(19)
(11) EP 1 475 339 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
10.11.2004  Patentblatt  2004/46

(21) Anmeldenummer: 03010429.3

(22) Anmeldetag:  08.05.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7B65H 45/22, B65H 39/10, B42C 19/02, B65H 45/14
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK

(71) Anmelder: MASCHINENBAU OPPENWEILER BINDER GmbH & Co. KG
71570 Oppenweiler (DE)

(72) Erfinder:
  • Dannemann, Georg
    71522 Backnang (DE)
  • Stocklossa, Klaus
    71672 Marbach (DE)
  • Krieger, Eberhardt
    71384 Weinstadt-Strümpfelbach (DE)

(74) Vertreter: Hano, Christian, Dipl.-Ing. et al
v. Füner Ebbinghaus Finck Hano Mariahilfplatz 2 & 3
81541 München
81541 München (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zur Weiterverarbeitung gedruckter Bogen


(57) Bei dem Verfahren zur Weiterverarbeitung insbesondere durch eine Digitaldruckmaschine gedruckter Bogen zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten, werden die bedruckten Bogen wenigstens einmal zu einem Falzbogen gefalzt werden und die Falzbogen übereinander zusammengetragen. Die Bogen werden vor dem Zusammentragen so gefalzt, dass die Falzkante des Falzbogens oben liegt und der Falzbogen nach unten öffnet, so dass die Falzbogen vor dem Zusammentragen ihre Lage behalten können.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Weiterverarbeitung insbesondere durch eine Digitaldruckmaschine gedruckter Bogen zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten nach den Oberbegriffen der Patentansprüche 1 bzw. 3.

[0002] Ein gattungsgemäßes Verfahren sowie eine gattungsgemäße Vorrichtung sind aus der DE 102 20 550 A1 bekannt. Die in dieser Druckschrift beschriebene Vorrichtung weist ein Taschenfalzwerk auf, durch das ein Bogen quer zur Bogenlaufrichtung gefalzt wird. An das Taschenfalzwerk schließt ein Schwertfalzwerk an, das den aus dem Taschenfalzwerk kommenden Bogen in Bogenlaufrichtung falzt, in dem ein Falzschwert den Bogen zwischen zwei gegenläufig rotierbare Falzwalzen einführt. Unterhalb der Falzwalzen ist eine Anlegertrommel angeordnet, die den gefalzten Bogen mittels eines Greifers aufnimmt. Unterhalb der Anlegertrommel ist ein aus zwei gegenläufig rotierbaren Transportwalzen gebildeter Bogenöffner angeordnet. Unterhalb des Bogenöffners befindet sich eine Transportschiene auf der die geöffneten Bogen übereinander abgelegt werden. Die durch das Schwertfalzwerk gefalzten Bogen durchlaufen das Schwertfalzwerk so, dass die Falzkante unten liegt und der Bogen nach oben öffnet. Durch die Anlegertrommel wird der Bogen so umgedreht, dass die Falzkante oben liegt und der Bogen nach unten öffnet, damit er auf der Transportschiene abgelegt werden kann. Die Anordnung der Anlegertrommel zur Umkehrung der Bogen ist konstruktiv sehr aufwendig. Darüber hinaus ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt erforderlich, um den aus dem Schwertfalzwerk austretenden Bogen auf der Transportschiene abzulegen. Hierdurch wird die Produktionsleistung der Vorrichtung verringert.

[0003] Aus der DE 196 10 814 C1 ist eine Fadensiegelmaschine bekannt, bei der anschließend an eine Bogentransporteinrichtung eine nach oben öffnende Trichterfalzeinrichtung vorgesehen ist, die einen durch die Transporteinrichtung zugeführten Bogen so falzt, dass die Falzkante unten liegt und sich die Falzbogenabschnitte nach oben erstrecken, so dass der gefalzte Bogen nach oben öffnet. Anschließend an die Trichterfalzeinrichtung wird die Falzkante des gefalzten Bogens durch eine Presseinrichtung mit einem Pressrollenpaar gepresst.

