Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum abrasiven Rundbearbeiten eines Werkstücks
und eine Vorrichtung zur Durchführung des abrasiven Rundbearbeitungsverfahrens gemäss
den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche.
Stand der Technik
[0002] Für zahlreiche Anwendungen werden Werkstücke benötigt, die wenigstens teilweise rotationssymmetrisch
ausgebildet sind und eine die Symmetrieachse definierende Werkstückachse haben sowie
zwei benachbarte Flächen, die bezüglich der Werkstückachse rotationssymmetrisch ausgebildet
sind und zwischen denen eine kreisförmige Übergangskante gebildet ist. Solche Werkstücke
werden z.B. als Ventil- oder Düsennadeln verwendet, wobei typischerweise eine der
beiden Flächen einen Dichtsitz und die andere der beiden Flächen eine Führungsfläche
der Ventil- oder Düsennadel bildet. Damit solche Ventil- oder Düsennadeln auch für
Hochdruckanwendungen wie z.B. Kraftstoff-Einspritzsysteme für moderne Benzin- oder
Dieselmotoren verwendbar sind, wo teilweise Drücke von weit über 1000 bar beherrscht
werden müssen, sind hohe Anforderungen hinsichtlich der Einhaltung von Fertigungstoleranzen
zu erfüllen. Insbesondere muss die Übergangskante zwischen der Sitz- und der Führungsfläche
möglichst scharfkantig und gratfrei ausgebildet sein.
[0003] Für die Bearbeitung von Werkstücken der oben genannten Art werden spanbildende Verfahren
mit geometrisch unbestimmten Schneiden (auch als abrasive Bearbeitungsverfahren bezeichnet)
angewendet, insbesondere Schleifen und Honen. Ein Verfahren zum abrasiven Rundbearbeiten
kann somit z.B. ein Rundschleifverfahren oder ein Rundhonverfahren sein. Entsprechend
sind sowohl eine Rundschleifmaschine als auch eine Rundhonmaschine als Vorrichtung
zur Durchführung eines abrasiven Rundbearbeitungsverfahrens anzusehen.
[0004] Aus der Druckschrift WO 01 /60565 (Robert Bosch GmbH) sind ein Schleifverfahren und
eine Schleifmaschine bekannt, welche die Herstellung einer Ventilnadel für ein KraftstoffEinspritzventil
mittels Rundschleifen ermöglichen. Die Schleifmaschine ist mit einer Schleifscheibe
und einem in Bezug auf das Werkstück gegenüber der Schleifscheibe angeordneten Entgratdorn
versehen. Wenn die Schleifscheibe eine Schleiffläche des Werkstücks schleift, entsteht
ein Grat, der über die zwischen dieser Schleiffläche und einer benachbarten Fläche
gebildete Übergangskante hinaus in den Bereich der benachbarten Fläche vorsteht. Der
Entgratdorn ist derart angeordnet und ausgebildet, dass der Grat aufgrund der Drehung
des um seine Achse rotierenden Werkstücks vom Entgratdorn auf die Schleiffläche zurück
gedrückt und beim nächsten Kontakt mit der Schleifscheibe abgeschliffen wird.
[0005] Es hat sich herausgestellt, dass das Schleifverfahren und die Schleifmaschine gemäss
der Druckschrift WO 0 1 /60565 nachteilig ist für die Massenanfertigung von grossen
Werkstückserien. Es kommt nämlich immer wieder vor, dass die Gratbildung durch den
Entgratdorn nicht zuverlässig verhindert wird. Deshalb ist eine aufwändige Nachkontrolle
der Werkstücke nötig, um die gewünschte Fertigungsqualität gewährleisten zu können.
Darstellung der Erfindung
[0006] Aufgabe der Erfindung ist die Angabe eines Verfahrens und einer Vorrichtung zum abrasiven
Rundbearbeiten, welche eine zuverlässige und präzise Bearbeitung von Werkstücken mit
einer scharfen und gratfreien Übergangskante zwischen zwei rotationssymmetrischen
Flächen auch in der grossseriellen Fertigung ermöglichen.
[0007] Die Lösung der Aufgabe ist durch die Merkmale der unabhängigen Patentansprüche definiert.
Gemäss der Erfindung wird zur Bearbeitung eines Werkstücks, das eine Werkstückachse
hat, ein abrasives Rundbearbeitungsverfahren durchgeführt. Während der Durchführung
des Rundbearbeitungsverfahrens dreht sich das Werkstück um die Werkstückachse, während
gleichzeitig ein erstes Abrasivwerkzeug (insbesondere ein Schleifwerkzeug oder ein
Honwerkzeug), das sich um eine erste Werkzeugachse dreht, und das Werkstück gegeneinander
zugestellt werden, um in einem ersten Abrasivvorgang (insbesondere einem Schleif-
oder Honvorgang) eine erste Werkstückfläche zu bearbeiten. Das erfindungsgemässe Bearbeitungsverfahren
zeichnet sich dadurch aus, dass ein zweites Abrasivwerkzeug (insbesondere ein Schleifwerkzeug
oder ein Honwerkzeug), das sich um eine zweite Werkzeugachse dreht, gegen das Werkstück
zugestellt wird, um in einem zweiten Abrasivvorgang eine zweite Werkstückfläche zu
bearbeiten. Die beiden Werkstückflächen sind bezüglich der Werkstückachse rotationssymmetrisch
ausgebildet und zueinander derart benachbart angeordnet, dass zwischen ihnen eine
scharfe, gratfreie, kreisförmige Übergangskante gebildet ist. Dabei werden die beiden
Abrasivvorgänge derart gesteuert, dass sie zeitgleich beendet werden.
[0008] Mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies, dass die beiden Abrasivvorgänge wenigstens
gegen ihr Ende hin simultan durchgeführt und gleichzeitig beendet werden, während
das Werkstück um die Werkstückachse rotiert.
[0009] Während der simultanen Durchführung der beiden Abrasivvorgänge wird ein allfällig
durch das erste Abrasivwerkzeug beim abrasiven Bearbeiten der ersten Werkstückfläche
gebildeter Grat, der über die Übergangskante hinaus in den Bereich der zweiten Werkstückfläche
und somit in den vom zweiten Abrasivwerkzeug bearbeiteten Bereich vorsteht, zufolge
der Rotation des Werkstücks um die Werkstückachse herum innerhalb von weniger als
einer vollen Umdrehung des Werkstücks beim nächsten Kontakt mit dem zweiten Abrasivwerkzeug
abgeschliffen. Auf gleiche Art wird ein allfällig durch das zweite Abrasivwerkzeug
beim abrasiven Bearbeiten der zweiten Werkstückfläche gebildeter Grat, der über die
Übergangskante hinaus in den Bereich der ersten Werkstückfläche und somit in den vom
ersten Abrasivwerkzeug bearbeiteten Bereich vorsteht, innerhalb von weniger als einer
vollen Umdrehung des Werkstücks beim nächsten Kontakt mit dem ersten Abrasivwerkzeug
abgeschliffen. Beim simultanen abrasiven Bearbeiten der beiden Werkstückflächen wird
somit jegliche Gratbildung an der Übergangskante zum vornherein wirksam verhindert.
