[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur in situ Verbrennung von Mülldeponien
unterhalb der Oberfläche unter Zufuhr von Oxidationsgas, wobei an einer Stelle einer
Mülldeponie mindestens eine Oxidationsgaszufuhrleitung und distanziert von der Zufuhrleitung
eine Ausströmleitung eingetrieben wird und nach einer Zündung Oxydationsgas über die
Zufuhrleitung zugeführt und über die Ausströmleitung abgeführt wird.
[0002] Die Beseitigung von Hausmüll stellt weltweit ein wachsendes Problem dar. Während
in den industrialisierten Ländern, insbesondere in industrialisierten Ländern mit
hoher Bevölkerungsdichte, dieses Problem mit Müllverbrennungsanlagen bekämpft wird,
wird in eher ländlichen Gegenden und in Entwicklungsländern der Müll meist in Deponien
gelagert. Mit der Zunahme des Abfalles pro Kopf der Bevölkerung pro Jahr verschärft
sich auch das Problem der Müllbeseitigung.
[0003] Die Beseitigung des Abfalles in Kehrichtverbrennungsanlagen kommt in den meisten
Entwicklungsländern aus finanziellen Ueberlegungen nicht in Frage. Kehrichtverbrennungsanlagen
mit entsprechenden Öfen und Gasreinigungsanlagen führen zu einer erheblichen Kostensteigerung
bei der Müllentsorgung. Heute rechnet man die Kosten der Müllbeseitigung in Kehrichtverbrennungsanlagen
auf ca. USD 50 bis 100 pro Tonne. Hinzu kommen noch Anlagekosten von ca. USD 100 Millionen
für eine Anlage mit einer Kapazität von 150'000 Tonnen pro Jahr. Auch wenn in manchen
Entwicklungsländern Kehrichtverbrennungsanlagen ohne entsprechende Gasreinigungsbestimmungen
baubar sind, ist auch in solchen Anlagen die Kehrichtverbrennung noch viel zu teuer.
In solchen Fällen geht man von Kosten von ca. USD 20 bis 50 pro Tonne aus.
[0004] Auch in den neu zur Europäischen Gemeinschaft gestossenen osteuropäischen Ländern
existieren riesige Mülldeponien mit relativ gefährlichen Altlasten, deren Ausmass
kaum bekannt ist. Die Sanierung solcher Mülldeponien ist bis heute hoch problematisch
und wurde bisher nur vorgenommen, wenn nachweislich direkte Gefahr für die Bevölkerung
bestand.
[0005] Um diesen Problemen entgegenzuwirken sind Verfahren zur in situ Verbrennung von Mülldeponien
bekannt. Solche Verfahren haben wesentliche Vorteile gegenüber Verfahren, bei denen
die Mülldeponien abgetragen und in speziell zu bauenden Kehrichtverbrennungsanlagen
entsorgt werden. So kann durch die in situ Verbrennung von Mülldeponien das Volumen
der Mülldeponie erheblich reduziert werden, die Gesamtheit der Emissionen im Bereich
der Mülldeponie lässt sich drastisch senken und die Wiederbenutzung des Landes einer
ehemaligen Deponie kann sehr viel früher erfolgen.
[0006] Entsprechend hat man sich bereits intensiv mit den verschiedenen Möglichkeiten der
in situ Verbrennung von Mülldeponien befasst. Die einfachste Form, nämlich die einfache
Abbrennung der Deponie von oben ist zwar traditionell bekannt, bringt aber nur wenig
Raumgewinn, weil die Tiefe der Verbrennung nur relativ gering ist. Zudem sind die
Emissionen, insbesondere an Aschenflug, während der Verbrennung derart hoch, dass
solche oberflächlichen Deponieverbrennungen teilweise nicht mehr gestattet sind.
