Stand der Technik
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern der Belegung in einem spurgebundenen
Verkehrssystem bei einem Belegungskonfliktfall oder einem technischen Konfliktfall,
wobei mögliche alternative Maßnahmen zur Auflösung des Konfliktfalls ermittelt und
beim Ermitteln einer Lösung berücksichtigt werden, für jede Lösung ein Gütefaktor
bestimmt wird, und die Lösung mit dem besten Gütefaktor angewendet wird.
[0002] Bei spurgebundenen Verkehrssystemen, insbesondere bei Eisenbahnsystemen, kann es
zu Konfliktfällen kommen, beispielsweise wenn zwei Züge gleichzeitig in dasselbe Gleis
einfahren bzw. denselben Gleisfreimeldeabschnitt belegen wollen (Belegungskonfliktfall)
oder wegen technischer Unverträglichkeit zwischen einem Zug und der Infrastruktur
(technischer Konfliktfall). Ein technischer Konfliktfall, d.h. eine Inkompatibilität
zwischen Zug und Gleis, besteht beispielsweise zwischen einem elektrisch angetriebenen
Zug und einem nicht elektrifizierten Gleis. Solche Konfliktfälle müssen aufgelöst
werden, ehe sie zu einer gefährlichen Situation, einer Betriebsstörung oder zu einem
Unfall führen. Einen Konfliktfall aufzulösen bedeutet, Maßnahmen, wie zum Beispiel
die Umleitung eines am Konfliktfall beteiligten Zuges, anzuwenden, ehe dieser Konflikt
passiert. Welche Maßnahmen bei welchen Konflikten anwendbar sind, wird beispielsweise
vom Betriebskonzept der Eisenbahnverwaltung bestimmt. Eine Maßnahme auf einen Zug
anzuwenden bedeutet, den Zuglauf (Fahrplan) eines am Konflikt beteiligten Zuges so
zu ändern, dass der Konflikt aufgelöst wird. Wenn eine solche Maßnahme, zum Beispiel
das Umleiten eines Zuges, angewendet wird, entsteht eine neue Situation, die typischerweise
Folgekonflikte erzeugt. Die Lösung eines Konfliktfalls bedeutet daher, Maßnahmen in
geordneter Reihenfolge anzuwenden, um den Originalkonflikt und alle Folgekonflikte,
die durch die Anwendung von Maßnahmen entstanden sind, aufzulösen.
[0003] Für einen Originalkonflikt und seine Folgekonflikte gibt es häufig mehr als eine
Lösung. Dies rührt daher, dass die zur Lösung eines Originalkonflikts anwendbaren
Maßnahmen und die Maßnahmen zur Auflösung eines Folgekonfliktfalles kombiniert werden
können. Eine Lösung zur Auflösung eines Konfliktfalles ist daher definiert als geordnetes
n-Tupel (Datensatz) von Maßnahmen, die zusammen den Originalkonflikt und alle Folgekonflikte
lösen. Um die beste Lösung zu ermitteln, ist es bekannt, einen Gütefaktor für jede
Lösung zu bestimmen. Dies geschieht beispielsweise durch Berechnung einer Kostenfunktion,
die die Qualität der Lösung darstellt. Die Lösung mit den geringsten Kosten ist die
beste Lösung. Die Kosten einer Lösung sind erst ermittelbar, wenn die ganze Lösung
bestimmt worden ist. Um die beste Lösung für einen bestimmten Konflikt zu ermitteln,
müssen alle überhaupt möglichen Lösungen zu diesem Konflikt (= Lösungsraum) erst errechnet
worden sein, um die Kosten vergleichen zu können. Diese Vorgehensweise ist sinnvoll
und einsetzbar, wenn es wenige Lösungen zu einem bestimmten Konfliktfall gibt. Bestehen
jedoch viele Lösungen zu einem bestimmten Konfliktfall, dann können Rechenzeiten entstehen,
die so lang sind, dass der Konflikt nicht rechtzeitig aufgelöst werden kann.
Aufgabe der Erfindung
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren bereitzustellen, mit dem die Belegung
in einem spurgebundenen Verkehrssystem bei einem Belegungskonfliktfall schnell und
ohne großen Rechenaufwand gesteuert werden kann.
Gegenstand der Erfindung
[0005] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch ein Verfahren der eingangs genannten
Art, bei dem eine Auswahl von zur Auflösung des Konfliktfalls in Frage kommenden Maßnahmen
einer Erfahrungsbasis entnommen werden und nur diese Maßnahme(n) bei der Ermittlung
von Lösungen berücksichtigt werden. Die Auswahl von Maßnahmen, die auf einen Konfliktfall
angewendet werden sollen kann eine oder mehrere Maßnahmen umfassen. Bei dem Konfliktfall
kann es sich um einen Originalkonflikt oder einen Folgekonflikt handeln. Da nur eine
Auswahl von Maßnahmen verwendet wird, wird der Lösungsraum eingeschränkt, da weniger
Lösungen bestimmt werden müssen. Im einfachsten Fall werden auf einen Konfliktfall
die aus der Erfahrungsbasis entnommenen Maßnahmen angewendet, wobei alle Maßnahmen
zu einer konfliktfreien Situation führen. Für jede Maßnahme, die zu einer Folgesituation
führt, wird die Güte dieser Lösung bestimmt. Die Maßnahme, die zu der besten Lösung
führt, wird angewandt.
[0006] Führt eine aus der Erfahrungsbasis entnommene Maßnahme zu einem Folgekonfliktfall,
wird vorteilhafterweise zur Auflösung des Folgekonfliktfalls ebenfalls nur eine beschränkte
Anzahl von Maßnahmen der Erfahrungsbasis entnommen. Dieses Verfahren hat den Vorteil,
dass die Zahl der zu bestimmenden Lösungen verringert wird, indem auf einen Original-
und/oder Folgekonflikt nicht alle, sondern nur eine Auswahl von Maßnahmen angewendet
bzw. berücksichtigt werden. Wenn ein Konfliktfall aufgelöst werden muss, wird die
für den Original- oder Folgekonflikt geeignete Maßnahme einfach in einer Erfahrungsbasis
nachgeschlagen. Durch das Verfahren wird Rechenzeit eingespart, weil der Lösungsraum
eingeschränkt wird. Bei jedem Original- und Folgekonflikt werden nicht mehr alle anwendbaren
Maßnahmen berücksichtigt. Gute Lösungen werden erhalten, wenn die Erfahrungsbasis
statistisch signifikant ist. Die maximal benötigte Rechenleistung eines Konfliktlösungssystems
kann reduziert werden. Außerdem kann eine gute Lösung schneller aufgefunden werden.
