[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Signalverarbeitung
in einem Hörgerät gemäss den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche. Die Erfindung
eignet sich insbesondere zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit durch Unterdrückung
von Störlärm bei Hörhilfen bzw. Hörgeräten.
STAND DER TECHNIK
[0002] Ein gattungsgemässes Verfahren ist beispielsweise aus der EP 1 067 821 A1 bekannt,
deren Inhalt hiermit in diese Anmeldung aufgenommen wird. Darin wird eine Hörhilfe
beschrieben, in welcher eine Unterdrückung von Störlärm in einem Eingangssignal in
einem Hauptsignalpfad erfolgt, der weder eine Transformation in den Frequenzbereich
noch eine Aufteilung in Teilbandsignale, sondern lediglich ein Unterdrückungsfilter
aufweist. Eine Übertragungsfunktion des Unterdrückungsfilters wird periodisch neu
bestimmt aufgrund von Abschwächungsfaktoren, die in einem parallel zum Hauptsignalpfad
liegenden Signalanalysepfad ermittelt werden. Die Abschwächungsfaktoren werden zur
Abschwächung von Signalkomponenten in Frequenzbändern mit erheblichem Anteil an Störlärm
verwendet. Das Unterdrückungsfilter ist als Transversalfilter realisiert, dessen Impulsantwort
periodisch als gewichtete Summe der Impulsantworten von transversalen Bandpassfiltern
neu berechnet wird. Auf diese Weise wird eine Verarbeitung mit geringer Signalverzögerung
möglich.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0003] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Signalverarbeitung
in einem Hörgerät der eingangs genannten Art zu schaffen, welche eine höhere Qualität
und Verständlichkeit des verarbeiteten Signals realisieren.
[0004] Diese Aufgabe lösen eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Signalverarbeitung in
einem Hörgerät mit den Merkmalen der Patentansprüche 1 und 10 sowie ein Hörgerät mit
den Merkmalen des Patentanspruchs 20.
[0005] Im erfindungsgemässen Verfahren zur Signalverarbeitung in einem Hörgerät
- werden Koeffizienten einer Kompressionsverstärkung, welche eine frequenzabhängige
Anpassung des Eingangssignals nach Massgabe von frequenzabhängigen Signalpegeln des
Eingangssignals beschreiben, bestimmt,
- werden Koeffizienten einer Geräuschunterdrückung, welche eine frequenzabhängige Anpassung
des Eingangssignals nach Massgabe von im Eingangssignal detektierten Störgeräuschen
beschreiben, bestimmt, und
- werden Koeffizienten eines Filters zur Filterung des Eingangssignals aus den Koeffizienten
der Kompressionsverstärkung und den Koeffizienten der Geräuschunterdrückung berechnet..
[0006] Dabei ist mit dem Begriff "Anpassung eines Signals" zusammenfassend sowohl eine Verstärkung
als auch eine Abschwächung gemeint.
[0007] Durch die Erfindung wird es möglich, den Amplitudengang des Filters an wechselnde
Sprach- und Störsignale sowie an die Bedürfnisse einer schlechthörenden Person anzupassen,
wobei eine Verzögerungszeit für die Filterung des Eingangssignals klein gehalten wird.
[0008] Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kompressionsverstärkung unterschiedliche Verstärkungswerte
für verschiedene Frequenzbereiche des Eingangssignal zulässt.
[0009] Ein weiterer Vorteil ist, dass nur ein einziges steuerbares Filter sowohl zur Kompressionsverstärkung
als auch zur Geräuschunterdrückung verwendet wird.
[0010] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung geschieht die Bestimmung der Koeffizienten
der Kompressionsverstärkung in einer ersten Menge von Frequenzbereichen F
n mit n=1..N des Eingangssignals anhand von Signalpegeln oder Amplitudenkomponenten.
Ein Signalpegel wird bestimmt aus einem Teilsignal des Eingangssignals, welches durch
Filterung des Eingangssignales und Aufteilung in Teilsignale mit Signalkomponenten
in jeweils nur einem Frequenzbereich gebildet wird. Die Signalpegel werden iterativ
als momentane Effektivwerte einer Signalleistung in den jeweiligen Frequenzbereichen
des Eingangssignals bestimmt. Dadurch wird es möglich, die Kompressionsverstärkung
mit einer zeitlichen Auflösung nachzuführen, die einer Abtastrate des Eingangssignals
entspricht.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung geschieht die Bestimmung der Koeffizienten
a
m der Geräuschunterdrückung in einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φ
m mit m=1..M des Eingangssignals durch Bestimmung von Modulationstiefen d
m und durch Bestimmung der Koeffizienten a
m für jeden der Frequenzbereiche Φ
m nach Massgabe der entsprechenden Modulationstiefe d
m. Dabei werden die Modulationstiefen d
m aus einer zeitlichen Reihenfolge von Maximal- und Minimalwerten eines Signalpegels
p
m im jeweiligen Frequenzbereich Φ
m bestimmt. Dadurch wird es möglich, schwach modulierte, das heisst monotone Störgeräusche
selektiv herauszufiltern. Zeitkonstanten für die Anpassung der Geräuschunterdrückung
liegen vorzugsweise im Bereich von um 50 Millisekunden oder darunter.
[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die Frequenzbereiche Φ
m für die Geräuschunterdrückung klein im Vergleich mit den Frequenzbereichen F
n für die Kompressionsverstärkung. Es umfasst also mindestens ein Frequenzbereich F
n zwei oder mehrere Frequenzbereiche Φ
m. Dementsprechend weisen Filter zur Bestimmung von Anteilen des Eingangssignals in
den Frequenzbereichen Φ
m eine grössere Signallaufzeit oder Verzögerung auf als Filter für die Frequenzbereiche
F
n. Dies ermöglicht eine scharfe Aufteilung des Frequenzbereiches zur Unterdrückung
von Störungen und gleichzeitig eine schnelle Anpassung der Kompressionsverstärkung
an ein wechselndes Sprachsignal. Eine maximal tolerierbare Verzögerung für die Anpassung
von Koeffizienten der Kompressionsverstärkung beträgt 5 Millisekunden, bevorzugt werden
Werte unter 2.5 Millisekunden. Erfindungsgemäss sind Werte unter einer Millisekunde
erzielbar.
