[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Kaltwalzen metallischen Bandes gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1. Die Erfindung kann beispielsweise zur Herstellung
von Bändern aus Eisen- und Nichteisenlegierungen verwendet werden.
[0002] Während des Kaltwalzens von warmgewalzten Bändern (Stahlbändern) können Störungen,
wie ungewöhnlich große Schwankungen (Abweichungen vom Sollwert) der auslaufseitigen
Banddicke (auslaufseitige Dickenabweichungen), Bandzugschwankungen und Walzkraftschwankungen
besonders am Band-Kopfstück oder Band-Endstück auftreten, obwohl die gemessenen Schwankungen
der einlaufseitigen Banddicke (einlaufseitige Dickenabweichungen) im üblichen und
zulässigen Rahmen bleiben. Die grafische Darstellung der Schwankungen der auslaufseitigen
Banddicke über die Bandlänge ähnelt einem "Christbaum", so dass dieser nachteilige
Effekt nachstehend auch als "Christbaum-Effekt" bezeichnet wird.
[0003] Ähnliche Probleme können auch während des Kaltwalzens von Bändern spezieller Legierungen
auftreten welche vorher spannungsfrei geglüht oder mit höheren Temperaturen kaltgewalzt
worden sind.
[0004] Da die üblichen Banddicken-Regelungen (Monitor-Regelung oder Massenfluss-Regelung)
diese auffälligen Schwankungen nicht ausreichend reduzieren können, stellen die betroffenen
Bandabschnitte (insbesondere Band-Kopfstück, Band-Endstück) Ausschuss dar. Um die
Bandlänge außer Toleranz möglichst klein zu halten, wird bei Massenfluss-Regelungen
oft sehr langsam gefahren, was wiederum den Durchsatz reduziert. Existiert nur eine
Monitor-Regelung, kann auch bei niedriger Geschwindigkeit keine Toleranzverbesserung
erzielt werden.
[0005] In Fig. 3 sind für einen derartigen problematischen Fall die zeitlichen Verläufe
von interessierenden Größen - wie auslaufseitige Dickenabweichung, Walzkraft, einlaufseitige
und auslaufseitige Bandgeschwindigkeit, Walzenumfangsgeschwindigkeit und Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel - am Band-Kopfstück dargestellt. Insbesondere sind die
sehr starken auslaufseitigen Dickenabweichungen während der Anfangsphase des Kaltwalzens
klar zu erkennen.
[0006] In Fig. 4 sind für einen derartigen problematischen Fall die zeitlichen Verläufe
von interessierenden Größen - wie auslaufseitige Dickenabweichung, Walzkraft, einlaufseitige
und auslaufseitige Bandgeschwindigkeit, Walzenumfangsgeschwindigkeit und Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel - am Band-Endstück dargestellt. Insbesondere sind die sehr
starken auslaufseitigen Dickenabweichungen und Walzkraftschwankungen während der Endphase
des Kaltwalzens klar zu erkennen.
[0007] Beide Figuren 3, 4 zeigen ein wesentlich höheres Walzkraft-Niveau im Bereich der
Störungen (Schwankungen), welches nicht durch bessere Schmierung im Walzspalt bei
größerer Geschwindigkeit erklärt werden kann. Die Frequenz der auftretenden nachteiligen
Schwankungen entspricht der Drehzahl der einlaufseitigen Haspel. Die Amplituden fallen-je
nach betrachtetem Fall - Band-Kopfstück bzw. Band-Endstück - stark ab bzw. steigen
stark an. Die Wellenlänge der Dickenabweichungen hängt ab vom Umfang der einlaufseitigen
Haspel, verlängert um das Verhältnis zwischen einlaufseitiger und auslaufseitiger
Banddicke.