[0007] Bei einer bevorzugten Verfahrensvariante wird die Erfahrungsbasis in betriebsschwachen
Zeiten eines Konfliktlösungssystems und/oder nach einer Erstimplementierung des Verfahrens,
insbesondere der Erstinstallation in dem Konfliktlösungssystem, aufgebaut. Die Erfahrungsbasis
wird aufgebaut, indem vollständige Lösungsräume für einen Konfliktfall bestimmt und
ausgewertet werden. Dadurch, dass die Erfahrungsbasis auch in betriebsschwachen Zeiten
aufgebaut wird, wird die Rechnerleistung im Konfliktlösungssystem gleichmäßiger ausgenutzt
bzw. eingesetzt. Die Erfahrungsbasis kann dadurch in betriebsschwachen Zeiten, d.h.
wenn in einem spurgebundenen Verkehrssystem wenig reale Konfliktfälle auftreten, erweitert
werden. Je größer die Erfahrungsbasis ist, desto schneller kann eine gute Lösung zur
Auflösung eines Konflikts aufgefunden werden. Es erfolgt also quasi eine zeitliche
Entkopplung von Lernen und der Anwendung des Gelernten.
[0008] Besonders bevorzugt ist es, wenn Konflikttypen und Konfliktumstandsklassen definiert
werden, die einer Konfliktklasse zugeordnet werden und die Konfliktklassen in der
Erfahrungsbasis abgelegt werden. Die Erfahrung, die in der Erfahrungsbasis abgelegt
ist, ist der Zusammenhang zwischen den Umständen eines Konflikts (Konfliktumstand)
und dem Erfolg von Maßnahmen, die zur Auflösung von Konflikten in diesem Konfliktumstand
verwendet werden können. Der Konflikttyp und eine Konfliktumstandsklasse bilden zusammen
eine Konfliktklasse. Diese Kombination der beiden Komponenten kommt in einem Eisenbahnsystem
immer nur einmal vor. Jeder Konflikt kann eindeutig genau einer Konfliktklasse zugeordnet
werden, da jeder Konflikt auch genau einer ihrer Komponenten (Konfliktumstandsklasse,
Konflikttyp) zugeordnet werden kann. Ein Konflikttyp wird beispielsweise durch die
Eisenbahnverwaltung festgelegt. Das tut sie aus ihrer betrieblichen Sicht. Beispiel
für einen Konflikttyp ist "Zugfolgekonflikt auf freier Strecke". Ein Konflikttyp ist
demnach die Definition der Umstände eines Konflikts aus Sicht der Eisenbahnverwaltung
gemäß dem Betriebskonzept. Jeder Konflikt muss sich eindeutig genau einem Konflikttyp
zuordnen lassen.
[0009] Bei einer bevorzugten Weiterbildung des Verfahrens werden jeder Konfliktklasse die
anwendbaren, d.h. die in Frage kommenden Maßnahmen zur Auflösung eines Konflikts zugeordnet.
Insbesondere kann vorgesehen sein, dass eine Eisenbahnverwaltung anhand ihres Betriebskonzepts
bestimmt, welche Konflikttypen existieren. Für jeden Konflikttyp wird weiterhin festgelegt,
wie Zug 1 und Zug 2 bestimmt werden. Außerdem bestimmt die Eisenbahnverwaltung für
jeden Konflikttyp eine ungeordnete Liste von Maßnahmen, die auf Zug 1 und eine ungeordnete
Liste von Maßnahmen, die auf Zug 2 eines Konflikts eines Konflikttyps anwendbar sind.
Eine anwendbare Maßnahme ist eine Maßnahme, die bei einem bestimmten Konflikttyp auf
einen bestimmten der beiden am Konflikt beteiligten Züge anwendbar ist. Beispielsweise
sind die Maßnahmen "Halt verlängern bei Zug_1" und "Halt verlängern bei Zug_2" zwei
verschiedene Maßnahmen.
[0010] Bei einer besonders bevorzugten Verfahrensvariante werden die anwendbaren Maßnahmen
innerhalb einer Konfliktklasse sortiert. Dies ermöglicht einen schnellen und guten
Zugriff auf geeignete Maßnahmen zur Lösung eines Konflikts. Insbesondere kann bestimmt
werden, dass nur die erste oder ersten Maßnahmen innerhalb einer Konfliktklasse zur
Bestimmung einer Lösung zur Auflösung eines Konflikts herangezogen werden.
[0011] Vorteilhafterweise werden durch die Konfliktumstandsklasse Konflikte anhand ihrer
formalisierten Umstände klassifiziert. Diese Klassifizierung geschieht unbeeinflusst
von der Sichtweise der Eisenbahnverwaltung.
[0012] Vorzugsweise erfolgt die Klassifizierung anhand von abstrakten Orts- und Fahrzeugparametern.
Für die Klassifizierung werden abstrakte Informationen über die Charakterisierung
der am Konflikt beteiligten Züge und der Infrastruktur (Konfliktort) benutzt. Zur
Abstraktion dieser Informationen werden vorzugsweise abstrakte Fahrzeugparameter und
abstrakte Ortsparameter verwendet. Abstrakte Fahrzeugparameter sind zum Beispiel die
Zugpriorität, die Zugleistung, die Zuglaufpriorität, die Priorität der Linienwiederherstellung
(Line Recoverability Priority). Hauptkriterium für die Linienwiederherstellung sind
Reservezeiten in einem Zuglauf. Wenn ein Zug sehr wenig oder keine Reservezeiten in
seinem Fahrplan hat, ist er anfällig für nicht einholbare Verspätungen., weil er keine
Reservezeiten verbrauchen kann, um Verspätungen aufzuholen. Diese Fahrzeugparameter
haben sortierende Werte wie hoch, mittel, niedrig. Beispielsweise erhalten Zugläufe
mit wenig Reservezeit einen hohen Wert für den Parameter Linienwiederherstellung.