[0007] Generell sind die Gasemissionen von Mülldeponien ein grosses Problem. Die gesundheitsschädigenden
Auswirkungen dieser Emissionen sind bekannt und werden bekämpft. Hierzu werden Deponien
abgedeckt und das Deponiegas gefasst. Gefasstes Deponiegas kann thermisch genutzt
und schadlos beseitigt werden. Insbesondere zur Beseitigung der halogenierten Kohlenwasserstoffe
sind diese Gase unter Einsatz von Hochtemperaturfackeln zu verbrennen. Die Verbrennungstemperatur
sollte dabei rund 1200°C und die Aufenthaltszeit mindestens 0,3 Sekunden betragen.
Das meist vorhandene Methangas kann genutzt werden. Trotz Nutzung der Methangase sind
die Kosten für die Gasfassung, die Gasaufbereitung und die Abfackelung der halogenierten
Kohlenwasserstoffe hoch. Diesbezüglich wird beispielsweise auf die Veröffentlichung
des Institutes für Siedlungs-Wasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität Hannover,
Heft 74 von Prof. Dr. Ing. C.F. Seyfried und Burkhard Weber verwiesen mit dem Titel
"Minimierung von Emissionen der Deponie" (Hannover 1990).
[0008] Aus verschiedenen Ueberlegungen ist man daher zur Ueberzeugung gelangt, dass es erheblich
vorteilhafter ist, die in situ Verbrennung von Mülldeponien unter der Oberfläche durchzuführen.
Eine solche Lösung ist beispielsweise aus der US-A-5,159,885 bekannt. Hierin wird
vorgeschlagen, dass in einer Mülldeponie unterirdisch eine Explosion durchgeführt
wird, wobei eine unterirdische Verbrennungskammer erzeugt wird und gleichzeitig die
Entzündung erfolgt. In der so entstandenen Verbrennungskammer soll Brennstoff sowie
Oxydationsgas zugeführt werden. Rohre, die bis in diese Verbrennungskammer vorgetrieben
werden, sollen zur Ableitung der Verbrennungsgase dienen. Die Kontrolle der Verbrennung
soll insbesondere durch den Winkel der Zuführung des Brennstoffes, beispielsweise
des Gemisches von Brennstoff und Luft, erfolgen. Zudem können die entstehenden Deponiegase
der Brennstoffzufuhrleitung beigemischt werden. Die Verbrennung in einer solchen Verbrennungskammer
findet jedoch unter nicht kontrollierbaren Bedingungen statt. Die verwendete Technologie
ist schwierig zu beherrschen. Die durch die Explosion entstandene Verbrennungskammer
wird durch die Volumenverminderung während der Verbrennung praktisch immer grösser.
Bei der wenn auch kontrollierten Explosion ist jedoch auch damit zu rechnen, dass
an sich die gewünschte Abdeckung keine genügende Dichtigkeit mehr hat und entsprechend
bei der Verbrennung auftretende toxische Gase austreten. Entsprechend können solche
Verfahren bei Mülldeponien mit problematischen Altlasten nicht verwendet werden.
[0009] Technologisch noch sehr viel aufwendiger sind die Verfahren nach der US-A-5,181,795
und US-A-5,276,253, die sich beide mit unterirdischer Verbrennung von Mülldeponien
befassen unter Verwendung einer Plasmalanze. Diese Technologie der Pyrolysierung,
Schmelzung und Verfestigung mittels einer Plasmalanze lässt sich nur rechtfertigen,
wenn die Verseuchung eines Erdbereiches gestoppt werden soll und dies mit baulichen
Massnahmen kaum realisierbar ist. Ueber das Versuchsstadium sind diese Verfahren bis
heute noch nirgends gediehen.
[0010] Ferner ist aus der WO00/75568 der Anmelderin selber ein Verfahren zur in situ Verbrennung
von Mülldeponien bekannt. Dieses Verfahren weist die eingangs genannten Merkmale auf.
