[0001] Die Erfindung betrifft eine Hilfsvorrichtung zur Unterstützung des Startvorganges
einer Brennkraftmaschine, eine mit einer derartigen Hilfsvorrichtung ausgestattete
Brennkraftmaschine, sowie ein Verfahren zur Unterstützung des Startens einer Brennkraftmaschine.
[0002] Zum Starten oder Anlassen einer Brennkraftmaschine werden in der Regel aktive Hilfsaggregate
eingesetzt, welche die Kurbelwelle der Brennkraftmaschine antreiben, bis diese eine
bestimmte Drehzahl erreicht hat und durch das Verbrennen von Kraftstoff in den Zylindern
selbst ihre Drehung aufrecht erhalten kann. Am weitesten verbreitet als Hilfsaggregat
sind dabei elektrische Startermotoren ("Anlasser").
[0003] Darüber hinaus sind in zunehmendem Maße sogenannte Integrierte Starter-Generatoren
(ISG) im Einsatz, welche - je nach Betriebsmodus - sowohl als Startermotor, der elektrische
Energie in Rotationsenergie der Kurbelwelle umwandelt, als auch als Generator, welcher
Rotationsenergie der Kurbelwelle in elektrische Energie umwandelt, betrieben werden
können. Bei niedrigen Umgebungs- bzw. Motortemperaturen erfordert das Anlassen einer
Brennkraftmaschine aufgrund der hohen Reibung besonders große Drehmomente. Um diese
hohen Anforderungen erfüllen zu können, müssen Integrierte Starter-Generatoren entweder
sehr leistungsstark ausgelegt oder durch herkömmliche Startermotoren ergänzt werden.
Beides bringt einen hohen konstruktiven Aufwand mit sich, der sich nicht zuletzt in
entsprechenden Kosten des Systems niederschlägt.
[0004] Vor diesem Hintergrund war es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Mittel zur
Unterstützung des Startvorganges einer Brennkraftmaschine bereitzustellen, welche
die für das Anlassen verwendeten Hilfsaggregate entlasten sollen.
[0005] Diese Aufgabe wird durch ein Hilfsvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1,
durch eine Brennkraftmaschine mit den Merkmalen des Anspruchs 4 sowie durch ein Verfahren
mit den Merkmalen des Anspruchs 8 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den
Unteransprüchen enthalten.
[0006] Die erfindungsgemäße Hilfsvorrichtung zur Unterstützung des Startvorganges einer
Brennkraftmaschine umfaßt einen Speicher, in welchem Rotationsenergie zwischengespeichert
werden kann. D. h., daß in Form von mechanischer Rotation an der Kurbelwelle vorliegende
kinetische Energie vom Speicher aufgenommen, zwischengespeichert und zu einem späteren
Zeitpunkt (bis auf thermodynamisch unvermeidliche Energieverluste) wieder an die Kurbelwelle
abgegeben werden kann. Die Energie kann dabei im einfachsten Falle unverändert als
Rotationsenergie zwischengespeichert werden. Alternativ kann jedoch auch für die Speicherung
eine Umwandlung der Rotationsenergie in irgendeine andere geeignete Energieform stattfinden
(z. B. potentielle Energie von Elastizitäten, elektrische Energie, chemische Energie
etc.). Die Hilfsvorrichtung enthält weiterhin eine Kupplungsvorrichtung, über welche
der genannte Speicher während eines Startvorganges der Brennkraftmaschine selektiv
an die Kurbelwelle der Brennkraftmaschine gekoppelt werden kann. D. h., daß die Kupplungsvorrichtung
dahingehend ausgebildet ist, (allenfalls) während des Startvorganges eine Wirkverbindung
zwischen dem Speicher und der Kurbelwelle herzustellen und den Speicher beim normalen
Betrieb von der Brennkraftmaschine abzukoppeln, so daß dieser keinen Einfluß auf deren
Bewegung nimmt.
