[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung von Riluzol gegebenenfalls mit geeigneten Hilfs-
und Zusatzstoffen zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung von Krankheiten
die durch eine Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind, insbesondere
Psoriasis und Neurodermitis, sowie Zusammensetzungen enthaltend Riluzol und deren
Verwendung.
Stand der Technik
[0002] Riluzol (2-Amino-6-(trifluormethoxy)-benzothiazol) der folgenden Formel:

ist eine antikonvulsive Substanz (Stutzmann et al., 1991, J. Pharmacol., 193: 223-229)
mit anästhesierenden Eigenschaften bei hohen Konzentrationen (Mantz et al., 1992,
Anesthesiology, 76: 844-848). Sie wirkt neuroprotektiv sowohl bei fokaler als auch
globaler Ischämie (z.B. Malgouris et al., 1989, J. Neurosci., 9: 3720-3727). Weiterhin
wirkt die Substanz sedativ und ist insbesondere geeignet um Rückenmarksverletzungen
zu verhindern (Lang-Lazdunsky et al., 1999, J. Thorac Cardiovasc Surg, 117: 881-889;
Romettino et al., 1991, Eur J Pharm, 199: 371-373). Außerdem wirkt Riluzol angstlösend
(US 4,370,338). Die Substanz wird erfolgreich zur Therapie von amyothropher Lateralsklerose
(ALS) eingesetzt und verlangsamt dabei das Fortschreiten der Erkrankung (Bryson et
al., 1996, Drug Eval., 52: 549-563). Riluzol wurde
in vivo auch für andere neurodegenerative Erkrankungen erfolgreich im Tiermodell getestet
(Barneoud et al., 1996, Neuroscience,
74: 971-983; Mary et al., 1995, Neurosci Lett 1: 92-96).
[0003] Auf molekularer Ebene ist der Wirkmechanismus nicht völlig geklärt. In hohen Konzentrationen
inhibiert Riluzol einige der postsynaptischen Effekte von Glutamat (Doble, 1996, Neurology
47 (suppl. 4), 5: S233-S241), jedoch wird die positive Wirkung von Riluzol hauptsächlich
der Wirkung zugeschrieben, die glutaminerge Übertragung durch Inhibition der Glutamatfreisetzung
zu inhibieren (Doble, supra). Diese Wirkung wiederum ist möglicherweise zum Teil auf
die inhibitorische Wirkung von Riluzol auf spannungsabhängige Natriumkanäle, aber
möglicherweise auch auf die aktivatorische Wirkung von Riluzol auf Two P domain potassium
channels (TREK-1, TRAAK) zurückzuführen (Duprat et al., Mol. Pharmacol., 2000, 57:
906-912; Benoit und Escande, 1991, Pflügers Arch 419: 603-609). Riluzol wirkt jedoch
auch auf eine Vielzahl anderer Ionenkanäle, z.B. inhibitorisch auf Herz-Na
+-Kanäle (Mestre et al., Fundam. Clin. Pharmacol., 2000, 14: 107-117), Riluzol interferiert
mit NMDA-vermittelten Antworten über einen Pertussistoxin-sensitiven Mechanismus (Hubert
et al., Br. J. Pharmacol., 1994, 113: 261-267), aktiviert large-conductance calciumactivated
potassium channels (Wu und Li, J. Investig. Med., 1999, 484-495), inhibiert sowohl
Hoch- und Niedrigspannung-aktivierte Calcium-Ströme (Stefani et al., Exp. Neurol.,
1997, 147: 115-122), verlangsamt die Inaktivierung spannungsabhängiger Kv1.4-Kaliumkanäle
(Xu et al., J. Pharmacol. Exp. Ther., 2001, 299: 227-237) und aktiviert SK3 Kaliumkanäle
(Grunnet et al., Neuropharmacology, 2001, 40: 879-887).
Erfindung
[0004] Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß Riluzol erfolgreich die Proliferation
von Keratinozyten hemmen kann und daher überraschenderweise geeignet ist, um gegebenenfalls
kombiniert mit geeigneten Hilfs- und Zusatzstoffen, Krankheiten, die durch eine Hyperproliferation
von Keratinozyten gekennzeichnet sind, zu behandeln und/oder deren Ausbruch zu verhindern.
Beispiele solcher Krankheiten sind Psoriasis, Neurodermitis, aktinische Keratose,
Hyperkeratosen wie epidermolytische Hyperkeratose, Hyperkeratosis Lenticularis Perstans
sowie Keratosis pilaris und Ichthyosen. Bevorzugte Erkrankungen sind Neurodermitis
und Psoriasis, insbesondere Psoriasis.
[0005] Die Erfindung betrifft daher die Verwendung von Riluzol oder eines pharmazeutisch
annehmbaren Salzes davon zur Herstellung eines Arzneimittels zur Therapie oder Prävention
von Erkrankungen, die durch Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind.
Gegebenenfalls kann Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon mit geeigneten
Hilfs- und Zusatzstoffen kombiniert werden.
[0006] In einer bevorzugten Ausführungsform ist die Erkrankung ausgewählt aus Psoriasis,
Neurodermitis, aktinischer Keratose, Hyperkeratosen wie epidermolytische Hyperkeratose,
Hyperkeratosis Lenticularis Perstans, Keratosis pilaris und Ichthyosen.
[0007] Besonders bevorzugte Erkrankungen sind dabei Psoriasis und Neurodermitis, insbesondere
Psoriasis.
Krankheiten die durch eine Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind
[0008] Im Sinne der vorliegenden Erfindung sind Krankheiten, die durch eine Hyperproliferation
von Keratinozyten gekennzeichnet sind, Krankheiten bei denen die Patienten lokal oder
am ganzen Körper eine im Vergleich zu gesunder Epidermis verdickte Epidermis aufweisen.
Als eine verdickte Epidermis gilt eine Epidermis die im Vergleich zu gesunder Haut
um mindestens ca. 10%, vorzugsweise ca. 30%, insbesondere ca. 50%, am meisten bevorzugt
ca. 80% und mehr verdickt ist. Dem Fachmann sind Verfahren zur Messung der Epidermisdicke
bekannt. Beispielsweise beschreiben Wetzel et al. (Arch. Dermatol. Res., April 2003)
mit der optischen Kohärenz Tomographie und Baulieu et al. (Proc. Natl. Acad. Sci.
USA, 2000, 97:4279-4284) mit Hautechographie, die ein nicht-invasives Verfahren zur
Messung der Dicke der Epidermis darstellt. Weiterhin kann die Dicke der Epidermis
histologisch in Schnitten von Hautbiopsien bestimmt werden, wie beispielsweise in
El-Domyati et al. (Exp. Dermatol. 2002; 11:398-405) oder Schopf et al. (J. Am. Acad.
Dermatol. 2002; 46:886-91) beschrieben. Da die Epidermis in verschiedenen Hautregionen
unterschiedlich dick ist, müssen beim Vergleich der Dicken gesunder und erkrankter
Epidermis jeweils die Epidermisdicken in gleichen Hautregionen verglichen werden.