[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, mit konstruktiv einfachen Mitteln ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Weiterverarbeitung gedruckter Bogen zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten zu schaffen, die es erlauben mit relativ geringem konstruktiven Aufwand eine hohe Produktionsleistung zu erreichen.

[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 bzw. durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 3 gelöst.

[0006] Dadurch, dass die Bogen durch die nach unten öffnende Trichterfalzeinrichtung vor dem Zusammentragen so gefalzt werden, dass die Falzkante des Falzbogens oben liegt und der Falzbogen nach unten öffnet, ist eine Veränderung der Lage des Falzbogens zum Zusammentragen nach Verlassen der Falzeinrichtung nicht erforderlich. Die Falzbogen können in der Lage, in der sie die Falzeinrichtung verlassen übereinander in der Zusammentrageinrichtung abgelegt werden.

[0007] Die Falzqualität kann dadurch verbessert werden, dass die Falzkante nach Verlassen der Trichterfalzeinrichtung durch ein Pressrollenpaar gepresst wird.

[0008] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist die Trichterfalzeinrichtung einem Taschenfalzwerk nachgeordnet. Das Taschenfalzwerk kann so ausgestaltet werden, dass es entweder einen einlaufenden Bogen quer zur Bogeneinlaufrichtung falzt oder dass der Bogen das Taschenfalzwerk durchlaufen kann, ohne gefalzt zu werden. Hierdurch wird die Vielseitigkeit der erfindungsgemäßen Vorrichtung erhöht.

[0009] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachstehend anhand von Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
schematisch eine Seitenansicht einer Vorrichtung zur Weiterverarbeitung gedruckter Bogen zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten,
Fig. 2
schematisch die einzelnen Arbeitsschritte der erfindungsgemäßen Vorrichtung, wobei ein Bogen durch ein Taschenfalzwerk gefalzt wird,
Fig. 3
die einzelnen Arbeitsschritte der Vorrichtung, wobei ein Bogen das Taschenfalzwerk ohne Falzung durchläuft.


[0010] Die erfindungsgemäße Vorrichtung weist einen Bogenanleger 12 auf, auf dem mehrere Bogenstapel 13 übereinander angeordnet sind. Jeder Bogenstapel 13 umfasst eine Vielzahl von Bogen, die auf ihrer Oberseite und auf ihrer Unterseite durch eine Digitaldruckmaschine bedruckt sind. An den Bogenanleger 12 schließt ein Ausrichtetisch 16 für ein Ausrichten und eine Zuführung eines Bogens zu einer Taschenfalzmaschine 18 mit zwei Falztaschen 20, 22 an. Der Taschenfalzmaschine 18 ist eine Trichterfalzeinrichtung 24 nachgeordnet, die so angeordnet ist, dass sie nach unten öffnet. Der Trichterfalzeinrichtung 24 folgt in Bogenlaufrichtung BL eine an sich bekannte Zusammentrageinrichtung 26 mit einer Kette, auf der die gefalzten Bogen gesammelt werden. An die Zusammentrageinrichtung 26 schließt eine Vorrichtung 28 zum Anlegen eines Umschlags über die durch die Zusammentrageinrichtung 26 gesammelten Bogen an. Danach ist eine Rütteleinrichtung 30 vorgesehen, die die Bogen zusammen mit dem Umschlag ausrichtet. Der Rütteleinrichtung 30 folgt eine Hefteinrichtung 32, die die Bogen und den Umschlag zusammenheftet. Danach folgt eine Schneideinrichtung 34, die die drei Seiten der Bogen schneidet, die nicht geheftet sind. Der Schneideinrichtung 34 folgt dann eine Auslage 36 sowie eine Locheinrichtung 38.

