zu sehen,
dass durch legierungstechnische Maßnahmen ein Werkstoff geschaffen wurde, bei welchem
der Abschreck- oder Martensithärtung eine Ausscheidungshärtung überlagerbar ist. Dabei
sind die Aktivitäten der Legierungselemente dem Kohlenstoff gegenüber und jene hinsichtlich
der Verbindungs- bzw. Phasenbildung derart günstig gewählt, dass auch bei vergleichsweise
niedrigen Austenitisierungstemperaturen eine Härtung durch feinste, sekundäre Karbideausscheidungen,
insbesondere Chrom-Molybdän-Vanadin-Karbide, und eine Härtung durch eine Ausscheidung
von intermetallischen Phasen, insbesondere von Al Fe
2Ni bei der Vergütung gleichzeitig erfolgen und eine hohe Warmhärte bei hoher Zähigkeit
des Werkstoffes erreicht wird.
[0014] Gemäß der Erfindung ist auch eine Durchhärtbarkeit von großen Teilen verbessert möglich,
weil legierungstechnisch ein entsprechendes thermisches Umwandlungsverhalten des Werkstoffes
eingestellt ist. Desgleichen sind die Anlassbeständigkeit und somit die thermische
Stabilität des vergüteten Materials bei hoher Härte wesentlich verbessert.
[0015] In einer Eisenbasislegierung nach der Erfindung ist ein Kohlenstoffgehalt von mindestens
0,15 Gew.-% vorgesehen, damit eine für einen gewünschten Sekundärhärteanstieg ausreichende
Karbidmenge ausscheidbar ist. Höhere Kohlenstoffkonzentrationen als 0,44 Gew.-% können
mit den vorgesehenen karbidbildenden Elementen störende, die Zähigkeit mindernde Primärkarbide
bilden, so dass der Gehalt an Kohlenstoff zwischen 0,15 und 0,44 Gew.-% betragen soll.
[0016] Der Gehalt an Silizium muss einer vorteilhaften Zusammensetzung eines Desoxidationsproduktes
wegen mindestens 0,04 Gew.-% betragen, soll andererseits jedoch nicht höher als 0,3
Gew.-% sein, weil höhere Siliziumwerte die Materialzähigkeit nachteilig beeinflussen.
[0017] Mangan ist mit einer Konzentration zwischen 0,06 und 0,4 Gew.-% erfindungsgemäß im
Stahl vorgesehen. Niedrigere Gehalte können eine Brüchigkeit bei einer Warmformgebung
und höhere Gehalte Nachteile für die Härtbarkeit des Materials bewirken.
[0018] Die Gehalte an Chrom, Molybdän und Vanadin sind wichtig für eine gewünschte Sekundärhärtebildung
des Werkstoffes bei der Vergütung und sollen gemeinsam betrachtet werden. Chromgehalte
unter 1,2 Gew.-% wirken sich nachteilig auf die Durchhärtbarkeit des Materials aus,
solche von über 5,0 Gew.-% verschlechtern die thermische Stabilität desselben, weil
dadurch die Aktivität des Molybdäns zurückgedrängt wird.
[0019] Bei Molybdän-Konzentrationen unter 0,8 Gew.-% wird im Zuge der Wärmebehandlung zuwenig
von diesem Element in Lösung gebracht, was zu niedrigen Sekundärhärtewerten führt.
Über 6,5 Gew.-% Molybdän im Stahl kann einen zu hohen Karbidanteil bewirken, was Zähigkeitseinbußen
des Materials und wirtschaftliche Nachteile erbringen kann.
[0020] Der starke Karbidbildner Vanadin ist erfindungsgemäß mit einem Mindestgehalt von
0,2 Gew.-% vorgesehen, um eine ausreichende, stabile Sekundärhärtung des Stahles sicher
zustellen. Höhere Gehalte als 0,8 Gew.-% Vanadin können insbesondere bei Kohlenstoffgehalten
im oberen Bereich der vorgesehenen Konzentrationsspanne, zur Ausscheidung von primären
Karbiden führen, wodurch die Zähigkeitseigenschaften des Werkstoffes sprunghaft verschlechtert
werden.
