[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur wechselseitigen Adaption mehrerer
Mikrofone eines Hörgeräts. Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung eine
entsprechende Vorrichtung zur Adaption der Mikrofone.
[0002] Hörgeschädigte leiden häufig unter einer verminderten Kommunikationsfähigkeit in
Störlärm. Zur Verbesserung des Signal/Störgeräusch-Verhältnisses werden seit einiger
Zeit Richtmikrofonanordnungen eingesetzt, deren Nutzen für den Hörgeschädigten unumstritten
ist. Dabei werden häufig entweder Systeme erster Ordnung, d. h. mit zwei Mikrofonen,
oder höherer Ordnung eingesetzt. Die Ausgrenzung von rückwärtig empfangenen Störsignalen
sowie die Fokussierung auf frontal einfallende Schalle ermöglichen eine bessere Verständigung
in Alltagssituationen.
[0003] Richtmikrofone sind jedoch sensibel gegenüber Verstimmungen der Übertragungsfunktionen
der Mikrofone nach Betrag und Phase. Die Empfindlichkeit gegenüber Verstimmungen steigt
mit der Ordnung des Richtmikrofonsystems und mit fallender Frequenz. Bei niedrigen
Frequenzen sind derartige Richtmikrofonsysteme am empfindlichsten.
[0004] In dem Dokument EP 0982971 A2 ist in diesem Zusammenhang dargelegt, dass ein Mikrofon
bei tiefen Frequenzen durch einen Hochpass erster Ordnung bestimmt werden kann. Dementsprechend
lässt sich gemäß FIG 1 ein erstes Mikrofon 1 durch einen Hochpass mit der Übertragungsfunktion
s/s-pol_ac1 charakterisieren. Das Mikrofon 1 nimmt ein erstes Eingangssignal 2 auf.
Dieses mit dem Hochpassfilter des Mikrofons 1 gefilterte Eingangssignal 2 wird mit
Hilfe eines ersten Kompensationsfilters 3 in ein erstes Mikrofonausgangssignal 4 gewandelt.
Das Kompensationsfilter 3 besitzt die Übertragungsfunktion s-pol_ac1/s-pol_ideal.
Sowohl Zähler als auch Nenner können als Polynom dargestellt werden. Das Zählerpolynom
des Kompensationsfilters 3 wird so gewählt, dass es dem Nennerpolynom des akustischen
Hochpasses des Mikrofons 1 entspricht. Das Nennerpolynom des Kompensationsfilters
3 entspricht dem Nennerpolynom des Hochpasses eines idealen Mikrofons. Durch Multiplikation
der beiden Übertragungsfunktionen des Hochpasses, der das reale Mikrofon 1 charakterisiert,
und des Kompensationsfilters 3 ergibt sich eine Normierung hinsichtlich des idealen
Mikrofons und die spezifische Übertragungsfunktion des ersten Mikrofons ist kompensiert.
[0005] Bei der Betrachtung von Hörgerätemikrofonen hat sich gezeigt, dass in einem vereinfachten
Ansatz insbesondere der am unteren Rand des nutzbaren Frequenzbandes vorhandene akustische
Hochpass hinsichtlich Verstimmungen untersucht werden muss. Verschmutzungen, Alterung
oder veränderte Umwelteinflüsse wirken besonders stark auf diesen Hochpass und verändern
somit Amplituden- und Frequenzgang des Mikrofons im besonders kritischen, mittleren
und unteren Frequenzbereich. Ein Möglichkeit, derart hervorgerufene Verstimmungen
zu reduzieren, besteht darin, in allen Mikrofonpfaden dieselbe Hochpasseckfrequenz
zu erzwingen.
[0006] In gleicher Weise wird der spezifische Hochpass mit der Übertragungsfunktion s/s-pol_ac2
des zweiten Mikrofons 5 durch ein zweites Kompensationsfilter 6 mit der Übertragungsfunktion
s-pol_ac2/s-pol_ideal kompensiert, so dass aus dem zweiten Mikrofoneingangssignal
7 ein entsprechendes zweites Mikrofonausgangssignal 8 entsteht. Auch hier wird das
Nennerpolynom des Hochpasses 5 durch das Zählerpolynom des zweiten Kompensationsfilters
6 eliminiert. Mit diesen beiden Kompensationsfiltern 3 und 6 können die Schwankungen
der Hochpassgrenzfrequenz von Mikrofon zu Mikrofon, die insbesondere bei tiefen Frequenzen
zu Phasen- und Amplitudenfehlern führen würden, ausgeglichen werden, indem in allen
Mikrofonpfaden dieselben Eckfrequenzen eingestellt werden.