[0008] Fig. 5 zeigt eine Skizze zur Erläuterung der physikalischen Ursachen des am Band-Kopfstück
auftretenden "Christbaum-Effektes. Die Erklärung für den am Band-Kopfstück auftretenden
"Christbaum-Effekt" ist, dass das in einer Lagervorrichtung befindliche Coil mit dem
warmgewalzten Band nicht einheitlich über das gesamte Volumen, sondern asymmetrisch
abkühlt. Über die Auflage- bzw. Berührungsflächen des Coils mit der Lagervorrichtung
wird dem Coil schneller und intensiver Wärme entzogen als über die lediglich mit Luft
"umspülten" Außenmantelflächen des Coils. Auf diese Weise entstehen nach dem Warmwalzen
über den Querschnitt des Coils betrachtet Zonen unterschiedlicher Temperatur, wie
der linke Abschnitt von Fig. 5 zeigt. In nachteiliger Weise fällt die Temperatur des
Bandes abschnittsweise unter die Rekristallisations-Temperatur ab, was zu starken
Schwankungen (Variationen, Abweichungen vom gewünschten Wert) der Härte in Abhängigkeit
der Bandlänge beim Band, d. h. beim Band-Kopfstück vor dem Kaltwalzen führt, wie der
rechte Abschnitt der Fig. 5 zeigt. Die genaue Ausbildung des Profils dieser Schwankungen
der Härte hängt stark von den genauen Bedingungen und den hieraus resultierenden asymmetrischen
Temperaturverhältnissen während der Lagerung des Coils ab.
[0009] Die Erklärung für den am Band-Endstück auftretenden "Christbaum-Effekt" ist, dass
der gekühlte Aufwickeldorn des Coils nicht rasch genug aus dem heißen Coil entfernt
wird Die ablaufende Kühlflüssigkeit führt zu asymmetrischen Kühlungsbedingungen und
Abschnitte des Bandes können unter die Rekristallisations-Temperatur abkühlen. Dies
wiederum verursacht starke Schwankungen der Härte in Abhängigkeit der Bandlänge beim
Band, d. h. beim Band-Endstück vor dem Kaltwalzen.
[0010] In gleicher Weise kann eine nicht einheitliche Rekristallisation aufgrund asymmetrischer
Temperaturbedingungen während eines Spannungsfrei-Glühens ähnliche Probleme bezüglich
schwankender Härte während des Kaltwalzens nach erfolgtem Glühen verursachen.
[0011] Ferner kann auch eine nicht einheitliche Erholung während der Lagerung des Coils
nach dem Kaltwalzen mit höheren Temperaturen eines Bandes spezieller Legierung zu
den vorstehend beschriebenen Problemen bezüglich schwankender Härte führen.
[0012] Diese nachteiligen Schwankungen der Härte verursachen nachteilige Schwankungen hinsichtlich
der Walzkraft und der auslaufseitigen Banddicke während eines nachfolgenden Kaltwalzens.
[0013] Abhängig von den Walzbedingungen, wie der Dimensionierung des Bandes, kann die Empfindlichkeit
des Verhältnisses von Banddicken- zur Härteschwankung in einem weiten Bereich - beispielsweise
5µm/MPa... 50µm/MPa - variieren. Die Schwankungen hinsichtlich des Massenflusses und
des Bandzuges werden hauptsächlich durch die aus der schwankenden Härte resultierenden
Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke verursacht. Deshalb messen Walzanlagen
mit ihren Banddicken-Erfassungseinrichtungen die Schwankungen indirekt hinsichtlich
der Härte mit einer höheren Empfindlichkeit als beispielsweise offline durchgeführte
Zugfestigkeitsprüfungen ausgewählter Bandstücke. Übliche Banddicken-Erfassungseinrichtungen
erreichen eine Messgenauigkeit im Bereich +/- 0,3µm.
[0014] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Verfahren zum Kaltwalzen
metallischen Bandes anzugeben, mit dem wirksam eine Härteschwankung erkannt wird und
insbesondere verhindert werden kann, dass Band-Kopfstücke und Band-Endstücke mit schwankender
auslaufseitiger Banddicke entstehen.
[0015] Diese Aufgabe wird in Verbindung mit den Merkmalen des Oberbegriffes erfindungsgemäß
durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegebenen Merkmale gelöst.
[0016] Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere darin, dass es für
die Sicherstellung einer hohen Qualität hinsichtlich des kaltgewalzten Bandes von
großer Wichtigkeit ist, Variationen (Schwankungen) der Härte des (beispielsweise warmgewalzten)
einlaufseitigen Bandes möglichst schnell zu identifizieren, denn dies ist hilfreich,
um die während des Kaltwalzens aufgrund schwankender Härte auftretenden Probleme beherrschen
zu können und um folglich die mittels des Kaltwalzens wünschenswert hohe Produktqualität
hinsichtlich auslaufseitiger Banddicke zu erzielen. Durch frühzeitige Identifikation
der Härteschwankung können ebenfalls die Warmwalz- bzw. Glüh- und Lagerbedingungen
gleicher Bänder verbessert werden.