[0021] Die Wirkung von Niob ist zwar ähnlich derjenigen von Vanadin, zeichnet sich jedoch
durch eine Bildung von sehr stabilen Karbiden aus, sodass der Gehalt an Niob vorteilhaft
unter 0,35 Gew.-% betragen soll.
[0022] Zur Sicherstellung eines gewünschten Sekundärhärteanstieges bei einem Anlassen des
Martensitgefüges der erfindungsgemäßen Legierung weist diese somit bei einer Kohlenstoffkonzentration
von 0,15 bis 0,44 Gew.-% Gehalte in Gew.-% an Chrom von 1,2 bis 5,0, Molybdän von
0,8 bis 6,5 und an Vanadin von 0,2 bis 0,8 auf.
[0023] Die Nickelkonzentration des Stahles und dessen Aluminiumgehalt sind im Hinblick auf
die Ausscheidungskinetik der Phase von Typ Al Fe
2Ni zur Härtesteigerung bei einer vorgesehenen Wärmebehandlungstechnologie zu sehen.
Bei Nickelgehalten unter 3,4 Gew.-% und bei einer Aluminium-Konzentration von weniger
als 1,4 Gew.-% ist eine Ausscheidungshärtung zurückgedrängt, also der additive Härteanstieg
als Werkstoffes beim Anlassen gering.
[0024] Höhere Gehalte als 9,8 Gew.-% Nickel verschieben die δ/α Umwandlung zu tieferen Temperaturen,
was zu Problemen bei der Weichglühbehandlung des Stahles, einer hohen Bearbeitungshärte
und der Störung der Ausscheidungskinetik führen kann.
[0025] Gehalte über 3,0 Gew.-% Aluminum fördern in nachteiliger Weise einen hohen DELTA-(δ)-Ferrit-Bereich
im Umwandlungsverhalten, eine Nitridbildung und senken die Materialzähigkeit der Legierung.
[0026] Erfindungsgemäß liegt daher der Nickelgehalt und der Aluminumgehalt des Stahles in
Gew.-% in den Bereichen 3,4 bis 9,8 Nickel und 1,4 bis 3,0 Aluminium.
[0027] Kupfer kann unerwünschte, intermetallische Phasen bilden und soll von geringer Konzentration
von unter 1,3 Gew.-% im Stahl enthalten sein.
[0028] Zur weiteren Verbesserung des Eigenschaftsprofiles der erfindungsgemäßen Legierung
kann vorgesehen sein, dass diese ein oder mehrere der Elemente mit folgenden Konzentrationen
in Gew.-% aufweist:
| Kohlenstoff (C) |
0,25 bis 0,4, |
vorzugsweise |
0,31 bis 0,36 |
| Silizium (Si) |
0,1 bis 0,25, |
vorzugsweise |
0,15 bis 0,19 |
| Mangan (Mn) |
0,15 bis 0,3, |
vorzugsweise |
0,2 bis 0,29 |
| Chrom (Cr) |
1,9 bis 2,9, |
vorzugsweise |
2,2 bis 2,8 |
| Molybdän (Mo) |
1,2 bis 4,5, |
vorzugsweise |
2,1 bis 2,9 |
| Nickel (Ni) |
5,0 bis 7,6, |
vorzugsweise |
5,6 bis 7,1 |
| Vanadin (V) |
0,24 bis 0,6, |
vorzugsweise |
0,25 bis 0,4 |
| Kobalt (Co) |
1,4 bis 7,9, |
vorzugsweise |
1,6 bis 2,9 |
| Aluminium (Al) |
1,6 bis 2,9, |
vorzugsweise |
2,1 bis 2,8 |
[0029] Durch diese engeren Gehaltsbereiche von Elementen in der chemischen Zusammensetzung
des Stahles kann eine weitere Eigenschaftsverbesserung der daraus hergestellten Gegenstände
erreicht werden.