Bei ersten Freilandversuchen hat sich jedoch gezeigt, dass dieses relativ einfach
scheinende Verfahren in Realität äusserst schwierig zu handhaben ist. Bei diesem Verfahren
hat man durch die Zufuhrleitung vorgeheizte Oxydationsgase eingeblasen und diese zur
Entzündung gebracht. Bei den durchgeführten Versuchen hat es sich nun gezeigt, dass
die Initiierung der Zündung in vielen Fällen nicht gelingt. In anderen Fällen mit
anderer Zusammensetzung der Deponie ist es bei der Zündung selber zu Explosionen gekommen.
Relativ kompliziert ist auch die eigentliche Ueberwachung und die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen
für einen unterirdischen Brand ohne relevante Emissionen von toxischen Gasen, die
während der Verbrennung aus der Deponie austreten. Während die zuletzt genannten Probleme
mit dem bereits bekannten Verfahren mit entsprechenden Massnahmen lösbar sind, scheint
die eigentliche Inbetriebsetzung des Verfahrens in der offenbarten Weise praktisch
nicht lösbar.
[0011] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein verbessertes Verfahren
zu schaffen, bei dem insbesondere die Inbetriebnahme problemlos vonstatten geht und
welches auch geeignet ist, um vorgängig der eigentlichen Verbrennung eine die Risiken
aufzeigende Abklärungsphase durchzuführen. Dieses erfindungsgemässe Verfahren weist
die Merkmale des Patentanspruches 1 auf.
[0012] Die Untersuchung zur Abklärung der Risiken erfolgt in zwei Schritten. Bevorzugterweise
erfolgt ein erster Schritt entsprechend den Merkmalen des Patentanspruches 2 und entspricht
einer kalten Abklärungsphase. Weitere vorteilhafte Weiterbildungen dieser kalten Abklärungsphase
gehen aus den abhängigen Ansprüchen 3-5 hervor. In einem zweiten Schritt erfolgt eine
heisse Abklärungsphase, welche die Merkmale des Patentanspruches 6 aufweist. Während
der eigentlichen in situ Verbrennung kann das Verfahren in vorteilhafter Weise nach
einem oder mehreren der Ansprüche 7 bis 10 betrieben werden.
[0013] An Hand der anliegenden Zeichnung und der nachfolgenden Beschreibung ist das erfindungsgemässe
Verfahren erläutert und die vorrichtungsmässige Ausgestaltung dargestellt und erläutert.
Es zeigt:
- Figur 1
- zeigt ein Flussdiagramm einer Abklärungsphase des Verfahrens und
- Figur 2
- das Flussdiagramm der eigentlichen in situ Verbrennung einer Mülldeponie.
- Figur 3
- zeigt eine vereinfachte schematische Darstellung der vorrichtungsmässig erforderlichen
Bauteile einer in situ Verbrennung einer Mülldeponie.
[0014] Die erfindungsgemässe in situ Verbrennung einer Mülldeponie gemäss der Erfindung
erfolgt in zwei Phasen. Eine erste Phase dient den Abklärungen die dazu erforderlich
sind, um festzustellen, ob die eigentliche Verbrennung der Mülldeponie gefahrlos erfolgen
kann. Ergeben diese Vorabklärungen unbefriedigende Resultate, so müssen entweder vorgängig
Massnahmen ergriffen werden, bevor die Abklärungsphase nochmals durchgeführt wird,
oder das Verfahren muss wegen zu hoher Risiken eingestellt werden. Ist diese Abklärungsphase
beendet, wird die eigentliche in situ Verbrennung der Mülldeponie gestartet. Während
das Flussdiagramm in der Figur 1 zur Erläuterung dieser Vorabklärungen dient, zeigt
Figur 2 den Ablauf der eigentlichen Verbrennung.
[0015] Im gleichen Masse wie das Verfahren fortschreitet, sind auch die vorrichtungsmässigen
Vorkehrungen zunehmend. Entsprechend wird in der nachfolgenden Beschreibung jeweils
sowohl Bezug genommen auf die Flussdiagramme der Figuren 1 und 2, sowie der Vorrichtung
gemäss der Figur 3.
