[0001] Die Erfindung betrifft eine Biegevorrichtung für die Walzen, insbesondere die Arbeitswalzen
eines Mehrwalzengerüstes mit in den Ständerfenstern blockweise angeordneten Stellgliedern,
die auf die Walzeneinbaustücke Biegekräfte zum positiven und negativen Biegen der
Walzen ausüben.
[0002] Die DE 196 20 704 C1 beschreibt ein Sextowalzgerüst mit einer oberen und einer unteren
Stützwalze, einer oberen und einer unteren Arbeitswalze und einer oberen und einer
unteren Zwischenwalze, einer Einrichtung zum Ausbalancieren der Stützwalzen, einer
Biegevorrichtung der gattungsgemäßen Art für die Arbeitswalzen und die Zwischenwalzen,
Einrichtungen zur gegenseitigen axialen Verschiebung der Arbeits- und/oder Zwischenwalzen
sowie mit Einrichtungen für eine horizontale Parallelverschiebung der Arbeitswalzen
oder Zwischenwalzen. In die Fenster der beiden Walzenständer des Sextowalzgerüstes
sind Funktionseinheiten mit je vier symmetrisch und parallel zur Walzenachsenebene
angeordneten, hydraulischen Stellzylindereinheiten integriert, wobei jede Stellzylindereinheit
aus einem oberen Stellzylinder mit einem oberen, auf das Einbaustück der oberen Stützwalze
wirkenden Stellkolben und einem unteren Stellzylinder mit einem unteren, auf das Einbaustück
der unteren Stützwalze wirkenden Stellkolben zum Ausbalancieren der oberen Stützwalze
besteht. Die beiden Stellzylinder jeder Stellzylindereinheit sind koaxial in einem
gemeinsamen Zylindergehäuse eingebaut, das durch einen Boden in zwei Zylinderkammern
aufgeteilt ist. Auf den Stellzylindern der Stellzylindereinheiten sind hydraulisch
verschiebbare, doppeltwirkende, eine Biegung der Zwischenwalzen und der Arbeitswalzen
bewirkende Stellhülsen angeordnet, die mittels Nasen an den Einbaustücken der Zwischenwalzen
und der Arbeitswalzen angreifen.
[0003] Aus der DE 199 38 217 C2 ist eine Biegevorrichtung für die Arbeitswalzen eines Walzgerüstes
bekannt mit in seitlichen Walzenständern vorgesehenen Führungsblöcken für je zwei
vertikal verstellbare Druckübertragungskörper, an denen die Arbeitswalzen über Einbaustücke
abgestützt sind, und mit je zwei zwischen den Druckübertragungskörpern angeordneten
Biegezylindern, die eine an einem Druckübertragungskörper angreifende Kolbenstange
und einen vom jeweils anderen Druckübertragungskörper gebildeten Zylinder aufweisen.
[0004] Das in der EP 1 181 114 B1 beschriebene Warmwalzgerüst ist mit in den Ständerfenstern
angeordneten Blöcken ausgestattet, die als Biegevorrichtungen vorgesehene hydraulische
Kolbenzylindereinheiten aufweisen, die über linear verschiebbare Führungsstücke auf
die Arbeitswalzeneinbaustücke Biegekräfte übertragen. Je Block ist eine doppeltwirkende
hydraulische Zylindereinheit vorgesehen, deren beide Enden mit den Führungsstücken
verbunden sind, und die Führungsstücke umgreifen mit Führungsnuten beidseitig die
freien Enden von Nasen der Arbeitswalzeneinbaustücke, wobei die Führungsnuten der
Führungsstücke eine axiale Verschiebung der Arbeitswalzen zulassen.
