[0001] Die Erfindung betrifft elastische Polyurethanharnstofffasern, die in wässrigen, chlorhaltigen
Umgebungen, wie beispielsweise in Schwimmbädern für Badebekleidung eingesetzt werden
können. Die Erfindung betrifft elastische Polyurethanharnstofffasern, die beschichtete
Hydrotalcite enthalten.
[0002] Der im Rahmen der vorliegenden Erfindung verwendete Ausdruck "Faser" umfasst dabei
Stapelfasern und/oder kontinuierliche Filamente, die durch im Prinzip bekannte Spinnprozesse,
z.B. das Trockenspinnverfahren oder das Nassspinnverfahren, sowie das Schmelzspinnen
hergestellt werden können.
[0003] Elastische Polyurethanharnstofffasern aus langkettigen synthetischen Polymeren, die
zu wenigstens 85 % aus segmentierten Polyurethanharnstoffen auf Basis von z.B. Polyethern,
Polyestern und/oder Polycarbonaten aufgebaut sind, sind gut bekannt. Garne aus solchen
Fasern werden zur Herstellung von Gewirken bzw. Stoffen verwendet, die ihrerseits
unter anderem für Miederwaren, Strümpfe und Sportbekleidung z.B. Badeanzüge bzw. Badehosen,
geeignet sind. In Schwimmbädern wird das Wasser jedoch häufig aus hygienischen Gründen
so stark chloriert, dass der aktive Chlorgehalt gewöhnlich zwischen 0,5 und 3 ppm
(parts per million) oder sogar höher liegt. Wenn Polyurethanharnstofffasern einer
solchen Umgebung ausgesetzt werden, kann dies zu einem Abbau bzw. einer Beeinträchtigung
der physikalischen Eigenschaften, z.B. der Festigkeit der Fasern und dadurch bedingt
zu einem vorzeitigen Textilverschleiß führen.
[0004] In praktischer Hinsicht kann bei grobtitrigen Fasern ein gewisser Abbau der Faser
toleriert werden, ohne dass seine Auswirkungen von dem Benutzer der aus diesen Fasern
hergestellten Geweben bemerkt werden. Dennoch ist eine Verbesserung der Beständigkeit
des Fasermaterials gegenüber einem durch Chlor induzierten Abbau notwendig, insbesondere
für Garne mit einer hohen Feinheit (beispielsweise Fasern mit einem Titer von weniger
als 220 Denier).
[0005] Zur Verbesserung der Chlorwasserbeständigkeit von elastischen Polyurethanharnstoff-Garnen
für das Einsatzgebiet Badebekleidung wurden die Polyurethanharnstoffe häufig auf Basis
von Polyestern als niedermolekulares mono-, di- oder polyhydroxy-funktionelles Polymer
hergestellt. Aliphatische Polyester zeigen jedoch eine hohe biologische Aktivität.
Aus diesem Grunde haben die aus diesem Polymer hergestellten Polyurethanharnstoffe
den Nachteil, dass sie leicht durch Mikroben und Pilze abgebaut werden. Weiterhin
hat sich gezeigt, dass die Chlorwasserbeständigkeit von Polyurethanharnstoffen auf
Basis von Polyestern nicht zufriedenstellend ist.
[0006] Eine Vielzahl von Additiven in Elastan-Fasern wurde beschrieben, um die Chlorwasserbeständigkeit
von elastischen Polyurethanfilamenten zu verbessern.
[0007] In den Schriften US 5 028 642 und US 6 406 788 ist die Einarbeitung von Zinkoxid
in Filamente aus segmentierten Polyurethanharnstoffen zur Chlorstabilisierung beschrieben.
Zinkoxid hat jedoch den gravierenden Nachteil, dass es während des Färbeprozesses
der Gewebe, insbesondere unter sauren Bedingungen (pH 3 bis 4), aus dem Filament herausgewaschen
wird. Dadurch wird die Chlorwasserbeständigkeit der Faser stark gemindert. Weiterhin
werden durch die zinkhaltigen Färbeabwässer Bakterienkulturen in biologisch arbeitenden
Kläranlagen zur Verarbeitung der Abwässer abgetötet. In der Folge kann die Wirkungsweise
solcher Kläranlagen erheblich beeinträchtigt werden.
[0008] In der Offenlegungsschrift JP 59-133 248 ist zur Verbesserung der Chlorwasserbeständigkeit
die Einarbeitung von Hydrotalcit in Filamente aus segmentierten Polyurethanharnstoffen
beschrieben. Neben der schwermetallfreien Stabilisierung wird beschrieben, dass nur
geringe Mengen von dispergiertem Hydrotalcit bei Färbebedingungen im sauren Bereich
(pH 3 bis 4) ausgewaschen werden und somit eine gute Chlorwasserbeständigkeit erhalten
bleibt. Als Nachteil zeigt sich jedoch, dass Hydrotalcit in polaren Lösungsmitteln
wie Dimethylacetamid oder Dimethylformamid und sogar in Spinnlösungen für Polyurethanharnstofffasern
stark agglomeriert. Agglomerate in Spinnlösungen für Polyurethanharnstofffasern führen
während des Spinnprozesses rasch zu Verstopfung der Spinndüsen, wodurch der Spinnprozess
wegen häufig brechender Fasern und/oder steigendem Druck an den Spinndüsen häufig
unterbrochen werden muss. Ein Spinnen solcher PU-Zusammensetzungen über einen längeren
Zeitraum mit hinreichender Betriebsicherheit ist somit gemäß diesem Verfahren nicht
möglich. Zudem weisen solche Filamente keine ausreichende Beständigkeit gegen chlorhaltiges
Wasser auf.
[0009] In der Offenlegungsschrift EP -A- 558 758 wird eine Polyurethanharnstoffzusammensetzung
beschrieben, die ein Kristallwasser enthaltendes Hydrotalcit mit anhaftender Fettsäure
enthält. Nachteil dieser Zusammensetzung ist, dass die Chlorwasserbeständigkeit der
beschriebenen Polyurethanharnstofffasern nicht ausreichend ist, die Anfärbbarkeit
der beschriebenen Polyurethanharnstofffasern bei der Verarbeitung mit Polyamid-Hartfasern
durch Säurefarbstoffe wie Telon-Farbstoffe nicht ausreichend ist und eine Ton-in-Ton-Färbung
zwischen Mischgeweben aus z.B. Polyurethanharnstofffasern und Polyamid-Hartfasern
nicht gelingt. Des weiteren sublimiert die anhaftende Fettsäure während des Trockenspinnprozesses
zusammen mit dem Lösungsmittel aus der Faser heraus und hat die Kontamination der
Arbeitsumgebung und die Verstopfung von z.B. Wärmetauschern zur Abkühlung des Lösungsmittels
zur Folge.
