[0001] Die Erfindung betrifft einen Dampfturbinenrotor, der sich entlang einer axialen Ausdehnung
erstreckt, aufweisend: eine Außenseite, die an einen Außenraum grenzt, der zur Aufnahme
einer Hauptströmung eines fluiden Arbeitsmediums vorgesehen ist, und eine erste Stelle
entlang der Außenseite, bei der eine erste Schaufelreihe gehalten ist. Die Erfindung
betrifft auch eine Dampfturbine. Weiter betrifft die Erfindung ein Verfahren zur aktiven
Kühlung eines Dampfturbinenrotors der genannten Art.
[0002] Bei der Beaufschlagung einer Dampfturbine mit heißem Dampf als Arbeitsmedium ist
man bestrebt, zur Steigerung der erreichbaren Dampftemperaturen hochbeanspruchte Bauteile
gezielt zu kühlen. Dies umfasst - soweit möglich - eine Abschirmung und eine Wärmeabfuhr
durch eine entsprechend dimensionierte Kühlung. Unter einer Dampfturbine im Sinne
der vorliegenden Anmeldung wird jede Turbine oder Teilturbine verstanden, die von
einem Arbeitsmedium in Form von Dampf durchströmt wird. Im Unterschied dazu werden
Gasturbinen mit Gas und/oder Luft als Arbeitsmedium durchströmt, das jedoch völlig
anderen Temperatur- und Druckbedingungen unterliegt als der Dampf bei einer Dampfturbine.
Im Gegensatz zu Gasturbinen weist bei Dampfturbinen z. B. das einer Teilturbine zuströmende
Arbeitsmedium mit der höchsten Temperatur gleichzeitig den höchsten Druck auf. Ein
offenes Kühlsystem ist also nicht ohne Teilturbinen-externe Zuführung eines Kühlmediums
realisierbar. Kühlmaßnahmen, wie sie von Gasturbinen bekannt sind, erweisen sich deshalb
in ihrer von Gasturbinen bekannten und lediglich für Gasturbinen geeigneten Form als
nicht übertragbar auf Dampfturbinen.
[0003] Unter einem Gehäuse einer Dampfturbine ist insbesondere das stationäre Gehäusebauteil
einer Dampfturbine oder einer Teilturbine zu verstehen, das entlang der axialen Ausdehnung
der Dampfturbine einen Innenraum aufweist, der zur Durchströmung mit dem Arbeitsmedium
Dampf vorgesehen ist. Dies kann, je nach Dampfturbinenart, ein Innengehäuse und/oder
auch ein Leitschaufelträger sein. Unter einem Dampfturbinengehäuse ist auch ein Turbinengehäuse
zu verstehen, welches kein Innengehäuse oder keinen Leitschaufelträger aufweist.
[0004] In dem Innenraum ist entlang der axialen Ausdehnung ein mit Schaufeln besetzter Rotor
drehbar angeordnet, so dass bei Durchströmung des Innenraums mit erhitztem und unter
Druck stehendem Dampf der Rotor über die Schaufeln durch den Dampf in Drehung versetzt
wird. Die Schaufeln des Rotors werden auch als Laufschaufeln bezeichnet. Eine Dampfturbine
weist darüber hinaus stationäre Leitschaufeln auf, welche in die Zwischenräüme der
Rotorschaufeln greifen und durch das Innengehäuse/den Leitschaufelträger gehalten
werden. Eine Laufschaufel ist üblicherweise entlang einer Außenseite eines Dampfturbinenrotors
gehalten. Dabei ist sie üblicherweise Teil eines Laufschaufelkranzes, welcher eine
Anzahl von Laufschaufeln umfasst, die entlang eines Außenumfangs an der Außenseite
des Dampfturbinenrotors angeordnet sind. Dabei weist jede Laufschaufel mit ihrem Schaufelblatt
radial nach außen. Ein Laufschaufelkranz wird auch als Laufschaufelreihe bezeichnet.
Üblicherweise ist eine Anzahl von Laufschaufelreihen hintereinander geschaltet. Entsprechend
ist an einer zweiten Stelle entlang der axialen Ausdehnung hinter der ersten Stelle
ein weiterer zweiter Schaufelkranz entlang der Außenseite des Dampfturbinenrotors
gehalten.
[0005] Bei den bisher bekannten Kühlmethoden, insbesondere für einen Dampfturbinenrotor,
ist zwischen einer aktiven Kühlung und einer passiven Kühlung zu unterscheiden. Bei
einer aktiven Kühlung wird eine Kühlung durch ein dem Dampfturbinenrotor separat,
d. h. zusätzlich zum Arbeitsmedium zugeführtes Kühlmedium bewirkt. Dagegen erfolgt
eine passive Kühlung lediglich durch eine geeignete Führung oder Verwendung des Arbeitsmediums
in der Hauptströmung. Eine übliche Kühlung eines Dampfturbinenrotors beschränkt sich
auf eine passive Kühlung.
[0006] Aus der US 6,102,654 und der WO 97/49901 ist hingegen bekannt, einen Rotor einer
Dampfturbine mit kühlem, bereits expandiertem Dampf zu durchströmen. Dabei wird Kühlmedium
durch einen im Wesentlichen zentralen Hohlraum entlang einer inneren Rotorwandung
geführt und dann von dort über separate radiale Stichkanäle nach außen, insbesondere
zu kühlenden Bereichen des Gehäuses zugeleitet. Dadurch, dass der zentrale Hohlraum
und die Stichkanäle an der Stelle der höchsten Bauteilbelastung angeordnet sind, führt
dies zu einem erheblichen Festigkeitsnachteil für den Rotor. Dies hat auch den Nachteil,
dass eine Temperaturdifferenz über die Rotorwandung beschränkt bleiben muss, da sich
sonst bei einer zu großen Temperaturdifferenz der Rotor thermisch zu stark verformen
würde. Aus diesen Gründen ist ein derartiges Konzept bislang noch nicht verbreitet
zum Einsatz gekommen. Bei einer Durchströmung des Rotors findet zwar eine Wärmeabfuhr
statt, jedoch erfolgt die Wärmeabfuhr relativ weit entfernt von der Stelle der Wärmezufuhr.
Eine Wärmeabfuhr in unmittelbarer Nähe der Wärmezufuhr ist bisher nicht in ausreichendem
Maße verwirklicht worden.
[0007] Eine weitere, passive Kühlung kann mittels einer geeigneten Führung und Verwendung
der Expansion des Dampfes des Arbeitsmediums erreicht werden. Dabei wird der einer
Dampfturbine zuströmende Dampf durch ausschließlich stationäre Teile, z. B. einen
Leitschaufelkranz oder radial wirkende Leitschaufeln zunächst expandiert, bevor er
rotierende Bauteile beaufschlagt. Der Dampf erfährt dabei eine Abkühlung im Bereich
von etwa 10 K. Hierüber lässt sich allerdings nur eine sehr begrenzte Kühlwirkung
auf den Rotor erzielen.
[0008] In der US 6,102,654 wird eine aktive Kühlung eines Dampfturbinenrotors nur in einem
sehr eingeschränkten Umfang verwirklicht und die Kühlung ist zudem auf den Einströmbereich
des heißen Arbeitsmediums beschränkt. Wie in FIG 1 dieser Anmeldung wiedergegeben,
wird gemäß der US 6,102,654 Kühlmedium durch das Gehäuse auf ein Schutzschild und
auf einen ersten Leitschaufelring geleitet, um eine Temperaturbeanspruchung des Rotors
und des ersten Leitschaufelrings zu reduzieren. Ein Teil des Kühlmediums wird dem
Arbeitsmedium beigemischt. Abgesehen von der Beschränkung der Kühlung auf den Einströmbereich
soll eine Kühlung lediglich durch ein Anströmen der zu kühlenden Komponenten erreicht
werden. Der dadurch erreichbare Kühleffekt auf den Rotor ist begrenzt, da er sich
auf den Einströmbereich der Hauptströmung beschränkt.
[0009] Aus der WO 97/49901 ist bekannt, einen einzelnen Leitschaufelkranz selektiv durch
einen von einem zentralen Hohlraum bespeisten separaten radialen Kanal im Rotor zu
kühlen. Dazu wird Kühlmedium über den Kanal dem Arbeitsmedium beigemischt und der
zu kühlende Leitschaufelkranz durch Kühlmedium selektiv angeströmt. Der Kühleffekt
auf den Rotor ist dabei verbesserungswürdig. Darüber hinaus bewirkt die Bohrung nachteiligerweise
eine deutliche Spannungserhöhung des Rotors gegenüber der Ausgestaltung ohne Bohrung.
[0010] In der EP 1154123 ist eine Möglichkeit der Entnahme und Führung eines Kühlmediums
aus anderen Bereichen eines Dampfsystems und die Zuführung des Kühlmediums im Einströmbereich
des Arbeitsmediums beschrieben.