[0030] Von besonderer Wichtigkeit für insgesamt hohe mechanische Stahlwerte, insbesondere
aber auch für hohe Zähigkeitseigenschaften des Werkstoffes ist ein limitierter Anteil
von Beimengungen.
[0031] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist eine Legierung vorgesehen,
enthaltend eine oder mehrere der Begleit- und Verunreinigungselemente mit folgenden
MAXIMAL-Konzentrationen in Gew.-%:
| Phosphor (P) |
0,02, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Schwefel (S) |
0,008, |
vorzugsweise |
0,003 |
| Kupfer (Cu) |
0,15, |
vorzugsweise |
0,06 |
| Titan (Ti) |
0,01, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Niob (Nb) |
0,001, |
vorzugsweise |
0,0005 |
| Stickstoff (N) |
0,025, |
vorzugsweise |
0,015 |
| Sauerstoff (O) |
0,009, |
vorzugsweise |
0,002 |
| Calzium (Ca) |
0,003, |
vorzugsweise |
0,001 |
| Magnesium (Mg) |
0,003, |
vorzugsweise |
0,001 |
| Zinn (Sn) |
0,01, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Tantal (Ta) |
0,001, |
vorzugsweise |
0,0005 |
[0032] Um eine besonders ausgeprägte, der Sekundärhärtung durch Karbide überlagerte, Ausscheidungshärtbarkeit
der Legierung zu erreichen, kann von Vorteil sein, wenn der Wert Nickelgehalt gebrochen
durch Aluminiumgehalt jeweils in Gew.-% zwischen 1,8 und 4,2, vorzugsweise zwischen
2,1 und 3,9 beträgt. Dadurch wird ein Überhang eines die Ausscheidung bildenen Elementes
vermieden.
[0033] Die gestellte Aufgabe der Erfindung wird gemäß eines verbesserten Eigenschaftsprofiles
bei einem Warmarbeitsstahl-Gegenstand gelöst, wenn ein nach einem schmelzmetallurgischen
oder pulvermetallurgischen Verfahren hergestelltes Vormaterial, insbesondere durch
Warmumformung und Bearbeitung in Form gebracht wurde, welcher geformte Gegenstand
nach einer aushärtenden Wärmbehandlung sekundär ausgeschiedene Karbide, sowie intermetallische
Ausscheidungen aufweist.
[0034] Die Gesamthärte des Werkstoffes wird dabei vorteilhaft durch eine Überlagerung des
Sekundärhärteanstieges durch Karbidausscheidungen und der Ausscheidungshärtung erreicht.
Dadurch können hohe Materialhärtewerte erzielt werden, obwohl die Vergütetechnologie
auf einen Erhalt hoher Werkstoffzähigkeit gerichtet ist und im Vergleich mit einem
Warmarbeitsstahl nach dem Stand der Technik niedere Härtetemperaturen Verwendung finden.
Diese niedrigere Austenitisierungstemperatur kann auch wesentliche Vorteile hinsichtlich
eines geringen Verzuges bei einer Vergütungsbehandlung kompliziert geformter Teile
haben.
[0035] Werden jedoch die Härtetemperaturen auf einem hohen Niveau eingestellt, so ergeben
sich bei sonst üblichen guten Materialzähigkeiten extrem hohe Härtewerte des Stahlgegenstandes.
[0036] Wenn im Gefüge des Warmarbeitsstahl-Gegenstandes ein Verhältnis intermetallische
Ausscheidungen gebrochen durch sekundär ausgeschiedene Karbide jeweils in Vol.-% von
kleiner 3,0, vorzugsweise von 1,0 und kleiner, jedoch über 0,38, gegeben ist, sind
bei hohen Härtewerten die Zähigkeit besonders hoch und die thermische Stabilität um
bis zu 50°C und mehr zu höheren Temperaturen verschoben.