Abstrakte Ortsparameter sind zum Beispiel ein Umleitungspotential mit sortierenden
Werten wie hoch, mittel, niedrig.
[0013] Es kann vorgesehen sein, dass für jeden abstrakten Fahrzeugparameter und für jeden
abstrakten Ortsparameter ein Konfliktformalisierungsparameter verwendet wird. Konfliktformalisierungsparameter
haben vergleichende Werte wie beispielsweise "Zug 1 größer als Zug 2". Hierbei ist
eine Konfliktumstandsklasse ein geordnetes n-Tupel (Datensatz) aller Konfliktformaliserungsparameter.
Die Werte der Konfliktformalisierungsparameter für einen bestimmten Konflikt ergeben
sich aus der logischen Verknüpfung von den abstrakten Fahrzeugparametern der an diesem
Konflikt beteiligten Fahrzeuge und den abstrakten Ortsparametern des Konfliktortes.
Jeder Konflikt kann eindeutig genau einer Konflikumstandsklasse zugeordnet werden.
Dies bedeutet, dass jeder Konflikt genau einem Konflikttyp und genau einer Konfliktumstandsklasse
zugeordnet ist. Jede Konfliktklasse besteht aus einem Konflikttyp und einer Konfliktumstandsklasse.
Dies bedeutet auch, dass jeder Konflikt genau einer Konfliktklasse zugeordnet ist.
Dabei können mehrere verschiedene Konflikte demselben Konflikttyp zugeordnet sein
und mehrere (evtl. andere) Konflikte mit denselben Konfliktumständen sind derselben
Konflikt-Umstandsklasse zugeordnet.
[0014] Vorteilhafterweise ist das Klassifizierungssystem adaptiv und passt sich der Komplexität
des Verkehrsystems an, auf das es angewandt wird. Die Anzahl der Konfliktklassen für
ein Eisenbahnsystem hängt von der Anzahl der Kombinationen von abstrakten Parametern
ab, die in diesem Eisenbahnsystem vorkommen können. Diese Anzahl ergibt sich aus der
Heterogenität des Fahrzeugparks (Zugleistung), den Fahrplänen (Zuglauf-Priorität,
Priorität der Linienwiederherstellung), der Infrastruktur (Umleitungspotential, zum
Teil Zuglaufpriorität) und dem Betriebskonzept (Zugpriorität) genau dieses Eisenbahnsystems.
[0015] Es kann vorgesehen sein, dass jeder anwendbaren Maßnahme einer Konfliktklasse ein
Erfolgsfaktor zugeordnet wird. Der Erfolgsfaktor kann ein Erfolgszähler sein. Dabei
wird beispielsweise erfasst, welche Maßnahme einer Konfliktklasse, die auf eine Konflikt
dieser Konfliktklasse angewandt wurde, zur besten Lösung führte. Der dieser Maßnahme
zugeordnete Erfolgszähler wird dann inkrementiert. Anhand der Erfolgszähler können
die Maßnahmen einer Konfliktklasse sortiert werden.
[0016] Bei einer besonders bevorzugten Verfahrensvariante wird der Erfolg einer anwendbaren
Maßnahme bewertet und werden nur die als erfolgversprechend eingestuften Maßnahmen
der Erfahrungsbasis zum Bestimmen der Lösung eines Konfliktfalls entnommen. Der Erfolg
einer Maßnahme ist die Häufigkeit, mit der diese Maßnahme zur besten Lösung von Konflikten
unter bestimmten Konfliktumständen (= Konfliktklasse) geführt hat. Diese Häufigkeit
kann mit einem Gewichtungsfaktor kombiniert werden, der ausdrückt, um wie viel die
beste Lösung besser ist als die Durchschnittslösung im Lösungsraum. Insbesondere kann
die Qualität einer Lösung durch eine Kostenfunktion bestimmt werden. Somit kann der
Gewichtungsfaktor ausdrücken, um wie viel die beste Lösung billiger ist als der Kostendurchschnitt
im Lösungsraum. Es sind jedoch auch andere Maßnahmen denkbar, mit denen der Erfolg
einer Maßnahme bewertet werden kann. Dabei ist zu beachten, dass die gleiche Maßnahme
in verschiedenen Konfliktklassen, d.h. bei verschiedenen Konfliktumständen, verschieden
erfolgreich sein kann. Zur Auswertung des Erfolgs von Maßnahmen muss in der Regel
der gesamte Lösungsraum eines Konflikts bestimmt werden, weil nur so die beste Lösung
ermittelt werden kann. Wenn nur die als erfolgversprechend eingestuften Maßnahmen
der Erfahrungsbasis zum Bestimmen der Lösung eines Konfliktfalls und seiner evtl.
auftretenden Folgekonflikte entnommen werden, verringert sich der Lösungsraum. Dies
bedeutet, dass weniger Lösungen berechnet werden müssen, da die Berechnung nur auf
eine Auswahl von Maßnahmen gestützt wird.
[0017] Besonders vorteilhaft ist es, wenn ein Sortierschlüssel bestimmt wird, über den die
geeigneten Maßnahmen für einen zu lösenden Konflikt in der Erfahrungsbasis aufgefunden
werden können. Der Sortierschlüssel sortiert die Maßnahmen einer Konfliktklasse aufsteigend
nach ihrem Erfolg unter den Konfliktumständen dieser Konfliktklasse. Daraus ergibt
sich die beste, die zweitbeste, die drittbeste etc. Maßnahme für Konflikte dieser
Konfliktklasse. Der Sortierschlüssel bildet dabei einen Index für die Maßnahmen innerhalb
einer Konfliktklasse. Zusammen mit einem Konfliktklassenschlüssel bildet er eine Matrix.
Mit dieser Matrix kann man die geeignete Maßnahme für einen Konflikt in der Erfahrungsbasis
nachschlagen. Ein Konfliktklassenschlüssel wird beispielsweise durch die Konfliktklassen
des Klassifizierungssystems für Konflikte ausgedrückt. Der Sortierschlüssel wird durch
die Erfahrung bestimmt und kann sich ändern, wenn sich die Erfahrung im Laufe der
Zeit ändert. Die Erfahrung ist hierbei der Zusammenhang zwischen den Umständen eines
Konflikts (Konfliktumstand) und dem Erfolg von Maßnahmen, die zur Auflösung von Konflikten
mit diesem Konfliktumstand verwendet werden.