[0010] In der Offenlegungsschrift JP 9 217 227 wird zur Herstellung von Polyurethanharnstofffasern
die Einarbeitung von Hydrotalcit, Metallfettsäuresalzen und modifizierten Silikonen
in Filamente beschrieben. Als Nachteil dieser Zusammensetzung zeigt sich jedoch, dass
das unbeschichtete Hydrotalcit in polaren Lösungsmitteln wie Dimethylacetamid oder
Dimethylformamid und sogar in Spinnlösungen für Polyurethanharnstofffasern wie oben
beschrieben agglomeriert. Agglomerate in Spinnlösungen für Polyurethanharnstofffasern
können während des Spinnprozesses rasch zu Verstopfung der Spinndüsen führen, wodurch
der Spinnprozess wegen häufig brechender Fasern und/oder steigendem Druck an den Spinndüsen
häufig unterbrochen werden muss. Ein Spinnen solcher PU-Zusammensetzungen über einen
längeren Zeitraum ist somit gemäß diesem Verfahren auch nicht möglich.
[0011] In der Patentanmeldung EP-A- 843 029 wird eine Polyurethanharnstoff-zusammensetzung
und speziell daraus resultierende elastische Polyurethanharnstofffasern beschrieben,
die mit Polyorganosiloxan oder einer Mischung von Polyorganosiloxan und Polyorganohydrogensiloxan
beschichtete Hydrotalcite und/oder andere basische Metall-Aluminium-Hydroxy-Verbindungen
enthalten. Nachteil dieser Zusammensetzung ist, dass die Chlorwasserbeständigkeit
der beschriebenen Polyurethanharnstofffasern noch nicht ausreichend ist. Weiterhin
ist gemäß diesem Verfahren ein kontinuierlicher Spinnprozess solcher Polyurethanharnstofffasern
über einen längeren Zeitraum ebenfalls nicht möglich, da nach wenigen Tagen Spinndauer
der Faden beim Aufwickeln auf den Spulkörper abzureißen beginnt.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Polyurethanharnstoffzusammensetzung
insbesondere für Polyurethanharnstofffasern (auch Elastanfasern genannt) zur Verfügung
zu stellen, die eine gegenüber dem Stand der Technik verbesserte oder mindestens gleichwertige
Chlorwasserbeständigkeit besitzt, deren Chlorwasserstabilität bevorzugt nicht durch
Zusatz von schwermetallhaltigen Additiven erzielt wird und deren Stabilisator sowohl
den Spinnprozess als solchen als auch die physikalische Eigenschaften der Polyurethan-Faser
nicht negativ beeinflusst.
[0013] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass den Polyurethanharnstofffasern
eine wirksame Menge fein zerteilter, mit Metallfettsäuresalz beschichteter Hydrotalcite
zugesetzt werden.
[0014] Gegenstand der Erfindung sind Polyurethanharnstofffasern (Elastanfasern) mit erhöhter
Chlorbeständigkeit aus mindestens 85 % segmentiertem Polyurethanharnstoff, wobei die
Polyurethanharnstofffasern 0,05 bis 10 Gew.-% fein zerteiltes Hydrotalcit insbesondere
solches der allgemeinen Formel (1)
M
1-x 2+Al
x(OH)
2A'
x/n n-· mH
2O (1),
wobei
- M2+
- für Magnesium steht,
- A'n-
- ein Anion mit der Valenzzahl n aus der Reihe OH-, F-, Cl-, Br-, CO32-, SO42-,
HPO
42-, Silikat, Acetat oder Oxalat, insbesondere OH
-, F
-, Cl
-, Br
-, Silikat, Acetat oder Oxalat ist,
0 < x ≤ 0,5 und
0 ≤ m < 1
oder Hydrotalcit der Formel (2)
Mg
1-yAl
y(OH)
u(A
2-)
y/2·wH
2O (2)
wobei 0,20 < y < 0,35, u eine Zahl von 1 bis 10, w eine Zahl von 0 bis 20 und A
2- ein Anion aus der Reihe CO
32-, SO
42- oder HPO
42-, insbesondere CO
32- , ist,
enthalten,
dadurch gekennzeichnet, dass die Hydrotalcite mit 0,2 bis 15 Gew.-% eines Metallfettsäuresalzes
beschichtet sind.
[0015] Die Menge des mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcits, die in den Polyurethanharnstofffasern
fein verteilt enthalten ist, beträgt 0,05 Gew.-% bis 10 Gew.-%, vorzugsweise von 0,5
Gew.-% bis 8 Gew.-%, besonders bevorzugt von 1,5 Gew.-% bis 7 Gew.-% und ganz besonders
bevorzugt von 2 Gew.-% bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht der Polyurethanharnstofffaser.
Bei den Elastanfasern kann die Menge an Hydrotalcit innerhalb der Elastanfasern und/oder
auf der Faseroberfläche verteilt sein.
[0016] Bei den Hydrotalciten handelt es sich insbesondere bevorzugt um solche, wie sie z.B.
in den Formeln (3) und (4) gezeigt sind:
Mg
6Al
2(OH)
16(A
2-)
. wH
2O (3);
Mg
4Al
2(OH)
12(A
2-)
. wH
2O (4).
in denen A
2- und w die oben zu Formel (2) angegebene Bedeutung haben.
[0017] Besonders bevorzugte Beispiele der Hydrotalcite sind solche mit den Formeln (5) und
(6):
Mg
6Al
2(OH)
16CO
3 .5H
2O (5);
Mg
4Al
2(OH)
12CO
3 .4H
2O (6).