[0011] Zur Erzielung höherer Wirkungsgrade bei der Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen
besteht das Bedürfnis, höhere Dampfparameter, d. h. höhere Drücke und Temperaturen
als bisher üblich anzuwenden. Dabei sind beim Dampf als Arbeitsmedium Drücke über
250 bar und Temperaturen über 540 C vorgesehen. Im Detail sind solche Dampfparameter
in dem Artikel "Neue Dampfturbinenkonzepte für höhere Eintrittsparameter und längere
Endschaufeln" von H. G. Neft und G. Franconville in der Zeitschrift VGB Kraftwerkstechnik,
Nr. 73 (1993), Heft 5, angegeben. Der Offenbarungsgehalt des Artikels wird hiermit
in die Beschreibung dieser Anmeldung aufgenommen. Insbesondere sind Beispiele höherer
Dampfparameter in Bild 13 des Artikels genannt. In dem genannten Artikel wird zur
Verbesserung der Kühlung eines Dampfturbinenrotors eine Kühldampfzufuhr und Weiterleitung
des Kühldampfs durch die erste Leitschaufelstufe und gegebenenfalls auch durch die
zweite Leitschaufelstufe vorgeschlagen. Damit wird eine aktive Kühlung lediglich für
das Dampfturbinengehäuse bereitgestellt. Zudem ist die Kühlung auf den Hauptströmungsbereich
des Arbeitsmediums beschränkt und noch verbesserungswürdig.
[0012] Alle bisher bekannten Kühlverfahren für einen Dampfturbinenrotor sehen also, soweit
es sich überhaupt um aktive Kühlverfahren handelt, allenfalls ein gezieltes Anströmen
eines separaten und zu kühlenden Turbinenteiles vor und sind auf den Einströmbereich
des Arbeitsmediums beschränkt. Dies kann bei einer Belastung üblicher Dampfturbinen
mit höheren Dampfparametern zu einer auf die ganze Turbine wirkenden, erhöhten thermischen
Belastung führen, welche durch eine oben beschriebene übliche Kühlung des Rotors nur
unzureichend abgebaut werden könnte. Dampfturbinen, die zur Erzielung höherer Wirkungsgrade
beispielsweise mit höheren Dampfparametern arbeiten, benötigen eine verbesserte Kühlung,
insbesondere des Rotors, um eine höhere thermische Belastung der Dampfturbine in genügendem
Maße abzubauen. Dabei besteht das Problem, dass bei der Nutzung bisher üblicher Turbinenmaterialien
die zunehmende Beanspruchung des Rotors durch erhöhte Dampfparameter zu einer nachteiligen
thermischen Belastung des Rotors und einer unzulässigen Temperaturerhöhung desselben
führen kann.
[0013] Es ist deshalb Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung und ein Verfahren
und eine Verwendung anzugeben, die eine ausreichende Kühlung eines Dampfturbinenrotors,
insbesondere beim Betrieb einer Dampfturbine mit erhöhten Dampfparametern und üblichen
Turbinenmaterialien, gewährleisten.
[0014] Diese Aufgabe wird durch die Erfindung mittels eines eingangs genannten Dampfturbinenrotors
gelöst, bei dem mindestens eine integrierte Durchführung vorgesehen ist, die sich
wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle angeordneten ersten Bereich und einem
hinter der ersten Stelle angeordneten zweiten Bereich durchgängig erstreckt.
[0015] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass zur Bereitstellung einer ausreichenden
Kühlung eines Dampfturbinen-Rotors eine über den Einströmbereich des Arbeitsmediums
und eine über die lediglich separate Kühlung der ersten Schaufelstufe hinausgehende,
aktive Kühlung innerhalb eines Dampfturbinenrotors vorgesehen sein sollte. Die Erkenntnis
der Erfindung liegt darin, dass dies mit einer durchgängig im Rotor integrierten Durchführung
erreicht werden kann, die wenigstens über eine Schaufelstufe hinausgeht. Dies schafft
die Möglichkeit einer aktiven Kühlung eines erheblichen oder ganzen Teils des die
Laufschaufeln aufnehmenden Rotors. Der Teil geht jedenfalls über den Einströmbereich
hinaus und geht wenigstens über eine Schaufelstufe hinaus. Vorteilhaft erstreckt sich
der Teil über wenigstens zwei Schaufelstufen, günstigerweise über mehrere Stufen der
Laufbeschaufelung. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, ein Kühlfluid mittels eines
im Rotor integrierten und zusammenhängenden Durchführungssystems durchgängig zu führen.
[0016] Dies hat den wesentlichen Vorteil, dass die Kühlung eines Dampfturbinenrotors nicht
nur über wenigstens eine, vorteilhaft über mehrere Schaufelstufen, also wenigstens
zwischen einem vor der ersten Stelle angeordneten ersten Bereich und einem hinter
der ersten Stelle angeordneten zweiten Bereich durchgängig erfolgt, sondern hat auch
den Vorteil, dass die Wärmeabfuhr in unmittelbarer Nähe der Wärmezufuhr, nämlich in
der Nähe seiner Oberfläche, erfolgt. Auf diese Weise wird die Kühlung bei üblichen
Dampfturbinen verbessert, so dass diese mit geringeren Materialkosten gefertigt werden
könnten. Des Weiteren erlaubt das vorgeschlagene Kühlungskonzept den Entwurf neuer
Dampfturbinenkonzepte für höhere Eintrittsparameter, insbesondere auch bei höchsten
Dampfparametern wie sie beispielsweise bei Temperaturen oberhalb von 500 C bestehen.
Beispiele dafür finden sich in dem oben genannten Artikel "Neue Dampfturbinenkonzepte
für höhere Eintrittsparameter und längere Endschaufeln" von H. G. Neft und G. Franconville.
Beispielhafte Dampfparameter des Dampfes als Arbeitsmedium liegen beispielsweise bei
250 bar und 545 C bzw. bei 300 bar und 600 C.
[0017] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zum Dampfturbinenrotor
zu entnehmen und geben im Einzelnen vorteilhafte Möglichkeiten an, den vorgeschlagenen
Rotor hinsichtlich der genannten und weiterer Vorteile im Einzelnen weiterzubilden.
[0018] Eine besonders bevorzugte Weiterbildung sieht eine zweite Stelle entlang der Außenseite
vor, bei der eine zweite Schaufelreihe gehalten ist, wobei entlang der axialen Ausdehnung
die zweite Stelle hinter der ersten Stelle angeordnet ist und wobei sich die Durchführung
wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle angeordneten ersten Bereich und einem
hinter der zweiten Stelle angeordneten zweiten Bereich durchgängig erstreckt. Es könnte
auch zwischen der ersten Stelle und der zweiten Stelle eine Anzahl von weiteren Stellen
vorgesehen sein, bei denen jeweils eine Schaufelreihe gehalten ist. Insbesondere ist
die mindestens eine Durchführung in vorteilhafter Weise Teil eines zusammenhängenden
Durchführungssystems, das sich entlang der axialen Ausdehnung des Dampfturbinenrotors
erstreckt. Dies schafft die Möglichkeit, Kühldampf parallel zur Hauptströmung zu führen.
Die Kühlung mehrerer Schaufelstufen wird möglichst entlang des gesamten Rotors ermöglicht.
Je nach Anforderungen und Bedarf könnte ein Durchführungssystem flexibel ausgelegt
sein. Die mindestens eine Durchführung könnte sich günstigerweise zwischen einem vor
dem ersten Schaufelkranz angeordneten ersten Bereich und einem hinter dem letzten
Schaufelkranz angeordneten zweiten Bereich durchgängig erstrecken. Ein Durchführungssystem
könnte jedoch auch aus Teilsystemen aufgebaut sein. Es könnte dabei zusätzlich oder
alternativ eine erste Anzahl von Durchführungen vorgesehen sein, die jeweils durchgängig
über eine einzige oder mehrere Schaufelstufen entlang der axialen Ausdehnung hinaus
gehen. Diese könnten dabei über weitere zweite Durchführungen zu einem Durchführungssystem
verbunden sein, die radial oder beliebig anders ausgerichtet sind. Die mindestens
eine Durchführung bzw. die erste Anzahl von Durchführungen sind dabei vorteilhaft
oberflächennah angeordnet. Die weiteren zweiten Durchführungen könnten auch beliebig
im Rotor verlaufen oder aus der Rotoroberfläche heraus führen.
[0019] Günstigerweise ist ein offenes Kühlsystem vorgesehen, das die Möglichkeit der Anpassung
der Parameter des Kühlmediums an die Parameter des Arbeitsmediums vorsieht. Dies wird
im Einzelnen anhand des vorgeschlagenen Verfahrens weiter unten erläutert.
[0020] Im Unterschied zum Arbeitsmedium bei Gasturbinen weist bei Dampfturbinen das zuströmende
Arbeitsmedium mit der höchsten Temperatur auch gleichzeitig den höchsten Druck auf.
