[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Aminen durch Hydrierung
der entsprechenden Nitroaromaten.
[0002] Die Herstellung von Aminen, insbesondere aromatischen Aminen, durch Hydrierung der
entsprechenden Nitroaromaten ist seit langem bekannt und vielfach in der Literatur
beschrieben.
[0003] Zumeist wird die Hydrierung in der Technik unter Einsatz von Hydrierkatalysatoren
in der Flüssigphase durchgeführt. Dabei wird die zu reduzierende Verbindung zumeist
in einem Lösungsmittel mit dem Katalysator vermischt und diskontinuierlich in einem
Autoklaven oder kontinuierlich in einem Rührkessel, einem Schlaufenreaktor, einer
Blasensäule oder einer Reaktorkaskade reduziert. Bei den bekannten derartigen Verfahren
gibt es eine Reihe von Nachteilen, beispielsweise die Notwendigkeit des Austragens
und besonders des Ausschleusens desaktivierter Katalysatoranteile, was zu Katalysatorverlusten
führt. Ferner stellen die häufig auftretenden Nebenreaktionen, die zur Bildung störender
Substanzen, wie z.B. teerartiger Bestandteile, und damit zu Ausbeuteminderungen führen,
ein Problem vieler bislang verwendeter Verfahren dar.
[0004] In
WO 00/35852 wird ein Verfahren zur Herstellung von Aminen durch Hydrierung der entsprechenden
Nitroaromaten beschrieben, bei dem die Reaktion in einem vertikalen Reaktor, dessen
Länge größer ist als sein Durchmesser, mit einer im oberen Bereich des Reaktors angeordneten,
nach unten gerichteten Strahldüse, über die die Edukte sowie das Reaktionsgemisch
zugeführt werden sowie mit einem Abzug an einer beliebigen Stelle des Reaktors, über
den das Reaktionsgemisch in einem äußeren Kreislauf mittels eines Förderorgans der
Strahldüse wieder zugeführt wird, sowie einer Strömungsumkehr im unteren Bereich des
Reaktors durchgeführt wird, verwendet. Dieser Reaktor weist vorzugsweise innenliegende
Wärmetauscher auf. Die Edukte werden vorzugsweise über die Strahldüse zugeführt, um
eine möglichst gute Durchmischung zu erreichen. Bei dem in
WO 00/35852 beschriebenen Verfahren können die aromatischen Amine mit einer hohen Raum-Zeit-Ausbeute
und bei deutlicher Unterdrückung von Nebenreaktionen hergestellt werden.
[0005] Es hat sich allerdings gezeigt, dass im Reaktor, insbesondere in der nach unten gerichteten
Strömung unterhalb der Strömungsumkehr der Flüssigphase, insbesondere in der Nähe
des Reaktorausgangs, mitunter erhöhte Gehalte an Nitroaromaten auftreten, insbesondere
bei Verwendung geringer Katalysatorgehalte.
[0006] In
DE-C-198 44 901 wird ein Verfahren zur Herstellung von aromatischen Aminen nach dem Sumpfphasenverfahren
beschrieben, bei dem die Nitroaromaten über eine Ringleitung mit Löchern in den Reaktor
eingespeist werden. Die Ringleitung kann auch über einen außenliegenden Wärmeübertrager
gekühlt werden, um die Gefahr einer Überhitzung und damit einer thermischen Zersetzung
der Nitroaromaten auszuschließen. Bei diesem Verfahren soll eine besonders gute Verteilung
der Nitroaromaten in der Reaktionsmischung erreicht werden. Als geeignete Reaktoren
werden beispielsweise Loop-Reaktoren, Blasensäulen, vorzugsweise Rührkessel beschrieben.
