[0001] Die Erfindung betrifft wasch- oder reinigungsaktive Formkörper, in erster Linie Tabletten
wie Waschmitteltabletten, Geschirrspülmitteltabletten, Fleckensalztabletten oder Wasserenthärtungstabletten
für den Gebrauch im Haushalt, enthaltend Polysuccinimid in Kombination mit Polyethylenglykol
und/oder Phosphorsäure, insbesondere für den maschinellen Gebrauch, sowie ein Verfahren
zur Herstellung dieser Formkörper und ihre Verwendung.
[0002] Wasch- oder reinigungsaktive Formkörper, insbesondere Tabletten, besitzen gegenüber
pulverförmigen Mitteln eine Reihe von Vorteilen, wie eine vorteilhafte Handhabung,
eine einfache Dosierung sowie geringer Bedarf an Verpackungsvolumina. Probleme ergeben
sich jedoch dadurch, dass zur Erreichung einer hinreichenden Form- und Bruchbeständigkeit
beim Verpressen der pulverförmigen Bestandteile verhältnismäßig hohe Pressdrucke angewendet
werden müssen. Aufgrund der starken Verdichtung weisen derartige Tabletten vielfach
unzureichende Zerfall- und Löseeigenschaften bei ihrer Anwendung auf, wodurch die
Aktivsubstanz im Wasch- bzw. Reinigungsmittel zu langsam freigesetzt wird und die
Gefahr der Rückstandsbildung insbesondere auf Textilien nach dem Waschgang entsteht.
[0003] Im Falle des Einsatzes von Polysuccinimid (PSI) kommt erschwerend dessen extrem langsame
Löslichkeit in Wasser hinzu, weshalb es in der Vergangenheit nur in slow-release Anwendungen
zum Einsatz kam (siehe DE-A 11 01 671). Polysuccinimid ist jedoch ein idealer Bestandteil
von wasch- oder reinigungsaktiven Formkörpern, da es im Kontakt mit Alkali das Dispergiermittel
Polyaspartat bildet. Der große Vorteil von Polysuccinimid ist dessen sehr geringe
Hygroskopie, da ihm ionische Brücken bildende oder Wasserstoffbrücken bildende funktionelle
Gruppen völlig fehlen. Somit wird das Beimischen von hygroskopizitätsvermindernden
Substanzen wie hydrophob modifiziertes Siliciumdioxid oder Magnesiumstearat vermeidbar.
Teilhydrolysiertes PSI, wie es durch Umsetzung von PSI mit Wasser bzw. NaOH in unterstöchiometrischen
Megnen (bezogen auf Succinimideinheiten) entsteht, steht hinsichtlich der Hygroskopizität
in der Mitte zwischen Natriumpolyaspartat und PSI und kann für wasch- und reinigungsaktive
Formkörper ein Kompromiß sein zwischen den Anforderungen Schnelllöslichkeit und Hygroskopizität.
Teilhydrolisiertes PSI ist wesentlich schneller in Wasser löslich als unverändertes
PSI.
[0004] Das Problem des langsamen Zerfalls von Tabletten mit einer raschen Auflösung der
Inhaltsstoffe im Gebiet der Wasch- und Reinigungsmittel ist schon lange bekannt. Gemäß
der Lehren aus EP-B 0 523 099 und WO-A-96/06156 können Sprengmittel eingesetzt werden,
die von der Arzneimittelherstellung her bekannt sind. Als Sprengmittel werden quellfähige
Schichtsilikate wie Bentonite, Naturstoffe und Natur-Derivate auf Stärke- und Cellulose-Basis,
Alginate und dergleichen, Kartoffelstärke, Methylcellulose und/oder Hydroxypropylcellulose
aber auch mikrokristalline Cellulose, Zucker wie Sorbit genannt. Diese Sprengmittel
können mit den zu verpressenden Granulaten vermischt, aber bereits auch in die zu
verpressenden Granulate eingearbeitet werden.
[0005] Gemäß EP-A-0 522 766 werden zumindest die Teilchen, welche Tenside und Builder enthalten,
mit einer Lösung oder Dispersion eines Binders/Zerfallhilfsmittels, insbesondere Polyethylenglykol,
umhüllt. Andere Binder/Zerfallhilfsmittel sind wiederum bekannte Sprengmittel, beispielsweise
Stärken und Stärkederivate, im Handel erhältliche Cellulose-Derivate wie quervemetzte
oder modifizierte Cellulose, mikrokristalline Cellulosefasern, quervernetzte Polyvinylpyrrolidone,
Schichtsilikate etc.