Günstigerweise ist bei einem Dampfturbinenrotor deshalb die mindestens eine Durchführung
Teil eines zusammenhängenden Durchführungssystems, das eine externe Zuführung aufweist,
die für die Zuströmung von Kühlmedium vorgesehen ist. Dies schafft die Möglichkeit,
das Kühlmedium mit einem zumindest geringfügig höheren Druck als das Arbeitsmedium
der Durchführung zuzuleiten. Dies kann vorteilhaft dadurch erreicht werden, dass das
Kühlmedium dem Wasser-Dampf-Kreislauf an einer Stelle höheren Druckes und hinreichend
niedriger Temperatur entnommen wird.
[0021] Im Folgenden werden weitere vorteilhafte Ausgestaltungen eines Durchführungssystems
beschrieben, dessen Teil die mindestens eine Durchführung gemäß dem vorgeschlagenen
Konzept ist. Ein solches Durchführungssystem ist vorteilhaft oberflächennah zur Außenseite
des Dampfturbinenrotors angeordnet. Oberflächennah heißt in diesem Zusammenhang insbesondere,
dass das Durchführungssystem, speziell die mindestens eine Durchführung, in einem
Bereich der radialen Ausdehnung des Dampfturbinenrotors angeordnet ist, welcher durch
die Außenseite des Rotors einerseits und die innere radiale Ausdehnung einer Laufschaufelnut
andererseits begrenzt ist. Die mindestens eine Durchführung und/oder eine beliebige
weitere Durchführung des Durchführungssystems kann dabei je nach Bedarf in vorteilhafter
Weise als ein Kanal oder als eine beliebige Art von Hohlraum innerhalb des Rotors,
vorzugsweise in dessen oberflächennahen Bereich, ausgelegt sein. Dies ermöglicht eine
weitere Verbesserung der Wärmeabfuhr am Ort des Wärmeeintrags. Das vorgeschlagene
Kühlungskonzept innerhalb des genannten Dampfturbinenrotors ist damit effektiver wirksam
als eine in der Nähe eines zentralen Hohlraums an der Innenseite der Rotorwandung
benachbart zur Laufachse für den Rotor angreifende Kühlung. Des Weiteren ergeben sich
Vorteile hinsichtlich des Verformungsverhaltens eines Dampfturbinen-Rotors. Die Kühlung
nach dem vorgeschlagenen Konzept verstärkt auch den Nutzen von Wärme-Isolations-Schichten
auf Rotor und Schaufeln. Derartige Schichten besitzen einen vergleichsweise geringen
Wärmeleitkoeffizienten und können unter der Voraussetzung, dass eine ausreichende
Wärmesenke vorhanden ist, eine hohe Temperaturdifferenz aufbauen. Damit können Rotor,
Schaufelfüße und zum Teil auch Schaufelblätter auf einer wesentlich geringeren Temperatur
gehalten werden als ohne eine Isolationsschicht. Alternativ zu einer Isolationsschicht
oder in Kombination mit einer solchen kann, bei Verwendung des vorgeschlagenen Kühlungskonzepts,
die Anwendung von weniger gut leitenden Schaufelwerkstoffen sinnvoll sein. Ein zu
bevorzugendes Beispiel dafür sind beispielsweise austenitische Werkstoffe.
[0022] Ein zusammenhängendes Durchführungssystem weist günstigerweise einen entlang einer
umfänglichen Ausdehnung des Rotors wenigstens teilweise umlaufenden Kanal auf. Zusammen
mit der wenigstens einen axial verlaufenden Durchführung ermöglicht dies eine gesamtumfängliche
Kühlung des Dampfturbinenrotors, vorzugsweise nahe seiner Außenseite.
[0023] Vorteilhaft werden die Parameter des Kühlmediums in Abhängigkeit der Parameter des
Arbeitsmediums über ein offenes Kühlsystem stufenweise angepasst. Günstigerweise weist
dazu der erste Bereich eine erste Öffnung zur Hauptströmung auf. Vorteilhaft weist
auch der zweite Bereich eine zweite Öffnung zur Hauptströmung auf. Dadurch wird eine
Kühlung mehrerer Schaufelstufen ermöglicht, wobei das Kühlmedium jeweils einen der
Hauptströmung ähnlichen Druck aufweist, so dass vorteilhaft eine Minimierung der Differenzdruckbeanspruchung
angestrebt ist.
[0024] Die mindestens eine Durchführung könnte als Bohrung, Nut oder auf andere geeignete
Weise integriert sein. Darüber hinaus erweist es sich als ganz besonders günstig,
wenn die Außenseite des Rotors durch ein umlaufendes Abschirmblech gebildet ist. Dies
ermöglicht, dass der Dampfturbinenrotor im gekühlten Beschaufelungsbereich günstigerweise
vollständig gegen die Hauptströmung abgeschirmt ist. Dies hat wesentliche Vorteile
hinsichtlich einer Oxidation des Rotorwerkstoffes. Ein umlaufendes Abschirmblech könnte
günstigerweise durch eine Schaufelreihe, insbesondere durch die Schaufelfüße, gehalten
sein.
[0025] Die mindestens eine Durchführung lässt sich je nach Bedarf ausführen. So erweist
es sich als günstig, wenn die Durchführung durch eine Schaufel, insbesondere durch
einen Schaufelfuß, geführt ist. Dabei könnte eine Nut an einem Schaufelfuß ein Teil
der Durchführung sein. Gegebenenfalls könnte auch eine Bohrung durch einen einzelnen
Schaufelfuß oder, alternativ oder zusätzlich, durch zwei benachbarte Schaufelfüße
Teil der Durchführung sein. Weiter erweist es sich als günstig, einen Kanal in einem
Schaufelblatt vorzusehen, der mit der Durchführung zusammenhängend verbunden ist.
Auf diese Weise ist eine vorteilhafte Kühlung des Laufschaufelblattbereichs z. B.
über eine Filmkühlung möglich.
[0026] Die Erfindung führt auch auf eine Dampfturbine mit einem Dampfturbinenrotor gemäß
dem oben vorgeschlagenen Konzept oder einer Weiterbildung davon.
[0027] Hinsichtlich des Verfahrens wird die Aufgabe durch die Erfindung mit einem Verfahren
zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors der eingangs genannten Art gelöst, bei
dem erfindungsgemäß vorgesehen ist, ein fluiden Kühlmedium entlang der axialen Ausdehnung
wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle angeordneten ersten Bereich und einem
hinter der ersten Stelle angeordneten zweiten Bereich durchgängig zu führen.
[0028] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass der Dampfturbinenrotor
eine zweite Stelle entlang der Außenseite aufweist, bei der eine zweite Schaufelreihe
gehalten ist, wobei entlang der axialen Ausdehnung die zweite Stelle hinter der ersten
Stelle angeordnet ist und wobei das fluide Kühlmedium wenigstens zwischen einem vor
der ersten Stelle angeordneten ersten Bereich und einem hinter der zweiten Stelle
angeordneten zweiten Bereich durchgängig geführt wird. Es erweist sich dabei als besonders
vorteilhaft, dass das Kühlmedium in einem zusammenhängenden Durchführungssystem entlang
der axialen Ausdehnung über die erste Stelle und die zweite Stelle und über eine Anzahl
von dazwischenliegenden, weiteren Stellen, bei denen jeweils eine Schaufelreihe gehalten
ist, geführt wird.
[0029] Da das einer Dampfturbine zuströmende Arbeitsmedium mit der höchsten Temperatur gleichzeitig
auch den höchsten Druck aufweist, ist es besonders günstig, dass das Kühlmedium dem
Dampfturbinenrotor von extern zugeführt wird. Vorteilhaft übersteigt dabei der Druck
des Kühlmediums einen Druck des Arbeitsmediums in der Hauptströmung.
[0030] Es erweist sich als besonders günstig, dass das Kühlmedium mit einem Druck geführt
wird, der in Abhängigkeit eines Drucks der Hauptströmung angepasst ist und insbesondere
die Kühlmediumströmung gedrosselt wird. Diese Weiterbildung ermöglicht die Ausbildung
eines an höhere Dampfparameter angepassten, offenen Kühlsystems. Eine Drosselung des
Kühlmediums zur Druckanpassung an die Hauptströmung erfolgt in vorteilhafter Ausgestaltung
stufenweise durch entsprechende Gestaltungen der mindestens einen Durchführung, bevorzugterweise
in Verbindung mit Öffnungen zur Hauptströmung.
[0031] Weiterhin wird günstigerweise das Kühlmedium mit einer Temperatur und/oder in einer
Menge zugeführt, die in Abhängigkeit einer Temperatur der Hauptströmung angepasst
wird. Dies kann vorteilhaft durch eine sicherheitstechnischen Anforderungen genügende
Armatur geregelt werden, die den Schnellschluss- und Stellvorgängen der Turbinenventile
leittechnisch folgt. Die Temperatur des Kühlmediums ist gemäß sicherheitstechnischen
Anforderungen vorteilhaft festzulegen und leittechnisch zu überwachen. Gegebenenfalls
kann bei einer Schwachlast eine überproportionale Menge an Kühlmedium in das Durchführungssystem
eingebracht werden, so dass die Temperatur der Hauptströmung nach dem gekühlten Beschaufelungsbereich
durch verstärkte Zumischung von Kühlmedium hinreichend niedrig gehalten wird.