[0013] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das Filter nicht
in jedem Abtastintervall exakt an die neu berechneten Koeffizienten nachgeführt. Statt
dessen wird es nur gemäss einem oder mehreren geänderten Koeffizienten nachgeführt.
Dies erlaubt eine Anpassung mit geringem Rechenaufwand und entsprechend geringem Energieverbrauch.
Vorzugsweise geschieht die Anpassung jeweils nur für den oder die Koeffizienten, deren
Änderung eine vorgegebene Schwelle überschreiten oder die vergleichsweise gross respektive
am grössten ist. Ebenfalls möglich ist eine periodische Änderung je eines oder einiger
weniger Koeffizienten oder ein pseudozufälliges Durchlaufen und Anpassen aller Koeffizienten.
[0014] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird ein Einfluss der
Geräuschunterdrückung in der Bestimmung der Koeffizienten für die Kompressionsverstärkung
berücksichtigt. Dazu übermittelt ein Mittel zur Bestimmung von Koeffizienten der Geräuschunterdrückung
einem Mittel zur Bestimmung von Koeffizienten der Kompressionsverstärkung Korrekturwerte,
welche einer durch die Geräuschunterdrückung verursachten Signalabschwächung entsprechen.
[0015] Die erfindungsgemässe Vorrichtung weist die Merkmale des Patentanspruches 10 auf.
Ein erfindungsgemässes Hörgerät weist Mittel zur Ausführung des erfindungsgemässen
Verfahrens auf.
[0016] Weitere bevorzugte Ausführungsformen gehen aus den abhängigen Patentansprüchen hervor.
Dabei sind Merkmale der Verfahrensansprüche sinngemäss mit den Vorrichtungsansprüchen
kombinierbar und umgekehrt.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0017] Im folgenden wird der Erfindungsgegenstand anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen,
welche in den beiliegenden Zeichnungen dargestellt sind, näher erläutert.
[0018] Es zeigen:
- Figur 1
- schematisch eine Struktur der Signalverarbeitung;
- Figur 2
- ein Blockdiagramm einer Berechnung von Verstärkungswerten; und
- Figur 3
- ein Blockdiagramm einer Berechnung von Abschwächungswerten und Korrekturgrössen gemäss
der Erfindung.
[0019] Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung sind in der
Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich sind in den Figuren
gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0020] Die Figur 1 zeigt schematisch eine Struktur der Signalverarbeitung in einem erfindungsgemässen
Hörgerät. Ein Eingangssignal X wird auf ein steuerbares Filter 6, auf ein Mittel zur
Bestimmung einer Kompressionsverstärkung 7 und auf ein Mittel zur Bestimmung einer
Geräuschunterdrückung 8 geführt. Das steuerbare Filter 6 ist zur Bildung eines Ausgangssignals
Y nach Massgabe von Filterkoeffizienten c
1..c
M ausgebildet.
[0021] Im Mittel zur Bestimmung der Kompressionsverstärkung 7 wird das Eingangssignal X
auf eine erste Filtereinheit 1 geführt. Die erste Filtereinheit 1 ist zur Bestimmung
von Signalanteilen x
1..x
N des Eingangssignals X in einer ersten Menge von Frequenzbereichen F
n mit n=1..N ausgebildet. In einer Signalverarbeitung zur Kompressionsverstärkung 3
werden aus den Signalanteilen x
1..x
N Parameter respektive Koeffizienten oder Anpassungswerte der Kompressionsverstärkung
g
1..g
M berechnet. Diese Koeffizienten werden im Hinblick auf die Verstärkungsfunktion des
Hörgerätes auch als
Verstärkungswerte bezeichnet. Es werden aber auch andere Koeffizienten als Verstärkungswerte bezeichnet.
[0022] Im Mittel zur Bestimmung der Geräuschunterdrückung 8 wird das Eingangssignal X auf
eine zweite Filtereinheit 2 geführt. Die zweite Filtereinheit 2 ist zur Bestimmung
von Signalanteilen y
1..y
M des Eingangssignals X in einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φ
m mit m=1..M ausgebildet. In einer Signalverarbeitung zur Geräuschunterdrückung 4 werden
aus den Signalanteilen y
1..y
M Parameter respektive Koeffizienten oder Anpassungswerte der Geräuschunterdrückung
a
1..a
M berechnet. Diese Koeffizienten werden im Hinblick auf die damit erzielte Geräuschunterdrückung
auch als
Abschwächungswerte bezeichnet.
[0023] Die Kombinationseinheit 5 kombiniert die Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
g
1..g
M mit den Koeffizienten der Geräuschunterdrückung a
1..a
M und berechnet daraus kombinierte logarithmischen Verstärkungswerte c
1..c
M als Filterkoeffizienten des steuerbaren Filters 6. Vorzugsweise sind die erwähnten
Koeffizienten g
i,a
i und c
i logarithmisch skaliert und wird in der Kombinationseinheit 5 im wesentlichen eine
Subtraktion c
m=g
m-a
m mit m=1..M durchgeführt.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung übermittelt die Signalverarbeitung
zur Geräuschunterdrückung 4 der Signalverarbeitung zur Kompressionsverstärkung 3 Korrekturwerte
r
1..r
N, welche einer durch die Geräuschunterdrückung verursachten jeweiligen Signalabschwächung
in den Frequenzbereichen F
1..F
n entsprechen.
[0025] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die erste Filtereinheit
1 und die zweite Filtereinheit 2 nicht als separate Einheiten implementiert, sondern
als kombinierte Filtereinheit. Beispielsweise wird sequentiell eine Filterung mit
breiten Frequenzbändern zur Bestimmung der Signalanteile x
1..x
N durchgeführt und werden diese gefilterten Signale zur Bestimmung der Signalanteile
y
1..y
M weiter gefiltert.
