[0001] Die Erfindung betrifft einen Hülsenanker aus Stahl, gegebenenfalls auch aus einem
hochfesten verstärkten Spezialkunststoff mit Materialdaten, insbesondere Festigkeits-Kenndaten,
die denen des Stahls zumindest entsprechen. Ein solcher Hülsenanker besteht im Wesentlichen
aus einem Schaft, üblicherweise einem massiven Rundstab mit Aufbiegungen oder anderweitigen
Hinterschnittkonfigurationen am Fußende, und einer an einem gegenüberliegenden Kopfende
des Schaftes auf diesem fixierten Hülse mit Innengewinde zum bedarfsweisen Einschrauben
eines Anschlagmittels beim und zum Heben und Versetzen von Betonformteilen, beispielsweise
Tragelementen, Wandelementen oder Deckenelementen, insbesondere für den Hochbau.
[0002] Als Anschlagmittel dienen üblicherweise Tragseilschlaufen mit aufgepresstem Außengewindebolzen
oder, speziell für höhere Lasten, massiven zumeist aus Stahl bestehenden Anschlagösen,
die gelenkig mit einem Gewindebolzen verbunden sind.
[0003] Während der Hülsenanker bereits bei der Herstellung des Betonformteils in dieses
so eingegossen wird, dass das Gewinde am Fertigteil von außen zugänglich ist, wird
das Anschlagmittel erst beim Heben und Versetzen des Formteils, beispielsweise beim
Verladen oder beim Entladen auf der Baustelle, bedarfsweise und nur temporär in das
offene Gewinde des Hülsenankers eingeschraubt.
[0004] Kritisch bei diesen seit Jahrzehnten im Baugewerbe eingesetzten Hülsenankern ist
ihre Belastbarkeit. Die Konfiguration und Dimensionierung des Hülsenankers müssen
unter Wahrung eines Sicherheitsfaktors der jeweils anzuhebenden Last entsprechend
ausgelegt und angepasst sein.
[0005] Um beim Umgang mit solchen Hülsenankern das größtmögliche Maß an Sicherheit zu gewährleisten,
hat sich in der Praxis bereits vor vielen Jahren ein Lastgruppen-System herausgebildet,
das herstellerübergreifend zehn bis zwölf Lastgruppen mit einer maximalen Belastbarkeit
der Hülsenanker im Bereich von <0,5 t bis über 15 t in zehn bis zwölf Stufungen vorsieht.
[0006] Die Zuordnung der einzelnen Hülsenanker zu den jeweiligen Lastgruppen erfolgt dabei
primär durch deutlich sichtbare Kennzeichnungen, die unmittelbar an der Hülse oder
in Verbindung mit Nagelplatten oder Nagelringen, zumeist das Gewinde des Hülsenankers
verschließend, am offenen Kopfende des Hülsenankers angebracht sind, mit denen der
Anker beim Einschalen des noch auszugießenden Betonfertigteils an der Formschalung,
zumeist durch Nageln, befestigt wird. Nach dem Ausschalen des Betonformteils liegen
dann diese Verschlüsse der Ankerhülsengewinde in der Oberfläche des Betonformteils
frei, so dass die jeweilige Grenzbelastbarkeit der Hülsenanker durch Angabe dieser
Grenzlasten, durch Angabe von Kodierungsziffern oder von Kodierungsfarben deutlich
wahrnehmbar ist. Nach dem Öffnen das Hülsenankergewindes zum Anheben und Versetzen
des Betonformteils wird ein Anschlagmittel in den Hülsenanker eingeschraubt, in das
ein entsprechendes Hebezeug einklinkbar ist.