Reaktoren mit einer inneren Schlaufenströmung, wie in
WO 00/35852 beschrieben, werden in diesem Dokument nicht erwähnt. Speziell bei derartigen Reaktoren
kann es jedoch im Bereich unterhalb der Strömungsumkehr zu der beschriebenen Anreicherung
von Nitroaromaten der flüssigen Reaktionsmischung kommen. Dies kann daran liegen,
daß die Verweilzeit in der nach unten gerichteten, schnellfließenden Strömung und
im Bereich der Strömungsumkehr an der Prallplatte zu gering für eine vollständige
Umsetzung der Nitroaromaten ist. Da es sich bei der nach unten gerichteten Strömung
um ein schnell fließendes Gemisch handelt, ist die Verweilzeit in diesem Teil des
Reaktors ohnehin sehr gering. Dieser Effekt tritt insbesondere bei der Verwendung
geringer Gehalte an Katalysator beziehungsweise bei Katalysatoren mit einer geringen
Aktivität auf.
[0007] Aufgabe der Erfindung war es, ein Verfahren zur Herstellung aromatischen Aminen in
einem Strömungsreaktor zu entwickeln, bei dem eine Katalysatordesaktivierung vermieden
und die Nebenproduktbildung reduziert wird sowie am Ausgang des Reaktors keine Nitroaromaten
mehr vorliegen und das mit niedrigen Katalysatorkonzentrationen betrieben werden kann.
[0008] Die Aufgabe konnte überraschenderweise dadurch gelöst werden, daß bei einem Reaktor
gemäß
WO 00/35852 zumindest ein Teil des Wasserstoffs und/oder der Nitroaromaten in die Flüssigphase
des Reaktors so eindosiert werden, daß sie in der flüssigen Reaktionsmischung nach
oben strömen.
[0009] Gegenstand der Erfindung ist demzufolge ein Verfahren zur Herstellung von Aminen
durch Hydrierung der entsprechenden Nitroaromaten, in einem vertikalen Reaktor, dessen
Länge größer ist als sein Durchmesser, mit einer im oberen Bereich des Reaktors angeordneten,
nach unten gerichteten Strahldüse, über die das Reaktionsgemisch sowie gegebenenfalls
ein Teil der Edukte zugeführt werden sowie mit einem Abzug an einer beliebigen Stelle
des Reaktors, über den das Reaktionsgemisch in einem äußeren Kreislauf mittels eines
Förderorgans der Strahldüse wieder zugeführt wird, sowie einer Strömungsumkehr im
unteren Bereich des Reaktors,
dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der eingesetzten Edukte Wasserstoff und/oder Nitroaromaten in
die Flüssigphase des Reaktors so eindosiert werden, daß sie in der flüssigen Reaktionsmischung
nach oben strömen.
[0010] Der Wasserstoff kann dabei sowohl in die nach oben gerichtete Strömung der flüssigen
Phase des Reaktors oberhalb der Strömungsumkehr als auch in die nach unten gerichtete
Strömung der flüssigen Phase des Reaktors unterhalb der Strömungsumkehr eindosiert
werden, da er auf Grund seiner geringen Dichte in jedem Falle in der flüssigen Phase
nach oben strömt.
[0011] Die Dosierung der Nitroaromaten erfolgt so, dass sie in die nach oben gerichtete
Strömung innerhalb der Flüssigphase des Reaktors, also oberhalb der Strömungsumkehr,
eindosiert werden.
[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weist der Reaktor in seinem unteren
Teil eine senkrecht zur Reaktorwand angeordnete Prallplatte auf. Bei dieser Ausführungsform
werden die Nitroaromaten sowie gegebenenfalls ein Teil oder der gesamte Wasserstoff
oberhalb der Prallplatte in die nach oben gerichtete Strömung innerhalb des Reaktors
eindosiert. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist im Reaktor
zusätzlich ein konzentrisches Einsteckrohr parallel zur Reaktorwand angebracht, durch
das die Reaktionsmischung aus der Strahldüse zu der Strömungsumkehr, insbesondere
der Prallplatte, gelenkt wird.
[0013] Wie ausgeführt, kann die gesamte Menge des Wasserstoffs und der Nitroaromaten wie
beschrieben dem Reaktor zugeführt werden.