[0018] Die beschriebenen Metallsalze von Fettsäuren werden zur Beschichtung der Hydrotalcite
mit einem Gehalt von bevorzugt 0,2 bis 15 Gew.-% bezogen auf das Gewicht des Hydrotalcits
eingesetzt. Besonders bevorzugt werden Hydrotalcite eingesetzt, die mit von 0,3 bis
12 Gew.-% Metallfettsäuresalz beschichtet sind. Insbesondere werden bevorzugt Hydrotalcite
eingesetzt, die mit von 0,5 bis 8 Gew.-% Fettsäuremetallsalz beschichtet sind.
[0019] Bei den eingesetzten Metallsalzen von Fettsäuren handelt es sich um solche, deren
Metall ein Metall ausgewählt aus der ersten bis dritten Hauptgruppe des Periodensystems
oder Zink ist. Die Fettsäuren können gesättigt oder ungesättigt, aus mindestens sechs
bis höchstens 30 Kohlenstoffatomen aufgebaut sein und mono- oder bifunktionell sein.
Bei den Metallsalzen von Fettsäuren handelt es sich besonders bevorzugt um Lithium-,
Magnesium-, Calcium-, Aluminium- und Zinksalze der Öl-, Palmitin- oder Stearinsäure,
besonders bevorzugt um Magnesiumstearat, Calciumstearat oder Aluminiumstearat und
ganz besonders bevorzugt um Magnesiumstearat.
[0020] Die Beschichtung der Hydrotalcite kann durch Aufsprühen und/oder Untermischen des
Metallfettsäuresalzes gemeinsam oder getrennt in beliebiger Reihenfolge vorzugsweise
vor und/oder während einer abschließenden Mahlung des Hydrotalcits erfolgen. Es ist
dabei gleichgültig, ob das Metallfettsäuresalz bei der Herstellung der Hydrotalcite
in anfallenden feuchten Filterkuchen, Pasten oder Aufschlämmungen vor der Trocknung
zugemischt wird oder ob es dem trockenen Gut unmittelbar vor der abschließenden Mahlung
in geeigneter Weise, beispielsweise durch Aufsprühen beigegeben oder, im Falle einer
Dampfstrahltrocknung, dem Dampf unmittelbar bei der Einspeisung in die Strahlmühle
zugesetzt wird. Das Metallfettsäuresalz kann gegebenenfalls vor der Zugabe in eine
Emulsion überführt werden.
[0021] Die Herstellung der Hydrotalcite als solche erfolgt beispielsweise nach grundsätzlich
bekannten Verfahren. Solche Verfahren sind z.B. beschrieben in den Offenlegungsschriften
EP 129 805-A1 oder EP 117 289-A1.
[0022] Bevorzugt erfolgt die Herstellung der mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite
aus ihren Ausgangsverbindungen z.B. aus MgCO
3, Al
2O
3 und Wasser in Anwesenheit von Metallfettsäuresalz und einem Lösungsmittel wie z.
B. Wasser, einem C
1-C
8-Alkohol oder von chlorierten Kohlenwasserstoffen mit anschließender Trocknung durch
z.B. Sprühtrocknung und gegebenenfalls anschließender Mahlung durch z.B. eine Perlmühle.
Bei der Anwendung der mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite als Faseradditiv
werden bevorzugt beschichtete Hydrotalcite mit einem mittleren Durchmesser (Zahlenmittel)
von höchstens 5µm eingesetzt, besonders bevorzugt solche mit höchstens 3µm, ganz besonders
bevorzugt solche mit höchstens 2µm und insbesondere ganz besonders bevorzugt solche
mit höchstens 1 µm mittlerem Durchmesser.
[0023] Die mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite können der Polyurethanharnstoffzusammensetzung
bei der Herstellung von Polyurethanharnstofffasern an beliebiger Stelle zugesetzt
werden. Beispielsweise können die mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite
in Form einer Lösung oder Aufschlämmung zu einer Lösung oder Dispersion von anderen
Faser-Zusätzen hinzugefügt und dann in Bezug auf die Faserspinndüsen stromaufwärts
mit der Polymerlösung vermischt oder in diese eingespritzt werden. Natürlich können
die mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite auch getrennt zu der Polymerspinnlösung
als trockene Pulver oder als Aufschlämmung in einem geeigneten Medium hinzugefügt
werden. Die mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalciten können grundsätzlich
gegebenenfalls auch als Mischung mit unbeschichteten oder mit mit bekannten Beschichtungsmitteln
(z.B. Fettsäuren oder Polyorganosiloxan oder einer Mischung von Polyorganosiloxan
und Polyorganohydrogensiloxan) beschichteten Hydrotalciten zur Herstellung von Polyurethanharnstofffasern
entsprechend der oben beschriebenen Verfahrensweise eingesetzt werden, wenn die oben
beschriebenen Nachteile der bekannten beschichteten Hydrotalcite in der Mischung tolerierbar
sind.
[0024] Die erfindungsgemäßen Polyurethanharnstofffasern können eine Vielzahl von verschiedenen
weiteren Zusätzen für verschiedene Zwecke enthalten, beispielsweise Mattierungsmittel,
Füllstoffe, Antioxidantien, Farbstoffe, Anfärbemittel, Stabilisatoren gegen Wärme,
Licht, UV-Strahlung und Dämpfe.
[0025] Beispiele für Antioxidantien, Stabilisatoren gegen Wärme, Licht oder UV-Strahlung
sind Stabilisatoren aus der Gruppe der sterisch gehinderten Phenole, HALS-Stabilisatoren
(
hindered
amine
light
stabilizer), Triazine, Benzophenone und der Benzotriazole. Beispiele für Pigmente und
Mattierungsmittel sind Titandioxid, Zinkoxid und Bariumsulfat. Beispiele für Farbstoffe
sind saure Farbstoffe, Dispersions- und Pigmentfarbstoffe und optische Aufheller.
Die genannten Stabilisatoren können auch in Mischungen eingesetzt werden und ein organisches
oder anorganisches Beschichtungsmittel enthalten. Die genannten Zusätze sollen bevorzugt
in solchen Mengen dosiert werden, dass sie keine den mit Metallfettsäuresalzen beschichteten
Hydrotalciten entgegengesetzte Wirkungen zeigen.