[0026] Die Erfindung in der gezeigten Ausführungsform funktioniert zusammengefasst wie folgt:
Das Eingangssignal wird in drei Signalpfade aufgeteilt, einen Hauptsignalpfad mit
einem steuerbaren Filter, einen ersten parallelen Signalanalysepfad für die Kompressionsverstärkung
und einen zweiten parallelen Signalanalysepfad für die Geräuschunterdrückung.
[0027] Figur 2 zeigt ein Blockdiagramm einer Berechnung von Verstärkungswerten in der Signalverarbeitung
zur Kompressionsverstärkung 3. Für die Kompressionsverstärkung werden Signalpegel
in N relativ wenigen Frequenzbereichen berechnet. Figur 2 zeigt die Berechnung für
einen dieser N Frequenzbereiche, für die übrigen Frequenzbereiche wird dieselbe Struktur
verwendet. Von einem Signalanteil x
n in diesem Frequenzbereich wird in einem Block 21 eine Signalleistung gebildet, beispielsweise
als laufende Summe von quadrierten Signalwerten. In einem Block 22 wird durch Logarithmierung
ein Signalpegel p
n gebildet. Der Begriff Signalpegel bezeichnet hier also den in einem logarithmischen
Zahlenbereich, z.B. in dB, ausgedrückten Effektivwert der momentanen Signalleistung
im Frequenzbereich F
n. Aus dem Signalpegel p
n wird durch Subtraktion 23 eines Korrekturwertes r
n ein modifizierter Signalpegel p
n' berechnet. Auf die Bestimmung von Korrekturwerten r
n wird weiter unten separat eingegangen. Jedem Frequenzbereich F
n der Kompressionsverstärkung ist mindestens ein Frequenzbereich Φ
m der Geräuschunterdrückung zugeordnet. Für jeden dieser zugeordneten Frequenzbereiche
Φ
m (in der Figur 2 sind dies drei, entsprechend Blöcken 24, 24', 24") ist eine eigene
Funktion f
m vorgegeben, die aus dem modifizierten Signalpegel p
n' einen Verstärkungswert g
m berechnet, also

[0028] Diese Funktionen f
m berücksichtigen einen individuellen Hörverlust und audiologische Erfahrungen. In
den Funktionen f
m enthaltene Parameter, Verstärkungswerte oder Hörkorrekturwerte sind vorzugsweise
benutzerspezifisch und beispielsweise in einem EPROM des Hörgeräts gespeichert. Die
gesamte Anzahl dieser Funktionen f
m und der Verstärkungswerte g
m, also über alle N Frequenzbereiche F
n der Kompressionsverstärkung, ist gleich der Anzahl M der Frequenzbereiche Φ
m der Geräuschunterdrückung.
[0029] Zielt man darauf ab, leise Phoneme, d.h. Konsonanten, in einem Sprachsignal mehr
zu verstärken als laute Phoneme, d.h. Vokale, damit für einen Hörbehinderten möglichst
alle Phoneme in kontinuierlich gesprochener Sprache gut hörbar werden, dann müssen
die Signalpegel p
n so ermittelt werden, dass Unterschiede zwischen leisen und lauten aufeinanderfolgenden
Phonemen gut erfasst werden. Darüber hinaus müssen die laufend ermittelten Verstärkungswerte
g
m zeitgerecht auf jene Signalabschnitte angewendet werden, in denen sich die zugehörigen
Phoneme befinden, d.h. die Verstärkungswerte müssen synchron auf das Audiosignal X
einwirken. Eine dermassen schnell, im Rhythmus aufeinanderfolgender Phoneme wirkende,
synchrone Kompressionsverstärkung ergibt nur gute Resultate, wenn die Anzahl separater
Frequenzbereiche klein gewählt wird, z.B. N ≤ 5, vorzugsweise N ≤ 3. Sonst werden
für die verschiedenen Phoneme charakteristische spektrale Unterschiede zwischen den
Frequenzbereichen zu sehr vermindert und damit die Sprachverständlichkeit beeinträchtigt.
Die Kompressionsverstärkung mit wenigen, relativ breiten Frequenzbereichen ist mit
geringer Verarbeitungsverzögerung in der Grössenordnung von 1 Millisekunde möglich,
was dem Wunsche einer idealerweise verzögerungsfreien Signalverarbeitung nahe kommt.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die Kompressionsverstärkung
für nur ein einziges Frequenzband, also für den gesamten Frequenzbereich des Audiosignals
gemeinsam durchgeführt. In einer anderen Ausführungsform der Erfindung werden dafür
zwei Frequenzbänder verwendet, also N=2.
[0030] Die Signalanalyse zur Bestimmung von Signalpegeln in Frequenzbereichen f
n für die Kompressionsverstärkung wird vorzugsweise iterativ durchgeführt, wobei für
jeden neuen Wert des Eingangssignals aktuelle Signalpegel bestimmt werden. Dazu werden
vorzugsweise rekursive Signalanalyseverfahren verwendet. Beispielsweise wird iterativ
der quadratische Mittelwert des Signals x[k] zum k-ten Abtastzeitpunkt als

berechnet, wobei 0 < ε << 1 gewählt wird.
[0031] Ein entsprechender Signalpegelwert, z.B. in dB, ergibt sich dann zu

[0032] Bei der Geräuschunterdrückung geht es darum, Teilsignale in Frequenzbereichen des
Audiosignals abzuschwächen, in denen sich hauptsächlich nur monotone Störgeräusche
befinden. Dazu werden zunächst in M separaten Frequenzbereichen Φ
m Differenzen zwischen zeitlich aufeinanderfolgenden Maximal- und Minimalwerten der
Signalpegel p
m, sogenannte Modulationstiefen d
m, ermittelt, wobei m = 1, ..., M gilt.
