[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Beizen von martensitischem oder ferritischem
Edelstahl (auch als "rostfreier Stahl" bezeichnet), insbesondere in Form von Draht,
Röhren oder Stäben. Als nichtrostend bzw. rostfrei werden im allgemeinen Sprachgebrauch
Stähle bezeichnet, bei denen unter üblichen Umweltbedingungen wie z. B. der Anwesenheit
von Luftsauerstoff und Feuchtigkeit und in wäßrigen Lösungen die Rostbildung verhindert
wird. Härteren Korrosionsbedingungen wie beispielsweise Säuren und Salzlösungen widerstehen
die meist höherlegierten sogenannten korrosionsbeständigen oder säurebeständigen Stähle.
Zusammenfassend werden diese Stähle als Edelstähle bezeichnet. In
Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Auflage, Band 22, SS. 106-112 und in der Deutschen Industrienorm DIN 17440, Juli 1985, ist eine Auflistung der
technisch wichtigsten Edelstähle mit ihren Werkstoffnummern, Bezeichnungen und Legierungskomponenten
sowie mechanischen und chemischen Eigenschaften enthalten. Edelstähle sind eisenbasierte
Legierungen, die mindestens 10 % Chrom enthalten. Die Bildung von Chromoxid auf der
Materialoberfläche verleiht den Edelstählen ihren korrosionsresistenten Charakter.
[0002] Edelstähle lassen sich einteilen in die Familien: austenitische Stähle, ferritische
Stähle, martensitische Stähle, ausscheidungsgehärtete Stähle und Duplexstähle. Diese
Gruppen unterscheiden sich in ihren physikalischen und mechanischen Eigenschaften
sowie in ihrer Korrosionsresistenz, die durch die verschiedenen Legierungsbestandteile
hervorgerufen werden.
[0003] Beim Glühen bzw. Warmwalzen etc. von Edelstahl bildet sich an der Oberfläche eine
Schicht von Zunder aus, die der Stahloberfläche das erwünschte metallisch-glänzende
Aussehen nimmt. Nach diesem Produktionsschritt muß diese Oberflächenschicht daher
entfernt werden. Dies kann durch das erfindungsgemäße Beizverfahren erfolgen. Die
zu entfernende oxidhaltige Oberflächenschicht unterscheidet sich grundlegend von der
Oxidschicht auf niedriglegierten Stählen oder auf Kohlenstoffstählen. Außer Eisenoxiden
enthält die Oberflächenschicht Oxide der Legierungselemente wie beispielsweise Chrom,
Nickel, Aluminium, Titan oder Niob. Beim Erhitzen reichert sich die Oberflächenschicht
an Chromoxid an, da Chrom thermodynamisch unedler ist als Eisen. Hierdurch wird Chrom
gegenüber Eisen in der Oxidschicht angereichert. Umgekehrt führt dies dazu, daß die
Stahlschicht unmittelbar unter der Oxidschicht an Chrom verarmt ist. Ein Beizprozeß
mit geeigneten sauren Beizlösungen löst bevorzugt diese chromverarmte Schicht unterhalb
der Oxidschicht auf, so daß die Oxidschicht abgesprengt wird.
[0004] Nach dem Beizen ist die Oberfläche chemisch aktiviert, so daß sie sich an der Luft
wieder mit einer optisch störenden Oberflächenschicht überzieht. Dies kann dadurch
verhindert werden, daß man die frisch gebeizten Oberflächen nach oder während dem
Beizen passiviert. Dies kann in Behandlungslösungen ähnlich den Beiziösungen erfolgen,
wobei man für die Passivierung jedoch ein höheres Redoxpotential einstellt als für
den Beizvorgang. Durch den gezielten Passivierungsschritt bildet sich an der Metalloberfläche
eine optisch nicht sichtbare Passivierungsschicht aus. Hierdurch bewahrt die Stahloberfläche
ihr metallisch-glänzendes Aussehen. Ob eine Behandlungslösung gegenüber Edelstahl
beizend oder passivierend wirkt, hängt hauptsächlich vom eingestellten Redoxpotential
ab. Saure Lösungen mit pH-Werten unterhalb von etwa 2,5 wirken beizend, wenn sie aufgrund
der Anwesenheit von Oxidationsmitteln ein Redoxpotential gegenüber einer Silber/Silberchloridelektrode
im Bereich von etwa 100 bis etwa 350 mV aufweisen. Erhöht man das Redoxpotential auf
Werte oberhalb etwa 350 mV, wirkt die Behandlungslösung passivierend, wobei je nach
Edelstahlsorte unterschiedliche Mindestwerte für das Potential eingestellt werden
müssen.
