[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von mit Additiven versetzten
Partikeln aus Ammoniumnitrat (AN), indem das AN geschmolzen und dem AN vor dem Schmelzen
oder dem geschmolzenen AN wenigstens ein Additiv beigemischt, die AN-Schmelze mit
dem Additiv unter Bildung einer Tröpfchendispersion zerstäubt und die Tröpfchendispersion
unter Erhalt der Partikel abgekühlt wird. Sie ist ferner auf Partikel aus mit wenigstens
einem Additiv versetztem Ammoniumnitrat (AN) gerichtet.
[0002] Ammoniumnitrat (AN, NH
4NO
3) ist als Oxidator für Treib- und Explosivstoffe bzw. seinerseits als Treib- und Explosivstoff
von großer Bedeutung. Es wird insbesondere in Raketentreibstoffen oder in Gasgeneratoren
für Airbags eingesetzt. Während AN bei langsamer Erwärmung bei Temperaturen oberhalb
seines Schmelzpunktes von 169,5°C in Wasser und Distickstoffoxid (N
2O) zerfällt, kann die Zersetzung bei höheren Temperaturen oder sprunghafter Erwärmung
exotherm unter Freisetzung von Sauerstoff, Stickstoff und Stickoxiden als Detonation
verlaufen.
[0003] In vielen Fällen besteht der Bedarf eines Zusatzes von Additiven, insbesondere aus
der Gruppe der Antibackmittel, Stabilisatoren, Abbrandmodifikatoren und/oder Energieträger.
Während letztere insbesondere zur Erhöhung der Leistung bzw. des spezifischen Impulses
zugesetzt werden, dienen die Abbrandmodifikatoren zur Beeinflussung des Abbrandverhaltens,
um dieses entweder - beispielsweise in Raketentreibstoffen - zu beschleunigen oder
- z.B. in Ladungen für Airbags - zu verlangsamen.
[0004] Ein Zusatz von Antibackmitteln geschieht insbesondere zur Verbesserung der Lagerfähigkeit
und zur Verhinderung eines Zusammenbackens der durch Sprühzerstäubung der Schmelze
erhaltenen Partikel. Aufgrund der Hygroskopizität von AN und der hohen Neigung zur
Bildung von Agglomeraten läßt sich AN in reiner Form praktisch nicht als insbesondere
sphärische Feinpartikel herstellen, wobei die Agglomerationsneigung mit abnehmender
Partikelgröße stark zunimmt. In der Anwendung sind jedoch sowohl für die Herstellung
als auch die Verarbeitung rieselfähige, sphärische Partikel mit regelmäßiger Kornform
erwünscht. So führt die Agglomeration der erzeugten Partikel einerseits zu einer erheblichen
Beeinträchtigung der Sprühzerstäubung, da die mit der Schmelze in Kontakt tretenden
Anlagenteile innerhalb kurzer Betriebszeiten verstopfen und eine aufwendige Reinigung
erfordern, was einen Produktionsausfall nach sich zieht; andererseits weisen die erzeugten
Partikel eine schlechte Lagerfähigkeit auf, da sie bereits nach kurzen Standzeiten
agglomerieren, so daß grobe und unregelmäßige Agglomerate mit schlechter Rieselfähigkeit
entstehen. Bekannte Antibackmittel werden herkömmlich nach Art einer Beschichtung
bzw. eines Coatings oberflächig auf die fertigen AN-Partikel aufgebracht, wobei die
AN-Partikel mit Lösungen von Antibackmitteln besprüht und letztere auf den AN-Partikeln
abgeschieden werden (EP 0 648 190 B1), oder es werden feinpartikuläre Antibackmittel
aus weitgehend inerten Stoffen, wie Metalloxiden, mit den fertigen AN-Partikeln vermahlen
(US 3 368 929 A, US 2 901 317 A).
[0005] Die Stabilisatoren dienen schließlich zur Stabilisierung einer jeweils gewünschten
Kristallmodifikation des AN in einem jeweils gewünschten, möglichst breiten Temperaturbereich.