[0011] Die einzelnen Arbeitsschritte der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind in Fig. 2 gezeigt. Dem Bogenstapel 13 des Bogenanlegers 12 wird ein Bogen 42 entnommen, der auf dem Ausrichtetisch 16 ausgerichtet wird. In dem Taschenfalzwerk 18 wird der Bogen 42 quer zur Bogendurchlaufrichtung BL zu einem ersten Falzbogen 44 gefalzt. Der Falzbogen 44 verlässt mit voreilender Falzkante 45 das Taschenfalzwerk 18 und wird der Trichterfalzeinrichtung 24 zugeführt, die den ersten Falzbogen 44 zu einem zweiten Falzbogen 46 falzt, dessen Falzkante 48 oben horizontal in Bogenlaufrichtung BL verläuft, wobei sich der zweite Falzbogen 46 nach unten so öffnet, dass die unteren Kanten des zweiten Falzbogens 46 im Abstand zueinander angeordnet sind.

[0012] Wie es in Fig. 2 zu erkennen ist, kann nach der Trichterfalzeinrichtung 24 noch eine Presseinrichtung 25 vorgesehen sein, die ein Pressrollenpaar 40 aufweist, das die Falzkante 48 des die Trichterfalzeinrichtung 24 verlassenden zweiten Falzbogens 46 presst. Anschließend an die Presseinrichtung 25 werden die gefalzten zweiten Falzbogen 46 übereinander in der Zusammentrageinrichtung 26 abgelegt. Die in Fig. 2 beschriebenen Arbeitsschritte dienen zur Falzung von Bogen, auf den acht Seiten des fertigen mehrblättrigen Druckendproduktes aufgedruckt sind.

[0013] Wenn auf dem vom Bogenanleger 12 abgenommenen Bogen nur vier Seiten des fertigen Druckendproduktes aufgedruckt sind, werden die in Fig. 3 gezeigten Arbeitsschritte durchgeführt. Diese unterscheiden sich lediglich dadurch, dass der von dem Bogenstapel 13 abgenommene und auf dem Ausrichtetisch 16 ausgerichtete Bogen 52 das Taschenfalzwerk 18 ohne Falzung durchläuft. Der Bogen wird in der Trichterfalzeinrichtung 24 zum ersten Mal um eine in Bogenlaufrichtung BL verlaufende Falzlinie zu einem ersten Falzbogen 54 gefalzt. Alle weiteren Arbeitsschritte entsprechen den in Fig. 2 gezeigten Arbeitsschritten.

[0014] Wie es in Fig. 2 und 3 gezeigt ist, ist eine Lageveränderung der Bogen 46, 54 nach Verlassen der Trichterfalzeinrichtung 24 zur Ablage in der Zusammentrageinrichtung 26 nicht erforderlich, wodurch die Produktionsleistung erhöht werden kann.


Ansprüche

1. Verfahren zur Weiterverarbeitung insbesondere durch eine Digitaldruckmaschine gedruckter Bogen zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten, bei dem die bedruckten Bogen wenigstens einmal zu einem Falzbogen gefalzt werden und die Falzbogen übereinander zusammengetragen werden, dadurch gekennzeichnet, dass die Bogen vor dem Zusammentragen so gefalzt werden, dass die Falzkante des Falzbogens oben liegt und der Falzbogen nach unten öffnet.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Falzkante vor dem Zusammentragen gepresst wird.
 
3. Vorrichtung zur Weiterverarbeitung insbesondere durch eine Digitaldruckmaschine gedruckter Bogen (42) zur Herstellung von mehrblättrigen Druckendprodukten mit wenigstens einer Falzeinrichtung (24) zur Falzung der Bogen, der einer Zusammentrageinrichtung (26) nachgeordnet ist, in der die gefalzten Bogen übereinander so abgelegt werden, dass die durch die Falzeinrichtung gebildete Falzkante (48) oben liegt und der gefalzte Bogen nach unten öffnet, dadurch gekennzeichnet, dass die Falzeinrichtung eine nach unten öffnende Trichterfalzeinrichtung (24) umfasst.
 
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Trichterfalzeinrichtung (24) einem Taschenfalzwerk (18) nachgeordnet ist.
 
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Trichterfalzeinrichtung (24) eine Presseinrichtung (25) nachgeordnet ist, die ein Pressrollenpaar (40) umfasst, das von der Falzkante (48) eines durch die Trichterfalzeinrichtung (24) gefalzten Bogens durchlaufen wird.
 




Zeichnung













Recherchenbericht