[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Weben von fehlerarmen Geweben mittels Eliminieren
von Schussfadenabschnitten, die Abnormstellen aufweisen, gemäss Oberbegriff von Anspruch
1. Die Erfindung bezieht sich auch auf eine Webmaschine, an der das erfindungsgemässe
Verfahren durchführbar ist.
[0002] Aus der EP-A- 0 562 230 ist ein Verfahren bekannt, mit dem beispielsweise Knoten
oder andere Unzulänglichkeiten in Schussfäden vom Einweben ausgeschlossen werden können.
Registriert ein Sensor eine derartige Unzulänglichkeit oder Abnormstelle, so wird
ein Webstopp ausgelöst und anschliessend bei geöffnetem Fach durch ein programmiertes
Vorgehen ein die Unzulänglichkeit enthaltender Schussfadenabschnitt eliminiert.
[0003] Ein Webstopp ist nachteilig, da ein solcher in der Regel mit Spuren im Gewebe, sogenannten
Anlassstellen, verbunden ist, die eine verminderte Gewebequalität bedeuten. Mit dem
Auftreten von Anlassstellen ist das Ziel, ein fehlerarmes Gewebe zu gewinnen, nicht
erreicht.
[0004] Eine Möglichkeit, den Webstopp verhindern zu können, besteht darin, die Liefereinrichtungen
der Schussfäden zu verdoppeln. lm Falle, dass eine Abnormstelle registriert wird,
liesse sich auf einen Reservefadenspeicher umschalten. Diese Lösung, die aus der EP-A-
0 656 437 bekannt ist, erweist sich jedoch aus Kostengründen als unvorteilhaft.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein weiteres, kostengünstiges Verfahren zum Eliminieren
von unerwünschten Schussfadenabschnitten zu schaffen, bei dem das Eliminieren ohne
ein Stoppen des Webmaschinenantriebs durchführbar ist und eine Verdoppelung der Anzahl
Liefereinrichtungen sich erübrigt. Diese Aufgabe wird durch das im Anspruch 1 definierte
Verfahren gelöst.
[0006] Das Verfahren zum Weben von fehlerarmen Geweben umfasst ein Eliminieren von Schussfadenabschnitten,
die Abnormstellen aufweisen. Das Verfahren wird mit einer Webmaschine durchgeführt,
die sich bei Vorliegen einer Abnormstelle auf einem zu verwebenden Schussfaden so
steuern lässt, dass mindestens ein die Abnormstelle umfassendes Schussfadenstück nach
einer Eintragsoperation von dem entstehenden Gewebe entfernbar ist. Die Abnormstelle
wird jeweils von einem Sensor vor dem Einspeisen des Schussfadens in einen Fadenspeicher
registriert. Nach dem Registrieren der Abnormstelle wird eine Einbindung des Schussfadens
in das Gewebe verhindert, indem eine Fachbildungsvorrichtung, beispielsweise eine
Schaftmaschine zum Bewegen von Webschäften, so gesteuert wird, dass alle Kettfäden
des zu bildenden Gewebes in Positionen seitlich von einer Schussfaden-Eintragslinie
entweder unterhalb oder oberhalb ausgelenkt werden. Nach der Eintragsoperation wird
das nicht eingebundene Schussfadenstück entfernt; oder die Schussfadenstücke werden
nach zwei oder mehr Eintragsoperationen entfernt.
[0007] Dank dem erfindungsgemässen Verfahren liegt kein offenes Fach vor, wenn Eintragsoperationen
mit unerwünschten Abschnitten der Schussfäden stattfinden. Ohne geöffnetes Fach können
die Schussfäden durch die Weblade, die weiter ihre oszillierende Bewegung ausführt,
nicht am Warenrand zwischen sich verkreuzenden Kettfäden angeschlagen und eingebunden
werden. Somit bleiben die zu eliminierenden Fadenstücke in einem losen Zustand, aus
dem sie, ohne einen wesentlichen Widerstand zu bieten, entfernt, beispielsweise abgesaugt
werden können.
[0008] Die abhängigen Ansprüche 2 bis 8 betreffen vorteilhafte Ausführungsformen des erfindungsgemässen
Verfahrens. Eine Webmaschine, die Komponenten umfasst, mit denen das erfindungsgemässe
Verfahren durchgeführt werden kann, ist Gegenstand des Anspruchs 9.