[0032] Bei Ausfall des Kühlmediums kann der Betrieb der Turbine erforderlichenfalls mit
Hilfe einer Anzahl von Turbinenventilen unterbrochen werden, was als Schnellschluss
bezeichnet wird.
[0033] Die oben erläuterte Konzeption der Zuführung des Kühlmediums und der Leitung des
Kühlmediums in einem rotorintegrierten, vorteilhaft oberflächennahen Durchführungssystem
kann entsprechend den Anforderungen ausgelegt und angepasst werden.
[0034] Das vorgeschlagene Konzept kann auch, gemäß einer Variante der Erfindung, zum Anfahren
und/oder zur Schnellabkühlung einer Turbine verwendet werden.
[0035] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung sind der Rotor und/oder die Turbinenschaufeln
mit einer Wärme-Isolationsbeschichtung versehen. Derartige Wärme-Isolationsschichten
weisen üblicherweise einen vergleichsweise geringen Wärmeleitkoeffizienten auf und
können unter der Voraussetzung, dass lokal eine geeignete Wärmesenke bereitgestellt
wird, eine hohe Temperaturdifferenz aufbauen. Die Funktion dieser Wärmesenke kann
durch das vorliegend vorgesehene Kühlsystem übernommen werden, so dass der solchermaßen
ausgestaltete Rotor für die Verwendung von Wärme-Isolationsschichten besonders geeignet
ist. Dabei können Rotor, Schaufelfüße und eventuell auch Schaufelblätter auf einer
wesentlich geringeren Temperatur gehalten werden als ohne derartige Isolationsschichten.
Alternativ zu oder in Kombination mit der Verwendung von Isolationsschichten kann
auch die Verwendung vergleichsweise schlecht wärmeleitender Schaufelwerkstoffe wie
beispielsweise austenitischer Werkstoffe vorgesehen sein.
[0036] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nun nachfolgend anhand der Zeichnung im
Vergleich zum Stand der Technik, welcher ebenfalls dargestellt ist, beschrieben. Diese
soll die Ausführungsbeispiele nicht notwendigerweise maßstäblich darstellen, vielmehr
ist die Zeichnung, wo zur Erläuterung dienlich, in schematisierter und/oder leicht
verzerrter Form ausgeführt. Im Hinblick auf Ergänzungen der aus der Zeichnung unmittelbar
erkennbaren Lehren wird auf den einschlägigen Stand der Technik verwiesen. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass vielfältige Modifikationen und Änderungen betreffend Form
und Detail einer Ausführungsform vorgenommen werden können, ohne von der allgemeinen
Idee der Erfindung abzuweichen.
[0037] Die in der vorstehenden Beschreibung, in der Zeichnung sowie in den Ansprüchen offenbarten
Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für
die Ausgestaltung der Erfindung wesentlich sein. Die allgemeine Idee der Erfindung
ist nicht beschränkt auf die exakte Form oder das Detail der im Folgenden gezeigten
und beschriebenen bevorzugten Ausführungsform oder beschränkt auf einen Gegenstand,
der eingeschränkt wäre im Vergleich zu dem in den Ansprüchen beanspruchten Gegenstand.
[0038] Die bevorzugte Ausführungsform der Erfindung wird im Zusammenhang mit einem Kühlsystem
beschrieben, das einen druckangepassten Kühldampfmassenstrom bereitstellt, der die
rotierenden Bauteile, also den Rotor und die Laufschaufeln, gezielt kühlen kann. Damit
kann die hier vorgeschlagene, bevorzugte Ausführungsform einen wesentlichen Beitrag
zur kostengünstigen, großtechnischen Realisierbarkeit höherer Dampfparameter und höherer
Wirkungsgrade leisten. Darüber hinaus kann eine hier beschriebene oder davon abweichende
und modifizierte Ausführungsform der Erfindung ebenfalls genutzt werden, um kostengünstigere
Rotor- und Schaufelwerkstoffe bei derzeitigen Dampfparametern zu verwenden.
[0039] Die Figuren der Zeichnung zeigen im Einzelnen:
- FIG 1
- ein bekanntes Kühlkonzept bei einem Dampfturbinenrotor, das auf die Kühlung im Einströmbereich
des Arbeitsmediums beschränkt ist;
- FIG 2
- eine schematisierte Darstellung eines Kühlungskonzepts bei einem Dampfturbinenrotor
gemäß einer bevorzugten Ausführungsform;
- FIG 3
- eine Darstellung der Zuführung des Kühlmediums und der Leitung des Kühlmediums in
einem rotorintegrierten, oberflächennahen Kanalsystem im Beschaufelungsbereich bei
der bevorzugten Ausführungsform;
- FIG 4
- eine Detaildarstellung entlang des Schnitts A-A bei dem Kanalsystem der FIG 3;
- FIG 5
- eine Detaildarstellung entlang des Schnitts B-B bei dem Kanalsystem der FIG 3;
- FIG 6
- eine Detaildarstellung entlang des Schnitts B-B bei einer abgewandelten Gestaltung
des Kanalsystems der FIG 3;
- FIG 7
- eine schematisierte Darstellung einer Übertragungsmöglichkeit des Kühlmediums in den
Bereich der Laufschaufelbefestigung gemäß der bevorzugten Ausführungsform;
- FIG 8
- eine Darstellung einer weiteren Übertragungsmöglichkeit des Kühlmediums in den Bereich
der Laufschaufelbefestigung gemäß der bevorzugten Ausführungsform;
- FIG 9
- eine Darstellung einer weiteren Gestaltungsmöglichkeit des Kanalsystems zur Leitung
des Kühlmediums im Bereich der Laufbeschaufelung;
- FIG 10
- eine Darstellung noch einer weiteren Gestaltungsmöglichkeit des Kanalsystems zur Leitung
des Kühlmediums im Bereich der Laufbeschaufelung;
- FIG 11
- eine Darstellung zur Gestaltung eines Abschirmblechs in einem Überlappungsbereich.
[0040] Grundsätzlich werden bekannte Dampfturbinenrotoren als Vollstückrotoren und vollständig
ohne aktive Kühlsysteme gefertigt. Im Stand der Technik gemäß der US 6,102,654 ist
jedoch, wie in FIG 1 dargestellt, eine Dampfturbine 1 beschrieben, die ein auf die
Kühlung im Einströmbereich beschränktes Kühlsystem aufweist. Diese weist einen auf
einer Achse 2 drehbar angeordneten Rotor 3 auf, an dessen Rohrwelle eine Anzahl von
Rotorschaufeln 4 angeordnet ist. Diese sind in einem stationären Gehäuse 5 mit einer
Leitbeschaufelung 6 angeordnet. Der Rotor 3 wird über die Rotorschaufeln 4 durch das
im Einströmbereich 7 einströmende Arbeitsmedium 8 angetrieben. Zusätzlich zum Arbeitsmedium
8 strömt über einen separaten Eingangsbereich 9 ein Kühlmedium 10 dem Arbeitsmedium
8 zu. Dabei kühlt das Kühlmedium 10 durch Anströmen ausschließlich einen ersten Kranz
11 der stationären Leitbeschaufelung sowie ein Abschirmblech 12. Dadurch wird die
Temperaturbelastung des Rotors 3 und des ersten Leitschaufelkranzes 11 verringert.
Zudem wird über eine Sperrleitung 13 Kühlfluid 10 von einem Eingangsbereich 9 des
Kühlfluids 10 über den ersten Leitschaufelkranz 11 hinweg auf einen Bereich 14 geleitet,
der direkt zwischen dem Gehäuse 5 und der ersten Rotorschaufel 15 liegt. Dadurch wird
der Eingangsraum 9 des Kühlfluids 10 gegen das Arbeitsmedium 8 abgedichtet, wobei
das Kühlfluid 10 als Sperrfluid wirkt. Der Kanal 13 selbst ist als Sperrleitung ausgelegt
und wirkt nicht als Kühlleitung.
[0041] Bei der Kühlung des Rotors 3 wird Kühldampf 10a über einen separaten Stichkanal 16a
einem im Wesentlichen zentralen Hohlraum 16b, welcher parallel der Rotorachse verläuft,
zugeführt. Von dort wird ein solcher Kühldampf 10a auch über separate radiale Stichkanäle
16 wieder nach außen geführt. Der Kühldampf 10a wird darüber wieder der Hauptströmung
in Bereichen 16c zugeführt, um den Rotor an einer Stelle zu kühlen. Das Kühlmedium
10a umströmt also im Wesentlichen den Rotor 3 in einem Einströmbereich 7 und in einem
zentralen Hohlraum 16b. Eine effektive Kühlung des Rotors selbst ist dadurch nicht
gegeben, da die Führung des Kühlmediums im zentralen Hohlraum 16b entfernt von der
Rotoroberfläche erfolgt und somit nicht an einem Ort des Wärmeeintrags. Die separaten
Kanäle 16a, 16 sind als Stichkanäle zur Kühlung einer bestimmten Stelle des Rotors
ausgebildet und können ebenfalls keine effektive Kühlung des Rotors 3 bewirken, da
sie radial von einem zentralen Hohlraum 16b zu einem Bereich der Hauptströmung 16c
verlaufen. Die hier dargestellte Kühlung eines Rotors gemäß dem Stand der Technik
ist noch verbesserungswürdig, da sie keine oberflächennahe Kühlung zur Verfügung stellt.