[0037] Ein Warmarbeitsstahl-Gegenstand nach der Erfindung, welcher sekundär ausgeschiedene
Chrom-Molybdän-Vanadin-Mischkarbide und im Wesentlichen intermetallische Phasen des
Types Al Fe
2Ni im Gefüge aufweist, hat ein besonders bevorzugtes Eigenschaftsprofil und kann in
üblichen Härteanlagen bei vergleichsweise niedrigen Härtetemperaturen wirtschaftlich
hergestellt sein.
[0038] Eine ausgeprägte thermische Stabilität des Gegenstandes kann erreicht werden, wenn
die Legierung einen Verhältniswert von Chrom + Molybdän + Vanadin gebrochen durch
Kohlenstoff jeweils in Gew.-% von größer 13, jedoch kleiner 19 besitzt.
[0039] An Hand von einige Untersuchungsergebnissen und Darstellungen soll die Erfindung
beispielhaft näher erläutet werden.
[0040] Aus einer erfindungsgemäßen Legierung A, aus einem üblichen Warmarbeitsstahl B und
aus einem ausscheidungshärtenden Stahl C (Maraging Stahl) wurden Proben hergestellt,
thermisch vergütet und deren Materialeigenschaften untersucht. Die Legierungen weisen
die in Tab. 1 angegebenen chemischen Zusammensetzungen auf:
Tab. 1
| Element |
Legierung A |
Legierung B |
Legierung C |
| C |
0,32 |
0,38 |
0,13 |
| Si |
0,18 |
0,40 |
<0,05 |
| Mn |
0,25 |
0,33 |
<0,02 |
| Cr |
2,45 |
4,79 |
0,11 |
| Mo |
2,43 |
2,78 |
5,26 |
| Ni |
6,46 |
0,18 |
18,01 |
| V |
0,28 |
0,62 |
0,02 |
| Co |
1,97 |
<0,05 |
8,71 |
| Al |
2,46 |
0,016 |
0,13 |
| Cu |
0,06 |
0,07 |
0,08 |
| Nb |
<0,005 |
<0.005 |
<0.005 |
| Fe |
bal. |
bal. |
bal. |
| P |
0,008 |
0,015 |
<0,005 |
| S |
0,001 |
0,001 |
0,009 |
| Ti |
<0,005 |
<0,005 |
0,79 |
| N |
0.0048 |
0,0068 |
0,0017 |
| O |
0,0022 |
0,0023 |
0,0007 |
| Ca |
|
|
|
| Mg |
|
|
|
| Sn |
<0,005 |
<0,005 |
0,009 |
| Ta |
|
|
|
[0041] Am Probematerial erfolgte vorerst eine Messung der thermischen Ausdehnung α [10
-6/K] in Abhängigkeit der Temperatur bei einer Ausgangshärte des Werkstoffes von 50
bis 52 HRC. Die aus Tab. 2 entnehmbaren Werte zeigen, dass im Vergleich mit einem
konventionellen Warmarbeitsstahl B die erfindungsgemäße Legierung eine geringere Ausdehnung
aufweist, was auch auf eine bessere Formstabilität bei einer Wärmebehandlung hinweist.
Tab. 2
| Temperatur [°C] |
A |
B |
C |
| 100 |
10,8 |
11,2 |
9 |
| 200 |
11,2 |
11,61 |
9,5 |
| 300 |
11,7 |
12 |
9,95 |
| 400 |
12,2 |
12,5 |
10,44 |
| 500 |
12,7 |
12,9 |
10,9 |
[0042] Nach einer Härtung auf jeweils ca. 55 HRC von Proben aus der erfindungsgemäßer Legierung
A und des konventionellen Warmarbeitsstahles B wurde der Härteverlauf der Werkstoffe
in Abhängigkeit der Temperatur ermittelt. Dabei ist von wesentlicher Bedeutung, dass
zur Erreichung dieser Härte die erfindungsgemäße Legierung A eine Austenitisierungstemperatur
von 990°C benötigte, beim üblichen Warmarbeitsstahl B jedoch eine solche von 1050°C
erforderlich war. In Abhängigkei der Temperatur, wie aus Tab. 3A und Tab. 3B ersichtlich,
stieg im Bereich zwischen 500°C und 600°C die Härte der erfindungsgemäß zusammengesetzten
Probe A auf Werte um 60 HRC an, wo hingegen beim konventionellen Warmarbeitsstahl
B ein maximaler Härtewert von 56 HRC bei 500°C ermittelt wurde.