[0007] In dem weiteren Dokument US 6,272,229 B1 wird ein Verfahren zum relativen, adaptiven
Phasenabgleich von zwei Mikrofonen grob skizziert. Dabei wird ein allgemeines Blockschaltbild
für ein adaptives System angegeben. Das System beinhaltet einen Block "acoustical
delay compensation", der in einer Art Vorverarbeitung die lineare Phasendifferenz
der Mikrofone, die durch die Signallaufzeit zwischen den Mikrofonen bedingt ist, ausgleicht.
Eine Adaptionsvorschrift ist jedoch nicht angegeben.
[0008] Weitere interne Realisierungen greifen vor allem den Eingangsempfindlichkeitsunterschied
der Mikrofone auf. Über eine zeitlich gemittelte Betrachtung der Eingangspegel an
den Mikrofonen kann Rückschluss über die Eingangsempfindlichkeit der Mikrofone gezogen
werden. Unter der Annahme, dass die einfallenden Schaltsignale zwar zeitverzögert,
aber mit nahezu dem gleichen Pegel von allen Mikrofonen empfangen werden, kann über
einen Abgleich der gemittelten Eingangspegel an den Mikrofonen die Amplitude der Eingangsempfindlichkeiten
abgeglichen werden.
[0009] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, die Kompensation von Mikrofonunterschieden
bei Hörgeräten zu vereinfachen.
[0010] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zur wechselseitigen
Adaption mehrerer Mikrofone eines Hörgeräts, durch Messen einer ersten Amplitude eines
ersten Ausgangssignals von einem ersten der mehreren Mikrofone in einem vorgegebenen
Frequenzbereich, Messen einer zweiten Amplitude eines zweiten Ausgangssignals von
einem zweiten der mehreren Mikrofone in dem vorgegebenen Frequenzbereich und Filtern
des ersten Ausgangssignals in Abhängigkeit von der ersten Amplitude und der zweiten
Amplitude, so dass die Differenz zwischen den beiden Ausgangssignalen reduziert wird.
[0011] Ferner ist erfindungsgemäß vorgesehen eine Vorrichtung zur wechselseitigen Adaption
mehrerer Mikrofone eines Hörgeräts, mit einer ersten Messeinrichtung zum Messen einer
ersten Amplitude eines ersten Ausgangssignals von einem ersten der mehreren Mikrofone
in einem vorgegebenen Frequenzbereich, einer zweiten Messeinrichtung zum Messen einer
zweiten Amplitude eines zweiten Ausgangssignals von einem zweiten der mehreren Mikrofone
in dem vorgegebenen Frequenzbereich und einer Filtereinrichtung, die an die erste
und zweite Messeinrichtung angeschlossen ist, zum Filtern des ersten Ausgangssignals
in Abhängigkeit von der ersten Amplitude und der zweiten Amplitude, so dass die Differenz
zwischen den beiden Ausgangssignalen reduzierbar ist.
[0012] Gegenüber dem Stand der Technik nach FIG 1 kann durch die Erfindung auf ein Kompensationsfilter
in einem Mikrofonpfad, dem Referenzpfad, verzichtet werden. Jeweils ein Kompensationsfilter
ist damit in jedem Pfad, außer dem Referenzpfad, enthalten. Dies bedeutet, dass beispielsweise
bei drei Mikrofonen in zwei Mikrofonpfaden ein Kompensationsfilter vorzusehen ist,
während der dritte Mikrofonpfad als Referenzpfad verwendet wird.
[0013] Vorzugsweise entspricht der vorgegebene Frequenzbereich für das Messen der Amplituden
der beiden Ausgangssignale der Mikrofone einem Frequenzband unterhalb von 150 Hz.
Insbesondere liegt das Frequenzband zwischen 40 und 60 Hz oder 80 bis 120 Hz. Dies
ist der Bereich, in dem sich Unterschiede in der Eckfrequenz der Hochpassfilter der
Mikrofone besonders stark bemerkbar machen.