[0033] Für die Geräuschunterdrückung ist eine iterative Bestimmung der Signalpegel im Takte
der Abtastrate des Eingangssignals nicht notwendig. Zum Einsparen von Rechenoperationen
wird daher vorzugsweise mit reduzierten Abtastraten gearbeitet. Dabei wird der Signalpegel
p
m segmentweise für Segmente einer Länge von ca. 20-30 ms als momentaner Effektivwert
der Signalleistung im entsprechenden Frequenzbereich Φ
m gebildet. Damit kann die Geräuschunterdrückung mit einer zeitlichen Auflösung p
m beispielsweise unter 50 ms nachgeführt werden.
[0034] Zu Bestimmung von Maximal- und Minimalwerten werden separate Schätzwertfunktionen
nachgeführt: Dazu wird in jedem Abtastintervall ein gespeicherter Maximalwert entweder
um ein kleines Inkrement linear oder gemäss einer Exponentialfunktion verringert,
oder es wird der aktuelle Pegelwert übernommen, falls er diesen verringerten Maximalwert
übertrifft. Sinngemäss wird der Minimalwert in jedem Abtastintervall um ein kleines
Inkrement angehoben oder es wird der aktuelle Pegelwert übernommen, falls er den angehobenen
Minimalwert unterschreitet. Die Modulationstiefe ergibt sich als Differenz zwischen
diesen beiden Schätzwertgrössen. Eine kleine Modulationstiefe entsteht also bei gleichbleibender
Signalenergie. Um sprunghafte Änderungen der Modulationstiefe zu vermeiden, werden
die so ermittelten Differenzwerte vorzugsweise noch einer Glättung unterzogen. Durch
entsprechende Wahl der erwähnten Inkremente klingen die Extrema mit Zeitkonstanten
im Bereich von einigen wenige Sekunden ab.
[0035] Für Sprache in ruhiger akustischer Umgebung nimmt die Modulationstiefe Werte von
30 dB und mehr an. Im Verkehrslärm wird der tiefe Frequenzbereich bis etwa 500 Hz
oft von monotonem Störgeräusch dominiert, so dass selbst bei Vorhandensein von Sprachsignalen
die Modulationstiefe in diesem Frequenzbereich bis nahe auf 0 dB sinkt. Andere Störgeräusche
wiederum überdecken das Sprachsignal eher in höheren Frequenzbereichen. Vorzugsweise
werden Teilsignale in Frequenzbereichen Φ
m abgeschwächt, in denen die Modulationstiefe d
m unter einen kritischen Wert von z.B. 15 dB fällt, wobei das Ausmass der Abschwächung
a
m monoton und beispielsweise linear mit kleiner werdender Modulationstiefe zunimmt.
[0036] Für eine möglichst genaue Erfassung und Trennung von Frequenzbereichen mit unterschiedlicher
Modulationstiefe ist eine grosse Anzahl separater Frequenzbereiche vorteilhaft, z.B.
M = 20. Für die Signalverarbeitung in so vielen schmalen Frequenzbereichen ergibt
sich zwangsläufig eine lange zeitliche Verzögerung in der Grössenordnung von 10 ms,
die jedoch mit einem allmählichen Abschwächen und gelegentlichen Anheben der Teilsignale
in diesen Frequenzbereichen gut verträglich ist.
[0037] Die Verstärkungswerte g
m der Kompressionsverstärkung 3 und die Abschwächungswerte a
m der Geräuschunterdrückung 4 werden pro Frequenzbereich kombiniert und als Steuergrössen
c
m dem steuerbaren Filter 6 im Hauptsignalpfad zugeführt. Die Übertragungsfunktion des
steuerbaren Filters wird bei Bedarf in jedem Abtastintervall des Eingangssignals frequenzspezifisch
in einem oder einigen wenigen Frequenzbereichen nachgeführt und in allen andern Frequenzbereichen
unverändert belassen.
[0038] Für den kombinierten Einsatz von Kompressionsverstärkung und Geräuschunterdrückung
besteht die Möglichkeit, eine Signalanalyse in relativ vielen Frequenzbereichen Φ
m vorzunehmen, so wie es für die Geräuschunterdrückung sinnvoll ist, und danach die
Ergebnisse in geeigneter Weise bezüglich der für die Kompressionsverstärkung relevanten
wenigen Frequenzbereiche F
n zusammenzufassen. Der Nachteil eines solchen sequentiellen Vorgehens besteht darin,
dass sich für die gesamte Signalverarbeitung eine lange Signalverzögerung in der Grössenordnung
von 10 ms ergibt. Vom rechnerischen Aufwand her scheinen für eine solche Realisierung
insbesondere die Schnelle Fouriertransformation und die inverse Schnelle Fouriertransformation
attraktiv. Dabei wird das Audiosignal nacheinander in einzelnen Segmenten mit einer
Dauer von ca. 10 ms in den Frequenzbereich transformiert, analysiert und modifiziert,
und anschliessend in den Zeitbereich zurück transformiert. Durch den Einsatz der segmentweisen
Signalverarbeitung ergeben sich jedoch folgende weitere Nachteile: Die Signalpegel
p
n werden als Mittelwerte in einem Segment berechnet, wodurch ein ausgeprägter Signalanstieg
zu einem bestimmten Zeitpunkt nur mit der zeitlichen Auflösung eines Verarbeitungssegmentes
erfasst wird. Auch die Bestimmung der einzelnen Verstärkungswerte und damit der gesamten
Übertragungsfunktion erfolgt bloss im Takt der aufeinanderfolgenden Segmente.
[0039] Vorzugsweise wird deshalb die Filterung des Eingangssignals X aufgrund einer getrennten
und parallel verlaufenden Signalanalyse für die Geräuschunterdrückung wie auch für
die Kompressionsverstärkung durchgeführt. Dabei werden die notgedrungen verzögert
erhaltenen Koeffizienten a
m zur Geräuschunterdrückung mit schneller erhaltenen Koeffizienten g
m zur Kompressionsverstärkung kombiniert, und werden mehrere der Koeffizienten g
m mit unterschiedlichen Funktionen f
m anhand desselben, optional modifizierten, Signalpegels p
n'=p
n-r
n eines Frequenzbereiches F
n zur Kompressionsverstärkung bestimmt.