[0005] Die Walzenbiegevorrichtungen für Walzgerüste nach dem Stand der Technik erfordern
einen verhältnismäßig großen Platzbedarf. Die hydraulischen Stellzylindereinheiten
zum Aufbringen der Biegekräfte auf die Arbeitswalzeneinbaustücke sind technisch aufwendig,
und die Montage der Walzgerüste erfordert infolge der benötigten zahlreichen Hydraulikanschlüsse
einen großen Zeitbedarf, was wiederum zu einem entsprechenden Anstieg der Montagekosten
führt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Walzenbiegevorrichtung, insbesondere
eine Arbeitswalzenbiegevorrichtung für Mehrwalzengerüste mit einem minimalen Platzbedarf
und einfachen hydraulischen Stellgliedern mit einer hohen Betriebssicherheit zum Aufbringen
der Biegekräfte auf die Walzeneinbaustücke zu entwickeln.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Biegevorrichtung für die Walzen,
insbesondere Arbeitswalzen eines Mehrwalzengerüstes mit den Merkmalen des Patentanspruches
1.
[0008] Die Unteransprüche beinhalten zweckmäßige und vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung.
[0009] Die erfindungsgemäße Walzenbiegevorrichtung zeichnet sich durch folgende Vorteile
aus:
[0010] Die Verwendung von druckölbetätigten, miteinander verschachtelten Stellhülsen als
Stellglieder zum Übertragen der durch das Drucköl erzeugten Biegekräfte auf die Walzeneinbaustücke,
insbesondere die Arbeitswalzeneinbaustücke für eine positive und eine negative Biegung
der Arbeitswalzen ermöglicht eine kompakte Bauweise der Biegevorrichtung und eine
große Führungslänge der Stellhülsen beim Biegevorgang, die eine optimale Abstützung
der als Stellglieder eingesetzten Stellhülsen und der Arbeitswalzeneinbaustücke bewirkt.
Durch eine hydraulische Verbindung der durch die Stellhülsen gebildeten Druckkammern
für eine positive und eine negative Arbeitswalzenbiegung sowie der von den Stellhülsen
gebildeten Druckkammern zum Lösen der Nasen und Anschlagkanten der an Stützansätzen
der Arbeitswalzeneinbaustücke angreifenden Stellhülsen beim Arbeitswalzenwechsel wird
eine erhebliche bauliche Vereinfachung der Arbeitswalzenbiegevorrichtung erreicht,
die zu einer vereinfachten, schnelleren Montage und somit zu einer Minimierung der
Montagekosten der Walzgerüste führt. Schließlich können die durch Drucköl in Axialrichtung
beaufschlagten Ringflächen der Druckkammern der Stellhülsen zum vertikalen Verschieben
derselben derart dimensioniert werden, daß die Walzenbiegevorrichtung mit Niederdruck
betrieben werden kann. Dies hat den Vorteil, daß als Druckmedium für den Betrieb der
Walzenbiegevorrichtung Walzöl verwendet werden kann. Durch die Verwendung von Walzöl
wird wiederum ausgeschlossen, daß bei in der Walzenbiegevorrichtung gegebenenfalls
auftretenden Leckagen eine unerwünschte Vermischung des für den Walzbetrieb erforderlichen
Walzöls mit einem Fremdöl erfolgt, wie dies bei Walzwerken der Fall ist, bei denen
für den Betrieb der Walzenbiegevorrichtungen ein besonderes Hydrauliköl zum Einsatz
kommt.
[0011] Die Erfindung ist nachstehend anhand der Arbeitswalzenbiegevorrichtung eines Quartowalzgerüstes
erläutert. Die Beschreibung nimmt Bezug auf schematische Zeichnungsfiguren, die folgendes
darstellen:
- Fign. 1 bis 3
- Vertikalschnitte einer Stellhülseneinheit der in das Fenster eines Walzenständers
eines Quartowalzgerüstes eingebauten Arbeitswalzenbiegevorrichtung mit den Betriebsstellungen
neuer Walzen sowie abgeschliffener Walzen und mit der Ausbaustellung der Walzen,
- Fig. 4
- einen Horizontalschnitt der Stellhülseneinheit nach Linie IV-IV der Fig. 1,
- Fig. 5
- einen Horizontalschnitt der Stellhülseneinheit nach Linie V-V der Fig. 1 und
- Fig. 6
- einen der Fig. 1 entsprechenden Vertikalschnitt einer mit Vorspannzylindern ausgerüsteten
Stellhülseneinheit der Arbeitswalzenbiegevorrichtung.
