[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Folienelement zur Aufnahme von Zugkräften.
[0002] Folienförmige Elemente werden häufig eingesetzt, um Zugkräfte in Richtung einer Längsausdehnung
zu übertragen, beispielsweise als (insbesondere selbstklebende) Funktionsteile zum
Tragen, Verbinden, Verschließen und/oder Abdecken von Gegenständen. Beispiele aus
dem Alltag sind Klebebänder bzw. Klebstreifen. Ferner gehören hierzu unterschiedlichste
Schlaufen, Bänder und Anhänger, Tragetaschen bzw. Tragetaschengriffe, Ladungssicherungsfolien
(beispielsweise über beladenen Paletten), Verschlußetiketten, Siegeletiketten und
Verpackungsfolien.
[0003] Insbesondere im Bereich der Medizin, aber auch für Drogeriewaren, werden sogenannte
Bügeletiketten verwendet. Diese weisen eine bügelförmige Aufhängelasche auf, welche
sich aus der Folienebene des restlichen, auf ein Behältnis, beispielsweise eine Infusionsflasche,
aufgeklebten Etiketts herausziehen läßt. An der Aufhängelasche wird das Behältnis
über kopf aufgehängt. Die bügelförmige Aufhängelasche ist dann je nach Größe und Füllung
des Behältnisses nicht unerheblichen Zugbelastungen ausgesetzt.
[0004] Derartige Bügeletiketten sind beispielsweise aus den Druckschriften DE 39 07 862
A1, DE 91 01 464 U1, EP 0 356 574 A2 und EP 0 632 422 A1 bekannt.
[0005] Bei Zugbeanspruchung von Folien treten insbesondere ausgehend von kleinen Materialdefekten
Mikrorisse auf. Am Rißende wirken lokal erhöhte Spannungen, welche zu einer Fortpflanzung
des Risses und schließlich zum Versagen des Materials, d.h. zum Durchreißen der Folie
führen.
[0006] Da die Konturen von Bügeletiketten üblicherweise durch Stanzen hergestellt werden,
ist hier das Auftreten von Mikrorissen ausgehend von Randdefekten, welche aus schlechten
Stanzungen, etwa aufgrund einer abgenutzten Stanze resultieren können, möglich. Bei
der im Vergleich zu Rollen-Flachstanzung wesentlich produktiveren Rotativ-Stanzung
verschärft sich diese Problematik.
[0007] Abreißen der Aufhängelasche eines Bügeletiketts führt zum Herunterfallen des daran
aufgehängten Behältnisses. Bei Infusionsflaschen kann dies ernsthafte Konsequenzen
für den behandelten Patienten haben.
[0008] Nach dem Stand der Technik werden durch Zug beanspruchte Folienteile durch Verwendung
dickeren oder reißfesteren, d.h. in der Regel wesentlich teureren Materials mit gewissen
Sicherheitsreserven ausgelegt.
[0009] So findet beispielsweise diverse Olefinfolien Anwendung, welche zwar eine höhere
Weiterreißfestigkeit besitzen und somit weniger anfällig für Verletzungen sind, allerdings
eine höhere Dehnung und geringere Zugfestigkeit aufweisen, weswegen sehr dicke Folien
(Folienstärke ca. 150-250µm) eingesetzt werden. Ferner werden auch mehrlagige Folienverbünde
eingesetzt. So besitzt beispielsweise ein Verbund zweier 75 und 50 µm starken Lagen
aus PET eine höhere Sicherheit gegen Verletzungen als einlagiges PET mit einer Stärke
von 125 µm. Trotzdem führen geringe Verletzungen in kritischen Bereichen eines Bügeletiketts,
etwa am Aufhängepunkt oder an gekrümmten Stanzungen am Übergang einer Aufhängelasche
in den aufgeklebten Bereich des Etiketts, zu deutlich verminderten Zugfestigkeiten.
[0010] Tabelle 1 zeigt beispielhaft die Schwächung des Bügels eines zweilagigen Bügeletiketts
aus PET durch Randverletzungen. Aufgeführt ist die Zugfestigkeit in Newton für das
unverletzte Etikett sowie bei leichter Randverletzung einer der Lagen.