[0040] Die kombinierte und parallele Verarbeitung geschieht im Einzelnen wie folgt: Im untersten
Signalpfad durchläuft das Audiosignal ein steuerbares Filter 6, das die benötigten
frequenzabhängigen Signalmodifikationen vornimmt. Die beiden oberen Signalpfade beinhalten
je eine Filtereinheit, welche das Audiosignal in Teilsignale separater Frequenzbereiche
aufteilen. Die erste Filtereinheit 1 bewirkt eine Signalaufteilung in nur wenige,
N breite Frequenzbereiche F
n, was mit geringer Signalverzögerung durchführbar ist. Die zweite Filtereinheit 2
bewirkt eine Signalaufteilung in viele, M schmale Frequenzbereiche Φ
m, was eine lange Verzögerungszeit nach sich zieht. Dabei werden die Frequenzbereiche
vorzugsweise so gewählt, dass jeder Frequenzbereich Φ
m Teilbereich eines Frequenzbereiches F
n ist. Die Frequenzbereiche zu Kompressionsverstärkung F
n überdecken zusammen vorzugsweise denselben Frequenzbereich wie die Frequenzbereiche
zur Geräuschunterdrückung Φ
m. Ein Frequenzbereich zur Kompressionsverstärkung überdeckt jeweils mehrere Frequenzbereiche
zur Geräuschunterdrückung. Verhältnisse zwischen den Breiten von Frequenzbereichen
und zwischen der Aufteilung von Frequenzbereichen sind vorzugsweise zumindest annähernd
logarithmisch.
[0041] Ein typischer Frequenzbereich für das Eingangssignal ist: 0 bis 10 kHz. Dieser wird
beispielsweise in die folgenden Frequenzbereiche für die Kompressionsverstärkung und
Geräuschunterdrückung unterteilt:
| Kompressionsverstärkung (Hz) |
Geräuschunterdrückung (Hz) |
| 0 bis 1250 |
0 bis 312.5 |
| 312.5 bis 625 |
| 625 bis 937.5 |
| 937.5 bis 1250 |
| 1250 bis 2500 |
1250 bis 1562.5 |
| 1562.5 bis 1875 |
| 1875 bis 2187.5 |
| 2187.5 bis 2500 |
| 2500 bis 10000 |
2500 bis 3125 |
| 3125 bis 3750 |
| 3750 bis 4375 |
| 4375 bis 5000 |
| 50000 bis 6250 |
| 6250 bis 7500 |
| 7500 bis 10000 |
[0042] Dabei beträgt die Abtastrate beispielsweise 20 kHz und dementsprechend die Nutzbandbreite
die Hälfte, also 10 kHz. In einer anderen Ausführungsform der Erfindung betragen diese
Werte 16 kHz respektive 8 kHz.
[0043] In der Signalanalyse zur Geräuschunterdrückung erfolgt für jeden der M Frequenzbereiche
Φ
m eine Bestimmung des zugeordneten Signalpegels p
m, der Modulationstiefe d
m und des Abschwächungswertes a
m, wobei letzterer vorteilhafterweise in einem logarithmischen Zahlenbereich ausgedrückt
wird. Die Bestimmung der Modulationstiefe d
m erfolgt wie oben beschrieben nach Massgabe d.h. als Funktion des zeitlichen Verlaufs
des entsprechenden Signalpegels p
m, und die Bestimmung der Koeffizienten a
m nach Massgabe der entsprechenden Modulationstiefen d
m. Die zweite Filtereinheit 2 und ein Teil der Signalverarbeitung zur Geräuschunterdrückung
4 bilden also ein Mittel zur Bestimmung von diesen Grössen p
m, d
m und a
m in einer zweiten Menge von Frequenzbereichen des Eingangssignals X.
[0044] In der Signalanalyse zur Kompressionsverstärkung wird in jedem der N Frequenzbereiche
F
n der Signalpegel p
n bestimmt und zwar so, dass jeder Signalwert des Teilsignals x
n[k] zu einer Aktualisierung des Signalpegels beiträgt, was zu einer höheren zeitlichen
Auflösung führt als bei der blossen Bestimmung eines segmentweisen Mittelwertes.
[0045] Die erste Filtereinheit 1 und ein Teil der Signalverarbeitung zur Kompressionsverstärkung
3 bilden also ein Mittel zur Bestimmung von Signalpegeln in einer ersten Menge von
Frequenzbereichen des Eingangssignals X. Danach werden für alle M Frequenzbereiche
Φ
m Verstärkungswerte

bestimmt, wobei jeder modifizierte Signalpegel p
n', also die um die Korrekturwerte r
1..r
N verringerten Pegel, zur Bestimmung der Verstärkungswerte in all jenen Frequenzbereichen
Φ
m benützt wird, die zusammengefügt den Frequenzbereich F
n ergeben. Die Korrekturwerte r
n berücksichtigen eine etwaige Abschwächung der Signalleistungen infolge der Geräuschunterdrückung.
[0046] Jeder der Verstärkungswerte g
m mit m = 1..M ist also einem Frequenzbereich Φ
m zugeordnet. Mit der Festlegung von M verschiedenen Verstärkungswerten für die schmalen
Frequenzbereiche Φ
m ist die Kompressionsverstärkung in der erfindungsgemäss kombinierten Signalverarbeitung
zugleich auch mit einer wesentlich flexibleren Übertragungsfunktion, also mit M statt
nur N Funktionen f
m, realisierbar, als wenn bloss ein Verstärkungswert für jeden breiten Frequenzbereich
F
n festgelegt würde. Die Verstärkungswerte g
m werden wiederum vorzugsweise in einem logarithmischen Zahlenbereich ausgedrückt.
