[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zur Herstellung nahtloser
Rohre gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
[0002] Ein gattungsgemäßes Verfahren wird im Stahlrohr Handbuch (Vulkan-Verlag, Essen, 12.
Auflage 1995, S.111-113) beschrieben.
[0003] Mit dem als Stoßbankverfahren bezeichneten Rohrherstellungsverfahren für nahtlose
Rohre sind Rohre im Durchmesserbereich von etwa 17,2 bis 170 mm mit Wanddicken von
etwa 2,0 bis 20 mm herstellbar. Die Rohrstoßbank erzeugt meist nur eine (große) Luppenabmessung,
die in einem nachgeschalteten Streckreduzierwalzwerk auf die erforderlichen Rohrendabmessungen
ausgewalzt wird.
[0004] Als Ausgangsmaterial werden gewalzte oder stranggegossene Knüppel eingesetzt. Nach
Erwärmen auf Umformtemperatur werden die Knüppel in eine Lochpresse eingelegt und
in Längsrichtung durch einen Lochdom in einen dickwandigen Hohlkörper mit Boden umgeformt.
[0005] Das Prinzip der Rohrstoßbank beruht darauf, dass der Hohlkörper über eine darin eingeführte
Dornstange in die nachfolgenden Vor- und Fertigwalzgerüste hinein gestoßen und mit
der Dornstange als Innenwerkzeug hindurch geführt wird.
[0006] In einem sich nach dem Lochen anschließenden Streck-/Schrägwalzwerk (Elongator) wird
der Hohlblock über eine Dornstange auf das etwa 1,8-fache seiner Länge gestreckt.
In der gleichen Wärme wird der Hohlblock anschließend auf der Stoßbank über eine Dornstange
als Innenwerkzeug unter 10- bis 15-facher Verlängerung zum Rohr ausgestreckt.
[0007] Nach dem Streckvorgang durchläuft das auf die Dornstange aufgewalzte Rohr ein Lösewalzwerk,
so dass die Dornstange ausgezogen werden kann. Anschließend werden durch eine Warmsäge
das Bodenstück sowie das Rohrende abgetrennt. In einem nachgeschalteten Streckreduzierwalzwerk
wird das auf Umformtemperatur nachgewärmte Rohr dann auf seine Fertigabmessung ausgewalzt.
[0008] Nachteilig bei diesem nach dem Stand der Technik bekannten Verfahren ist, dass der
dicke Boden des Hohlkörpers sich beim Hineinstoßen durch die Walzen des Schrägwalzwerkes
radial etwas verdickt, was sich in den nachfolgenden Walzschritten störend auswirkt
und zu Oberflächenungänzen führt. Zusammen mit dem Bodenstück muss dieser Bereich
des Rohrendes nach dem Ausstrecken auf der Stoßbank abgetrennt werden, was zu einem
hohen Ausbringensverlust führt.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren und eine Einrichtung der gattungsgemäßen
Art anzugeben, mit dem in einfacher und kostengünstiger Weise das Ausbringen und die
Qualität verbessert werden kann.
[0010] Diese Aufgabe wird nach dem Oberbegriff in Verbindung mit den kennzeichnenden Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sowie eine Einrichtung zur Durchführung
des Verfahrens sind Gegenstand von Unteransprüchen.
[0011] Nach der Lehre der Erfindung wird zur Lösung dieser Aufgabe ein Verfahren verwendet,
bei dem das Bodenstück des Hohlblockes vor dem Strecken entfernt wird, wodurch die
beschriebenen Nachteile beim Walzen vermieden werden und eine Ausbringensverbesserung
erreicht wird.
[0012] Erfindungsgemäß wird das bekannte Stoßbankverfahren dahingehend modifiziert, dass
nach dem Einführen der Dornstange in den dickwandigen Hohlkörper der Boden entfernt
wird und danach die Streckung erfolgt und vor dem Ausstrecken auf der Stoßbank das
einführseitig offene Ende des gestreckten Hohlkörpers angekümpelt wird.
[0013] Der Vorteil hierbei ist, dass durch das Fehlen des dickwandigen Bodens Oberflächenungänzen
beim Strecken und Ausstrecken vermieden werden, wodurch eine deutliche Qualitätsverbesserung
erreicht werden kann.
[0014] Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass nur noch das relativ dünnwandige angekümpelte
Rohrende abgetrennt werden muss, womit ebenfalls eine deutliche Ausbringensverbesserung
erreicht wird.