Durch den zentralen Hohlraum tritt im Übrigen eine vergleichsweise hohe Rotorbeanspruchung
auf, wobei zusätzlich auch noch der Bearbeitungsaufwand für die Anbringung der Stichkanäle
erhöht ist. Weiterhin bietet dieses Konzept keine hinreichende Abschirmung der Rotorwelle
gegenüber der Hauptströmung des Dampfes.
[0042] FIG 2 zeigt eine schematische Darstellung einer Dampfturbine 20 gemäß einer besonders
bevorzugten Ausführungsform. Diese weist einen Rotor 21 mit einer Anzahl von Rotorschaufeln
24 auf, welcher drehbar in einem Gehäuse 23 mit einer Anzahl von Leitschaufeln 22
gelagert ist. Turbine 20 mit Rotor 21 und Gehäuse 23 erstrecken sich dabei entlang
einer axialen Ausdehnung 25. Die drehbaren Rotorschaufeln 24 greifen dabei wie Finger
in Zwischenräume zwischen die stationären Leitschaufeln 22.
[0043] Der hier dargestellte Rotor 21 weist eine Außenseite 26a auf. Die Außenseite 26a
grenzt an einen zur Aufnahme einer Hauptströmung 27 eines fluiden Arbeitsmediums vorgesehenen
Außenraum 27a. Der Rotor weist eine Anzahl von Stellen an der Außenseite 26a auf,
bei denen jeweils eine Laufschaufelreihe 24 gehalten ist. Dabei erstreckt sich gemäß
der besonders bevorzugten Ausführungsform ein Kanalsystem 28 zur Führung eines Kühlmediums
von einem ersten Bereich 28a entlang der Stellen für die Lauf schaufeln 24 bis zu
einem zweiten Bereich 28b durchgängig.
[0044] Dabei weist das Kanalsystem entlang der axialen Ausdehnung 25 eine Anzahl von Öffnungen
29 zur Hauptströmung 27 auf. Diese dienen in Zusammenwirkung mit den Durchtrittsöffnungen
des Kanalsystems der stufenweisen Druckreduzierung des Kühlmediums parallel zur Hauptströmung
27. Von Stufe zu Stufe der Laufschaufeln 24 kann das Kühlmedium dabei vorzugsweise
durch Strömungswiderstände gedrosselt werden. Dazu eignet sich, beispielsweise jeweils
bei einer Laufschaufelstufe 24, der Durchtritt des Kühlmediums durch eine Bohrung.
Bei der Drosselung wird der Druck ohne Verrichtung technischer Arbeit reduziert. Das
Kühlmedium besitzt bei ähnlichem Druck und niedrigerer Temperatur eine höhere Dichte
als das Strömungsmedium in der Hauptströmung, womit sich ein besseres Wärmeübergangsverhalten
ergibt. Die durch Drosselung und Temperaturerhöhung bewirkte Volumenerhöhung des Kühlmediums
kann vorteilhaft dadurch kompensiert werden, dass nach und nach ein Teil des Kühlmediums
an die Hauptströmung über die Öffnungen 29 abgegeben wird. Dadurch wird auch eine
gute Anpassung des Kühlmediumdruckes an den Druck der Hauptströmung erreicht. Die
hier beschriebene Ausführungsform stellt somit ein offenes Kühlsystem dar.
[0045] Grundsätzlich könnte bei der bevorzugten Ausführungsform eines Dampfturbinenrotors
auch eine hier nicht dargestellte Variante eines Kühlsystems als ein geschlossenes
Kühlsystem vorgesehen werden. Dabei ergeben sich zwar einige Nachteile, die aber je
nach Bedarf, wenn erwünscht, in Kauf genommen werden können. Bei einem geschlossenen
Kühlsystem wird eine Abgabe des Kühlmediums an die Hauptströmung 27 nicht oder nur
am Ende des gekühlten Bereichs realisiert. Dabei würden also die Öffnungen 29 des
offenen Systems der FIG 2 im Wesentlichen entfallen. Kühlmedium würde lediglich von
einem ersten Bereich 28a zu einem zweiten Bereich 28b geleitet, ohne dass dabei eine
unmittelbare Druckanpassung an die Hauptströmung erfolgen würde. Der stufenweise Druckabbau
könnte ebenfalls durch eine Drosselung vorgenommen werden. Eine Abgabe des Kühlmediums
an die Hauptströmung findet jedenfalls nicht pro Schaufelstufe 24 statt. So kann bei
einem geschlossenen Kühlsystem beispielsweise eine Abgabe des Kühlmediums an die Hauptströmung
27 gar nicht, nur im Endbereich 28b oder nur bei einer stark verringerten Anzahl von
Stufen 24 erfolgen. Der Druck im Kanalsystem wird somit nur mittelbar an die Hauptströmung
angepasst. Nachteilig dabei ist, dass die für das Kühlmedium erforderlichen Querschnitte
durch Temperaturerhöhung und Druckabsenkung bei einem geschlossenen Kühlsystem im
Verlauf des Kanalsystems deutlich anwachsen. Dies führt zu einer unerwünschten Reduzierung
der tragenden Querschnitte von Schaufelfüßen und/oder dem Rotor, da eine Ausgestaltung
des Kanalsystems 28 als geschlossenes Kanalsystem von einem ersten Bereich 28a zu
einem zweiten Bereich 28b hin in seinem Querschnitt anwachsen müsste, um einer Erhöhung
des Volumenstroms Rechnung zu tragen. Dies läuft zwar den Festigkeitsanforderungen
im Rotor- und Schaufelbefestigungsbereich zuwider, könnte aber ausgeglichen werden.
Sollte das Kühlmedium nach Wahrnehmung der Kühlungsaufgabe nicht an das Arbeitsmedium
abgegeben werden können, beispielsweise aufgrund zu unterschiedlicher Druck- und Temperaturparameter,
so würde das Kühlmedium in einem Bereich 28b separat vom Arbeitsmedium aus dem Rotor
21 geführt werden. Bei der Kühlung mehrerer Stufen 24 mit einem geschlossenen System
stellt sich, je nach abgedecktem Expansionsbereich, ein hoher Differenzdruck zwischen
strömendem Medium in der Hauptströmung 27 und dem Kühlmedium im geschlossenen Kanalsystem
ein, wenn die Öffnungen 29 der FIG 2 nicht vorhanden sind. Dies wäre je nach Wahl
des Kühlmitteldrucks durch eine relativ schlechtere Kühlwirkung oder bei hohem Kühlmitteldruck
durch eine relativ höhere Differenzdruckbeanspruchung der Bauteile gekennzeichnet.
Bei einer geringen Dichte des Kühlmediums weist dieses nämlich eine geringe Wärmekapazität
auf und bewirkt damit einen schlechteren Wärmeübergang. Dennoch handelt es sich auch
bei einem geschlossenen System um ein aktives Kühlsystem, das den Dampfturbinenrotor
21 im Vergleich zu einer passiven Kühlung oder im Vergleich zur nur begrenzten Kühlung
im Einströmbereich eines Rotors erheblich besser kühlen kann.
[0046] Das offene Kanalsystem 28 weist zum einen eine durchgängige oberflächennahe Durchführung
auf, von der mehrere Abzweigungen zu den Öffnungen 29 hin abbiegen. Des Weiteren handelt
es sich bei der hier gezeigten Ausführungsform auch um ein zusammenhängendes Kanalsystem
28 in dem Sinne, dass möglichst separate weitere Kanäle, die aus der Rotoroberfläche
herauslaufen könnten, vermieden sind. Dies hat den Vorteil, dass der Kühldampfmassenstrom
von Stufe zu Stufe abnehmen kann und dass der selbe Kühldampf über mehrere Stufen
hinweg wirken kann. Im Vergleich zu aus dem Stand der Technik der FIG 1 bekannten
Einzelkanälen 16 bei einem Rotor oder 13 bei einem Gehäuse, die separat geführt sind,
bemisst sich der erforderliche Druck nämlich nach dem höchsten Druck der Hauptströmung.
Bei den separaten Kanälen gemäß dem Stand der Technik wäre ein Druck für die nachfolgenden
Stufen nicht mehr angepasst. Dies führt zu einer zusätzlichen Beanspruchung der Turbine
durch einen höheren Differenzdruck. Auch würde ein höherer Druck in separaten Kanälen
für mehrere Schaufelreihen zu einer erheblichen Steigerung der mechanischen Beanspruchung
des Dampfturbinenrotors führen. Auch müsste für separate Kanäle ein zusätzlicher Aufwand
für die Bereitstellung unterschiedlicher Druckstufen zur Verfügung gestellt werden,
was nachteilig ist. Grundsätzlich könnte aber, wie im allgemeinen Teil der Beschreibung
erläutert, im Rahmen einer Abwandlung ein Durchführungssystem flexibel ausgelegt und
auch aus Teilsystemen aufgebaut sein.