[0017] Weitere Vorteile sind aus der nachstehenden Beschreibung ersichtlich.
[0018] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
[0019] Die Erfindung wird nachstehend anhand der in der Zeichnung dargestellten. Ausführungsbeispiele
erläutert. Es zeigen:
- Fig.1
- eine Anordnung zur Identifikation, Erfassung und Kompensation eines bei einem Band
auftretenden "Christbaum-Effektes",
- Fig. 2
- einen Vergleich der zwischen einer üblichen Massenfluss-Regelung und einer Massenfluss-Regelung
& Härte-Kompensation erzielten Resultate,
- Fig. 3
- interessierende Größen - wie auslaufseitige Dickenabweichung, Walzkraft, einlaufseitige
und auslaufseitige Bandgeschwindigkeit, Walzenumfangsgeschwindigkeit und Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel - am Band-Kopfstück,
- Fig. 4
- interessierende Größen - wie auslaufseitige Dickenabweichung, Walzkraft, einlaufseitige
und auslaufseitige Bandgeschwindigkeit, Walzenumfangsgeschwindigkeit und Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel - am Band-Endstück,
- Fig. 5
- eine Skizze zur Erläuterung der physikalischen Ursachen des am BandKopfstück auftretenden
"Christbaum-Effektes".
[0020] In Fig. 1 ist eine Anordnung zur Identifikation, Erfassung und Kompensation eines
bei einem Band aufgrund schwankender Härte auftretenden "Christbaum-Effektes dargestellt.
Die Figur zeigt ein zum Kaltwalzen geeignetes Walzgerüst mit Bandwickelvorrichtungen
und Erfassungseinrichtungen (Sensoren) für wichtige Messwerte (Prozesssignale, Größen,
Informationen). Es ist ein allgemein bekanntes Walzgerüst 1 mit oberer Stützwalze
2, unterer Stützwalze 3, oberer Zwischenwalze 4, unterer Zwischenwalze 5, oberer Arbeitswalze
6 und unterer Arbeitswalze 7 zu erkennen. Ein Band 8 durchläuft den zwischen den Arbeitswalzen
6, 7 gebildeten Walzspalt. Die Bewegungsrichtung des Bandes 8 ist mit einem Pfeil
bezeichnet. Dieses Band 8 wird von einer einlaufseitigen Haspel (Abwickler, Abhaspel)
9 abgewickelt. Das Band 8 gelangt über eine einlaufseitige Umlenkrolle 10 (Messrolle
zur Erfassung des Bandzuges des einlaufseitigen Bandes) zum Walzgerüst 1.
[0021] Das Band 8 verlässt das Walzgerüst 1 und gelangt über eine auslaufseitige Banddicken-Erfassungseinrichtung
11 zur Erfassung von Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke Δh
1 und eine auslaufseitige Umlenkrolle 12 (Messrolle zur Erfassung des Bandzuges des
auslaufseitigen Bandes) zu einer auslaufseitigen Haspel (Aufhaspel, Aufwickler) 13
zum Aufwickeln des kaltgewalzten Bandes. Eine Messeinrichtung 14 dient zur Erfassung
der auslaufseitigen Bandgeschwindigkeit v
1.
[0022] Eine (vorzugsweise hydraulische) Walzspaltregelung (HGC) 15 beaufschlagt das Walzgerüst
1 mit oberer Stützwalze 2, oberer Zwischenwalze 4 und oberer Arbeitswalze 6. Eine
einlaufseitige Bandzugregelung (TC) 16 bzw. eine auslaufseitige Bandzugregelung (TC)
17 beaufschlagen die einlaufseitige Haspel 9 bzw. die auslaufseitige Haspel 13. Im
Hinblick auf die Reduzierung bzw. Beseitigung des negativen "Christbaum-Effektes"
sind eine identifikations- und Detektionseinrichtung 18 sowie eine nachgeschaltete
Kompensations- und Überwachungseinrichtung 19 von großer Bedeutung. Als eingangsseitige
Signale empfangen diese beiden Einrichtungen 18/19:
- die Winkelgeschwindigkeit w0 respektive Drehzahl, Drehfrequenz, Umlaufgeschwindigkeit der einlaufseitigen Haspel
9,
- die Winkelgeschwindigkeit w1 respektive Drehzahl, Drehfrequenz, Umlaufgeschwindigkeit der auslaufseitigen Haspel
17,
- die aktuelle Walzkraft Fr der hydraulischen Walzspaltregelung 15,
- den mittels einlaufseitiger Umlenkrolle 10 gebildeten Bandzug Ft0 des einlaufseitigen Bandes,
- den mittels auslaufseitiger Umlenkrolle 12 gebildeten Bandzug Ft1 des auslaufseitigen Bandes,
- die mittels Messeinrichtung 14 gewonnene auslaufseitige Bandgeschwindigkeit v1 und
- die mittels Banddicken-Erfassungseinrichtung 11 gewonnenen Schwankungen Δh1 der auslaufseitigen Banddicke.