[0007] Um zu verhindern, dass beispielsweise ein Anschlagmittel, das für eine Grenzlast
von beispielsweise einer Tonne ausgelegt ist, in einen Hülsenanker eingeschraubt wird,
der lastentsprechend für eine Grenzlast von 15 t ausgelegt ist, hat sich als weitere
außerordentlich wirksame Sicherheitsmaßnahme, ebenfalls herstellerübergreifend, ein
System herausgebildet, bei dem jeder Lastgruppe eine bestimmte Gewindespezifikation
zugeordnet ist. Dies sind, zumindest im Bereich der Bundesrepublik Deutschland, die
metrischen M-Gewinde nach DIN 13 Teil 1 und die Rd-Rundgewinde ähnlich DIN 408. Dabei
verteilen sich die zehn bis zwölf Lastgruppen auf jeweils spezifische Gewindedurchmesser
im Bereich 10mm - 60 mm. So ist beispielsweise ein Schraubgewinde mit einem Gewindedurchmesser
von 12 mm für die Aufnahme von Lasten von bis zu 0,5 t vorgesehen und mit entsprechend
dimensionierten Anschlagmitteln verbunden, während ein Anschlagmittel, das für einen
Hülsenanker mit einer Grenzbelastung von 4,0 t ausgelegt ist, zur Gewährleistung einer
sicheren Verbindung mit einem entsprechend kodierten Hülsenanker ein Gewinde mit einem
Durchmesser von 30 mm aufweisen muss.
[0008] Das vorstehend dargestellte Sicherheitssystem hat sich im Hinblick auf sicherheitstechnische
Aspekte über viele Jahre hin bestens und zuverlässig bewährt. Es weist jedoch den
gravierenden Nachteil auf, signifikant unwirtschaftlich und teuer zu sein. So muss
nicht nur der Hersteller der Betonformteile zum Abdecken der Lastgruppenpalette zehn
bis zwölf verschiedene Hülsenankertypen in großem Umfang für die Fabrikation bevorraten,
sondern auch der Bauleiter auf der Baustelle für jede der Lastgruppen mehrere Anschlagmittel,
das heißt Anschlagmittel in großer Stückzahl, bevorraten. Dies verursacht auf beiden
Seiten erhebliche Kosten sowohl von der Materialseite her als auch von der Logistik
der Verfügbarkeit der Teile.
[0009] In dieser Situation ist die Entwicklung der Hülsenanker mit deutlichen Erfolgen vorangetrieben
worden. So stehen heute Hülsenanker zur Verfügung, die auf Grund verbesserter Konfiguration
und Herstellungstechnik um das Zweifache oder Dreifache höher belastbar sind als entsprechende
Anker vor zehn oder zwanzig Jahren. Diese Entwicklung hat bei zahlreichen Herstellern
solcher Transportsysteme für Betonformteile zu dem Bestreben Anlass gegeben, die Lastgruppen
zu verbreitern und dadurch deren Anzahl zu verringern. Dies führt zu einer deutlichen
Rationalisierbarkeit der erforderlichen Lastaufnahmemittel, und zwar nicht nur im
Hinblick auf deren vorzuhaltende Typenanzahl, sondern auch zu einer Verschlankung
der Dimensionierung der einzelnen Bauteile.
[0010] Dieses wünschenswert vorteilhafte Bestreben bringt jedoch beachtliche Sicherheitsrisiken
mit sich. Ist beispielsweise ein in einem Betonformteil verwendeter Hülsenanker mit
einer Gewindehülse mit einem Durchmesser von 16 mm mit einer Grenzlast von 1,2 t belastbar,
so reicht dieser Gewindedurchmesser durch die inzwischen erzielte Verbesserung der
Gewindeankertechnik ohne Weiteres, um eine mehr als doppelt so große Grenzlast sicher
aufzunehmen. Bei Verwendung entsprechend verstärkter Anschlagmittel können bei gleichem
Gewindedurchmesser also nicht nur wesentlich schwerere Teile angehoben und transportiert
werden, sondern können auch die nach dem üblichen System erforderlichen Lagerbestände
für zwei oder drei oder gar vier Lastgruppen Anschlag- und Tragemittel eingespart
werden. Dabei liegt jedoch das hohe Sicherheitsrisiko darin, dass in der Praxis, vor
allem auf der Baustelle, bei fehlendem oder nicht greifbaren Anschlagmittel mit einer
Grenzbelastbarkeit der erweiterten Dimensionierung der Lastgruppen ein "altes" Anschlagmittel
in den "neuen" Hülsenanker eingeschraubt wird, das jedoch nur für die halbe oder drittel
Grenzlast ausgelegt ist. Tatsächlich hat es in der Praxis bereits Unfälle gegeben,
die durch die Verwendung alter, also vergleichsweise unterdimensionierter Anschlagmittel
verursacht wurden, weil diese in sogenannten "aufgelasteten" Ankerhülsen grenzüberlastend
eingesetzt wurden.