[0005] Beizverfahren für Edelstahl sind in der Technik gut bekannt. Ältere Verfahren verwenden
Salpetersäure-haltige Beizbäder. Diese enthalten häufig zusätzlich Flußsäure, die
durch ihre komplexierende Wirkung gegenüber Eisenionen den Beizvorgang fördert. Derartige
Beizbäder sind zwar ökonomisch effizient und technisch zufriedenstellend, weisen jedoch
den großen ökologischen Nachteil auf, daß sie beträchtliche Mengen Stickoxide emittieren
und daß hohe Nitratkonzentrationen ins Abwasser gelangen. Die erforderlichen Absaugvorrichtungen
verteuern den Prozeß und die letztlich in die Atmosphäre gelangenden Stickoxidmengen
haben ein beträchtliches umweltschädigendes Potential.
[0006] Daher wurde in der Technik intensiv nach alternativen Beiz- und Passivierverfahren
gesucht, die ohne Verwendung von Salpetersäure auskommen. Ein möglicher Ersatz für
die Oxidationswirkung der Salpetersäure sind Fe(III)-lonen. Ihre Konzentration kann
beispielsweise durch Wasserstoffperoxid, das den Behandlungsbädern kontinuierlich
oder diskontinuierlich zugesetzt wird, aufrecht erhalten werden. Derartige Beiz- oder
Passivierungsbäder enthalten etwa 15 bis etwa 65 g/l dreiwertige Eisenionen. Während
des Beizvorgangs werden dreiwertige Eisenionen zur zweiwertigen Stufe reduziert. Gleichzeitig
werden aus der gebeizten Oberfläche weitere zweiwertige Eisenionen herausgelöst. Das
Beizbad verarmt daher während des Betriebs an dreiwertigen Eisenionen, während sich
zweiwertige Eisenionen anreichern. Hierdurch verschiebt sich das Redoxpotential der
Behandlungslösung, so daß diese schließlich ihre Beizwirkung verliert.
[0007] Durch kontinuierliche oder diskontinuierliche Zugabe von Oxidationsmitteln wie beispielsweise
Wasserstoffperoxid oder andere Oxidationsmittel wie Perborate, Persäuren oder auch
organische Peroxide oxidiert man zweiwertige Eisenionen zurück zur dreiwertigen Stufe.
Hierdurch bleibt das für die Beiz- bzw. Passivierwirkung erforderliche Redoxpotential
erhalten.
[0008] Beispielsweise beschreibt die
EP-B-505 606 ein Salpetersäure-freies Verfahren zum Beizen und Passivieren von rostfreiem Stahl,
bei dem man das zu behandelnde Material mit einem Bad in Berührung bringt, das eine
Temperatur zwischen 30 und 70 °C aufweist und das zumindest zu Beginn des Beizvorgangs
mindestens 150 g/l Schwefelsäure, mindestens 15 g/l Fe(III)-lonen und zumindest 40
g/l HF enthält. Weiterhin enthält dieses Bad bis zu etwa 1 g/l Additive wie nichtionische
Tenside und Beizinhibitoren. Dem Bad gibt man kontinuierlich oder diskontinuierlich
solche Mengen Wasserstoffperoxid zu, daß das Redoxpotential im erwünschten Bereich
gehalten wird. Auch die anderen Badbestandteile werden derart nachdosiert, daß deren
Konzentration im optimalen Arbeitsbereich bleibt. Durch Einblasen von Luft wird das
Beizbad in Bewegung gehalten. Eine Bewegung des Beizbades ist erforderlich, um ein
gleichmäßiges Beizergebnis zu erzielen. Ein ähnliches Verfahren, das sich hiervon
im wesentlichen nur durch das eingestellte Redoxpotential unterscheidet, ist in der
EP-A-582 121 beschrieben.