[0014] Es ist ebenfalls möglich, entweder nur den Wasserstoff oder nur die Nitroaromaten
an der erfindungsgemäßen Stelle in den Reaktor einzudosieren und das andere Edukt
ausschließlich an einer anderen Stelle, vorzugsweise über die Strahldüse oder durch
Dosierung in den äußeren Kreislauf, dem Reaktor zuzuführen. Der Wasserstoff, der nicht
an der erfindungsgemäßen Stelle dem Reaktor zugeführt wird, kann auch an einer beliebigen
Stelle in den Gasraum des Reaktors dosiert werden. Von dort wird er durch den Treibstrahl
in die Flüssigphase des Reaktors eingeschlagen.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein Teil
des zugesetzten Wasserstoffs in den äußeren Umlauf des Reaktors dosiert. Vorzugsweise
wird der Wasserstoff in die Saugseite des äußeren Kreislaufs dosiert. Die Menge des
in den äußeren Kreislauf dosierten Wasserstoffs sollte so bemessen sein, daß die Reaktionsmischung
im äußeren Kreislauf einen Gasgehalt im Bereich zwischen 3 und 15 Gew.-%, vorzugsweise
zwischen 5 und 10 Gew.-%, aufweist. In diesem Mengenbereich ist durch eine optimale
Dispergierung des Gases in der flüssigen Reaktionsmischung eine ausreichende Versorgung
der Reaktionsmischung mit Wasserstoff möglich. Bei höheren Gasgehalten in der Ringleitung
kann es außerdem zu Problemen mit der Kreislaufpumpe kommen, geringere Gasgehalte
in der Ringleitung haben keinen positiven Effekt mehr auf die Umsetzung.
[0016] Die Dosierung des Wasserstoffs an der erfindungsgemäßen Stelle kann im einfachsten
Falle über ein oder mehrere Einleitungsrohre erfolgen. Eine bessere Verteilung des
Wasserstoffs kann beispielsweise durch Verwendung einer Einleitungsvorriuhtung mit
mehreren Öffnungen erreicht werden. Auf Grund der Bauart des für das erfindungsgemäße
Verfahren eingesetzten Reaktors kommt vorzugsweise ein Verteilerring zum Einsatz.
Andere bevorzugte Vorrichtungen zur Einspeisung des Wasserstoffs sind Verteilersterne
oder Sinterplatten.
[0017] Die Einspeisung der Nitroaromaten kann, neben der Einspeisung an der erfindungsgemäßen
Stelle, auch in den äußeren Kreislauf oder vorzugsweise in die Düse erfolgen. Die
Dosierung in den äußeren Kreislauf ist weniger bevorzugt, da dort die Vermischung
schlechter ist. Die Dosierung in die Düse kann in unmittelbarer Nähe des Düsenausgangs
erfolgen. Eine noch bessere Durchmischung kann erreicht werden, wenn die Dosierung
an dem Ende der Düse, das an der äußeren Umpumpleitung befindlich ist, oder in die
äußere Umpumpleitung unmittelbar an der Düse erfolgt.
[0018] Die Dosierung der Nitroaromaten an der erfindungsgemäßen Stelle kann ebenfalls über
Einleitungsrohre, Verteilersterne, Ringleitungen oder andere Vorrichtungen, die eine
gute Verteilung der Nitroaromaten ermöglichen, erfolgen.
[0019] Die Dosiereinrichtung für die Nitroaromaten wird, wie ausgeführt, im unteren Teil
des Reaktors oberhalb der Strömungsumkehr angebracht, wobei darauf zu achten ist,
daß die Nitroaromaten in die nach oben gerichtete Strömung dosiert werden. Bevorzugt
wird die Dosiereinrichtung für die Nitroaromaten zwischen der Prallplatte und dem
konzentrischen Einsteckrohr angebracht.