[0010] Weiter werden beim simultanen abrasiven Bearbeiten der beiden Werkstückflächen auch
allfällige Grate an der Übergangskante abgeschliffen, die zuvor während einem nichtsimultanen
abrasiven Bearbeiten der Werkstückflächen gebildet worden sind. Für die gratfreie
Ausbildung der Übergangskante nach dem Abschluss des erfindungsgemässen Verfahrens
ist es deshalb unerheblich, ob vor dem Abschluss während einer gewissen Zeit einer
der beiden Abrasivvorgänge alleine durchgeführt und dabei ein Grat an der Übergangskante
gebildet wird. Durch die simultane Ausführung der beiden Abrasivvorgänge kurz vor
dem Abschluss und das zeitgleiche Beenden der beiden Abrasivvorgänge beim Abschluss
des erfindungsgemässen Bearbeitungsverfahrens werden auch allfällige Grate, die zuvor
im Bereich der Übergangskante gebildet wurden, weggeschliffen.
[0011] Indem die beiden Abrasivvorgänge wenigstens am Ende des erfindungsgemässen Bearbeitungsverfahrens
simultan ausgeführt und gleichzeitig beendet werden, bleibt keinerlei Grat an der
Übergangskante übrig. Gleichzeitigkeit bedeutet im vorliegenden Zusammenhang, dass
eine allfällige Zeitdifferenz zwischen dem Ende des ersten und des zweiten Abrasivvorgangs
zu kurz für eine Gratbildung ist, selbst wenn während einer dieser Zeitdifferenz entsprechenden
Periode lediglich eines der beiden Abrasivwerkzeuge in (schleifendem) Kontakt mit
dem Werkstück ist. Im Falle des Schleifens von aus Hartmetall gefertigten Werkstücken
mittels Schleifscheiben, die zum Schleifen von Hartmetall geeignet sind und mit gebräuchlichen
Schleifgeschwindigkeiten in der Grössenordnung zwischen ungefähr 20 und 60 m/sec bezüglich
dem Werkstück bewegt werden, bedeutet Gleichzeitigkeit im oben erwähnten Sinne, dass
die Zeitdifferenz zwischen dem Ende der beiden Schleifvorgänge kleiner als ungefähr
0.5 Sekunden, vorzugsweise kleiner als ungefähr 0.3 Sekunden, insbesondere sogar kleiner
als ungefähr 0.2 Sekunden ist.
[0012] Für die Durchführung des ersten Abrasivvorgangs gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren
ist es möglich, dass das Werkstück um eine während dem ersten Abrasivvorgang stationäre
Werkstückachse gedreht wird und das erste Abrasivwerkzeug gegen das Werkstück zugestellt
wird. Solche Abrasivvorgänge werden typischerweise auf Rundschleifmaschinen ausgeführt,
bei denen ein längliches Werkstück zwischen einer auf einem während dem ersten Abrasivvorgang
stationären Spindelstock gelagerten Werkstückspindel und einer an einem während dem
ersten Schleifvorgang stationären Reitstock angeordneten Pinole aufgenommen ist. Als
Alternative dazu ist es aber auch möglich, dass das sich um die Werkstückachse drehende
Werkstück gegen ein um eine während dem ersten Schleifvorgang stationäre erste Werkzeugachse
rotierendes erstes Abrasivwerkzeug zugestellt wird. Solche Abrasivvorgänge werden
in der Regel von Rundschleifmaschinen ausgeführt, die zum spitzenlosen Rundschleifen
(d.h. zum Rundschleifen ohne Pinole) ausgebildet sind. Grundsätzlich ist es zudem
auch möglich, dass während der Durchführung des ersten Abrasovvorgangs sowohl das
erste Abrasivwerkzeug als auch die Wekrstückachse (bzw. eine die Werkstückachse definierende
Wekrstückspindel) gleichzeitig verfahren werden.
[0013] Im Vergleich zu dem in WO 01 /60565 beschriebenen Schleifverfahren weist das erfindungsgemässe
Bearbeitungsverfahren weiter den Vorteil auf, dass die beiden benachbarten Werkstückflächen,
zwischen denen die Übergangskante gebildet ist, wenigstens teilweise simultan (d.h.
gleichzeitig) bearbeitet werden, wodurch die Bearbeitungszeit zur Herstellung des
Werkstücks beträchtlich verkürzt wird. Dies ist insbesondere für die grossserielle
Fertigung von Werkstücken ein erheblicher Vorteil.
[0014] Im Zuge des erfindungsgemässen Verfahrens ist es möglich, dass beide Abrasiworgänge
lediglich zeitgesteuert durchgeführt werden. D.h., beide Abrasivvorgänge werden jeweils
während zum vornherein festgelegten Zeitspannen durchgeführt, so dass für die beiden
Flächen je ein der jeweiligen Zeitspanne entsprechender Abtrag spanend abgetragen
wird. In diesem Fall können für die Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens
die Startzeiten für die beiden Abrasivvorgänge um die Zeitdifferenz zwischen den für
die beiden Abrasiworgänge benötigten Zeitspannen versetzt festgelegt werden. Die beiden
Abrasivvorgänge werden dann zu den um diese Zeitdifferenz versetzten Startzeiten gestartet,
so dass nach der Vollendung der beiden Abrasivvorgänge diese zeitgleich beendet werden.