[0007] Mit der Hilfsvorrichtung ist es möglich, während des Startvorganges einer Brennkraftmaschine
vorhandene Antriebsenergie möglichst effizient einzusetzen, indem diese über eine
Zwischenspeicherung von Phasen mit einem geringeren Leistungsbedarf zu Phasen mit
hohem Leistungsbedarf verlagert wird. Insbesondere kann die verfügbare Energie auf
diese Weise in die Phasen verlagert werden, in denen in einem Zylinder der Brennkraftmaschine
ein Kompressionsvorgang stattfindet und daher ein besonders großes Kurbelwellendrehmoment
erforderlich ist. Durch den Einsatz der Hilfsvorrichtung ist es somit möglich, den
eigentlichen aktiven Startermotor für die Brennkraftmaschine kleiner und damit kostengünstiger
auszulegen, da seine Leistung nicht mehr nach dem maximal auftretenden Leistungsbedarf
festgelegt werden muß.
[0008] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung enthält der Speicher eine drehbar gelagerte
träge Masse wie z. B. ein Schwungrad. In diesem Falle kann die von der Kurbelwelle
abgeführte Rotationsenergie unmittelbar als Rotationsenergie der trägen Masse des
Speichers gespeichert werden, wobei der Speicher einen besonders einfachen, störungssicheren
und kostengünstigen Aufbau hat. Des Weiteren hat die Verwendung träger Massen den
Vorteil, daß die bedarfsgerechte Entnahme und Abgabe von Rotationsenergie sich von
selbst regeln kann. Insbesondere wird Rotationsenergie von der Kurbelwelle in den
Speicher überführt, wenn die Kurbelwelle beschleunigt wird, und umgekehrt Rotationsenergie
vom Speicher an die Kurbelwelle abgegeben, wenn sich die Drehung der Kurbelwelle aufgrund
eines hohen Widerstandes verzögert.
[0009] Die Kupplungsvorrichtung ist vorzugsweise als eine oberhalb einer Grenzdrehzahl wirksame
Überholkupplung ausgebildet. Eine solche Überholkupplung verbindet zwei rotierende
Teile wie z. B. Wellen so lange, wie die Drehzahl unter der Grenzdrehzahl liegt oder
das erste Teil nicht schneller rotiert als das zweite. Überholt die Drehzahl des ersten
Teils jedoch diejenige des zweiten Teils und die Grenzdrehzahl, so endet die Wirkverbindung
durch die Überholkupplung. In der Hilfsvorrichtung wird eine solche Überholkupplung
in der Weise eingesetzt, daß diese den Speicher von der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine
trennt, wenn die Drehzahl der Kurbelwelle die Grenzdrehzahl der Überholkupplung und
die Drehzahl des Speicherausgangs überschreitet, wobei die Grenzdrehzahl typischerweise
bei ca. 200 U/min liegt. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß die Hilfsvorrichtung
während des Startvorganges vom Stillstand der Kurbelwelle bis zur genannten Grenzdrehzahl
wirksam ist. Während des Normalbetriebs der Brennkraftmaschine liegt die Drehzahl
der Kurbelwelle indes im Allgemeinen höher als die Grenzdrehzahl, so daß die Hilfsvorrichtung
in diesem Zustand keinen Einfluß mehr hat. Die Brennkraftmaschine muß daher im Normalbetrieb
keine zusätzlichen trägen Massen mitschleppen oder ähnliche Belastungen tragen.
[0010] Die Erfindung betrifft ferner eine Brennkraftmaschine mit mindestens einem Startermotor
zum Anlassen der Brennkraftmaschine, welche durch eine Hilfsvorrichtung der vorstehend
beschriebenen Art gekennzeichnet ist. D. h., daß die Hilfsvorrichtung einen Speicher
zur Zwischenspeicherung von Rotationsenergie und eine Kupplungsvorrichtung zur selektiven
Ankopplung des Speichers an die Kurbelwelle aufweist. Wie bereits erläutert, kann
der mindestens eine Startermotor der Brennkraftmaschine leichter und daher kostengünstiger
ausgelegt werden, da die Hilfsvorrichtung für eine bedarfsgerechte Verteilung der
zur Verfügung stehenden Antriebsenergie sorgt.