[0012] Das Quartowalzgerüst 1 nach den Fign. 1 bis 3 ist mit einer oberen und einer unteren
Arbeitswalze 2, 3 ausgerüstet, die in Arbeitswalzeneinbaustücken 4, 5 gelagert sind,
sowie mit einer oberen einer unteren Stützwalze 6, 7, die in Stützwalzeneinbaustücken
8, 9 lagern.
[0013] In die Fenster 12 der beiden Walzenständer 10, 11 des Quartowalzgerüstes 1 sind jeweils
zwei Stellhülseneinheiten 13, 13 einer Arbeitswalzenbiegevorrichtung integriert.
[0014] Die Stellhülseneinheiten 13 weisen eine parallel zur vertikalen Walzenachsenebene
14-14 eingebaute Führungssäule 15 auf, die aus einem oberen und einem unteren feststehenden
Kolben 16, 17 besteht, die an Halterungen 18, 19 der Walzenständer 10, 11 befestigt
sind und deren Kolbenstangen 20, 21 zusammengeschraubt sind.
[0015] Jede Stellhülseneinheit 13 umfaßt ferner eine obere und eine untere innere Stellhülse
22, 23 mit einer eine Greifnase 26 aufweisenden viereckigen Kopfplatte 24, 25, einem
zylindrischen Mittelteil 27, 28 und einem zylindrischen Schaft 29, 30. Die inneren
Stellhülsen 22, 23 besitzen abgestufte, zylindrische Bohrungen 31a, 31b; 32a, 32b
zum vertikalen Verschieben auf dem oberen und dem unteren Kolben 16, 17 und deren
Kolbenstangen 20, 21.
[0016] Der obere Kolben 16, dessen Kolbenstange 20 und die obere innere Stellhülse 22 bilden
eine obere Ringkammer 33, und der untere Kolben 17, dessen Kolbenstange 21 und die
untere innere Stellhülse 23 bilden eine untere Ringkammer 34. Die über Kanäle 35,
36 in den Kolbenstangen 20, 21 miteinander verbundenen Ringkammern 33, 34 der Stellhülseneinheiten
13 sind mit Drucköl zur Ausführung einer in Pfeilrichtung a, b nach innen gerichteten
Stellbewegung der mittels der Nasen 26 an den Außenflächen 39 von Stützansätzen 37,
38 der Arbeitswalzeneinbaustücke 4, 5 angreifenden inneren Stellhülsen 22, 23 für
eine negative Biegung der Arbeitswalzen 2, 3 beaufschlagbar.
[0017] Jede Stellhülseneinheit 13 ist ferner mit zwei weiteren koaxial zu den beiden inneren
Stellhülsen 22, 23 zwischen deren Kopfplatten 24, 25 angeordneten äußeren Stellhülsen
40, 41 mit einer viereckigen Außenkontur 42 ausgerüstet, wobei beide Stellhülsen 40,
41 einen nach innen gerichteten, zylindrischen Ansatz 43, 44 aufweisen, die untere
äußere Stellhülse 41 mit ihrem Ansatz 44 und einem Dichtring 45 in einen Ringraum
46 der oberen äußeren Stellhülse 40 eintaucht und mit diesem eine geschlossene Ringkammer
47 bildet, die obere äußere Stellhülse 40 mit ihrer abgestuften Bohrungswand 48a,
48b auf dem Mittelteil 27 und dem Schaft 29 der oberen inneren Stellhülse 22 und mit
dem zylindrischen Ansatz 43 auf dem Schaft 30 der unteren inneren Stellhülse 23 und
die untere äußere Stellhülse 41 mit ihrem zylindrischen Ansatz 44 auf dem Mittelteil
28 der unteren inneren Stellhülse 23, dem zylindrischen Ansatz 43 der oberen äußeren
Stellhülse 40 und in dem Ringraum 46 derselben vertikal verschiebbar ist. Die von
den beiden äußeren Stellhülsen 40, 41 gebildete Ringkammer 47 ist mit Drucköl zur
Ausführung einer in Pfeilrichtung c, d gerichteten Stellbewegung der mittels Anschlagkanten
49, 50 an den Innenflächen 51 der Stützansätze 37, 38 der Arbeitswalzeneinbaustücke
4, 5 angreifenden äußeren Stellhülsen 40, 41 für eine positive Biegung der Arbeitswalzen
2, 3 beaufschlagbar.