Tabelle 1:
Zugfestigkeit eines zweilagigen PET-Bügels |
|
unverletzt |
Verletzung einer Lage |
Verletzung beider Lagen |
Zugfestigkeit [N] |
206 |
50 |
1,4 |
[0011] Wie sich Tabelle 1 unschwer entnehmen läßt, bewirkt eine leichte Randverletzung einer
Lage bereits eine erhebliche Rißanfälligkeit mit einhergehender Minderung der Zugfestigkeit,
während eine Randverletzung beider Lagen die Zugfestigkeit um Größenordnungen abnehmen
läßt.
[0012] In Tabelle 2 ist für 25 mm breite, ein- bzw. zweilagige Folienstreifen unterschiedlicher
Materialien jeweils die Zugfestigkeit in Newton für den verletzten und den unverletzten
Zustand angegeben. Bei den Materialien "A" und "B" handelt es sich dabei um zugfestere
Kunststoffmaterialien geringerer Dehnbarkeit, bei den Materialien "C" und "D" um weniger
zugfeste Kunststoffmaterialien höherer Dehnbarkeit. Die pm-Werte geben die jeweilige
Dicke der Folie bzw. der Folienlagen an.
Tabelle 2:
Zugfestigkeit 25 mm breiter Folienstreifen |
Material |
Zugfestigkeit [N] unverletzt |
Zugfestigkeit [N] verletzt |
"A" (125 µm) |
665 |
unter 300 |
"A" (75 µm) |
437 |
189 |
"A" (50 µm) |
252 |
112 |
"A" (75µm/50µm) |
556 |
246 (beide Lagen verletzt) |
|
|
366 (eine Lage verletzt) |
"B" (40µm/40µm) |
199 |
63 |
"C" (101 µm) |
40 |
34 |
"D" (165 µm) |
236 |
167 |
"D" (60 µm) |
77 |
56 |
[0013] Tabelle 2 läßt sich unschwer entnehmen, daß bei herkömmlichen mit Zugbelastung beaufschlagten
Folienstreifen eine starke Abnahme der Zugfestigkeit bei Vorliegen einer Randverletzung
offenbar unvermeidbar ist.
[0014] Angesichts der geschilderten Problematik liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe
zugrunde, ein Folienelement zur Aufnahme von Zugkräften zu schaffen, welches eine
erhöhte Sicherheit gegen Reißen infolge von Rißbildung aufweist. Insbesondere ist
es auch Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein als Behälteraufhängevorrichtung dienendes
Bügeletikett mit höheren Sicherheitsreserven insbesondere bei Verletzungen zu schaffen.
Andererseits sollen bei gleicher oder höherer Reißsicherheit gegenüber herkömmlichen
technischen Umsetzungen der Materialaufwand verringert, bzw. kostengünstigere Materialien
einsetzbar werden.
[0015] Gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe durch ein Folienelement
nach Anspruch 1 gelöst. Besonders vorteilhafte Ausführungsformen umfassen Folienelemente
nach den Ansprüchen 2 bis 15.
[0016] Erfindungsgemäß wird auf für den Fachmann völlig überraschende Weise die Belastbarkeit
bzw. Reißsicherheit Zugkräfte aufnehmender Folienelemente, insbesondere bügelförmiger
Aufhängelaschen, durch lokale Schwächungen, wie z.B. Längsschlitze, erhöht. Die Schwächungszonen,
d.h. lokal durch Längsschlitze oder dgl. geschwächte Bereiche, wirken als Kraftverteilungselemente,
welche Kräfte entlang der Schwächung in unverletzte Materialregionen ableiten, bzw.
auf einen größeren kraftaufnehmenden Flächenbereich verteilen können. Somit wird das
lokal auftretende Belastungsmaximum reduziert. Bei Rißbildung breitet sich der Riß
lediglich bis zu der Schwächungszone aus, wo Spannungsspitzen abgebaut werden, da
sich die einwirkenden Kräfte gewissermaßen spalten, wodurch die Belastung einzelner
Materialsegmente reduziert wird. Als Folge erhöht sich der zur Rißfortpflanzung erforderliche
Kraftaufwand, und die Zugfestigkeit des Folienelements steigt.
[0017] Die vorliegende Erfindung kann insbesondere auch dazu dienen, Folienelemente mit
einem klar definierten Reißstopp, d.h. einem vorherbestimmten Rißende bereitzustellen.