[0015] Gemäss einer bevorzugten Ausführungsart der Erfindung wird jedoch wenigstens einer
der beiden Abrasivvorgänge messgesteuert durchgeführt. Im vorliegenden Zusammenhang
wird unter der messgesteuerten Durchführung eines Abrasiworgangs verstanden, dass
die in einem Abrasivvorgang bearbeitete Werkstückfläche während der Durchführung des
Abrasivvorgangs gemessen wird und der Abrasivvorgang beendet wird, sobald ein gewünschtes
Sollmass erreicht ist. Für die Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens gemäss
dieser Ausführungsart der Erfindung wird zunächst nach einer ersten Messung der Werkstückfläche
aufgrund des Messresultats ein erster Schätzwert der für die Vollendung des messgesteuerten
Abrasivvorgangs erforderlichen Zeitspanne bestimmt. Dieser Schätzwert wird anschliessend
mit einem Zeitwert der für die Vollendung des anderen Abrasivvorgangs erforderlichen
Zeitspanne verglichen, wobei die Zeitdifferenz zwischen dem Schätzwert für die Vollendung
des messgesteuerten Abrasivvorgangs und dem Zeitwert für die Vollendung des anderen
Abrasivvorgangs bestimmt wird. Handelt es sich beim anderen Abrasivvorgang um einen
zeitgesteuerten Vorgang, so kann der Zeitwert aufgrund der bereits für diesen Abrasivvorgang
aufgewendeten Zeit bestimmt werden. Handelt es sich dagegen beim anderen Abrasivvorgang
ebenfalls um einen messgesteuerten Vorgang, so kann der Zeitwert analog zum Schätzwert
für den ersten messgesteuerten Vorgang abgeschätzt werden. Anschliessend wird derjenige
Abrasivvorgang, für den eine kürzere Zeit bis zur Vollendung des Vorgangs bestimmt
worden ist, entsprechend der Zeitdifferenz verzögert. Die Bestimmung der Zeitdifferenz
und die anschliessende Verzögerung des einen Abrasivvorgangs kann mehrmals während
der Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens vorgenommen werden, um die zeitliche
Präzision für das zeitgleiche Beenden der beiden Abrasivvorgänge zu erhöhen.
[0016] Für die Durchführung der erfindungsgemässen Verfahrens ist eine der beiden bearbeiteten
Werkstückflächen konisch ausgebildet, während die andere bearbeitete Werkstückfläche
entweder konisch oder zylindrisch ausgebildet sein kann.
[0017] Das erfindungsgemässe Verfahren ist besonders gut für das Aussenrundschleifen geeignet,
d.h. zum Rundschleifen eines Werkstücks, dessen eine zu bearbeitende Werkstückfläche
aussenkonisch und dessen andere zu bearbeitende Werkstückfläche entweder ebenfalls
aussenkonisch oder zylindrisch ausgebildet ist. Für das Aussenrundschleifen werden
typischerweise Schleifscheiben eingesetzt, deren Durchmesser wesentlich grösser sind
als der Durchmesser des Werkstücks in dem zu schleifenden Bereich. In diesem Fall
ist der Vorteil besonders gross, da die Gratbildung bei der Verwendung von vergleichsweise
grossen Schleifscheiben ein erhebliches Problem ist.
[0018] Grundsätzlich ist das erfindungsgemässe Verfahren aber auch für ein kombiniertes
Aussen- und Innenrundschleifen (d.h. für ein Schleifen einer innenkonischen Werkstückfläche
und einer zu dieser benachbarten weiteren Werkstückfläche, die entweder aussenkonisch
oder zylindrisch ausgebildet ist) oder sogar für das Innenrundschleifen von zwei benachbarten
innenkonischen Werkstückflächen anwendbar. In diesen Fällen werden zum Schleifen der
innenkonischen Werkstückflächen jeweils Schleifscheiben mit einem vergleichsweise
kleinen Durchmesser eingesetzt.
[0019] Eine zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens zum abrasiven Rundbearbeiten
eines Werkstücks ausgebildete Abrasivvorrichtung kann insbesondere eine Schleifmaschine
oder Honmaschine sein, die eine um eine Werkstückspindelachse rotierende Werkstückspindel
umfasst, welche mit einem zur Aufnahme des Werkstücks ausgebildeten Werkstückhalter
versehen ist. Die Abrasivvorichtung umfasst weiter ein um eine erste Werkzeugachse
rotierendes erstes Abrasivwerkzeug und eine erste Zustelleinrichtung, um das erste
Abrasivwerkzeug und das Werkstück gegeneinander zuzustellen. Die erste Zustelleinrichtung
ist derart ausgebildet, dass mittels der ersten Zustelleinrichtung entweder das erste
Abrasivwerkzeug gegen das Werkstück oder das Werkstück mitsamt der Werkstückspindel
gegen das erste Abrasivwerkzeug zustellbar ist. Es können aber auch gleichzeitig sowohl
das erste Abrasivwerkzeug als auch das Werkstück mitsamt der Werkstückspindel bezüglich
einer stationären Basis verfahbar sein, um das erste Abrasivwerkzeug und das Werkstück
gegeneinander zuzustellen. Die erfindungsgemässe Abrasivvorichtung umfasst weiter
ein um eine zweite Werkzeugachse rotierendes zweites Abrasivwerkzeug, eine zweite
Zustelleinrichtung, die zum Zustellen des zweiten Abrasivwerkzeugs gegen das Werkstück
ausgebildet ist, sowie eine Steuerungseinrichtung zur Steuerung der Abrasivvorrichtung.
Die Steuerungseinrichtung ist zur Steuerung der ersten Zustelleinrichtung derart ausgebildet,
dass mittels der ersten Zustelleinrichtung das erste Abrasivwerkzeug und das Werkstück
gegeneinander zugestellt werden, um in einem ersten Abrasivvorgang eine erste Werkstückfläche
zu bearbeiten. Die Steuerungseinrichtung ist weiter zur Steuerung der zweiten Zustelleinrichtung
derart ausgebildet, dass das zweite Abrasivwerkzeug mittels der zweiten Zustelleinrichtung
gegen das Werkstück zugestellt wird, um in einem zweiten Abrasivvorgang eine zweite
Werkstückfläche zu bearbeiten, wobei die beiden Werkstückflächen bezüglich der Werkstückspindelachse
rotationssymmetrisch ausgebildet und zueinander derart benachbart angeordnet sind,
dass zwischen ihnen eine kreisförmige Übergangskante gebildet ist. Darüber hinaus
ist die Steuerungseinrichtung zum Steuern der beiden Zustelleinrichtungen derart ausgebildet
ist, dass die beiden Abrasivvorgänge zeitgleich beendet werden.
[0020] Die erste Zustelleinrichtung kann einen ersten Schlitten umfassen, mittels weichem
entweder das Werkstück mitsamt der Werkstückspindel oder das erste Abrasivwerkzeug
entlang einer ersten geraden Linearführung schräg oder rechtwinklig zur Werkstückspindelachse
verfahrbar ist, um das erste Abrasivwerkzeug und das Werkstück gegeneinander zuzustellen.
Im Falle einer rechtwinkligen Zustellung des ersten Abrasivwerkzeugs gegen das Werkstück
wird dies als Geradeeinstich bezeichnet, im Falle einer von einem rechten Winkel abweichenden
Zustellung als Schrägeinstich.