[0016] Es wäre verantwortungslos, eine in situ Verbrennung einer Mülldeponie durchzuführen,
ohne vorgängig alle erforderlichen Abklärungen, die zu einer Risikominimierung führen,
durchgeführt zu haben. Diese Abklärungen sind aus verschiedenen Gründen erforderlich.
Zu einem muss festgestellt werden, welche Gasdurchlässigkeit in der Mülldeponie besteht
und andererseits wie dicht die Abdeckung der Mülldeponie ist. Zum Zwecke dieser Abklärungen
wird als erster Schritt in die Mülldeponie 4 eine Zufuhrleitung 2 eingetrieben. Distanziert
von dieser Zufuhrleitung 2 wird eine Ausströmleitung 5 ebenfalls in die Mülldeponie
4 eingetrieben. Durch die Zufuhrleitung 2 werden nun kalte Inertgase, beispielsweise
N2 + CO2 eingeblasen. Diesen Inertgasen wird in einer Konzentration von ca. 10 ppm
Kohlenmonoxid beigemischt. Ausgangsseitig, das heisst an der Ausströmleitung 5 werden
dann bei einer Analysestation 6 diverse Messungen vorgenommen. Zum einen wird das
Volumen der ausströmenden Gase festgestellt, zum zweiten wird analysiert, ob die ausströmenden
Gase einen Sauerstoffanteil enthalten und zum dritten wird die Druckdifferenz der
einströmenden Gase und der ausströmenden Gase ermittelt.
[0017] Wird bei der Ausströmleitung 6 das Vorhandensein von freiem Sauerstoff festgestellt,
so muss auf Grund der Menge entschieden werden, ob eine Sanierung durch Dichtung der
Abdeckung 9 der Deponie sinnvoll machbar ist beziehungsweise überhaupt erforderlich
ist. Das Einbringen von Sauerstoff in die Deponie würde in der Startphase ansonsten
eine nicht unerhebliche Gefahr einer unkontrollierten Explosion beinhalten.
[0018] Die volumetrische Messung dient dazu, das Verhältnis zwischen eingeblasenen Gasen
und austretenden Gasen zu vergleichen. Sind diese Volumen unterschiedlich, so ergeben
sich hieraus zwei Möglichkeiten, nämlich entweder das austretende Volumen ist grösser
als das eingeblasene Volumen, woraus abzuleiten ist, dass in der Deponie Prozesse
ablaufen, bei denen Gase freigesetzt werden. Dies ist insbesondere möglich bei noch
ablaufenden Vergärungsvorgängen, bei denen insbesondere Kohlendioxyd sowie Methangase
freigesetzt werden. Dies ist an sich unproblematisch und bedingt normalerweise keinen
Abbruch des Verfahrens. Ist jedoch das austretende Volumen kleiner als das einströmende
Volumen oder ist bei gleichbleibenden Volumen die Konzentration des Kohlenmonoxydes
geringer als die eingeblasene Konzentration, so muss daraus geschlossen werden, dass
in der Deponie grössere oder kleinere Kavernen vorhanden sein können. Auch dies erhöht
die Gefahr eines unkontrollierten Ablaufes des Verfahrens und man wird in vielen Fällen
dementsprechend auf eine in situ Verbrennung der Mülldeponie verzichten müssen.
[0019] Letztlich wird auch die Druckdifferenz zwischen eingeblasenen Gasen und ausströmenden
Gasen ermittelt. Diese Massgabe ist ein Hinweis auf die Porosität der Mülldeponie.
Diese Angabe lässt unter Umständen auch darauf schliessen, ob ein höherer Feuchtigkeitsgehalt
in der Deponie besteht. Das Resultat dieser Messung gibt wichtige Angaben über die
spätere Steuerung des eigentlichen Verbrennungsvorganges. Bei hoher Porosität, respektive
bei geringen Druckdifferenzen kann eher darauf geschlossen werden, dass die Verbrennungsabläufe
relativ schnell fortschreiten. Hingegen sind hohe Druckdifferenzen eher ein Hinweis
auf geringe Porosität und entsprechend langsamere Abläufe bei der Verbrennung. Diese
Ueberlegungen müssen bei der Startphase entsprechend berücksichtigt werden.