Darüberhinaus gibt es noch eine gewisse Variation der Epidermisdicke der selben Hautregion
zwischen zwei Individuen. Daher ist es bevorzugt, daß die Dicke der Epidermis beispielsweise
am linken und am rechten Bein eines erkrankten Individuums gemessen werden unter der
Voraussetzung, daß nicht die gesamte Haut von der Erkrankung betroffen ist. In der
Regel gehen Erkrankungen, die durch eine Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet
sind, mit einer Rötung der betreffenden Hautbereiche einher, so daß der Fachmann erkrankte
Hautbereiche eines Patienten allein an der Rötung von gesunden Hautbereichen unterscheiden
kann. Die Verdickung der Epidermis bei Krankheiten, die durch eine Hyperproliferation
von Keratinozyten gekennzeichnet sind, kann beispielsweise nur lokal auftreten, oder,
wie bei Psoriasis, bereits in Haut von Psoriasispatienten nachweisbar sein, die nicht
auf Grund einer Rötung bzw. einer Läsion als betroffen erkennbar ist. Jedoch ist auch
bei Psoriasispatienten eine weitere Verdickung der Epidermis in betroffenen Hauarealen
(=Läsionen) zu beobachten. Beispiele für Erkrankungen, die durch eine Hyperproliferation
von Keratinozyten im Sinne der vorliegenden Erfindung gekennzeichnet sind, sind Psoriasis,
Neurodermitis, aktinische Keratose, Hyperkeratosen wie epidermolytische Hyperkeratose
und Hyperkeratosis Lenticularis Perstans, sowie Keratosis pilaris und Ichthyosen.
Besonders bevorzugte Erkrankungen im Sinne der vorliegenden Erfindung sind Neurodermitis
und Psoriasis, insbesondere Psoriasis.
[0009] Die Epidermis wird hauptsächlich aus Keratinozyten gebildet, die von der Basalschicht
langsam nach außen wandern. Dabei gehen sie von einem proliferierenden in ein differenzierenden
Status über, um am Ende abzusterben. Die abgestorbenen Keratinozyten bilden dann an
der Oberfläche der Haut die Hornschicht, von der ständig tote Zellen abgestoßen werden.
Durch diesen Prozeß kommt es ständig zu einer Erneuerung der Haut. In Krankheiten,
die durch eine Hyperproliferation der Keratinozyten gekennzeichnet sind, ist die Balance
zwischen Differenzierung und Proliferation der Keratinozyten zugunsten der Proliferation
verschoben, wodurch sich die Epidermis, die mehr Keratinozyten, insbesondere proliferierende
Keratinozyten enthält, stark verdickt. In solchen Erkrankungen findet man auch häufig
gestörte Barrierefunktionen wodurch Superantigene oder Pathogene leichter in die Haut
eindringen können. Häufig wird auch eine verstärkte Inflammation beobachtet, wie z.B.
bei Neurodermitis und Psoriasis, die dann mit der bereits erwähnten Rötung der Haut
einhergeht.
[0010] Gegenwärtig existieren nur unbefriedigende Therapien zur Behandlung dieser Krankheiten,
die oft nur bei einer Subpopulation von Patienten erfolgreich ist, und bestehende
Therapien wie die topische oder systemische Applikation von Cortikosteroiden oder
Cyclosporin bei Neurodermitis oder Psoriasis sind häufig mit starken Nebenwirkungen
und der Unterdrückung des Immunsystems verbunden. Es besteht daher ein Bedürfnis nach
neuen möglichst nebenwirkungsfreien Medikamenten zur Behandlung dieser Erkrankungen.
Das erfindungsgemäß verwendbare Riluzol stellt ein solches Medikament dar. Beispielsweise
wurden bei der systemischen Gabe von bis zu 100 mg Riluzol zur Therapie der Laterosklerose,
nur relativ leichte Nebenwirkungen beobachtet von denen die schwersten eine Asthenie
(18% der Behandelten) und Brechreiz (16% aller Behandelten) waren, die zudem bei längeranhaltender
Therapie über beispielsweise 6 Monate deutlich verringert wurden. Darüberhinaus eignet
sich Riluzol aufgrund seiner Lipophilität zur topischen Applikation wodurch sich die
Nebenwirkungen noch weiter verringern lassen.
[0011] Erfindungsgemäß verwendbare Arzneimittel können dabei zur Behandlung von lokalen
Läsionen, aber auch zur Prävention des Ausbruchs der Krankheit eingesetzt werden.
So kann beispielsweise durch frühzeitige Behandlung von Psoriasispatienten ohne Läsionen
ein Ausbruch der Krankheit mit dermatologischen Manifestationen verhindert werden,
indem durch eine Gabe von Riluzol eine weitere Verdickung der Epidermis verhindert
wird.
Pharmazeutisch annehmbare Salze
[0012] Das erfindungsgemäß verwendbare Riluzol kann in jeder beliebigen Form zur Verfügung
gestellt werden die für eine Verabreichung geeignet ist. Geeignete pharmazeutisch
annehmbare Formen umfassen Salze oder Prä- oder Pro-Formen von Riluzol.
[0013] Beispiele pharmazeutisch annehmbarer Salze umfassen, ohne darauf beschränkt zu sein,
nichttoxische anorganische und organische Salze wie Azetat, abgeleitet von Essigsäure,
Aconat abgeleitet von Aconitinsäure, Ascorbat abgeleitet von Ascorbinsäure, Benzosulfonate
abgeleitet von Benzosulfonsäure, Benzoat abgleitet von Benzoesäure, Cinnamat abgeleitet
von Zimtsäure, Citrat abgeleitet von Zitronensäure, Embonat abgeleitet von Embonsäure,
Enantat abgeleitet von Heptansäure, Formiat abgeleitet von Ameisensäure, Fumarat abgeleitet
von Fumarsäure, Glutamat abgeleitet von Glutaminsäure, Glykolat abgleitet von Glykolsäure,
Chlorid abgleitet von Salzsäure, Bromid abgeleitet von Bromwasserstoff, Laktat abgeleitet
von Milchsäure, Maleat abgeleitet von Maleinsäure, Malonat abgeleitet von Malonsäure,
Mandelat abgeleitet von Mandelsäure, Methansulfonat abgeleitet von Methansulfonsäure,
Naphtalin-2 -Sulfonat abgeleitet von Naphtalin-2-sulfonsäure, Nitrat abgeleitet von
Salpetersäure, Perchlorat abgeleitet von Perchlorsäure, Phosphat abgeleitet von Phosphorsäure,
Phtalat abgeleitet von Phtalsäure, Salicylat abgeleitet von Salicylsäure, Sorbat abgeleitet
von Sorbinsäure, Stearat abgeleitet von Stearinsäure, Succinat abgeleitet von Succinsäure,
Sulfat abgeleitet von Schwefelsäure, Tartrat abgeleitet von Weinsäure, Toluol-psulfonat
abgeleitet von p-Tuoluol-sulfonsäure and andere. Solche Salze können durch dem Fachmann
bekannte und im Stand der Technik beschriebene Verfahren hergestellt werden.
[0014] Andere Salze wie Oxalat abgeleitet von Oxalsäure, die nicht als pharmazeutisch annehmbar
in Betracht gezogen werden, können als Zwischenprodukte zur Herstellung von Riluzol
oder eines pharmazeutisch annehmbaren Salzes davon geeignet sein.
