[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 mit
einer Lavaldüse für das thermische Spritzen und das kinetische Spritzen, insbesondere
für das Kaltgasspritzen, mit einem konvergierenden und mit einem divergierenden Abschnitt.
Solche Düsen werden beim Kaltgasspritzen verwendet und dienen zur Herstellung von
Beschichtungen oder Formteilen. Dazu werden pulverförmige Spritzpartikel in einen
Gasstrahl, für welchen ein komprimiertes und erhitztes Gas über die Lavaldüse entspannt
wird, mittels eines Pulverrohrs injiziert. Die Spritzpartikel werden bei Entspannung
des Gasstrahls im divergenten Teil der Lavaldüse auf hohe Geschwindigkeiten oberhalb
der Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Die Spritzpartikel treffen dann auf das Substrat
auf und verschweißen aufgrund ihrer hohen kinetischen Energie zu einer äußerst dichten
Schicht. Die Düse eignet sich aber neben dem Kaltgasspritzen auch für die anderen
Verfahren des thermischen Spritzens, wie das Flammspritzen oder das Hochgeschwindigkeitsflammspritzen
mit inerten oder reaktiven Spritzkomponenten.
[0002] Es ist bekannt, auf Werkstoffe unterschiedlichster Art Beschichtungen mittels thermischen
Spritzens aufzubringen. Bekannte Verfahren hierfür sind beispielsweise Flammspritzen,
Lichtbogenspritzen, Plasmaspritzen oder Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen. In jüngerer
Zeit wurde ein Verfahren entwickelt, das sog. Kaltgasspritzen, bei welchem die Spritzpartikel
in einem "kalten" Gasstrahl auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt werden. Die Spritzpartikel
werden als Pulver zugegeben, wobei das Pulver üblicherweise zumindest teilweise Partikel
mit einer Größe von 1-50 µm umfasst. Nach der Injektion der Spritzpartikel in den
Gasstrahl wird das Gas in einer Düse entspannt, wobei Gas und Partikel auf Geschwindigkeiten
oberhalb der Schallgeschwindigkeit beschleunigt werden. Beim Aufprall mit hoher Geschwindigkeit
bilden die Partikel, die in dem "kalten" Gasstrahl nicht schmelzen, eine dichte und
fest haftende Schicht, wobei plastische Verformung und daraus resultierende lokale
Wärmefreigabe für Kohäsion und Haftung der Spritzschicht auf dem Werkstück sorgen.
Ein Aufheizen des Gasstrahls erhöht die Strömungsgeschwindigkeit des Gases und somit
auch die Partikelgeschwindigkeit. Außerdem erwärmt es die Partikel und begünstigt
dadurch deren plastische Verformung beim Aufprall. Die Gastemperatur kann bis zu 800
°C betragen, liegt aber deutlich unterhalb der Schmelztemperatur des Beschichtungswerkstoffs,
so dass ein Schmelzen der Partikel im Gasstrahl nicht stattfindet. Eine Oxidation
und Phasenumwandlungen des Beschichtungswerkstoffes lassen sich somit weitgehend vermeiden.
[0003] Ein solches Verfahren und eine Vorrichtung zum Kaltgasspritzen sind in der europäischen
Patentschrift
EP 0 484 533 B1 im einzelnen beschrieben. Als Düse wird dabei eine de Laval'sche Düse benutzt, im
folgenden kurz Lavaldüse genannt. Lavaldüsen bestehen aus einem konvergenten und einem
sich in Stromrichtung daran anschließenden divergenten Abschnitt. Charakterisiert
sind Lavaldüsen durch die Kontur und die Länge des divergenten Abschnitts und des
Weiteren durch das Verhältnis des Austrittquerschnitts zum engsten Querschnitt (=
Expansionsverhältnis). Der engste Querschnitt der Lavaldüse heißt Düsenhals. Als Prozessgas
werden Stickstoff, Helium, Argon, Luft oder deren Gemische verwendet. Meist kommt
jedoch Stickstoff zur Anwendung, höhere Partikelgeschwindigkeiten werden mit Helium
oder Helium-Stickstoff-Gemischen erreicht.