Mit anderen Worten umfaßt die Erfindung auch Folien, welche nur bis zu einem bestimmten
Punkt einreißen dürfen. So sind beispielsweise definiert einreißende folienförmige
Airbag-Abdeckungen möglich.
[0018] Anhand der zugehörigen Zeichnungen werden Beispiele bevorzugter Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung näher erläutert. Die gewählten Darstellungen sind dabei
nicht maßstäblich und rein schematisch aufzufassen. Insbesondere sind bei Schnittdarstellungen
die Schichtdicken aus Anschaulichkeitsgründen stark vergrößert, und nach Art einer
Explosionszeichnung teilweise Lücken zwischen aneinandergrenzenden Lagen dargestellt.
- Fig. 1a
- zeigt dabei die dem Stand der Technik entnommene Grundform eines Bügeletiketts mit
Aufhängelasche. Erfindungsgemäße Schwächungszonen sind hier nicht visuell hervorgehoben.
- Fig. 1b
- zeigt perspektivisch ein auf einen über Kopf aufzuhängenden Behälter aufgeklebtes
Bügeletikett der in Fig. 1a dargestellten Grundform.
- Fig. 1c
- zeigt perspektivisch in Vergößerung einen Ausschnitt der Fig. 1b im strichliert umrandeten
Bereich A bei Aufhängung des Behälters über Kopf an der Aufhängelasche.
- Fig. 2a
- zeigt ein Bügeletikett der in Fig. 1a dargestellten Grundform, bei welchem die Schwächungszonen
als Längsschlitze ausgeführt sind.
- Fig. 2b
- zeigt ein mehrlagiges Bügeletikett der in Fig. 1a dargestellten Grundform, bei welchem
die Schwächungszonen als lokale klebstoffreie Bereiche zwischen den Folienlagen ausgeführt
sind.
- Fig. 2c
- zeigt ein Bügeletikett der in Fig. 1a dargestellten Grundform, bei welchem die schraffiert
angedeuteten Schwächungszonen als klebeschwache Randbereiche ausgeführt sind.
- Fig. 3
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt im strichliert umrandeten Bereich
B des in Fig. 2a dargestellten Bügeletiketts.
- Fig. 4
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt durch ein weiteres durch Zug belastetes
Folienelement, bei welchem die Schwächungszonen als zueinander versetzte Anstanzungen
in unterschiedlichen Folienlagen ausgeführt sind.
- Fig. 5
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt durch ein weiteres durch Zug belastetes
Folienelement, bei welchem die Schwächungszone als Zwischenlage mit niedrigerem E-Modul
ausgebildet ist.
- Fig. 6
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt im strichliert umrandeten Bereich
C des in Fig. 2b dargestellten Bügeletiketts.
- Fig. 7
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt im strichliert umrandeten Bereich
D des in Fig. 2c dargestellten Bügeletiketts.
- Fig. 8
- zeigt in perspektivischer Ansicht einen Schnitt im strichliert umrandeten Bereich
D des in Fig. 2c dargestellten Bügeletiketts in alternativer Ausführung.
- Fig. 9
- zeigt ein Diagramm, welches die erhöhte Reißfestigkeit eines erfindungsgemäß geschlitzten
gegenüber einem ungeschlitzen Bügeletikett gemäß dem Stand der Technik illustriert.
[0019] In Fig. 1a ist die dem Stand der Technik entnommene Grundform eines erfindungsgemäßen
Bügeletiketts 1 mit gestanzter Aufhängelasche 2 dargestellt, wobei erfindungsgemäße
Schwächungszonen hier nicht visuell hervorgehoben sind. Die Endbereiche 4a, 4b der
Stanzung 5 können verschieden ausgeführt sein, neben der dargestellten Variante können
auch aus dem Stand der Technik bekannte vorteilhafte Gestaltungen, beispielsweise
in Schneckenform, vorgesehen sein. In Fig. 1b ist das Bügeletikett 1 mittels einer
selbstklebenden Beschichtung bestimmungsgemäß auf einen Behälter 3 aufgeklebt, bei
welchem es sich beispielsweise um eine Infusionsflasche handelt, welche über Kopf
aufzuhängen ist. Der strichliert umrandete Bereich A bei Aufhängung des Behälters
über Kopf an der Aufhängelasche 2 ist in Fig. 1c vergrößert dargestellt. Deutlich
wird, daß wie im Stand der Technik der Bereich nahe der Stanzung 5 an der Aufhängelasche
2 den Großteil der Zugkräfte F aufnehmen muß. Bei gemäß dem Stand der Technik ausgeführten
Bügeletiketten ist hier auch die Rißbildungsgefahr besonders groß.
