[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum direkten oder indirekten Auftragen von
flüssigen bis pastösen Suspensionen, insbesondere für Farbpigmente oder Stärken enthaltende
Suspensionen auf Papier- oder Kartonbahnen.
Stand der Technik
[0002] Bei derartigen Vorrichtungen wird die auf eine Papieroder Kartonbahn aufzubringende
Suspension, die eine Leimoder Farbsuspension, aber auch eine pastöse Auftragsmasse
sein kann, aus einer Auftragskammer entweder direkt oder indirekt über eine zumeist
gummierte Auftragswalze auf die zu beschichtende Bahn aufgebracht und nachfolgend
mittels eines Rollrakels oder einer Streichklinge dosiert und einem Pressspalt zugeführt.
In der DE 34 17 487 A1 ist eine solche Leimpresse zum direkten Beschichten der Papierbahn
beschrieben, bei der die Leimsuspension aus einer offenen Auftragskammer auf die Papierbahn
aufgetragen und nachfolgend mittels eines geriffelten Rollrakels dosiert wird. Diese
Vorrichtung ist als offenes System, insbesondere wenn Suspensionen hoher Viskosität
verarbeitet werden sollen, bei den hohen heute üblichen Arbeitsgeschwindigkeiten von
über 800 m/min nicht zum Beschichten geeignet, da dann kein gleichmäßiger Film auf
der Papierbahn erzeugt werden kann.
[0003] Nach der DE 44 14 921 A1 ist eine Vorrichtung zum indirekten Auftragen einer flüssigen
Suspension bekannt, bei der die flüssige Suspension mittels eines über die gesamte
Breite
der Materialbahn reichenden Düsenauftragswerkes auf eine Auftragswalze aufgetragen
und mittels eines Rakelbetts fein-dosiert wird. In einem zwischen der Auftragswalze
und einer Presswalze gebildeten Pressspalt erfolgt das Beschichten der Papierbahn.
Auch bei diesem Auftragswerk treten die bei der Vorrichtung nach der DE 34 17 487
A1 genannten Nachteile auf.
Ferner ist in der DE 44 32 177 A1 eine Vorrichtung zum direkten oder indirekten Auftragen
einer flüssigen bis pastösen Suspension auf eine laufende Materialbahn beschrieben.
Diese Vorrichtung weist einen als Freistrahldüse ausgebildeten Dosierspalt auf, dem
die aufzutragende Suspension über ein Verteilerrohr zugeführt wird. Der Dosierspalt
dieser Vorrichtung wird aus zwei über die Bahnbreite reichenden Lippen gebildet. Eine
solche Vorrichtung kann für wesentlich höhere Arbeitsgeschwindigkeiten eingesetzt
werden, da die aufzutragende Suspension in dieser Vorrichtung unter Druck zugeführt
werden kann. Allerdings führt der erhöhte Druck dazu, dass sich der Düsenspalt insbesondere
im Mittenbereich der Materialbahn aufweitet und es so zu einem erhöhten Auftrag und
damit zu einem ungleichmäßigen Strichbild über die Bahn-breite führt. Dies wird auch
durch ein nachgeordnetes Rakel nicht vollständig zu beseitigen sein, da ein Verbiegen
des Rakelbetts nicht zu verhindern ist. Zur Beeinflussung der Schichtdicke sind bei
dieser Vorrichtung an den Spaltlippen sektionsweise angeordnete Verstellelemente vorgesehen,
über welche die Spaltbreite und damit die Durchflussmenge beeinflussbar ist. Um diese
Verstellungen auch während des Betriebes einer solchen Anlage vornehmen und gleichzeitig
sich während des Betriebes ergebende Änderungen ausgleichen zu können, sind Stellmotoren
vorgesehen, die über die Messung der aufgetragenen Schicht und einen Regelkreis gewährleisten,
dass die Schicht über die gesamte Bahnbreite konstant bleibt. Der Aufwand für die
Herstellung einer solchen Vorrichtung ist sehr hoch. Darüber hinaus weist ein solcher
Regelkreis mit seinen vielen Elementen eine erhebliche Störanfälligkeit auf. Eine
der vorgenannten Vorrichtung ähnliche Auftragseinrichtung für flüssige bis pastöse
Suspensionen ist in der DE 198 01 140 A1 beschrieben, die ein aufwändiges Regelsystem
zur Erzielung eines gleichmäßigen Strichbildes aufweist.