Reines AN liegt in Abhängigkeit von der Temperatur in fünf verschiedenen Kristallmodifikationen
vor, nämlich im Temperaturintervall zwischen 125°C und seinem Schmelzpunkt von 169,5°C
kubisch (Modifikation I), im Temperaturintervall zwischen 84°C und 125°C bei einer
Dichte von ca. 1,67 g/cm
3 tetragonal (Modifikation II), im Temperaturintervall von 32°C bis 84°C bei einer
Dichte von ca. 1,66 g/cm
3 orthorhombisch (Modifikation III), zwischen -18°C und 32°C ebenfalls orthorhombisch
(Modifikation IV), aber mit einer Dichte von ca. 1,73 g/cm
3, was einer Dichteänderung von ca. 4% gegenüber der Dichte der Modifikation III entspricht,
und bei Temperaturen unterhalb -18°C orthorhombisch pseudotretagonal (Modifikation
V). Hierbei sind die Modifikationen II und V sowohl in ihrer Dichte als auch in ihrer
Gitterstruktur sehr ähnlich und liefern beispielsweise bei Röntgenbeugungsmessungen
nahezu identische Diagramme. Insbesondere der Dichteunterschied zwischen den Modifikationen
III und IV bei der Erwärmung von AN auf Temperaturen oberhalb 32°C führt zu Spannungen
und Rißbildungen im Gefüge der AN als Oxidator enthaltenden, geformten Treibsätze.
[0006] Zur Phasenstabilisierung von AN sind Zusätze unterschiedlichster Art bekannt (DE
198 44 350 A1, DE 21 25 755 C3, DE 17 67 757 A1, DE 36 42 850 C1, EP 0 405 272 B1,
US 3 018 164 A, US 5 071 630 A).
[0007] Im übrigen können einige Additive mehrere der vorgenannten Funktionen erfüllen, z.B.
sowohl als Antibackmittel als auch als Stabilisator etc. dienen, wobei insbesondere
dem AN zugesetzte Energieträger dessen Abbrand praktisch grundsätzlich beeinflussen.
[0008] Demgegenüber ist jedoch häufig eine möglichst hohe Reinheit von AN erforderlich,
um - beispielsweise im Falle des Einsatzes als Oxidator für Raketentreibstoffe - eine
Beeinträchtigung der Abbrandeigenschaften durch Fremdkontaminationen oder - z.B. im
Falle des Einsatzes in Gasgeneratoren für Airbags, insbesondere von Kraftfahrzeugen
- den Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen zu genügen.
[0009] Die DE 44 35 524 A1 beschreibt einen AN enthaltenden Festtreibstoff, wobei das AN,
welches den Hauptanteil des beschriebenen Festtreibstoffes bildet, einerseits in reiner
Form, andererseits als phasenstabilisiertes AN eingesetzt werden kann. Im letztgenannten
Fall kann ein Sprühzerstäubungsverfahren gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 vorgesehen
sein, wobei die zur Phasenstabilisierung des AN vorgesehenen, der AN-Schmelze zugesetzten
Additive aus der Gruppe NiO, KNO
3 und CsNO
3 gewählt werden. Zusätzlich kann ein nachträglicher Zusatz von Antibackmitteln in
Form von feinpartikulärem Siliciumdioxid, Natriumlaurylsulfat, Tricalciumphosphat
oder anderen oberflächenaktiven Tensiden zu den fertigen AN-Partikeln vorgesehen sein.
Überdies enthält der beschriebene Festtreibstoff neben den gegebenenfalls phasenstabilisierten
und mit einem Antibackmittel beschichteten AN-Partikeln ein Bindesystem und einen
energiereichen Weichmacher sowie einen Abbrandmodifikator aus Vanadium/Molybdänoxid.