[0018] Beispielsweise in einem Eisenbahnsystem kann das Sortieren von Maßnahmen einer Konfliktklasse
von mehreren Sortierfaktoren abhängen, die in die Bewertung des Erfolgs einer Maßnahme
eingehen. Durch das Betriebskonzept der Eisenbahnverwaltung können Konflikttypen,
Maßnahmen zum Auflösen von Konflikten und eine Kostenfunktion zur Berechnung der Kosten
einer Lösung definiert werden. Ein weiterer Sortierfaktor sind die Konfliktumstandsklassen,
die auf genau dieses Eisenbahnsystem anwendbar sind. Insbesondere sind dies die Abstraktion
der Orts- und Fahrzeugparameter, die Infrastruktur und die Fahrpläne. Es kann berücksichtigt
werden, welche Maßnahmen in genau diesem Eisenbahnsystem gut greifen. Weiterhin kann
berücksichtigt werden, wie die Konfliktlösung Maßnahmen anwendet, nämlich fehlerhaft
oder korrekt.
[0019] Die Sortierung von Maßnahmen einer Konfliktklasse ist dabei nicht konstant. Die Sortierung
wird nicht einmalig bestimmt und ändert sich dann nicht mehr. Weiterhin ist die Sortierung
nicht deterministisch. Sie kann nicht theoretisch vorherberechnet werden, da sie nur
auf Erfahrung basiert. Die Sortierung ist weiterhin abhängig von den Sortierfaktoren
und reagiert auf Änderungen dieser Sortierfaktoren. Beim Start des Konfliktlösungssystems
ist die Sortierung unbestimmt, es liegt keine Sortierung vor. Während beim Systemstart
zum ersten Aufbau der Erfahrungsbasis komplette Lösungsräume für Konflikte berechnet
werden, wird die Sortierung schrittweise statistisch mehr und mehr relevant. Die Signifikanz
der Sortierung vor, während und nach dem ersten Aufbau der Erfahrungsbasis kann mit
einer statistischen Methode quantifiziert werden. Die Sortierung gilt nur für ein
gegebenes Verkehrssystem, für das sie erstellt wurde. Wenn die Sortierung einmal statistisch
signifikant war, d.h. gute Lösungen wurden schnell aufgefunden, führen plötzliche
Änderungen der Sortierfaktoren, wie beispielsweise der Kostenfunktion, dazu, dass
die Sortierung nicht mehr signifikant ist, d.h. gute Lösungen werden nicht mehr schnell
gefunden. Die Verbesserung bzw. Ausweitung der Erfahrungsbasis nach der Änderung der
Sortierfaktoren wird mit einer Verzögerung wieder zu einer Sortierung führen, die
für die geänderten Sortierfaktoren wieder statistisch signifikant ist.
[0020] Eine statistische Methode kann verwendet werden, um den mathematischen Zusammenhang
zwischen der Anzahl an ausgewerteten Maßnahmen auf der die Sortierung basiert und
der Wahrscheinlichkeit, dass eine als schlecht eingestufte Maßnahme erfolgreich sein
wird, zu bestimmen. Dieser Zusammenhang bestimmt, wie viele statistische Ereignisse
ausgewertet worden sein müssen, damit die Sortierreihenfolge statistisch signifikant
ist. Ein Beispiel einer statistischen Methode ist eine diskrete Zufallsvariable mit
Binominalverteilung.
[0021] Um eine gute Lösung zur Auflösung eines Konflikts schnell zu finden, wird festgelegt,
wie viele Maßnahmen einer Konfliktklasse als "gut" eingestuft sein sollen. Alle anderen
werden als "schlecht" eingestuft. Weiterhin wird definiert, mit welcher Wahrscheinlichkeit
eine als "schlecht" eingestufte Maßnahme zur besten Lösung führen darf. Wenn die Sortierung
in der Erfahrungsbasis statistisch signifikant ist, wird der Lösungsraum dadurch eingeschränkt,
dass nur noch als "gut" eingestufte Maßnahmen zur Lösungsberechnung benutzt werden.
Das schränkt die Anzahl der zu errechnenden Lösungen ein. Innerhalb des eingeschränkten
Lösungsraums wird die Lösung mit dem größten Gütefaktor, insbesondere mit den geringsten
Kosten bei Verwendung einer Kostenfunktion, als die bevorzugte Lösung erachtet. Es
ist auch denkbar, nur eine Lösung unter Verwendung der jeweils besten Maßnahmen für
die Originalsowie Folgekonflikte zu bestimmen.
[0022] Die Sortierung der Maßnahmen innerhalb einer Konfliktklasse kann optimiert werden.
Dies kann insbesondere dann geschehen, wenn die wenigen besten Maßnahmen einer Konfliktklasse
nicht wesentlich öfter die besten Lösungen erzielen als andere Maßnahmen derselben
Konfliktklasse. Dabei soll das Klassifizierungssystem so verbessert werden, dass die
wenigen besten Maßnahmen einer Konfliktklasse wesentlich öfter die besten Lösungen
erzielen als andere Maßnahmen derselben Konfliktklasse. Der Erfolg des Klassifizierungssystems
hängt von den abstrakten Orts- und Fahrzeugparameter ab. Insbesondere können die Parameter
und ihr Wertebereich optimiert werden. Der Wertebereich der Parameter kann erweitert
werden. Zur Optimierung können mehr als drei sortierende Werte wie "hoch", "mittel"
und "niedrig" für jeden oder einige Klassifikationsparameter eingeführt werden. Weiterhin
kann die Abbildung von Zugläufen oder der Infrastruktur auf die abstrakten Fahrzeugparameter
bzw. abstrakten Ortsparameter (Mapping) später, nachdem das Konfliktlösungssystem
einige Zeit gelaufen ist, optimiert werden. Die Grenzen zwischen den sortierenden
Werten "hoch", "mittel", "niedrig" können verändert werden. Insbesondere kann ursprünglich
vorgesehen sein, dass eine automatische oder halbautomatische Abbildung aller Zugläufe
auf sortierende Werte in etwa folgende Verteilung ergibt: "hoch" = 25 %, "mittel"
= 50 %, "niedrig" = 25 %. Zur Optimierung können die Wertebereiche verändert werden,
so dass beispielsweise dann einige Zugläufe, die vorher auf den Wert "niedrig" abgebildet
wurden, danach auf den Wert "mittel" abgebildet werden. Weiterhin ist zur Optimierung
möglich, dass einzelne Zugläufe oder einzelne Infrastrukturabschnitte später optimiert,
d.h. anders auf abstrakte Parameterwerte abgebildet werden als bei der ersten automatischen
oder halbautomatischen Abbildung. Damit kann man die Ausbreitung von Störungen berücksichtigen,
die als Folge der Anwendung von Maßnahmen auf solche Züge auftreten, die durch Hauptverkehrszonen
mit vielen Anschlüssen an andere Zugläufe oder verkehrsbedingte Nadelöhre oder über
besonders dicht frequentierte Strecken fahren.