[0020] Die Einspeisung des Wasserstoffs wird ebenfalls im unteren Teil des Reaktors so vorgenommen,
daß er in der flüssigen Reaktionsmischung nach oben steigt. Besonders bevorzugt wird
die Einspeisung zwischen Reaktorboden und Einsteckrohr vorgenommen.
[0021] Bei der Verwendung von Ringleitungen zur Dosierung von Wasserstoff und/oder Nitroaromaten
an der erfindungsgemäßen Stelle weisen diese eine zur optimalen Verteilung ausreichende
Anzahl von Bohrungen auf. Diese liegt vorzugsweise im Bereich zwischen 2 und 500,
insbesondere zwischen 2 und 200. Beim Durchströmen der Bohrungen durch die Edukte
tritt ein Druckverlust auf. Dieser liegt bei den Nitroaromaten vorzugsweise zwischen
0,1 und 10 bar, insbesondere zwischen 0,3 und 3 bar, beim Wasserstoff vorzugsweise
zwischen 0,05 und 0,15 bar.
[0022] Um im Falle der Nitroaromaten, die sich bei den im Reaktor herrschenden Temperaturen
thermisch zersetzen können, gefährliche Betriebszustände zu vermeiden, sollte der
Massestrom in der Dosiereinrichtung überwacht werden. Wenn der Wert für den Massestrom
abfällt, müssen die Nitroaromaten aus der Dosiervorrichtung entfernt werden. Dies
kann beispielsweise durch Spülen mit warmen Wasser erfolgen. Eine weitere Möglichkeit
der Reduzierung der Gefahr einer thermischen Zersetzung der Nitroaromaten besteht
in der Kühlung der Dosiervorrichtung. Diese Variante ist für das erfindungsgemäße
Verfahren nicht bevorzugt, da durch den Kühlmantel der Querschnitt der Dosiervorrichtung
erhöht wird, was zu einer Beeinträchtigung der Strömung im Reaktor führen kann.
[0023] Abgesehen von der Dosierung der Edukte entspricht der Reaktor dem in
WO 00/35852 beschriebenen Reaktor.
[0024] Die Strahldüse des Reaktors kann als Ein-, Zwei- oder Dreistoffdüse ausgelegt werden.
Wenn der gesamte Wasserstoff und die gesamte Menge an Nitroaromaten am Boden zudosiert
wird, ist eine Einstoffdüse bevorzugt. Bei der Einstoffdüse wird nur das flüssige
Reaktionsgemisch eingedüst und der Wasserstoff und die Nitroaromaten an den bevorzugten
Stellen dem Reaktor zugeführt. Vorteilhaft bei dieser Ausgestaltung ist der einfache
Aufbau dieser Düse, nachteilig ist die schlechtere Dispergierung des Wasserstoffs
im Reaktionsgemisch. Bei der Zwei- bzw. Dreistoffdüse, die im Aufbau aufwendiger ist,
können der Wasserstoff sowie die Nitroaromaten düsenmittig oder über Ringspalte zugeführt
und dispergiert werden. Bei dieser Ausgestaltung des Verfahrens ist die Dispergierung
des Wasserstoffs in der Reaktionsmischung wesentlich besser.
[0025] Im Reaktor wird vorzugsweise, unabhängig von der Art der eingesetzten Nitroverbindungen,
ein Druck von 5 bis 100 bar, bevorzugt 10 bis 50 bar, und eine Betriebstemperatur
von 80 bis 200°C, bevorzugt 100 bis 150°C, aufrechterhalten. Der Leistungseintrag
beträgt vorzugsweise an der Düse 15 bis 30 kW/1, im gesamten Reaktionssystem 3 bis
10 W/1.
[0026] Der Produktaustrag aus dem System erfolgt kontinuierlich an beliebiger Stelle. Bevorzugt
erfolgt der Produktaustrag im unteren Reaktorbereich am Boden des Reaktors oder insbesondere
aus der äußeren Schlaufenströmung über eine Katalysatorabtrenneinheit oder ohne eine
solche. Diese Abtrenneinheit kann ein Schwerkraftabscheider, z. B. ein Settler, ein
Querstromfilter oder eine Zentrifuge sein. Der Katalysator kann vom Produkt abgetrennt
und anschließend in das Reaktorsystem zurückgeführt werden. Bevorzugt erfolgt der
Produktaustrag unter Rückhaltung des Katalysators. Das Amin kann danach nach den üblichen
und bekannten Verfahren, beispielsweise durch Destillation oder Extraktion, gereinigt
werden.