[0047] In FIG 3 ist ein Dampfturbinenrotor 30 gemäß der bevorzugten Ausführungsform im gekühlten
Beschaufelungsbereich näher dargestellt. Eine entsprechende Dampfturbine 31 weist
weiterhin ein nicht dargestelltes Gehäuse mit einer Leitbeschaufelung 32 auf. Der
Dampfturbinenrotor 30 sieht dabei eine erste Stelle 30a und eine zweite Stelle 30b
entlang der Außenseite 33 vor, wobei entlang der axialen Ausdehnung 34 die zweite
Stelle 30b hinter der ersten Stelle 30a angeordnet ist. Die Außenseite 33 grenzt dabei
an einen Außenraum 35, der zur Aufnahme einer Hauptströmung 36 eines fluiden Arbeitsmediums
vorgesehen ist. Allerdings ist in diesem Fall die Außenseite 33 nicht durch die eigentliche
Oberfläche der Rotorwelle gebildet, sondern durch ein mit dem Rotor mitrotierendes
Abschirmblech 38, das durch die Schaufelfüße 39a, 39b gehalten ist. Die Schaufelfüße
39a, 39b sind weiterhin in Schaufelnuten 40a, 40b verankert. Eine Anzahl von Schaufeln
41a wird entlang des Umfangs des Rotors 30 nebeneinander und jeweils in radialer Orientierung
42 angeordnet und bildet so eine erste, auch als Laufschaufelstufe bezeichnete Laufschaufelreihe
an der Stelle 30a. Entsprechend ist eine Anzahl von zweiten Schaufeln 41b an einer
zweiten Stelle 30b nebeneinander umfänglich in der Nut 40b angeordnet und bildet eine
zweite Laufschaufelreihe.
[0048] Eine ergänzende oder alternative Abwandlung zu dem in FIG 3 dargestellten Abschirmblech
38 könnte auch durch eine angearbeitete Abschirmfläche an den Schaufelfüßen 39a, 39b
erfolgen. Zwar würde dadurch ein zusätzlicher Material- und Fertigungsaufwand erforderlich
werden, jedoch könnte eine ähnliche Abschirmwirkung wie mit einem Abschirmblech 38
erreicht werden und je nach Bedarf vorteilhaft sein.
[0049] Das Kanalsystem 43 der FIG 3 weist mindestens eine zwischen einem vor der ersten
Stelle 30a angeordneten ersten Bereich und einem hinter der ersten Stelle 30a und
bei dieser Ausführungsform auch hinter der zweiten Stelle 30b angeordneten zweiten
Bereich durchgängig sich erstreckende Durchführung 44 auf. Die Durchführung 44 erstreckt
sich bei dieser Ausführungsform praktisch entlang des gesamten Beschaufelungsbereichs
des Rotors (Länge je nach Bedarf). Die Durchführung 44 wird zum einen von der Wandung
37 des Rotors 30 und zum anderen von dem Abschirmblech 38 gebildet. Eine Vielzahl
solcher Durchführungen 44 ist in axialer Richtung 34 umfänglich entlang der Außenseite
33 des Rotors 30 angeordnet. Das Kanalsystem 43 weist außerdem eine Anzahl von umfänglich
umlaufenden Nuten 45 auf, die bei dieser Ausführungsform entlang der axialen Ausdehnung
34 jeweils auf Höhe einer Leitschaufel 32 angeordnet sind. Die Leitschaufel 32 weist
eine Deckplatte 32a auf. Die Durchführungen des Kanalsystems 43 können durch Fräsungen
in der Oberfläche 37 der Rotorwelle aufgebracht werden und durch flächige Bauelemente
des Abschirmblechs 38 abgedeckt werden. Dabei bezieht das Kanalsystem 43 auch Schaufelnuten
(FIG 9, FIG 10) und/oder Bohrungen 46a, 46b (FIG 5, FIG 6, FIG 9, FIG 10) in Schaufelfüßen
39a, 39b mit in den Strömungsverlauf ein.
[0050] Das Durchführungssystem 43 weist außerdem Öffnungen 47, 48 und 49 zur Anpassung des
Druckes des Kühlmittelstroms an den Druck des Arbeitsmediumstroms durch Abgabe eines
Teils des Kühlmittelstroms an die Hauptströmung auf.
[0051] Die Abschirmung durch ein Abschirmblech 38 im Beschaufelungsbereich kann durch eine
Abschirmung auch des Einströmbereichs des Kühlmediums mittels eines weiteren Abschirmbleches
erreicht werden, welches hier nicht dargestellt ist, und weitere Vorteile hinsichtlich
der Oxidation des Turbinenrotormaterials mit sich bringt.
[0052] Alternativ oder zusätzlich zu einem Abschirmblech 38 kann ein Durchführungssystem
43 oder eine Durchführung 44, 45 auch in Form von Bohrungen oder auf andere geeignete
Weise innerhalb des Rotors 30 oberflächennah angebracht sein.
[0053] In FIG 4 ist die Ansicht des Schnittes A-A der FIG 3 gezeigt. Dabei ist die umlaufende
Nut 45 der FIG 3 in gestrichelter Linie ausgeführt. Entsprechend ist die axiale Nut
44 als Einbuchtung in der Oberfläche 37 der Rotorwelle des Dampfturbinenrotors schematisch
angedeutet.
[0054] FIG 5 zeigt eine Möglichkeit zur Anbringung einer Bohrung 46a in einem Schaufelfuß
39a. Eine Vielzahl entlang des Rotors umfänglich nebeneinander angeordneter Schaufelfüße
39a, 39a' mit Bohrungen 46a, 46a' bildet eine Schaufelreihe an der Stelle 30a.
[0055] Eine alternative Ausführung der Bohrungen 46a, 46a' der FIG 3 ist in FIG 6 als Bohrung
46a" gezeigt. Eine Bohrung 46a" ist in jeweils zwei benachbarten Schaufelfüßen 39a"
angebracht.
[0056] Im Gegensatz zu Gasturbinen weist bei Dampfturbinen das einer Teilturbine zuströmende
Arbeitsmedium mit der höchsten Temperatur gleichzeitig den höchsten Druck auf. Um
insbesondere ein offenes Kühlsystem für eine Dampfturbine zu verwirklichen, müssen
also geeignete Maßnahmen zur Zuführung des Kühlmediums getroffen werden. Eine Zuführung
des Kühlmediums kann nach Entnahme eines solchen Mediums aus dem Wasser-Dampf-Kreislauf
an einer Stelle höheren Druckes und hinreichend niedriger Temperatur erfolgen. Geeignete
Entnahmestellen sind insbesondere:
- vor Eintritt in die der Teilturbine vorgeschalteten Überhitzerteile des Kessels,
- vor Eintritt in den Kessel überhaupt,
- nach dem Austritt aus einer vorgeschalteten Teilturbine,
- aus einer Anzapfung aus einer vorgeschalteten Teilturbine,
- durch separate Bereitstellung mittels einer geeigneten Pumpe, die das Kühlmedium an
einer Stelle niedrigen Drucks aus der Vorwärmstelle entnimmt und auf den erforderlichen
Druck bringt. Um einem Kühlungsausfall bei Ausfall der Pumpe entgegenzuwirken, ist
ein zusätzlicher Aufwand, gegebenenfalls ein redundanter Aufbau erforderlich.
[0057] FIG 7 zeigt eine Möglichkeit 70 der Übertragung eines Kühlmediums 71 von einem Bereich
72 vor einer ersten Leitschaufelreihe 78 in einen weiteren Bereich 73 der Laufschaufelbefestigung
entlang der axialen Ausdehnung 74 hinter der ersten Leitschaufelreihe 78. Dargestellt
ist hier ein Innengehäuse 76a, das in einem Außengehäuse 76 einer Dampfturbine 77
angebracht ist. Das Kühlmedium kann über eine Zuführung 70 in ein oberflächennahes
Kanalsystem 79 im Rotor 75 eingebracht werden und entlang der axialen Ausdehnung 74
im Bereich der Laufbeschaufelung 75a geführt werden. Parallel kann das Kühlmedium
den Dichtungsbereich durchströmen (Kühlung, Reduzierung der Enthalpieverluste).
[0058] Der Strom 69 des Kühlmediums 71 im Außengehäuse 76 dient der Kühlung des Außengehäuses.
Der Zustrom des Kühlmediums wird durch sicherheitstechnischen Anforderungen genügende
Ventile geregelt.