[0009] Dokument
EP0769575 offenbart ein Verfahren zum Beizen martensitischen Stahl mit einer Beizlösung umfassend
H2S04, Fe3+ und HF, wobei die Beizlösung eine Temperature im Bereich von 30 bis 70
°C aufweist. Dokument
ep1050605 offenbart ein Verfahren zum Beizen Edelstahl mit einer Beizlösung, wobei der Anteil
an freies HF von 5 bis 40g/l liegt, und die Temperatur der Beizlösung im bereich von
20 bis 70°C.
[0010] Die vorstehend genannten Beizverfahren arbeiten technisch zufriedenstellend und haben
den ökologischen Vorteil, keine Stickoxide in die Umwelt zu emittieren. Sie sind besonders
auf das Beizen von austinitischen Edelstählen optimiert, die etwa 65 bis 85 % des
Edelstahlmarktes ausmachen. Für Gegenstände aus martensitischem oder ferritischem
Edelstahl, besonders wenn diese in Form von Draht, Röhren oder Stäben vorliegen, erweisen
sich diese Beizlösungen jedoch als zu aggressiv. Sie greifen die Basislegierung dieser
Stahltypen zu stark an, so daß das Risiko des Überbeizens besteht. Der Beizvorgang
setzt sich an bereits gebeizten Stellen in die Tiefe fort und zerstört die Oberfläche.
Durch das Überbeizen entstehen mehr zweiwertige Eisenionen als erforderlich, die zur
Aufrechterhaltung des Redox-Potentials zur dreiwertigen Stufe oxidiert werden müssen.
Dies erhöht den Verbrauch an Oxidationsmittel und verteuert somit den Beizvorgang.
Weiterhin erhöht sich die Menge der letztlich zu entsorgenden Eisensalze. Daher besteht
ein Bedarf nach einem weniger aggressiven Beizverfahren, mit dem sich Gegenstände
aus martensitischem oder ferritischem Edelstahl zuverlässig beizen lassen, so daß
Oberflächenbeläge gleichmäßig entfernt werden, jedoch kein Überbeizen eintritt.
[0011] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum Beizen von martensitischem oder
ferritischem Edelstahl, wobei man den Edelstahl mit einer Beizlösung in Kontakt bringt,
die Fe(III)-lonen, Schwefelsäure und HF enthält, dadurch gekennzeichnet, daß die Beizlösung
eine Temperatur im Bereich von 15 bis 29 °C aufweist und
50 bis 120 g/l freie Schwefelsäure,
5 bis 40 g/l freies HF und
5 bis 40 g/l Fe(III)-lonen enthält.
[0012] Die Konzentrationen der einzelnen Komponenten dieses Beizbads liegen jeweils in einem
Bereich, der an sich im Stand der Technik bekannt ist. Die Konzentrationen sind jedoch
so aufeinander abgestimmt, daß kein Überbeizen der martensitischen oder ferritischen
Substrate eintritt. Ein wesentlicher Parameter zum Vermeiden eines Überbeizens ist
die Temperatur, die erfindungsgemäß im Bereich zwischen 15 und 29 °C eingestellt wird.
Vorzugsweise liegt sie zwischen 20 und 29 °C und insbesondere zwischen 23 und 28,5
°C. Überschreitet die Temperatur 30 °C, besteht zunehmend die Gefahr eines Überbeizens.
[0013] Die Zeitdauer für den Beizprozeß hängt von der gewählten Temperatur, den eingestellten
Konzentrationen an freier Säure und der Vorbehandlung der Gegenstände vor dem eigentlichen
Beizprozeß ab. Die Beizdauer liegt im Bereich von etwa 5 Minuten für gestrahlte Substrate,
10 bis 15 Minuten für in einer Salzschmelze behandelte Substrate und 10 bis 25 Minuten
bei einer Vorbehandlung mit einer stark alkalischen Lösung von Kaliumpermanganat.
Dabei kann es für einen vollständigen Beizerfolg erforderlich sein, die Schritte Vorbehandlung
und Beizen zu wiederholen. Die genannten Beizzeiten gelten dann für die jeweiligen
Einzelschritte.
[0014] Bei den vorstehend genannten Konzentrationen an freier Schwefelsäure und freiem HF
ist zu beachten, daß es sich hierbei um die Konzentrationen an jeweils freier Säure
handelt. Hierbei werden Säureanionen, die in Salzform vorliegen, nicht mit gerechnet.