Formulierungen
[0015] Der Begriff "Hilfsstoff" bedeutet erfindungsgemäß jedes, pharmazeutische annehmbare
festes oder flüssiges Füll-, Verdünnungs-, oder Verpackungsmaterial, solange es nicht
nachteilhaft mit Riluzol oder dem pharmazeutisch annehmbaren Salz davon reagiert.
Flüssige galenische Hilfsstoffe sind zum Beispiel steriles Wasser, physiologische
Kochsalzlösung, Zuckerlösungen, Ethanol und/oder Öle. Galenische Hilfsstoffe zur Herstellung
von Tabletten und Kapseln können zum Beispiel Bindemittel und Füllmaterial enthalten.
[0016] Die Herstellung von Arzneimitteln enthaltend Riluzol bzw. dessen Einsatz bei der
erfindungsgemäßen Verwendung erfolgt in üblicher Weise anhand geläufiger pharmazeutisch-technologischer
Verfahren. Hierzu wird Riluzol mit geeigneten, pharmazeutisch annehmbaren Hilfs- und
Trägerstoffen zu den für die verschiedenen Indikationen und für den jeweiligen Applikationsort
geeigneten Arzneiformen verarbeitet. Dabei können die Arzneimittel in einer Weise
hergestellt werden, daß die jeweils erwünschte Freisetzungsrate, z.B. eine rasche
Anflutung und/oder ein Retard- bzw. Depoteffekt erzielt werden.
[0017] In einer besonders bevorzugten Verwendung der vorliegenden Erfindung wird das oben
beschriebene Arzneimittel zur Therapie oder Prävention von Erkrankungen, die durch
Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind, topisch appliziert.
[0018] Zur topischen Applikation auf der Haut, einer Wunde oder einer Schleimhaut wird das
Riluzol enthaltende Arzneimittel vorzugsweise in Form einer Emulsion, eines Gels,
einer Salbe, eines Schaums, eines Pflasters, einer Creme eines mischphasige bzw. amphiphile
Emulsionssystems (Öl/ Wasser-Wasser/Öl-Mischphase), eines Liposoms oder Transfersoms
zubereitet. Diese Zubereitungsformen sind im Stand der Technik bekannt und Riluzol
kann vom Fachmann ohne weiteres zu einem Arzneimittel in diese Zubereitungsformen
verarbeitet werden.
[0019] Weitere topisch applizierbare Formen sind Puder, Pasten, oder Lösungen. Die Pasten
enthalten als konsistenzgebende Grundlagen oft lipophile und hydrophile Hilfsstoffe
mit sehr hohem Feststoffanteil. Die Puder, insbesondere topisch applizierbare Puder
können zur Erhöhung der Dispersität sowie des Fließ- und des Gleitvermögens sowie
zur Verhinderung von Agglomeraten, Stärken, wie Weizen- oder Reisstärke, flammendisperse
Siliziumdioxide und/oder Kieselerden enthalten. Diese Zusatzstoffe können auch als
Verdünnungsmittel dienen.
[0020] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird daher das Riluzol
enthaltende Arzneimittel, das zur Therapie oder Prävention von Erkrankungen, die durch
Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind, als eine Salbe, ein Gel,
ein Pflaster, eine Emulsion, eine Lotion, ein Schaum, eine Creme der mischphasigen
oder amphiphile Emulsionssysteme (Öl/Wasser-Wasser/Öl-Mischphase), ein Liposom, ein
Transfersom, eine Paste oder ein Puder zubereitet.
[0021] Als Hilfs- bzw. Trägerstoffe insbesondere für die Zubereitung topisch applizierbarer
Arzneimittel der vorliegenden Erfindung eignet sich beispielsweise Natriumalginat
als Gelbildner zur Herstellung einer geeigneten Grundlage oder Cellulosederivate,
wie z. B. Guar- oder Xanthangummi, anorganische Gelbildner, wie z.B. Aluminiumhydroxide
oder Bentonite (sog. thixotrope Gelbildner), Polyacrylsäurederivate, wie z.B. Carbopol®,
Polyvinylpyrrolidon, mikrokristalline Cellulose oder Carboxymethylcellulose, beispielsweise
das Carboxymethylcellulose-Produkt IntraSite (Smith & Nephew, London). Darüber hinaus
können biokompatible Poloxamere verwendet werden, wie beispielsweise FloGe1®, das
ein thermoreversibles Gel bildet. Darüber hinaus kommen Phospholipide oder amphiphile
niederund höhermolekulare Verbindungen in Frage. Die Gele können entweder als Hydrogele
auf Wasserbasis oder als hydrophobe Organogele, beispielsweise auf Basis von Gemischen
nieder- und hochmolekularer Paraffinkohlenwasserstoffe und Vaseline vorliegen. Weiterhin
können synthetische Biomaterialien als Trägerstoffe eingesetzt werden, wobei Riluzol
nichtkovalent oder kovalent, beispielsweise direkt oder über einen Linker gebunden
sein kann.
[0022] Dem Fachmann bekannte hautberuhigende und/oder endzündungshemmende Zusatzstoffe wie
beispielsweise synthetisch hergestellte Wirkstoffe und/oder Extrakte und/oder Wirkstoffe
aus Heilpflanzen, insbesondere Bisobolol und Panthenol können dem Arzneimittel ebenfalls
zugesetzt werden. Des weiteren können Farbstoffe beispielsweise gelbes und/oder rotes
Eisenoxid und/oder Titandioxid zur farblichen Anpassung und/oder Geruchsstoffe dem
Arzneimittel hinzugesetzt werden.
[0023] Des weiteren können die erfindungsgemäß verwendbaren Arzneimittel Emulgatoren umfassen.
Als Emulgatoren, eignen sich neutrale, anionische oder kationische Tenside, beispielsweise
Alkaliseifen, Metallseifen, Aminseifen, sulfurierte und sulfonierte Verbindungen,
Invertseifen, lange Fettalkohole, Partialfettsäureester des Sorbitans und Polyoxyethylensorbitans,
z.B. Lanette-Typen, Wollwachs, Lanolin oder andere synthetische Produkte, die zur
Herstellung von Öl/Wasser- und/oder Wasser/Öl-Emulsionen geeignet sind. Die hydrophilen
Organogele können beispielsweise auf Basis hochmolekularer Polyethylenglykole zubereitet
werden. Diese gelartigen Formen sind abwaschbar. Als Lipide in Form fett- und/oder
öl- und/oder wachsartiger Komponenten zur Herstellung der Salben, Cremes oder Emulsionen
werden Vaseline, natürliche und/oder synthetische Wachse, Fettsäuren, Fettalkohole,
Fettsäureester, z.B. als Mono-, Di- oder Triglyceride, Paraffinöl oder pflanzliche
Öle, gehärtetes Rizinusöl oder Kokosöl, Schweinefett, synthetische Fette, z.B. auf
Capryl-, Caprin-, Laurin- und Stearinsäurebasis wie z.B. Softisan® oder Triglyceridgemischen
wie Miglyol® eingesetzt.