[0004] Die dort beschriebene und derzeit übliche Düse hat die Form eines Doppelkegels mit
einer Gesamtlänge von etwa 100 mm. Sie hat ein Expansionsverhältnis von etwa 9, daneben
wird auch eine Variante mit einem Expansionsverhältnis von 6 verwendet. Die Länge
des konvergenten Abschnittes beträgt etwa 1/3, die des divergenten Abschnittes 2/3
der Düsenlänge. Der Düsenhals hat einen Durchmesser von etwa 2,7 mm.
[0005] Derzeit sind Vorrichtungen zum Kaltgasspritzen auf Drücke von etwa 1 MPa bis zu einem
Maximaldruck von 3,5 MPa und Gastemperaturen bis zu etwa 800 °C ausgelegt. Das erhitzte
Gas wird zusammen mit den Spritzpartiken in der Lavaldüse entspannt. Während der Druck
in der Lavaldüse abfällt, steigt die Gasgeschwindigkeit auf Werte bis zu 3000 m/s
und die Partikelgeschwindigkeit auf Werte bis zu 2000 m/s.
[0006] Aus der
DE 101 26 100 A1 ist eine Vorrichtung zum Kaltgasspritzen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt.
Die dort gezeigte Düse hat - sieht man von der Injektordüse für das Pulver ab - im
divergenten Bereich der Ausführungen der Figuren 1 und 2c eine reine Kegelform. Die
Ausführung der Figur 2a hat eine Zylinderform, die der Figur 2b eine Krümmung nach
außen. "Krümmung nach außen" heißt, dass die Linie der Begrenzung in Figur 2b unten
in Flussrichtung des Gases eine Krümmung nach rechts, also nach außen, aufweist. Die
obere Begrenzungslinie weist eine Krümmung nach links auf, also ebenfalls nach außen.
Die Querschnittsflächen der Düse wachsen beim weiter nach außen Gehen also schneller
als bei einem entsprechenden Kegel.
[0007] Auf einem ganz anderen Gebiet der Technik, nämlich dem der Raketentriebwerke, werden
als Schubdüsen ebenfalls Lavaldüsen verwendet. Die dortigen Düsen haben ein wesentlich
größeres Expansionsverhältnis. Hier kommt es nur darauf an, das Gas (bzw. das Verbrennungsprodukt)
auf möglichst kurzem Wege möglichst stark zu beschleunigen. Ein Problem der Raketendüsen
ist dabei die Schubreduktion durch Strahldivergenz am Düsenaustritt. Dies wird in
dem Lehrbuch "
Gas Dynamics, Vol. 1", Seite 232 und 233, beschrieben. Aus diesem Grunde besitzen schuboptimierte Raketendüsen eine glockenförmige
Kontur, die dafür sorgt, dass das Gas möglichst parallel strömend die Düse verlässt
(= Parallelstrahldüse). Das Strömungsverhalten von Partikeln, die in den Verbrennungsprodukten
der Rakete enthalten sind und mit ihnen die Düse verlassen, ist für die Optimierung
der Düse von untergeordneter Bedeutung. Beim thermischen Spritzen und insbesondere
beim Kaltgasspritzen hat dagegen das Verhalten der Partikel im Freistrahl hinter der
Düse eine vorrangige Bedeutung.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Düse für das thermische und das kinetische Spritzen
dahingehend zu verbessern, dass die Auftragswirkung gesteigert wird und dabei die
Neigung der Partikel zur Ablagerung an der Düsenwand verringert wird.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst von einer Düse, bei der der ganze divergierende
Abschnitt oder zumindest ein Teil des divergierenden Abschnittes eine glockenförmige
Kontur aufweist. Eine solche Düse, die vergleichbare Abmessungen wir die oben beschriebene
Standarddüse bezüglich Düsenlänge, Längenverhältnis konvergenter zu divergentem Abschnitt,
Expansionsverhältnis, Durchmesser des Düsenhalses usw. hat, jedoch erfindungsgemäß
eine glockenförmige Kontur des divergenten Düsenabschnitts hat, zeigt ein wesentlich
besseres Auftragsverhalten. In einem Vergleichstest zwischen einer Standarddüse und
einer Düse mit Glockenform ergab sich bei Verwendung des gleichen Kupferpulvers mit
Körnung 5 bis 25 µm und sonst gleichen Prozessparametern bezüglich Gasdruck, Gastemperatur,
Gasfluss, Pulverförderate, Spritzabstand etc. eine Steigerung des Auftragswirkungsgrades
von 50 bis 55 % auf 60 bis 65 %. Allein die - mit dem Auge fast gar nicht erkennbare
- kleine Abänderung des divergenten Teils von einer Kegelform zu einer Glockenform,
also eine zunächst überproportionale, dann unterproportionale Aufweitung im Vergleich
zu einer Kegelform, ergibt diese deutliche Steigerung der Auftragswirkung. Als Auftragswirkungsgrad
bezeichnet man die Menge des haften gebliebenen Pulvers zu der im gleichen Zeitraum
gespritzten Pulvermenge je Flächeneinheit.