[0027] Im erfindungsgemäßen Verfahren wird die Mono- und/oder Polynitroverbindung in reiner
Form, als Mischung mit dem entsprechenden Mono- und/oder Polyamin, als Mischung mit
dem entsprechenden Mono- und/oder Polyamin und Wasser oder als Mischung mit dem entsprechenden
Mono- und/oder Polyamin, Wasser und einem insbesondere alkoholischen Lösungsmittel
eingesetzt. Die aromatische Mono- und/oder Polynitroverbindung wird fein verteilt
in das Gemisch eingetragen. Vorzugsweise wird die Menge an Nitroverbindung, die nicht
an der erfindungsgemäßen Stelle dosiert wird, in die Strahldüse eingetragen, besonders
bevorzugt in den Mischraum der Düse.
[0028] Vorzugsweise werden im erfindungsgemäßen Verfahren aromatische Nitroverbindungen
mit einer oder mehreren Nitrogruppen und 6 bis 18 C-Atomen, bsp. Nitrobenzole, wie
z.B. o-, m-, p-Nitrobenzol, 1,3-Dinitrobenzol, Nitrotoluole, wie z.B. 2,4-, 2,6-Dinitrotoluol,
2,4,6-Trinitrotoluol, Nitroxylole, wie z.B. 1,2-Dimethyl-3-, 1,2 Dimethyl-4-, 1,4-Dimethyl-2-,
1,3-Dimethyl-2-, 2,4-Dimethyl-1- und 1,3-Dimethyl-5-nitrobenzol, Nitronaphthaline,
wie z.B. 1-, 2-Nitronaphthalin, 1,5 und 1,8-Dinitronaphthalin, Chlornitrobenzole,
wie z.B. 2-Chlor-1,3-, 1-Chlor-2,4-dinitrobenzol, o-, m-, p-Chlornitrobenzol, 1,2-Dichlor-4-,
1,4-Dichlor-2-, 2,4-Dichlor-1-und 1,2-Dichlor-3-nitrobenzol, Chlornitrotoluole, wie
z.B. 4-Chlor-2, 4-Chlor-3-, 2-Chlor-4- und 2-Chlor-6-nitrotoluol, Nitroaniline, wie
z.B. o-, m-, p- Nitroanilin; Nitroalkohole, wie z.B. Tris(hydroxymethyl)nitromethan,
2-Nitro-2-methyl-, 2-Nitro-2-ethyl-1,3-propandiol, 2-Nitro-1-butanol und 2-Nitro-2-methyl-1-propanol
sowie beliebige Gemische aus zwei oder mehreren der genannten Nitroverbindungen eingesetzt.
[0029] Bevorzugt werden nach dem erfindungsgemäßen Verfahren aromatische Nitroverbindungen,
vorzugsweise Mononitrobenzol, Methylnitrobenzol oder Methylnitrotoluol, und insbesondere
2,4-Dinitrotoluol oder dessen technische Gemische mit 2,6-Dinitrotoluol, wobei diese
Gemische vorzugsweise bis zu 35 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gesamtgemisch, an
2,6-Dinitrotoluol mit Anteilen von 1 bis 4 Prozent an vicinalem DNT und 0,5 bis 1,5
% an 2,5- und 3,5-Dinitrotoluol aufweisen, zu den entsprechenden Aminen hydriert.