Die Funktionen f
m legen frequenzspezifisch in Abhängigkeit des Signalpegels eine gewünschte frequenzspezifische
Verstärkung nach audiologischen Prinzipien fest.
[0047] Die M Verstärkungs- und Abschwächungswerte gelangen zur Kombination 5 von Verstärkungen
und Abschwächungen, wo sie in jedem Frequenzbereich Φ
m separat kombiniert werden, was bei Verwendung eines logarithmischen Zahlenbereichs
durch einfache Subtraktion erfolgt:
c
m = g
m - a
m.
[0048] Die M kombinierten logarithmischen Verstärkungswerte c
m gelangen zum steuerbaren Filter 6, wo sie in lineare Verstärkungswerte γ
m transformiert werden. Das steuerbare Filter 6 mit Übertragungsfunktion H(z) lässt
sich aus M parallelen Filtern zusammensetzen, deren Übertragungsfunktionen H
m(z) jeweils nur im Frequenzbereich Φ
m eine Durchlass- und in allen andern Frequenzbereichen eine Sperrcharakteristik aufweisen
und zur Erreichung der gewünschten frequenzabhängigen Modifikation des Audiosignals
X je mit dem linearen Verstärkungswert γ
m multipliziert werden

[0049] Für eine Aktualisierung des steuerbaren Filters 6 im Takt der Abtastrate des Audiosignals
X ist diese elementare Beziehung nicht geeignet, weil der Rechenaufwand und die damit
verbundene Leistungsaufnahme einer integrierten Schaltung viel zu gross wären. Sie
eignet sich bloss für eine segmentweise Nachführung, was aber wegen der reduzierten
zeitlichen Auflösung in der hier beispielhaft gezeigten Ausführung nicht optimal ist.
[0050] Um eine bessere zeitliche Auflösung zu erreichen, wird die Übertragungsfunktion H(z)
des steuerbaren Filters 6 vorzugsweise in jedem Abtastintervall k iterativ aktualisiert
gemäss

wobei die Grösse δH(z)[k] für die exakte Aktualisierung des steuerbaren Filters 6
in einem oder allenfalls einigen wenigen Frequenzbereichen Φ
m steht. Im Falle der Aktualisierung in einem einzigen Frequenzbereich Φ
m gilt folglich

wobei κ
m jenes Abtastintervall bezeichnet, in dem der Frequenzbereich Φ
m das letzte Mal aktualisiert wurde. Es werden also in den vorgegebenen regelmässigen
Abtastrespektive Zeitintervallen, vorzugsweise mit der Abtastrate des Eingangssignals,
nicht alle, sondern nur ausgewählte Koeffizienten angepasst, vorzugsweise genau einer.
[0051] Für die Wahl des oder der in einem bestimmten Abtastintervall zu aktualisierenden
Frequenzbereiche Φ
m bieten sich grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten an. Es kann z.B. jeweils jener
Frequenzbereich Φ
m aktualisiert werden, für den |c
m[k]-c
m[κ
m]| maximal ist oder jene Frequenzbereiche Φ
m, in denen diese Grössen einen bestimmten Schwellwert, z.B. 1 dB, überschreiten. Eine
wiederum andere Möglichkeit besteht darin, dass m einfach immer wieder von neuem alle
Werte von 1 bis M systematisch oder pseudozufällig durchläuft.
[0052] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird mittels der Korrekturwerte
r
1..r
n der folgende Sachverhalt berücksichtigt: Die Geräuschunterdrückung ermittelt Abschwächungswerte,
die nur von den Modulationstiefen, jedoch nicht von den Signalpegeln selbst abhängen,
wie es für Normalhörende richtig ist. Hörbehinderte, deren subjektive Empfindung der
Lautheit jedoch im allgemeinen in nichtlinearer Weise mit dem Signalpegel anwächst,
werden folglich eine Signalabschwächung um einen festen Wert a
m je nach Signalpegel als unterschiedlich ausgeprägt wahrnehmen. In einer seriellen
Verarbeitung, also bei einer Geräuschunterdrückung mit daran anschliessender Kompressionsverstärkung,
würde dieser Effekt automatisch korrigiert. Da hier aber eine parallele Verarbeitung
stattfindet, werden die Korrekturwerte r
1..r
n von der Geräuschunterdrückung an die Kompressionsverstärkung übermittelt, um diese
Korrektur vorzunehmen. Es werden also in der Signalanalyse zur Geräuschunterdrückung
abschwächungsbedingte Korrekturwerte r
n für die N Signalpegel der Kompressionsverstärkung bestimmt und die Berechnung der
Verstärkungswerte erfolgt mit Signalpegeln, die um diese Korrekturwerte vermindert
sind. Es wird also die Kompressionsverstärkung nach Massgabe der Geräuschunterdrückung
korrigiert. Damit wird erreicht, dass die mittels Geräuschunterdrückung für den Normalhörenden
optimal aufbereiteten Signale individuell richtig in den Hörbereich eines jeden Hörbehinderten
abgebildet werden.
[0053] Konkret bedeutet dies, dass für jeden Frequenzbereich Φ
m zusätzlich zur bereits vorhandenen Signalleistung s[k] auch noch eine infolge der
frequenzspezifischen Geräuschunterdrückung reduzierte Signalleistung u[k] berechnet
wird. Für die in einem Frequenzbereich F
n enthaltenen Frequenzbereiche Φ
m werden die s[k] und die u[k] separat addiert. Aus dem logarithmischen Verhältnis
der beiden Summen wird die bezüglich F
n gültige logarithmische Korrekturgrösse r
n erhalten.