Schließlich können dem Festtreibstoff noch Abbrandmoderatoren in Form von Metalloxiden
sowie Explosivstoffe, wie RDX oder HMX, und Metalle, wie Aluminium, Magnesium oder
Bor, zugesetzt werden. Die AN-Partikel selbst weisen indes keine der genannten Stoffe
auf.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Sprühzerstäubungsverfahren zur Herstellung
von mit Additiven versetzten Partikeln aus AN der eingangs genannten Art dahingehend
weiterzubilden, daß der spezifische Impuls bzw. das Abbrandverhalten des AN bei einer
möglichst geringen Menge der zugesetzten Additive verbessert werden kann. Sie ist
ferner auf solche mit Additiven versetzten Partikel aus AN gerichtet.
[0011] Der verfahrenstechnische Teil dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Verfahren
der eingangs genannten Art dadurch gelöst, daß dem AN als Additiv wenigstens ein Abbrandmodifikator
und/oder Energieträger aus der Gruppe der reaktiven Metalle und der festen Explosivstoffe
und Oxidatoren in feinpartikulärer Form mit einer Partikelgröße von höchstens 500
nm beigemischt und die AN-Schmelze mit den Feinpartikeln anschließend unter Bildung
der Tröpfchendispersion zerstäubt wird.
[0012] Durch die erfindungsgemäße Beimischung der festen, feinpartikulärer Abbrandmodifikatoren
bzw. Explosivstoffe unmittelbar in die AN-Schmelze vor deren Sprühzerstäubung ist
eine individuelle Einstellung des Abbrandverhaltens des AN und insbesondere eine Steigerung
von dessen spezifischem Impuls möglich, wobei aufgrund der kleinen Partikelgröße und
der damit verbundenen großen Kontaktfläche des AN mit den Additiven ein vergleichsweise
geringer Zusatz der erfindungsgemäßen Additive ausreicht. Überraschenderweise kommt
es nämlich offenbar nicht (nur) auf die stöchiometrische Menge der Abbrandmodifikatoren
bzw. Energieträger, sondern auf deren innigen Kontakt mit der AN-Matrix an, wobei
vermutet wird, daß die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Additive einerseits aufgrund
der großen Oberfläche der nanoskaligen Partikel, andererseits aufgrund der durch die
geringe Partikelgröße feineren und homogeneren Verteilung der Additive im AN erhöht
wird. So wurde gefunden, daß sich durch einen unmittelbaren Zusatz der feinpartikulären
Additive mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm, vorzugsweise von höchstens
100 nm, insbesondere von höchstens 50 nm, z.B. zwischen etwa 5 nm und etwa 50 nm,
in die AN-Schmelze die Menge der zugesetzten Additive gegenüber einem Zusatz der Additive
in herkömmlicher, grobpartikulärerer Form zu bereits fertigen, festen AN-Partikeln
bei ansonsten praktisch identischer Wirkung derselben deutlich verringern läßt, wobei
je nach Additiv eine Verringerung der zugesetzten Menge um bis zu etwa 50% möglich
ist, ohne dessen Wirkung nennenswert zu beeinträchtigen. Auf diese Weise ist die Herstellung
eines Produktes mit den durch das jeweilige Additiv verliehenen Eigenschaften mit
einer hohen Reinheit möglich.
[0013] Von einem Zusatz der erfindungsgemäßen Additive unmittelbar in die AN-Schmelze hat
die Fachwelt bislang insbesondere deshalb abgesehen, weil bekanntermaßen mit einer
Erwärmung solcher Additive und den anläßlich der Sprühzerstäubung wirkenden Drucke
ein Sicherheitsrisiko einhergeht. Dem begegnet die Erfindung indes durch die kleine
Partikelgröße von höchstens 500 nm, die eine Düsenpassage der mit den Additiven beaufschlagten
AN-Schmelze anläßlich der Sprühzerstäubung problemlos möglichst macht, ohne daß kritische
Drucke auf die erfindungsgemäßen Additive einwirken. Zusätzlich ist insbesondere,
wie bereits erwähnt, aufgrund der geringen Partikelgröße ein nur sehr geringer Zusatz
an Additiv erforderlich, um eine signifikante Verbesserung des Abbrandverhaltens von
AN zu erzielen.