[0021] Als Alternative zu einem entlang einer ersten Linearführung verfahrbaren ersten Schlitten
kann die erste Zustelleinrichtung auch andere geeignete Zustellmittel umfassen, z.B.
eine um eine Schwenkachse schwenkbare Plattform.
[0022] Zudem kann eine weitere translatorische Bewegungsachse zwischen dem ersten Abrasivwerkzeug
und der Wekrstückspindel vorgesehen sein, um zwischen dem Werkstück und dem ersten
Abrasivwerkzeug eine ebene Relativbewegung mit zwei translatorischen Freiheitsgraden
zu ermöglichen.
[0023] Gemäss einer bevorzugten Variante der Erfindung umfasst die zweite Zustelleinrichtung
einen zweiten Schlitten, mittels welchem das zweite Abrasivwerkzeug entlang einer
zweiten geraden Linearführung schräg oder rechtwinklig zur Werkstückspindelachse verfahrbar
ist, wobei die zweite Linearführung derart angeordnet ist, dass das zweite Abrasivwerkzeug
von einer in Bezug auf das Werkstück dem ersten Abrasivwerkzeug gegenüberliegenden
Seite her gegen das Werkstück zustellbar ist. Wie bereits die erste Zustelleinrichtung
kann auch die zweite Zustelleinrichtung nach Art eines Schrägeinstichs oder nach Art
eines Geradeeinstichs angeordnet sein.
[0024] Dabei umfasst die zweite Linearführung wenigstens zwei den zweiten Schlitten führende
und die Verfahrrichtung des zweiten Schlittens definierende längliche Führungselemente,
die zwei zueinander parallele geometrische Achsen definieren. Die Führungselemente
können z.B. Schienen oder Führungsstangen sein. Die Führungselemente sind derart angeordnet,
dass die (geometrische) Werkstückspindelachse zwischen den durch die Führungselementen
definierten Achsen hindurch führt. Die Anordnung der Führungselemente derart, dass
die durch diese definierten Achsen beidseits der Werkstückspindelachse vorbei verlaufen,
gewährleistet eine hohe Steifigkeit der Abrasivvorichtung für die Werkstückbearbeitung
mittels des zweiten Abrasivwerkzeugs und dadurch eine hohe Präzision bei der Bearbeitung.
[0025] Vorzugsweise sind die Führungselemente der zweiten Zustelleinrichtung sogar derart
angeordnet, dass die Werkstückspindelachse sogar zwischen den Führungselementen selbst
hindurch führt, nicht bloss zwischen deren Verlängerungen hindurch. Dadurch wird eine
besonders hohe Steifigkeit der Abrasivvorrichtung erreicht.
[0026] Anstelle eines entlang einer zweiten Linearführung verfahrbaren zweiten Schlittens
kann die zweite Zustelleinrichtung wiederum andere geeignete Zustellmittel umfassen,
z.B. eine um eine Schwenkachse schwenkbare Plattform.
[0027] Das zweite Abrasivwerkzeug kann insbesondere eine Schleifscheibe sein. Im Falle der
oben erwähnten Erfindungsvariante mit einem entlang einer zweiten Linearführung verfahrbaren
zweiten Schlitten umfasst die Abrasivvorrichtung dann vorzugsweise weiter ein Abrichtwerkzeug
zum Abrichten der Schleifscheibe. Das Abrichtwerkzeug kann auf der der Werkstückspindelachse
gegenüberliegenden Seite der Schleifscheibe derart angeordnet sein, dass die Schleifscheibe
mittels dem zweiten Schlitten wahlweise entweder gegen das Werkstück oder gegen das
Abrichtwerkzeug verfahrbar ist. Dadurch wird eine kompakte und platzsparende Struktur
der Abrasivvorichtung erreicht.
[0028] Vorzugsweise umfasst die zweite Zustelleinrichtung einen dritten Schlitten, mittels
welchem das zweite Abrasivwerkzeug entlang einer dritten geraden Linearführung parallel
zur Werkstückspindelachse verfahrbar ist. Dabei umfasst die dritte Linearführung wenigstens
drei den dritten Schlitten führende und die Verfahrrichtung des dritten Schlittens
definierende längliche Führungselemente, die je eine zueinander parallele geometrische
Achse definieren. Die Führungselemente können z.B. Schienen oder Führungsstangen sein.
[0029] Die Führungselemente sind derart angeordnet, dass die Werkstückspindelachse innerhalb
eines Raumes liegt, der von einer gedachten Enveloppe (d.h. einer Enveloppe im geometrischen
Sinn) um die wenigstens drei unendlich langen Achsen der dritten Linearführung begrenzt
wird. Mit anderen Worten ausgedrückt sind die Führungselemente der dritten Linearführung
derart angeordnet, dass die Werkstückspindelachse ein Vieleck durchdringt, das in
einer zur Werkstückspindelachse normalen Ebene liegt und dessen Ecken durch die den
Führungselementen zugeordneten Achsen der dritten Linearführung definiert sind. Diese
Anordnung der Führungselemente gewährleistet wiederum eine hohe Steifigkeit der Abrasivvorichtung
für die Werkstückbearbeitung mittels des zweiten Abrasivwerkzeugs und somit eine hohe
Bearbeitungsgenauigkeit.
[0030] Falls die zweite Zustelleinrichtung sowohl einen entlang der zweiten Linearführung
schräg oder rechtwinklig zur Werkstückspindelachse verfahrbaren zweiten Schlitten
als auch einen entlang der dritten Linearführung parallel zur Werkstückspindelachse
verfahrbaren dritten Schlitten umfasst, ist vorzugsweise der zweite Schlitten mittels
der zweiten Linearführung am dritten Schlitten verfahrbar angeordnet, so dass der
zweite Schlitten im Sinne einer seriellen Kinematik dem dritten Schlitten nachgeordnet
ist. Dadurch wird eine vergleichsweise einfache und steife Konstruktion der zweiten
Zustelleinrichtung erhalten. Grundsätzlich ist jedoch für bestimmte Anwendungen auch
die umgekehrte seriellkinematische Anordnung möglich, d.h. die Anordnung der Schlitten
derart, dass der dritte Schlitten mittels der dritten Linearführung am zweiten Schlitten
verfahrbar angeordnet ist.
[0031] Die Abrasivvorrichtung kann weiter einen Reitstock umfassen, der mit einer Pinole
zum Stabilisieren eines Längsendes des Werkstücks während der Werkstückbearbeitung
versehen ist. In diesem Fall ist vorzugsweise die zweite Zustelleinrichtung am Reitstock
angeordnet ist. Dadurch wird eine besonders einfache und steife Konstruktion der Abrasivvorrichtung
erreicht.