[0018] Die Arbeitswalzenbiegevorrichtung ist mit einer Einrichtung zum Lösen der Greifnasen
26 der inneren Stellhülsen 22, 23 und der Anschlagkanten 49, 50 der äußeren Stellhülsen
40, 41 der Stellhülseneinheiten 13 von den Stützansätzen 37, 38 der Arbeitswalzeneinbaustücke
4, 5 beim Ausbau der Arbeitswalzen 2, 3 ausgestattet. Die Einrichtung zur Freigabe
der Arbeitswalzeneinbaustücke 4, 5 weist eine von der oberen inneren Stellhülse 22
und der oberen äußeren Stellhülse 40 gebildete Ringkammer 52 und eine in dem Ringraum
46 der oberen äußeren Stellhülse 40 mit dem zylindrischen Ansatz 44 der unteren äußeren
Stellhülse 41 gebildete Ringkammer 53 auf, die durch den Dichtring 45 am zylindrischen
Ansatz 44 der unteren äußeren Stellhülse 41 gegen die Ringkammer 47 für die positive
Biegung der Arbeitswalzen 2, 3 und durch einen weiteren Dichtrahmen 54 an der oberen
äußeren Stellhülse 40 nach außen abgedichtet ist.
[0019] Die beiden Ringkammern 52, 53 sind durch einen Kanal 55 in der oberen äußeren Stellhülse
40 miteinander verbunden und mit Drucköl beaufschlagbar. Die in Axialrichtung druckbeaufschlagten
Ringflächen 52a, 52b der von der oberen inneren Stellhülse 22 und der oberen äußeren
Stellhülse 40 gebildeten Ringkammer 52 sind größer als die in Axialrichtung druckbeaufschlagten
Ringflächen 53a, 53b der von dem zylindrischen Ansatz 44 der unteren äußeren Stellhülse
41 und der oberen äußeren Stellhülse 40 gebildeten Ringkammer 53, derart, daß die
auf die obere innere Stellhülse 22 und die obere äußere Stellhülse 40 wirkende Stellkraft
größer als die auf die untere äußere Stellhülse 41 wirkende Stellkraft ist. Dieses
Stellkraftverhältnis bewirkt, daß beim Beaufschlagen der beiden Ringkammern 52, 53
mit Drucköl für einen Arbeitswalzenwechsel die obere innere Stellhülse 22 in Pfeilrichtung
c nach oben gegen den feststehenden oberen Kolben 16 und die beiden äußeren Stellhülsen
40, 41 zusammen mit der unteren inneren Stellhülse 23 gegen den feststehenden unteren
Kolben 17 in Pfeilrichtung d nach unten verschoben werden, so daß sich die Greifnasen
26 der oberen und der unteren inneren Stellhülse 22, 23 und die obere äußere Stellhülse
40 mit der Anschlagkante 49 von den Stützansätzen 37, 38 des oberen und des unteren
Arbeitswalzeneinbaustücks 4, 5 lösen und anschließend die untere äußere Stellhülse
41 durch die auf diese wirkende, durch den Druck in der Ringkammer 53 erzeugte Stellkraft
und die obere äußere Stellhülse 40 entgegen der auf diese wirkenden, durch den Druck
in der Ringkammer 52 erzeugten Stellkraft um einen kleinen Stellhub von wenigen Millimetern
in Pfeilrichtung c nach oben angehoben werden und sich die untere äußere Stellhülse
41 mit ihrer Anschlagkante 50 von dem Stützansatz 38 des unteren Arbeitswalzeneinbaustückes
5 löst (Fig. 3).
[0020] Beim Aus- und Einbau der Arbeitswalzen 2, 3 werden sowohl die Ringkammern 33, 34
für die negative Arbeitswalzenbiegung als auch die Ringkammer 47 für die positive
Arbeitswalzenbiegung drucklos bzw. in Schwimmstellung geschaltet.