[0014] Mit "Partikelgröße" im Sinne der Erfindung ist im übrigen stets der Partikeldurchmesser
angesprochen. Als Explosivstoffe und Oxidatoren kommen insbesondere solche in Betracht,
die zu einer Erhöhung des spezifischen Impulses von Ammoniumnitrat in der Lage sind.
[0015] Die Erzeugung der Dispersion aus der mit den erfindungsgemäßen Nanopartikeln versetzten
Schmelze des AN kann auf beliebige bekannte Weise, z.B. unter Einsatz einer Düse bzw.
Düsenaggregaten mit einer Mehrzahl von Düsen, gegebenenfalls unter Einkopplung von
Schwingungen, z.B. Ultraschall, in das System erfolgen. Ebenfalls können die feinpartikulären
Additive zweckmäßig der Schmelze von AN zugesetzt werden, wobei sie selbstverständlich
auch dem AN in fester Form zugesetzt und das AN anschließend geschmolzen und die Mischung
der Sprühzerstäubung zugeführt werden kann. In jedem Fall ist eine möglichst homogene
Einmischung der feinpartikulären Additive aus der Gruppe reaktive Metalle, feste Explosivstoffe
und/oder Oxidatoren in die AN-Schmelze vor deren Sprühzerstäubung von Vorteil, um
für einen innigen Kontakt derselben mit dem AN zu sorgen.
[0016] Eine bevorzugte Ausführung sieht vor, daß ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger
in Form von reaktiven Metallen aus der Gruppe Aluminium (Al), Eisen (Fe), Nickel (Ni),
Kupfer (Cu) und Zink (Zn) zugesetzt wird.
[0017] Als Energieträger kommen ferner im Prinzip beliebige bekannte feste Explosivstoffe
und/oder Oxidatoren in Frage, welche einen hinreichend hydrophilen Charakter aufweisen,
um von AN im geschmolzenen Zustand benetzt zu werden, wie beispielsweise feste Amin-,
Amid, Nitro- Nitrat- Nitramin-Chlorat- und/oder Perchlorat-Verbindungen, insbesondere
aus der Gruppe Ammoniumperchlorat (AP, NH
4ClO
4), 2,4,6-Trinitrotoluol (TNT), 1,3,5-Triamino-2,4,6-trinitrobenzol (TATBN), 3-Nitro-1,2,4-triazol-5-on
(NTO), Hexanitrostilben (HNS), Cyclotrimethylentrinitramin (Hexogen, RDX), Cyclotetramethylentetranitramin
(Oktogen, HMX), 2,4,6,8,10,12-Hexanitro-2,4,6,8,10,12-hexaazaisowurtzitan (HNIW, CL20),
1-Diamino-2,2-dinitroethylen (DADE, FOX7), FOX12, Pentaerythritoltetranitrat (Nitropenta,
PETN), Hexanitrodiphenylamin (Hexyl), Tetranitromethylanilin (Tetryl), Nitroguanidin
(NQ) und Triaminoguanidinnitrat (TAGN). Mit Vorzug können die Energieträger dabei
aus der Gruppe der Nitramine, insbesondere Oktogen (HMX), Hexogen (RDX), Nitroguandin
(NQ) und/oder Tetryl, und/oder aus der Gruppe der Nitrate und/oder Perchlorate, insbesondere
Ammoniumperchlorat (AP), gewählt werden.