[0023] Die auslaufseitige Bandgeschwindigkeit v
1 kann auch mit Hilfe anderer Messgrößen geschätzt werden.
[0024] Als ausgangsseitige Signale geben diese beiden Einrichtungen 18/19 bedarfsweise folgende
Signale ab:
- eine Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur Δv0 an die Bandzugregelung 16 für die einlaufseitige Haspel 9,
- eine Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur Δv1 an die Bandzugregelung 17 für die auslaufseitige Haspel 13 und
- ein Korrektursignal Δs an die hydraulische Walzspaltregelung 15 für die Stützwalzen-Position
der oberen Stützwalze 2 (bzw. der unteren Stützwalze bei Unterwalzenanstellung) des
Walzgerüstes 1.
[0025] Wie bereits aus den vorstehenden Erläuterungen hervorgeht, verursachen die Schwankungen
(Variationen) der Härte beim einlaufenden Band relativ große auslaufseitige Dickenabweichungen,
Bandzugschwankungen und Walzkraftschwankungen mit einer Frequenz, welche der Drehzahl
(bzw. einem Vielfachen der Drehzahl) der einlaufseitigen Haspel 9 entspricht, während
gleichzeitig typischerweise keine signifikante Dickenabweichungen beim einlaufseitigen
Band mit einer derartigen Frequenz auftreten.
[0026] Das Prinzip der mittels der Identifikations- und Detektionseinrichtung 18 durchgeführten
"Christbaum-Effekt"-Detektion besteht nun darin, Schwankungen (Abweichungen) der auslaufseitigen
Banddicke Δh
1, Schwankungen (Abweichungen) der Walzkraft F
r, Schwankungen (Abweichungen) des Bandzuges F
t0 des einlaufenden Bandes und Schwankungen (Abweichungen) des Bandzuges F
t1 des auslaufenden Bandes aufzufinden, deren Frequenz gleich ist der Frequenz der Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel 9 oder deren Frequenz gleich ist einem Vielfachen der Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel 9. Diese Identifikation und Detektion kann mit Hilfe von
Kreuz-Korrelation oder Fast-Fourier-Transformation oder mit Hilfe eines Störgrößenbeobachters
erfolgen.
[0027] In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass lokale Erhebungen und Unrundheiten des
Coils ebenfalls Bandzugschwankungen und Schwankungen hinsichtlich der auslaufseitigen
Banddicke erzeugen, deren Frequenz gleich ist der Frequenz und deren Harmonischen
der Drehzahl der einlaufseitigen Haspel 9. Im Unterschied zu den durch den "Christbaum-Effekt",
d. h. aufgrund schwankender Härte verursachten Schwankungen nimmt die Amplitude dieser
durch lokale Erhebungen / Unrundheiten des Coils verursachten Schwankungen des Bandzuges
und der auslaufseitigen Banddicke jedoch mit zunehmender Umlaufgeschwindigkeit / Drehzahl
der einlaufseitigen Haspel zu, während die Amplitude der durch den "Christbaum-Effekt",
bei Härteschwankungen in den äußeren Lagen, verursachten Schwankungen mit zunehmender
Umlaufgeschwindigkeit / Drehzahl (abnehmender Coil-Durchmesser) der einlaufseitigen
Haspel im Gegensatz hierzu abnimmt.
[0028] Bei Auftreten von lokalen Erhebungen und Unrundheiten des Coils weist das Profil
der Bandzugschwankungen impulsförmige Anregungen mit nachfolgenden Schwingungen auf
und ist keinesfalls rein sinusförmig. Zwar verursachen die Bandzugschwankungen aufgrund
von lokalen Erhebungen und Unrundheiten des Coils ebenfalls Schwankungen der auslaufseitigen
Banddicke, jedoch sind diese Dickenabweichungen relativ klein im Vergleich zu den
Dickenabweichungen aufgrund des "Christbaum-Effektes".