[0026] Hydrotalcite agglomerieren wie eingangs beschrieben unter Umständen in polaren Lösungsmitteln
wie z.B. Dimethylacetamid, Dimethylformamid oder Dimethylsulfoxid, die im Trocken-
oder Nassspinnprozess zur Herstellung von Fasern aus Polyurethanharnstoff üblicherweise
eingesetzt werden. Aus diesem Grund können bei Spinnlösungen mit eingearbeiteten Hydrotalciten
während des Spinnprozesses Schwierigkeiten durch Verstopfungen der Spinndüsen auftreten,
woraus ein stark ansteigender Düsendruck resultiert und/oder es zum Abriss von den
frisch gebildeten Fasern vor oder bei dem Aufwickeln auf einen Spulkörper kommt. Bei
Einarbeitung der mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite in Polyurethanharnstoffspinnlösungen
entsprechend der Erfindung tritt keine Agglomeration in der Spinnlösung auf und die
mittlere Korngröße der mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite bleibt unverändert.
Dieses verbessert die Standzeit der Spinndüsen und damit verbunden die Betriebssicherheit
und die Wirtschaftlichkeit im Trocken- oder Nassspinnprozess der erfindungsgemäßen
Polyurethanharnstofffasern.
[0027] Demzufolge ist auch, wie nachstehend in Beispiel 1 gezeigt wird, die Beständigkeit
so erhaltener Filamente gegen einen durch chlorhaltiges Wasser induzierten Abbau verbessert
im Vergleich zu Fasern, die aus agglomerathaltigen Spinnlösungen oder Polymerschmelzen
erhalten werden.
[0028] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung von Polyurethanharnstofffasern,
bei dem ein langkettiges synthetisches Polymer mit wenigstens 85 % segmentiertem Polyurethan
in einem organischen Lösungsmittel, z.B. Dimethylacetamid, Dimethylformamid oder Dimethylsulfoxid,
mit einem Anteil von 20 bis 50 Gew.-% in Bezug auf die Polyurethanharnstoffzusammensetzung,
vorzugsweise mit einem Anteil von 25 bis 45 Gew.-% in Bezug auf die Polyurethanharnstoffzusammensetzung
gelöst, und diese Lösung dann durch Spinndüsen nach dem Trocken- oder Nassspinnprozess
zu Filamenten versponnen wird, dadurch gekennzeichnet, dass mit einem Metallfettsäuresalz
ummanteltes Hydrotalcit in einer Menge von 0,05 Gew.-% bis 10 Gew.-%, vorzugsweise
einer Menge von 0,5 Gew.-% bis 8 Gew.-%, besonders bevorzugt einer Menge von 1,5 Gew.-%
bis 7 Gew.-%, und ganz besonders bevorzugt einer Menge von 2 Gew.-% bis 5 Gew.-%,
bezogen auf das Gewicht des Polyurethanharnstofffaser, der Spinnlösung zugesetzt und
innerhalb der Filamente und/oder auf der Filamentoberfläche verteilt wird.
[0029] Werden weniger als 0,05 Gew.-% der mit Metallfettsäuresalz ummantelten Hydrotalcite
innerhalb des Filamentes oder auf der Filamentoberfläche verteilt, ist die Wirksamkeit
gegen den Abbau des Polymeren durch Chlor unter Umständen weniger zufriedenstellend.
Die Dispergierung von wesentlich mehr als 10 Gew.-% der mit Metallfettsäuresalz ummantelten
Hydrotalcite innerhalb des Filamentes oder auf der Filamentoberfläche kann zu nachteiligen
physikalischen Eigenschaften der Fasern führen und ist daher weniger empfehlenswert.
[0030] Die verbesserten erfindungsgemäßen Polyurethanharnstofffasern bestehen aus segmentierten
Polyurethanen, beispielsweise solchen, die auf Polyethern, Polyestern, Polyetherestern,
Polycarbonaten, und dergleichen basieren. Derartige Fasern können nach grundsätzlich
bekannten Verfahren hergestellt werden, wie beispielsweise nach denjenigen Verfahren,
die in den Schriften: US-A- 2 929 804, US-A-3 097 192, US-A-3 428 711, US-A-3 553
290 oder US-A-3 555 115 beschrieben werden. Ferner können die Polyurethanharnstofffasern
aus thermoplastischen Polyurethanen, deren Herstellung beispielsweise in EP 679 738
beschrieben ist, bestehen.
[0031] Die segmentierte Polyurethane werden grundsätzlich insbesondere aus einem linearen
Homo- oder Copolymer mit je einer Hydroxygruppe am Ende des Moleküls und einem Molekulargewicht
von 600 bis 4000, z.B. aus der Gruppe der Polyesterdiole, Polyetherdiole, Polyesteramidodiole,
Polycarbonatdiole, Polyacryldiole, Polythioesterdiole, Polythioetherdiole, Polyhydrocarbondiole
oder einer Mischung oder Copolymeren von Verbindungen dieser Gruppe, hergestellt.
Weiterhin basiert das segmentierte Polyurethan insbesondere auf organischen Diisocyanaten
und Kettenverlängerern mit mehreren aktiven Wasserstoffatomen, wie z. B. Di- und Polyolen,
Di- und Polyaminen, Hydroxylaminen, Hydrazinen, Polyhydraziden, Polysemicarbaziden,
Wasser oder eine Mischung aus diesen Komponenten.
[0032] Einige von diesen Polymeren sind gegenüber einem durch Chlor induzierten Abbau empfindlicher
als andere. Dies ist beispielsweise durch einen Vergleich der Ergebnisse in dem nachstehenden
Beispiel 1 ersichtlich. Demnach sind Polyurethanharnstofffasern aus einem auf Polyether
basierenden Polyurethanharnstoff wesentlich empfindlicher als Polyurethanharnstofffasern
aus einem auf Polyester basierenden Polyurethanharnstoff. Aus diesem Grunde sind Polyurethanharnstofffasern
besonders bevorzugt, die auf Polyether basierende Polyurethanharnstoffe umfassen.