[0004] In einer anderen Vorrichtung nach der DE 40 00 556 A1 wird vorgeschlagen, die Gleichmäßigkeit
der aufgetragenen Schicht durch die Anordnung von mehreren Rakelmessern zu verbessern,
wobei die aufzutragende Suspension in einer laminaren Strömung auf der Rückseite eines
Vorrakelmessers direkt auf die Papier- oder Kartonbahn aufgetragen wird. Mit einer
derartigen Vorrichtung ist jedoch auch nicht zu vermeiden, dass insbesondere bei breiten
Materialbahnen, hohen Arbeitsgeschwindigkeiten und hohen Viskositäten der aufzubringenden
Suspensionen der Auftragsspalt durch den Druck im Zuführsystem aufgeweitet wird, und
somit über die Bahnbreite eine Ungleichmäßigkeit in der Schichtdicke zu verzeichnen
ist.
Mit der DE 43 03 577 A1 wird dieses System dadurch weiter verbessert, indem die Menge
der zugeführten Suspension geregelt wird. Aber auch mit dieser Maßnahme ist der vorgenannte
Mangel einer solchen Auftragseinrichtung nicht zu beheben.
Die maschinenbaulich nahe liegende Lösung, das Aufweiten des Spaltes infolge des inneren
Drucks durch das Einbringen von Stegen zu verhindern, scheitert daran, dass eine solche
Konstruktion zwangsweise Streifen im Strichauftrag verursacht.
Aufgabe der Erfindung
[0005] Das Ziel der Erfindung besteht darin, eine einfache Auftragsvorrichtung insbesondere
für mit hohen Geschwindigkeiten arbeitende Beschichtungsanlagen zum direkten oder
indirekten Auftragen von flüssigen bis pastösen Suspensionen auf Papier- oder Kartonbahnen
zu schaffen, mit der es ohne aufwändige Verstell- und Regeleinrichtungen möglich ist,
eine gleichmäßige strei-fenfreie Beschichtung auch von breiten Papier- oder Kartonbahnen
zu ermöglichen. Ausgehend von den strömungsphysikalischen Erkenntnissen, nach denen
eine laminare Strömung durch Stufendiffusoren erzielbar ist, wird die Aufgabe der
Erfindung mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen
der Vorrichtung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0006] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird ein überraschend gutes gleichmäßiges Strichbild
der aufgetragenen Suspension über die gesamte Breite der Papier- oder Kartonbahn erreicht,
ohne dass durch die zwischen den einzelnen Auslassöffnungen vorhandenen Stege des
Diffusorblockes ein Streifenbild im Strichauftrag erkennbar ist. Auch ist der Suspensionsauftrag
über die gesamte Breite der Papier- oder Kartonbahn sehr gleichmäßig. Eine permanente
Messung des Suspensionsauftrages und nachfolgende korrigierende Verstellung des Auftragsspaltes
oder der zugeführten Suspensionsmenge erübrigt sich, so dass die Kosten für eine solche
erfindungsgemäße Vorrichtung niedrig gehalten werden können.
Ausführungsbeispiel
[0007] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0008] Die zugehörige Zeichnung zeigt in Fig. 1 eine Schnittdarstellung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum indirekten Auftragen von dickflüssigem Leim.
[0009] In der Figur ist ein Querschnitt durch die Vorrichtung dargestellt. Die Vorrichtung
ist am Querbalken 1 befestigt, in dem auch das Zuführrohr 2 für den aufzutragenden
Leim angeordnet ist. Im Zuführrohr 2 sind über die gesamte Breite der nicht näher
dargestellten zu beschichtenden Papierbahn eine Vielzahl von Auslässen 3 angeordnet,
welche unter Vermittlung von Stegen 4 und der Verschraubung 5 mit dem Diffusorblock
6 verbunden sind. Der Diffusorblock 6 besteht aus einer Vielzahl von einzelnen Diffusoren,
deren runder Eingangsquerschnitt sich kontinuierlich zu einem rechteckigen Austrittsquerschnitt
erweitert. Die Wände zwischen den einzelnen Diffusoren laufen ausgangsseitig spitz
aus, so dass an diesen Stellen keine Wirbel in der Leimsuspension erzeugt werden.