[0006] Gemäß der EP-A-0 711 827 führt der Einsatz von Partikeln, welche zum überwiegenden
Teil aus Citrat bestehen, das eine bestimmte Löslichkeit in Wasser aufweist, auch
zu einem beschleunigten Zerfall der Tabletten.
[0007] Die genannten Lösungsvorschläge tragen im Wasch- und Reinigungsmittelbereich zu einer
Verbesserung der Zerfallseigenschaften von wasch- oder reinigungsaktiven Tabletten
bei. Jedoch ist die erreichte Verbesserung in vielen Fällen nicht ausreichend. Insbesondere
wenn der Anteil an klebrigen organischen Substanzen in den Tabletten, beispielsweise
an anionischen und/oder nichtionischen Tensiden steigt oder einer der Inhaltsstoffe
selbst, wie im Falle des PSI, nur sehr schlecht in Wasser löslich ist, sind diese
Lösungsvorschläge wenig hilfreich. Dies ist einer der Gründe dafür, däss bis heute
keine Waschmitteltabletten im Markt erhältlich sind, die auf Basis von PSI aufgebaut
sind und den hohen Anforderungen des Verbrauchers genügen. Aber auch im Geschirrspülmittelbereich
und im Bereich der Waschmitteladditive weisen Tabletten bei häufig genügender Bruchfestigkeit
nicht die genügend hohe Zerfallsgeschwindigkeit auf. Dabei kann auch im Geschirrspülmittelbereich
die Beschleunigung der Zerfalls- und der Auflösegeschwindigkeit von Vorteil sein,
insbesondere für Phasen, die Wirkstoffe enthalten, die am Beginn des Reinigungsprozesses
bzw. bei tieferen Temperaturen wirken sollen wie im vorliegenden Fall das PSI.
[0008] Dementsprechend bestand die Aufgabe der Erfindung darin, wasch- oder reinigungsaktive
Formkörper bereitzustellen, welche Polysuccinimid (PSI) beinhalten und welche die
obengenannten Nachteile nicht aufweisen. Ebenso sollte ein Verfahren zur Herstellung
dieser verbesserten waschoder reinigungsaktiven Formkörper auf Basis von PSI bereitgestellt
werden.
[0009] Es wurde nun gefunden, dass die Anwendung von PSI in Kombination mit Polyethylenglykolen
(PEG) und/oder Phosphorsäure überraschenderweise zu schnell zerfallenden wasch- oder
reinigungsaktiven Formkörpem führt obwohl letztere Substanzen Flüssigkeiten sind.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wurde überraschenderweise gefunden, dass PEG
und Phosphorsäure echte Lösungsmittel für PSI darstellen. Konzentrierte Lösungen in
hochmolekularem PEG (z. B. MG > 2000 d) (d = Dalton) erstarren zu hochviskosen oder
gar festen Produkten, die gut tablettierbar sind. Durch Kontakt mit Wasser entstehen
aus den Lösungen Dispersionen von PSI mit Wasser, die durch die feindisperse Verteilung
der PSI-Partikel eine höhere Löslichkeit zeigen.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist daher in einer ersten Ausführungsform ein wasch- oder
reinigungsaktiver Formkörper, enthaltend PSI und Polyethylenglykol und/oder Phosphorsäure.
In bevorzugten Ausführungsformen enthalten die erfindungsgemäßen Mittel PSI in Kombination
mit PEG. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthalten die erfindungsgemäßen
Mittel PSI und Phosphorsäure.
[0011] Im Rahmen der Arbeiten zur vorliegenden Erfindung wurde gefunden, dass PEG und Phosphorsäure
anscheinend als Lösungsvermittler fungieren.
[0012] Bereits eingangs wurde beschrieben, was unter wasch- oder reinigungsaktiven Formkörpern
zu verstehen ist. Es handelt sich dabei in erster Linie um zylinderförmige Ausgestaltungen
oder Tabletten, die als Waschmittel, Geschirrspülmittel, Bleichmittel (Fleckensalze),
gegebenenfalls aber auch als Vorbehandlungsmittel, beispielsweise als Wasserenthärter
oder Bleichmittel eingesetzt werden können. Der Begriff "Formkörper" ist aber nicht
auf die Tablettenform beschränkt. Prinzipiell ist jede Raumform möglich, die den Ausgangsstoffen
gegebenenfalls aufgrund eines äußeren Behältnisses aufgezwungen werden kann. Zylinderförmige
Körper können dabei eine Höhe aufweisen, die kleiner oder größer oder gleich dem Durchmesser
der Grundfläche ist. Denkbar ist jedoch auch eine eckige, beispielsweise eine rechteckige,
insbesondere eine quadratische, aber auch eine rautenförmige bzw. trapezförmige eine
runde oder ovale Grundfläche des Formkörpers. Weitere Ausgestaltungen schließen dreieckige
oder mehr als viereckige Grundflächen des Formkörpers ein.