[0010] Günstig ist, wenn der ganze divergente Abschnitt glockenförmig gestaltet ist. Es
reicht aber auch aus, wenn nur ein Teil des divergenten Abschnitts Glockenform hat
und der Rest anders gestaltet ist, zum Beispiel als Konus oder als Zylinder. Bevorzugt
hat der Beginn des divergierenden Abschnitts Glockenform. Diese zieht sich dann über
ein Drittel oder die Hälfte der Länge des divergierenden Abschnitts hin. Danach kann
die Düse in eine andere Form übergehen, wobei es günstig ist, wenn die Düse keine
Unstetigkeiten oder "Knicke" in ihrem Verlauf aufweist. Vermieden werden sollte ein
abrupter Übergang von Glockenform auf Konus oder von Konus auf Zylinder, da abrupte
Übergänge die Gleichförmigkeit des Gasflusses stören.
[0011] In einer Ausführung ist die glockenförmige Kontur so gestaltet, dass eine Parallelstrahldüse
vorliegt, das heißt, der Strahl verlässt die Düse parallel, ohne Aufweitung. Diese
zweite Variante der Erfindung mit gleichem Durchmesser im Düsenhals, aber einem längeren
divergenten Abschnitt, dessen glockenförmige Kontur so ausgelegt wurde, dass eine
Parallelgasströmung erzielt wird, ergibt bei sonst gleichen Prozessparametem sogar
einen Auftragswirkungsgrad von 75 bis 80 %.
[0012] In einer Ausführung der Erfindung ist die Gesamtlänge der Düse zwischen 60 und 300
mm, wobei bevorzugt Düsen mit Gesamtlängen von 100 bis 200 mm verwendet werden.
[0013] Bevorzugt ist ebenfalls, dass die Querschnittsfläche im Düsenhals 3 bis 25 mm
2 beträgt, besonders bevorzugt 5 bis 10 mm
2.
[0014] Günstige Ergebnisse haben sich bei Düsen ergeben, deren Erweiterungsverhältnis zwischen
1 und 25 liegt.
[0015] Günstig sind auch Düsen, bei denen die Austrittsmachzahl zwischen 1 und 5, besonders
günstig zwischen 2,5 und 4 liegt.
[0017] In einer Ausführung der Erfindung ist ein Pulverrohr in der Düse vorgesehen, welches
der Zufuhr der Spritzpartikel dient und im divergenten Abschnitt der Düse endet.
Solche Pulverrohre und Düsengeometrien sind in der
DE 101 26 100 A1 gezeigt.. Der divergente Abschnitt der Düse weist aber immer zumindest einen glockenförmigen
Abschnitt auf.
[0018] In einer weiteren Variante, bei der die Kontur noch besser auf Stickstoff als Prozessgas
und Kupfer als Spritzwerkstoff abgestimmt wurde, wurde ein Auftragswirkungsgrad von
über 80 % erreicht. Die Optimierung erfolgte dann durch Variation der Düsenkontur
und Berechnung der danach erreichbaren Partikelgeschwindigkeiten. Die signifikante
Steigerung des Auftragswirkungsgrades durch die Erfindung ist darauf zurückzuführen,
dass mehr bzw. auch größere Pulverpartikel die für das Haften der Partikel notwendige
Mindestgeschwindigkeit überschreiten.
[0019] Die bessere Beschleunigung der Partikel durch die neue Düse erlaubt auch die Verwendung
eines gröberen Pulvers. So können nun Pulver mit Kömungen zwischen 5 und 106 µm statt
der bisher verwendeten Pulver von 5 bis 25 µm eingesetzt werden, wobei die bekannten
Pulver selbstverständlich weiterhin einsetzbar sind. Gröbere Pulver sind wesentlich
kostengünstiger. Ein weiterer Vorteil der gröberen Pulver besteht darin, dass es beim
Spritzen mit diesen Pulvern erst bei höheren Gastemperaturen zu Ablagerungen an der
Düsenwand kommt. Eine höhere Gastemperatur bewirkt eine höhere Strömungsgeschwindigkeit
des Gases und einen geringeren Gasverbrauch, insgesamt also Kosteneinsparungen bei
Pulver und Gas bei der Herstellung der Schichten.