[0020] In einem zweiten Schritt der Abklärungsphase, der gleichzeitig auch ein erster Schritt
einer Startphase sein kann, werden nun heisse Rauchgase durch die Zufuhrleitung 2
eingeblasen. Dies kann, wie in der Figur 3 dargestellt, beispielsweise durch einen
Brenner erfolgen, der im Prinzip auch zuvor in der kalten Abklärungsphase zum Zuge
gekommen sein kann. Mittels dem Brenner 1 wird beispielsweise Propangas verbrannt
und durch die Zufuhrleitung 2 eingeführt. Bei der Verbrennung entstehen im wesentlichen
CO
2 sowie Stickstoff. Während bei der kalten Phase diese Rauchgase über einen Kühler
10 eingeblasen werden, erfolgt in der heissen Abklärungsphase die Zufuhr ohne Zwischenschaltung
des Kühlers direkt. Aus noch später zu erklärenden Gründen ist es sinnvoll, die Zufuhrleitung
2 isoliert zu gestalten. Die Isolation ist durch die Bezugszahl 3 gekennzeichnet.
Durch die Zuführung der heissen Verbrennungs- bzw. Rauchgase lassen sich in der Deponie
Temperaturen im Bereich von 400 bis 700°C erreichen. Bei diesen Temperaturen findet
einerseits eine Trocknung statt und andererseits eine Pyrolyse. Die organischen Anteile
werden dabei thermisch zersetzt, insbesondere karbonisiert. Praktisch alle in Deponien
vorkommenden toxischen Anteile sind flüchtig und können folglich bei der Ausströmleitung
5 gefasst und bei 6 analysiert werden. Insbesondere lassen sich hier auch flüchtige
Komponenten wie Hg, Pb, Zn, Cd und weitere Schwermetalle analysieren. Ebenfalls analysieren
lassen sich das Vorkommen von polychlorierten-Biphenylen, insbesondere auch Dioxinen.
Die Feststellung dieser Anteile dient zu zwei verschiedenen Entscheidungen, nämlich
in erster Linie, welche Massnahmen zur Reinigung der austretenden Gase getroffen werden
sollen und im zweiten Falle, ob diese Massnahmen in einem vernünftigen Verhältnis
zum zu erledigenden Auftrag stehen. Ist die Finanzierung für eine solche Gasreinigung
nicht gegeben, so muss von der in situ Verbrennung der Mülldeponie abgesehen werden.
[0021] Sind die gemessenen Werte so, dass die Entscheidung positiv ausfällt zur weiteren
in situ Verbrennung der Mülldeponie, so wird man die Heizphase weiter fortsetzen durch
Zuführung von dem bereits erwähnten Rauchgasen, nämlich N
2 und CO
2, bis man auf Grund der volumetrischen Messungen davon ausgehen kann, dass eine genügende
Verbrennungskaverne entstanden ist rein durch die Volumenänderung, die durch die Karbonisierung
der organischen Anteile entstanden ist, ebenso wie durch die Verflüchtigung der verdampften
flüssigen Anteile. Da während dieser ganzen Phase kein freier Sauerstoff zugeführt
worden ist kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass kein explosives Gemisch
entstanden ist.
[0022] Als nächstes kann nun völlig problem- und gefahrlos die eigentliche Zündung erfolgen.
Diese Zündung geschieht, indem statt der heissen Rauchgase nun Luft zugeführt wird.