[0013] Aufgrund der hervorragenden Zerfallseigenschaften der erfindungsgemäßen Formkörper
ist es möglich, aber nicht zwingend erforderlich, die Formkörper mittels einer Dosiervorrichtung
direkt in die wässrige Flotte eines maschinellen Verfahrens zu geben; es ist vielmehr
auch möglich, den oder die Formkörper in die Einspülringe der handelsüblichen Haushaltsmaschinen,
insbesondere der Waschgeräte, zu plazieren. Dementsprechend ist die Raumform der Formkörper
in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung in ihren Dimensionen der Einspülkammer
handelsüblicher Haushaltsmaschinen angepasst.
[0014] In einer bevorzugten Ausführungsform hat der Formkörper eine platten- oder tafelartige
Struktur mit abwechselnd dicken langen und/oder dünnen kurzen Segmenten, so dass einzelne
Segmente von diesem "Riegel" an den Sollbruchstellen, welche die kurzen dünnen Segmente
darstellen, abgebrochen und in die Maschine bzw. die Einspülkammer der Maschine eingegeben
werden können. Dieses Prinzip des "riegelförmigen" Mittels kann ebenfalls in anderen
geometrischen Formen, beispielsweise senkrecht stehenden Dreiecken, die lediglich
an einer ihrer Seiten längsseitig miteinander verbunden sind, verwirklicht werden.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden homogene oder heterogene
Formkörper, insbesondere Tabletten bereitgestellt, wobei diese Tabletten vorzugsweise
einen Durchmesser von 20 bis 60 mm, insbesondere von 40 +/- 10 mm aufweisen. Die Höhe
dieser Tabletten beträgt vorzugsweise 10 bis 30 mm und insbesondere 15 bis 25 mm.
Das Gewicht der einzelnen Formkörper, insbesondere der Tabletten, liegt dabei vorzugsweise
bei 15 bis 60 g und insbesondere bei 25 bis 40 g pro Formkörper bzw. Tablette; die
Stoffdichte der Formkörper bzw. Tabletten weist hingegen üblicherweise Werte oberhalb
von 1 kg/dm
3, vorzugsweise von 1,1 bis 1,4 kg/dm
3 auf. Je nach Art der Anwendung, des Wasserhärtebereichs oder der Verschmutzung können
1 oder mehrere, beispielsweise 2 bis 4 Formkörper, insbesondere Tabletten, eingesetzt
werden. Weitere erfindungsgemäße Formkörper können auch kleinere Durchmesser bzw.
Abmessungen, beispielsweise um 10 mm, aufweisen.
[0016] Unter einem homogenen Formkörper werden derartige verstanden, in denen die Inhaltsstoffe
des Formkörpers homogen verteilt sind. Unter heterogenen Formkörpern werden dementsprechend
solche verstanden, die keine homogene Verteilung ihrer Inhaltsstoffe aufweisen. Heterogene
Formkörper können beispielsweise dadurch hergestellt werden, dass die verschiedenen
Inhaltsstoffe nicht zu einem einheitlichen Formkörper, sondern zu einem Formkörper
verpresst werden, der mehrere Schichten, also mindestens zwei Schichten aufweist.
Dabei ist es auch möglich, dass diese verschiedenen Schichten unterschiedliche Zerfalls-
und Lösegeschwindigkeiten aufweisen. Hieraus können vorteilhafte anwendungstechnische
Eigenschaften der Formkörper resultieren. Falls beispielsweise Inhaltsstoffe in den
Formkörpern enthalten sind, die sich wechselseitig negativ beeinflussen, so ist es
möglich, die eine Komponente in der schneller zerfallenden und schneller löslichen
Schicht zu integrieren und die andere Komponente in eine langsamer zerfallende Schicht
einzuarbeiten, so dass die erste Komponente mit Vorlaufzeit wirken kann oder bereits
abreagiert hat, wenn die zweite Komponente in Lösung geht. Der Schichtaufbau der Formkörper
kann dabei stapelartig erfolgen, wobei ein Lösungsvorgang der inneren Schicht(en)
an den Kanten des Formkörpers bereits dann erfolgt, wenn die äußeren Schichten noch
nicht vollständig gelöst oder zerfallen sind; es kann aber auch eine vollständige
Umhüllung der inneren Schicht(en) durch die jeweils weiter außen liegenden Schichten
erreicht werden, was zu einer Verhinderung der frühzeitigen Lösung von Bestandteilen
der inneren Schicht(en) führt.
