[0001] Die Erfindung betrifft eine Maschine für den Bogenrotationsdruck oder Bogenbeschichtung
mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1.
[0002] Bei der Coronabehandlung handelt es sich um ein elektrisches Beflammen mit Hochspannung.
Die ionisierte Luft zwischen den Elektroden greift die Oberfläche des Kunststoffs
durch Ozon und Sauerstoff an, also ebenfalls eine Oxidation. Auf der Kunststoffoberfläche
werden polare Gruppen erzeugt, die gut benetzbar sind.
[0003] In der Praxis ist die Corona Vorbehandlung zu einem der am meisten verwendeten Verfahren
bei der Oberflächenveredelung avanciert. Mit ihr wird die Oberflächenspannung von
polymeren Filmen und Folien, Alufolien, kaschiertem Papier und Karton sowie Sandwichmaterialien
angehoben, bevor diese bedruckt, beklebt oder beschichtet werden. Mit dieser Behandlung
der Oberfläche wird die Adhäsion zwischen den zu verbindenden Schichten verbessert
oder ein besseres Anhaften der Streichmasse oder Farbe erzielt. Der Endeffekt der
Behandlung hängt von verschiedenen Parametern ab, wie der Leistung der Elektroden,
der Dauer der Entladung, der Art des behandelten Materials, der Temperatur und Feuchtigkeit,
eventuellen Verunreinigungen, der Oberflächenmorphologie und vor allem die möglichst
geringe Spaltweite.
[0004] Die mechanische Konstruktion muss robust ausgelegt sein. Die Elektrodensegmente müssen
ihre Einstellungen trotz Vibration der Anlage und anderen ungünstigen Bedingungen
beibehalten.
- STAND DER TECHNIK -
[0005] Aus der JP 591 31 460 A ist eine Vorrichtung für bogenförmige Substrate bekannt,
wobei jedoch, durch eine ganzflächige Coronabehandlung, kein registergenauer Transport
vorausgesetzt wird und dementsprechend auch keine Greifertechnik für den Bogentransport
vorhanden ist. Die Bögen werden auf Bänder im flachem Zustand mit Vakuum, ohne Greifer,
transportiert. Die Spaltweite ist dementsprechend problemlos einzustellen und stabil
zu handhaben.
[0006] Aus der DE 100 41934 ist eine Coronavorrichtung bekannt, die nach dem letzten Druckwerk
eingesetzt wird. Hier wird das Problem der geringen Spaltweite nicht anerkannt, da
es beim Beschichten mit Lack von bedrucktem Papier die Spaltweite weniger kritisch
ist. Diese Coronavorrichtung wird aber an ganz anderer Stelle als bei der vorliegenden
Erfindung vorgesehen eingesetzt.
[0007] Die Coronabehandlung von bahnförmigen Materialien in der Druckindustrie ist eine
etablierte Technologie (DE 199 10 740, DE 198 43 955, DE 101 06 385). Die Spaltweite
von wenigen Millimetern ist zusammengestellt aus der Dicke der Substratbahn und einem
Gasspalt über der zu behandelnden Substratoberfläche.
[0008] Bei bogenförmigen Substrate werden bei registergenauen Transport Greiferelemente
benötigt, die jedoch mit ihre Greiferrücken notgezwungen millimeterweise oberhalb
der Substratoberfläche angeordnet sind und dadurch wird die Spaltweite über der zu
behandelnden Substratoberfläche zu groß für eine optimale Coronabehandlung.
[0009] Stand der Technik und Hauptreferenzpunkt stellt die DE 100 39 073 da, wobei trotz
dem Einsatz von Greifer doch eine optimale Spaltweite erreicht wird, indem eine Hubvorrichtung
oder Greiferaussparungen vorgesehen sind.
[0010] Der wesentliche Nachteil dieser Anordnung ist das eine Hubbewegung an sich bei hoher
Geschwindigkeiten problematisch ist und auch Risiken von Vibrationen mit sich bringt.
Eine Trommel mit Greiferaussparung ist formatbezogen und damit relativ groß und aufwendig
durch extra Isolierungen.