Tab. 3A
A
Temperatur |
Härte In HRC |
| 25 |
54 |
| 100 |
54 |
| 200 |
50 |
| 300 |
51 |
| 400 |
54 |
| 500 |
60 |
| 530 |
60 |
| 560 |
60 |
| 590 |
59 |
| 620 |
55 |
| 650 |
49 |
| 680 |
43 |
Tab. 3B
B
Temperatur |
Härte In HRC |
| 25 |
55 |
| 300 |
52 |
| 400 |
53 |
| 500 |
54 |
| 530 |
53 |
| 560 |
52 |
| 590 |
50 |
| 620 |
47 |
| 650 |
43 |
[0043] In graphischer Darstellung ist in Fig. 1 der jeweilige Härteverlauf in Abhängigkeit
der Temperatur des erfindungsgemäßen Werkstoffes A und der Warmarbeitstahllegierung
B nach dem Stand der Technik vergleichend gezeigt.
[0044] Ausgehend von gleicher Härte, die jedoch mit einer gegebenenfalls vorteilhaften geringeren
Austenitisierungstemperatur erreicht wird, erfolgt bei der erfindungsgemäßen Legierung
A durch einen überlagerten Ausscheidungsmechanismus, bei welchem Al Fe
2Ni - Ausscheidungen in feinster Form im Gefüge gebildet werden, ein wesentlich größerer
Anstieg der Warmhärte des Gegenstandes, wobei diese auch bei höheren Temperaturen
erhalten bleibt.
[0045] Basierend auf einer Härteangabe nach Vickers erfolgte die Untersuchung:des Erweichungsverhaltens
der Werkstoffe in Abhängigkeit der Zeit bei einer Temperaur von 650°C.
[0046] Eine Härteermittlung am Probekörper bei der Prüftemperatur wurde nach der Rückprallhärtemethode
(Shore hardness) durchgeführt, für welche Rücksprungwerte bislang lediglich eine Umrechnung
in Vickers-Härtewerte vorliegt.
[0047] Ausgehend von annähernd gleicher Härte bei Raumtemperatur und zwar von 50 - 52 HRC,
welche für die Legierungen A, B und C mit einer Zusammensetzung gemäß Tab. 1 durch
unterschiedliche in der Untersuchungsbeilage Ergebnis-Blatt 1 angegebene thermische
Vergütungsverfahren erreicht wurden, erfolgte eine Härteprüfung über die Zeit bei
650°C.
[0048] Im Vergleich mit einem konventionellen Warmarbeitsstahl B und einem Maragingstahl
C wies die erfindungsgemäße Legierung A bei gleicher Ausgangshärte bei 650°C, während
einer Zeit von bis zu 1000 Minuten die höchste Werkstoffhärte auf. Nach dieser Zeit
besaß der Maragingstahl C eine höhere Härte bei hoher thermischer Stabilität, wo hingegen
der erfindungsgemäße Warmarbeitstahl A bis zu ca. 2000 Minuten etwa 10 % seiner Härte
verlor. Die thermische Stabilität des konventionellen Warmarbeitsstahl B war gering;
der Härteunterschied im Vergleich mit der erfindungsgemäßen Legierung A vergrößerte
sich bis 1000 Minuten stetig.