[0018] Eine Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, daß dem AN als Additiv
ferner wenigstens ein feinpartikuläres Antibackmittel aus der Gruppe der im wesentlichen
inerten Metalloxide mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt wird,
wobei insbesondere ein Antibackmittel aus der Gruppe Titandioxid (TiO
2), Siliciumdioxid (SiO
2), Eisen(II)- (FeO) und/oder Eisen(III)oxid (Fe
2O
3) zugesetzt werden kann. Aufgrund der geringen Partikelgröße reichen bereits äußerst
geringe Mengen der genannten Antibackmittel von höchstens etwa 1 Mass.-%, in vielen
Fällen gar von höchstens etwa 0,5 Mass.-% aus, um sowohl eine Agglomeration des erhaltenen
Produktes während der Lagerung als auch insbesondere schon bei der Herstellung mittels
Sprühzerstäubung weitestgehend zu verhindern, so daß ein feinpartikuläres Produkt
mit einer hohen Reinheit von mindestens 99% erhältlich ist. Dabei lassen sich rieselfähige,
regelmäßige, sphärische Partikel mit sehr kleiner Partikelgröße bis zu etwa 1 µm herstellen,
welche sich z.B. sowohl für den Einsatz in Raketentreibstoffen als auch in Gasgeneratoren
für Airbags anbieten. Zugleich werden Störungen der für die Herstellung der Partikel
eingesetzten Produktionsanlagen, wie ein Verstopfen der zur Sprühzerstäubung eingesetzten
Düsen, zuverlässig vermieden.
[0019] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, daß dem AN als Additiv
ferner wenigstens ein Antibackmittel und/oder Stabilisator aus der Gruppe Metalloxide,
Metallnitrate, Metallhydroxide, Metallcarbonate, Metallhydroxidnitrate und Metallhydroxidcarbonate
mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt wird. Von den vorgenannten
Additiven sind einige Vertreter insbesondere zur Phasenstabilisierung von AN bekannt,
wobei das in Abhängigkeit von der Temperatur in fünf verschiedenen Kristallmodifikationen
vorliegende AN in einer jeweils gewünschten Modifikation stabilisiert werden soll,
um temperaturbedingte Änderungen im Kristallgefüge zu verhindern, die aufgrund der
unterschiedlichen Dichte der verschiedenen Kristallmodifikationen zu Spannungen und
Rißbildungen im Gefüge führen können (siehe die eingangs zitierte Patentliteratur).
Zudem wurde gefunden, daß sich dieselben Additive in demgegenüber geringeren Mengen,
bei denen noch keine Phasenstabilisierung des AN eintritt, auch hervorragend als Antibackmittel
eignen, um denselben Effekt wie mit den vorgenannten Additiven in Form inerter Metalloxide,
d.h. eine Verhinderung einer Bildung von Agglomeraten sowohl bei der Herstellung mittels
Sprühzerstäubung als auch im fertigen Produkt, zu erzielen. In jedem Fall ist aufgrund
des erfindungsgemäßen Zusatzes nanoskaliger Partikel eine erhebliche Reduzierung der
zugesetzten Menge an Additive zum Erzielen der gewünschten Wirkung möglich, wobei
die genannten Additive - im Falle von Antibackmitteln - mit höchstens 0,5 Mass.-%
bezogen auf das AN, in vielen Fällen gar mit höchstens 0,2 Mass.-% zugesetzt werden
können, während sie im Falle des Einsatzes als Stabilisatoren in demgegenüber höheren
Mengen, z.B. zwischen etwa 0,5 und 5 Mass.-% eingesetzt werden können. In jedem Fall
läßt sich auch im Falle des Einsatzes der Additive als Stabilisatoren die zugesetzte
Menge gegenüber denselben Stabilisatoren in herkömmlicher, grobpartikulärerer Form
verringern, wobei die maximal mögliche Einsparung zur Erzielung der Phasenstabilisierung
von dem jeweils ausgewählten Stabilisator abhängt. Zudem wird die Reaktionszeit zur
Bildung eines für die Phasenstabilisierung gewünschten Ammin- bzw. Diamminkomplexes
aufgrund der großen Oberfläche der nanoskaligen Additive verringert.