[0030] Insbesondere bei der Hydrierung von Dinitrotoluolisomeren zu den entsprechenden Toluylendiaminderivaten
(TDA) kann das erfindungsgemäße Verfahren vorteilhaft eingesetzt werden. Die Bildung
von hochmolekularen, teerartigen Nebenprodukten, die bei den Verfahren des Standes
der Technik zu Ausbeuteverlusten sowie zum Verkleben und damit zur vorzeitigen Desaktivierung
des Katalysators führte, konnte praktisch vollständig unterdrückt werden. Damit ist
auch die Reinigung des TDA unkomplizierter als bei den Verfahren des Standes der Technik.
[0031] Die Hydrierung des Dinitrotoluols kann in Lösung durchgeführt werden. Als Lösungsmittel
werden die dafür üblichen Stoffe, insbesondere niedere Alkohole, vorzugsweise Ethanol,
eingesetzt. Vorzugsweise wird die Hydrierung ohne Lösungsmittel durchgeführt. Das
hat die Vorteile, daß das Volumen der Reaktionsmischung geringer ist, was eine kleinere
Dimensionierung des Reaktors sowie der Pumpen und Rohrleitungen ermöglicht, daß Nebenreaktionen
zwischen dem Lösungsmittel und den Edukten ausgeschlossen werden sowie der Aufwand
für die Aufarbeitung der Endprodukte verringert wird.
[0032] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die an sich bekannten Hydrierkatalysatoren
für aromatische Nitroverbindungen verwendet. Es können homogene und/oder insbesondere
heterogene Katalysatoren eingesetzt werden. Die heterogenen Katalysatoren werden in
feinverteiltem Zustand eingesetzt und liegen in der Reaktionssuspension feinteilig
suspendiert vor. Geeignete Katalysatoren sind Metalle der VIII. Nebengruppe des Periodensystems,
die auf Trägermaterialien wie Aktivkohle oder Oxiden des Aluminiums, des Siliciums
oder anderer Materialien aufgebracht sein können. Vorzugsweise werden Raney-Nickel
und/oder geträgerte Katalysatoren auf Basis von Nickel, Palladium und/oder Platin
verwendet.
[0033] Durch die Dispergierung der einzelnen Reaktanden wird in Verbindung mit den übrigen
Reaktionsparametern eine intensive Durchmischung aller Komponenten, bei hohen Stoffübergangskoeffizienten
und hohen volumenspezifischen Phasengrenzflächen erreicht. Die Anordnung der Kühlrohre
im Reaktor parallel zu den Reaktorwänden hat eine nahezu vollständige Gradientenfreiheit
des Reaktorinhalts bezüglich der Reaktionstemperatur zur Folge. Durch Vermeidung örtlicher
Überhitzungen werden Nebenreaktionen deutlich zurückgedrängt und Katalysatordesaktivierung
weitgehend vermieden. Es werden damit selbst bei niedrigen Katalysatorkonzentrationen
hohe Raum-Zeit-Ausbeuten bei hoher Selektivität erreicht.
[0034] Wie oben beschrieben, ist das erfindungsgemäße Verfahren besonders geeignet für die
Hydrierung von Dinitrotoluol zu Toluylendiamin. Gerade bei dieser Reaktion kommt es
bei den Verfahren des Standes der Technik zu ausgeprägten Nebenreaktionen mit der
Bildung von teerartigen Bestandteilen. Die Herstellung von Toluylendiamin nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt bei den für die Herstellung von aromatischen Aminen
üblichen, oben aufgeführten Temperaturen und Drücken.