Ausgangshärte: 50-52 HRC
[0049] Wärmebehandlung:
| A |
Härten Anlassen |
990 °C // 30 min // Olabschreckung 640°C // 3x1 h // Luftabkühlung |
| B |
Härten Anlassen |
1050°C // 30 min // Ölabschreckung 550°C // 1h // Luftabkühlung + 610°C // 2 h //
Luftabkühlung |
| C |
Härten Anlassen |
820°C // 30 min // Olabschreckung 570°C // 3 h // Luftabkühlung |
| Erweichungsverhatten |
| A (=betrachtete Legierung) |
B (konventioneller Warmabeitsstahl) |
C ( Maragingstahl) |
| Zeit [min] |
Härte [HV] |
Zeit [min] |
Härte [HV] |
Zeit [min] |
Härte [HV] |
| 2,89034 |
346,95705 |
2,89034 |
336,2518 |
2,89034 |
294,89709 |
| 4,06581 |
355,72974 |
4,08581 |
335,64438 |
4,08581 |
298,33194 |
| 5,77573 |
362,37786 |
5,77573 |
332,74216 |
5,77573 |
300,39692 |
| 8,16463 |
367,00547 |
8,16463 |
327,7911 |
8,16463 |
301,23444 |
| 11,54158 |
369,71665 |
11,54158 |
321,03717 |
11,54158 |
300,98688 |
| 16,31528 |
370,61546 |
16,31528 |
312,72632 |
16,31528 |
299,79666 |
| 23,06342 |
369,806 |
23,06342 |
303,10452 |
23,06342 |
297,80617 |
| 32,60264 |
367,39232 |
32,60264 |
292,41773 |
32,60264 |
295,1578 |
| 46,08737 |
363,47851 |
46,08737 |
280,91191 |
46,08737 |
291,99397 |
| 65,1495 |
358,16863 |
65,1495 |
268,83304 |
65,1495 |
288,45706 |
| 92,09588 |
351,56676 |
92,09588 |
256,42706 |
92,09588 |
284,68948 |
| 130,18751 |
343,77697 |
130,18751 |
243,93995 |
130,18751 |
280,83363 |
| 184,03416 |
334,90334 |
184,03416 |
231,61767 |
184,03416 |
277,0319 |
| 260,15225 |
325,04994 |
260,15225 |
219,70618 |
260,15225 |
273,4267 |
| 367,75342 |
314,32084 |
367,75342 |
208,45144 |
367,75342 |
270,16042 |
| 519,85933 |
302,82012 |
519,85933 |
198,09942 |
519,85933 |
267,37547 |
| 734,87754 |
290,65184 |
734,87754 |
188,89607 |
734,87754 |
265,21424 |
| 1038,8291 |
277,92009 |
1038,8291 |
181,08737 |
1038,8291 |
263,81913 |
| 1468,49759 |
264,72894 |
|
|
|
|
| 2075,8806 |
251,18246 |
|
|
|
|

1. Legierung zur Herstellung von Gegenständen mit hoher Warmfestigkeit und Zähigkeit
enthaltend in Gew.-%:
| Kohlenstoff (C) |
0,15 bis 0,44 |
| Silizium (Si) |
0,04 bis 0,3 |
| Mangan (Mn) |
0,06 bis 0,4 |
| Chrom (Cr) |
1,2 bis 5,0 |
| Molybdän (Mo) |
0,8 bis 6,5 |
| Nickel (Ni) |
3,4 bis 9,8 |
| Vanadin (V) |
0,2 bis 0,8 |
| Kobalt (Co) |
0,1 bis 9,8 |
| Aluminium (Al) |
1,4 bis 3,0 |
| Kupfer (Cu) |
unter 1,3 |
| Niob (Nb) |
unter 0,35 |
| Eisen (Fe) |
Rest |
sowie Begleitelemente und herstellungsbedingte Verunreinigungen.