[0020] In Fig. 2a ist ein gemäß der in Fig. 1a dargestellten Grundform gestaltetes Bügeletikett
abgebildet, welches Schlitze 6a, 6b in der Aufhägelasche 2 aufweist, welche (bei bestimmungsgemäßem
Gebrauch) in Belastungsrichtung orientiert sind. Die Schlitze 6a, 6b können durch
Stanzen oder Schneiden hergestellt sein, und entweder durch die Folie bzw. Folienlage
hindurchgehen oder diese lediglich nach Art einer Nut lokal in ihrer Dicke vermindern.
[0021] Fig. 3 zeigt den strichliert umrandeten Bereich B des in Fig. 2a dargestellten Bügeletiketts
1 in perspektivischer Schnittdarstellung. (Selbstverständlich können aber auch andere
zugbelastete Folienelemente entsprechend ausgeführt sein.) Die als Schlitz 6a ausgeführte
Schwächungszone ist beidseitig der Länge nach, d.h. quer zur mit den Pfeilen F angedeuteten
Belastungsrichtung jeweils durch Folienmaterial 7 begrenzt. Vom Rand her aufgrund
einer Mikroverletzung fortschreitende Rißbildung 8 kommt spätestens am Schlitz 6a
zum Erliegen, da hier Spannungsspitzen abgebaut werden, und die lokal erhöhten Spannungen
in weniger belastete Elemente des Folienmaterials 7 abgeleitet werden.
[0022] Fig. 4 zeigt eine zweilagige Ausführung, bei welcher Schlitze 9a, 9b in den Folienlagen
10a, 10b zueinander versetzt angeordnet sind. Die Folienlagen 10a, 10b sind über eine
Klebstoffschicht 11 miteinander verbunden. Lediglich aus Anschaulichkeitsgründen ist
die unterste Folienlage 10b abgehoben von den beiden weiteren Schichten 10a, 11 dargestellt.
Durch die versetzte Anordnung ergeben sich höhere Sicherheitsreserven, wenn das Folienelement
in beiden Folienlagen 10a, 10b zugleich eine Randverletzung aufweisen sollte.
[0023] Fig. 5 zeigt ein Folienelement, welches zwischen den Folienlagen 12a, 12b noch eine
mit diesen verklebte Zwischenlage 13 aufweist, deren Elastizitätsmodul geringer ist
als der E-Modul der Folienlagen 12a, 12b, und welche somit eine Schwächungszone im
Sinne der Erfindung darstellt, die nach oben und unten, d.h. quer zur durch die Kraftpfeile
F angedeuteten Belastungsrichtung von den Folienlagen 12a, 12b begrenzt ist. Bei fortschreitender
Rißbildung 8 in der oberen Folienlage 12b wird die Zwischenlage 13 aufgrund der Kraftübertragung
in der Klebstoffschicht 14a gedehnt. Durch unterschiedlich starke Dehnung an Ober-
und Unterseite der relativ weichen Zwischenlage 13 (angedeutet durch die unterschiedlich
langen Doppelpfeile) wird lokal Spannung abgebaut, und der Riß überträgt sich nicht
über die Klebstoffschicht 14b weiter auf die untere Folienlage 12b.
[0024] Die Figuren 2b und 6 zeigen eine lokal unterbrochene Klebstoffschicht 11 zur Entkopplung
einer oberen 12a von einer unteren Folienlage 12b. Hier stellen die klebstofffreien
Aussparungen 15a, 15b Schwächungszonen im Sinne der vorliegenden Erfindung dar. Wie
im Zusammenhang mit Fig. 5 erläutert, wird so die Rißübertragung von einer auf die
andere Folienlage 12a, 12b vermieden. Zudem wird durch Spannungsableitung der Rißfortsetzung
entgegengewirkt, wenn ein in einer Folienlage 12a, 12b entstandener Riß die Schwächungszone
15a erreicht. Lediglich aus Anschaulichkeitsgründen ist die oberste Folienlage 12a
abgehoben von den beiden weiteren Schichten 11, 12b dargestellt.