[0014] Die Filterung kann durch eine Regelschleife angepasst werden, so dass die erste und
zweite Amplitude einander entsprechen. Dadurch ist es möglich, der zeitlichen Änderung
der Übertragungsfunktion der Mikrofone beispielsweise durch Verschmutzungen oder Alterung
wirksam zu begegnen.
[0015] Die Kompensationsfilterung kann in zwei Teilfilterungen aufgeteilt werden. Eine erste
Teilfilterung wird dabei durch ein Nennerpolynom, das die Hochpasseckfrequenz des
Referenzpfads modelliert, realisiert. Ein zweites Teilfilter wird durch ein Zählerpolynom,
das so adaptiert wird, dass die gemittelte Pegeldifferenz zwischen den Mikrofonpfaden
minimal wird, realisiert. Die Adaption findet durch Betragsbildung der Signale statt,
wodurch eine Phasenabhängigkeit entfällt. Damit kann auf eine Einheit wie den oben
genannten "acoustical delay compensation"-Block verzichtet werden.
[0016] Vorzugsweise sind die Koeffizienten des Zählerpolynoms nur von einem einzigen Parameter
abhängig. Dies führt zu einem geringen Aufwand bei der Adaption. Ist lediglich das
Zählerpolynom adaptierbar, so führt dies prinzipiell nicht zu identisch gleichen Mikrofonsignalen,
da ein Fehler zwischen der Charakteristik des Referenzmikrofons und der im Nennerpolynom
beschriebenen Filterwirkung bestehen kann. Die Wirkung dieser guten Näherungslösung
ist aber ausreichend, um die Richtwirkung mit minimalem Aufwand deutlich zu verbessern.
[0017] Eine optimale Adaption der zwei oder mehr Mikrofone aneinander ist möglich, wenn
auch das Nennerpolynom variierbar ist. Diese zusätzliche Adaptionsmöglichkeit gewährleistet
auch eine raschere Adaption durch den Regelkreis.
[0018] Vorteilhafterweise können durch das Filtern Betrag und/oder Phase des ersten Ausgangssignals
modifiziert werden. Damit lässt sich die Einstellung des Richtmikrofons verbessern.
[0019] Der Vorteil einer Adaption mit dem Mikrofonmodell gegenüber einer Adaption mit einem
Filter, das beliebige Phasenfunktionen nachbilden kann, liegt zum einen in der Einfachheit
der Realisierung. Zum anderen ist es grundsätzlich vorteilhaft, von einer vereinfachten
Modellvorstellung auszugehen und die Kompensation speziell auf das Modell auszurichten.
[0020] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert,
in denen zeigen:
- FIG 1
- ein Blockschaltbild zur Kompensation von Verschiebungen von Hochpasseckfrequenzen
gemäß dem Stand der Technik;
- FIG 2
- ein Blockschaltbild zur Kompensation von Verschiebungen von Hochpasseckfrequenzen
gemäß der vorliegenden Erfindung;
- FIG 3
- ein Schaltungsdiagramm einer Kompensationsschaltung gemäß einer ersten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung; und
- FIG 4
- ein Schaltungsdiagramm einer Kompensationsschaltung gemäß einer zweiten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung.
[0021] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsbeispiele stellen bevorzugte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung dar.
[0022] Ziel ist es, die zwei oder mehr Mikrofone in ihrem elektrischen und akustischen Verhalten
aneinander anzupassen. Jedes Mikrofon kann im tieffrequenten Bereich durch einen charakteristischen
akustischen Hochpass, dessen Eckfrequenz etwa bei 50 Hz liegt und einen elektrischen
Hochpass, dessen Eckfrequenz etwa 100 Hz liegt, beschrieben werden. Sowohl die akustischen
als auch die elektrischen Hochpässe der mehreren Hörgerätemikrofone sind geringfügig
voneinander verschieden und können auf die folgende Art aneinander adaptiert werden.
[0023] Gemäß dem Blockschaltbild von FIG 2 besteht eine erfindungsgemäße Kompensation der
Mikrofonunterschiede darin, dass zunächst wie beim Stand der Technik gemäß FIG 1 das
Mikrofoneingangssignal 2 mit einem akustischen Hochpass 1 des ersten Mikrofons 1 mit
der Übertragungsfunktion s/s-pol_ac1 gefiltert wird. Das anschließende Kompensationsfilter
3' besitzt die Übertragungsfunktion s-pol_ac1/s-pol_ac2. Mit dieser Übertragungsfunktion
wird dem zweiten Mikrofonpfad, der in FIG 2 unten dargestellt ist, Rechnung getragen.