[0029] Für die Identifikation eines "Christbaum-Effektes" werden die Abhaspel Drehharmonischen
von Banddicke, Walzkraft und Bandzug ermittelt. Mit der Bandzugharmonischen und einem
Online-Walzspalt-Modells wird eine Walzkraft-, und Banddickenharmonische berechnet.
Ist die gemessene Walzkraft- und Dickenamplitude um einen vorgegebenen Schwellwert
größer als die berechnete Werte und liegt keine Haspeldrehzahlabhängigkeit vor, ist
damit die Härteschwankung erkannt.
[0030] Nach Identifikation und Detektion des "Christbaum-Effektes" werden die Schwankungen
(Variationen) der Härte bzw. das Amplituden-Verhältnis der Schwankungen der Härte
mit Hilfe eines Online-Walzspalt-Modells geschätzt.
[0031] Nach Detektion eines "Christbaum-Effektes" ergeben sich prinzipiell zwei unterschiedliche
Vorgehensweisen, um die gewünschte hohe Produktqualität hinsichtlich des Kriteriums
"Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke" zu erzielen:
1) Das Band wird nach dem Kaltwalzen (erster Stich) geglüht, um die Schwankungen hinsichtlich
der Härte zu beseitigen. Die aufgrund der schwankenden Härte des Bandes resultierenden
Schwankungen hinsichtlich der auslaufseitigen Banddicke des ersten Durchganges (Stiches)
müssen dann im darauffolgenden Stich durch die Dickenregelung kompensiert werden.
2) Es erfolgt online eine Kompensation der aufgrund der Härteschwankungen resultierenden
Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke.
[0032] Bei der Vorgehensweise 2) werden die mit Hilfe des vorstehend erwähnten Online-Walzspalt-Modells
gewonnenen geschätzten Schwankungen der Härte verwendet, um die resultierenden auslaufseitigen
Dickenabweichungen und Bandzugschwankungen durch Einsatz einer dynamischen Walzspalt-Positionierung
und durch Vorgabe von Haspel-Geschwindigkeits-Korrekturen für die einlaufseitige und
die auslaufseitige Haspel zu kompensieren. Dies erfolgt mit Hilfe der Kompensations-
und Überwachungseinrichtung 19, welche folgende Signale abgibt:
- eine Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur Δv0 an die Bandzugregelung 16 für die einlaufseitige Haspel 9,
- eine Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur Δv1 an die Bandzugregelung 17 für die auslaufseitige Haspel 13 und
- ein Korrektursignal Δs an die hydraulische Walzspaltregelung 15 für die Stützwalzen-Position
der oberen Stützwalze 2 (bzw. der unteren Stützwalze bei Unterwalzenanstellung) des
Walzgerüstes 1.
[0033] Bei Tandem-Walzanlagen werden außer der Stützwalzen-Position und Haspel-Geschwindigkeiten
auch die Walzenumfangsgeschwindigkeiten der Gerüste korrigiert.
[0034] Eine Kompensations-Überwachung schaltet die Kompensation "Haspel-Drehzahl-Korrektur
Δv
0 + Haspel-Drehzahl-Korrektur Δv
1 + Korrektursignal Δs" automatisch auf die Bandzugregelungen 16 + 17 und die hydraulische
Walzspaltregelung 15. Falls die bestehen bleibenden Walzkraftschwankungen harmonische
Planheits-Schwänkungen beim auslaufseitigen Band verursachen, werden diese Effekte
durch eine Regelung mit Störgrößenäufschaltung der Walzenbiegung kompensiert. Mit
anderen Worten wird der nachteilige Effekt der Walzkraftschwankung auf die Bandplanheit
durch eine Biegevorsteuerung kompensiert.
[0035] Fig. 2 zeigt einen Vergleich zwischen dem mit Hilfe einer üblichen Massenfluss-Regelung
erzielten Resultat und dem Resultat, welches mit Hilfe einer gemäß den vorstehenden
Erläuterungen realisierten Massenfluss-Regelung & Härte-Kompensation erzielt wird.
Im linken Bildteil ist die Bandgeschwindigkeit in Abhängigkeit der Bandlänge gezeigt,
während im rechten Bildteil die auslaufseitige Banddickenschwankung (um den Idealwert
Banddickenschwankung = Null schwankend) in Abhängigkeit der Bandlänge für die beiden
Fälle
- Einsatz einer Massenfluss-Regelung
- Einsatz einer Massenfluss-Regelung und einer Härte-Kompensation. dargestellt ist.