[0017] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung besteht eine Tablette
aus mindestens drei Schichten, also zwei äußeren und mindestens einer inneren Schicht,
wobei mindestens in einer der inneren Schichten ein Peroxid-Bleichmittel enthalten
ist, während bei der stapelförmigen Tablette die beiden Deckschichten und bei der
hüllenförmigen Tablette die äußersten Schichten jedoch frei von Peroxid-Bleichmittel
sind. Ebenso ist es möglich, Peroxid-Bleichmittel und gegebenenfalls vorhandene Bleichaktivatoren
oder Bleichkatalysatoren und/oder Enzyme räumlich in einem Formkörper oder Tablette
voneinander zu trennen. Derartige Ausgestaltungen weisen den Vorteil auf, dass selbst
in Fällen, bei denen der Waschmittel- oder Bleichmittel-Formkörper bzw. die Waschmittel-
oder Bleichmittel-Tablette im direkten Kontakt zu den Textilien in die Waschmaschine
oder ins Handwaschbecken gegeben wird, keine Verfleckungen ("spotting") durch Bleichmittel
und dergleichen auf den Textilien zu befürchten sind.
[0018] Beispiele für heterogene Formkörper können beispielsweise der europäischen Patentanmeldung
EP-A-0 716 144 entnommen werden, deren Inhalt von der vorliegenden Anmeldung mit umfasst
wird.
[0019] PSI und dessen Einsatz als Konditionierungsmittel für stehende und fließende Wassersysteme
aufgrund seiner Dispergiereigenschaften, Thermostabilität und Härtestabilisatoreigenschaften
sind aus DE-A 101 01 671 bekannt.
[0020] Unter PSI im Sinne der vorliegenden Erfindung wird PSI selber, dessen Copolymere,
Teilhydrolysate oder Hydrolysate verstanden. Teilhydrolysate im Sinne der vorliegenden
Erfindung sind Polysuccinimide, deren Polymerbausteine teilweise in Aspartateinheiten
überführt worden sind, das heißt es handelt sich um Copolymere aus Succinimideinheiten
und Aspartateinheiten. Diese Teilhydrolysate können auch in sprühgranulierter Form
vorliegen.
[0021] PSI kann in großtechnischem Maßstab durch thermische Polymerisation von Maleinsäureanhydrid
und Ammoniak oder deren Derivate hergestellt werden (siehe US-A 3 846 380; US-A 4
839 461; US-A 5 219 952 oder US-A 5 371 180).
[0022] Darüber hinaus erhält man PSI durch thermische Polymerisation von Asparaginsäure
(US-A 5 051 401) gegebenenfalls in Gegenwart saurer Katalysatoren/Lösungsmittel (US-A
3 052 655).
[0023] PSI fällt bei der chemischen Synthese als Polymer mit einem mittleren Molgewicht
von 500 bis 20 000, bevorzugt 3 000 bis 5 000, an. Polysuccinimid ist als chemischer
Vorläufer der Polyasparaginsäure zu betrachten, zu der es mit Wasser langsam hydrolysiert.
Der pH-Wert der dabei entstehenden Lösung liegt zwischen pH 1 bis 4, bevorzugt 2 bis
3. Hierdurch kommt nicht nur die gute steinlösende, sondern auch gleichzeitig die
dispergierende Wirkung der durch PSI freigesetzten Polyasparaginsäure gegenüber schwerlöslichen
Calciumsalzen bzw. anderen schwerlöslichen Stoffen zum Tragen. Die resultierende saure
Lösung führt aufgrund ihrer Säurewirkung auch zur direkten Auflösung eventuell gebildeter
Calciumcarbonat-Inkrustationnen.
[0024] Das erfindungsgemäß einzusetzende PSI wird in Mengen von 0,01 bis 20 Gew.-%, bevorzugt
0,1 bis 10 Gew.-% und besonders bevorzugt in Menge von 0,5 bis 5 Gew.-% eingesetzt.