Die Mindestkonzentration an freier Flußsäure hängt davon ab, welche Beizdauer man
als akzeptabel betrachtet. Vorzugsweise beträgt die Konzentration an freiem HF mindestens
10 g/l, um die vorstehend genannten Beizzeiten zu erreichen. Die Maximalkonzentration
kann in der Praxis im Bereich zwischen etwa 25 und etwa 30 g/l liegen. Werden besonders
kurze Beizzeiten angestrebt, kann die Maximalkonzentration auf etwa 35 g/l eingestellt
werden. Auch bei einer Obergrenze von 40 g/l freies HF ist der Beizvorgang noch beherrschbar.
Bei höheren Konzentrationen erhöht sich jedoch die Gefahr des Überbeizens. Die Minimalkonzentration
an freier Schwefelsäure stellt man vorzugsweise zwischen 55 und 60 g/l, die Obergrenze
zwischen 70 und 100 g/l ein. Beispielsweise kann die Beizlösung 55 bis 75 g/l freie
Schwefelsäure enthalten.
[0015] Die Konzentration an Fe(III)-lonen nimmt im Verlauf des Beizprozesses ab, da diese
durch die Redox-Reaktion mit dem elementaren Eisen der Stahloberfläche zur zweiwertigen
Stufe reduziert werden. Vorzugsweise regelt man die Konzentration an Fe(III)-lonen
so ein, daß die Beizlösung in eingearbeitetem Zustand zwischen etwa 10 und etwa 25
g/l dieser lonen enthält. Dies geschieht vorzugsweise dadurch, daß man die entstehenden
Fe(II)-lonen im entsprechenden Ausmaß zur dreiwertigen Stufe oxidiert. Je nach Mengenverhältnis
zwischen zweiwertigen und dreiwertigen Eisenionen in der Beizlösung weist diese ein
bestimmtes Redox-Potential auf. Daher ist die Beizlösung auch über das gemessene Redox-Potential
steuerbar. Für das erfindungsgemäße Verfahren weist die Beizlösung in eingearbeitetem
Zustand vorzugsweise ein Redox-Potential, gemessen bei 25 °C mit einer Platinelektrode
relativ zu einer Ag/AgCl-Referenzelektrode, von 100 bis 240 mV, insbesondere von 150
bis 235 mV auf. Durch Verbrauch von dreiwertigen Eisenionen unter Bildung zweiwertiger
Eisenionen sinkt das Redox-Potential im Verlauf des Beizprozesses ab. Durch Oxidation
zweiwertiger Eisensionen zur dreiwertigen Stufe kann es wieder angehoben werden. Vorzugsweise
stellt man im erfindungsgemäßen Verfahren das Redox-Potential dadurch ein, daß man
eine oder mehrere der folgenden Aktionen vornimmt:
- a) Zugabe eines Reagenzes zu der Beizlösung, das in der Beizlösung Fe(II)-lonen zu
Fe(III)-lonen zu oxidieren vermag, vorzugsweise Wasserstoffperoxid oder eine Wasserstoffperoxid
abspaltende Substanz,
- b) Katalytische Oxidation mit einem stauerstoffhaltigen Gas unter Verwendung eines
homogenen oder heterogenen Oxidationskatalysators,
- c) Elektrochemische Oxidation.
[0016] Zur Oxidation von zweiwertigem Eisen und damit zur Regulierung des Redox-Potentials
ist also die direkte Oxidation mit einem starken Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid
oder mit einer Wasserstoffperoxid-abspaltenden Substanz möglich. Solche Substanzen
sind beispielsweise anorganische oder organische Persäuren oder Peroxo-Säuren. Beispielsweise
ist Peroxo-Schwefelsäure oder Peroxo-Dischwefelsäure geeignet. Auch oxidierende Halogensäuren
wie beispielsweise Chlorsäure oder Perchlorsäure sind möglich, aus praktischen Gründen
jedoch weniger bevorzugt.
[0017] Alternativ hierzu kann das zweiwertige Eisen durch katalytische Oxidation mit einem
sauerstoffhaltigen Gas, vorzugsweise mit Luft, unter Verwendung eines homogenen oder
heterogenen Oxidationskatalysators zur dreiwertigen Stufe oxidiert werden. Als homogener
Oxidationskatalysator können beispielsweise Kupferionen eingesetzt werden, wie in
der deutschen Patentanmeldung
DE-A-197 55 350 beschrieben. Möchte man die Anwesenheit von Kupferionen in der Beizlösung vermeiden,
kann das zweiwertige Eisen in einem externen Festbettreaktor mit Sauerstoff oder Luft
katalytisch zur dreiwertigen Stufe oxidiert werden. Ein solches Verfahren ist aus
der
EP-A-795 628 bekannt. Schließlich kann das zweiwertige Eisen direkt oder indirekt durch elektrochemische
Oxidation zur dreiwertigen Stufe oxidiert werden. Ein solches Verfahren ist beispielsweise
in der
WO 00/15880 und in der dort zitierten Literatur beschrieben.