[0023] In den Rahmen der Erfindung fällt außerdem ein Konfliktlösungssystem zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einem Speicher zum Speichern einer Erfahrungsbasis
und mit Mitteln zum Auswählen von Maßnahmen zur Auflösung eines Konflikts aus der
Erfahrungsbasis und Mitteln zum Bestimmen von Lösungen und des Gütefaktors einer Lösung.
Mit einem solchen Konfliktlösungssystem können Konflikte in einem spurgebundenen Verkehrssystem
schneller aufgelöst werden als mit Verfahren des Standes der Technik.
[0024] In den Rahmen der Erfindung fällt außerdem ein Computerprogramm zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0025] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels der Erfindung, anhand der Figuren der Zeichnung, die erfindungswesentliche
Einzelheiten zeigen, und aus den Ansprüchen. Die einzelnen Merkmale können je einzeln
für sich oder zu mehreren in beliebiger Kombination bei einer Variante der Erfindung
verwirklicht sein.
Zeichnung
[0026] Ein Ausführungsbeispiel ist in der schematischen Zeichnung dargestellt und wird in
der nachfolgenden Beschreibung erläutert. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
- Fig. 2a
- einen Lösungsbaum zur Darstellung eines vollständigen Lösungsraums;
- Fig. 2b
- eine vereinfachte Darstellung einer Matrix zum Auffinden von Maßnahmen einer Erfahrungsbasis;
- Fig. 2c
- einen Lösungsbaum zur Darstellung eines Lösungsraums bei Anwendung des erfindungsgemäßen
Verfahrens;
- Fig. 3
- eine Matrix zum Auffinden von Maßnahmen in einer Erfahrungsbasis;
- Fig. 4a
- eine Darstellung der Verwendung eines Erfolgszählers;
- Fig. 4b
- eine Matrix mit inkrementiertem Erfolgszähler;
- Fig. 5
- eine Zuordnung der abstrakten Fahrzeug- und Zugparameter;
- Fig. 6
- eine Zuordnung der abstrakten Ortsparameter; und
- Fig. 7
- eine Veranschaulichung der Ermittlung einer Konfliktumstandsklasse eines Konflikts.
[0027] In der
Fig. 1 ist das erfindungsgemäße Verfahren schematisch dargestellt. In einem Betriebskonzept
1 einer Eisenbahnverwaltung werden gültige Konflikttypen
2 aus betrieblicher Sicht festgelegt. Beispiel für einen Konflikttyp ist "Zugfolgekonflikt
auf freier Strecke". Jede Eisenbahnverwaltung hat in ihrem Betriebskonzept 1 einen
Katalog von Maßnahmen
3 zur Konfliktauflösung. Die Zuordnung, bei welchem Konflikttyp welche Maßnahme auf
Zug 1 und welche Maßnahme auf Zug 2 eines Konflikts anwendbar ist, wird beispielsweise
dadurch festgelegt, dass für jeden Konflikttyp einfach diejenigen Maßnahmen gestrichen
werden, die bei diesem Konflikttyp betrieblich oder technisch sinnlos sind. In der
Qualitätsnorm
4 wird durch die Eisenbahnverwaltung festgelegt, wie die Qualität einer Lösung bemessen
wird. Hierfür werden von der Eisenbahnverwaltung Richtlinien vorgegeben. Beispielsweise
wird die Qualität einer Lösung durch die Berechnung einer Kostenfunktion bestimmt.
Beispielsweise ist es möglich, die Kosten in Verspätungsminuten, die mit der Zugkategorie
gewichtet sind, zu bemessen und ein Verspätungsäquivalent für verlorene Verbindungen
zu addieren. Ein Klassifizierungssystem für Konflikte
5 weist die zwei Komponenten Konflikttypen und Konfliktumstandsklassen
6 auf. Über die Konfliktumstandsklassen werden die Umstände eines Konflikts mittels
abstrakter Parameter formalisiert. Die Konfliktklassen des Klassifizierungssystems
für Konflikte 5 werden in einer Erfahrungsbasis
7 abgelegt, wobei für jede Konfliktklasse mehrere Maßnahmen zur Lösung eines Konflikts
abgelegt sind. Hierbei erlaubt eine Matrix Zugriff auf eine Maßnahme der Erfahrungsbasis
7, wobei die Matrix einen Konfliktklassenschlüssel und Sortierschlüssel enthält, von
denen der Konfliktklassenschlüssel auf eine Konfliktklasse innerhalb der Erfahrungsbasis
und der Sortierschlüssel auf eine Maßnahme innerhalb einer Konfliktklasse weist.
[0028] Typischerweise gibt es mehr als eine Lösung, um einen Konflikt aufzulösen, nämlich
mindestens eine Lösung pro Maßnahme, die auf den Originalkonflikt angewendet wird,
und weitere Lösungen für alle Maßnahmen, die auf einen Folgekonflikt angewandt werden.