[0025] Im Falle des Einsatzes von Polyethylenglykol (PEG) als Lösungsvermittler wird das
PEG vorzugsweise in einer Menge von 0,5 - 20 Gew.-% eingesetzt.
[0026] Geeignete Polyethylenglykole sind solche mit hohem Ethoxylierungsgrad, beispielsweise
Polyethylenglykole mit einem Molekulargewicht von oberhalb 2000, bevorzugt von 2 000
bis 12 000, besonders bevorzugt von 2 000 bis 6 000.
[0027] Im Falle des Einsatzes von Phosphorsäure als Lösungsvermittler wird die erfindungsgemäß
einzusetzende Phosphorsäure in einer Menge von 0,5 Gew.-% bis 25 Gew.-% eingesetzt.
[0028] Die Verwendung von PEG und/oder Phosphorsäure führt überraschenderweise zu einem
schnellen Abbau des PSI aus den Formkörpern bzw. den Tabletten in eine wasserlösliche
Form, so dass erst durch diese Maßnahme der Einsatz von PSI in Wasch- und Reinigungsmitteln
möglich wird.
[0029] Neben den erfindungsgemäß einzusetzenden Komponenten PSI und PEG und/oder Phosphorsäure
können weitere die Auflösung der Tabletten unterstützende Mittel eingesetzt werden.
[0030] Beispielsweise eignen sich dafür sogenannte Sprengmittel.
[0031] Zu den bevorzugten Sprengmitteln, welche in eine granulare bzw. in eine cogranulierte
Form zu überführen sind, zählen Stärke und Stärke-Derivate, Cellulose und Cellulosederivate,
beispielsweise mikrokristalline Cellulose, CMC, MC, Alginsäure und deren Salze, Carboxymethylamylopectin,
Polyacrylsäure, Polyvinylpyrrolidon und Polyvinylpolypyrrolidon. Die Sprengmittelgranulate
können auf herkömmliche Art und Weise, beispielsweise durch Sprühtrocknung oder Heißdampftrocknung
wässriger Zubereitungsformen oder durch Granulierung, Pelletierung, Extrusion oder
Walzenkompaktierung hergestellt werden. Dabei kann es von Vorteil sein, den Sprengmitteln
Zuschlagsstoffe, Granulierhilfsmittel, Träger oder Kaschiermittel der bekannten Art
zuzusetzen (cogranulierte Form). Zuschlagsstoffe sind in einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung nicht-tensidische Wirksubstanzen von Wasch- oder Reinigungsmitteln,
insbesondere Bleichaktivatoren und/oder Bleichkatalysatoren, besonders bevorzugt ist
dabei ein Sprengmittelgranulat, welches als Zuschlagstoff Tetraacetylethylendiamin
(TAED) und/oder andere Bleichaktivatoren der gängigen Art enthält. Derartige Sprengmittelgranulate
können vorteilhafterweise durch Cogranulation des Sprengmittels mit dem Zuschlagsstoff
hergestellt werden. Durch eine derartige Cogranulation kann die Verteilung des Sprengmittels
in dem Formkörper, insbesondere in der Tablette, vergrößert werden, was in bestimmten
Fällen ebenfalls zu einer Verbesserung der Zerfallsgeschwindigkeit des Formkörpers
führen kann.
[0032] Die Einsatzmengen solcher Sprengmittel sind dem Fachmann aus der DE-A 197 10 254
bekannt, deren Inhalt von der vorliegenden Anmeldung mit umfasst wird.
[0033] 'Darüber hinaus können die erfindungsgemäßen Wasch- und reinigungsaktiven Formkörper
weitere Bestandteile, wie sie üblicherweise in Wasch- oder Reinigungsmitteln und Wasserenthärtem
eingesetzt werden, enthalten. In erster Linie zählen hierzu anionische, nichtionische,
kationische, amphotere und zwitterionische Tenside, anorganische und organische, wasserlösliche
oder wasserunlösliche Buildersubstanzen und Cobuilder, Bleichmittel, insbesondere
Peroxidbleichmittel, aber auch Aktivchlorverbindungen, welche vorteilhafterweise umhüllt
sind, Bleichaktivatoren und Bleichkatalysatoren, Enzyme und Enzymstabilisatoren, Schauminhibitoren,
Vergrauungsinhibitoren, Substanzen, welche das Wiederanschmutzen von Textilien verhindern,
sogenannte soil repellents, sowie übliche anorganische Salze wie Sulfate und organische
Salze wie Phosphonate, optische Aufheller und Farb- und Duftstoffe. In maschinellen
Geschirrspülmitteln ist zusätzlich der Einsatz von herkömmlichen Silberschutzmitteln
empfehlenswert..