[0015] Nach einem vorteilhaften Merkmal der Erfindung kann das Durchstoßen des Hohlkörperbodens
dadurch erreicht werden, dass die für das Durchstoßen des Hohlkörpers verwendete Dornstange
an eine in Längsrichtung der Dornstange wirkende axiale Verschiebevorrichtung angeschlossen
ist. Vorteilhaft kann dies beispielsweise eine hydraulisch wirkende Kolben-Zylindereinheit
sein.
[0016] Nach einem vorteilhaften Merkmal der Erfindung kann das Durchstoßen des Bodens vor
dem Streckvorgang oder alternativ unmittelbar zu Beginn des Sreckvorganges bei Eingriff
der Arbeitskaliber erfolgen.
[0017] Beim Durchstoßen des Bodens vor dem Streckvorgang, wird vor dem Durchstoßen der Hohlkörper
mit einer Fixiervorrichtung gegen axiales Verschieben gesichert. Vorteilhaft kann
dies ein in Walzlinie ein- und ausschwenkbares Widerlager sein. Das Widerlager besteht
vorzugsweise aus einer Ringscheibe, wobei der Boden des Hohlkörpers an der Stirnfläche
der Ringscheibe zur Anlage kommt. Der Innendurchmesser der Ringscheibe ist so groß,
dass die Dornstange beim Durchstoßen des Hohlkörperbodens durch die Ringscheibe hindurch
treten kann.
[0018] Nach einem weiteren Merkmal weist der Kopfbereich der Dornstange eine zum Durchstoßen
des Bodens geeignete spitzkegelige Geometrie auf. Vorteilhaft kann zur Standzeiterhöhung
der Kopfbereich auch oberflächengehärtet sein.
[0019] Erfindungsgemäß können Dornstange und Kopfbereich auswechselbar miteinander verbunden
sein, womit bei einer notwendigen Instandsetzung des Kopfbereiches die Kosten für
Transport und Lagerung gering gehalten werden können.
[0020] Nach dem Streckvorgang wird für das Ausstrecken in den gestreckten Hohlkörper eine
Dornstange eingeführt. Um das Einschieben des Hohlkörpers in die ersten Ringkaliber
der Stoßbank zu ermöglichen, wird erfindungsgemäß das zur Einführseite der Stoßbank
offene Rohrende des Hohlkörpers durch Ankümpeln teilweise wieder verschlossen, so
dass die Dornstange nach dem Einführen in den Hohlkörper an dem Kümpelkragen zur Anlage
kommt. Der Kümpelkragen muss dabei so dimensioniert sein, dass die zum Einschieben
in die Stoßbank und die zum Durchstoßen der ersten Ringkaliber erforderliche Axialkraft
über die Dornstange auf den Hohlkörper übertragen werden kann.
[0021] Wird alternativ das Durchstoßen des Bodens zu Beginn des Streckvorganges vorgesehen,
muss bei Eingriff der Arbeitskaliber am Boden des einführseitigen Rohrendes die Dornstange
mit einer höheren Axialgeschwindigkeit bewegt werden, als es der Rohraustritts-Geschwindigkeit
aus dem Walzwerk entspricht. Vorteilhaft kann dies durch eine entsprechende Auslegung
der axialen Verschiebevorrichtung geschehen.
[0022] Weitere Merkmale, Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung von einem in einer Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiel.
[0023] In der einzigen Figur ist der Verfahrensschritt des Hohlkörperlochens und das Einschieben
in das Schrägwalzwerk 1 dargestellt.
[0024] Der zuvor in einer Lochpresse hergestellte Hohlkörper 2 mit Boden 7 liegt mit der
Stirnfläche an einer in die Walzlinie eingeschwenkten Ringscheibe 3 als axiales Widerlager
an. Die Dornstange 4 ist erfindungsgemäß mit einer hydraulischen Kolben-Zylindereinheit
5 verbunden.
[0025] Durch Betätigen der Kolben-Zylindereinheit 5 wird die Dornstange 4 mitsamt dem spitzkegeligen
Kopfbereich 6 in Richtung Schrägwalzwerk 1 axial verschoben. Bei dieser Axialverschiebung
durchstößt der spitzkegelige Kopfbereich 6 den Boden 7 des Hohlkörpers 2 und durchtritt
die Ringscheibe 3.