[0033] Bei den mit Metällfettsäuresalz beschichteten Hydrotalciten handelt es sich um Additive,
die kein Schwermetall enthalten und aus toxikologischer Sicht unbedenklich sind und
daher bevorzugt werden. Dadurch kann gewährleistet werden, dass bei der Weiterverarbeitung
der Polyurethanharnstofffasern wie z.B. der Färbung keine Abwasser entstehen, die
die Funktionsweise einer biologisch arbeitenden Kläranlage mindern oder zerstören.
[0034] Die Standzeit von Spinndüsen und die Dauer des kontinuierlichen Spinnprozesses ist
ein entscheidender Aspekt in Bezug auf die Betriebssicherheit und die Wirtschaftlichkeit
in Trocken- und Nassspinnprozess. Bei Einarbeitung der mit Metallfettsäuresalz beschichteten
Hydrotalcite in Polyurethanharnstoffspinnlösungen entsprechend der Erfindung kann,
wie in Beispiel 2 gezeigt wird, die Standzeit der Spinndüsen und damit verbunden die
Betriebssicherheit und die Wirtschaftlichkeit im Trocken- oder Nassspinnprozess verbessert
werden.
[0035] Des weiteren kann, wie in Beispiel 3 gezeigt wird, die Zudosierung von Antihaftmittel,
z.B. Magnesium-Stearat, zur Einstellung des Haftungswertes als Maß für die Haftung
der Filamente auf dem Spulkörper bei Verwendung von mit Metallfettsäuresalzen beschichteten
Hydrotalciten reduziert werden. Durch eine Reduktion der Einspinnmenge Antihaftmittel
kann die Verstopfung von Spinndüsen reduziert werden und der Trocken- und Nassspinnprozess
in seiner Betriebssicherheit und die Wirtschaftlichkeit verbessert werden.
[0036] Weiterer Gegenstand der Erfindung sind textile Waren, insbesondere Strick-, Wirk-
oder Webwaren, hergestellt unter Verwendung der erfindungsgemäßen Polyurethanharnstofffasern,
bevorzugt in Mischung mit synthetischen Hartfasern wie Polyamid-, Polyester- oder
Polyacrylfasern und/oder Naturfasern wie Wolle, Seide oder Baumwolle.
[0037] Die nachfolgend beschriebenen Testverfahren werden zum Messen der verschiedenen Parameter
verwendet, die für die Beurteilung der Vorteile der Erfindung benötigt werden.
[0038] Zur Bestimmung der Höchstzugkraftdehnung und der Feinheitsfestigkeit wird ein einfacher
Zugversuch am Elastan-Filamentgarn im klimatisierten Zustand durchgeführt. Die Prüfmethode
wird in Anlehnung an DIN 53834 Teil 1 durchgeführt. Der vorbereitete Prüfling wird
in einer Schlinge um den Haken des Messkopfes und um eine 10 mm Umschlingungsklemme
mit einer Vorspannkraft von 0,001 cN/dtex gelegt. Die Einspannlänge beträgt 200 mm.
Ein aus Alufolie bestehendes Fähnchen wird genau auf der Höhe der Lichtschranke eingehängt.
Der Schlitten fährt mit einer Verformungsgeschwindigkeit von 400 %/Minute (800 mm
Abzug) bis zum Bruch des Fadens und nach der Messung wieder in seine Ausgangsstellung
zurück. Pro Prüfling werden 20 Messungen gemacht.
[0039] Um die Beständigkeit der Elastan-Fasern gegenüber einem durch Chlor induzierten Abbau
zu testen, wird eine 60 cm lange Garnprobe (beispielsweise 4-filamentig, Gesamttiter
40 Denier), die aus den Fasern hergestellt worden ist, einem "Chlorwasserechtheitstest"
in Anlehnung an DIN 54019 unterzogen. Bei diesem Test wird das Garn spannungsfrei
mit einer Länge von 60 cm auf speziellen Probenhaltern befestigt. Vor dem eigentlichen
"Chlorwasserechtheitstest" wird eine Blindfärbung bei pH 4,5 (Acetatpuffer) bei 98°C
über eine Stunde durchgeführt. Die Probe wird dann bei Raumtemperatur 5 und 10 mal
jeweils für eine Stunde im Dunkeln in der Prüflösung, bestehend aus einer Pufferlösung
(51,0 ml 1,0 N NaOH, 18,6g KCl und 15,5g Borsäure werden in destilliertem Wasser gelöst
und auf 1000 ml aufgefüllt) und Chlorlauge, mit einem Chlorgehalt von 20 mg/l bei
pH 8,5 behandelt. Nach jeder Behandlung wird die Probe mit destilliertem Wasser gewaschen
und an der Luft getrocknet. Nach Abschluss der 5 bzw. 10 maligen Behandlung werden
die physikalischen Eigenschaften der Probe so gemessen, wie dies in vorstehenden Absätzen
beschrieben wurde. Das Verhalten der Garne bei diesem "Chlorbadewassertest" entspricht
dem Verhalten von entsprechenden Garnen in Schwimmbekleidungsgeweben, die den in Schwimmbädern
vorhandenen Chlor ausgesetzt werden.
[0040] Die Chlorkonzentration in dem "chlorierten" Wasser wird hier definiert als diejenige
Chlorkonzentration, die in der Lage ist, Jodidionen zu Jod zu oxidieren. Diese Konzentration
wird mit einer Kaliumjodid, Natriumthiosulfat-Titration gemessen und als ppm "aktives
Chlor" (Cl
2) pro Liter Prüflösung angegeben. Das Titrationsverfahren wird so durchgeführt, dass
man 1 g Kaliumjodid, 2 ml Phosphorsäure (85 %ig) und 1 ml einer 10 %igen Stärkelösung
zu 100 ml chloriertem Wasser, das analysiert werden soll, hinzufügt und die Mischung
bis zu einem Stärke/Jod-Endpunkt mit 0,1 N Natriumthiosulfatlösung titriert.
[0041] Die Bestimmung der Haftung des Fadens auf einer Spule erfolgt, indem zunächst der
Faden von der Spule mit einem Gewicht von 500 g bis auf 3 mm oberhalb der Spulenhülse
abgeschnitten wird. Anschließend wird ein Gewicht an den Faden gehängt und das Gewicht
bestimmt, mit dem sich der Faden von der Spule abrollt. Die so bestimmte Haftung ist
ein Maß für die Verarbeitbarkeit der Spulen. Ist die Haftung zu hoch, kann aufgrund
von Fadenrissen die Verarbeitbarkeit zu textilen Flächenwaren erschwert werden. Ist
die Haftung zu niedrig, kann der Faden im Aufwickelprozess am Trockenspinnschacht
oder bei der Weiterverarbeitung zu textilen Geweben von der Spule herunterfallen,
abreißen und damit verbunden nicht mehr weiterverarbeitet werden.