[0059] Zusätzlich zu der Einleitungsmöglichkeit 70 des Kühlmediums in FIG 7 könnte Kühlmedium
auch im Bereich der Einströmung des Arbeitsmediums in das rotorintegrierte Kanalsystem
79 eingeleitet werden. Die FIG 8 zeigt eine weitere vorteilhafte Möglichkeit der Einleitung
von Kühlmedium 80 bei einer bevorzugten Ausführungsform, die bei einer Turbine 1 der
FIG 1 gemäß dem Stand der Technik nunmehr eine oberflächennahe Kühlung zur Verfügung
stellt. Die einander entsprechenden Teile der Turbine 1 gemäß dem Stand der Technik
und der Turbine 81 gemäß der besonders bevorzugten Ausführungsform sind mit gleichen
Bezugszeichen versehen. Im Folgenden wird das aktive Kühlsystem zur Führung des Kühlmediums
80 zur aktiven Kühlung des Rotors 83 beschrieben. Das Kühlmedium 80 wird über einen
Eingangsbereich 9 zum einen, wie bereits in FIG 1 gezeigt, einem Einströmbereich des
Arbeitsmediums 8 zugeführt. Des Weiteren wird es aber durch ein Abschirmblech 12 hindurch
geleitet und in einem Raum 82 hinter dem Abschirmblech 12 wird das Kühlmedium 80 entlang
der axialen Ausdehnung 85 innerhalb der Rotorwandung oberflächennah, d. h. im Bereich
84 der Befestigung der Rotorschaufeln 15 geführt. Insbesondere wird das Kühlmedium
80 entlang der axialen Ausdehnung 85 wenigstens zwischen einem vor dem ersten Laufschaufelkranz
15 angeordneten ersten Bereich 82 und einem hinter dem ersten Laufschaufelkranz 15
angeordneten zweiten Bereich 88 durchgängig geführt. Bei dieser Ausführungsform der
Turbine 81 wird der erste Bereich 82 genutzt, um das Kühlmedium 80 dem oberflächennahen
axialen Durchführungssystem des Rotors 83 zuzuführen. Obwohl hier nicht dargestellt,
kann das Kühlmedium 80 außerdem praktisch entlang des gesamten Laufbeschaufelungsbereichs
des Rotors 83 geführt werden (tatsächliche Ausgestaltung (Länge) nach technischen
Erfordernissen). Insbesondere können dabei einzeln oder in Kombination-alle weiteren
anhand der übrigen Figuren beschriebenen Maßnahmen zur Ausbildung des aktiven Kühlsystems
bei der Turbine 81 vorgesehen werden. Insbesondere ist auch bei dieser Ausführungsform
der FIG 8 das Kühlsystem als offenes Kühlsystem ausgelegt.
[0060] Bei Austritt des Kühlmediums am Ende des Kanalsystems in die Hauptströmung ist das
Kühlmedium der Hauptströmung nicht nur im Druck, sondern auch in der Temperatur der
Hauptströmung weitgehend angepasst. Dies ist eine Folge der Wärmeaufnahme des Kühlmediums
im gekühlten Beschaufelungsbereich. Das Kühlmedium nimmt dann an der weiteren Expansion
in der Hauptströmung Teil. Dies ist ein besonderer Vorteil eines offenen Kühlsystems,
was somit einen Enthalpietransport vom gekühlten Beschaufelungsbereich in den nicht
gekühlten Bereich bewirkt.
[0061] Die sicherheitstechnische Überwachung des Kühlmediums hat bei der hier gezeigten
Ausführungsform vor allem die Temperatur des Kühlmediums zu regeln. Dabei ist zu beachten,
dass eine vorzeitige Kondensation/Tröpfchenbildung in der Strömung und im Kanalsystem
auch bei Teillasten ausgeschlossen ist. Des Weiteren sollte eine Überhitzung der wesentlichen
Bauteile wie Rotor, Schaufeln bzw. Schaufelbefestigungen für alle relevanten Lastfälle
ausgeschlossen sein. Nach technischem Erfordernis kann eine Vertrimmung zwischen Turbinenventilen
und Kühlmediumventilen vorgesehen werden.
[0062] Das beschriebene Kanalsystem der bevorzugten Ausführungsform kann auch für Vorwärmzwecke
vorteilhaft verwendet werden, indem geeignetes Medium beim Anfahrvorgang eingespeist
wird. Dieses kann auch von anderen Stellen des Wasser-Dampf-Kreislaufs entnommen werden
als das spätere eigentliche Kühlmedium. Vorteilhaft wirkt sich hierbei aus, dass das
Vorwärmmedium im Kanalsystem gedrosselt wird und zumindest hier nicht zum Hochlauf
eines Wellenstranges beiträgt. Analog kann dieses Verfahren auch zur Schnellabkühlung
verwendet werden. Bei zukünftigen Rotoren oder Rotorwerkstoffen können die geschilderten
Vorgehensweisen einen Vorteil hinsichtlich der Anfahrtszeiten und Abkühlzeiten bieten.
[0063] FIG 9 zeigt eine weitere Gestaltung eines Kanalsystems zur Leitung des Kühlmediums
im Bereich eines Schaufelfußes 90, der in einer Nut 91 in einem Turbinenrotor 92 verankert
ist. Die axiale Durchführung 93 der bevorzugten Ausführungsform ist im Bereich einer
Leitschaufel 94 tiefer in das Innere eines Rotors 92 eingelassen und weist so einen
beispielhaft dreieckförmigen Verlauf im Bereich der Gehäuseschaufel 94 auf. Jeder
andere Verlauf ist möglich. Die Durchführung 93 ist über Kanäle 99 zur Hauptströmung
offen. In den Bereich der Durchführung wird zusätzlich eine Schaufelnut 95 mit einbezogen.
Zudem erfolgt die Durchführung durch einen Schaufelfuß 90 mittels eines Kanals 96,
welcher oberhalb der Taille 97 des Schaufelfußes näher zum Schaufelblatt 98 hin angeordnet
ist. Dies hat den Vorteil, dass die Festigkeit der Schaufelfußtaille 97 nicht beeinträchtigt
wird.
[0064] In FIG 10 ist noch eine weitere Gestaltung ähnlich der in FIG 9 gezeigten dargestellt.
Im Unterschied zu FIG 9 erfolgt eine Durchführung 106 auch im Bereich eines Schaufelblattes
108. Im Bereich des Schaufelblattes 108 gehen von der Durchführung 106 Kanäle 110
ab, welche Kühlmedium von einer Durchführung 106 auf die Schaufelblattoberfläche 108
leiten, um eine Filmkühlung bereitzustellen.
[0065] Des Weiteren wird auch Kühlmedium über einen Kanal 109 im Bereich einer Gehäuseschaufel
104 an die Hauptströmung des Arbeitsmediums abgegeben. Weitere Details 100, 101, 102,
103, 107 entsprechen den in FIG 9 dargestellten.
[0066] In FIG 11 ist eine günstige Anordnung eines ersten Abschirmblechs 120 und eines zweiten
Abschirmblechs 121 im Bereich einer Stoßstelle 122 gezeigt. Die hier dargestellte
Detailausführung kann vorteilhaft bei einer Abschirmung 38 mit Durchgangsöffnungen
123 und 124 in FIG 11 oder 47, 48 und 49 in FIG 3 vorgenommen werden. Ein solches
Abschirmblech ist vorteilhaft aus einem geeigneten, z. B. hochwarmfesten Werkstoff
hergestellt. Es besteht bei dieser Ausführung aus Teilstücken 120, 121, welche an
ihren Stoßstellen 122 bevorzugt eine für unterschiedliche Temperaturen bewegliche
Überdeckung 125, 126 aufweisen.
[0067] In der in FIG 3 gezeigten Ausgestaltung liegt das Abschirmblech im Bereich der Leitschaufeldeckplatten
und sollte entsprechende Dichtspitzen, d. h. berührungslose Dichtungen aufweisen.
Hierzu könnten Dichtspitzen umlaufend angedreht, d. h. aus dem Vollen gefertigt werden,
oder Dichtbänder eingestemmt werden. Das, was sich als vorteilhaft erweist, kann je
nach Festigkeits- und Fertigungsanforderungen des Materials und der Konstruktion im
Einzelnen festgelegt werden.
[0068] Wenn das Kühlmedium über die Wellendichtung der Leitschaufeln an die Hauptströmung
abgegeben wird, kann unter Umständen der Wirkungsgradverlust durch den über diese
Dichtungen strömenden Leckmassenstrom reduziert werden. Der Leckmassenstrom besteht
in diesem Fall nicht aus heißem Medium der Hauptströmung, sondern aus Kühlmedium mit
geringerer Enthalpie. Möglicherweise wird dieser Effekt jedoch durch eine geringere
Anzahl von Dichtspitzen aufgrund des Platzbedarfs zur Einleitung des Kühlmediums wieder
aufgezehrt.
[0069] Zusammenfassend sind ein Dampfturbinenrotor, eine Dampfturbine und ein Verfahren
zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors sowie eine geeignete Verwendung der
Kühlung vorgeschlagen worden.