[0011] Bei dem Startermotor der Brennkraftmaschine kann es sich insbesondere um einen Integrierten
Starter-Generator (ISG) handeln. Derartige Starter-Generatoren finden zunehmend Verwendung,
da diese besonders für ein kraftstoffsparendes, kurzfristiges Abstellen und Neustarten
einer Brennkraftmaschine geeignet sind. Um mit einem Integrierten Starter-Generator
eine Brennkraftmaschine nicht nur bei kurzzeitigem Stillstand und damit bei noch warmem
Motor anlassen zu können, sondern auch bei kaltem Motor, müssen entsprechende Spitzenleistungen
vom Anlassersystem erbracht werden können. Die Gewährleistung dieser Spitzenleistungen
geschieht vorliegend durch die Hilfsvorrichtung, so daß der Starter-Generator selbst
für die normalen Anforderungen ausgelegt werden kann.
[0012] Manche Fahrzeuge weisen eine Brennkraftmaschine mit zwei oder mehr verschiedenen
Startermotoren auf, welche situationsabhängig von einer Kontrolleinheit eingesetzt
beziehungsweise aktiviert werden. Z. B. kann die Brennkraftmaschine mit einem Integrierten
Starter-Generator für den Normalbetrieb und darüber hinaus mit einem herkömmlichen
Startermotor für das Anlassen unter ungünstigen Bedingungen gekoppelt sein. Bei einem
derartigen Fahrzeug kann gemäß einer Weiterbildung der Erfindung einer der Startermotoren
in seinem inaktiven Zustand (d. h. ohne Zufuhr externer Energie) den Speicher der
Hilfsvorrichtung darstellen. Insbesondere kann dieser Startermotor ohne aktive Energiezufuhr
an die Kurbelwelle gekoppelt sein und daher als reine träge Masse mitlaufen, wobei
die Massenträgheit die gewünschte Zwischenspeicherung von Rotationsenergie und deren
bedarfsgerechte Abgabe bewirkt.
[0013] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Brennkraftmaschine ist die Hilfsvorrichtung
über ein Untersetzungsgetriebe an die Kurbelwelle gekoppelt. Das Untersetzungsgetriebe
sorgt dafür, daß die Drehzahl der Kurbelwelle in eine höhere Drehzahl der Hilfsvorrichtung
transformiert wird, was eine entsprechende Vergrößerung der effektiven Massenträgheit
der Hilfsvorrichtung bewirkt. Die absoluten Ausmaße und das Gewicht der Hilfsvorrichtung
können auf diese Weise entsprechend kleiner gehalten werden.
[0014] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Starten einer Brennkraftmaschine
durch aktives Antreiben der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine. Das Verfahren ist
dadurch gekennzeichnet, daß (nur) während des Startvorganges Rotationsenergie der
Kurbelwelle in einem passiven System zwischengespeichert und diese zwischengespeicherte
Energie in Phasen hohen Kraftbedarfs während des Startvorganges wieder an die Kurbelwelle
abgegeben wird. Für den aktiven Antrieb der Kurbelwelle, der insbesondere mit Hilfe
eines Startermotors erfolgen kann, reicht daher eine für den Normalbetrieb ausgelegte
Leistung, da Leistungsspitzen durch die zeitliche Verlagerung von Rotationsenergie
mit Hilfe des passiven Systems bewältigt werden. Das Verfahren kann insbesondere mit
einer Hilfsvorrichtung beziehungsweise in einer Brennkraftmaschine der oben erläuterten
Art durchgeführt werden.
[0015] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt die Entnahme beziehungsweise
Abgabe von Rotationsenergie in Abhängigkeit von der (Drehzahl- oder Winkel-)Beschleunigung
der Kurbelwelle. Dabei wird bei einer positiven Beschleunigung der Kurbelwelle Rotationsenergie
von der Kurbelwelle entnommen und im passiven System zwischengespeichert, während
bei einer negativen Beschleunigung (Verzögerung) der Kurbelwelle Rotationsenergie,
die im passiven System zwischengespeichert ist, wieder an die Kurbelwelle abgegeben
wird. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß das passive System die verfügbare Rotationsenergie
bedarfsgerecht auf den Startvorgang verteilt, da bei einer positiven Beschleunigung
der Kurbelwelle eher überschüssige Rotationsenergie zur Verfügung steht, während eine
Verzögerung der Kurbelwelle auf einen hohen Rotationswiderstand der Brennkraftmaschine
und eine hierfür unzureichende Leistungsfähigkeit des Startermotors schließen läßt.