[0024] Zur Einstellung des pH-Wertes können weiterhin beispielsweise osmotisch wirksame
Säuren und Laugen, z.B. Salzsäure, Zitronensäure, Natronlauge, Kalilauge, Natriumhydrogencarbonat,
ferner Puffersysteme, wie z.B. Citrat, Phosphat, Tris-Puffer oder Triethanolamin verwendet
werden. Des weiteren kann die Stabilität durch hinzufügen von Konservierungsmittel,
wie z.B. Methyl- oder Propylbenzoat (Parabene) oder Sorbinsäure erhöht werden.
[0025] Zur nasalen Applikation können Nasentropfen oder Nasensprays Vernebler oder Nasencreme
oder -salbe eingesetzt werden. Nasenspray oder Trockenpulverzubereitungen sowie Dosieraerosole
eignen sich darüber hinaus auch zur systemischen Verabreichung von Riluzol oder einem
pharmazeutisch annehmbaren Salz davon. Weiterhin können die erfindungsgemäßen Arzneimittel
über Druck- bzw. Dosieraerosole und Trockenpulverzubereitungen inhaliert bzw. insuffliert
werden. Derartige Verabreichungformen können auch für die direkte, regionale Applikation
in der Lunge, en Bronchien und/oder dem Kehlkopf bzw. für die lokale Applikation verwendet
werden. Dabei können die Trockenpulverzusammensetzungen beispielsweise als Wirkstoff-Softpellets,
als Wirkstoff-Pulvermischungen mit geeigneten Trägerstoffen, wie z.B. Lactose und/oder
Glukose formuliert werden. Für die Inhalation oder Insufflation eignen sich übliche,
dem Fachmann bekannte Applikatoren, die sich zur Behandlung des Nasen-, Mund- und/oder
Rachenraums eignen. Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon lässt sich
auch mittels eines Ultraschallvemebelungsgerätes applizieren. Anstelle der Dosieraerosole
lassen sich auch treibgasfreie, manuelle Pumpsysteme verwenden. Zweckmäßigerweise
können die Treibgasaerosole auch oberflächenaktive Hilfsstoffe enthalten, wie z.B.
Isopropylmyristat, Polyoxyethylensorbitantfettsäureester, Lecithine oder Sojalecithin.
Für die regionale Applikation
in situ sind z.B. Lösungen zur Instillation geeignet.
[0026] Weiterhin kann Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon in Form von
systemisch eingesetzten Arzneimitteln verwendet werden. Dazu gehören die Parenteralia,
zu denen unter anderem die Injektabilia und Infusionen gehören. Injektabilia werden
entweder in Form von Ampullen oder auch als sog. gebrauchsfertige Injektabilia, z.B.
als Fertigspritzen oder Einmalspritzen, daneben auch in Durchstechflaschen zur mehrmaligen
Entnahme hergerichtet. Die Verabreichung der Injektabilia kann in Form einer subkutanen
(s.c.), intramuskulären (i.m.), intravenösen (i.v.) oder intrakutanen (i.c.) Applikation
erfolgen. Insbesondere können die jeweils zweckmäßigen Injektionsformen als Kristallsuspensionen,
Lösungen, nanopartikuläre oder kolloiddisperse Systeme, wie z.B. Hydrosole, hergestellt
werden.
[0027] Die injizierbaren Zubereitungen können ferner als Konzentrate hergestellt werden,
die mit wässrigen isotonischen Verdünnungsmitteln aufgelöst oder dispergiert werden
können. Die Infusionen lassen sich ebenfalls in Form von isotonischen Lösungen, Fettemulsionen,
Liposomenzubereitungen, Mikroemulsionen, zubereiten. Wie Injektabilia können auch
Infusionszubereitungen in Form von Konzentraten zum Verdünnen zubereitet werden. Die
injizierbaren Zubereitungen können auch in Form von Dauerinfusionen sowohl in der
stationären als auch in der ambulanten Therapie, z.B. in Form von Minipumpen, appliziert
werden.
[0028] Den parenteralen Arzneiformen können beispielsweise Albumin, Plasmaexpander, oberflächenaktive
Stoffe, organische Lösungsmittel, pH-beeinflussenden Stoffe, komplexbildende Stoffe
oder polymere Stoffe, insbesondere als Substanzen zur Beeinflussung der Adsorption
von Riluzol oder eines pharmazeutisch annehmbaren Salzes davon an Proteine oder Polymere
oder auch mit dem Ziel hinzugefügt werden, die Adsorption von Riluzol oder eines pharmazeutisch
annehmbaren Salzes davon an Materialien, wie Injektionsbestecke oder Verpackungsmittel,
beispielsweise Kunststoff oder Glas, zu verringern.
[0029] Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon kann in den Parenteralia an
Microcarrier oder Nanopartikel gebunden sein, beispielsweise an feinstverteilte Partikel
auf Basis von Poly(meth)acrylaten, Polylactaten, Polyglycolaten, Polyaminsäuren oder
Polyetherurethanen. Die parenteralen Zubereitungen können auch als Depotpräparate
modifiziert sein, z.B. aufbauend auf dem "Multiple Unit Prinzip", wenn Riluzol oder
ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon in feinstverteilter bzw. dispergierte, suspendierter
Form oder als Kristallsuspension in das Arzneimittel eingearbeitet ist oder aufbauend
auf dem "Single Unit Prinzip", wenn Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz
davon in einer Arzneiform, z.B. ein Tablette oder ein Stäbchen, eingeschlossen ist
das anschließend implantiert wird. Häufig bestehen diese Implantate oder Depotarzneimittel
bei Single Unitund Multiple Unit-Arzneiformen aus sogenannten bioabbaubaren Polymeren,
wie z.B. Polyestern der Milch- und Glykolsäure, Polyetherurethanen, Polyaminosäuren,
Poly(meth)acrylaten oder Polysacchariden.
[0030] Als Hilfs- und Trägerstoffe bei der Herstellung von als Parenteralia formulierten
erfindungsgemäß verwendbaren Arzneimitteln werden vorzugsweise Aqua sterilisata, den
pH-Wert beeinflussende Substanzen, wie z.B. organische und anorganische Säuren und
Basen sowie deren Salze, Puffersubstanzen zur Einstellung des pH-Wertes, Isotonisierungsmittel,
wie z.B. Natriumchlorid, Natriumhydrogencarbonat, Glucose und Fructose, Tenside bzw.
oberflächenaktive Substanzen und Emulgatoren, wie z.B. Partialfettsäureester des Polyoxyethylensorbitans
(beispielsweise Tween®) oder z.B. Fettsäureester des Polyoxyethylens (beispielsweise
Cremophor®), fette Öle, wie z.B. Erdnussöl, Sojabohnenöl und Rizinusöl, synthetische
Fettsäureester, wie z.B. Ethyloleat, Isopropylmyristat und Neutralöl (beispielsweise
Miglyol®), sowie polymere Hilfsstoffe wie z.B. Gelatine, Dextran, Polyvinylpyrrolidon,
die Löslichkeit erhöhende Zusätze organischer Lösungsmittel wie z.B. Propylenglycol,
Ethanol, N,N-Dimethylacetamid, Propylenglycol oder komplexbildender Stoffe, wie z.B.
Citraten und Harnstoff, Konservierungsmittel, wie z.B. Benzoesäurehydroxypropylester
und -methylester, Benzylalkohol, Antioxidantien, wie z.B. Natriumsulfit und Stabilisatoren,
wie z.B. EDTA, zugesetzt.