[0018] Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß die Konzentration an Fe(II)-lonen in der Beizlösung
vom Betriebszustand der Beizlösung abhängt. Bei einer frisch angesetzten Beizlösung
kann diese Konzentration 0 betragen. Sie steigt im Verlauf des Beizprozesses an, wobei
der Anstieg durch die Oxidation von Fe(II) zu Fe(III) gesteuert wird. Dabei kann die
Konzentration an Fe(II) auf bis zu 70 bis 80 g/l ansteigen. Bei Praxisversuchen mit
dem erfindungsgemäßen Beizverfahren wurden nach einer Woche Betriebsdauer Fe(II)-Konzentrationen
im Bereich zwischen 40 und 60 g/l beobachtet. Übersteigt die Gesamtkonzentration an
zweiwertigen und dreiwertigen Eisenionen einen vorzugebenden Grenzwert, der beispielsweise
im Bereich von 90 bis 110 g/l liegen kann, empfiehlt es sich, einen Teil, beispielsweise
2/3, der Beizlösung abzulassen und durch frische Beizlösung, die keine Fe(II)-lonen
enthält, zu ersetzen. Dabei genügt es, nur die Säuren nachzudosieren, da in der Regel
noch ausreichende Mengen an Fe(III)-lonen in der Lösung verbleiben. Erforderlichenfalls
kann auch ein Teil der verbliebenen Fe(II)-lonen zu Fe(III) oxidiert werden. Hierdurch
sinkt die Konzentration an Fe(II)-lonen wieder ab, beispielsweise auf einen Wert im
Bereich von 20 g/l.
[0019] Im erfindungsgemäßen Verfahren kann es bevorzugt sein, die Beizlösung relativ zur
Substratoberfläche zu bewegen, vorzugsweise durch Umpumpen, Rühren oder Einblasen
von Luft. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die zu beizenden Gegenstände zu Bündeln
zusammengefaßt oder zu Bunden aufgerollt sind. Eine Bewegung der Beizlösung erleichtert
den Austausch der Beizlösung in Engstellen zwischen den zu beizenden Oberflächen und
führt damit zu einem gleichmäßigen Beizergebnis. Dies ist insbesondere dann der Fall,
wenn der martensitische oder ferritische Edelstahl in Form von Draht, Röhren oder
Stäben vorliegt. Für derartige Substrate ist das erfindungsgemäße Verfahren besonders
geeignet.
[0020] Außer den genannten essentiellen Komponenten kann die Beizlösung weitere Hilfsstoffe
oder Additive enthalten. Beispielsweise ist es üblich, im Falle der Oxidation mit
Wasserstoffperoxid dieses in Form einer stabilisierten wäßrigen Lösung zuzugeben.
Auf diese Weise gelangt Stabilisator für H
2O
2 in das Beizbad. Dies ist beispielsweise aus der zitierten
EP-A-582 121 bekannt, wo als Stabilisatoren 8-Hydroxychinolin, Natriumstannat, Phosphorsäure,
Salicylsäure, Pyridincarbonsäure und insbesondere Phenacetin genannt werden. Ein besonders
bevorzugter Stabilisator für H
2O
2 ist eine Mischung aus Phosphorsäure und Glykolether, wie sie beispielsweise in
WO 01/49899 beschrieben ist. Zum Erzielen einer besonders gleichmäßig gebeizten Oberfläche ist
es vorteilhaft, wenn die Beizlösung oberflächenaktive Substanzen, insbesondere solche
vom nichtionischen Typ enthält. Beispiele hierfür sind Fettalkoholethoxylate oder
Fettalkoholethoxylate/propoxylate. Dabei liegt die C-Kettenlänge der Fettalkohole
vorzugsweise im Bereich zwischen 8 und 22, insbesondere zwischen 12 und 18.