Bei den in der entstandenen Kaverne existierenden Temperaturen wird eine spontane
Zündung stattfinden und die eigentliche Verbrennung läuft nun von selber und exotherm
ab. Während der Verbrennung wird auch weiterhin volumetrisch die Menge der austretenden
Gase gemessen. Das Volumen dieser Gase gibt eine direkte Relation zur Menge der verbrannten
Produkte. Hieraus kann in einer ersten Annäherung auch bereits entschieden werden,
ob die Verbrennungskaverne so gross ist, dass der Bereich zwischen Zufuhrleitung 2
und Ausströmleitung 5 weitgehend abgebrannt ist. In diesem Falle wird man nun eine
neue, bereits in die Deponie eingetriebene Ausströmungsleitung öffnen und die entsprechenden
Anlageteile dort anhängen, so dass die Verbrennung über eine neue Strecke stattfindet.
Da aber die Verbrennung nicht unbedingt geradlinig verlaufen muss, kann als zweite
Massnahme nochmals der Durchströmungswiderstand P
dif festgestellt werden. Ist trotz der volumetrischen Messung, die einen Ausbrand zwischen
den beiden Leitungen signalisieren würde, die Druckdifferenz immer noch relativ gross,
so kann davon ausgegangen werden, dass sich der Brand eben nicht geradlinig zwischen
den beiden Leitungen fortgepflanzt hat und folglich mit dem Umhängen der Leitungen
noch zugewartet werden kann.
[0023] Da man normalerweise lediglich ein neues Ausströmungsrohr verwenden muss, welches
entsprechend distanziert vom ersten Verbrennungsrohr eingetrieben ist, erübrigt sich
normalerweise eine neue Startphase mit entsprechender Vorheizung.
[0024] Es ist sicherlich aus Kostengründen sinnvoll, sowohl die Analysestation 6, den Nachbrenner
7 und die Rauchwaschanlage 8 mit einer eventuell daran gekoppelten Wärmerückgewinnungsstation
11 als mobile Einheiten zu gestalten. Dies erlaubt einerseits, den Tätigkeitsbereich
immer wieder zu verlegen und insbesondere auch, die relativ teuren Anteile einer solchen
Anlage zu einer nächsten Deponie zu transportieren. Denkbar ist jedoch auch, diese
Anlagenteile ortsfest zu bauen und zwar ausserhalb des Bereiches der Deponie oder
an deren Rand und entsprechend mit Leitungen zu arbeiten. Sicherlich muss man jedoch
dann gewisse Messsonden im Bereich der Ausströmleitung anordnen und die entsprechenden
Ergebnisse über eine Leitung oder drahtlos an die Analysestation 6 übermitteln.
[0025] Der Nachbrenner 7 kann dazu dienen, um an einem relativ kleinen Ort und kontrolliert
besonders hohe Temperaturen zu erzielen, bei denen entsprechende Dioxine zersetzt
werden.
[0026] Die Rauchgaswaschanlage 8 entspricht dem bekannten Clearing-System, welches praktisch
als Standard auf dem Markt erworben werden kann. Bei der Rauchgaswaschung werden die
heissen Rauchgase schnell abgekühlt, wobei entsprechend ein Vakuum erzeugt wird. Dieses
Vakuum wird direkt an der Ausströmleitung 5 angelegt. Damit erübrigt sich ein aktives
Einblasen der Luft über die Zufuhrleitung 2. Ist das Verfahren somit einmal gestartet,
so läuft es von selbst und wirft entsprechend noch Energie ab. Diese kann ohne weiteres
auch noch genutzt werden.
[0027] Handelt es sich bei der Deponie um eine Deponie mit äusserst problematischen Altlasten,
so wird man nach der Verbrennung die Deckschicht abtragen und die mineralisierte Asche
analysieren. Ist diese Asche von der Zusammensetzung her unproblematisch, so kann
diese in der Deponie belassen werden. Ist diese jedoch problematisch, so wird man
die entsprechende Asche verfestigen, wie dies auch heute mit der Asche von Kehrichtverbrennungsanlagen
erfolgt und entsprechend die verfestigte Asche wiederum auf eine Deponie lagern.