Der Lösungsraum besteht aus allen Lösungen zu einem Originalkonflikt, wobei jeder
Lösung ein Gütefaktor zugeordnet ist. Diese Lösungen erhält man, indem man auf den
Originalkonflikt und auf alle Folgekonflikte jeweils alle (gemäß Konflikttyp) anwendbaren
Maßnahmen anwendet. Zunächst werden auf den Originalkonflikt alle anwendbaren Maßnahmen
angewandt. Aus jeder Maßnahme ergibt sich eine neue Situation, meist mit Folgekonflikten.
Danach wird in jeder dieser neuen Situationen mit Folgekonflikten der zeitlich erste
Konflikt gelöst, indem alle auf diesen Konflikttyp anwendbaren Maßnahmen auf ihn angewandt
werden. Dies erzeugt wiederum eine neue Situation pro angewandter Maßnahme. Dies wird
so lange fortgesetzt, bis keine Folgesituation mit Konflikten mehr existiert oder
bis Konflikte so weit in der Zukunft liegen, dass sie nicht mehr interessieren. Wenn
beispielsweise jede Lösung zu einem Originalkonflikt aus einheitlich n = 4 Maßnahmen
besteht und bei jedem Original- oder Folgekonflikt einheitlich dieselbe Anzahl von
m anwendbaren Maßnahmen hat, besteht der Lösungsraum aus m
n Lösungen. Für n = 4 und m = 8 gibt es 4096 Lösungen. Wenn man, statt alle Lösungen
für alle Maßnahmen zu berechnen, nur die besten zwei Maßnahmen einer Konfliktklasse
anwendet, engt das den Lösungsraum im oben genannten Beispiel auf nur 16 Lösungen
ein. Daher muss der Gütefaktor für sehr viel weniger Lösungen bestimmt werden.
[0029] Dies soll anhand der
Figuren 2a bis 2c nochmals erläutert werden. Bei dem in der Fig. 2a dargestellten Lösungsbaum
10 stellt die Situation
S0 einen Original-Konfliktfall dar. Um diesen Konfliktfall aufzulösen, besteht die Möglichkeit,
eine der Maßnahmen
M1, M2, M3 anzuwenden. Für jede angewandte Maßnahme führt dies zu den Folgesituationen
S1, S2, S3, die jeweils einen Folgekonflikt darstellen, auf den wiederum verschiedene Maßnahmen
angewendet werden können, um ihn aufzulösen. Für die Situation S1 sind dies die Maßnahmen
M11, M12, die zu den Folgesituationen
S11, S12 führen. Der Folgekonflikt S2 kann durch die Maßnahmen
M21, M22, M23 aufgelöst werden, wobei jeweils die Situationen
S21, S22, S23 entstehen. Entsprechend können auf die Situation S3 die Maßnahmen
M31, M32, M33 angewandt werden, was zu den Folgesituationen
S31, S32, S33 führt. Im Beispiel der Fig. 2a stellen die Situationen S11, S12, S21, S22, S23, S31,
S32, S33 keine Konfliktsituationen dar, die aufgelöst werden müssen. Jeder Weg (Pfad)
durch den Lösungsbaum 10 von dem Originalkonflikt S0 zu einer konfliktfreien Situation
S11, S12, S21, S22, S23, S31, S32, S33 stellt eine Lösung dar. Ein vollständiger Lösungsbaum,
bei dem auf den Originalkonflikt und jeden Folgekonflikt alle anwendbaren Maßnahmen
angewandt wurden, entspricht dem Lösungsraum. Im Stand der Technik wird für jede Lösung
ein Gütefaktor für die Lösung ermittelt. Um die beste Lösung, d.h. die mit dem besten
Gütefaktor durch Vergleich zu erhalten, muss der gesamte Lösungsraum bestimmt werden.
Im Beispiel ist die Lösung
11, die beste Lösung.
[0030] In der Fig. 2b ist beispielhaft eine Matrix
12 vereinfacht dargestellt. Jede Situation bzw. jeder Konflikt S0, S1, S2, S3 ist einer
Konfliktklasse
KK1 - KK4 zugeordnet. Insbesondere sind die Konflikte S0, S1, S2, S3 den Konfliktklassen KK2,
KK1, KK4 und KK3 zugeordnet. Für jede Konfliktklasse KK1 - KK4 sind die anwendbaren
Maßnahmen abgelegt, wobei die Maßnahmen nach ihrer Erfolgsaussicht sortiert sind.
Dabei kann dieselbe Maßnahme in verschiedenen Konfliktklassen vorhanden sein. Beispielsweise
können M1 und M23 identisch sein. Für die Konfliktklasse KK2 ist die Maßnahme M1 die
erfolgversprechendste Maßnahme und M3 die am wenigsten Erfolg versprechende Maßnahme.
Wenn im Konfliktlösungssystem vorgegeben ist, dass zum Auffinden der besten Lösung
nur die beiden Maßnahmen zur Auflösung eines Konflikts herangezogen werden sollen,
die am meisten Erfolg versprechen, erhält man den (unvollständigen) Lösungsbaum der
Fig. 2c.
[0031] Auf die Original-Konfliktsituation S0 werden nur die Maßnahmen M1, M2, die zu den
Folgesituationen S1, S2 führen, angewendet. Auf die Folgekonflikt-Situationen S1,
S2 werden jeweils die Maßnahmen M11, M12 bzw. M22, M21 angewendet, so dass die konfliktfreien
Situationen S11, S12, S22, S21 erhalten werden. Der Gütefaktor muss daher nur für
die Lösungen, die zu den Situationen S11, S12, S22, S21 führen, bestimmt werden. Durch
Vergleich der Gütefaktoren erhält man wiederum die Lösung 11 als günstigste Lösung,
jedoch wesentlich schneller, da weniger Lösungen berechnet werden müssen.