[0025] Die Figuren 2c, 7 und 8 zeigen eine lokal geschwächte Klebstoffschicht 11 zur Entkopplung
einer oberen 12a von einer unteren Folienlage 12b. Die erfindungsgemäßen Schwächungszonen,
deren Lage in Fig. 2c durch Schraffuren angedeutet ist, bestehen hier in einer lokalen,
nach oben und unten durch die ungeschwächten Folienlagen 12a, 12b begrenzten Schwächung
der Klebstoffschicht 11. Günstig ist hier insbesondere, daß die Schwächungszonen in
besonders gefährdeten Randbereichen, d.h. hier in der endnahen Rundung der Stanzung
5 angeordnet sind. Gemäß der in Fig. 7 dargestellten Alternative besteht die Schwächung
in einem lokal weniger stark klebenden bzw. niedriger viskosen oder weniger stark
vernetzten Klebstoff 16. Bei der in Fig. 8 dargestellten Alternative besteht die Schwächung
in einer lokal vorgesehenen klebstoffabweisenden Beschichtung 17 der unteren Lage
12b. Hierbei kann es sich beispielsweise um eine Silikonisierung handeln. Wiederum
aus Anschaulichkeitsgründen ist in Fig. 7 die obere Folienschicht 12a und in Fig.
8 die untere Folienschicht 12b samt klebstoffabweisender Beschichtung 17 jeweils vom
restlichen Folienverbund abgehoben dargestellt. Eine mögliche Ausführung ist ferner
auch eine lokale Klebstoffneutalisation.
[0026] Es versteht sich von selbst, daß die anhand der Beispiele dargestellten Ausführungen
der Schwächungszonen auch miteinander kombiniert werden können.
[0027] Die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Maßnahmen zur Erhöhung der Reißfestigkeit ist
anhand des Balken-Diagramms in Fig. 9 verdeutlicht. Aufgetragen ist hier für PET/Polyolefin-Folienverbünde
unterschiedlicher Schichtdicken die Zugfestigkeit Fmax in Newton. Es handelt sich
dabei um Bügeletiketten 1, welche im Endbereich 4a, 4b der die Aufhängelasche 2 definierenden
Stanzung 5 schneckenförmig ausgebildet sind. Der jeweils linke, hellere Balken stellt
die Zugfestigkeit einer ungeschlitzten Version gemäß dem Stand der Technik dar, der
jeweils rechte, dunklere Balken die Zugfestigkeit bei Schlitzung der besonders belasteten
unteren Lage im Bereich der schneckenförmigen Stanzung, wobei die Schlitzung in Längsrichtung
der Zugbelastung bei bestimmungsgemäßen Gebrauch ausgerichtet ist. Die vier Balkenpaare
stehen für Verbünde mit unterschiedlichen Schichtdicken der einzelnen Folienlagen.
Die höhere Belastbarkeit der erfindungsgemäßen geschlitzten Ausführungen ist deutlich
erkennbar.
[0028] Im dargestellten Experiment wurden die Bügel im schneckenförmigen Bereich durch einen
Schnitt verletzt. □Die erfindungsgemäßen Schwächungszonen in Form einer Schlitzung
erhöhen hier empirisch nachvollziehbar die Reißfestigkeit und somit die Produktsicherheit
des Bügeletiketts bei sonst gleichem Materialaufbau. Bei einer unerwünschten Verletzung
in der Praxis, welche z.B. aufgrund abgenutzter Stanzen nicht ausgeschlossen werden
kann, zahlt sich die erfindungsgemäße Maßnahme des Einbringens einer Schwächungszone
besonders aus.
[0029] Die Reißeigenschaften können ferner variiert werden durch entsprechende Anpassung
der Parameter Materialaufbau, Materialdicken, Materialtypen, Reckgrad, Pigmentierung,
Oberflächenbehandlung. So sind insbesondere für zwei- oder mehrlagige Verbunde insbesondere
die folgenden Materialien geeignet: Polyethylenterephthalat (für obere und/oder untere
Lage), Polyolefine (für obere und/oder untere Lage), Polyamide (für obere und/oder
untere Lage), Polypropylen (für obere Lage), orientiertes Polypropylen (für obere
und/oder untere Lage), Polybutylenterephthalat (für obere Lage), Vliese (für obere
Lage), Gitterstrukturen.