[0026] Beim Durchstoßen kommt es zur Bildung einer axialen Klemmstelle zwischen Durchtrittsbereich
des Hohlkörpers 2 und der Dornstange 4. Diese Klemmstelle ist notwendig, um das Einführen
des jetzt durchstoßenen Hohlkörpers in den Walzspalt der Arbeitswalzen des Schrägwalzwerkes
zu ermöglichen.
[0027] Nach dem Wegschwenken der Ringscheibe 3 aus der Walzlinie des Schrägwalzwerkes 1
wird über die Kolben-Zylindereinheit 5 der durchstoßene Hohlkörper 2 mit der damit
kraftschlüssig verbundenen Dornstange 4 in das Schrägwalzwerk 1 eingeschoben und auf
der Dornstange 4 als Innenwerkzeug ausgewalzt.
[0028] Nach dem Strecken wird mittels der Kolben-Zylindereinheit 5 die Dornstange 4 in die
Ausgangsposition zurückgefahren, um einen neuen dickwandigen Hohlkörper aufnehmen
zu können.
Bezugszeichenliste
[0029]
| Nr. |
Bezeichnung |
| 1 |
Schrägwalzwerk |
| 2 |
dickwandiger Hohlkörper |
| 3 |
Fixiervorrichtung |
| 4 |
Dornstange |
| 5 |
Kolben-Zylindereinheit |
| 6 |
Kopfbereich der Dornstange |
| 7 |
Boden (dickwandiger Hohlkörper) |
1. Verfahren zur Herstellung von nahtlosen Rohren aus Metall, insbesondere Stahl, ausgehend
von einem stabförmigen gewalzten oder stranggegossenen Block mit den Schritten:
- Erwärmen des Blockes auf Umformtemperatur,
- Lochen zu einem dickwandigen Hohlkörper mit Boden,
- Einführen der Dornstange in den dickwandigen Hohlkörper
- Strecken mittels Schrägwalzwerk,
- Ausstrecken mittels Stoßbank und in den gestreckten Hohlkörper eingeführter Dornstange,
- Aufweiten mittels eines Läsewalzwerkes,
- Ausziehen der Dornstange,
- Abtrennen des Bodenstückes,
- Nacherwärmen des Rohres auf Umformtemperatur,
- Fertigwalzen mittels eines Streckreduzierwalzwerkes,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Einführen der Dornstange (4) in den dickwandigen Hohlkörper (2) der Boden
(7) entfernt wird und danach die Streckung erfolgt und vor dem Ausstrecken auf der
Stoßbank das zur Einführseite der Stoßbank offene Rohrende des gestreckten Hohlkörpers
angekümpelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass der Boden (7) des dickwandigen Hohlkörpers (2) vor dem Streckvorgang entfernt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2
dadurch gekennzeichnet,
dass der Boden (7) des dickwandigen Hohlkörpers (2) von der Dornstange (4) durchstoßen
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass zu Beginn des Streckvorganges, unmittelbar bei Eingriff der Arbeitskaliber in das
Rohrende, der Boden (7) des dickwandigen Hohlkörpers (2) von der Domstange (4) durchstoßen
wird.
5. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1
bestehend aus,
- Ofen,
- Lochpresse und Lochdorn,
- Schrägwalzwerk und Dornstange,
- Stoßbank und fliegender Dornstange,
- Lösewalzwerk,
- Ausziehvorrichtung,
- Säge,
- Ofen,
- Streckreduzierwalzwerk
dadurch gekennzeichnet,
dass die für das Strecken verwendete Dornstange (4) an ihrem rückwärtigen Ende mit einer
axial wirkenden Verschiebevorrichtung verbunden ist und im Bereich vor dem Schrägwalzwerk
eine in die Walzlinie ein- und ausschwenkbare Fixiervorrichtung (3) angeordnet ist.
6. Einrichtung nach Anspruch 5
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verschiebevorrichtung eine hydraulische Kolben-Zylindereinheit (5) ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 5
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kopfbereich (6) der Dornstange (4) als Spitzkegel ausgebildet ist.
8. Einrichtung nach Anspruch 7
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kopfbereich (6) auswechselbar mit der Dornstange (4) verbunden ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 5
dadurch gekennzeichnet,
dass die Fixiervorrichtung (3) eine Ringscheibe ist, wobei der Innendurchmesser der Ringscheibe
(3) mindestens dem Außendurchmesser des Kopfbereiches (6) der Dornstange (4) entspricht.