[0021] Das erfindungsgemäße Beizverfahren stellt üblicherweise einen Teilschritt in der
gesamten Oberflächenbehandlungsfolge der genannten Gegenstände dar. Diese Behandlungsfolge
umfaßt vor dem Beizen eine Vorbehandlung, die oxidische Beläge aufbricht, und nach
dem Beizschritt eine passivierende Nachbehandlung, um die Oberflächen metallisch-blank
zu halten. Demgemäß umfaßt die vorliegende Erfindung auch eine Verfahrensabfolge zur
Oberflächenbehandlung von martensitischem oder ferritischem Edelstahl, vorzugsweise
von Gegenständen in Form von Draht, Röhren oder Stäben, wobei man den Edelstahl mindestens
a) einer Behandlung unterzieht, die oxidische Beläge aufbricht, vorzugsweise einer
Sand- oder Schrotstrahlung, einer Behandlung mit einer Salzschmelze oder einer Behandlung
mit einer wässrigen Permanganat/Alkalihydroxid-Lösung,
b) mit dem Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6 beizt,
c) mit einer Passivierungslösung nachbehandelt.
[0022] Je nach Substrat können weitere Behandlungsstufen vorgesehen werden, beispielsweise
zwischen den Schritten a) und b) eine Vorbeize mit einer Lösung, die eine oder mehrere
Säuren (HCl, H
2SO
4, HF) enthält.
[0023] Dabei werden vorzugsweise zwischen den einzelnen Behandlungsschritten Spül- und/oder
Neutralisationsschritte vorgesehen, die allerdings unmittelbar nach einer Strahlung
auch entfallen können. Eine Behandlung a), die oxidische Beläge aufbricht, ist im
Stand der Technik vor einer Beizbehandlung üblich. Die genannte Permanganat/Alkalihydroxidlösung
ist vorzugsweise eine Lösung, die 5 bis 20 Gew.-% NaOH und 5 bis 20 Gew.-% Kaliumpermanganat
enthält. Vorzugsweise hat diese Lösung eine Temperatur im Bereich von 95 bis 100 °C.
Setzt man für Schritt a) alkalische Produkte ein, sieht man vor Schritt b) vorzugsweise
eine Neutralisation vor, beispielsweise durch Behandeln des Substrats mit verdünnter
Schwefelsäure. Auch nach Strahlung kann dies sinnvoll sein.
[0024] Die Passivierungslösung für den Teilschritt c) muß ein Redox-Potential aufweisen,
das (unter gleichen Meßbedingungen) oberhalb dem im Schritt b) eingestellten Potential
liegt, beispielsweise im Bereich von etwa 600 bis etwa 800 mV. Hierfür ist beispielsweise
eine Salpetersäure-haltige Lösung geeignet, jedoch aus Gründen des Umweltschutzes
weniger bevorzugt. Alternativ hierzu kann eine Passivierungslösung verwendet werden,
die Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid enthält. In diesem Falle enthält die Passivierungslösung
vorzugsweise zusätzlich einen Stabilisator für H
2O
2, beispielsweise gemäß
WO 01/49899 eine Mischung von Phosphorsäure und Glykolether. In beiden Fällen können die Passivierungslösungen
zusätzlich geringe Gehalte von HF, beispielsweise im Bereich von 5 g/l, aufweisen.
Im Passivierungsschritt c) werden gleichzeitig dunkle Beläge auf der Substratoberfläche
entfernt, die sich im Beizschritt b) bilden können.
[0025] Dabei kann es für ein gleichmäßiges Beizergebnis vorteilhaft sein, die Schritte a)
und b) einmal oder mehrmals zu wiederholen. Beispielsweise kann eine erfindungsgemäße
Verfahrensfolge folgendermaßen aussehen:
- 1. Vorbehandeln mit einer wäßrigen Lösung, die jeweils 10 Gew.% NaOH und KMnO4 enthält und eine Temperatur von 95 °C aufweist, für eine Behandlungsdauer von 20
Minuten.
- 2. Wasserspülung oder vorzugsweise Neutralisationsspülung mit verdünnter Schwefelsäure.
- 3. Erfindungsgemäße Beizbehandlung mit einem der beiden Beizbäder gemäß nachstehender
Tabelle, Temperatur 28 °C, 10 Minuten.
- 4. Wasserspülung, vorzugsweise als Hochdruck-Spritzspülung.