[0034] Zu den bevorzugten anionischen Tensiden zählen sowohl solche auf petrochemischer
Basis wie Alkylbenzolsulfonate, Alkansulfonate oder Alkyl(ether)sulfate mit ungeraden
Kettenlängen, als auch solche auf nativer Basis, beispielsweise Fettalkylsulfate oder
Fettalkyl(ether)sulfate, Seifen, Sulfosuccinate etc. Besonders bevorzugt sind - gegebenenfalls
in Kombination mit geringen Mengen an Seife - Alkylbenzolsulfonate und/oder verschiedene
Kettenschnitte von Alkylsulfaten bzw. Alkylethersulfaten. Während bei Alkylbenzolsulfonaten
das C
11-C
13-Alkylbenzolsulfonat und C
12-Alkylbenzolsulfonat bevorzugt sind, umfassen bei den Alkyl(ether)sulfaten bevorzugte
Kettenschnitte C
12 bis C
16, C
12 bis C
14, C
14 bis C
16, C
16 bis C
18 oder C
11 bis C
15 bzw. C
13 bis C
15.
[0035] Zu den bevorzugten nichtionischen Tensiden zählen insbesondere die mit durchschnittlich
1 bis 7 Mol Ethylenoxid pro Mol Alkohol ethoxylierten C
12-C
18-Fettalkohole und die entsprechenden C
11-C
17-Alkohole, insbesondere C
13-C
15-Alkohole, aber auch die aus dem Wasch- oder Reinigungsmittelbereich bekannten höher
ethoxylierten Alkohole der angegebenen Kettenlänge, Aminoxide, Alkylpolyglykoside,
Polyhydroxyfettsäureamide, Fettsäuremethylesterethoxylate und Gemini-Tenside.
[0036] Als erfindungsgemäß bevorzugt einzusetzende anorganische Builder kommen insbesondere
herkömmliche Phosphate, mit Bevorzugung des Tripolyphosphats, Zeolithe, wobei besonders
Zeolith A, Zeolith P, Zeolith X und beliebige Mischungen aus diesen eine Rolle spielen,
aber auch Carbonate, Hydrogencarbonate sowie kristalline und amorphe Silikate mit
Sekundärwaschvermögen in Betracht. Zu den üblichen Cobuildern zählen vor allem (co-)polymere
Salze von (Poly-)Carbonsäuren, beispielsweise Copolymere der Acrylsäure und der Maleinsäure,
aber auch Polycarbonsäuren und deren Salze wie Citronensäure, Weinsäure, Glutarsäure,
Bernsteinsäure, Polyasparaginsäure etc. Der Fachmann kennt die einsetzbaren organischen
Cobuilder und deren Einsatzmengen aus zahlreichen Veröffentlichungen auf dem Wasch-
und Reinigungsmittelgebiet.
[0037] Als Bleichmittel werden vor allem die zur Zeit gängigen Peroxidbleichmittel wie Perborat
oder Percarbonat, vor allem auch in Kombination mit den gängigen Bleichaktivatoren
und Bleichkatalysatoren, insbesondere auf dem Gebiet der Geschirrspülmittel aber auch
die bereits weiter oben genannten Aktivchlorverbindungen eingesetzt.
[0038] Bei den Enzymen sind nicht nur Proteasen sondern auch Lipasen, Amylasen, Cellulasen
und Peroxidasen sowie beliebige Kombinationen dieser Enzyme von besonderem Interesse.
[0039] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden Aniontensid-haltige Compounds
eingesetzt, welche verschiedene Aniontenside - beispielsweise Alkylsulfate und Alkyllbenzolsulfonate
und/oder Seife oder aber Alkylsulfate und sulfierte Fettsäureglycerinester - und/oder
Anionentenside in Kombination mit Niotensiden, beispielsweise Alkylsulfate verschiedener
Kettenlänge, gegebenenfalls auch mehrere Typen von Alkylsulfaten mit verschiedenen
Kettenabschnitten in Kombination mit ethoxylierten Alkoholen und/oder anderen obengenannten
nichtionischen Tensiden enthalten. Beispielsweise können auch anionische und nichtionische
Tenside überwiegend in zwei verschiedenen Compounds untergebracht sein.