[0009] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Zeichnungen erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schmatische Seitenansicht einer Webmaschine,
- Fig. 2
- eine entsprechende Draufsicht und
- Fig. 3
- einen Teil einer Absaugeinrichtung.
[0010] Das erfindungsgemässe Verfahren lässt sich mit einer Webmaschine 1, wie sie in den
Figuren 1 und 2 dargestellt ist, durchführen. Ein Schusseintrag kann mittels Projektilen,
Greifern oder einem Fluid, insbesondere Luft erfolgen. Die für dieses Verfahren notwendigen
Komponenten sind eine steuerbare Fachbildevorrichtung 100 (z. B. Schaftmaschine),
mindestens ein Sensor, nämlich Sensoren 23a und/oder 23b, mit denen ein Schussfaden
2 (in dem sich ein Knoten 22 befindet) unmittelbar nach einer Vorratsspule 20 überwacht
werden kann, und ein Entfernungsorgan, nämlich ein Absaugorgan 12 für zu eliminierende
Schussfadenstücke. Ausser den bereits genannten Komponenten sind in den Figuren 1
und 2 folgende zu sehen:
[0011] Eine Gruppe von Schäften 10 mit Antriebstangen 11, die durch die Fachbildevorrichtung
100 gemäss einem Programm auf oder ab bewegt werden; eine Weblade 14, die eine oszillierende
Bewegung 14' ausübt; Kettfäden 3 einer Kette 3', ein Kettbaum 30 und ein elektrischer
Kettfadenablass 130; diverse Maschinenteile 13 zum Zweck eines Führens und Spannens
der Kettfäden 3; ein hergestelltes Gewebe 4 (die "Ware") mit einem Warenrand 42, der
sich neben einer Eintragslinie 2' des Schussfadens 2 und parallel zu dieser erstreckt;
diverse Umlenkelemente 41 mit einem Schaltbaum 43; ein Warenbaum 40 und ein elektrischer
Warenabzug 140, der auf den Warenbaum 40 und den Schaltbaum 43 einwirkt; ein Gebläse
121 für das Absaugorgan 12 und ein Auffangbehälter 122 für die zu eliminierenden Schussfadenstücke.
[0012] In Fig. 2 sind ausserdem folgende Komponenten zu sehen: Ein Fadenvorrat in Form der
Fadenspule 20, deren hinteres Fadenende mit einem vorderen Fadenende einer zweiten,
in Bereitschaft stehenden Spule 20' verknotet ist (Knoten 22'), ein weiterer Sensor
23c, ein Schussfadenspeicher 21 und eine Einrichtung 15, die Teil eines Schusseintragssystems
ist und die ein Schneidorgan enthält. Der Schusseintrag wird beispielsweise mit einer
Luftdüse durchgeführt. Das Schneidorgan trennt zum Abschluss einer Eintragsoperation
den eingetragenen Schussfaden ab, so dass dieser als separates Fadenstück im Gewebe
eingebunden ist oder - bei Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens - nicht
eingebunden zum Entfernen (Absaugen) bereit liegt.
[0013] Eine Steuereinrichtung 5 (Fig. 1) der Webmaschine 1 ist über Signalleitungen mit
den Komponenten der Webmaschine verbunden, nämlich mit dem Kettablass 130 durch eine
Leitung 131, mit der Schaftmaschine 100 durch eine Leitung 101, mit dem Warenabzug
140 durch eine Leitung 141, mit der Einrichtung 15 durch eine Leitung 51, mit dem
Schussfadenspeicher 21 durch eine Leitung 52 und mit den Sensoren 23a, 23b sowie 23c
durch Leitungen 53a, 53b bzw. 53c.
[0014] Liegt auf dem zu verwebenden Schussfaden 2 eine Abnormstelle, beispielsweise der
Knoten 22 oder eine andere Verdickung vor, so wird die Webmaschine 1 derart gesteuert,
dass nach der Eintragsoperation mindestens ein die Abnormstelle umfassendes Schussfadenstück
von dem entstehenden Gewebe 4 entfernt werden kann. Die Abnormstelle wird von dem
Sensor 23a vor dem Einspeisen des Schussfadens 2 in den Fadenspeicher 21 registriert.