In diesem zweiten Mikrofonpfad wird wie beim Stand der Technik das Signal 7 eines
Referenzmikrofons 5 einer Hochpassfilterung entsprechend der Übertragungsfunktion
s/s-pol_ac2 unterzogen. Das Nennerpolynom des zweiten akustischen Hochpasses des zweiten
Mikrofons 5 wird zur Normierung des Kompensationsfilters 3' im ersten Mikrofonpfad
verwendet. Mit dieser Normierung muss das Kompensationsfilter 3' nicht auf ein ideales
Mikrofon normiert werden, um das erste Mikrofonausgangssignal 4 zu erhalten. Im zweiten
Mikrofonpfad kann dadurch auf ein Kompensationsfilter verzichtet werden, um das zweite
Mikrofonausgangssignal 8 zu erhalten.
[0024] Das Kompensationsfilter 3' besitzt eine Übertragungsfunktion mit einem Zählerpolynom
s-pol_ac1 und einem Nennerpolynom s-pol_ac2. Bei einer vereinfachten Kompensation
wird nur der Zähler und nicht der Nenner und der Zähler angepasst. Der Nenner des
Kompensationsfilters 3' wird bei einer Nominalfrequenz festgelegt. Im akustischen
Fall liegt die Nominalfrequenz bei 50 Hz und im elektrischen Fall bei 100 Hz. Mit
dieser festen Nominalfrequenz ist jedoch nur eine näherungsweise Kompensation möglich.
Diese näherungsweise Kompensation ist, wie erwähnt, hinreichend gut, um beispielsweise
die Richtwirkung eines Richtmikrofons zu verbessern.
[0025] Die Transformation eines derartigen Kompensationsfilters vom Analog- in den Digitalbereich
führt zu einem einfachen IIR-Filter erster Ordnung, der sich wie folgt darstellen
lässt:

[0026] Die Funktionen p
1 und p
0 sowie der Parameter q
0 ergeben sich aus der eingangs erwähnten europäischen Patentanmeldung EP 0982971 A2.
Die Variable z stellt die Frequenzvariable des Mikrofoneingangssignals dar. Der Parameter
Xp entspricht einer Stellgröße des Kompensationsfilters. Der Nenner ist in diesem
vereinfachten Ansatz nicht variierbar.
[0027] Gemäß einer zweiten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ergibt sich eine verbesserte
Adaption des Kompensationsfilters dadurch, dass auch der Nenner in seiner Übertragungsfunktion
durch einen Parameter Xq wie folgt variierbar ist:

[0028] Eine Implementierung zur Adaption des Hochpasses eines Mikrofons gemäß der ersten
Ausführungsform, bei der der Nenner der Übertragungsfunktion des Kompensationsfilters
fest ist, ist in FIG 3 als Blockschaltbild dargestellt. Die Eingangseinheit bildet
das Kompensationsfilter 3', das bereits in Zusammenhang mit FIG 2 erläutert wurde.
Eingangssignal ist auch hier das Signal 2 eines ersten Mikrofons, wobei bei dieser
Darstellung im Gegensatz zu FIG 2 auf die Wiedergabe eines akustischen Hochpasses,
der das Mikrofon darstellt, verzichtet wurde. Ausgangssignal des Kompensationsfilters
3', der das niederfrequente Mikrofon-Matching im vorliegenden Fall des akustischen
Hochpasses bei 50 Hz durchführt, ist wiederum das Signal 4. Dieses wird einer Multiplikationseinheit
10 zugeführt, in der das Signal mit einem entsprechenden Kompensationsfaktor 11 breitbandig
bezüglich der Amplitude korrigiert werden kann.
[0029] In einem anschließenden Bandpassfilter 12 wird ein Frequenzbereich zwischen 40 und
60 Hz aus dem Ausgangssignal der Multiplikationseinheit 10 ausgeschnitten und einem
Pegelmesser 13 zugeführt. Dort wird der Pegel des zu analysierenden Frequenzbereichs
aus dem Signal des ersten Mikrofons 2 ermittelt.