[0028] Trotz aller Vorsichtsmassnahmen und der hier besonders vorteilhaften zweiphasigen
Durchführung bleiben in situ Verbrennungen von Mülldeponien gefährliche Verfahren.
Das hier beschriebene Verfahren lässt sich jedoch praktisch vollständig ferngesteuert
durchführen. Wenn die bereits eingangs beschriebenen Kriterien erfüllt sind, ist eine
in situ Verbrennung einer Mülldeponie in vielen Fällen sicherer und preiswerter als
die Sanierung durch Abtragen, Analysieren und Verbrennen in Sondermüll-Kehrichtverbrennungsanlagen.
Liste der Bezugszahlen
[0029]
- 1
- Brenner
- 2
- Zufuhrleitung
- 3
- Isolation der Zufuhrleitung
- 4
- Mülldeponie
- 5
- Ausströmleitung
- 6
- Analysestation
- 7
- Nachbrenner
- 8
- Rauchgaswaschanlage
- 9
- Abdeckung der Deponie
- 10
- Kühlung
- 11
- Wärmegewinnung
1. Verfahren zur in situ Verbrennung von Mülldeponien unterhalb der Oberfläche unter
Zufuhr von Oxidationsgas, wobei an einer Stelle einer Mülldeponie mindestens eine
Oxidationsgaszufuhrleitung und distanziert von der Zufuhrleitung (2) eine Ausströmleitung
(5) eingetrieben wird und nach einer Zündung Oxydationsgas über die Zufuhrleitung
(2) zugeführt und über die Ausströmleitung (5) abgeführt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass nach einer Abklärungsphase heisse Rauchgase durch die Zufuhrleitung (2) eingeblasen
werden, während die Temperatur der aus der Ausströmleitung (5) strömenden Gase gemessen
und bezüglich der Zusammensetzung kontinuierlich analysiert wird, bis ausgangsseitig
eine Temperatur von 300° bis 700°C erreicht ist, worauf dann die Rauchgaszufuhr abgestellt
wird und ausgangsseitig Unterdruck angelegt wird, so dass Umgebungsluft als Oxydationsgas
eingangsseitig angesaugt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Abklärungsphase ein kaltes Inertgas unter Beigabe von einem Markiergas durch
die Zufuhrleitung (2) eingeblasen wird und in der Ausströmleitung (5) das Volumen
und die Zusammensetzung des ausströmenden Gases festgestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Markiergas Kohlenmonoxid beigegeben wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Konzentration des Kohlenmonoxidanteiles unter 20 ppm beträgt.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass nach Feststellung eines O2-Anteiles die Oberfläche der Deponie (4) verdichtet wird und anschliessend die Abklärungsphase
wiederholt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Wechsel von Zufuhr von Rauchgas auf Oxydationsgas die flüchtigen toxischen
Anteile im ausströmenden Gas analysiert werden und auf Basis des Analysenresultates
die Entscheidung getroffen wird, ob die in situ Verbrennung durchgeführt oder das
Verfahren abgebrochen wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während der Verbrennung das Volumen der ausströmenden Gase gemessen wird und daraus
die Grösse der ausgebrannten Kaverne errechnet wird und auf Basis dieser Information
die Lage von Zufuhrleitung (2) und Ausströmleitung (5) verändert wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die heissen Gase aus der Ausströmleitung (5) in einem Clearing System gewaschen werden,
wobei der durch die schnelle Abkühlung der ausströmenden Gase entstehende Unterdruck
direkt an der Ausströmleitung(5) angelegt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die heissen Rauchgase, die in der Startphase eingeblasen werden, durch einen Brenner
(1) mittels eines Brenngases unter Zuleitung von Luft oder Sauerstoff erzeugt werden,
wobei der O2-Anteil stöchiometrisch mindestens annähernd vollständig verbraucht wird.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Wärmeenergie der ausströmenden Gase mindestens teilweise genutzt wird.