[0070] Bei bisher bekannten Dampfturbinen 1 wird ein Rotor entweder nur passiv oder nur
in einem Einströmbereich des Arbeitsmediums in begrenztem Maße aktiv gekühlt. Bei
einer zunehmenden Beanspruchung des Rotors durch erhöhte Dampfparameter des Arbeitsmediums
ist eine ausreichende Kühlung des Dampfturbinenrotors nicht mehr gewährleistet. Der
vorgeschlagene Dampfturbinenrotor 21, 30 erstreckt sich entlang einer axialen Ausdehnung
25, 34 und weist auf: ein oberflächennahes Kanalsystem entlang der axialen Ausdehnung
25, 34, eine Außenseite 26a, die an einen Außenraum 27a, 35 grenzt, der zur Aufnahme
einer Hauptströmung 27, 36 eines fluiden Arbeitsmediums 8 vorgesehen ist, eine erste
Stelle 30a entlang der Außenseite 26a, 33 bei der eine erste Schaufel 41a gehalten
ist, eine zweite Stelle 30b entlang der Außenseite 26a, 33, bei der eine zweite Schaufel
41b gehalten ist, wobei entlang der axialen Ausdehnung 25, 34 die zweite Stelle 30b
hinter der ersten Stelle 30a angeordnet ist. Zur Gewährleistung einer ausreichenden
Kühlung ist dabei mindestens eine Durchführung 44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106 vorgesehen,
die sich, oberflächennah angeordnet, wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle
30a angeordneten ersten Bereich 28a, 72 und einem hinter der zweiten Stelle 30b angeordneten
zweiten Bereich 28b, 73 durchgängig erstreckt. Es wird ein Verfahren und eine Verwendung
vorgeschlagen, bei dem ein fluides Kühlmedium 10 entsprechend geführt wird.
1. Dampfturbinenrotor (21, 30, 75), der sich entlang einer axialen Ausdehnung (25, 34)
erstreckt, aufweisend:
- eine Außenseite (26a), die an einen Außenraum (27a, 35) grenzt, der zur Aufnahme
einer Hauptströmung (27, 36) eines fluiden Arbeitsmediums (8) vorgesehen ist,
- eine erste Stelle (30a) entlang der Außenseite (26a, 33), bei der eine erste Schaufel
(41a) gehalten ist,
gekennzeichnet durch
- mindestens eine integrierte Durchführung (44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106), die sich
wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle (30a) angeordneten ersten Bereich
(28a, 72) und einem hinter der ersten Stelle (30a) angeordneten zweiten Bereich (28b,
73) durchgängig erstreckt.
2. Dampfturbinenrotor nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch
eine zweite Stelle (30b) entlang der Außenseite (26a), bei der eine zweite Schaufel
(41b) gehalten ist, wobei entlang der axialen Ausdehnung (25, 34) die zweite Stelle
(30b) hinter der ersten Stelle (30a) angeordnet ist und wobei sich die Durchführung
(44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106) wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle (30a)
angeordneten ersten Bereich (28a, 72) und einem hinter der zweiten Stelle (30b) angeordneten
zweiten Bereich (28b, 73) durchgängig erstreckt.
3. Dampfturbinenrotor nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
zwischen der ersten Stelle (30a) und der zweiten Stelle (30b) eine Anzahl von weiteren
Stellen angeordnet ist, bei denen jeweils eine Schaufel (41a, 41b) gehalten ist.
4. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Durchführung (44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106) Teil eines zusammenhängenden
Durchführungssystems (43) ist, das sich entlang der axialen Ausdehnung (25, 34) erstreckt.
5. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Durchführung (44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106) Teil eines zusammenhängenden
Durchführungssystems (43) ist, das eine externe Zuführung (70) aufweist, die für die
Zuströmung von Kühlmedium (10, 71) vorgesehen ist.
6. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mindestens eine Durchführung (44, 46a, 46b, 93, 96, 103, 106) Teil eines zusammenhängenden
Durchführungssystems (43) ist, das einen entlang einer umfänglichen Ausdehnung des
Rotors (21, 30, 75) wenigstens teilweise umlaufenden Kanal (45) aufweist.
7. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
der erste Bereich (28a) eine erste Öffnung (49, 99, 109) zur Hauptströmung (27, 36)
aufweist.
8. Dampfturbinen-Rotor nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
der zweite Bereich (28b) eine zweite Öffnung (47, 99, 109) zur Hauptströmung (27,
36) aufweist.
9. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Außenseite (26a) des Rotors (21, 30, 75) durch ein mit dem Rotor (21, 30, 75)
mitdrehbares Abschirmblech (38) gebildet ist.
10. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein mit dem Rotor (21, 30, 75) mitdrehbares Abschirmblech (38) durch eine Schaufel
(41a, 41b), insbesondere einen Schaufelfuß (39a, 39b), gehalten ist.
11. Dampfturbinenrotor nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Abschirmung der Rotorwelle gegen die Hauptströmung des Dampfes zumindest teilweise
von einem Schaufelfuß (39a, 39b) gebildet ist.
12. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Durchführung (46a, 46b, 96, 106) durch eine Schaufel (41a, 41b), insbesondere
durch einen Schaufelfuß (39a, 39b), geführt ist.
13. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 12, gekennzeichnet durch
eine Nut (40a, 40b) an einem Schaufelfuß (39a, 39b), welche Teil der Durchführung
(44) ist.
14. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 13, gekennzeichnet durch
eine Bohrung (46a, 46a') durch einen einzelnen Schaufelfuß (39a, 39a') und/oder eine Bohrung (46a") durch zwei benachbarte Schaufelfüße (39a"), welche Teil der Durchführung (44) ist.
15. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 14, gekennzeichnet durch
einen Kanal (106, 110) in einem Schaufelblatt (108), der mit der Durchführung (44)
zusammenhängend verbunden ist.
16. Dampfturbinenrotor nach einem der Ansprüche 1 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
auf einer Schaufeloberfläche eine Wärme-Isolationsbeschichtung aus einem Material
vorgesehen ist, das einen im Vergleich zum Grundwerkstoff der Schaufel geringeren
Wärmeleitkoeffizienten aufweist.
17. Dampfturbine (77, 20),
aufweisend einen Dampfturbinenrotor (21, 30, 75) nach einem der Ansprüche 1 bis 16.
18. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors (21, 30, 75),
der sich entlang einer axialen Ausdehnung (25, 34) erstreckt und
- eine Außenseite (26a), die an einen Außenraum (27a, 35) grenzt, der zur Aufnahme
einer Hauptströmung (27, 36) eines fluiden Arbeitsmediums (8) vorgesehen ist,
- eine erste Stelle (30a) entlang der Außenseite (26a, 33), bei der eine erste Schaufel
(41a) gehalten ist,
aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- ein fluides Kühlmedium (10, 71) innerhalb des Dampfturbinenrotors (21, 30, 75) entlang
der axialen Ausdehnung (25) wenigstens zwischen einem vor der ersten Stelle (30a)
angeordneten ersten Bereich (28a, 72) und einem hinter der ersten Stelle (30a) angeordneten
zweiten Bereich (28b, 73) durchgängig geführt wird.
19. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach Anspruch 18,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Dampfturbinenrotor (21, 30, 75) eine zweite Stelle (30b) entlang der Außenseite
(26a, 33) aufweist, bei der eine zweite Schaufel (41b) gehalten ist, wobei entlang
der axialen Ausdehnung (25, 34) die zweite Stelle (30b) hinter der ersten Stelle (30a)
angeordnet ist und wobei das fluide Kühlmedium (10, 71) wenigstens zwischen einem
vor der ersten Stelle (30a) angeordneten ersten Bereich (28a, 72) und einem hinter
der zweiten Stelle (30b) angeordneten zweiten Bereich (28b, 73) durchgängig geführt
wird.
20. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach Anspruch 19,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kühlmedium (10, 71) in einem zusammenhängenden Durchführungssystem (43) entlang
der axialen Ausdehnung (25, 34) über die erste Stelle (30a) und die zweite Stelle
(30b) und eine Anzahl von dazwischenliegenden weiteren Stellen (24), bei denen jeweils
eine Schaufel (41a, 41b) gehalten ist, geführt wird.
21. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach einem der Ansprüche 18
bis 20,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kühlmedium (10, 71) dem Dampfturbinenrotor (21, 30, 75) von extern (70) zugeführt
wird.
22. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach einem der Ansprüche 18
bis 21,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kühlmedium mit einem Druck geführt wird, der einen Druck der Hauptströmung (27,
36) übersteigt.
23. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach einem der Ansprüche 18
bis 22,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kühlmedium (10, 71) mit einem Druck geführt wird, der in Abhängigkeit eines Druckes
der Hauptströmung (27, 36) angepasst (47, 48, 49, 99, 109), insbesondere gedrosselt
wird.
24. Verfahren zur aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors nach einem der Ansprüche 18
bis 23,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kühlmedium (10, 71) mit einer Temperatur und/oder einer Menge zugeführt wird,
die in Abhängigkeit einer Temperatur der Hauptströmung (27, 36) angepasst (47, 48,
49, 99, 109) wird.
25. Verwendung einer aktiven Kühlung eines Dampfturbinenrotors (21, 30, 75) zum An- und/oder
Abfahren einer Dampfturbine (77, 20), insbesondere zur Schnellabkühlung einer Dampfturbine
(77, 20).