[0011] Außerdem sind solche großen Trommeln aus Zugänglichkeitsgründen nicht von dem ersten
Druck- oder Beschichtungswerk zu integrieren.
[0012] Zwischen dem Staffelanleger und dem ersten Druckwerk, benötigt man für die Bogen
eine Beschleunigungsstrecke. Der Druckzylinder bewegt sich konstant mit Druckgeschwindigkeit.
Das Zufuhrsystem hat nun die Aufgabe den Bogen, exakt geführt, auf die Fortdruckgeschwindigkeit
zu bringen und an die Greifer des Druckzylinders zu übergeben.
[0013] In vielen Maschinen ist diese Aufgabe mit Schwinggreifern gelöst worden, die über
oder unter dem Bogen angeordnet sind.
[0014] Alternativ gibt es eine sogenannte Rangertrommel, Stopptrommelanlage oder Saugtrommelanlage.
Alle o.g. Anlagesysteme erlauben aus Gründen von Platzverhältnisse nicht die Aufnahme
von Oberflächenveredelungssystemen sog. z.B. Corona-Behandlungssysteme.
[0015] Es ist möglich diese Bogensubstrate in einem separatem Arbeitsgang vorbehandeln zu
lassen, aber das ist mit Extrakosten und Zeitverlust verbunden. Außerdem verliert
die Coronaladung mit der Zeit seine Effektivität.
[0016] Alternativ kann, lt. Pressebericht von der Firma König und Bauer in Deutscher Drucker
vom 13.11.2003, die verbesserte Bedruckbarkeit von z. B. Kunststoffen erreicht werden,
indem ein zusätzlicher vorgelagerter Coronaturm installiert wird. Diese Anordnung
ist jedoch mit großen Kosten- und Platzaufwand verbunden (grosso modo 75 % vom Preis
eines Druckwerkes).
[0017] Alternativ kann der Bedruckstoff als Grundierung mit Primer beschichtet werden, aber
das verlangt ein Extradruckwerk und dazu benötigte Trockner in der Druckmaschine,
siehe DE 100 04 997 A1. Druckmaschinen mit einem derartigen Ausrüstungsgrad gestalten
sich entsprechend kostenintensiv.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0018] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde ein neuartiges Bogenzufuhrsystem mit entsprechenden
Platzverhältnissen zu entwickeln, um den Bogen, exakt geführt, auf die Fortdruckgeschwindigkeit
zu bringen und an die Greifer des Druckzylinders zu übergeben, wobei die Vorderseite
und/oder auch die Rückseite der Bogen mit einer Oberflächenbehandlung, z.B. Corona
Behandlung unterzogen werden und zwar ohne zusätzlich vorgeordnete Trommeln, Übergabezylinder
oder Druckwerke.
[0019] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Bogenzufuhrsystem mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1. Hinsichtlich wesentlicher weiterer Ausgestaltungsmerkmale
wird auf die Unteransprüche verwiesen.
[0020] Weitere Einzelheiten und vorteilhafte Wirkungen de Erfindung ergeben sich aus der
nachfolgenden Beschreibung und den Zeichnungen, die Ausführungsbeispiele der erfindungsgemäßen
Bogendruckmaschine veranschaulicht.
[0021] In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer Bogenrotationsdruck- oder Beschichtungsmaschine mit vorgeschaltetem
Anleger und Anlage;
- Fig. 2
- eine Seitenansicht der Anlage;
- Fig. 3
- eine Seitenansicht der Anlage 10 mm tiefer gesetzt;
- Fig. 4
- eine Seitenansicht eines sogenannten High-Speed Anlegers nach dem Pusher System;
- Fig. 5
- eine vergrößerte Darstellung der Ansicht gemäß Fig. 3 bei einem weiteren Ausführungsbeispiel.
[0022] Die in Fig. 1 dargestellte Seitenansicht der Anlage zeigt einen traditionellen Hochstapelanleger
1 für eine Bogen verarbeitende Maschine 3 mit Greifertechnik 5. Die Anlage 2 hat die
Aufgabe den Bogen exakt geführt auf die Fortdruckgeschwindigkeit zu bringen und an
die Greifer 5 des Gegendruckzylinder 11 zu übergeben.