[0031] Bei Zubereitung des erfindungsgemäß verwendbaren Arzneimittels als Suspensionen erfolgt
in einer bevorzugten Ausführungsform ein Zusatz von Verdickungsmitteln um das Absetzen
des Riluzol oder eines pharmazeutisch annehmbaren Salzes davon zu verhindern, von
Tensiden und Peptisatoren, um die Aufschüttelbarkeit des Sediments zu sichern, und/oder
von Komplexbildnern wie beispielsweise EDTA. Auch lassen sich mit verschiedenen Polymeren
Wirkstoffkomplexe erzielen. Beispiele solcher Polymere sind Polyethylenglykol, Polystyrol,
Carboxymethylcellulose, Pluronics® oder Polyethylenglykolsorbitfettsäureester. Riluzol
oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon lässt sich auch in Form von Einschlussverbindungen,
z.B. mit Cyclodextrinen, in flüssige Zubereitungen inkorporieren. Als weitere Hilfsstoffe
können in bestimmten Ausfühnmgsformen auch Dispergiermittel zugesetzt werden. Zur
Herstellung von Lyophilisaten können Gerüstbildner, wie z.B. Mannit, Dextran, Saccharose,
Humanalbumin, Lactose, PVP oder Gelatinesorten verwendet werden.
[0032] Soweit Riluzol nicht in Form seiner Base in die flüssigen Arzneizubereitungen eingearbeitet
wird, lässt es sich in Form seiner Säureadditionssalz-Solvate in den Parenteralia
einsetzen.
[0033] Eine weitere systemische Applikationsform die von Bedeutung ist, ist die perorale
Verabreichung als Tabletten, Hart- oder Weichgelatinekapseln, Dragees, Pulver, Pellets,
Mikrokapseln, Oblongkomprimate, Granulate, Kautabletten, Lutschpastillen, Kaugummi
oder Sachets. Diese festen peroral verabreichbaren Formen lassen sich auch als Retard-
bzw. Depotsysteme herrichten. Dazu zählen Arzneimittel mit einem Gehalt an einem oder
mehreren mikronisierten Wirkstoffen, Diffusions- und Erosionsformen auf Matrixbasis,
z.B. unter Verwendung von Fetten, wachsartigen und/oder polymeren Stoffen, oder sogenannten
Reservoirsystemen. Wenn das Arzneimittel formuliert wird, um Rizulol über einen längeren
Zeitraum freizusetzen können Retardiermittel bzw. Mittel zur gesteuerten Freisetzung,
wie film- oder matrixbildende Substanzen, beispielsweise Ethylcellulose, Hydroxpropylmethylcellulose,
Poly(met)acrylatderivate (z.B. Eudragit®), Hydroxpropyl-methylcellulosephthalat sowohl
in organischen Lösungen als auch in Form wäßriger Dispersionen zugesetzt werden. In
diesem Zusammenhang sind auch sogenannte bioadhäsive Präparate zu nennen, bei denen
die erhöhte Verweilzeit im Körper durch intensiven Kontakt mit den Körperschleimhäuten
erreicht wird. Ein Beispiel eines bioadhäsiven Polymers ist z.B. die Gruppe der Carbomere®.
[0034] Zum Zwecke einer gezielten Freisetzung von Riluzol oder eines pharmazeutisch annehmbaren
Salzes davon in den verschiedenen Abschnitten des Gastrointestinaltraktes lassen sich
Mischungen aus an den verschiedenen Orten freisetzenden Pellets einsetzen. Beispielsweise
können Arzneimittelzubereitungen mit Gemischen aus magensaftlöslichen bzw. magensaftresistenten
und dickdarmlöslichen Filmen, Stoffen, Verbindungen oder Zusammensetzungen überzogen
werden. Dasselbe Ziel der Freisetzung an verschiedenen Abschnitten des Gastrointestinaltraktes
läßt sich auch durch entsprechend hergestellte Manteltabletten mit Kern erreichen,
wobei der Mantel den Wirkstoff im Magensaft schnell freisetzt und der Kern den Wirkstoff
im Dünndarmmilieu allmählich freigibt. Das Ziel einer gesteuerten Freisetzung an verschiedenen
Abschnitten des Gastrointestinaltraktes läßt sich beispielsweise auch durch Mehrschichttabletten
erreichen. Die Pelletgemische mit unterschiedlich freisetzbarem Wirkstoff lassen sich
beispielsweise in Hartgelatinekapseln abfüllen.
[0035] Als weitere Hilfsstoffe zur Herstellung von Komprimaten, wie z.B. Tabletten oder
Hart- und Weichgelatinekapseln sowie Dragees und Granulaten werden beispielsweise
Gegenklebe- und Schmier- und Trennmittel, Dispergiermittel, wie z.B. flammendisperses
Siliziumdioxid, Sprengmittel, wie z.B. verschiedene Stärkearten, PVP, Celluloseester
als Granulier- oder Retardiermittel, wie z.B. wachsartige und/oder polymere Stoffe
auf Eudragit®-, Celluloseoder Cremophor®- Basis eingesetzt.
[0036] Des weiteren können für die perorale Verabreichung zubereitete Arzneimittel Antioxidantia,
Süßungsmittel, wie z.B. Saccharose, Xylit oder Mannit, Geschmackskorrigenzien, Aromastoffe,
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Puffersubstanzen, Direkttablettiermittel, wie z.
B. mikrokristalline Cellulose, Stärke und Stärkehydrolysate (z.B. Celutab®), Milchzucker,
Polyethylenglykole, Polyvinylpyrrolidon und Dicalciumphosphat, Gleitmittel, Füllstoffe,
wie z.B. Lactose oder Stärke, Bindemittel in Form von Lactose, Stärkearten, wie z.B.
Weizenoder Mais- bzw. Reisstärke, Cellulosederivate, wie z.B. Methylcellulose, Hydroxypropylcellulose
oder Kieselerde, Talkum, Stearate, wie z.B. Magnesiumstearat, Calciumstearat, Talk,
silikonisierter Talk, Stearinsäure, Cetylalkohol oder hydrierte Fette usw. enthalten.
Dem Fachmann ist eine Vielzahl von Stoffen bekannt, die Arzneimitteln für die Herrichtung
zur perioralen Verabreichung zugesetzt werden können.
[0037] In einer weiteren Ausführungsform kann Riluzol oder ein therapeutisch annehmbares
Salz davon auch als orales therapeutisches System, insbesondere aufbauend auf osmotischen
Prinzipien, wie z.B. GIT gastrointestinales therapeutisches System) oder OROS (orales
osmotisches System) formuliert werden.
[0038] Zu den peroral verabreichbaren Komprimaten zählen auch Brausetabletten oder Tabs,
welche beide rasch in Wasser lösliche oder suspendierbare und sofort trinkbare Instantarzneiformen
darstellen.