[0011] Um solche durch Versehen und Unachtsamkeit verursachten Unfälle durch den naturgegebenen
Systemkonflikt zu vermeiden, sind auch bereits verschiedene Sicherheitssysteme entwickelt
worden, bei denen die Zugänglichkeit des Hülsengewindes durch Sperrmittel beschränkt
wird, deren Sperrwirksamkeit systemkonform nur durch Verwendung ebenfalls "aufgelasteter",
also höher dimensionierter Anschlagmittel überwunden werden kann.
[0012] Diese Systeme vermögen in der noch jungen Praxis zwar zu verhindern, dass es zu Unfällen
durch Unachtsamkeit kommt, vermögen in der derzeitigen Ausgestaltung jedoch nicht
auszuschließen, dass diese Sicherheitsvorkehrung unter den Zwängen eines getakteten
Bauablaufs gezielt und willentlich umgangen wird. Ein typisches Beispiel ist die Situation,
in der ein Transport mit Formteilen auf einer Baustelle auf Entladestation steht,
wobei die Bauteile mit aufgelasteten Hülsenankern ausgestattet sind, durch welche
Gründe auch immer aber zu eben diesem Zeitpunkt keine ebenfalls aufgelasteten Anschlagmittel
verfügbar sind. Durch ein systemwidriges Entfernen der Sperrmittel, die zudem meist
aus Kunststoff bestehen, und ein Verwenden eines Anschlagmittels nach alter, aufgefächerter
Lastgruppenverteilung, führt dann dazu, dass ein gerade verfügbares Anschlagmittel
willentlich um das Doppelte oder Dreifache überlastet wird, und zwar in dem leichtsinnigen
Vertrauen darauf, dass das Anschlagsystem unter Berücksichtigung eines Sicherheitsfaktors
dimensioniert ist, der größer als die willentlich riskierte Überlastung ist.
[0013] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung das technische Problem
zugrunde, für im vorstehend definierten Sinne "aufgelastete" Hülsenanker-Anschlagmittel-Hebesysteme
die Verwendung, und zwar auch die willentlich missbräuchliche Verwendung unterdimensionierter
Anschlagmittel bei aufgelasteten Hülsenankern auszuschließen.
[0014] Dieses technische Problem wird gemäß dem kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 dadurch
gelöst, dass der Hülsenanker mit einem "Sicherheitsgewinde" ausgestattet, statt durch
zusätzliche Hilfsmittel versperrt wird. Dabei wird unter einem "Sicherheitsgewinde"
ein Gewinde mit Gewindekenndaten, insbesondere hinsichtlich Flankenprofil und Steigung,
verstanden, das in dem jeweiligen auch erweiterten Umfeld des Einsatzgebietes solcher
Lastaufnahmesysteme vollkommen unüblich ist und sich mit Sicherheit an keinem im Umfeld
eingesetzten einschraubbaren Anschlagmittel befindet.
[0015] Die einfachste und zudem preiswerteste Realisierung eines solchen Sicherheitsgewindes
ist in diesem Sinne die Ausbildung des Innengewindes des Hülsenankers und des einzuschraubenden
Gewindebolzens des Anschlagmittels als ein normgerechtes Linksgewinde, das heißt also
eines normgerechten Gewindes mit einer zu den ausschließlich verwendeten, also üblichen
Gewinden zum Verbinden von Anschlagmitteln mit Hülsenankern verwendeten Rechtsgewindes
mit gegenläufiger Steigung. Selbst bei einer Konfiguration des Sicherheitsgewindes
mit identischer Steigungshöhe und identischem Flankenprofil lässt sich ein Schraubbolzen
mit normgerechtem Linksgewinde nicht in eine Ankerhülse mit normgerechtem Rechtsgewinde,
und, vor allen Dingen, ein Anschlagmittel mit einem Schraubbolzen mit einem normgerechten
Rechtsgewinde nicht in eine Ankerhülse mit einem normgerechten Linksgewinde einschrauben.
Ein Hülsenanker mit einem solcher Art ausgebildeten Sicherheitsgewinde ist also mit
absoluter und einhundertprozentiger Sicherheit auch willentlich nicht mit einem heute
auf den Baustellen in der europäischen Union und insbesondere im Bereich der Bundesrepublik
Deutschland ausschließlich einschraubbaren Anschlagmitteln mit Rechtsgewinde zu verwenden.