- 5. Erneute Vorbehandlung wie unter 1.
- 6. Wasserspülung.
- 7. Erneute Beizbehandlung wie unter 3.
- 8. Wasserspülung wie unter 4.
- 9. Passivierungsbehandlung in Salpetersäure oder in einer Passivierungs-/Glänzlösung
gemäß WO 01/49899, die Schwefelsäure, H2O2 und eine Stabilisierungsmischung aus Phosphorsäure und Glykolether (z.B. Ethylenglykol-
oder Diethylenglykol-mono-n-butylether) enthält.
- 10. Wasserspülung, vorzugsweise als Spritzspülung.
- 11. Gegebenenfalls Neutralisationsbehandlung, beispielsweise mit Kalk.
[0026] Alternativ hierzu können geeignete Substrate zunächst im Teilschritt a) gestrahlt
werden: Danach erfolgt im Teilschritt b) die Beizbehandlung bei 28 °C für eine Zeitdauer
im Bereich von 5 bis 10 Minuten, gefolgt von einer Wasserspülung und dem Passivierungsschritt
c) wie vorstehend unter 9.
[0027] In einem erfolgreichen Praxisversuch wurden 2 Beizlösungen verwendet, die nach einer
Betriebsdauer von einer Woche eine Zusammensetzung gemäß nachstehender Tabelle aufwiesen.
Dabei wurde das Redox-Potential bzw. die Konzentration an Fe(III) durch Zugabe von
H
2O
2 eingestellt. Bei den Säurekonzentrationen handelt es sich um die freien Säuren.
Tabelle: Erfindungsgemäße Beizlösungen (Konzentrationsangaben in g/l)
| |
Lösung 1 |
Lösung 2 |
| H2SO4 |
60,7 |
68,5 |
| HF |
33,0 |
33,4 |
| Fe2+ |
55,0 |
44,4 |
| Fe3+ |
10,1 |
13,5 |
| E,mV (Ag/AgCl/Pt; T = 25°C) |
199 |
229 |
| Beiztemperatur |
28 °C |
28 °C |
1. Verfahren zum Beizen von martensitischem oder ferritischem Edelstahl, wobei man den
Edelstahl mit einer Beizlösung in Kontakt bringt, die Fe(III)-lonen, Schwefelsäure
und HF enthält,
dadurch gekennzeichnet, daß die Beizlösung
eine Temperatur im Bereich von 15 bis 29 °C aufweist und
50 bis 120 g/l freie Schwefelsäure,
5 bis 40 g/l freies HF und
5 bis 40 g/l Fe(III)-lonen enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Beizlösung 55 bis 75 g/l freie Schwefelsäure enthält.
3. Verfahren nach einem oder beiden der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Beizlösung in eingearbeitetem Zustand 10 bis 25 g/l Fe(III)-lonen enthält.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Beizlösung in eingearbeitetem Zustand ein Redox-Potential, gemessen bei 25 °C
mit einer Platinelektrode relativ zu einer Ag/AgCl-Referenzelektrode, von 100 bis
240 mV
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß das Redox-Potential
dadurch eingestellt wird, daß man eine oder mehrere der folgenden Aktionen vornimmt:
a) Zugabe eines Reagenzes zu der Beizlösung, das in der Beizlösung Fe(II)-lonen zu
Fe(III)-lonen zu oxidieren vermag, vorzugsweise Wasserstoffperoxid oder eine Wasserstoffperoxid
abspaltende Substanz,
b) Katalytische Oxidation mit einem stauerstoffhaltigen Gas unter Verwendung eines
homogenen oder heterogenen Oxidationskatalysators,
c) Elektrochemische Oxidation.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man die Beizlösung bewegt, vorzugsweise durch Umpumpen, Rühren oder Einblasen von
Luft.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der martensitische oder ferritische Edelstahl in Form von Draht, Röhren oder Stäben
vorliegt.
8. Verfahrensabfolge zur Oberflächenbehandlung von martensitischem oder feritischem Edelstahl,
wobei man den Edelstahl
a) einer Behandlung unterzieht, die oxidische Beläge aufbricht,
b) mit dem Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6 beizt,
c) mit einer Passivierungslösung nachbehandelt.
9. Verfahrensabfolge nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß man die Schritte a) und b) einmal oder mehrmals wiederholt.