[0039] Zu den peroral verabreichbaren Formen zählen auch Lösungen, z.B. Tropfen, Säfte und
Suspensionen, die nach im Stand der Technik bekannter Verfahren hergestellt werden
können und - neben den bereits erwähnten Hilfs- und Zusatzstoffen zur Erhöhung der
Stabilität - noch Konservierungsmittel und gegebenenfalls zur erleichterten Einnahme
noch Aromastoffe und zur besseren Unterscheidbarkeit Farbstoffe sowie Antioxidantia
und/oder Vitamine und Süßstoffe, wie Zucker oder künstliche Süßungsmittel enthalten
können. Dies gilt auch für Trockensäfte, die vor der Einnahme mit Wasser zubereitet
werden. In einer bevorzugten Ausführungsform ein Formulierung des erfindungsgemäßen
Arzneimittels in einer flüssig einzunehmenden Form kann diese auch Ionenaustauscherharze
enthalten.
[0040] Eine spezielle Abgabeform besteht in der Errichtung von sog. Schwimmarzneiformen,
beispielsweise auf Basis von Tabletten oder Pellets, die nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten
Gase entwickeln und deshalb an der Oberfläche der Magenflüssigkeit schwimmen. Weiterhin
können auch sogenannte elektronisch gesteuerte Abgabesysteme formuliert werden, bei
denen die Wirkstoffabgabe über externe elektronische Impulse gezielt auf die individuellen
Bedürfnisse eingestellt werden können.
[0041] Eine weitere Gruppe systemisch verabreichbarer und gegebenenfalls auch topisch wirksamer
Arzneiformen stellen rektal applizierbare Arzneimittel dar. Dazu zählen die Suppositorien
und Klistierzubereitungen. Die Klistierzubereitungen können auf Basis von Tabletten
mit wäßrigen Lösungsmitteln zum Herstellen dieser Verabreichungsform hergerichtet
werden. Auf der Grundlage von beispielsweise Gelatine oder anderen im Stand der Technik
bekannten Trägerstoffen lassen sich auch Rektalkapseln bereitstellen.
[0042] Als Suppositoriengrundlagen kommen Hartfette, wie z.B. Witepsol®, Massa Estarium®,
Novata®, Kokosfett, Glycerin/Gelatine-Massen, Glycerin/Seifen-Gele und Polyethylenglykole
in Betracht.
[0043] Für die Langzeitapplikation mit einer systemischen Wirkstoffabgabe bis zu mehreren
Wochen sind Implantatpresslinge geeignet, die vorzugsweise auf Basis sog. bioabbaubarer
Polymere formuliert sein können.
[0044] Das Arzneimittel, das das erfindungsgemäß formulierte Riluzol oder ein pharmazeutisch
annehmbares Salz davon enthält, kann auch als transdermales System formuliert werden.
Diese Formulierung zeichnet sich wie die obenstehend genannten rektalen Formen durch
die Umgehung des Leberkreislaufs bzw. des Lebermetabolismus aus. Als transdermale
Systeme sind insbesondere Pflaster geeignet, die auf Basis verschiedener Schichten
und/oder Mischungen geeigneter Hilfs- und Trägerstoffe den Wirkstoff in gesteuerter
Weise über längere oder kürzere Zeiträume abzugeben vermögen. Bei der Herstellung
derartiger transdermaler Systeme können zur Verbesserung und/oder Beschleunigung der
Penetration der Haut Substanzen zugesetzt werden, die die Membranendurchdringung erhöhen
bzw. Permeationspromotoren, wie z.B. Ölsäure, Azone®, Adipinsäurederivate, Ethanol,
Harnstoff, Propylenglykol. Als weitere Bestandteile des erfindungsgemäß verwendbaren
Arzneimittels kommen neben geeigneten Hilfs- und Trägerstoffen wie Lösungsmitteln,
polymere Bestandteile, z.B. auf Basis von Eudragit®, in Betracht.
[0045] Bekannte Formulierungen von Riluzol, die für die orale Administration geeignet sind,
sind beispielsweise in EP 0 558 861 und US 4,370,338 offenbart.
[0046] Die jeweils für die verschiedenen Applikationswege geeigneten Arzneiformen lassen
sich in Einklang mit dem Fachmann bekannten Rezepturvorschriften und Verfahrensweisen
auf der Basis allgemein bekannter pharmazeutisch-physikalischer Grundlagen herstellen.
Kombination mit weiteren Stoffen
[0047] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann Riluzol oder ein
pharmazeutisch annehmbares Salz davon mit anderen therapeutisch aktiven Wirkstoffen
kombiniert werden, die zur Behandlung und/oder Prävention von Krankheiten, die durch
Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind, geeignet sind.
[0048] Daher betrifft die vorliegende Erfindung in einem weiteren Aspekt eine Zusammensetzung
umfassend Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon und einen oder mehrere
weitere Wirkstoffe für die bekannt ist, daß sie zur Therapie oder Prävention von Erkrankungen,
die durch die Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind, verwendet
werden können. Besonders geeignete Wirkstoffe, die mit Riluzol oder einem pharmazeutisch
annehmbaren Salz davon kombiniert werden können, sind Vitamin D Derivate als Agonisten
des Vitamin D Rezeptors, insbesondere Calcipotriol, Retinoide als Agonisten des Retinoid
Rezeptors (RAR), beispielsweise Tazarotene, Cortikosteroid Derivate als Agonisten
des Glukokortikoid Rezeptors, beispielsweise Betamethason und Cortison, Fumarsäure,
hautverdünnende Agenzien beispielsweise Clobetasol, Antagonisten von TNF alpha, Antagonisten
der Dihydrofolat-Dehydrogenase beispielsweise Metothrexat und immunsuppressive Substanzen
beispielsweise Amphotericin, Busulphan, Co-trimoxazol, Chlorambucil, Colony Stimulating
Faktor, Cyclophosphamid, Fluconazol, Ganciclovir, Antilymphozyten Immunglobuline,
Methylprednisolon, Octreotid, Oxpentifyllin, Thalidomid, Zolimomab aritox.
[0049] Eine weitere besonders bevorzugte Ausführungsform betrifft eine Zusammensetzung umfassend
Riluzol oder ein pharmazeutsich annehmbares Salz davon und einen Calcineurin-Antagonisten.
Unter dem Begriff "Calcineurin-Antagonist" im Sinne der vorliegenden Erfindung sind
Substanzen zu verstehen, die als Antagonist der Calcineurin Phosphatase-Aktivität
wirken. Ob eine Substanz antagonistisch auf die Calcineurin Phosphatase-Aktivität
wirkt läßt sich durch im Stand der Technik beschriebene Assays zur Bestimmung der
Calcineurin Phosphatase-Aktivität bestimmen. Beispielsweise kann ein Assay durchgeführt
werden wie in Baughman et al. (1995, Mol. Cell. Biol., 15: 4395-4402) beschrieben.