[0020] Hierbei ist in bevorzugter Ausführung vorgesehen, daß ein Antibackmittel und/oder
Stabilisator mit einem Metall aus der vierten Periode der Übergangsmetalle, d.h. ein
Metall mit der Ordnungszahl 21 bis 30, also Scandium (Sc), Titan (Ti), Vanadium (V),
Chrom (Cr), Mangan (Mn), Eisen (Fe), Kobalt (Co), Nickel (Ni), Kupfer (Cu) oder Zink
(Zn), zugesetzt wird. Dabei wird vorzugsweise ein Antibackmittel mit einem Metall
aus der Gruppe Nickel, Kupfer und Zink eingesetzt, wobei das Metall aus der vierten
Periode der Übergangsmetalle insbesondere mit einer Wertigkeit von 2 eingesetzt werden
kann, so daß geringe Mengen eines Diamminkomplexes ([Me
2+(NH
3)
2]) gebildet werden können, welche insbesondere eine Phasenstabilisierung des AN bzw.
- in noch geringeren Mengen - zumindest eine Verhinderung des Zusammenbackens der
AN-Partikel bewirken.
[0021] Als besonders vorteilhaft hat sich beispielsweise der Einsatz von Antibackmitteln
und/oder Stabilisatoren in Form von Nickel-, Kupfer- und/oder Zinkoxid bzw. -hydroxid,
wie NiO, CuO, ZnO, Ni(OH)
2, Cu(OH)
2 und/oder Zn(OH)
2, erwiesen.
[0022] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, daß ein Antibackmittel und/oder
Stabilisator der vorgenannten Art mit einem Metall aus der ersten Hauptgruppe (Alkalimetall)
zugesetzt wird, wobei vorzugsweise ein solches Additiv mit einem Metall aus der Gruppe
Natrium (Na) und Kalium (K) eingesetzt wird. So haben sich beispielsweise Kaliumnitrat
(KNO
3) und Natriumnitrat (NaNO
3) als besonders vorteilhaft erwiesen.
[0023] Schließlich kann weiterhin bevorzugt vorgesehen sein, daß ein Antibackmittel und/oder
Stabilisator der vorgenannten Art mit einem Metall aus der zweiten Hauptgruppe (Erdalkalimetall)
zugesetzt wird, wobei vorzugsweise ein solches Additiv mit einem Metall aus der Gruppe
Magnesium (Mg) und Calcium (Ca), beispielsweise Calciumoxid (CaO) und/oder Magnesiumoxid
(MgO), eingesetzt wird.
[0024] Selbstverständlich können auch Mischungen von Antibackmitteln und/oder Stabilisatoren
mit unterschiedlichen Metallen und/oder mit unterschiedlichen Anionen aus der Gruppe
Oxide (Me
xO, MeO, Me
2O
3 etc.), Nitrate (MeNO
3, Me(NO
3)
2, Me (NO
3)
3 etc.), Hydroxide (MeOH, Me(OH)
2, Me(OH)
3 etc.), Carbonate (Me
2CO
3, MeCO
3, Me
2 (CO
3)
3 etc.), Hydroxidnitrate (Me
m(OH)
n Me
x(OH)
y) und Hydroxidcarbonate (Me
m(OH)
n · Me
x(CO
3)y) mit m; n; x; y = 1; 2; 3; ... eingesetzt werden, wobei die jeweiligen Verbindungen
grundsätzlich vor dem Schmelzen des AN oder dem bereits geschmolzenen AN vor der Sprühzerstäubung
zugesetzt werden, was zu einer erheblichen Herabsetzung der Neigung des AN zur Bildung
von Agglomeraten führt. Die überrascht insofern, als Antibackmittel herkömmlich ausschließlich
an der Oberfläche der Partikel wirken und daher dem fertigen Produkt zugesetzt werden,
während die erfindungsgemäß in der AN-Schmelze fein verteilten, feinpartikulären Antibackmittel
einen entsprechenden Effekt zeigen und folglich zur Verbindung einer Bildung von Agglomeraten
bereits in der Sprühzerstäubungsanlage in der Lage sind.