[0042] Die Erfindung wird nachfolgend durch Beispiele, die jedoch keine Beschränkung darstellen,
weiter erläutert, wobei alle Prozentangaben sich auf das Gesamtgewicht der Faser beziehen,
sofern nichts anderes angegeben wird.
Beispiele:
[0043] In den Beispielen 1 bis 3 wurden Polyurethanharnstofffasern aus einem Polyetherdiol,
bestehend aus Polytetrahydrofuran (PTHF) mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht
(Zahlenmittel) von 2000 g/mol hergestellt. Das Diol wurde mit Methylen-bis(4-phenyldiisocyanat)
(MDI) mit einem molaren Verhältnis von 1 zu 1,65 gekappt und dann mit einem Gemisch
aus Ethylendiamin (EDA) und Diethylamin (DEA) in Dimethylacetamid kettenverlängert.
[0044] Danach wurde den Polymeren ein Stammansatz von Additiven beigemischt. Dieser Stammansatz
bestand aus 55,3 Gew.-% Dimethylacetamid (DMAC), 11,1 Gew.-% Cyanox 1790 ((1,3,5-Tris(4-tert.-butyl-3-hydroxy-2,5-dimethylbenzyl)-1,3,5-triazin-2,4,6-(1H,3H,5H)-trion,
Fa. Cytec), 7,6 Gew.-% Aerosol OT 100 (Fa. Cytec), 26,0 Gew.-% 30 %iger Spinnlösung
und 0,001 Gew.-% des Farbstoffs Makrolexviolett (Fa. Bayer AG). Dieser Stammansatz
wurde der Spinnlösung so zugefügt, dass in der fertigen Faser der Gehalt an Cyanox
1790 1 Gew.-% bezogen auf den Feststoff des Faserpolymeren betrug.
[0045] Dieser Spinnlösung wurde ein zweiter Stammansatz zugemischt, bestehend aus 30,9 Gew.-%
Titandioxid Typ RKB 3 (Fa. Kerr-McGee Pigments GmbH & Co. KG ), 44,5 Gew.-% DMAC und
24,6 Gew.-% 22 %iger Spinnlösung, in der Art, dass in der fertigen Faser ein Titandioxidgehalt
von 0,05 Gew.-% bezogen auf das Polyurethan-Harnstoff-Polymere resultierte.
[0046] Dieser Spinnlösung wurde ein dritter Stammansatz zugemischt, bestehend aus 13,8 Gew.-%
der in Tabelle 1 angegebenen Hydrotalcite, 55,2 Gew.-% Dimethylacetamid und 31,0 Gew.-%
30 %ige Spinnlösung, in der Art, dass in der fertigen Elastanfaser 3,0 Gew.-% der
in Tabelle 1 angegebenen Hydrotalcite bezogen auf das Polyurethan-Harnstoff-Polymere
resultierte.
[0047] Dieser Spinnlösung wurde nun ein weiterer Stammansatz zugemischt. Er bestand aus
5,3 Gew.-% Magnesium-Stearat, und 5,3 Gew.-% Silwet L 7607 (Fa. Crompton Specialities
GmbH 49,6 Gew.-% Dimethylacetamid und 39,8 Gew.-% 30 %iger Spinnlösung und wurde so
zugesetzt, dass ein Magnesium-Stearat-Gehalt von 0,3 Gew.-% bezogen auf das Polyurethan-Harnstoff
Polymere resultierte.
[0048] Die Herstellung einer Polyurethanharnstofflösung auf Basis eines Polyesterdiols erfolgte
nach folgender Verfahrensweise:
[0049] Ein Polyesterdiol mit einem Molekulargewicht (Zahlenmittel) von 2000 g/Mol, bestehend
aus Adipinsäure, Hexandiol und Neopentylglykol, wurde mit Methylen-bis(4-phenyldiisocyanat)
(MDI, Fa. Bayer AG) gekappt und dann mit einem Gemisch von Ethylendiamin (EDA) und
Diethylamin (DEA) kettenverlängert.
[0050] Zur Herstellung der Polyurethanharnstoffzusammensetzung wurden 50 Gew.-% Polyesterdiol
mit einem Molekulargewicht (Zahlenmittel) von 2000 g/Mol mit 1 Gew.-% 4-Methyl-4-azaheptandiol-2,6
und 36,2 Gew.-% Dimethylacetamid (DMAc) und 12,8 Gew.-% MDI bei 25°C gemischt, auf
50°C erwärmt und 110 Minuten bei dieser Temperatur gehalten, um ein isocyanatgekapptes
Polymeres mit einem NCO-Gehalt von 2,65 % NCO zu gewinnen.
[0051] Nach dem Abkühlen auf eine Temperatur von 25°C wurden 100 Gewichtsteilen des gekappten
Polymeren zu einer Lösung von 1,32 Gewichtsteilen EDA und 0,04 Gewichtsteilen DEA
in 187 Teilen DMAc so schnell untergemischt, so dass eine Polyurethanharnstoffzusammensetzung
in DMAc mit einem Feststoffgehalt von 22 % entstand. Durch Zugabe von Hexamethylendiisocyanat
(HDI, Fa. Bayer AG) wurde das Molekulargewicht des Polymeren so eingestellt, dass
eine Viskosität von 70 Pa*s (25°C) resultierte.