Der Reaktionsansatz enthält dabei 100 µmol/l CaCl
2, 100 µg Rinderserumalbumin (Fraktion V) pro ml, 40 mmol/l Tris-HCl (pH 8.0), 100
mmol/l NaCl, 6 mmol/l Magnesiumacetat, 500 µmol/l Dithiothreitol, 40 µmol/l [
33P] RII-Peptid (600 cpm/pmol), 190 nmol/l Rinder-Calmodulin, 3 nmol/l Rinder-Calcineurin,
50 µmol/l von der auf Calcineurin-Inhibition zu testende Substanz ("Testsubstanz"),
und ein Immunophilin; z.B. FKBP12 and Cyclophilin. Das RII Peptid hat die Sequenz
DLDVPIPGRFDRRVSVAAE. Die Phosphorylierung an Serin-Resten wird wie in Liu et al. (1991,
Cell, 66: 807-815) und in Manalan und Klee (1983, PNAS, 87:4291-4295) beschrieben,
durchgeführt. Die Reaktionsansätze werden 30 min bei 30°C in Abwesenheit markierter
Peptide inkubiert. Die Dephosphorylierungsreaktionen werden durch Zugabe der Peptide
gestartet und dann für 10 min bei 30°C inkubiert. Die Beendigung der Reaktion sowie
die Abtrennung freien Phosphats von phosphorylierten Peptiden erfolgt wie in Liu et.
al. und Manalan und Klee (supra) beschrieben. Der Grad der Dephosphorylierung, der
in Abwesenheit der Testsubstanz gemessen wird, wird als 100% Calcineurinaktivität
definiert, während der Grad der Dephosphorylierung, der in Abwesenheit von Testsubstanz
und Calcineurin gemessen wird als 0% Calcineurinaktivität definiert wird. Die Aktivität
des jeweiligen Calcineurin-Antagonisten kann dann über die prozentuale Verringerung
der Calcineurinaktivität in Gegenwart des jeweiligen Antagonisten ausgedrückt werden.
Die Calcineurin-Antagonisten die in Zusammensetzung der vorliegenden Erfindung verwendet
werden verringern die Calcineurinaktivität um mindestens ca. 10%, vorzugsweise um
mindestens ca. 30%, bevorzugter um mindestens ca. 50% und am bevorzugtesten um mindestens
ca. 90%. Erfindungsgemäße Calcineurin-Antagonisten sind beispielsweise aus WO 95/04061,
WO 90/14826, EP 378321, WO 95/09857, WO 95/35299, EP 626385, GB 1491509 und DE2941080
bekannt.
[0050] Vorzugsweise enthält die erfindungsgemäße Zusammensetzung einen oder mehrere Calcineurin-Antagonisten
ausgewählt aus Cyclosporin A, Cyclosporin G, Cyclosporin B, Cyclosporin C, Cyclosporin
D, Dihydro-cyclosporin D, Cyclosporin E, Cyclosporin F, Cyclosporin H, Cyclosporin
I, ASM-240, Pimecrolimus, Tacrolimus, 13-Desmethyl-Derivate von Tacrolimus (L-685487),
L-683519 und/oder 17-Ethyl-Derivate von Tacrolimus. Ganz besonders bevorzugt sind
Zusammensetzungen, die neben Riluzol oder einem pharmazeutisch akzeptablen Salz davon
Pimecrolimus, Tucrolimus, und Cyclosporin A umfassen. In einer weiteren Ausführungsform
können diese Zusammensetzungen auch noch einen oder mehrere der vorgenannten Wirkstoffe
und dabei insbesondere einen oder mehrere der besonders geeigneten Wirkstoffe enthalten.
[0051] Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen enthaltend einen oder mehrere weitere Wirkstoffe,
die die Hyperproliferation von Keratinozyten verringern oder verhindern, und/oder
einen oder mehrere Calcineurin-Antagonisten können vom Fachmann in allen vorangehend
für Riluzol offenbarten Formulierungen hergestellt und mit den jeweils angegebenen
Hilfs- und Zusatzstoffen versetzt werden.
[0052] Daher ist ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung die Verwendung einer der
vorgenannten Zusammensetzungen zur Herstellung eines Arzneimittels zur Therapie oder
Prävention von Krankheiten, die durch Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet
sind, insbesondere von Neurodermitis und Psoriasis. Bei der erfindungsgemäßen Verwendung
der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen sind die gleichen Applikationsformen wie vorangehend
für Riluzol allein erläutert, geeignet, insbesondere die topische Applikation auf
die betroffenen Hautstellen.
[0053] In einem weiterem Aspekt umfaßt die Erfindung auch räumlich und/oder zeitlich getrennt
Verabreichung der jeweiligen Wirkstoffe, d.h. Riluzol, Calcineurin-Antagonist(en)
und/oder Wirkstoff(e), die die Hyperproliferation von Keratinozyten verringern.
Dosis
[0054] Die einzusetzende Dosis hängt von der jeweiligen Krankheit und der Schwere der Krankheit
ab und liegt im Ermessen des Arztes. Die erfindungsgemäß verwendbaren Arzneimittel
enthalten vorzugsweise zwischen ungefähr 0,01 bis ungefähr 500 mg Wirkstoff pro Dosis,
vorzugsweise zwischen ungefähr 1 bis ungefähr 100 mg Wirkstoff pro Dosis. Der Wirkstoff
kann in einer oder mehreren Dosen pro Tag gegeben werden; alternativ kann der Wirkstoff
auch in größeren Zeitabständen gegeben werden.
[0055] Im Falle der
in vitro Messungen (Beispiel 1) wurde ein inhibitorische Wirkung von Riluzol auf die Proliferation
bereits ab einer Konzentration von Riluzol von 1 µmol/l gemessen. Je nach Permeabilität
der Haut, der Art und Schwere der Krankheit und abhängig von der Art der Formulierung
und Häufigkeit der Auftragung können bei topischer Applikation unterschiedliche Konzentrationen
an Wirkstoff im Medikament ausreichen, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen,
vorzugsweise liegt die Konzentration von Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares
Salz davon in einem erfindungsgemäß verwendbaren Arzneimittel zwischen 1 µmol/l und
100 mmol/l.
[0056] Daher ist in einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ein erfindungsgemäß
verwendbares Arzneimittel insbesondere zur topischen Anwendung dadurch gekennzeichnet,
daß es Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon in einer Konzentration
zwischen 1 µmol/l lund 100 mmol/l enthält.
Figuren
[0057] Figur 1: Einfluss von Riluzol auf die Proliferation von Keratinozyten. HaCat-Keratinozyten
wurden mit verschiedenen Riluzol-Konzentrationen behandelt (1 µmol/l, 10 µmol/l, 25
µmol/l, 50 µmol/l, 100 µmol/l, 250 µmol/l). Bereits ab 1 µmol/l Riluzol wird eine
Inhibition der Proliferation gegenüber der Kontrolle (KBM + 10% FCS) beobachtet. Als
weitere Kontrolle dienen Zellen die nur in KBM (KBM) inkubiert wurden.
Beispiele
Herstellung von Riluzol
[0058] Die Herstellung von Riluzol ist im Stand der Technik beschrieben. So kann Riluzol
beispielsweise wie in Yagupol'-skii, L. M. und Gandel'sman L. Z. (Zh. Obshch. Khim.,
1963, 33: 2301), US 4,370,338, Jimonet et al. (J. Med. Chem., 1999, 2828-2843) oder
Hays et al. (J. Pharm Sci., 1994, 83: 1425-1432) beschrieben hergestellt werden.