[0040] Als erfindungsgemäß gegebenenfalls einzusetzende Puderungsmittel kommen wie auch
bei den Sprengmittelgranulaten vor allem feinteilige Zeolithe, Kieselsäuren, Sulfate,
Calciumstearate, Phosphate und/oder Acetate in Betracht. In einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung ist darauf zu achten, dass Staubanteile und Partikel kleiner 0,2 mm
vor dem Vermischen mit den Sprengmittelgranulaten möglichst vollständig abgetrennt
werden.
[0041] Die erfindungsgemäßen PSI-enthaltenden Formkörper weisen aufgrund von PEG und/oder
Phosphorsäure hervorragende Zerfalleigenschaften auf und ermöglichen somit erst den
Einsatz von PSI. Dies kann beispielsweise unter kritischen Bedingungen in einer üblichen
Haushaltswaschmaschine (Einsatz direkt in der Waschflotte mittels herkömmlicher Dosiervorrichtung,
Feinwaschprogramm oder Buntwäsche, Waschtemperatur maximal 40°C) oder in einem Becherglas
bei einer Waschtemperatur von 25°C getestet werden.
[0042] Das Auflöseverhalten der PSI-haltigen waschaktiven Formkörper wurde mit Hilfe der
Fluoreszenzspekroskopie untersucht. So zeigt eine wässrige Lösung der thermisch hergestellten
Polyasparaginsäure nach Anregung mit UV-Licht mit einem Maximum bei 334 nm eine Fluoreszenzemission
bei 411 nm (im Maximum).
[0043] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird deshalb ein Waschverfahren beansprucht,
wobei der PSI und PEG und/oder Phosphorsäure enthaltende Formkörper über die Einspülvorrichtung
der Haushaltswaschmaschine in die Waschflotte eingebracht wird.
[0044] Die eigentliche Herstellung der erfindungsgemäßen PSI und PEG und/oder Phosphorsäure
enthaltenden Formkörper erfolgt zunächst durch das Vermischen mit den restlichen Bestandteilen
und anschließendes Informbringen, insbesondere Verpressen zu Tabletten, wobei auf
herkömmliche Verfahren (beispielsweise wie in der herkömmlichen Patentliteratur zu
Tablettierungen, vor allem auf dem Wasch- oder Reinigungsmittelgebiet, insbesondere
wie in den obengenannten Patentanmeldungen und dem Artikel "Tablettierung: Stand der
Technik", SÖFW-Journal, 122. Jahrgang, S. 1016-1021 (1996) beschrieben) zurückgegriffen
werden kann, deren Inhalt von der vorliegenden Anmeldung mit umfasst ist.
Beispiele
Herstellung von Teilhydrolysaten von Polysuccinimid
Ansatz:
[0045] Aus 500 g Baypure® DSP (Polysuccimimid rein als Feststoff) und 615 g Wasser wurde
eine Suspension hergestellt und mittels Rotor/Stator (X40/38E2) auf Stufe 2 homogenisiert.
Dann wurde je nach gewünschtem Ringöffnungsgrad die entsprechende Menge NaOH (45 %ig)
langsam zugegeben, sodass eine Temperatur von 50°C nicht überschritten wurde (Wasserbad).
Nach Abkühlen auf Raumtemperatur wurde der pH-Wert (siehe Tabelle) gemessen und die
Lösung/Suspension versprüht.
Granulation:
[0046] Die Trocknung und Granulation erfolgte in einem Labor-Wirbelbettgranulator (beispielsweise
GPCG3. 1 der Firma Inprotec AG) unter den in der Tabelle angegebenen Bedingungen.
Nach ca. 30 Minuten wurde jeweils unterbrochen und die Beläge von Wand und Boden entfernt
und gegebenenfalls gemörsert. Danach wurde der Rest der Lösung/Suspension versprüht,
wobei versucht wurde, die Produkttemperatur möglichst niedrig zu halten. Die erhaltenen
Materialien wurden über ein 1 mm Sieb abgesiebt, um sehr große Agglomerate zu entfernen.
In allen Versuchen war die Granulation gut, es wurde jedoch auch sehr viel Staub erzeugt,
was darauf schließen lässt, dass das Material schnell abtrocknet. Es wurden freifließende
Materialien erhalten, die aus harten und spröden Partikel bestanden, die größtenteils
kleiner 0,5 mm waren. Das Schüttgewicht bewegte sich zwischen 400 und 480 g/l, was
teilweise auch auf den hohen Staubanteil zurückzuführen ist. Je niedriger der Ringöffnungsgrad
war, desto niedriger konnte die Produkttemperatur gewählt werden.