Nach dem Registrieren der Abnormstelle wird eine Einbindung des Schussfadens in das
Gewebe 4 verhindert, indem die Fachbildevorrichtung 100, d.h. der Antriebsmechanismus
für die Webschäfte 10, so gesteuert wird, dass alle Kettfäden 3 in Kettfadenauslenkrichtung
und seitlich von der Schussfaden-Eintragslinie 2' in Positionen gebracht werden. Dies
ist in Fig. 3 illustriert. Die seitlichen Positionen der Kettfäden 3 befinden sich
in einem zusammenhängenden, ausserhalb der Eintragslinie 2' liegenden Bereich. Es
werden also alle Kettfäden 3 des zu bildenden Gewebes in Positionen entweder unterhalb
oder oberhalb der Schussfaden-Eintragslinie ausgelenkt.
[0015] Nach der Eintragsoperation wird das nicht eingebundene, den Knoten 22 tragende Schussfadenstück
2 durch eine Ansaugdüse 120 des Absaugorgans 12 entfernt. Es können auch zwei oder
mehr Schussfadenstücke 2" (in Fig. 3 strichpunktiert angedeutet) nach weiter folgenden
Eintragsoperationen vorliegen, die dann gemeinsam entfernt werden. Eine solche Mehrfachabgabe
von Schussfadenstücken liegt vor, wenn dies aufgrund limitierter Möglichkeiten bei
der Programmierung der Fachbildevorrichtung nicht anders geht. Die Schussfäden 2 können
erst wieder eingebunden werden, wenn die Fachbildevorrichtung die Schäfte gemäss einer
programmierten Gewebemusterung positioniert hat. Der normale Webrhythmus muss dort
fortgesetzt werden, wo er vor dem erfindungsgemässen Eingriff unterbrochen worden
ist.
[0016] Durch den Sensor 23a oder den Sensor 23b, mit dem ein weiterer Sensor zum Einsatz
kommt, lassen sich auch Abnormstellen des Schussfadens in Form von Dünnstellen registrieren.
An einer solchen Stelle des Schussfadens wird ein Durchmesser gemessen, der um einen
vorgegebenen Prozentsatz kleiner als der mittlere Durchmesser des Schussfadens ist.
[0017] Beim Wechsel der Spule 20 auf die Spule 20' registriert der Sensor 23c den Durchgang
des Verbindungsknotens 22'. Auch für diesen Knoten 22' gelangt das erfindungsgemässe
Verfahren zur Anwendung mit einer entsprechenden Elimination der Abnormstelle.
[0018] Ein Hauptantrieb der Webmaschine 1 wird beim Entfernen des zu eliminierenden Schussfadenstücks
weiter betrieben. Jedoch müssen die Operationen für den Kettfadenablass 130 und den
Warenabzug 140 zur Kompensation der nicht eingebundenen Schussfäden 2 kurzzeitig unterbrochen
werden, so dass der Warenrand, d.h. der Rand 42 des Gewebes 4, stationär oder weitgehend
stationär positioniert bleibt. Bei einer Programmierung der Steuerung muss berücksichtigt
werden, dass die durch den Warenabzug 140 bewirkte Bewegung des Gewebes 4 beim Unterbrechen
einen Bremsweg und beim nachfolgenden Weiterführen einen Startweg aufweist, so dass
aufgrund entsprechender Massnahmen ein Abweichen des Warenrandes von der stationären
Position minimal bleibt. Nach Weiterführen des normalen Webbetriebs müssen die Operationen
des Kettfadenablasses 130 und des Warenabzugs 140 wieder in synchronisierter Weise
durchgeführt werden.
[0019] Es gibt Fachbildevorrichtungen (100), bei denen nach dem Registrieren der Abnormstelle
mindestens ein zusätzliches Schussfadenstück in das Gewebe eingebunden wird, bevor
das erfindungsgemässe Eliminieren der Abnormstelle stattfinden kann. Jedes dieser
zusätzlichen Schussfadenstücke muss intakt, d. h. frei von Abnormstellen sein. Daher
muss ein entsprechend grosser Vorrat an intaktem Schussfaden auf dem Fadenspeicher
(21) vorhanden sein.