[0032] In der
Fig. 3 ist eine Matrix
20 zum Auffinden von Maßnahmen in einer Erfahrungsbasis dargestellt. Der Konfliktklassenschlüssel
K, der auf der Abszisse abgebildet ist, bildet zusammen mit dem Sortierschlüssel
SS (abgebildet auf der Ordinate) für die Maßnahmen
Ma - Mi innerhalb einer Konfliktklasse
KK1 - KK7 eine Matrix 20. Die anwendbaren Maßnahmen M
a - M
i sind für jede Konfliktklasse KK1 - KK7 nach ihrem Erfolg unter den Konfliktumständen
der jeweiligen Konfliktklasse KK1 - KK7 sortiert. Mit dieser Matrix 20 kann die anwendbare
Maßnahme M
a - M
i für einen Konflikt in der Erfahrungsbasis nachgeschlagen werden. Eine Maßnahme M
x kann in mehr als einer Konfliktklasse anwendbar sein. Die Maßnahme M
g ist beispielsweise anwendbar auf die Konfliktklassen KK1, KK3, KK4 und KK6. Für die
Konfliktklasse KK1 ist sie die beste Maßnahme, für Konfliktklasse KK3 ist sie die
acht-beste Maßnahme, für Konfliktklasse KK4 ist sie die dritt-beste Maßnahme, für
Konfliktklasse KK6 ist sie die fünft-beste Maßnahme.
[0033] Für jede Konfliktklasse gibt es pro anwendbarer Maßnahme einen in der Fig. 3 nicht
dargestellten Erfolgszähler. Für die Maßnahme M
g gibt es vier separate Erfolgszähler: je einen für die Konfliktklassen KK1, KK3, KK4
und KK6.
[0034] Die Erfahrungsbasis wird durch die Auswertung von vollständig durchgerechneten Lösungsbäumen
aufgebaut. Wenn ein Konflikt der Konfliktklasse KK1 durch die Maßnahme M
g am besten gelöst worden ist, dann wird der Erfolgszähler für M
g in der Konfliktklasse KK1 um 1 erhöht. Wenn ein Konflikt der Konfliktklasse KK3 durch
Maßnahme M
g am besten gelöst wird, dann wird der Erfolgszähler für M
g in der Konfliktklasse KK3 um 1 erhöht, etc. Nach jeder Änderung eines Erfolgszählers
wird die Sortierung der Maßnahmen innerhalb der entsprechenden Konfliktklasse überprüft
und ggf. nachgezogen.
[0035] Die Verwendung des Erfolgzählers
Zx wird nachfolgend anhand der
Fig. 4a nochmals erläutert. Der Erfolg einer Maßnahme M
x ist die Häufigkeit mit der diese Maßnahme M
x zur besten Lösung (niedrigste Kosten) von Konflikten unter bestimmten Konflikt-Umständen
(Konflikt-Klasse) geführt hat. Um diese Häufigkeit ermitteln zu können, werden Erfolgszähler
Z
x verwendet. Für jede Konfliktklasse KK1 - KK7 gibt es pro anwendbare Maßnahme M
x einen Erfolgszähler Z
x. Eine Maßnahme M
x kann in mehr als einer Konfliktklasse KKx anwendbar sein. Dann gibt es für diese
Maßnahme M
x mehrere Erfolgszähler Z
x. Für jede anwendbare Maßnahme im o.g. Sinne gibt es einen Erfolgszähler (pro Konfliktklasse),
d.h. innerhalb derselben Konfliktklasse braucht man für "Halt verlängern bei Zug 1"
und "Halt verlängern bei Zug 2" zwei Erfolgszähler. In der Fig. 4a ist die Maßnahme
M
e in den vier Konfliktklassen KK2, KK4, KK5 und KK7 anwendbar. Deshalb gibt es für
M
e vier separate Erfolgszähler Z
e: je einen für die Konfliktklassen KK2, KK4, KK5 und KK7. In der Fig. 4a sind zunächst
alle Erfolgszähler Z
x auf den Wert 100 gesetzt.
[0036] Wenn die Erfahrungsbasis aufgebaut wird, wird die Konfliktklasse zu Konflikt K aus
dem Lösungsbaum ermittelt, beispielsweise KK6. Weiterhin wird ermittelt, welche Maßnahme,
die auf Konflikt K angewandt wurde, zur besten Lösung führte, beispielsweise die Maßnahme
M
c. Der Erfolgszähler Z
c für die Maßnahme M
c bei Konfliktklasse KK6 wird ermittelt und inkrementiert (
Fig. 4b). Nach jeder Änderung eines Erfolgszählers Z
x wird in der Erfahrungsbasis die Sortierung der Maßnahmen M
x innerhalb der entsprechenden Konfliktklasse KKx überprüft und ggf. nachgezogen. Es
sind Varianten für das Zählen des Erfolgs denkbar. Das Zählen kann beispielsweise
mit einem Gewichtungsfaktor kombiniert werden. Weitere Varianten beziehen sich darauf,
welche und wie viele Maßnahmen eines Lösungsbaums bei der Erfolgszählung berücksichtigt
werden. Die Auswertung kann auf nur die Maßnahmen beschränkt werden, die auf den Originalkonflikt
angewandt wurden (d.h. nur M1 in Fig.2c), oder auf die Maßnahmen, die auf alle Konflikte
der besten Lösung (M1, M12 in Fig. 2c) angewandt wurden, oder überhaupt alle auf irgendeinen
gelösten Konflikt des Lösungsbaums angewandten Maßnahmen berücksichtigen, die diesen
(Folge)-Konflikt am besten gelöst haben (M1, M12, entweder M22 oder M21, je nachdem
welche der beiden entsprechenden Lösungen kostengünstiger ist).
[0037] In der
Fig. 5 ist die Zuordnung der abstrakten Fahrzeug- bzw. Zugparameter dargestellt. In Abhängigkeit
von einem Fahrplan
FP, z.B. einem Winter- oder Sommerfahrplan, erfolgt für jede Zugnummer
NR eine Abbildung auf abstrakte Zugparameter. Dem Zug mit der Zugnummer NR = 4711 ist
eine Zugpriorität
ZP mit dem Wert "niedrig"
N, eine Zugleistung
ZL mit dem Wert "mittel"
M, eine Zuglaufpriorität
ZLP mit dem Wert "mittel" M und eine Priorität der Linienwiederherstellung
PLW mit dem Wert "hoch"
H zugeordnet. Entsprechend sind dem Zug mit der Nummer NR = 0815 die Parameter ZP =
H, ZL = N, ZLP = M und PLW = H zugeordnet.