[0032] Im Falle einer mit einem Reitstock und einer Pinole versehenen Abrasivvorrichtung,
deren zweite Zustelleinrichtung weiter einen dritten Schlitten umfasst, welcher parallel
zur Werkstückspindelachse entlang einer dritten Linearführung verfahrbar ist, ist
die dritte Linearführung vorteilhafterweise am Reitstock angeordnet. Der dritte Schlitten
ist dann bezüglich dem Reitstock entlang der dritten Linearführung verfahrbar. Weiter
ist vorteilhafterweise die Pinole in durch einen im dritten Schlitten ausgebildeten
Durchgang hindurch führender Anordnung mit dem Reitstock derart verbunden, dass der
dritte Schlitten unabhängig von der Pinole entlang der Pinole verfahrbar ist. Die
Pinole kann ihrerseits mit einer Verstellvorrichtung versehen sein, welche zum Verstellen
bzw. Verfahren der Pinole bezüglich dem Reitstock parallel zur Werkstückspindelachse
ausgebildet ist. Der dritte Schlitten und die Pinole sind dann unabhängig voneinander
parallel zur Werkstückspindelachse bezüglich dem Reitstock verfahrbar.
[0033] Aus der nachfolgenden Detailbeschreibung und der Gesamtheit der Patentansprüche ergeben
sich weitere vorteilhafte Ausführungsformen und Merkmalskombinationen der Erfindung.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0034] Die zur Erläuterung des Ausführungsbeispiels verwendeten Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- in einer vereinfachten Teilansicht von oben eine Abrasivvorichtung gemäss einer ersten
bevorzugten Ausführungsart der Erfindung, in einer ersten Arbeitsstellung;
- Fig. 2
- in einer der Fig. 1 entsprechenden Darstellung die Abrasivvorrichtung aus Fig. 1 in
einer zweiten Arbeitsstellung;
- Fig. 3
- die Abrasivvorrichtung aus Fig. 1 in einer vereinfachten perspektivischen Teilansicht.
[0035] Grundsätzlich sind in den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0036] In den Figuren 1-3 ist eine Aussenrundschleifmaschine 10 dargestellt, die ein stabiles
stationäres Maschinenbett (nicht dargestellt) aufweist. Auf dem Maschinenbett ist
eine gerade Linearführung (nicht dargestellt) angeordnet, die nachfolgend als vierte
Linearführung bezeichnet wird. Ein Schlitten (nicht dargestellt), nachfolgend als
vierter Schlitten bezeichnet, ist auf der vierten Linearführung geradlinig verfahrbar,
wie es in den Figuren durch den Doppelpfeil 62 angegeben ist.
[0037] Auf dem vierten Schlitten ist ein Werkstückspindelstock (nicht dargestellt) fest
angeordnet, in welchem eine Werkstückspindel 12 um eine im Wesentlichen horizontale
Werkstückspindelachse 14 drehbar gelagert ist, wobei sich die Werkstückspindelachse
14 parallel zur Verfahrrichtung des vierten Schlittens auf der vierten Linearführung
erstreckt. An einem fliegenden Ende der Werkstückspindel ist eine Werkstückspannvorrichtung
16 angeordnet, in welcher ein Längsende eines länglichen Werkstücks 18 eingespannt
ist. Die Werkstückspindel 12 wird von einem Motor (nicht dargestellt) derart angetrieben,
dass sie sich beim Schleifen mit einer Tourenzahl von ungefähr 800 U/min um die Werkstückspindelachse
14 dreht.
[0038] Auf dem Maschinenbett ist eine weitere gerade Linearführung (nicht dargestellt) angeordnet,
die nachfolgend als erste Linearführung bezeichnet wird. Ein Schlitten (nicht dargestellt),
nachfolgend als erster Schlitten bezeichnet, ist entlang der ersten Linearführung
schräg zur Werkstückspindelachse 14 verfahrbar. Der erste Schlitten trägt den Hauptspindelstock
(nicht dargestellt) der Aussenrundschleifmaschine 10, wobei im Hauptspindelstock eine
als Hauptschleifscheibe 20 bezeichnete erste Schleifscheibe 20 um eine erste im Wesentlichen
horizontale Werkzeugachse (nicht dargestellt) drehbar gelagert ist. Der erste Schlitten
und die erste Linearführung sind Teil einer ersten Zustelleinrichtung, welche dazu
dient, die erste Schleifscheibe 20 gegen das Werkstück 18 zuzustellen und wieder von
ihm weg zu fahren, wie es in den Figuren durch den Doppelpfeil 22 angegeben ist:
Die erste Schleifscheibe 20 ist zum Schleifen einer zylindrischen Fläche des Werkstücks
18 ausgebildet, wobei das Werkstück 18 im Bereich dieser zylindrischen Fläche einen
Durchmesser von ungefähr 4 mm hat. Die erste Schleifscheibe 20 hat einen Scheibendurchmesser
von ungefähr 500 mm und wird von einem Motor (nicht dargestellt) derart angetrieben,
dass sie sich beim Schleifen mit einer Tourenzahl von ungefähr 1750 U/min um die erste
Werkzeugachse dreht.
[0039] Weiter ist auf dem vierten Schlitten gegenüber dem Werkstückspindelstock ein Reitstock
30 fest montiert. An der dem Werkstückspindelstock zugewandten Stirnseite des Reitstocks
30 ist eine in Richtung zum Werkstückspindelstock hin vorstehende Pinole 32 angeordnet,
wobei diese Pinole mittels eines hydraulischen Antriebs bezüglich dem Reitstock 30
parallel zur Werkstückspindelachse 14 verfahrbar ist.
[0040] Die Werkstückspindel 12 und die Pinole 32 sind derart angeordnet, dass das an einem
Längsende in der Werkstückspannvorrichtung 16 eingespannte Werkstück 18 zwischen der
Werkstückspindel 12 und der Pinole 32 aufgenommen ist, wobei es während seiner Rotation
um die Werkstückspindelachse 14 am anderen Längsende von der Pinolenspitze stabilisiert
wird. Zudem sind der Reitstock 30, der Werkstückspindelstock und der auf der ersten
Linearführung verfahrbare Hauptspindelstock bezüglich einander derart angeordnet,
dass die Hauptschleifscheibe 20 mittels der ersten Zustelleinrichtung zwischen der
Werkstückspindel 12 und der Pinolenspitze gegen das Werkstück 18 zustellbar ist.
[0041] Am Reitstock 30 sind vier gerade Führungsstangen 34, 36, 38, 40 angeordnet, die je
parallel zur Werkstückspindelachse 14 angeordnet sind und von der dem Werkstückspindelstock
zugewandten Stirnseite des Reitstocks 30 in Richtung zum Werkstückspindelstock vorstehen.