Die positive Wirkung der Härte-Kompensation, d. h. die relativ starke Herabsetzung
(Abschwächung) der Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke auf einen tolerierbaren
Werte, ist deutlich zu erkennen.
Bezugszeichenliste:
[0036]
- 1
- Walzgerüst
- 2
- obere Stützwalze
- 3
- untere Stützwalze
- 4
- obere Zwischenwalze
- 5
- untere Zwischenwalze
- 6
- obere Arbeitswalze
- 7
- untere Arbeitswalze
- 8
- Band
- 9
- einlaufseitige Haspel (Abhaspel)
- 10
- einlaufseitige Umlenkrolle (Messrolle)
- 11
- auslaufseitige Banddicken-Erfassungseinrichtung
- 12
- auslaufseitige Umlenkrolle (Messrolle)
- 13
- auslaufseitige Haspel (Aufhaspel)
- 14
- Messeinrichtung zur Erfassung der auslaufseitigen Bandgeschwindigkeit
- 15
- hydraulische Walzspaltregelung
- 16
- einlaufseitige Bandzugregelung
- 17
- auslaufseitige Bandzugregelung
- 18
- Identifikations- und Detektionseinrichtung
- 19
- Kompensations- und Überwachungseinrichtung
- Ft0
- Bandzug des einlaufseitigen Bandes
- Ft1
- Bandzug des auslaufseitigen Bandes
- Fr
- Walzkraft
- Δh1
- Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke
- Δs
- Korrektursignal für Stützwalzen-Position
- v1
- auslaufseitige Bandgeschwindigkeit
- Δv0
- Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur für einlaufseitige Haspel
- Δv1
- Haspel-Geschwindigkeits-Korrektur für auslaufseitige Haspel
- w0
- Winkelgeschwindigkeit respektive Drehzahl der einlaufseitigen Haspel
- w1
- Winkelgeschwindigkeit respektive Drehzahl der auslaufseitigen Haspel
1. Verfahren zum Kaltwalzen metallischen Bandes (8), welches von einer einlaufseitigen
Haspel (9) abgewickelt wird, einen zwischen zwei Arbeitswalzen (6, 7) gebildeten,
mittels einer Walzspaltregelung (15) eingestellten Walzspalt durchläuft und von einer
auslaufseitigen Haspel (13) aufgewickelt wird, dadurch gekennzeichnet, dass unzulässig große Schwankungen der Härte des einlaufseitigen Bandes aufgefunden werden,
indem mittels Kreuz-Korrelation oder Fast-Fourier-Transformation oder mit Hilfe eines
Störgrößenbeobachters in Abhängigkeit von Abhaspel-Drehharmonischen Schwankungen der
auslaufseitigen Banddicke (Δh1) und/oder Schwankungen der Walzkraft (Fr) und/oder Schwankungen des Bandzuges (Ft0) des einlaufenden Bandes und/oder Schwankungen des Bandzuges (Ft1) des auslaufenden Bandes ermittelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet dass unter Verwendung eines Online-Walzspalt-Modells die Walzkraft und die Dickenschwankung
für die gemessene Bandzugschwankung berechnet und mit den gemessenen Werten verglichen
werden, wobei - unter Beachtung zunehmender / abnehmender Drehzahl der einlaufseitigen
und/oder auslaufseitigen Haspel (9, 13) - eine Härteschwankung detektiert ist, wenn
die Differenz zwischen gemessenen und berechneten Werten einen vorgegebenen Schwellwert
überschreitet.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und/oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwankungen der Härte mit Hilfe eines Online-Walzspalt-Modells geschätzt werden.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die durch unzulässig große Schwankungen der Härte des einlaufseitigen Bandes verursachten
Schwankungen der auslaufseitigen Banddicke und/oder des Bandzuges online kompensiert
werden, indem Haspel-Drehzahl-Korrekturen (Δv0, Δv1) an die Bandzugregelungen (16, 17) für die einlaufseitige und auslaufseitige Haspel
(9, 13) sowie Korrektursignale (Δs) an die Walzspaltregelung (15) abgegeben werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass bei Tandemgerüsten zusätzlich die Walzenumfangsgeschwindigkeiten korrigiert werden.
6. Verfahren nach Anspruch 4 und/oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der nachteilige Effekt der Walzkraftschwankung auf die Bandplanheit durch eine Biegevorsteuerung
kompensiert wird.