2. Legierung nach Anspruch 1, enthaltend ein oder mehrere der Elemente mit folgenden
Konzentrationen in Gew.-%:
| Kohlenstoff(C) |
0,25 bis 0,40, |
vorzugsweise |
0,31 bis 0,36 |
| Silizium (Si) |
0,10 bis 0,25, |
vorzugsweise |
0,15 bis 0,19 |
| Mangan (Mn) |
0,15 bis 0,30, |
vorzugsweise |
0,20 bis 0,29 |
| Chrom (Cr) |
1,9 bis 2,9, |
vorzugsweise |
2,2 bis 2,8 |
| Molybdän (Mo) |
1,2 bis 4,5, |
vorzugsweise |
2,1 bis 2,9 |
| Nickel (Ni) |
5,0 bis 7,6, |
vorzugsweise |
5,6 bis 7,1 |
| Vanadin (V) |
0,24 bis 0,6, |
vorzugsweise |
0,25 bis 0,4 |
| Kobalt (Co) |
1.4 bis 7,9, |
vorzugsweise |
1,6 bis 2,9 |
| Aluminium (Al) |
1,6 bis 2,9, |
vorzugsweise |
2,1 bis 2,8 |
3. Legierung nach Anspruch 1 oder 2, enthaltend ein oder mehrere der Begleit- und Verunreinigungselemente
mit folgenden MAXIMAL-Konzentrationen in Gew.-%:
| Phosphor (P) |
0,02, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Schwefel (S) |
0,008, |
vorzugsweise |
0,003 |
| Kupfer (Cu) |
0,15, |
vorzugsweise |
0,06 |
| Titan (Ti) |
0,01, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Niob (Nb) |
0,001, |
vorzugsweise |
0,0005 |
| Stickstoff (N) |
0,025, |
vorzugsweise |
0,015 |
| Sauerstoff (O) |
0,009, |
vorzugsweise |
0,002 |
| Calzium (Ca) |
0,003, |
vorzugsweise |
0,001 |
| Magnesium (Mg) |
0,003, |
vorzugsweise |
0,001 |
| Zinn (Sn) |
0,01, |
vorzugsweise |
0,005 |
| Tantal (Ta) |
0,001, |
vorzugsweise |
0,0005 |
4. Legierung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der Wert Nickelgehalt gebrochen
durch Aluminiumgehalt jeweils in Gew.-% zwischen 1,8 und 4,2, vorzugsweise zwischen
2,1 und 3,9 beträgt
5. Warmarbeitsstahl-Gegenstand mit hoher Härte, hoher Warmfestigkeit und hoher thermischer
Stabilität, wobei ein nach einem schmelzmetallurgischen oder pulvermetallugischen
Verfahren hergestelltes Vormaterial bevorzugt mit einer in den vorgeordneten Ansprüchen
gekennzeichneten chemischen Zusammensetzung, insbesondere durch Warmumformung und
Bearbeitung in Form gebracht wurde, welcher geformte Gegenstand nach einer aushärtenden
Wärmebehandlung im Gefüge sekundär ausgeschiedene Karbide, sowie intermetallische
Ausscheidungen aufweist.
6. Warmarbeitsstahlgegenstand nach Anspruch 5, der im Gefüge ein Verhältnis intermetallischer
Ausscheidungen gebrochen durch sekundär ausgeschiedene Karbide jeweils in Vol.-% von
kleiner 3,0, vorzugsweise von 1,0 und kleiner, jedoch über 0,38, besitzt.
7. Warmarbeitsstahlgegenstand nach Anspruch 5 oder 6, welcher sekundär im Gefüge ausgeschiedene
Chrom-Molybdän-Vanadin-Mischkarbide und im Wesentlichen intermetallische Phasen des
Types Al Fe2 Ni im Gefüge aufweist.
8. Warmarbeitsstahl-Gegenstand nach einem der Ansprüche 5 bis 7, welcher in seiner chemischen
Zusammensetzung einen Verhältniswert von Chrom + Molybdän + Vanadin gebrochen durch
Kohlenstoff jeweils in Gew.-% von größer 12, jedoch kleiner 19 besitzt.