[0025] Gemäß einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen sein,
daß dem AN als Additiv ferner wenigstens ein Abbrandmodifikator aus der Gruppe der
katalytisch wirksamen Metalloxide mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt
wird, wobei insbesondere ein Abbrandmodifikator aus der Gruppe Bleioxid, insbesondere
Blei(II)-oxid (PbO), Aluminiumoxid (Al
2O
3), Kupfer(I)- (Cu
2O) und/oder Kupfer(II)oxid (CuO) zugesetzt werden kann, welcher zur Beeinflussung
der Abbrandgeschwindigkeit von AN bei bestimmten Druckbedingungen in der Lage ist
und ebenfalls in gegenüber dem Stand der Technik geringeren Mengen eingesetzt werden
kann.
[0026] Im übrigen kann das erfindungsgemäße Verfahren sowohl kontinuierlich als auch semikontinuierlich
oder chargenweise durchgeführt werden.
[0027] Die Erfindung betrifft auch Partikel aus mit wenigstens einem Additiv versetztem
Ammoniumnitrat (AN), welche insbesondere gemäß einem Verfahren der vorgenannten Art
hergestellt sind und als Additiv wenigstens einen Abbrandmodifikator und/oder Energieträger
aus der Gruppe der reaktiven Metalle und der festen Explosivstoffe und Oxidatoren
in feinpartikulärer Form mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm, vorzugsweise
von höchstens 100 nm, insbesondere von höchstens 50 nm, z.B. zwischen etwa 5 nm und
etwa 50 nm, enthalten, wodurch eine hohe Produkteinheit möglich ist.
[0028] In vorteilhafter Ausgestaltung enthalten die Partikel wenigstens einen Abbrandmodifikator
und/oder Energieträger der oben in Verbindung mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
genannten Art. Sie können zusätzlich ein oder mehrere der vorgenannten Additive, wie
Antibackmittel, Stabilisatoren etc., mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm
enthalten.
[0029] Nachstehend ist die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Ausführungsbeispiel
[0030] 50 kg Ammoniumnitrat (AN) in grobpartikulärem, rohem Zustand werden in einen Schmelzkessel
überführt und auf einen Bereich oberhalb seiner Schmelztemperatur, beispielsweise
auf etwa 180°C erhitzt. Der Schmelze wird ein Energieträger in Form von feinem Aluminiumpulver
(Al) mit einem Anteil von 1 Mass.-% bezogen auf die Masse von AN mit einem mittleren
Partikeldurchmesser von etwa 20 nm sowie ein Antibackmittel in Form von Zink(II)oxid
(ZnO) mit einem Anteil von 0,08 Mass.-% bezogen auf die Masse von AN in feinpartikulärer
Form mit einem mittleren Partikeldurchmesser von etwa 50 nm zugesetzt und die Mischung
mittels eines Propellerrührers ca. eine Stunde homogenisiert. Die Drehzahl des Rührwerks
wird auf 300 U/min eingestellt. Nach hinreichender Homogenisierung wird die mit dem
Al und dem ZnO beladene AN-Schmelze mittels einer Zweistoffdüse zerstäubt, wobei die
hierbei erhaltene Tröpfchendispersion in einen von trockener Umgebungsluft durchströmten
Gasraum eingeleitet wird. Die nach Erstarren der AN-Tröpfchen erhaltenen Partikel
weisen einen durchschnittlichen Partikeldurchmesser von etwa 50 µm auf. Die Partikelform
ist sphärisch und regelmäßig; das erzeugte Produkt ist rieselfähig und agglomeriert
weder in der Zweistoffdüse noch nach längerer Standzeit. Es weist einen gegenüber
reinem AN erhöhten spezifischen Impuls auf.