Die vier Führungsstangen 34, 36, 38, 40 sind Teil einer weiteren geraden Linearführung,
die nachfolgend als dritte Linearführung bezeichnet wird. Unmittelbar vor der dem
Werkstückspindelstock zugewandten Stirnseite des Reitstocks 30 ist ein weiterer Schlitten
42, nachfolgend als dritter Schlitten 42 bezeichnet, angeordnet, der mit vier Führungsbuchsen
versehen ist, durch welche die vier Führungsstangen 34, 36, 38, 40 der dritten Linearführung
hindurch führen. Der dritte Schlitten 42 ist in einem Bereich zwischen dem Reitstock
30 und dem Werkstückspindelstock entlang der dritten Linearführung parallel zur Werkstückspindelachse
14 bezüglich dem Reitstock 30 verfahrbar, wie es in den Figuren 1-3 durch den Doppelpfeil
44 angegeben ist.
[0042] Die vier Führungsstangen 34, 36, 38, 40 der dritten Linearführung sind derart angeordnet,
dass sie die Ecken eines Rechtecks bilden, welches annähernd dem Querschnitt des Reitstocks
30 entspricht. Weiter sind die vier Führungsstangen 34, 36, 38, 40 in Bezug auf die
Werkstückspindelachse 14 derart angeordnet, dass die Werkstückspindelachse 14 durch
das von den vier Führungsstangen 34, 36, 38, 40 der dritten Linearführung aufgespannte
Rechteck hindurch führt.
[0043] Im dritten Schlitten 42 ist ein koaxial zur Werkstückspindelachse 14 verlaufender
Pinolendurchgang ausgebildet. Die von der Stirnseite des Reitstocks 30 vorstehende
Pinole 32 erstreckt sich durch diesen Durchgang hindurch, so dass der dritte Schlitten
42 unabhängig von der Pinole 32 entlang der dritten Linearführung verfahrbar ist.
[0044] Auf der vom Reitstock 30 entfernten und dem Werkstückspindelstock zugewandten Frontseite
des dritten Schlittens 42 sind zwei gerade Führungsstangen 46, 48 angeordnet, die
sich je quer zur Werkstückspindelachse 14 und im Wesentlichen horizontal erstrecken.
Diese zwei Führungsstangen 46, 48 sind Teil einer weiteren geraden Linearführung,
die nachfolgend als zweite Linearführung bezeichnet wird. Unmittelbar vor der dem
Werkstückspindelstock zugewandten Frontseite des dritten Schlittens 42 ist ein weiterer
Schlitten 50, nachfolgend als zweiter Schlitten 50 bezeichnet, angeordnet, der mit
zwei Führungsbuchsen versehen ist, durch welche die zwei Führungsstangen 46, 48 der
zweiten Linearführung hindurch führen. Der zweite Schlitten 50 ist in einem Bereich
zwischen dem dritten Schlitten 42 und dem Werkstückspindelstock entlang der zweiten
Linearführung quer zur Werkstückspindelachse 14 und im Wesentlichen horizontal bezüglich
dem dritten Schlitten 42 verfahrbar, wie es in den Figuren durch den Doppelpfeil 52
angegeben ist.
[0045] Die Führungsstangen 46, 48 der zweiten Linearführung sind im Wesentlichen vertikal
übereinander am dritten Schlitten 42 derart angeordnet, dass der im dritten Schlitten
42 ausgebildete Pinolendurchgang (und somit die zu diesem im Wesentlichen koaxiale
Werkstückspindelachse 14) ungefähr in halber Höhe zwischen den beiden Führungsstangen
46, 48 der zweiten Linearführung hindurch führt.
[0046] Auf der vom dritten Schlitten 42 entfernten und dem Werkstückspindelstock zugewandten
Frontseite des zweiten Schlittens 50 ist eine als Hilfsschleifscheibe 54 bezeichnete
zweite Schleifscheibe 54 angeordnet, die um eine im Wesentlichen horizontale und parallel
zur Werkstückspindelachse 14 angeordnete zweite Werkzeugachse 56 bezüglich dem zweiten
Schlitten 50 drehbar gelagert ist. Der zweite Schlitten 50 und der dritte Schlitten
42 sowie die zweite und die dritte Linearführung sind Teil einer zweiten Zustelleinrichtung,
welche dazu dient, die zweite Schleifscheibe 54 nach Art eines Kreuzschlittens in
einer im Wesentlichen horizontalen Ebene gegen das Werkstück 18 zuzustellen und wieder
von ihm weg zu fahren. Dabei ist die zweite Zustelleinrichtung derart ausgebildet
und angeordnet, dass die zweite Schleifscheibe 54 auf der in Bezug auf die Werkstückspindelachse
14 bzw. das Werkstück 18 der ersten Schleifscheibe 20 gegenüberliegenden Seite des
Werkstücks 18 angeordnet und von dieser Seite her gegen das Werkstück 18 zustellbar
und wieder von diesem weg fahrbar ist.
[0047] Die zweite Schleifscheibe 54 ist zum Schleifen einer aussenkonischen Fläche des Werkstücks
18 ausgebildet, wobei diese aussenkonische Werkstückfläche derart zu der von der ersten
Schleifscheibe 20 geschliffenen zylindrischen Werkstückfläche benachbart ist, dass
zwischen ihnen eine scharfe kreisförmige Übergangskante gebildet ist. Die zweite Schleifscheibe
54 hat einen Scheibendurchmesser von ungefähr 100 mm und wird von einem Motor (nicht
dargestellt) derart angetrieben, dass sie sich beim Schleifen mit einer Tourenzahl
von ungefähr 6000 U/min um die zweite Werkzeugachse 56 dreht.
[0048] Am Reitstock 30 ist weiter eine Abrichteinheit angeordnet, die einen um eine vertikale
Schwenkachse bezüglich dem Reitstock 30 schwenkbar verstellbaren Abrichtspindelstock
58 umfasst, in welchem eine Abrichtspindel gelagert ist, die um eine im Wesentlichen
horizontale Abrichtspindelachse drehbar ist. An der Abrichtspindel ist eine Abrichtscheibe
60 angeordnet, die zum Abrichten der zweiten Schleifscheibe 54 ausgebildet ist. Die
Abrichteinheit ist auf der der Werkstückspindelachse 14 gegenüberliegenden Seite der
zweiten Schleifscheibe 54 derart angeordnet, dass die zweite Schleifscheibe 54 mittels
dem zweiten Schlitten 50 wahlweise entweder gegen das Werkstück 18 oder gegen die
Abrichtscheibe 60 verfahrbar ist. Die Schleifscheibe 54 kann auch mit zwei translatorischen
Freiheitsgraden in einer Ebene bezüglich der Abrichtscheibe 60 und/oder dem Werkstück
18 bewegt werden, indem der zweite Schlitten 50 und der dritte Schlitten 42 gleichzeitig
je entlang ihrer zugeordneten Linearführungen verfahren werden (auch als interpolierendes
Bewegen bzw. Verfahren der Schleifscheibe 54 bezeichnet).