Tabelle 1
| Laborversuche |
| Versuch |
Ringöffnungsgrad % |
NaOH Menge g |
pH-Wert |
Zulufttemp. °C |
Ablufttemp. °C |
Produkttemp. °C |
Sprühdruckbar |
Menge nach Sieben g |
| V1 |
50 |
222 |
8,28 |
140 |
74-80 |
83-90 |
1,0 |
300 |
| V2** |
50 |
444 |
7,5 |
140 |
64-90 |
77-90 |
1,0 |
930 |
| V3 |
40 |
178 |
7,5 |
140 |
68-80 |
74-90 |
1,0 |
330 |
| V4 |
30 |
133 |
6,6 |
140 |
65-80 |
72-90 |
1,0 |
340 |
* Trocknungsverlust mit IR-Waage bestimmt, 160°C, 60 min, 2,5 g
** bei der Verwendung von Leitungswasser (17-18°C Härte) wurde eine etwas höhere Viskosität
der DSP Suspension beobachtet. |
[0047] Die Teilhydrolysate reagieren nach der Granulation neutral bis sauer (Produkt V3
z.B. erzeugt in 4 %iger Lösung in Wasser einen pH von 6,5).
[0048] Für das Auflöseverhalten wurden Komprimate aus PSI und Stearinsäure (90:10) mit solchen
aus PSI und Alkyl-Polyethylenglykolen (7-10 EO; 60:40) verglichen. Die letzteren zerfallen
(sofern mit niedrigem Pressdruck hergestellt) in Minuten in eine wässrige Dispersion,
in welcher PSI schnell in Lösung geht. Die Lösegeschwindigkeit ist insbesondere in
alkalischer Umgebung, wie für Waschmittelformulierungen typisch, schnell.
[0049] Die Konzentration als Funktion der Zeit wurde mit Hilfe der Fluoreszenzspektroskopie
bestimmt (Anregung 334 nm, Flureszenzemission 411 nm), wobei die Eigenfluoreszenz
der thermisch aus Maleinsäureanhydrid und Ammonium hergestellten Polyasparaginsäure
genutzt wurde. Fig. 1 zeigt die Menge gelösten PSI's in Abhängigkeit von der Zeit,
wobei die verschiedenen Kurven
Tabs mit Stearinsäure bei pH 8
Tabs mit Stearinsäure pH 10
Tabs mit Alkyl-PEG pH 8
Tabs mit Alkyl-PEG pH 10
darstellen.
1. Wasch- oder reinigungsaktive Formkörper, dadurch gekennzeichnet, dass diese Polysuccinimid (PSI) in Kombination mit Polyethylenglykolen (PEG) und/oder
Phosphorsäure enthalten.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass diese PSI in Kombination mit PEG enthalten.
3. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass diese PSI in Kombination mit Phosphorsäure enthalten.
4. Mittel gemäß der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass PSI mit einem mittleren Molgewicht von 500 bis 20 000 eingesetzt wird.
5. Mittel gemäß der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass PEG in Mengen von 0,5 bis 20 Gew.-% eingesetzt wird.
6. Mittel gemäß der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass Phosphorsäure in Mengen von 0,5 bis 25 Gew.-% eingesetzt wird.
7. Mittel gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzliche Sprengmittel eingesetzt werden.
8. Mittel gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass diese weitere Bestandteile, wie sie üblicherweise in Wasch- oder Reinigungsmitteln
und Wasserenthärtern eingesetzt werden, enthalten.
9. Verfahren zur Herstellung wasch- oder reinigungsaktiver Formkörper enthaltend PSI
und PEG und/oder Phosphorsäure, dadurch gekennzeichnet, dass zunächst das Vermischen des PSI mit PEG und/oder mit Phosphorsäure erfolgt, bevor
diese mit den gegebenenfalls zusätzlichen Bestandteilen vermischt und zu den Formkörpern,
bevorzugt Tabletten, verpresst werden.
10. Verwendung von PSI in Kombination mit PEG und/oder Phosphorsäure in wasch- oder reinigungsaktiven
Formkörpern.
11. Verwendung eines Waschmittelformkörpers nach einem der Ansprüche 1 bis 8 in Haushaltswaschmaschinen.
12. Waschverfahren unter Verwendung eines Formkörpers nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass der Formkörper über die Einspülvorrichtung der Haushaltswaschmaschine in die Waschflotte
eingebracht wird.