[0052] Nach der im vorstehenden Abschnitt beschriebenen Herstellung der Polymeren wurde
diesen ein Stammansatz von Additiven beigemischt. Dieser Stammansatz bestand aus 65,6
Gew.-% DMAC, 11,5 Gew.-% Cyanox 1790 ((1,3,5-Tris(4-tert.-butyl-3-hydroxy-2,5-dimethylbenzyl)-1,3,5-triazin-2,4,6-(1H,3H,5H)-trion,
Fa. Cytec), 5,7 Gew.-% Tinuvin 622 (Polymer mit einer Molmasse von ca. 3500 g/Mol,
bestehend aus Bernsteinsäure und 4-Hydroxy-2,2,6,6-tetramethyl-1-piperidinethanol,
Fa. Ciba Geigy), und 17,2 Gew.-% 22 %iger Spinnlösung und 0,001 Gew.-% des Farbstoffs
Makrolexviolett B (Fa. Bayer AG). Dieser Stammansatz wurde der Spinnlösung so zudosiert,
dass der Gehalt an Cyanox 1790 1,0 Gew.-% bezogen auf den gesamten Feststoffgehalt
in der Polyurethanharnstoffzusammensetzung, betrug.
[0053] Dieser Spinnlösung wurde ein zweiter Stammansatz, bestehend aus 31 Gew.-% Titandioxid
(Tronox TiO
2 R-KB-3, Fa. Kerr-McGee Pigments GmbH & Co. KG), 44,5 Gew.-% Dimethylacetamid und
24,5 Gew.-% 22 %iger Spinnlösung, in der Art zugemischt, dass im fertigen Faden ein
Titandioxidgehalt von 0,05 Gew.-%, bezogen auf die fertige Polyurethanharnstofffaser
resultierte.
[0054] Dieser Spinnlösung wurde nun ein weiterer Stammansatz zugemischt. Er bestand aus
5,3 Gew.-% Magnesium-Stearat, und 5,3 Gew.-% Silwet L 7607 (Fa. Crompton Specialities
GmbH 49,6 Gew.-% Dimethylacetamid und 39,8 Gew.-% 30 %iger Spinnlösung und wurde so
zugesetzt, dass ein Magnesium-Stearat-Gehalt von 0,45 Gew.-% bezogen auf das Polyurethan-Harnstoff
Polymere resultierte.
[0055] Die fertigen Spinnlösungen wurden durch Spinndüsen in einer typischen Spinnapparatur
zu Filamenten mit einem Titer von 15 dtex trocken versponnen, wobei jeweils drei Einzelfilamente
zu koaleszierenden Filamentgamen mit einem Gesamttiter von 44 dtex zusammengefasst
wurden. Die Faserpräparation, bestehend aus Polydimethylsiloxan mit einer Viskosität
von 3 cSt/25°C und wurde über eine Präparationswalze aufgetragen, wobei ca. 4,0 Gew.-%
bezogen auf das Gewicht der Faser appliziert wurden. Die Faser wurde anschließend
mit einer Geschwindigkeit von 900 m/min aufgewickelt.
Beispiel 1:
[0056] Die Testergebnisse der Messungen zur Beständigkeit von Elastanfasern gegenüber einem
durch Chlorwasser induzierten Abbau sind in Tabelle 1 gezeigt. Dabei wurden Polyurethanharnstoffe
auf Basis von Polyethern und Polyestern eingesetzt, ebenso unterschiedliche Stabilisatoren
und Beschichtungsmittel. Es zeigt sich, dass insbesondere bei der erfindungsgemäßen
Probe 1-7 der höchste Prozent-Anteil der ursprünglichen Höchstzugkraft erhalten bleibt.
Somit ist bei diese Probe die Stabilität gegen einen durch Chlorwasser induzierten
Abbau wie gewünscht sehr gut.
Beispiel 2:
[0057] Zur Beurteilung der Standzeit von Spinndüsen und die Dauer des kontinuierlichen Spinnprozesses
wurden Polyurethanharnstoffzusammensetzungen auf Basis von Polyether mit den in Tabelle
2 aufgeführten unbeschichteten und beschichteten Hydrotalciten versetzt und durch
einen wie zuvor beschriebenen Trockenspinnprozess zu einer Polyurethanharnstofffaser
verarbeitet. Bei Einarbeitung der mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcite
in Polyurethanharnstoffspinnlösungen kann, wie in Beispiel 2 gezeigt wird, die Standzeit
der Spinndüsen und damit verbunden die Betriebssicherheit und die Wirtschaftlichkeit
im Trocken- oder Nassspinnprozess verbessert werden.
Beispiel 3:
[0058] Zur Beurteilung der Fadendaten und hier besonders der Haftung von Polyurethanharnstofffasern
wurden Polyurethanharnstoffzusammensetzungen auf der Basis von Polyether mit den in
Tabelle 3 genannten beschichteten Hydrotalciten versetzt und als 44dtex f3 ausgesponnen.
Die Fadendaten wurden gemäß der zuvor beschriebener Prüfvorschriften bestimmt. Wie
in Tabelle 3 gezeigt wird, ist die Haftung stark abhängig von der Substanz zur Beschichtung
des Hydrotalcits. Zur erfolgreichen Verarbeitung von Elastanfasern in der Rundstrickerei
wird z.B. eine Haftung von 0,20 bis 0,25 cN benötigt. Zur Einstellung dieses Wertes
muss die Elastanfaser, welche ein mit Polyorganosiloxan beschichtetes Hydrotalcit
enthält eine zusätzliche Menge Antihaftmittel, z.B. Magnesium-Stearat erhalten. Durch
eine Erhöhung der Einspinnmenge Antihaftmittel kann eine raschere Verstopfung von
Spinndüsen einhergehen und den Trocken- und Nassspinnprozess in seiner Betriebssicherheit
und Wirtschaftlichkeit verschlechtern.