Sinnvollerweise wird daher in der letztgenannten Phase gespeicherte Rotationsenergie
an die Kurbelwelle abgegeben. Das beschriebene Entnahme- und Abgabeverhalten wird
quasi automatisch von einem passiven System ausgeführt, wenn dieses rotierende Schwungmassen
zur Zwischenspeicherung von Rotationsenergie aufweist.
[0016] Wenn nach einer gewissen Dauer des Startvorganges die Kurbelwelle bis über eine vorgegebene
Drehzahl hinaus beschleunigt worden ist, wird das passive System vorzugsweise von
der Kurbelwelle abgekoppelt. Bei Überschreiten der genannten Drehzahl ist der Startvorgang
der Brennkraftmaschine so weit vorangeschritten, daß diese aufgrund der einsetzenden
Verbrennung ihre Rotation selbst aufrecht erhalten und weiter beschleunigen kann.
Daher besteht keine Notwendigkeit mehr, Rotationsenergie in dem passiven System zwischenzuspeichern.
[0017] Im Folgenden wird die Erfindung mit Hilfe der Figuren beispielhaft näher erläutert.
Es zeigen:
[0018]
- Fig. 1
- schematisch eine erfindungsgemäße Brennkraftmaschine mit einem Integrierten Starter-Generator
und einer Hilfsvorrichtung mit trägen Rotationsmassen, und
- Fig. 2
- eine erfindungsgemäße Brennkraftmaschine mit einem Integrierten Starter-Generator
und einem zweiten Startermotor, welcher im inaktiven Zustand als Hilfsvorrichtung
für den Startvorgang wirkt.
[0019] Zunächst soll anhand von Figur 2 eine Brennkraftmaschine mit einem herkömmlichen
Anlassersystem erläutert werden. Die Brennkraftmaschine 3 treibt dabei in üblicher
Weise eine Kurbelwelle 2 an. An einem Ende der Kurbelwelle ist eine Schwungmasse 4
angeordnet, mit welcher ein Getrieberad 5 drehwirksam gekoppelt ist. Die Größenverhältnisse
von Schwungrad 4 und Getrieberad 5 sind so gewählt, daß eine Untersetzung der Drehung
des Getrieberades 5 zur Kurbelwelle 2 hin stattfindet, wobei das Untersetzungsverhältnis
bis zu 60:1 betragen kann. Das heißt, daß 60 Umdrehungen des Getrieberades 5 einer
Umdrehung der Schwungmasse 4 (und damit der Kurbelwelle 2) entsprechen.
[0020] An das Getrieberad 5 ist über eine Überholkupplung 6 ein Startermotor 9 (Anlasser)
gekoppelt. Während des Anlassens einer herkömmlichen Brennkraftmaschine 3 wird dem
Startermotor 9 elektrische Energie zugeführt, so daß dieser über die Kupplung 6, das
Getrieberad 5 und das Schwungrad 4 die Kurbelwelle 2 antreibt. Die Brennkraftmaschine
3 wird hierdurch in Rotation versetzt, so daß die Verbrennungsvorgänge in den Zylindern
in Gang kommen können. Aufgrund des verhältnismäßig hohen Untersetzungsverhältnisses
zwischen Getrieberad 5 und Schwungrad 4 ist der Beitrag des Startermotors 9 zur effektiven
trägen Masse des gesamten an der Kurbelwelle 2 hängenden Systems verhältnismäßig hoch.
Bei einem typischen Zahlenbeispiel beträgt die Trägheit der Kurbelwelle 2 einschließlich
der Schwungmasse 4 etwa 0,2 kg·m
2, wenn der Startermotor 9 abgekoppelt ist. Ist der Startermotor 9 dagegen über die
Kupplung 6 und ein Untersetzungsverhältnis von 60:1 an die Kurbelwelle 2 angekoppelt,
so kommt seine Trägheit mit einem Faktor 60
2 = 3600 zur Trägheit der Kurbelwelle 2 hinzu. Die Gesamtträgheit an der Kurbelwelle
kann auf diese Weise die Größenordnung von 1,0 kg·m
2 erreichen. Wenn am Ende des Startvorganges die Brennkraftmaschine 3 eine entsprechend
hohe Drehzahl von typischerweise 200 U/min erreicht hat, rotiert sie schneller als
der Startermotor 9, so daß die Überholkupplung 6 den Startermotor 9 von der Kurbelwelle
2 trennt. Die effektive Trägheit an der Kurbelwelle 2 fällt dann auf den Wert 0,2
kg·m
2 zurück.