1. Folienelement (1) zur Aufnahme von Zugkräften,
dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement (1) in mindestens einem unter Belastung rißgefährdeten Bereich
(A, B, C, D) mindestens eine sich in Angriffsrichtung der Zugkräfte (F) erstreckende,
unter Belastung lokale Spannungsspitzen abbauende Schwächungszone (6a, 6b, 9a, 9b,
13, 15a, 15b, 16) aufweist, welche in mindestens einer Richtung quer zur Angriffsrichtung
der Zugkräfte (F) beidseitig von ungeschwächtem Material (7, 10a, 10b, 12a, 12b) begrenzt
ist.
2. Folienelement gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement (1) mindestens zwei Folienlagen (10a, 10b, 12a, 12b) aufweist.
3. Folienelement gemäß Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Folienlagen (10a, 10b, 12a, 12b) zumindest teilweise miteinander verklebt, verschweißt
oder versiegelt sind.
4. Folienelement gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine Schwächungszone einen Längsschlitz (6a, 6b, 9a, 9b) aufweist.
5. Folienelement gemäß Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Längsschlitz (9a, 9b) nur durch jeweils eine Folienlage (10a, 10b) hindurchgeht.
6. Folienelement gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement mehrere zueinander versetzte Längsschlitze (9a, 9b) in unterschiedlichen
Folienlagen (10a, 10b) aufweist.
7. Folienelement gemäß einem der Ansprüche 2-6, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine Schwächungszone eine Trennhilfe (13, 15a, 15b, 16, 17) aufweist,
welche die lokale, zumindest teilweise kräftemäßige Entkopplung zweier angrenzender
Folienlagen (12a, 12b) bewirken kann.
8. Folienelement gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement (1) mindestens eine vollflächige oder teilflächige Klebstoffschicht
(11) aufweist, welche zwei Folienlagen (10a, 10b, 12a, 12b) miteinander verbindet,
und daß die Trennhilfe als Mittel (13, 15a, 15b, 16, 17) zur lokalen Verminderung
der Klebkraft zwischen den Folienlagen (12a, 12b)ausgeführt ist.
9. Folienelement gemäß Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, die Mittel zur lokalen Verminderung der Klebkraft mindestens eines der folgenden
Mittel umfassen:
- lokale Unterbrechung (15a, 15b) der Klebstoffschicht (11),
- lokal geringere Vernetzung der Klebstoffschicht (11)
- innerhalb der Klebstoffschicht (11) lokale Anordnung eines Klebstoffs (16) mit geringerer
flächenbezogener Klebkraft als die umgebende Klebstoffschicht 811),
- lokal eingebrachte Klebstoffneutralisation,
- lokal Klebkraft mindernd behandelte Oberfläche (17) mindestens einer an die Klebstoffschicht
(11) angrenzenden Folienlage (12b).
10. Folienelement gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Trennhilfe als eine Zwischenlage (13) höherer Dehnbarkeit ausgeführt ist.
11. Folienelement gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement (1) an seiner Unterseite zumindest teilweise selbstklebend beschichtet
ist.
12. Folienelement gemäß Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement als Bügeletikett (1), beispielsweise zum Aufhängen von Infusionsflaschen,
ausgeführt ist, welches eine durch eine Stanzung (5) abgegrenzte, im aufgeklebten
Zustand des Bügeletiketts (1) aus der übrigen Fläche des Bügeletiketts herausschwenkbare
und/oder herausziehbare Aufhängelasche (2), beispielsweise zum Aufhängen einer Infusionsflasche
(3), auf welche das Bügeletikett (1) aufklebbar ist, aufweist.
13. Folienelement gemäß einem der Ansprüche 1-11, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement als Tragegriff ausgeführt ist.
14. Folienelement gemäß einem der Ansprüche 1-11, dadurch gekennzeichnet, daß das Folienelement als Ladungssicherungsfolie ausgeführt ist.
15. Folienelement gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß es als Klebestreifen ausgeführt ist.