(57) Die Erfindung betrifft einen Stahl für spanabhebende Werkzeuge.
Um die jeweiligen Einzelwerte des Eigenschaftsprofiles des Werkzeugwerkstoffes den
jeweiligen Belastungen bei der Spannung entsprechend auszubilden und hohe Wirtschaftlichkeit
zu erreichen, ist erfindungsgemäß vorgesehen, einen Stahl enthaltend die Elemente
in Gew.-% von:
C = 0,88 bis 1,12
Cr = 3,4 bis 4,5
Mo = 2,5 bis 3,0
V = 0,7 bis 1,0
Al = 0,04 bis 0,1
N = 0,02 bis 0,12
Fe sowie Begleit- und Verunreinigungselemente als Rest
für spanabhebende Werkzeuge vorzusehen.
[0001] Die Erfindung betrifft einen Stahl für spanabhebende Werkzeuge.
[0002] Schneidenbereiche von Werkzeugen werden bei einer Spanabnahme von Werkstücken im
Wesentlichen thermisch, abrasiv sowie auf Zähigkeit und Druckbelastung hoch belastet,
wobei die Beanspruchung des Werkzeug-Werkstoffes simultan erfolgt. Um bei unterschiedlichen
Belastungsprofilen höchste Standzeiten des Werkzeuges zu erreichen sind jeweilige
Legierungszusammensetzungen, die den Spitzenanforderungen im Profil Rechnung tragen,
weitgehend zum Stand der Technik gehörend.
[0003] Hohe Schneidhaltigkeit eines Werkzeuges kann im Allgemeinen mit dem Einsatz von Schnellarbeitsstählen
erreicht werden, die allerdings hohe Gehalte an dem (den) teuren Legierungselement(en)
Molybdän und/oder Wolfram in Konzentrationen bis 20 Gew.-% aufweisen. Auch Vanadin
zählt zu diesen Elementen und wird in üblichen oder PM-Schnellarbeitsstählen mit Gehalten
von 1,2 bis 10,0 Gew.-% zulegiert.
[0004] Wie oben dargelegt können Schnellarbeitstähle für ein gefordertes Beanspruchungsprofil
an das Werkzeug hinsichtlich der Zusammensetzung günstig ausgewählt werden, haben
aber den Nachteil hoher Legierungs- und daher Werkstoffkosten. Wird nun aus wirtschaftlichen
Gründen eine Konzentration der Hauptlegierungselemente abgesenkt, so können sich oft
sprunghaft die thermische Vergütbarkeit, die Härte und allgemein die Gebrauchseigenschaften
des Stahles verschlechtern.
[0005] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zu Grunde, die Mängel im Stand der Technik zu
beseitigen und einen Stahl zu schaffen, der durch legierungstechnische Maßnahmen für
spanabhebende Werkzeuge besonders gute Eignung besitzt und hohe Wirtschaftlichkeit
aufweist.
[0006] Diese Aufgabe wird durch einen Stahl, enthaltend die Elemente in Gew.-% von:
C = 0,88 bis 1,12
Cr = 3,4 bis 4,5
Mo = 2,5 bis 3,0
V = 0,7 bis 1,0
Al = 0,04 bis 0,1
N = 0,02 bis 0,12
Fe sowie Begleit- und Verunreinigungselemente als Rest
gelöst.
[0007] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind im Wesentlichen darin zu sehen,
dass durch eine Kombination der Elemente Molybdän und Vanadin einerseits, bei einer
gegenüber Schnellarbeitstahl wesentlich erniedrigten Konzentration, mit Aluminium
und Stickstoffgehalten andererseits, mit vergleichsweise gegenüber dem Stand der Technik
hohen Gehalten, eine günstige Warmhärte und insbesondere ein hoher Verschleißwiderstand
bei ausreichender Zähigkeit und Druckbelastbarkeit des vergüteten Stahles erreicht
werden kann. Spanabhebende Werkzeuge aus der erfindungsgemäßen Legierung sind auf
Grund der niedrigen Gehalte an teureren Legierungselementen wirtschaftlich herstellbar,
besitzen jedoch auch gerade für die herausragenden Anforderungen im Belastungsprofil
hohe Beständigkeit.
[0008] Es wurde gefunden, dass ein Spanablauf an der Spanfläche bzw. im Bereich nach der
Schneidkante eines aus dem erfindungsgemäßen Stahl gebildeten Werkzeuges günstiger
erfolgt und Auskolkungen vergleichsweise wesentlich geringer sind. Eine Ursache dafür
ist wissenschaftlich noch nicht geklärt, könnte aber, wie angenommen wird, mit einem
Synergie-Effekt der Elemente Aluminium, Stickstoff, Kohlenstoff und Vanadin erklärbar
sein. Die hohe Affinität von Vanadin zu Kohlenstoff und Stickstoff, die bei Bildung
von feinsten, homogen verteilten Karbiden und Karbonitriden bei der Vergütung einerseits
vorteilhaft eine hohe Warmhärte erbringt, kann andererseits eine ausreichende Menge
an reaktionsfähigem Aluminium in der Matrix belassen, welches Aluminium bei einer
Temperaturbelastung im Schneidenbereich des Werkszeuges durch Oxidation eine Tonerde-Oberflächenschicht,
quasi eine den Spanablauf fördernde Beschichtung bildet. Aluminium in der Matrix fördert,
wie sich gezeigt hat, auch eine Warmhärte und Anlaßbeständigkeit der erfindungsgemäßen
Werkstoffes.