1. A method for pickling martensitic or ferritic high-grade steel, the high-grade steel
being brought into contact with a pickling solution which contains Fe(III) ions, sulfuric
acid and HF, characterized in that the pickling solution has a temperature in the range from 15 to 29°C and contains
50 to 120 g/l of free sulfuric acid,
5 to 40 g/l of free HF and
5 to 40 g/l of Fe(III) ions.
2. The method according to claim 1, characterized in that the pickling solution contains 55 to 75 g/l of free sulfuric acid.
3. The method according to one or both of claims 1 and 2, characterized in that the pickling solution contains 10 to 25 g/l of Fe(III) ions in the worked-in state.
4. The method according to one or more of claims 1 to 3, characterized in that the pickling solution in the worked-in state has a redox potential from 100 to 240
mV, measured at 25°C with a platinum electrode relatively to a Ag/AgCl reference electrode.
5. The method according to one or more of claims 1 to 4,
characterized in that the redox potential is adjusted by proceeding with one or more of the following actions:
a) addition of a reagent to the pickling solution, which is capable of oxidizing Fe(II)
ions into Fe(III) ions in the pickling solution, preferably hydrogen peroxide or a
substance splitting off hydrogen peroxide,
b) catalytic oxidation with an oxygen-containing gas with the use of a homogeneous
or heterogeneous oxidation catalyst,
c) electrochemical oxidation.
6. The method according to one or more of claims 1 to 5, characterized in that the pickling solution is set into motion, preferably by pumping, stirring or blowing
air.
7. The method according to one or more of claims 1 to 6, characterized in that the martensitic or ferritic high-grade steel is present in the form of wire, tubes
or bars.
8. A procedural sequence for surface treatment of martensitic or ferritic high-grade
steel, wherein the high-grade steel
a) is subject to a treatment which breaks open the oxide coatings,
b) is etched with the method according to one or more of claims 1 to 6,
c) is post-treated with a passivation solution.
9. The procedural sequence according to claim 8, characterized in that the steps a) and b) are repeated once or several times.
1. Procédé pour le décapage d'acier inoxydable martensitique ou ferritique, dans lequel
on amène l'acier inoxydable en contact avec une solution de décapage qui contient
des ions de fer(III), de l'acide sulfurique et du HF, caractérisé en ce que la solution de décapage
présente une température dans la plage de 15 à 29°C ; et
contient de l'acide sulfurique libre à concurrence de 50 à 120 g/l du HF libre à concurrence
de 5 à 40 g/l ; et
des ions de fer(III) à concurrence de 5 à 40 g/l.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la solution de décapage contient de l'acide sulfurique libre à concurrence de 55
à 75 g/l.
3. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 et 2 ou les deux, caractérisé en ce que la solution de décapage contient, à l'état incorporé, des ions de fer(III) à concurrence
de 10 à 25 g/l.
4. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la solution de décapage présente, à l'état incorporé, un potentiel redox, mesuré
à 25 °C avec une électrode en platine par rapport à une électrode de référence en
Ag/AgCl, de 100 à 240 mV.
5. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 4,
caractérisé en ce qu'on règle le potentiel redox en entreprenant une ou plusieurs des actions suivantes
:
a) l'addition d'un réactif à la solution de décapage qui permet l'oxydation, dans
la solution de décapage, des ions de fer(II) en ions de fer(III), de préférence du
peroxyde d'hydrogène ou une substance qui libère du peroxyde d'hydrogène ;
b) une oxydation catalytique avec un gaz oxygéné en utilisant un catalyseur d'oxydation
homogène ou hétérogène ;
c) une oxydation électrochimique.
6. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 5, caractérisé en ce qu'on imprime un mouvement à la solution de décapage, de préférence par brassage à la
pompe, par agitation ou par insufflation d'air.
7. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que l'acier inoxydable martensitique ou ferritique est présent sous la forme d'un fil
métallique, de tubes ou de barres.
8. Étapes opératoires successives pour le traitement superficiel d'acier inoxydable martensitique
ou ferritique, dans lesquelles
a) on soumet l'acier inoxydable à un traitement qui donne lieu à une rupture des revêtements
oxydés ;
b) on décape avec le procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 6 ;
c) on traite ultérieurement avec une solution de passivation.
9. Étapes opératoires successives selon la revendication 8, caractérisées en ce qu'on répète les étapes a) et b) une ou plusieurs fois.