[0054] Figur 3 zeigt ein Blockdiagramm für eine entsprechende Signalverarbeitung, wie sie
in der Signalverarbeitung zur Geräuschunterdrückung 4 zur Bestimmung der Korrekturgrössen
r
n stattfindet. Es ist ein Fall dargestellt, wo drei Frequenzbereiche Φ
m der Geräuschunterdrückung in einem Frequenzbereich der Kompressionsverstärkung enthalten
sind. In einem Block 31 wird in bekannter Weise eine Signalleistung s[k] auf Signalpfad
38 bestimmt und daraus in Block 32 ein Signalpegel, und aus diesem in Block 33 eine
Modulationstiefe d
m und daraus in Block 34 ein Abschwächungswert a
m. In Block 35 wird der logarithmische Abschwächungswert a
m linear skaliert und durch Multiplikation mit der Signalleistung s[k] wird die reduzierte
Signalleistung u[k] auf Signalpfad 36 berechnet.
[0055] Die reduzierte Signalleistung u[k] wird für jeden der drei Frequenzbereiche, also
für y
m, y
m+1, y
m+2 parallel berechnet und in Knoten 37 summiert. Sie Signalleistungen s[k] der drei
Frequenzbereiche wird im Summationspunkt 39 summiert. Die Summen werden in den Blöcken
40 respektive 41 logarithmisch skaliert und in der Subtraktion 41 wird als Differenz
der Korrekturwert r
n gebildet.
[0056] Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist bevorzugt zumindest teilweise als analoge Schaltung
oder mikroprozessorbasiert oder unter Verwendung von applikationsspezifischen integrierten
Schaltungen oder mit einer Kombination dieser Techniken implementiert.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0057]
- 1
- erste Filtereinheit
- 2
- zweite Filtereinheit
- 3
- Signalverarbeitung zur Kompressionsverstärkung
- 4
- Signalverarbeitung zur Geräuschunterdrückung
- 5
- Kombinationseinheit
- 6
- steuerbares Filter
- 7
- Mittel zur Bestimmung einer Kompressionsverstärkung
- 8
- Mittel zur Bestimmung einer Geräuschunterdrückung
- X
- Eingangssignal
- Y
- Ausgangssignal
- 21
- Leistungsbildung
- 22
- Pegelberechnung, logarithmische Skalierung
- 23
- Subtraktion
- 24, 24', 24"
- Verstärkungsfunktion
- 31
- Leistungsbildung
- 32, 40, 41
- Pegelberechnung, logarithmische Skalierung
- 33
- Modulationstiefenbestimmung
- 34
- Abschwächungswertbestimmung
- 35
- lineare Skalierung
- 36
- reduzierte Signalleistung u[k]
- 37,39
- Summation
- 38
- Signalleistung s[k]
- 42
- Subtraktion
1. Vorrichtung zur Signalverarbeitung in einem Hörgerät, aufweisend ein Filter (6) zur
frequenzabhängigen Amplitudenanpassung eines Eingangssignals (X) und Mittel zur Anpassung
von Koeffizienten dieses Filters (6) nach Massgabe des Eingangssignals (X),
dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung aufweist
ein Mittel zur Bestimmung von Koeffizienten einer Kompressionsverstärkung gm welche eine frequenzabhängige Anpassung des Eingangssignals (X) nach Massgabe von
frequenzabhängigen Signalpegeln xn des Eingangssignals (X) beschreiben,
ein Mittel zur Bestimmung von Koeffizienten einer Geräuschunterdrückung am, welche eine frequenzabhängige Anpassung des Eingangssignals (X) nach Massgabe von
im Eingangssignal (X) detektierten Störgeräuschen beschreiben,
wobei das Mittel zur Anpassung von Koeffizienten des Filters (6) diese Koeffizienten
aus den Koeffizienten der Kompressionsverstärkung gm und den Koeffizienten der Geräuschunterdrückung am ermittelt.
2. Vorrichtung gemäss Anspruch 1, wobei das Mittel zur Bestimmung von Koeffizienten der
Kompressionsverstärkung gm aufweist ein Mittel zur Bestimmung von Signalpegeln pn in einer ersten Menge von Frequenzbereichen Fn mit n=1..N des Eingangssignals (X) und ein Mittel zur Bestimmung der Koeffizienten
gm zur Kompressionsverstärkung für jeden einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φm mit m=1..M des Eingangssignals (X) als Funktion eines dem Frequenzbereich Φm zugeordneten optional modifizierten Signalpegels pn.
3. Vorrichtung gemäss Anspruch 2, wobei das Mittel zur Bestimmung von Signalpegeln pn diese iterativ als momentane Effektivwerte einer Signalleistung im entsprechenden
Frequenzbereich Fn bildet.
4. Vorrichtung gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Mittel zur Bestimmung
von Koeffizienten der Geräuschunterdrückung am aufweist Mittel zur Bestimmung von Modulationstiefen dm in einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φm mit m=1..M des Eingangssignals (X) und ein Mittel zur Bestimmung der Koeffizienten
am zur Geräuschunterdrückung für jeden der Frequenzbereiche Φm des Eingangssignals (X) nach Massgabe der entsprechenden Modulationstiefen dm.
5. Vorrichtung gemäss einem der Ansprüche 2 bis 4, wobei N < M ist und mindestens einer
der Frequenzbereiche Fn zur Kompressionsverstärkung mindestens zwei der Frequenzbereiche Φm zur Geräuschunterdrückung umfasst.
6. Vorrichtung gemäss Anspruch 5, wobei die Signalverarbeitung zur Kompressionsverstärkung
3 dazu ausgebildet ist, jeden Koeffizienten gm zur Kompressionsverstärkung jeweils als gm = fm(pn) zu bestimmen, wobei pn der optional modifizierte Signalpegel desjenigen Frequenzbereiches Fn zur Kompressionsverstärkung ist, der den Frequenzbereich Φm zur Geräuschunterdrückung umfasst, und fm eine von M Funktionen ist, die in ihrer Gesamtheit eine frequenzabhängige Kompressionsverstärkung
bestimmen.
7. Vorrichtung gemäss Anspruch 6, wobei die miteinander kombinierten Koeffizienten am und gm logarithmisch skaliert sind und ihre Kombination durch Subtraktion einen kombinierten
logarithmischen Verstärkungswert cm = gm-am bildet.