[0049] In den Figuren 1 und 2 ist die Aussenrundschleifmaschine 10 in einer Arbeitsstellung
gezeigt, in der sowohl die erste Schleifscheibe 20 als auch die zweite Schleifscheibe
54 gegen das Werkstück 18 zugestellt sind und das Werkstück 18 von den beiden Schleifscheiben
20, 54 simultan geschliffen wird. In Fig. 3 sind der Übersichtlichkeit halber die
erste Schleifscheibe 20 und der Werkstückspindelstock nicht dargestellt. In der Figur
2 ist die Aussenrundschleifmaschine 10 in einer Arbeitsstellung dargestellt, in der
die zweite Schleifscheibe 54 entlang der zweiten Linearführung vom Werkstück 18 weg
zur Abrichtscheibe 60 hin verfahren wird und in der die erste Schleifscheibe 20 vom
Werkstück 18 weg verfahren ist.
[0050] Weiter umfasst die in den Figuren 1-3 dargestellte Aussenrundschleifmaschine 10 eine
auf dem vierten Schlitten angeordnete erste Messeinrichtung (nicht dargestellt), die
zum Messen des beim Schleifen mit der ersten Schleifscheibe 20 verursachten Abtrags
vom Werkstück 18 ausgebildet ist, eine auf dem vierten Schlitten angeordnete zweite
Messeinrichtung (nicht dargestellt), die zum Messen des beim Schleifen mit der zweiten
Schleifscheibe 54 verursachten Abtrags vom Werkstück 18 ausgebildet ist, sowie eine
Steuerungseinrichtung (nicht dargestellt), die zur Steuerung der ersten und der zweiten
Zustelleinrichtung ausgebildet ist.
[0051] Bei einer anderen, nicht in den Figuren 1-3 dargestellten Variante einer erfindungsgemässen
Aussenrundschleifmaschine ist die zweite Messeinrichtung nicht auf dem vierten Schlitten,
sondern an der Pinole angeordnet.
[0052] Bei einer Aussenrundschleifmaschine gemäss einer weiteren nicht in den Figuren dargestellten
Erfindungsvariante sind der Werkstückspindelstock, der Reitstock und die erste Messeinrichtung
stationär auf dem Maschinenbett angeordnet. Um zwischen dem Werkstück und der Hauptschleifscheibe
trotzdem eine ebene Relativbewegung mit zwei translatorischen Freiheitsgraden zu ermöglichen
ist dafür die Hauptschleifscheibe auf einem Kreuzschlitten angeordnet, welcher bezüglich
dem Maschinenbett mit zwei translatorischen Freiheitgraden in einer Ebene verfahrbar
ist.
[0053] Um mittels der in den Figuren 1-3 dargestellten Aussenrundschleifmaschine 10 die
zylindrische und die aussenkonische Flächen des Werkstücks 18 derart zu schleifen,
dass zwischen ihnen eine scharfe, gratfreie kreisförmige Übergangskante gebildet wird,
wird zunächst mittels der ersten Abtragsmesseinrichtung der in einem ersten Schleifvorgang
mittels der ersten Schleifscheibe 20 vom Werkstück 18 abzuschleifende Abtrag gemessen.
Das Messergebnis der ersten Abtragsmesseinrichtung wird an die Maschinensteuerung
übertragen, welche daraus die für die Vollendung des ersten Schleifvorgangs erforderliche
erste Zeitspanne bestimmt. Gleichzeitig wird mittels der zweiten Abtragsmesseinrichtung
der in einem zweiten Schleifvorgang mittels der zweiten Schleifscheibe 54 vom Werkstück
18 abzuschleifende Abtrag gemessen. Das Messergebnis der zweiten Abtragsmesseinrichtung
wird ebenfalls an die Maschinensteuerung übertragen, welche daraus die für die Vollendung
des zweiten Schleifvorgangs erforderliche zweite Zeitspanne bestimmt. Danach bestimmt
die Maschinensteuerung die Differenz zwischen der ersten und der zweiten Zeitspanne.
Anschliessend werden die beiden Schleifvorgänge gestartet, wobei die Maschinensteuerung
die erste und die zweite Zustelleinrichtung derart steuert, dass derjenige Schleifvorgang,
für den die kürzere Zeitspanne bis zur Vollendung des Schleifvorgangs bestimmt worden
ist, der Zeitdifferenz entsprechend nach dem Start des anderen Schleifvorgangs gestartet
wird. Dadurch wird bewirkt, dass die beiden Schleifvorgänge zeitgleich vollendet werden.
[0054] Gemäss einer anderen Variante der Erfindung die Zeitdifferenz nicht automatisch durch
die Maschinensteuerung bestimmt. Stattdessen werden zunächst mittels der ersten und
der zweiten Abtragsmesseinrichtung die beiden von einem Werkstück abzutragenden Abträge
gemessen, worauf ein Operateur aus diesen Abträgen die Zeitspannen für die Vollendung
der beiden Schleifvorgänge und die Zeitdifferenz zwischen diesen Zeitspannen berechnet.
Danach programmiert der Operateur die Maschinensteuerung für die Bearbeitung einer
Serie von im Wesentlich identisch zueinander ausgebildeten Werkstücken, wobei die
Startzeitpunkte für die beiden Schleifvorgänge, die an jedem Werkstück vorzunehmen
sind, um die Zeitdifferenz versetzt festgelegt werden, die aus den für die Durchführung
der Schleifvorgänge bestimmten Zeitspannen berechnet worden sind. Anschliessend wird
Serie der zu bearbeitenden Werkstücke mit fest programmierten Zeitschaltpunkten bearbeitet.
[0055] Zusammenfassend ist festzustellen, dass durch die Erfindung ein Verfahren und eine
Vorrichtung zum abrasiven Rundbearbeiten angegeben werden, welche eine zuverlässige
und präzise Bearbeitung von Werkstücken mit einer scharfen und gratfreien Übergangskante
zwischen zwei rotationssymmetrischen Flächen auch in der grossseriellen Fertigung
ermöglichen.