[0021] Die Ringkammern 52,53 werden für bzw. während des kompletten Walzenwechselvorgangs
unter Druck gesetzt, um die Aus- bzw. Einbaustellung der Stellhülsen 22, 23; 40, 41
zu fixieren und einen ausreichenden Freiraum zu den Stützansätzen 37, 38 der Arbeitswalzeneinbaustücke
4, 5 zu gewährleisten.
[0022] Die inneren Stellhülsen 22, 23 und die äußeren Stellhülsen 40, 41 der Stellzylindereinheiten
13 der Biegevorrichtung sind mit Verschleißplatten 56-59 auf Führungen 60 in den Fenstern
12 der Walzenständer 10, 11 des Quartowalzgerüstes 1 verschiebbar angeordnet (Fig.
3).
[0023] Die äußeren Stellhülsen 40, 41 mit ihrer viereckigen Außenkontur 42 weisen Anlage-
und Führungsflächen 61, 62 für die Arbeitswalzeneinbaustücke 4, 5 auf, wobei die Anlage-
und Führungsflächen 61, 62 der Stellhülsen 40, 41 zusätzlich als verdrehsicherung
für die Stellhülseneinheit 13 dienen.
[0024] Die Nasen 26 der unteren inneren Stellhülsen 23 der Stellhülseneinheiten 13 für die
negative Arbeitswalzenbiegung bilden Schienenabschnitte der Innenschienen zum Aus-
und Einfahren der Arbeitswalzen 2, 3 mit den mit Doppelrädern ausgestatteten Arbeitswalzeneinbaustücken
4, 5 beim Arbeitswalzenwechsel. Lücken und Kantenbrüche an den Innenschienen werden
durch die Doppelräder der Arbeitswalzeneinbaustücke überwunden.
[0025] Die von der Führungssäule 15, den beiden inneren Stellhülsen 22, 23 und der oberen
äußeren Stellhülse 40 gebildete Kammer 63 sowie die von der unteren inneren Stellhülse
23 und den beiden äußeren Stellhülsen 40, 41 gebildete Kammer 64 der Stellhülseneinheiten
13 werden über Kanäle 65, 66 in der Führungssäule 15 und in der unteren inneren Stellhülse
23 entlüftet(Fig. 1).
[0026] Gemäß Fig. 6 kann die Arbeitswalzenbiegevorrichtung mit paarweise in die Führungssäulen
15 der Stellhülseneinheiten 13 in den Fenstern 12 der beiden Walzenständer 10, 11
des Quartowalzgerüstes 1 eingebauten hydraulischen Vorspannzylindern 67, 68 ausgerüstet
werden, deren Zylinderkammern 69, 70 über nicht dargestellte Kanäle in den Führungssäulen
15 miteinander verbunden sind und deren Stellkolben 71, 72 auf die Einbaustücke 8,
9 der oberen und der unteren Stützwalze 6, 7 wirken. Die Vorspannzylinder 67, 68 sind
mit Rückstellfedern 73 für eine Rückstellung der Stellkolben 71, 72 beim Ausbau der
Stützwalzen 6, 7 ausgestattet. Die Vorspannzylinder 67, 68 dienen zum Vorspannen des
Quartowalzgerüstes 1, zum Ausbalancieren der oberen Stützwalze 6 und zum Anheben der
oberen Stützwalze 6 beim Aus- und Einbau der Arbeitswalzen 2, 3.
[0027] Die vorbeschriebene in ein Quartowalzgerüst eingebaute Walzenbiegevorrichtung ist
ferner für Sextowalzgerüste geeignet, wobei dann die Zwischenwalzenbiegevorrichtung
mit Vorspannzylindern, deren Stellkräfte auf die Stützwalzeneinbaustücke des Sextowalzgerüstes
wirken, ausgerüstet ist, und eine zweite Walzenbiegevorrichtung den Arbeitswalzen
zugeordnet wird.