1. Verfahren zum Weben von fehlerarmen Geweben (4) mittels Eliminieren von Schussfadenabschnitten,
die Abnormstellen (22, 22') aufweisen, welches Verfahren mit einer Webmaschine (1)
durchgeführt wird, die sich bei Vorliegen einer Abnormstelle auf einem zu verwebenden
Schussfaden (2) so steuern lässt, dass mindestens ein die Abnormstelle umfassendes
Schussfadenstück nach einer Eintragsoperation von dem entstehenden Gewebe entfernbar
ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Abnormstelle jeweils von einem Sensor (23a, 23b, 23c) vor dem Einspeisen des
Schussfadens in einen Fadenspeicher (21) registriert wird, dass nach dem Registrieren
der Abnormstelle eine Einbindung des Schussfadens in das Gewebe verhindert wird, indem
eine Fachbildungsvorrichtung (100), beispielsweise eine Schaftmaschine zum Bewegen
von Webschäften (10), so gesteuert wird, dass alle Kettfäden (3) des zu bildenden
Gewebes in Positionen seitlich von einer Schussfaden-Eintragslinie (2') entweder unterhalb
oder oberhalb ausgelenkt werden und dass nach der Eintragsoperation das nicht eingebundene
Schussfadenstück entfernt wird oder die Schussfadenstücke nach zwei oder mehr Eintragsoperationen
entfernt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Eliminieren von Schussfadenabschnitten ohne ein Stoppen des Webmaschinenantriebs
durchgeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Liefereinrichtung, für die eine Abnormstelle (22, 22') des Schussfadens registriert
wird, nicht durch eine weitere, in Reserve gehaltene Liefereinrichtung ersetzt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass durch den Sensor (23a) Abnormstellen registriert werden, die Verdickungen des Schussfadens
(2), insbesondere Knoten (22, 22'), sind.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass durch den Sensor (23a) und/oder einen weiteren Sensor (23b) Abnormstellen (22, 22')
des Schussfadens registriert werden, bei denen jeweils ein gemessener Wert des Fadendurchmessers
um einen vorgegebenen Prozentsatz kleiner als der mittlere Durchmesser des Schussfadens
(2) ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein Hauptantrieb der Webmaschine (1) beim Entfernen des zu eliminierenden Schussfadenstücks
weiter betrieben wird, wobei jedoch Operationen eines Kettfadenablasses (130) und
eines Warenabzugs (140) zur Kompensation des nicht eingebundenen Schussfadens (2)
kurzzeitig unterbrochen werden, so dass der Rand (42) des Gewebes (4) bei der Eintragslinie
(2'), d.h. der Warenrand, stationär oder weitgehend stationär positioniert bleibt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer programmierten Steuerung des Warenabzugs (140) und/oder des Kettablasses
(130) das Auftreten eines Bremsweges beim Unterbrechen sowie eines Startweges beim
nachfolgenden Weiterführen berücksichtigt werden, so dass aufgrund entsprechender
Massnahmen zur Korrektur von Abweichungen keine Veränderungen im Gewebebild resultieren.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Registrieren der Abnormstelle (22, 22') je nach verwendeter Fachbildevorrichtung
(100) mindestens ein zusätzliches Schussfadenstück mit Herstellung einer Bindung abgegeben
wird, bevor das Eliminieren der Abnormstelle stattfinden kann, dass jedes dieser zusätzlichen
Schussfadenstücke frei von Abnormstellen ist und dass eine entsprechend grosser Schussfadenvorrat
auf dem Fadenspeicher (21) vorhanden ist.
9. Webmaschine (1), bei der ein Schusseintrag mittels Projektilen, Greifern oder einem
Fluid, insbesondere Luft, erfolgt, gekennzeichnet durch Komponenten, mit denen das Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1 bis 8 durchführbar
ist, wobei als Komponenten eine steuerbare Fachbildevorrichtung (100), ein elektrischer
Warenabzug (140) und Kettablass (130), mindestens ein Sensor (23a, 23b, 23c) zum Überwachen
eines Schussfadens (2) nach einer Vorratsspule (20) und ein Beseitigungsorgan (12)
für das zu eliminierende Schussfadenstück umfasst sind.