1. Verfahren zum abrasiven Rundbearbeiten eines Werkstücks (18), das eine Werkstückachse
hat und sich während der Durchführung des Verfahrens um die Werkstückachse dreht,
während gleichzeitig ein sich um eine erste Werkzeugachse drehendes erstes Abrasivwerkzeug
(20) und das Werkstück (18) gegeneinander zugestellt werden, um in einem ersten Abrasivvorgang
eine erste Werkstückfläche zu bearbeiten, dadurch gekennzeichnet, dass ein sich um eine zweite Werkzeugachse (56) drehendes zweites Abrasivwerkzeug (54)
gegen das Werkstück (18) zugestellt wird, um in einem zweiten Abrasivvorgang eine
zweite Werkstückfläche zu bearbeiten, wobei die beiden Werkstückflächen bezüglich
der Werkstückachse rotationssymmetrisch ausgebildet und zueinander derart benachbart
angeordnet sind, dass zwischen ihnen eine kreisförmige Übergangskante gebildet ist,
und wobei die beiden Abrasivvorgänge zeitgleich beendet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens einer der beiden Abrasivvorgänge messgesteuert durchgeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der beiden Werkstückflächen konisch ausgebildet ist.
4. Abrasivvorrichtung (10) zum abrasiven Rundbearbeiten eines Werkstücks (18), mit einer
um eine Werkstückspindelachse (14) rotierenden Werkstückspindel (12), die mit einem
zur Aufnahme des Werkstücks (18) ausgebildeten Werkstückhalter (16) versehen ist,
einem um eine erste Werkzeugachse rotierenden ersten Abrasivwerkzeug (20), und einer
ersten Zustelleinrichtung, um das erste Abrasivwerkzeug (20) und das Werkstück (18)
gegeneinander zuzustellen, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (10) weiter ein um eine zweite Werkzeugachse (56) rotierendes zweites
Abrasivwerkzeug (54) umfasst, eine zweite Zustelleinrichtung zum Zustellen des zweiten
Abrasivwerkzeugs (54) gegen das Werkstück (18), sowie eine Steuerungseinrichtung zur
Steuerung der Abrasivvorrichtung (10) derart, dass mittels der ersten Zustelleinrichtung
das erste Abrasivwerkzeug (20) und das Werkstück (18) gegeneinander zugestellt werden,
um in einem ersten Abrasivvorgang eine erste Werkstückfläche zu bearbeiten, und dass
das zweite Abrasivwerkzeug (54) mittels der zweiten Zustelleinrichtung gegen das Werkstück
(18) zugestellt wird, um in einem zweiten Abrasivvorgang eine zweite Werkstückfläche
zu bearbeiten, wobei die beiden Werkstückflächen bezüglich der Werkstückspindelachse
(14) rotationssymmetrisch ausgebildet und zueinander derart benachbart angeordnet
sind, dass zwischen ihnen eine kreisförmige Übergangskante gebildet ist, und wobei
die Steuerungseinrichtung zum Steuern der beiden Zustelleinrichtungen derart ausgebildet
ist, dass die beiden Abrasivvorgänge zeitgleich beendet werden.
5. Abrasivvorrichtung (10) nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Zustelleinrichtung einen ersten Schlitten umfasst, mittels welchem entweder
das Werkstück (18) mitsamt der Werkstückspindel (12) oder das erste Abrasivwerkzeug
(20) entlang einer ersten geraden Linearführung schräg oder rechtwinklig zur Werkstückspindelachse
(14) verfahrbar ist, um das erste Abrasivwerkzeug (20) und das Werkstück (18) gegeneinander
zuzustellen.
6. Abrasivvorrichtung (10) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Zustelleinrichtung einen zweiten Schlitten (50) umfasst, mittels welchem
das zweite Abrasivwerkzeug entlang einer zweiten geraden Linearführung schräg oder
rechtwinklig zur Werkstückspindelachse verfahrbar ist, um das zweite Abrasivwerkzeug
(54) von einer in Bezug auf das Werkstück (18) dem ersten Abrasivwerkzeug (20) gegenüberliegenden
Seite her gegen das Werkstück (18) zuzustellen, wobei die zweite Linearführung wenigstens
zwei den zweiten Schlitten (50) führende und die Verfahrrichtung des zweiten Schlittens
(50) definierende längliche Führungselemente (46, 48) umfasst, die zwei zueinander
parallele Achsen definieren und derart angeordnet sind, dass die Werkstückspindelachse
(14) zwischen den beiden Achsen hindurch führt.
7. Abrasivvorrichtung (10) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet dass das zweite Abrasivwerkzeug (54) eine Schleifscheibe (54) ist und dass die Abrasivvorrichtung
(10) weiter ein Abrichtwerkzeug (60) zum Abrichten der Schleifscheibe (54) umfasst,
wobei das Abrichtwerkzeug (60) auf der der Werkstückspindelachse (14) gegenüberliegenden
Seite der Schleifscheibe (54) derart angeordnet ist, dass die Schleifscheibe (54)
mittels dem zweiten Schlitten (50) wahlweise entweder gegen das Werkstück (18) oder
gegen das Abrichtwerkzeug (60) verfahrbar ist.
8. Abrasivvorichtung (10) nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Zustelleinrichtung einen dritten Schlitten (42) umfasst, mittels welchem
das zweite Abrasivwerkzeug (54) entlang einer dritten geraden Linearführung parallel
zur Werkstückspindelachse (14) verfahrbar ist, wobei die dritte Linearführung wenigstens
drei den dritten Schlitten (42) führende und die Verfahrrichtung des dritten Schlittens
(42) definierende längliche Führungselemente (34, 36, 38, 40) umfasst, die je eine
zur Werkstückspindelachse (14) parallele Achse definieren und derart angeordnet sind,
dass die Werkstückspindelachse (14) innerhalb eines von einer Enveloppe um die wenigstens
drei Achsen der dritten Linearführung begrenzten Raumes liegt.
9. Abrasivvorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass sie weiter einen Reitstock (30) umfasst, der mit einer Pinole (32) zum Stabilisieren
eines Längsendes des Werkstücks (18) während der Werkstückbearbeitung versehen ist,
wobei die zweite Zustelleinrichtung am Reitstock (30) angeordnet ist.
10. Abrasivvorrichtung (10) nach Anspruch 8 und Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die dritte Linearführung am Reitstock (30) derart angeordnet ist, dass der dritte
Schlitten (42) bezüglich dem Reitstock (30) entlang der dritten Linearführung verfahrbar
ist, wobei die Pinole (32) in durch einen im dritten Schlitten (42) ausgebildeten
Durchgang hindurch führender Anordnung mit dem Reitstock (30) verbunden ist.