Es kann also nur mit einem entsprechen höher dimensionierten aufgelasteten Anschlagmittel
verwendet werden, das als systementsprechendes Sicherheitsgewinde ebenfalls ein Linksgewinde
trägt.
[0016] Sollte es jedoch in bestimmten Grenzeinsatzbereichen zur Lastaufnahme üblich sein,
beispielsweise metrische Linksgewinde einzusetzen, so lässt sich die Erfindung dadurch
verwirklichen, dass statt eines normgerechten Linksgewindes entweder ein dann in diesem
System "unübliches" Rechtsgewinde oder von vornherein ein Gewinde als Sicherheitsgewinde
konzipiert und eingesetzt wird, das im Hinblick auf seine weiteren Gewindekenndaten,
wie beispielsweise insbesondere Flankenprofil, Steigungshöhe oder Flankenwinkel, im
bestimmungsgemäßen geographischen Einsatzgebiet singulär, das heißt vollkommen unüblich
ist.
[0017] Auch mit einem solchen System wird mit der Erfindung erreicht, dass ein hinsichtlich
der Grenzbelastbarkeit aufeinander abgestimmtes Sicherheitssystem versehentlich oder
missbräuchlich mit unterdimensionierten Anschlagmitteln benutzt wird. Die Konfiguration
des Sicherheitsgewindes lässt ein Einschrauben gegebenenfalls im Anwendungsbereich
vorhandener, verfügbarer oder üblicher Anschlagmittel auch bei willentlichen Missbrauchversuch
auch nicht ansatzweise zu.
[0018] Die Erfindung ist im Folgendem anhand eines Ausführungsbeispiels in Verbindung der
Zeichnung näher erläutert.
[0019] Dabei zeigt die einzige Figur, nämlich die
- Figur 1
- im Axialschnitt ein Ausführungsbeispiel der Erfindung.
[0020] In der Figur 1 ist der Kopfabschnitt eines Hülsenankers 1 dargestellt, der aus einem
im Betonformteil eingegossenen beziehungsweise einzugießenden Schaft 2 und einer auf
diesem durch Aufpressen fixierten Hülse 3 besteht. Die Ankerhülse 3 ist mit einem
Innengewinde 4 versehen, in das ein Schraubbolzen mit komplementärem Außengewinde
einschraubbar ist, der, hier in der Figur nicht dargestellt, in üblicher Weise mit
einem Anschlagmittel verbindbar ist.
[0021] Das Innengewinde 4 ist ebenso wie das Außengewinde des Bolzens des Anschlagmittels
entgegen der üblichen Gepflogenheit und der übliche Ausbildung der Gewindebolzen üblicher
Anschlagmittel als Linksgewinde, das heißt also mit zum üblichen Rechtsgewinde gegenläufiger
Gewindesteigung ausgebildet. Ein herkömmliches und für das aufgelastete System unterdimensioniertes
Anschlagmittel mit einem Gewindebolzen mit Rechtsgewinde lässt sich in das solcher
Art ausgebildete Sicherheitsgewinde nicht eindrehen.
[0022] Die Zusammenfassung ist Bestandteil der vorliegenden Offenbarung.
1. Hülsenanker aus Stahl mit einem Schaft (2) und einer auf diesem fixierten Hülse (3)
mit Innengewinde zum bedarfsweisen Einschrauben eines Anschlagmittels beim Heben und
Versetzen von Betonformteilen,
gekennzeichnet durch
ein Sicherheitsgewinde (4) als Innengewinde.
2. Hülsenanker nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch
ein Innengewinde mit unüblichen, zumindest zum bedarfsweisen Einschrauben eines Anschlagmittels
beim Heben und Versetzen von Betonformteilen unüblichen Gewindekenndaten.
3. Hülsenanker nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
gekennzeichnet durch
ein Linksgewinde als Innengewinde.
4. Hülsenanker nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
gekennzeichnet durch
ein Innengewinde, das im geographischen Einsatzgebiet des Hülsenankers keiner geltenden
oder üblichen oder durch Gebrauch üblich gewordenen Norm entspricht.