[0023] Das exakte Ausrichten erfolgt z. B. in einem Stopmoment in etwa bei 9, wobei der
Bogen in Umfangsrichtung z. B. über eine Fördermarke (nicht dargestellt) und seitlich
z. B. über eine Seitenmarke 8 ausgerichtet wird, bevor er z. B. mit den Vorzugsrollen
7 beschleunigt wird.
[0024] In dieser Anordnung der Anlage 2 ist ein Oberflächenbehandlungssystem 6 derart integriert,
dass der Bogen von oben und/oder von unten behandelt werden kann, z.B. mit einer Coronabehandlung.
[0025] Die Fig. 2 zeigt in Seitenansicht in Laufrichtung Y die Seitenmarke 8, die Vorzugsrollen
7, das Stopmoment 9, die beiden Kammern des Oberflächenbehandlungssystems 6, die Zutritte
für geregelte Saug- und/oder Blasluft 14, Elektroden 12 und Gegenpole 13. Dieses Anlageaggregat
ist in einem Ständer angeordnet.
[0026] Die Fig. 3 zeigt in Seitenansicht das Anlageaggregat von Figur 2, das jedoch mit
der Verstellvorrichtung X um z.B. 10 mm nach unten versetzt ist. Dadurch entsteht
beim Bogeneinlauf eine Krümmung 16 des flexiblen Substrates, was sich vorteilhaft
auf die Genauigkeit des Anlagepasser auswirkt.
[0027] Das Anlagesystem ist samt ihres Oberflächenveredelungssystems 6, z.B. eines Coronabehandlungssystems,
Vorschubrollen und Bogenausrichtmechanismen in der Höhe um X verstellbar, um, je nach
Papierstärke, eine Ausweichmöglichkeit für das Substrat in dem Moment zu schaffen,
wo der Bogen an den Anschlag innerhalb der Greifer 5 geführt wird. Stärkere Substrate
wie Karton werden nahezu horizontal eingeführt. Bei flexiblen Substraten mit Krümmung,
ist das Anlagesystem 2 nach unten verstellt.
[0028] Die Greiferleiste 5 ist verstellbar, um ein Umfangs- und Diagonalregister zu ermöglichen.
[0029] Um sicherzustellen, dass der Bogen gut flach an dem Zylindermantel des Gegendruckzylinders
11 anliegt, kann eine der Kammern mit Saugluft beaufschlagt werden, um das Substrat
leicht zu bremsen.
[0030] In Fig. 4 ist eine Seitenansicht eines Hochleistungsanlegers gezeigt, wobei die Substratbogen
nach Vereinzelung über Schieber 21 über ein Vakuumband 17 und unterstützt von Führungsstäben
20 an den Greifern geführt werden. Nach Vereinzelung aus dem Stapel 4 werden die Bogen
über ein Vakuumbandsystem 22 geführt.
[0031] In diesem Vakuumbandsystem 22 sind die Vakuumbänder in der Art versenkt angeordnet,
dass in eine obere Kammer, z.B. Elektroden 12 und in eine untere Kammer, z.B. Gegenpole
13 integriert werden können, um eine Oberflächenbehandlung, wie z.B. eine Coronabehandlung,
zu ermöglichen.
[0032] Die Besonderheit dieser Anleger ist deren hohe Geschwindigkeit und die Tatsache,
dass mit ihnen sehr starke Materialien (bis zu 4 mm Stärke) verarbeitet werden können.
[0033] Der obere Bearbeitungszylinder 10 ist Teil der Bogenrotationsdruck- oder -beschichtungsmaschine
3, wo diese Anlage 2 und der Anleger 1 der Maschine 3 vorgeschaltet sind.
[0034] Bei einem in der Figur 5 dargestellten Ausführungsbeispiel ist vorgesehen, dass in
Laufrichtung Y der Bogen der letzten Elektrode 12 eine neutrale Stange 23 nachgeschaltet
ist, die geringfügig in Richtung der Bogen aus der Ebene der Elektroden 12 versetzt
ist. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Bogen die Elektroden 12 nicht berühren,
wenn sie vom Greifersystem 5 ergriffen und nach oben transportiert werden.