[0030] Parallel hierzu wird das aus einem zweiten Mikrofoneingangssignal 8 resultierende
Ausgangssignal eines gleichermaßen nicht dargestellten zweiten beziehungsweise Referenzmikrofons
ebenfalls einer Bandpassfilterung unterzogen. Ein Bandpass 14 schneidet hierzu ebenfalls
den Frequenzbereich zwischen 40 und 60 Hz aus dem Ausgangssignal des Mikrofons aus
und liefert das gefilterte Signal ebenfalls an einen Pegelmesser 15.
[0031] In einer Subtraktionseinheit werden die von den Pegelmessern 13 und 15 gemessenen
Pegel voneinander subtrahiert und die resultierende Pegeldifferenz für eine Update-Einheit
zur Aktualisierung der Xp-Variable zur Verfügung gestellt. Eine Aktualisierung des
Xp-Werts soll allerdings nur erfolgen, wenn die Mikrofonsignale einen entsprechend
hohen Pegel aufweisen. Hierzu werden die Mikrofonpegel einem Eingangspegelabfrageblock
18 zugeführt, der ein enable-Xp-Signal generiert, wenn beide Signalpegel eine gewisse
Schwelle überschreiten. Dadurch kann verhindert werden, dass in Fällen, in denen keine
akustischen Eingangssignale aber lediglich Mikrofonrauschen vorliegt, eine Mikrofonadaption
erfolgt. Das enable-Xp-Signal wird daher an den Xp-Update-Block weitergeschleift.
[0032] Der in Block 17 gegebenenfalls aktualisierte Wert Xp wird nun zur Vervollständigung
der Regelschleife an das Kompensationsfilter 3' geliefert. Die Ermittlung des Xp-Werts
und damit die Adaption der Mikrofone aneinander in dem Xp-Update-Block 17 kann durch
einen (N)LMS-Algorithmus (Normalised Leased Meansquare) erfolgen, wobei ein "acoustical
delay"-Block notwendig ist.
[0033] In FIG 4 ist ein Schaltbild einer verbesserten Version eines Anpassschaltkreises
dargestellt. Der wesentliche Aufbau entspricht dem von FIG 3, wobei die einander entsprechenden
Funktionsblöcke im Wesentlichen die gleichen Funktionen ausführen. Lediglich das Kompensationsfilter,
das ebenfalls mit dem Bezugszeichen 3' bezeichnet ist, verfügt über einen weiteren
Signaleingang, mit dem auch das Nennerpolynom über die Variable X
q verändert werden kann.
[0034] Um sowohl eine Änderung des Zähler- als auch des Nennerpolynoms durchführen zu können,
wird das Ausgangssignal des Eingangspegelabfrage-Blocks 18, mit dem festgestellt wird,
ob die beiden Mikrofonsignale einen ausreichend hohen Pegel besitzen, an einen Schalter
19 weitergeleitet. Dieser Schalter 19 erzeugt zeitlich abwechselnd ein enable-X
q-Signal und ein enable-X
p-Signal, falls er ein enable-X
p-X
q-Signal von Block 18 erhält.
[0035] Neben dem X
p-Update-Block 17 ist hier folglich auch ein Xq-Update-Block 20 zur Änderung beziehungsweise
Aktualisierung des X
q-Werts vorgesehen. Falls nun der Schalter 19 ein enable-X
q-Signal abgibt, wird der X
q-Wert entsprechend der Pegeldifferenz aus dem Subtrahierer 16 geändert. Wenn andernfalls
der Schalter 19 ein enable-X
p-Signal abgibt, wird der X
p-Wert in dem X
p-Update-Block 17 entsprechend der Pegeldifferenz geändert. Wenn die Pegeldifferenz
kleiner 0 ist wird der X
p- oder X
q-Wert in einer Richtung, und wenn die Pegeldifferenz größer 0 ist, in der entsprechend
anderen Richtung geändert.
[0036] Das Kompensationsfilter 3' erhält die geänderten beziehungsweise aktualisierten X
p- und X
q-Werte als Stellgrößen. Wie auch bei der vorhergehenden Ausführungsform gemäß FIG
3 bedeuten die unterschiedlichen Hochpasseckfrequenzen der Mikrofone in einem schmalen
Frequenzbereich um die Eckfrequenzen unterschiedliche gemittelte Ausgangspegel der
beiden Mikrofonsignale. Dies bedeutet, dass die Pegeldifferenz direkt vom Unterschied
der Eckfrequenzen abhängt. Zur Adaption der Eckfrequenzen wird daher einfach die Differenz
der Pegel gebildet (Leistungsdifferenz).