8. Vorrichtung gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Mittel zur Anpassung
von Koeffizienten des Filters (6) dazu ausgebildet ist, in vorgegebenen Zeitintervallen
nicht alle, sondern nur ausgewählte Koeffizienten anzupassen.
9. Vorrichtung gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, aufweisend Mittel (23,35,36,37,38,39,40,41,42)
zur Korrektur der Kompressionsverstärkung (3) durch Modifikation der Signalpegel pn nach Massgabe der Geräuschunterdrückung.
10. Verfahren zur Signalverarbeitung in einem Hörgerät, in welchem Koeffizienten eines
Filters (6) zur frequenzabhängigen Amplitudenanpassung eines Eingangssignals (X) nach
Massgabe dieses Eingangssignals (X) angepasst werden,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren die folgenden Schritte aufweist:
• Bestimmen von Koeffizienten einer Kompressionsverstärkung gm, welche eine frequenzabhängige Anpassung des Eingangssignals (X) nach Massgabe von
frequenzabhängigen Signalpegeln des Eingangssignals (X) beschreiben,
• Bestimmen von Koeffizienten einer Geräuschunterdrückung am, welche eine frequenzabhängige Anpassung des Eingangssignals (X) nach Massgabe von
im Eingangssignal detektierten Störgeräuschen beschreiben, und
• Berechnen der Koeffizienten des Filters (6) aus den Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
gm und den Koeffizienten am der Geräuschunterdrückung.
11. Verfahren gemäss Anspruch 10, wobei zur Bestimmung von Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
gm in einer ersten Menge von Frequenzbereichen Fn jeweils zugeordnete Signalpegel pn mit n=1..N des Eingangssignals (X) bestimmt werden, und die Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
gm für jeden einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φm mit m=1..M des Eingangssignals (X) als Funktion eines dem Frequenzbereich Φm zugeordneten Signalpegels pn bestimmt werden.
12. Verfahren gemäss Anspruch 11, wobei ein Signalpegel pn jeweils iterativ als momentaner Effektivwert einer Signalleistung im entsprechenden
Frequenzbereich Fn berechnet wird.
13. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 10 bis 11, wobei zur Bestimmung von Koeffizienten
der Geräuschunterdrückung am in einer zweiten Menge von Frequenzbereichen Φm mit m=1..M des Eingangssignals (X) Modulationstiefen dm bestimmt werden und die Koeffizienten am für jeden der Frequenzbereiche Φm nach Massgabe der entsprechenden Modulationstiefe dm bestimmt werden, wobei die Modulationstiefen dm aus einer zeitlichen Reihenfolge von Maximalund Minimalwerten eines Signalpegels
pm im jeweiligen Frequenzbereich Φm bestimmt werden, und der Signalpegel pm in einem Frequenzbereich Φm als Effektivwert der Signalleistung im entsprechenden Frequenzbereich Φm gebildet wird.
14. Verfahren gemäss Anspruch 13, wobei für jede Modulationstiefe dm, die einen vorgegebenen Wert übersteigt, der zugeordnete Koeffizient am null ist, und für Werte der Modulationstiefe dm unterhalb des vorgegebenen Wertes mit abnehmender Modulationstiefe dm der Koeffizient am monoton wächst.
15. Verfahren gemäss Anspruch 10-14, wobei mindestens einer der Frequenzbereiche Fn zur Kompressionsverstärkung mindestens zwei der Frequenzbereiche Φm zur Geräuschunterdrückung umfasst, und jeder Koeffizient gm zur Kompressionsverstärkung jeweils als gm = fm(pn) bestimmt wird, wobei pn der Signalpegel desjenigen Frequenzbereiches Fn zur Kompressionsverstärkung ist, der den Frequenzbereich Φm zur Geräuschunterdrückung umfasst, und fm eine von M Funktionen ist, die in ihrer Gesamtheit eine frequenzabhängige Kompressionsverstärkung
bestimmen, und wobei die Koeffizienten am und gm logarithmisch skaliert sind und ihre Kombination durch Subtraktion einen kombinierten
logarithmischen Verstärkungswert cm= gm-am bildet.
16. Verfahren gemäss Anspruch 10-15, wobei die Koeffizienten des Filters (6) in regelmässigen
Zeitabständen aufdatiert werden, bei jedem Aufdatieren aber nicht alle, sondern nur
wenige der Koeffizienten aufdatiert werden, insbesondere nur jene Koeffizienten, deren
Änderung am grössten ist oder einen vorgegebenen Wert überschreitet.
17. Verfahren gemäss Anspruch 16, wobei die kombinierten Koeffizienten des Filters (6)
cm im Filter (6) in lineare Werte γm transformiert werden und eine iterative, frequenzspezifische Aktualisierung einer
Übertragungsfunktion des Filters (6) gemäss H(z)[k] = H(z)[k - 1] + Σm (γm[k] - γm[κm]) · Hm(z) erfolgt, wobei Hm(z) nur im Frequenzbereich Φm Durchlass- und sonst Sperrcharakteristik aufweist, κm ein Abtastintervall bezeichnet, in dem die Übertragungsfunktion für den Frequenzbereich
Φm zum letzten Mal aktualisiert wurde, und eine Summation Σm in einem Abtastintervall k jeweils nur einen oder einige wenige der insgesamt M Frequenzbereiche
umfasst.
18. Verfahren gemäss Anspruch 10-17, wobei die Bestimmung von Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
gm unter Berücksichtigung der Werte der Koeffizienten der Geräuschunterdrückung am geschieht.
19. Verfahren gemäss Anspruch 18, wobei die Koeffizienten der Kompressionsverstärkung
aus modifizierten Signalpegeln pn' anstelle der Signalpegel pn bestimmt werden, wobei pn' = pn-rn ist, und rn logarithmisch skalierte Korrekturwerte sind, die einer durch die Geräuschunterdrückung
verursachten Signalabschwächung entsprechen.
20. Hörgerät, aufweisend Mittel zur Ausführung des Verfahrens gemäss einem der Ansprüche
10 bis 19.