[0009] Vanadin kann in der Legierung teilweise bis 0,45 Gew.-% durch Niob ersetzt sein,
allerdings ist in diesen Fällen der Kohlenstoffgehalt im unteren Bereich der Konzentrationsgrenze
einzustellen.
[0010] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist erfindungsgemäß vorgesehen, einen Stahl,
enthaltend ein oder mehrere der Elemente in einem Konzentrationsbereich in Gew.-%
von:
C = 0,93 bis 1,07
Si = 0,15 bis 0,42
Mn = 0,15 bis 0,44
P = MAX 0,03
S = 0,001 bis 0,3
Al = 0,05 bis 0,07
N = 0,03 bis 0,1
für spanabhebende Werkzeuge zu verwenden.
[0011] Durch eine Einmengung des vorgesehenen Konzentrationsbereiches der Elemente in der
Legierung können die besonders wichtigen Bereiche im Eigenschaftsprofil des Werkzeuges
weiter erhöht werden.
[0012] Wenn das Verhältnis Aluminium zu Stickstoff 0,5 bis 1,9 beträg (Al/N = 0,5 bis 1,9)
weist der erfindungsgemäße Werkstoff im thermisch vergüteten Zustand bzw. nach einem
Härten und mindestens einmaligem Anlassen im Bereich zwischen 450°C und 500°C hohe
Warmhärte sowie Zähigkeit auf, wobei der Spanverschleiß am Werkzeug äußerst gering
ist.
[0013] Mit besonderer Wirtschaftlichkeit und mit hoher Standzeit im schweren Betrieb können
Kreissägen mit einer Härte von größer 63 HRC, vorzugsweise größer 64 HRC, aus einem
erfindungsgemäßen Stahl hergestellt werden.
[0014] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung, welches lediglich eine Zusammensetzung des
Stahles im Vergleich mit dem üblich verwendeten Werkstoff DIN No. 1.3343 zeigt, wird
im Folgenden näher beschrieben:
Kreissägeblätter mit thermisch vergüteten Zähnen mit einem Durchmesser von 400 mm
wurden auf einer gemeinsamen Welle aufgespannt und damit in der Trenneinrichtung zähfeste
Metallstangen in Stücke geteilt.
[0015] Zwischen den Sägeblättem aus einer Legierung, die sich im Bezug auf Lebensdauer des
Sägeblattes als günstig erwiesen hat und in Tab. 1 mit der Bezeichnung Typ A 1 angegeben
ist, wurde ein Sägeblatt aus einer Legierung, gemäß der Erfindung, welches mit Vers.
L. 3 bezeichnet ist, eingesetzt.
[0016] Bis zum Ausscheiden der Sägen-Welle wegen Verschleiß erfolgten in Tab. 2 vergleichende
Begutachtungen, deren Ergebnisse aus Tab. 2 hervorgehen, wobei die Werte von Typ A1
mit 100% bezeichnet sind. Die Ergebnisse zeigen, dass für spanabhebende Werkzeuge,
insbesondere für Kreissägen, hohe Schnittleistungen bei Verwendung eines erfindungsgemäßen
Werkstoffes erreichbar sind.
Tab. 1
| Werkstoff |
Chem. Zusammensetzung |
| |
C |
Si |
Mn |
P |
S |
Cr |
Mo |
V |
W |
A1 |
N |
| Typ A1 |
0,91 |
0,32 |
0,4 |
0,011 |
0,012 |
4,13 |
5,21 |
1,81 |
6,44 |
- |
- |
| Vers. L. 3 |
0,96 |
0,27 |
0,24 |
0,01 |
0,009 |
4,01 |
2,78 |
0,88 |
- |
0,082 |
0,086 |
Tab. 2
| Werkstoff |
Einsatz Zeit % |
Härte HRC |
Schneiden Verschleiß % |
Auskolkung |
Schneiden Bruch % |
| Typ A 1 |
0 |
65 |
- |
- |
- |
| Vers. L. 3 |
0 |
64 |
- |
- |
- - |
| Typ A 1 |
30 |
- |
100 |
100 |
100 |
| Vers. L. 3 |
30 |
- |
103 |
95 |
100 |
| Typ A 1 |
60 |
- |
100 |
100 |
100 |
| Vers. L. 3 |
60 |
- |
107 |
89 |
200 |
| Typ A 1 |
90 |
- |
100 |
100 |
100 |
| Vers. L. 3 |
90 |
- |
106 |
86 |
100 |
1. Stahl für spanabhebende Werkzeuge enthaltend die Elemente in Gew.-% von:
C = 0,88 bis 1,12
Cr = 3,4 bis 4,5
Mo = 2,5 bis 3,0
V = 0,7 bis 1,0
Al = 0,04 bis 0,1
N = 0,02 bis 0,12
Fe sowie Begleit- und Verunreinigungselemente als Rest.
2. Stahl nach Anspruch 1 enthaltend ein oder mehrere der Elemente in einem Konzentrationsbereich
in Gew.-% von:
C = 0,93 bis 1,07
Si = 0,15 bis 0,42
Mn = 0,15 bis 0,44
P = MAX 0,03
S = 0,001 bis 0,3
Al = 0,05 bis 0,07
N = 0,03 bis 0,1
3. Stahl nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Verhältnis Aluminium zu Stickstoff 0,5 bis
1,9 beträgt (Al/N = 0,5 bis 1,9)
4. Kreissägen mit einer Härte zumindest der Zahnspitzenbereiche von größer 63 HRC, bestehend
aus einem Stahl gemäß der Ansprüchen 1 bis 3.