Beispiel 1: Einfluss von Riluzol auf die Keratinozyteniproliferation
[0059] Es wurde der Einfluss von Riluzol auf die Keratinozytenproliferation anhand von HaCaT-Zellen
untersucht. Dazu wurden 5x10
3 HaCaT-Keratinozyten in 60 Vertiefungen einer 96 Vertiefungsplatte in jeweils 200
µl KBM/10% FCS ausgesät und für 24 Stunden bei 37°C inkubiert. Nach den Inkubation
wurden jeweils 6 Vertiefungen mit HaCaT-Zellen und 1 Vertiefung ohne Zellen für 48
Stunden mit Negativkontrolle (KBM/1% DMSO), Positivkontrolle (KBM/FCS/1% DMSO) oder
mit 0,1 - 250 µmol/l Riluzol in KBM/FCS (Stammlösung Riluzol: 100 mmol/l in DMSO)
behandelt und für 48 Stunden bei 37°C inkubiert. Dabei wurde die DMSO-Konzentration
in allen getesteten Riluzolkonzentrationen konstant bei 1 % gehalten. Am Ende der
2. Inkubationsphase wurde das Medium entfernt und die Proliferation der Zellen mit
dem Cell Titer Viability Assay von Promega (#G7571/G7572) nach den Anweisungen des
Herstellers bestimmt. Dabei korreliert eine gegenüber der Positivkontrolle erniedrigte
Lumineszenz (in RLU, relative Lumineszenzeinheiten) mit einer erniedrigten Proliferation.
Werte, die von den Vertiefungen ohne Zellen erhalten wurden, wurden als Hintergrundwerte
von dem Mittelwert der 6 Vertiefungen mit Zellen abgezogen. Es wurden mindestens 4
unabhängige Experimente durchgeführt. Die Ergebnisse sind in Figur 1 zusammengestellt.
Es zeigt sich, daß Riluzol bereits im niedrigen µmol/l-Bereich die Proliferation von
Keratinozyten hemmt und im höheren µmol/l-Bereich (100 µmol/l, 250 µmol/l) eine völlige
Inhibition der Proliferation erreicht wird; d.h. ein Wert vergleichbar mit der Negativkontrolle
erreicht wird. Dies zeigt die besondere Eignung von Riluzol zur Therapie oder Prävention
von Erkrankungen, die durch Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet sind,
insbesondere zur Therapie von Psoriasis.
Beispiel 2: Einfluss von Riluzol auf den psoriatrischen Phänotyp im Psoriasis-Tiermodell
[0060] Die Wirkung von Riluzol kann beispielsweise im SCID-Maus Tiermodell nachgewiesen
werden, z.B. wie in Boehncke et al. (Arch. Dermatol. Res. 286:325-330) beschrieben.
Dazu werden spindelförmige Hautbiopsien von Läsionen von Psoriasispatienten entnommen,
und Transplantate von 1 cm Durchmesser auf ebenso große Wunden auf dem Rücken von
SCID-Mäusen transplantiert. Danach wird ca. 2 Wochen gewartet bis das Gewebe angewachsen
ist.
[0061] Anschließend kann die transplantierte Biopsie mit Riluzol, das in Basiscreme formuliert
ist, topisch appliziert oder als Lösung intradermal gespritzt werden. Beispielsweise
kann Riluzol in Konzentrationen von 1 µmol/l, 10 µmol/l, 100 µmol/l, 1 mmol/l, 10
mmol/l, 20 mmol/l, 100 mmol/l getestet werden.
[0062] Die Creme oder die Lösung werden täglich 1-2 mal appliziert. Nach 3 Behandlungswochen
werden die Tiere getötet, die Biopsien entnommen und histologisch untersucht. Die
Biopsien werden dazu mit Standard-Eosin- und -Hämatoxylin-Färbungen gefärbt und auf
Veränderungen der Dicke der Epidermis hin untersucht. Eine Verringerung der Epidermisdicke
im Vergleich zu Kontrollmäusen, die mit Trägersubstanz alleine behandelt wurde, weist
die Wirksamkeit von Riluzol im Tiermodell nach.
1. Verwendung von Riluzol oder eines pharmazeutisch annehmbaren Salzes davon gegebenenfalls
mit geeigneten Hilfs- und Zusatzstoffen zur Herstellung eines Arzneimittels zur Therapie
oder Prävention von Erkrankungen, die durch Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet
sind.
2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Erkrankung ausgewählt ist aus Psoriasis, Neurodermitis, aktinische Keratose,
Hyperkeratosen wie epidermolytische Hyperkeratose, Hyperkeratosis Lenticularis Perstans,
Keratosis pilaris und Ichthyosen.
3. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet daß Arzneimittel topisch appliziert wird.
4. Verwendung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet daß das Arzneimittel in Form einer Salbe, eines Gels, eines Pflasters, einer Emulsion,
einer Lotion, eines Schaums, einer Creme eines mischphasigen oder amphiphilem Emulsionssystems
(Öl/ Wasser-Wasser/Öl-Mischphase), eines Liposoms, eines Transfersoms, einer Paste
oder eines Puders zubereitet ist.
5. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet daß Riluzol oder das pharmazeutisch annehmbare Salze davon in dem Arzneimittel in einer
Konzentration zwischen 1 µmol/l und 100 mmol/l enthalten ist.
6. Zusammensetzung umfassend Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon und
einen oder mehrere Wirkstoffe, der (die) die Hyperproliferation von Keratinozyten
verringert/verringern oder verhindert/verhindern.
7. Zusammensetzung nach Anspruch 6, worin der Wirkstoff ausgewählt ist aus Vitamin D
Derivaten als Agonisten des Vitamin D Rezeptors, insbesondere Calcipotriol, Retinoid
Derivaten als Agonisten des Retinoid Rezeptors (RAR), insbesondere Tazarotene, Cortikosteroid
Derivaten als Agonisten des Glukokortikoid Rezeptors, insbesondere Betamethason und
Cortison, Fumarsäure, hautverdünnende Agenzien, insbesondere Clobetasol, Antagonisten
von TNF alpha, Antagonisten der Dihydrofolat-Dehydrogenase beispielsweise Metothrexat
und immunsuppressive Substanzen beispielsweise Amphotericin, Busulphan, Co-trimoxazol,
Chlorambucil, Colony Stimulating Faktor, Cyclophosphamid, Fluconazol, Ganciclovir,
Antilymphozyten Immunglobuline, normale Immunglobuline, Methylprednisolon, Octreotid,
Oxpentifyllin, Thalidomid, Zolimomab aritox.
8. Zusammensetzung enthaltend Riluzol oder ein pharmazeutisch annehmbares Salz davon
und ein oder mehrere Calcineurin-Antagonist(en).
9. Zusammensetzung nach Anspruch 8, worin der Calcineurin-Antagonist ausgewählt ist aus
Cyclosporin A, Cyclosporin G, Cyclosporin B, Cyclosporin C, Cyclosporin D, Dihydro-cyclosporin
D, Cyclosporin E, Cyclosporin F, Cyclosporin H, Cyclosporin I, ASM-240, Pimecrolimus,
Tacrolimus, 13-Desmethyl-Derivate von Tacrolimus und/oder 17-Ethyl-Derivate von Tacrolimus.
10. Verwendung einer Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 6-9 gegebenenfalls mit geeigneten
Hilfs- und Zusatzstoffen zur Herstellung eines Arzneimittels zur Therapie oder Prävention
von Erkrankungen, die durch die Hyperproliferation von Keratinozyten gekennzeichnet
sind.