[0038] In der
Fig. 6 ist die Zuordnung der abstrakten Ortsparameter veranschaulicht. Für jeden möglichen
Konfliktort erfolgt eine Abbildung der Infrastruktur
IS auf abstrakte Ortsparameter. Dem Ort mit der Ortsidentifikationsnummer
OI = 1234 ist in beide Richtungen
R ein Umleitungspotential
UP mit dem Wert "niedrig" N zugeordnet. Dem Ort mit der Nummer OI = 1235 ist in der
einen Richtung R das Umleitungspotential UP = H (hoch) und in der anderen Richtung
R das Umleitungspotential UP = N zugeordnet.
[0039] In der
Fig. 7 ist die Ermittlung der Konfliktumstandsklasse
KU eines Konflikts zwischen den Zügen mit der Nummer NR = 4711 (Zug 1
Z1) und NR = 0815 (Zug 2
Z2) dargestellt. Aus den abstrakten Zug- und Ortsparametern in der oberen Hälfte der
Fig. 7, d.h. oberhalb der Linie L werden Konfliktformalisierungsparameter ermittelt,
die dieselbe Bezeichnung wie die abstrakten Parameter haben. Der Konfliktformalisierungsparameter
Zugpriorität ZP erhält den vergleichenden Wert Z1 < Z2, die Zugleistung ZL den Wert
Z1 > Z2, die Zuglaufpriorität ZLP den Wert Z1 = Z2, die Priorität der Linienwiederherstellung
PLW den Wert Z1 = Z2 und das Umleitungspotential den Wert Z1 = Z2. Alle Konflikte
mit derselben Kombination von Werten für die Konflikt-Formalisierungsparameter gehören
zu derselben Konfliktumstandsklasse KU. Bei einem Konflikt mit nur einem Zug kann
vorgesehen sein, dass dieser als Zug 1 Z1 mit einem Referenzzug Z2 verglichen wird,
der in allen abstrakten Parametern den Wert "mittel" hat.
[0040] Bei einem Verfahren zum Auflösen von Konfliktsituationen (S0, S1, S2) in einem spurgebundenen
Verkehrssystem wird eine Auswahl von Maßnahmen (M1, M2, M11, M12, M21, M22), die zur
Auflösung des Konflikts geeignet sind, einer Erfahrungsbasis entnommen und werden
nur diese Maßnahmen (M1, M2, M11, M12, M21, M22), die zu Folgesituationen führen,
bei der Bestimmung einer Lösung (11) berücksichtigt. Für jede Lösung wird ein Gütefaktor
ermittelt und anschließend wird durch Vergleich der Gütefaktoren die beste Lösung
(11) bestimmt und angewandt.
1. Verfahren zum Steuern der Belegung in einem spurgebundenen Verkehrssystem bei einem
Belegungskonfliktfall (S0, S1, S2, S3) oder einem technischen Konfliktfall, wobei
mögliche alternative Maßnahmen (M1 - M33; Ma - Mi) zur Auflösung des Konfliktfalls (S0, S1, S2, S3) ermittelt und beim Ermitteln einer
Lösung berücksichtigt werden, für jede Lösung ein Gütefakor bestimmt wird, und die
Lösung (11) mit dem besten Gütefaktor angewendet wird, dadurch gekennzeichnet, dass eine Auswahl von zur Auflösung des Konfliktfalls in Frage kommenden Maßnahmen (M1,
M2, M11, M12, M21, M22) einer Erfahrungsbasis (7) entnommen werden und nur diese Maßnahme(n)
(M1, M2, M11, M12, M21, M22) bei der Ermittlung von Lösungen (11) berücksichtigt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass für einen Konfliktfall (S0) eine Auswahl an Maßnahmen (M1, M2) der Erfahrungsbasis
(7) entnommen wird und für jeden durch eine auf den Konfliktfall (S0) angewendete
Maßnahme (M1, M2) entstehenden Folgekonfliktfall (S1, S2) ebenfalls eine Auswahl von
Maßnahmen (M11, M12, M21, M22) der Erfahrungsbasis (7) entnommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfahrungsbasis (7, 12) in betriebsschwachen Zeiten eines Konfliktlösungssystems
und/oder nach einer Erstimplementierung des Verfahrens, insbesondere der Erstinstallation
in dem Konfliktlösungssystem, aufgebaut wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass Konflikttypen (2) und Konfliktumstandsklassen (6, KU) definiert werden, die einer
Konfliktklasse (5, KK1- KK7) zugeordnet werden und die Konfliktklassen (5, KK1 - KK7)
in der Erfahrungsbasis (7) abgelegt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Konfliktklasse (5, KK1 - KK7) die anwendbaren Maßnahmen (M1 - M33, Ma - Mi) zur Auflösung eines Konflikts zugeordnet werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die anwendbaren Maßnahmen (M1 - M33, Ma - Mi) innerhalb einer Konfliktklasse (5, KK1 - KK7) sortiert werden.
7. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Konfliktumstandsklasse (6, KU) Konflikte anhand ihrer formalisierten Umstände
klassifiziert werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Klassifizierung anhand von abstrakten Orts- und Fahrzeugparametern (ZP, ZL, ZLP,
PLW, R, UP) erfolgt.
9. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass jeder anwendbaren Maßnahme (M1 - M33, Ma - Mi) einer Konfliktklasse (KK1 - KK7) ein Erfolgsfaktor (Erfolgszähler Za - Zf) zugeordnet wird.
10. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Erfolg einer Maßnahme (M1 - M33, Ma - Mi) bewertet wird und nur die als Erfolg versprechend eingestuften Maßnahme(n) (M1,
M2, M11, M12, M21, M22) der Erfahrungsbasis (7) zum Bestimmen der Lösung (11) eines
Konfliktfalls entnommen werden.
11. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Sortierschlüssel (SS) bestimmt wird, über den die geeigneten Maßnahmen (M1 -
M33) für einen aufzulösenden Konflikt in der Erfahrungsbasis (7) aufgefunden werden
können.
12. Konfliktlösungssystem zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 mit einem Speicher
zum Speichern einer Erfahrungsbasis und mit Mitteln zum Auswählen von Maßnahmen zur
Auflösung eines Konflikts aus der Erfahrungsbasis und Mitteln zum Bestimmen von Lösungen
und des Gütefaktors einer Lösung.
13. Computerprogramm zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1.