[0021] Während des Anlassens der Brennkraftmaschine 3 muß ein hierfür vorgesehener Startermotor
im Wesentlichen drei Widerstände überwinden: (a) erstens das Anzugsmoment, (b) zweitens
die momentane Reibung des Gesamtsystems, und (c) drittens den Kompressionsdruck in
Zylindern der Brennkraftmaschine 3, die sich gerade in einer Kompressionsphase befinden.
Die Beiträge (b) und (c) sind dabei eine Funktion des Kurbelwellenwinkels. Die kritischste
Situation für das Anlassersystem ist der erste Kompressionstakt in der Brennkraftmaschine
3, da sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ölfilme zwischen den beweglichen Teilen
aufgebaut haben und somit die Reibung hoch ist, und da noch keiner der Zylinder der
Brennkraftmaschine 3 in einem Expansionstakt arbeitet. In dieser kritischen Phase
unterstützt die Trägheit des Kurbelwellensystems das Durchlaufen der ersten Kompression.
Die verhältnismäßig große effektive Trägheit eines herkömmlichen Startermotors wirkt
sich daher in dieser Phase des Anlassens beim Durchlaufen der ersten Kompression positiv
aus.
[0022] Bei modernen Brennkraftmaschinen geht man zunehmend dazu über, andere Systeme als
den herkömmlichen Startermotor einzusetzen. So zeigt Figur 2 z. B. schematisch einen
sogenannten Integrierten Starter-Generator 1 (ISG), der - wie dargestellt - direkt
oder über einen Riemen an die Kurbelwelle 2 angekoppelt sein kann. Ein ISG kann je
nach Betriebsmodus als (Starter-)Motor oder als Generator wirken. Aufgrund seiner
Konstruktion und Ankopplung an die Kurbelwelle 2 trägt der ISG 1 jedoch nur verhältnismäßig
wenig zur Gesamtträgheit an der Kurbelwelle 2 bei. Die oben geschilderten positiven
Effekte der Trägheit entfallen daher, und es ist für das Anlassersystem sehr viel
schwieriger, die kritische erste Kompression der Brennkraftmaschine 3 zu überwinden.
Aus diesem Grunde können erfolglose oder suboptimale (d. h. zeitlich lange) Startvorgänge
auftreten. Derartige Probleme nehmen mit zunehmendem Hubraum der Brennkraftmaschine
noch zu.
[0023] Um die geschilderten Schwierigkeiten zu überwinden, wird erfindungsgemäß der Einsatz
einer Hilfsvorrichtung vorgeschlagen, welche im Drehzahlbereich eines Startvorganges,
d.h. typischerweise zwischen 0 und 200 U/min, die effektive Trägheit der Kurbelwelle
2 erhöht. Figur 1 zeigt diesbezüglich eine erste Ausführungsform einer Brennkraftmaschine
mit einer derartigen Hilfsvorrichtung. Die Brennkraftmaschine 3 wird dabei grundsätzlich
von einem Integrierten Starter-Generator 1 an der Kurbelwelle 2 gestartet. Die Hilfsvorrichtung
7 ist ähnlich wie der Startermotor 9 bei Figur 2 über eine (Überhol-)Kupplung 6 und
ein (kleines) Getrieberad 5 an das Schwungrad 4 auf der Kurbelwelle 2 gekoppelt. Sie
besteht im einfachsten Falle aus einer trägen Masse, welche entsprechend dem hohen
Untersetzungsverhältnis zwischen der Schwungmasse 4 und dem Getrieberad 5 mit der
Kurbelwelle 2 rotiert. Die Hilfsvorrichtung übt daher aufgrund ihrer Trägheit denselben
positiven Effekt während des Startvorganges aus wie ein herkömmlicher Startermotor
9, dessen Wirkung oben mit Bezug auf Figur 2 beschrieben wurde. Insbesondere helfen
die trägen Massen in der Hilfsvorrichtung 7, die kritische erste Kompression der Brennkraftmaschine
3 zu überwinden. Der ISG 1 kann daher entsprechend leichter für den normalen Leistungsanfall
ausgelegt werden und auch ein Anlassen von Brennkraftmaschinen 3 mit großem Hubraum
erfolgreich durchführen.