[0035] Das erfindungsgemäße Verfahren hat mehrere Vorteile. Die Verteilung der Edukte in
der Reaktionsmischung wird verbessert, was zu niedrigen Gehalten an Nebenprodukten
und geringer Desaktivierung des Katalysators führt. Die Umsetzung der Nitroaromaten
erfolgt vollständiger, das heisst die Konzentration von Nitroaromaten am Ausgang des
Reaktors sinkt deutlich. Dies bietet die Möglichkeit die Raum-Zeit-Ausbeute im Reaktor
zu erhöhen. Im Vergleich mit dem in
WO 00/35852 beschriebenen Verfahren erfolgt noch einmal eine deutliche Reduzierung der Menge
der Nitroaromaten im Endprodukt. Überraschenderweise wird die auch Alterung des Katalysators
vermindert. Die Verweilzeit der Nitroaromaten im Reaktor wird erhöht, dadurch kann
prinzipiell auch die Katalysatorkonzentration vermindert werden.
[0036] Durch die erfindungsgemäße Dosierung des Wasserstoffs kann der Energieeintrag in
den Reaktor verringert werden, da der Wasserstoff den Gasgehalt und somit die Stofftransportleistung
im Ringraum des Reaktors erhöht und durch seine Auftriebskraft die interne Schlaufenströmung
stabilisiert. Der Leistungseintrag durch die Strahldüse und damit auch die Menge des
äußeren Kreislaufs kann deutlich verringert werden. Neben der Energieeinsparung führt
dies auch zu einer geringeren mechanischen Beanspruchung und somit zu einer längeren
Lebensdauer des Katalysators.
[0037] Die Erfindung soll an dem nachfolgenden Beispiel näher beschrieben werden.
Beispiel 1
[0038] Es wird ein zylinderförmiger Reaktor mit einem außenliegenden Kreislauf mit Pumpe,
einer Düse, einer Prallplatte im unteren Reaktorteil sowie einem konzentrischen Einsteckrohr
eingesetzt. Das Reaktionsvolumen des Reaktors beträgt rund 12 m
3. Der Reaktor ist mit 350 parallel geschalteten Fieldrohren (4) versehen, die insgesamt
einer Kühlfläche von etwa 300 m
2 entsprechen. Die Menge des in die Fieldrohre eingespeisten Kühlwassers betrug 250
m
3/h, die Temperatur des in die Fieldrohre eingespeisten Kühlwassers lag bei 50°C.
[0039] Über einen Verteilerring mit 12 Austrittsöffnungen mit einem Durchmesser von je 5
mm wurden 7 t/h einer Dinitrotoluolschmelze, in die flüssige Reaktionsmischung oberhalb
der Prallplatte eingeleitet. Durch gleichzeitiges Einleiten von 5200 Nm
3/h Wasserstoff in den Gasraum des Reaktors wurde im Reaktor ein Druck von 25 bar aufrechterhalten.
Durch einen unterhalb der Prallplatte angebrachten Verteilerring mit 30 Bohrungen
mit einem Durchmesser von je 8 mm wurde Wasserstoff eingeleitet. Zur Aufrechterhaltung
der Schlaufenströmung wurde im externen Produktkreislauf ein Volumenstrom von 500
m
3/h umgewälzt. In der Reaktionsdüse herrschte ein Überdruck gegenüber dem Gasraum des
Reaktors von rund 2,5 bar, der Leistungseintrag betrug 3,5 kW/m
3. Die Reaktion verlief unter nahezu isothermen Bedingungen, da die entstehende Reaktionswärme
bereits am Ort ihrer Entstehung abgeführt wurde. Die maximale Reaktionstemperatur
im unteren Drittel des Reaktors betrug 125°C. Dem Reaktor wurden gleichzeitig unter
Rückhaltung des Katalysators 4,64 t/h eines entsprechenden Diaminotoluolgemisches
sowie 2,74 t/h Wasser über einen im äußeren Kreislauf installierten Querstromfilter
kontinuierlich entnommen, was einer Raum-Zeit-Ausbeute von 400 kg Amingemisch/(m
3·h) entsprach. Die Ausbeute an Diamin betrug, bezogen auf eingesetztes Dinitrotoluol,
> 99 %. Bei der destillativen Aufarbeitung fielen 0,15 % niedrigsiedende Nebenprodukte
("Leichtsieder") und 0,75 % teerartige Produkte ("Hochsieder") an. Der Gehalt an Nitro-
bzw. Aminonitroverbindungen im Produktaustrag lag unterhalb der Nachweisgrenze von
10 ppm. Eine merkliche Desaktivierung des eingesetzten Hydrierkontakts konnte für
den oben beschriebenen Betriebszustand auch nach 100 h Reaktionszeit nicht festgestellt
werden.