Tabelle 2
| Probe |
Stabilisator |
Zugesetzte Menge Stabilisator
(Gew.-%) |
Beschichtung mit (Gew.-% in Bezug auf Stabilisator) |
Spinndauer bis zu Fadenabrissen im Spinnprozess
(Tage) |
| 2-1 |
Mg6Al2(OH)16CO3 x 5 H2O |
3 |
- |
4 |
| 2-2 |
Mg6Al2(OH)16CO3 x 5 H2O |
3 |
5 % Baysilone-Öl GPW 2233* |
6 |
| 2-3 |
Mg6Al2(OH)16CO3 x 5H2O |
3 |
2 % Magnesium-Stearat |
>10 |
| * Hersteller: GE Bayer Silicones |
Tabelle 3
| Probe |
Stabilisator |
Zugesetzte Menge Stabilisator
(Gew.-%) |
Beschichtung mit (Gew.-% in Bezug auf Stabilisator) |
HZK
(cN) |
Haftung (cN) |
| 3-1 |
Mg6Al2(OH)16CO3 x 5H2O |
3 |
2 % Magnesium-Stearat |
74 |
0,23 |
| 3-2 |
Mg6Al2(OH)16CO3 x 5H2O |
3 |
5 % Baysilone-Öl GPW 2233* |
74 |
0,44 |
| * Hersteller: GE Bayer Silicones |
1. Polyurethanharnstofffaser mit erhöhter Chlorbeständigkeit aus mindestens 85 % segmentiertem
Polyurethanharnstoff, wobei die Polyurethanharnstofffaser 0,05 bis 10 Gew.-% fein
zerteiltes Hydrotalcit insbesondere solches der allgemeinen Formel (1)
M
1-x 2+Al
x(OH)
2A'
x/n n- · mH
2O (1),
wobei
M2+ für Magnesium steht,
A'n- ein Anion mit der Valenzzahl n aus der Reihe OH-, F-, Cl-, Br-, CO32-, SO42-, HPO42-, Silikat, Acetat oder Oxalat, insbesondere OH-, F-, Cl-, Br-, Silikat, Acetat oder Oxalat ist,
0 < x ≤ 0,5 und
0 ≤ m<1
oder Hydrotalcit der Formel (2)
Mg
1-yAl
y(OH)
u(A
2-)
y/2· wH
2O (2)
wobei 0,20 < y < 0,35, u eine Zahl von 1 bis 10, w eine Zahl von 0 bis 20 und A
2- ein Anion aus der Reihe CO
32-, SO
42- oder HPO
42-, insbesondere CO
32-, ist,
enthalten,
dadurch gekennzeichnet, dass die Hydrotalcite mit 0,2 bis 15 Gew.-% eines Metallfettsäuresalz beschichtet sind.
2. Polyurethanharnstofffasern nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Menge des mit Metallfettsäuresalz beschichteten Hydrotalcits, die in den Polyurethanharnstofffasern
fein verteilt enthalten ist, von 0,05 Gew.-% bis 10 Gew.-%, vorzugsweise von 0,5 Gew.-%
bis 8 Gew.-%, besonders bevorzugt von 1,5 Gew.-% bis 7 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt
von 2 Gew.-% bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht der Faser beträgt.
3. Polyurethanharnstofffaser nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, däss die Hydrotalcite solche der Formeln (3) oder (4) sind:
Mg6Al2(OH)16(A2-). wH2O (3);
Mg4Al2(OH)12(A2-). wH2O (4),
in denen A2- und w die oben zu Formel (2) angegebene Bedeutung haben.
4. Polyurethanharnstofffaser nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Hydrotalcite solche der Formel (5) oder (6) sind:
Mg6Al2(OH)16CO3.5H2O (5);
Mg4Al2(OH)12CO3.4H2O (6).
5. Polyurethanharnstofffaser nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallfettsäuresalze zur Beschichtung der Hydrotalcite mit einem Gehalt von 0,2
bis 15 Gew.-% bezogen auf das Gewicht des Hydrotalcits eingesetzt werden, bevorzugt
von 0,3 bis 12 Gew.-%, besonders bevorzugt von 0,5 bis 8 Gew.-%.
6. Polyurethanharnstofffaser nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Metallfettsäuresalz eines mit einem Metall ausgewählt aus der ersten bis dritten
Hauptgruppe des Periodensystems oder Zink ist und die Fettsäure eine gesättigte oder
ungesättigte Fettsäure ist, die aus mindestens sechs bis höchstens 30 Kohlenstoffatomen
aufgebaut ist und insbesondere mono- oder bifunktionell ist.
7. Polyurethanharnstofffaser nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Metallfettsäuresalz ausgewählt ist aus der Reihe: Lithium-, Magnesium-, Calcium-,
Aluminium- und Zinksalze der Öl-, Palmitin- oder Stearinsäure, bevorzugt Magnesiumstearat,
Calciumstearat oder Aluminiumstearat, besonders bevorzugt um Magnesiumstearat
8. Polyurethanharnstofffaser nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mit Metallfettsäuresalz beschichtete Hydrotalcit einen mittleren Durchmesser
(Zahlenmittel) von höchstens 5µm, bevorzugt von höchstens 3µm, besonders bevorzugt
von höchstens 2µm und ganz besonders bevorzugt von höchstens 1 µm hat.
9. Verfahren zur Herstellung von Polyurethanharnstofffasern, insbesondere einer Polyurethanharnstofffaser
nach einer der Ansprüche 1 bis 8, bei dem ein langkettiges synthetisches Polymer mit
wenigstens 85 % segmentiertem Polyurethan in einem organischen Lösungsmittel, z.B.
Dimethylacetamid, Dimethylformamid oder Dimethylsulfoxid, mit einem Anteil von 20
bis 50 Gew.-% in Bezug auf die Polyurethanharnstoffzusammensetzung, vorzugsweise mit
einem Anteil von 25 bis 45 Gew.-% in Bezug auf die Polyurethanharnstoffzusammensetzung
gelöst, und diese Lösung dann durch Spinndüsen nach dem Trocken- oder Nassspinnprozess
zu Filamenten versponnen wird, dadurch gekennzeichnet, dass mit einem Metallfettsäuresalz ummanteltes Hydrotalcit in einer Menge von 0,05 Gew.-%
bis 10 Gew.-%, vorzugsweise einer Menge von 0,5 Gew.-% bis 8 Gew.-%, besonders bevorzugt
einer Menge von 1,5 Gew.-% bis 7 Gew.-%, und ganz besonders bevorzugt einer Menge
von 2 Gew.-% bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Polyurethanharnstofffaser,
der Spinnlösung zugesetzt und innerhalb der Filamente und/oder auf der Filamentoberfläche
verteilt wird.
10. Textile Waren, insbesondere Strick-, Wirk- oder Webwaren, hergestellt unter Verwendung
der Polyurethanharnstofffasern gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8, bevorzugt in Mischung
mit synthetischen Hartfasern wie Polyamid-, Polyester- oder Polyacrylfasern und/oder
mit Naturfasern wie Wolle, Seide oder Baumwolle.