Die weitere Führung der Leimsuspension wird auf der der Übertragungswalze 9 zugewandten
Seite des Diffusorblocks 6 durch die Diffusorlippe 7 gewährleistet. Zwischen der Übertragungswalze
9 und dem Ende der Diffusorlippe 7 befindet sich der Überlaufspalt 8, über den die
zuviel zugeführte Leimsuspension in die Leimrückführungswanne 15 und von da aus in
die hier nicht näher dargestellte sogenannte Streichküche, in der die Leimsuspension
aufbereitet wird, zurückgeführt werden kann.
[0010] Auf der von der Übertragungswalze 9 abgewandten Seite des Diffusorblocks 6 wird die
Leimsuspension bis zum Rakelbett 10 geleitet. Im Rakelbett 10 ist der Rollrakel 11
angeordnet, der mit der Übertragungswalze 9 in Wirkverbindung steht. Das Anpressen
des Rollrakels 11 an die Übertragungswalze 9 erfolgt mittels des Anpressschlauchs
12, welcher durch den Schlauchhalter 13 abgestützt wird.
Auf der Umfangsoberfläche des Rollrakels 11 ist in Richtung dessen Längsachse eine
nicht näher dargestellte Riffelung eingebracht.
Die Klemmvorrichtung 14 fixiert das Rakelbett 10 zwischen dem Querbalken 1 und dem
Schlauchhalter 13. Mit dem Anpressschlauch 12 ist die Feinanpressung des Rollrakels
11 und damit die Dicke der aufzutragenden Leimschicht einstellbar. Über einen nicht
näher dargestellten separaten Drehpunkt ist die Einstellung des Überlaufspalts 8 möglich.
Bezugszeichenliste
[0011]
- 1
- Querbalken
- 2
- Zuführrohr
- 3
- Auslass
- 4
- Steg
- 5
- Verschraubung
- 6
- Diffusorblock
- 7
- Diffusorlippe
- 8
- Überlaufspalt
- 9
- Übertragungswalze
- 10
- Rakelbett
- 11
- Rollrakel
- 12
- Anpressschlauch
- 13
- Schlauchhalter
- 14
- Klemmvorrichtung
- 15
- Leimrückführungswanne
1. Vorrichtung zum direkten oder indirekten Auftragen von flüssigen bis pastösen Suspensionen
auf eine laufende Papier- oder Kartonbahn, mit
- einer quer zum Verlauf der Papier- oder Kartonbahn angeordneten Bahnführungswalze
oder einer mit einer Presswalze zusammenwirkenden Übertragungswalze (9),
- einem über die gesamte Breite der Papier- oder Kartonbahn reichenden Zuführrohr
(2) für die aufzutragende Suspension, das eine Vielzahl nebeneinander angeordneter
auf die Bahnführungs- bzw. Übertragungswalze (9) gerichteter diffusorartig erweiterter
Auslässe (3) aufweist, die im Austrittsbereich einen rechteckigen Querschnitt haben
und vom benachbarten Auslass (3) durch spitz auslaufende, nicht bis an die Bahnführungs-
oder Übertragungswalze (9) reichende Stege (4) getrennt sind, und so einen Diffusorblock
(6) bilden,
- einem Überlaufspalt (8) der im Austrittsbereich des Diffusorblocks (6) zwischen
diesem und der Bahnführungs- oder Übertragungswalze (9) in deren Drehrichtung einlaufseitig
gebildet ist,
- einem an die Bahnführungs- oder Übertragungswalze (9) anpressbaren Rakel, welches
im Austrittsbereich des Diffusorblocks (6) in Drehrichtung der Bahnführungs- oder
Übertragungswalze (9) auslaufseitig angeordnet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die diffusorartig erweiterten Auslässe (3) so zur Bahnführungs- oder Übertragungswalze
(9) ausgerichtet sind, dass deren verlängerte Mittelachsen den Umfang der Bahnführungs-
oder Übertragungswalze in der Nähe des Berührungspunktes des Rakels mit der Bahnführungs-
oder Übertragungswalze (9) schneiden.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Rakel ein Rollrakel (11) ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Rollrakel (11) an seiner Umfangsoberfläche eine in Achsrichtung ausgerichtete
Riffelung aufweist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Anpressdruck des Rollrakels (11), mittels eines zwischen Rakelbett (10) und Schlauchhalter
(13) angeordnetem Anpressschlauch (12) steuerbar ist.