1. Verfahren zur Herstellung von mit Additiven versetzten Partikeln aus Ammoniumnitrat
(AN), indem das AN geschmolzen und dem AN vor dem Schmelzen oder dem geschmolzenen
AN wenigstens ein Additiv beigemischt, die AN-Schmelze mit dem Additiv unter Bildung
einer Tröpfchendispersion zerstäubt und die Tröpfchendispersion unter Erhalt der Partikel
abgekühlt wird, dadurch gekennzeichnet, daß dem AN als Additiv wenigstens ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der
Gruppe der reaktiven Metalle und der festen Explosivstoffe und Oxidatoren in feinpartikulärer
Form mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt und die AN-Schmelze
mit den Feinpartikeln anschließend unter Bildung der Tröpfchendispersion zerstäubt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der Gruppe Aluminium (Al), Eisen
(Fe), Nickel (Ni), Kupfer (Cu) und Zink (Zn) zugesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der Gruppe der Nitramine zugesetzt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der Gruppe Cyclotetramethylentetranitramin
(Oktogen, HMX), Cyclotrimethylentrinitramin (Hexogen, RDX), Nitroguanidin (NQ) und
Trinitrophenylmethylnitramin (Tetryl) zugesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der Gruppe der Nitrate und/oder
Perchlorate, insbesondere Ammoniumperchlorat, zugesetzt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß dem AN als Additiv ferner wenigstens ein feinpartikuläres Antibackmittel aus der
Gruppe der im wesentlichen inerten Metalloxide mit einer Partikelgröße von höchstens
500 nm beigemischt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel aus der Gruppe Titandioxid (TiO2), Siliciumdioxid (SiO2), Eisen(II)- (FeO) und/oder Eisen(III)oxid (Fe2O3) zugesetzt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem AN als Additiv ferner wenigstens ein Antibackmittel und/oder Stabilisator aus
der Gruppe Metalloxide, Metallnitrate, Metallhydroxide, Metallcarbonate, Metallhydroxidnitrate
und Metallhydroxidcarbonate mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der vierten Periode
der Übergangsmetalle zugesetzt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der Gruppe Nickel (Ni),
Kupfer (Cu) und Zink (Zn) zugesetzt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der vierten Periode
der Übergangsmetalle mit einer Wertigkeit von 2 zugesetzt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der ersten Hauptgruppe
(Alkalimetall) zugesetzt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der Gruppe Natrium
(Na) und Kalium (K) zugesetzt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der zweiten Hauptgruppe
(Erdalkalimetall) zugesetzt wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß ein Antibackmittel und/oder Stabilisator mit einem Metall aus der Gruppe Magnesium
(Mg) und Calcium (Ca) zugesetzt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß dem AN als Additiv ferner wenigstens ein Abbrandmodifikator aus der Gruppe der katalytisch
wirksamen Metalloxide mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm beigemischt wird.
17. Verfahren nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß ein Abbrandmodifikator aus der Gruppe Bleioxid, insbesondere Blei(II)oxid (PbO),
Aluminiumoxid (Al2O3), Kupfer(I)- (Cu2O) und/oder Kupfer (II) oxid (CuO), zugesetzt wird.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß das Additiv mit einer Partikelgröße von höchstens 100 nm beigemischt wird.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß das Additiv mit einer Partikelgröße von höchstens 50 nm beigemischt wird.
20. Partikel aus mit wenigstens einem Additiv versetztem Ammoniumnitrat (AN), dadurch gekennzeichnet, daß er als Additiv wenigstens einen Abbrandmodifikator und/oder Energieträger aus der
Gruppe der reaktiven Metalle und der festen Explosivstoffe und Oxidatoren in feinpartikulärer
Form mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm enthält.
21. Partikel nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß er wenigstens einen Abbrandmodifikator und/oder Energieträger nach einem der Ansprüche
2 bis 5 enthält.
22. Partikel nach Anspruch 20 oder 21, dadurch gekennzeichnet, daß er ferner wenigstens ein Additiv nach einem der Ansprüche 6 bis 17 in feinpartikulärer
Form mit einer Partikelgröße von höchstens 500 nm enthält.
23. Partikel nach einem der Ansprüche 20 bis 22, dadurch gekennzeichnet, daß er das Additiv mit einer Partikelgröße von höchstens 100 nm enthält.
24. Partikel nach einem der Ansprüche 20 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß er das Additiv mit einer Partikelgröße von höchstens 50 nm enthält.