[0024] Figur 2 zeigt eine Ausführungsform der Erfindung, welche für eine Brennkraftmaschine
3 mit zwei Anlassermotoren, nämlich einem ISG 1 und einem herkömmlichen Startermotor
9, geeignet ist. Eine derartige Konstellation kann beispielsweise für das Anlassen
eines Dieselmotors 3 vorgesehen sein, wobei der Startermotor 9 zum Anlassen des Motors
bei kalten Temperaturen und der ISG 1 zum Anlassen bei höheren Temperaturen dient.
Eine Kontrolleinheit 8 ist sowohl mit dem ISG 1 als auch dem Startermotor 9 verbunden,
um diese entsprechend den Umgebungsbedingungen wahlweise einzusetzen, d. h. während
des Startvorganges jeweils genau einen von ihnen zu aktivieren. Erfindungsgemäß wird
bei einer solchen Konstellation nun der Startermotor 9 über die Kupplung 6 während
des Startvorganges auch dann an die Kurbelwelle 2 angekoppelt, wenn er nicht aktiv
ist, sondern der Motor 3 durch den ISG 1 gestartet wird. D. h., daß der Startermotor
9 anders als bei herkömmlichen Fahrzeugen dieser Art auch bei hohen Motortemperaturen
an die Kurbelwelle 2 gekoppelt ist. Die Trägheit des passiv mitlaufenden Startermotors
9 erfüllt dann die gewünschte Funktion einer Hilfsvorrichtung zur Unterstützung des
Startvorganges, d. h. sie trägt insbesondere zur erfolgreichen Überwindung der kritischen
ersten Kompressionsphase der Brennkraftmaschine 3 bei.
1. Hilfsvorrichtung zur Unterstützung des Startvorganges einer Brennkraftmaschine (3),
gekennzeichnet durch einen Speicher (7, 9) zur Zwischenspeicherung von Rotationsenergie und durch eine Kupplungsvorrichtung (6), über welche der Speicher selektiv während des Startvorganges
an die Kurbelwelle (2) der Brennkraftmaschine (3) gekoppelt werden kann.
2. Hilfsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß der Speicher (7, 9) eine drehbar gelagerte träge Masse enthält.
3. Hilfsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Kupplungsvorrichtung als eine oberhalb einer Grenzdrehzahl wirksame Überholkupplung
(6) ausgebildet ist.
4. Brennkraftmaschine mit mindestens einem Startermotor (1, 9),
gekennzeichnet durch eine Hilfsvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3.
5. Brennkraftmaschine nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß diese als Startermotor mindestens einen Integrierten Starter-Generator (1) aufweist.
6. Brennkraftmaschine nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet, daß diese verschiedene Startermotoren (1, 9) enthält, die von einer Kontrolleinheit (8)
gesteuert situationsabhängig separat aktiviert werden, wobei einer der Startermotoren
(9) im inaktiven Zustand den Speicher der Hilfsvorrichtung bildet.
7. Brennkraftmaschine nach mindestens einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfsvorrichtung (7, 9) über ein Untersetzungsgetriebe (4, 5) an die Kurbelwelle
(2) gekoppelt ist.
8. Verfahren zum Starten einer Brennkraftmaschine (3) durch aktiven Antrieb der Kurbelwelle
(2),
dadurch gekennzeichnet, daß während des Startvorganges Rotationsenergie der Kurbelwelle (2) in einem passiven
System (7, 9) zwischengespeichert und in Phasen hohen Drehmomentbedarfs wieder an
die Kurbelwelle (2) abgegeben wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß bei positiver Beschleunigung der Kurbelwelle (2) Rotationsenergie im passiven System
(7, 9) zwischengespeichert wird, und daß bei negativer Beschleunigung der Kurbelwelle
(2) zwischengespeicherte Rotationsenergie vom passiven System (7, 9) an die Kurbelwelle
(2) abgegeben wird.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, daß das passive System (7, 9) bei Überschreiten einer vorgegebenen Drehzahl der Kurbelwelle
(2) von dieser entkoppelt wird.