1. Verfahren zur Herstellung von Aminen durch Hydrierung der entsprechenden Nitroaromaten,
in einem vertikalen Reaktor, dessen Länge größer ist als sein Durchmesser, mit einer
im oberen Bereich des Reaktors angeordneten, nach unten gerichteten Strahldüse, über
die das Reaktionsgemisch sowie gegebenenfalls ein Teil der Edukte zugeführt werden
sowie mit einem Abzug an einer beliebigen Stelle des Reaktors, über den das Reaktionsgemisch
in einem äußeren Kreislauf mittels eines Förderorgans der Strahldüse wieder zugeführt
wird, sowie einer Strömungsumkehr im unteren Bereich des Reaktors durchgeführt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der eingesetzten Edukte Wasserstoff und/oder Nitroaromaten in
die Flüssigphase des Reaktors so eindosiert werden, daß sie in der Flüssigphase nach
oben steigen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Nitroaromaten oberhalb der Strömungsumkehr zudosiert werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Reaktor in seinem unteren Teil eine senkrecht zur Reaktorwand angeordnete Prallplatte
aufweist.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß im Reaktor ein konzentrisches Einsteckrohr parallel zur Reaktorwand angebracht ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Nitroaromaten zwischen Prallplatte und Einsteckrohr in den Reaktor dosiert werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Wasserstoff zwischen Reaktorboden und Einsteckrohr dosiert wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil des eingesetzten Wasserstoffs in den äußeren Kreislauf des Reaktors dosiert
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß soviel Wasserstoff in den äußeren Kreislauf des Reaktors dosiert wird, daß die Reaktionsmischung
im äußeren Kreislauf einen Gasgehalt im Bereich zwischen 3 und 15 Gew.-% aufweist.
1. Procédé pour la production d'amines par hydrogénation des composés aromatiques nitrés
correspondants, dans un réacteur vertical dont la longueur est supérieure à son diamètre,
comportant disposée dans la zone supérieure du réacteur une buse de projection dirigée
vers le bas, par laquelle sont introduits le mélange réactionnel ainsi qu'éventuellement
une partie des produits de départ, ainsi qu'en un point quelconque du réacteur un
conduit de décharge, par lequel le mélange réactionnel est renvoyé à la buse de projection
au moyen d'un organe de transport dans un circuit extérieur, ainsi qu'une inversion
de courant qui est effectuée dans la zone inférieure du réacteur, caractérisé en ce qu'au moins une partie des produits de départ utilisés hydrogène et/ou composés aromatiques
nitrés, sont introduits par addition dosée dans la phase liquide du réacteur, de sorte
qu'ils montent vers le haut dans la phase liquide.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que les composés aromatiques nitrés sont introduits par addition dosée au-dessus de l'inversion
de courant.
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le réacteur comporte dans sa partie inférieure une chicane déflectrice disposée perpendiculairement
à la paroi du réacteur.
4. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que dans le réacteur un tube concentrique inséré est placé parallèlement à la paroi du
réacteur.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que les composés aromatiques nitrés sont introduits directement dans le réacteur entre
chicane déflectrice et tube inséré.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que l'hydrogène est introduit par addition dosée entre fond du réacteur et tube inséré.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce qu'une partie de l'hydrogène utilisé est introduit par addition dosée dans le circuit
extérieur du réacteur.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce qu'une quantité suffisante d'hydrogène est introduite par addition dosée dans le circuit
extérieur du réacteur pour que le mélange réactionnel présente dans le circuit extérieur
une teneur en gaz dans la plage comprise entre 3 et 15 % en poids.