1. Biegevorrichtung für die Walzen, insbesondere die Arbeitswalzen eines Mehrwalzengerüstes
mit in den Ständerfenstern blockweise angeordneten Stellgliedern, die auf die Walzeneinbaustücke
Biegekräfte zum positiven und negativen Biegen der Walzen ausüben, gekennzeichnet durch jeweils zwei in die Fenster (12) der beiden Walzenständer (10, 11) des Walzgerüstes
(1) integrierte Stellhülseneinheiten (13) mit einer parallel zur vertikalen Walzenachsenebene
(14-14) eingebauten Führungssäule (15), die aus einem oberen und einem unteren feststehenden
Kolben (16, 17) besteht, deren Kolbenstangen (20, 21) fest miteinander verbunden sind,
einer oberen und einer unteren inneren Stellhülse (22, 23) mit einer eine Greifnase
(26) aufweisenden, viereckigen Kopfplatte (24, 25), einem zylindrischen Mittelteil
(27, 28) und einem zylindrischen Schaft (29, 30), die (22, 23) abgestufte, zylindrische
Bohrungen (31a, 31b; 32a, 32b) zum vertikalen verschieben der Stellhülsen (22, 23)
auf dem oberen und dem unteren Kolben (16, 17) und deren Kolbenstangen (20, 21) aufweisen,
einer oberen Ringkammer (33), die von dem oberen Kolben (16), dessen Kolbenstange
(20) und der oberen inneren Stellhülse (22) gebildet wird, und einer unteren Ringkammer
(34), die von dem unteren Kolben (17), dessen Kolbenstange (21) und der unteren inneren
Stellhülse (23) gebildet wird, wobei die über Kanäle (35, 36) in den Kolbenstangen
(20, 21) oder Außenleitungen miteinander verbundenen Ringkammern (33, 34) mit einem
Druckmedium zur Ausführung einer nach innen gerichteten Stellbewegung (Pfeilrichtung
a, b) der mittels der Nasen (26) an den Außenflächen (39) von Stützansätzen (37, 38)
der Arbeitswalzeneinbaustücke (4, 5) angreifenden inneren Stellhülsen (22, 23) für
eine negative Biegung der Arbeitswalzen (2, 3) beaufschlagbar sind, sowie mit zwei
weiteren koaxial zu den beiden inneren Stellhülsen (22, 23) zwischen deren Kopfplatten
(24, 25) angeordneten äußeren Stellhülsen (40, 41) mit einer viereckigen Außenkontur
(42), wobei beide Stellhülsen (40, 41) einen nach innen gerichteten, zylindrischen
Ansatz (43, 44) aufweisen, die untere äußere Stellhülse (41) mit ihrem Ansatz (44)
in einen Ringraum (46) der oberen äußeren Stellhülse (40) eintaucht und mit diesem
eine geschlossene Ringkammer (47) bildet, die obere äußere Stellhülse (40) mit ihrer
abgestuften Bohrungswand (48a, 48b) auf dem Mittelteil (27) und dem Schaft (29) der
oberen inneren Stellhülse (22) und mit dem zylindrischen Ansatz (43) auf dem Schaft
(30) der unteren inneren Stellhülse (23) und die untere äußere Stellhülse (41) mit
ihrem zylindrischen Ansatz (44) auf dem Mittelteil (28) der unteren inneren Stellhülse
(23), dem zylindrischen Ansatz (43) der oberen äußeren Stellhülse (40) und in dem
Ringraum (46) derselben vertikal verschiebbar ist und die von den beiden äußeren Stellhülsen
(40, 41) gebildete Ringkammer (47) mit einem Druckmedium zur Ausführung einer nach
außen gerichteten Stellbewegung (Pfeilrichtung c, d) der mittels Anschlagkanten (49,
50) an den Innenflächen (51) der Stützansätze (37, 38) der Arbeitswalzeneinbaustücke
(4, 5) angreifenden äußeren Stellhülsen (40, 41) für eine positive Biegung der Arbeitswalzen
(2, 3) beaufschlagbar ist.
2. Biegevorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Einrichtung zum Lösen der Greifnasen (26) der inneren Stellhülsen (22, 23) und
der Anschlagkanten (49, 50) der äußeren Stellhülsen (40, 41) der Stellhülseneinheiten
(13) von den Stützansätzen (37, 38) der Arbeitswalzeneinbaustücke (4, 5) beim Ausbau
der Arbeitswalzen (2, 3), wobei die Einrichtung zur Freigabe der Arbeitswalzeneinbaustücke
(4, 5) eine von der oberen inneren Stellhülse (22) und der oberen äußeren Stellhülse
(40) gebildete Ringkammer (52) und eine in dem Ringraum (46) der oberen äußeren Stellhülse
(40) mit dem zylindrischen Ansatz (44) der unteren äußeren Stellhülse (41) gebildete
Ringkammer (53) aufweist, die durch den Dichtring (45) am zylindrischen Ansatz (44) der unteren äußeren Stellhülse (41)
gegen die Ringkammer (47) für die positive Biegung der Arbeitswalzen (2, 3) und durch einen Dichtrahmen (54) an der oberen äußeren Stellhülse (40) nach außen abgedichtet
ist, die beiden Ringkammern (52, 53) durch einen Kanal (55) in der oberen äußeren Stellhülse (40) miteinander verbunden und
durch ein Druckmedium beaufschlagbar sind und die in Axialrichtung druckbeaufschlagten
Ringflächen (52a, 52b) der von der oberen inneren Stellhülse (22) und der oberen äußeren
Stellhülse (40) gebildeten Ringkammer (52) größer als die in Axialrichtung druckbeaufschlagten
Ringflächen (53a, 53b) der von dem zylindrischen Ansatz (44) der unteren äußeren Stellhülse
(41) und der oberen äußeren Stellhülse (40) gebildeten Ringkammer (53) sind, derart,
daß die auf die obere innere Stellhülse (22) und die obere äußere Stellhülse (40)
wirkende Stellkraft größer als die auf die untere äußere Stellhülse (41) wirkende
Stellkraft ist.
3. Biegevorrichtung nach Anspruch 1 und 2, gekennzeichnet durch paarweise in die Führungssäulen (15) der Stellhülseneinheiten (13) in den Fenstern
(12) der beiden Walzenständer (10, 11) eines Walzgerüstes eingebaute hydraulische
Vorspannzylinder (67, 68), deren Zylinderkammern (69, 70) über Kanäle in den Führungssäulen
(15) oder Leitungen miteinander verbunden sind und deren Stellkolben (71, 72) auf
die Einbaustücke (8, 9) der oberen und der unteren Stützwalze (6, 7) eines Quartowalzgerüstes
(1) oder eines Sextowalzgerüstes wirken.
4. Biegevorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorspannzylinder (67, 68) mit Rückstellfedern (73) für eine Rückstellung der
Stellkolben (71, 72) beim Ausbau der Stützwalzen (6, 7) ausgestattet sind.
5. Biegevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die äußeren Stellhülsen (40, 41) mit ihrer viereckigen Außenkontur (42) Anlage- und
Führungsflächen (61, 62) für die Arbeitswalzeneinbaustücke (4, 5) aufweisen, wobei
die Anlage- und Führungsflächen (61, 62) der Stellhülsen (40, 41) zusätzlich als Verdrehsicherung
für die Stellhülseneinheit (13) dienen.
6. Biegevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Kolbenstangen (20, 21) der feststehenden Kolben (16, 17) der Führungssäulen (15)
zusammengeschraubt sind.
7. Biegevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Nasen (26) der unteren inneren Stellhülsen (23) der Stellhülseneinheiten (13)
für die negative Arbeitswalzenbiegung Schienenabschnitte der Innenschienen zum Aus-
und Einfahren der Arbeitswalzen (2, 3) mit den mit Doppelrädern ausgestatteten Arbeitswalzeneinbaustücken
(4, 5) beim Arbeitswalzenwechsel bilden.
8. Biegevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die von der Führungssäule (15), den beiden inneren Stellhülsen (22, 23) und der oberen
äußeren Stellhülse (40) gebildete Kammer (63) sowie die von der unteren inneren Stellhülse
(23) und den beiden äußeren Stellhülsen (40, 41) gebildete Kammer (64) der Stellhülseneinheiten
(13) über Kanäle (65, 66) in der Führungssäule (15) und in der unteren inneren Stellhülse
(23) entlüftet werden.
9. Biegevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, gekennzeichnet durch einen Betrieb derselben mit Walzöl bei niedrigem Betriebsdruck.