[0037] Die Gesamtstrecke eines Richtmikrofons vom Mikrofoneingang bis zum Ausgang wird bei
tiefen Frequenzen vielfach mit weiteren Hochpässen erster Ordnung beschrieben. Neben
dem akustischen Hochpass verfügt das Mikrofon noch über einen elektrischen Hochpass
erster Ordnung mit einer Eckfrequenz von ca. 180 Hz. Ein weiterer Hochpass ergibt
sich durch einen Koppelkondensator und Eingangswiderstand einer IC-Eingangsstufe.
[0038] Die oben beschriebenen adaptiven Verfahren können prinzipiell bei allen Hochpässen
angewandt werden.
1. Verfahren zur wechselseitigen Adaption mehrerer Mikrofone (1, 5) eines Hörgeräts,
gekennzeichnet durch
- Messen (13) einer ersten Amplitude eines ersten Ausgangssignals von einem ersten
der mehreren Mikrofone (1) in einem vorgegebenen Frequenzbereich (12),
- Messen (15) einer zweiten Amplitude eines zweiten Ausgangssignals von einem zweiten
der mehreren Mikrofone (5) in dem vorgegebenen Frequenzbereich (14) und
- Filtern (3') des ersten Ausgangssignals in Abhängigkeit von der ersten Amplitude
und der zweiten Amplitude, so dass die Differenz (16) zwischen den beiden Ausgangssignalen
reduziert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der vorgegebene Frequenzbereich (12, 14) einem oder
mehreren Frequenzbändern unterhalb von 150 Hz entspricht.
3. Verfahren nach Anspruch 2, wobei das Frequenzband/die Frequenzbänder zwischen 40 und
60 Hz und/oder 80 bis 120 Hz liegt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei Parameter zum Filtern (3') in einer
Regelschleife derart angepasst werden, so dass die erste und zweite Amplitude einander
entsprechen.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Filtern (3') durch Multiplizieren
mit einem Nenner- und Zählerpolynom erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei ausschließlich das Zählerpolynom durch eine Regelung
variiert wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5, wobei das Zähler- und Nennerpolynom durch Regelung variiert
werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei durch das Filtern Betrag und/oder
Phase des ersten Ausgangssignals modifiziert wird.
9. Vorrichtung zur wechselseitigen Adaption mehrerer Mikrofone (1, 5) eines Hörgeräts,
gekennzeichnet durch
- eine erste Messeinrichtung (13) zum Messen einer ersten Amplitude eines ersten Ausgangssignals
von einem ersten der mehreren Mikrofone (1) in einem vorgegebenen Frequenzbereich
(12),
- eine zweite Messeinrichtung (15) zum Messen einer zweiten Amplitude eines zweiten
Ausgangssignals von einem zweiten der mehreren Mikrofone (5) in dem vorgegebenen Frequenzbereich
(14) und
- eine Filtereinrichtung (3'), die an die erste und zweite Messeinrichtung (13, 15)
angeschlossen ist, zum Filtern des ersten Ausgangssignals in Abhängigkeit von der
ersten Amplitude und der zweiten Amplitude, so dass die Differenz (16) zwischen den
beiden Ausgangssignalen reduzierbar ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, wobei der vorgegebene Frequenzbereich (12, 14) einem
oder mehreren Frequenzbändern unterhalb von 150 Hz entspricht.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, wobei das Frequenzband/die Frequenzbänder zwischen 40
und 60 Hz und/oder 80 bis 120 Hz liegt.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 11, wobei die Filtereinrichtung (3') in
einer Regelschleife derart anpassbar ist, dass erste und zweite Amplitude einander
entsprechen.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, wobei die Filtereinrichtung (3') durch
ein Nenner- und Zählerpolynom modellierbar ist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, wobei ausschließlich das Zählerpolynom variierbar ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 13, wobei das Zähler- und Nennerpolynom variierbar sind.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 15, wobei mit der Filtereinrichtung Betrag
und/oder Phase des ersten Ausgangssignals modifizierbar ist.