Bezugszeichenliste
[0035]
- 1.
- Anlegeraggregat
- 2.
- Anlagesystem
- 3.
- Bogenrotationsdruck- oder -beschichtungsmaschine
- 4.
- Bogen gestapelt
- 5.
- Bogengreifersystem
- 6.
- Oberflächenveredelungssystem
- 7.
- Vorzugsrollen
- 8.
- Seitenmarke
- 9.
- Moment Bogenstop
- 10.
- Oberer Bearbeitungszylinder
- 11.
- Unterer Gegendruckzylinder
- 12.
- Elektroden
- 13.
- Gegenpole
- 14.
- Zufuhr Vakuum oder Blasluft
- 15.
- Saugkopf zur Bogenvereinzelung
- 16.
- Abgesenkte Position
- 17.
- Vakuumband
- 18.
- Vakuumzimmer
- 19.
- Umlaufrollen
- 20.
- Führungsstäbe
- 21.
- Pusher (Schieber)
- 22a.
- Vakuumbandsystem mit Oberflachenveredelungssystem
- 22b.
- vergrößerte Darstellung von 22a
- 23
- Stange
- Pfeil X
- Höhenverstellung
- Pfeil Y
- Laufrichtung
1. Maschine (3) für den Bogenrotationsdruck oder für eine Bogenbeschichtung, ausgerüstet
mit einem Bogengreifersystem (5) mit in Transportrichtung vorgeschaltetem Anleger
und Anlagesystem (2), wobei nach dem Anleger und vor der Übergabe des Bogens in das
Bogengreifersystem (5) eine Oberflächenveredelungsstation (6) für den Bogen zwischengeschaltet
ist, und über das Anlagesystem (2) der Bogen auf die Fortdruckgeschwindigkeit des
Bogengreifersystems (5) bringbar ist.
2. Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenveredelungsstation (6) eine Coronabehandlungsvorrichtung ist.
3. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung von oben und/oder von unten erfolgt.
4. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenveredelung an die veranderte Produktionsgeschwindigkeit angepasst
werden kann.
5. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenveredelung intermittierend in Umfangsrichtung betrieben werden kann.
6. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächenveredelung in Querrichtung ausgespart werden kann.
7. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anlagetisch zusammen mit dem Oberflächenveredelungssystem (6) in der Höhe (X)
verstellbar ist.
8. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die oberflächenveredelungsstation (6) sich aus zwei geschlossenen Kammern zusammensetzt,
die oberhalb und unterhalb der Durchlaufbahn des Substrates angeordnet sind.
9. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossenen Kammern der Oberflächenveredelungsstation (6) mit gesteuerter Druckluft
oder Saugluft beaufschlagt sind.
10. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Oberflächenveredelungsstation fest und/oder (6) abklappbare Bogenführungsmittel
nachgeschaltet sind, zur Gewährleistung des Spaltabstands zwischen Elektroden und
Substrat.
11. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammern der Oberflächenveredelungsstation (6) zur Ableitung von statischer Elektrizität
verwendbar sind.
12. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammern der Oberflächenveredelungsstation (6) zur Reinigung des Substrates verwendbar
sind.
13. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammern der Oberflächenveredelungsstation (6) für die Vorheizung des Substrates
verwendbar sind.
14. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bogenführung der Oberflächenveredelungsstation (6) berührungslos von Luftkissen
getragen wird.
15. Maschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Oberflächenveredelungsstation (6) eine neutrale Stange (23) nachgeschaltet ist.
16. Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Stange (23) bezüglich der Oberflächenveredelungsstation (6) in Richtung des Bogens
verlagert bzw. versetzt angeordnet ist, wodurch verhindert wird, dass der Bogen die
Oberflächenveredelungsstation (6) kontaktiert.
17. Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Maschine in sog. Reihenbauweise ist.
18. Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Maschine in sog. Satellitenanordnung ist.