[0020] In der Lavaldüse der Erfindung ist die Länge des konvergenten Abschnittes wesentlich
kleiner als die Länge des divergenten Abschnittes und der divergente Abschnitt hat
insgesamt eine Glockenform, im Gegensatz zu der Düse der Figur 2b der
DE 101 26 100 A1. Der konvergierende Abschnitt ist über seine ganze Länge konisch gestaltet. Durch
die Glockenform wird erreicht, dass der Strahl praktisch parallel die Düse verlässt
und nachteilige Effekte wie Verdichtungsstöße am Düsenaustritt oder Druckknoten im
Freistrahl deutlich vermindert werden.
[0021] Glockenform meint, dass ab der Verjüngung, also ab dem Hals der Düse ein konvexkonkaver
Kurvenverlauf erfolgt, wobei der durchströmte Querschnitt stets größer wird oder zumindest
gleich bleibt, aber nie kleiner wird.
1. Vorrichtung zum Kaltgasspritzen oder zum Hochgeschwindigkeitsflammspritzen, bei welcher
Spritzpartikel in einen Gasstrahl eingespritzt werden, mit einer Lavaldüse, welche
das Gas gemeinsam mit den Spritzpartikeln entspannt, wobei die Lavaldüse einen konvergenten
und einen divergenten Abschnitt aufweist und eine Austrittsmachzahl zwischen 2,5 und
5 generiert, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Teil des divergenten Abschnitts eine glockenförmige Kontur besitzt.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontur so gestaltet ist, dass eine Parallelstrahldüse vorliegt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtlänge der Düse zwischen 60 und 300 mm, vorzugsweise zwischen 100 und 200
mm liegt.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass die Querschnittsfläche im Dusenhals 3-25 mm2, vorzugsweise 5 bis 10 mm2 beträgt.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Erweiterungsverhältnis zwischen 1 und 25 beträgt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Austrittsmachzahl zwischen 2,5 und 4 liegt.
1. An apparatus for cold gas spraying or for high-velocity flame spraying, in which spray
particles are injected into a gas jet, the apparatus having a Laval nozzle which expands
the gas together with the spray particles, wherein the Laval nozzle has a convergent
section and a divergent section and generates an exit Mach number between 2.5 and
5, characterized in that at least a portion of the divergent section has a bell-shaped contour.
2. An apparatus in accordance with claim 1, characterized in that the contour is shaped such that a parallel jet nozzle is present.
3. An apparatus in accordance with claim 1 or claim 2, characterized in that the overall length of the nozzle lies between 60 and 300 mm, preferably between 100
and 200 mm.
4. An apparatus in accordance with any one of the preceding claims, characterized in that the cross-sectional area in the nozzle throat amounts to 3 to 25 mm2, preferably to 5 to 10 mm2.
5. An apparatus in accordance with any one of the preceding claims, characterized in that the expansion ratio amounts to 1 to 25.
6. An apparatus in accordance with any one of the claims 1 to 5, characterized in that the exit Mach number lies between 2.5 and 4.
1. Dispositif pour la pulvérisation de gaz froids ou pour la pulvérisation à la flamme
à haute vitesse, dans lequel des particules de pulvérisation sont pulvérisées dans
un jet de gaz, avec une buse de Laval qui détend le gaz conjointement avec les particules
de pulvérisation, où la buse de Laval présente une section convergente et une section
divergente et génère un nombre de Mach de sortie entre 2,5 et 5, caractérisé en ce qu'au moins une partie de la section divergente possède un contour en forme de cloche.
2. Dispositif selon la revendication 1, caractérisé en ce que le contour est réalisé de façon à disposer d'une buse à jets parallèles.
3. Dispositif selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que la longueur totale de la buse est entre 60 et 300 mm, de préférence entre 100 et
200 mm.
4. Dispositif selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la face en section transversale dans le col de buse est de 3-25 mm2, de préférence de 5 à 10 mm2.
5. Dispositif selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le rapport d'élargissement est entre 1 et 25.
6. Dispositif selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le nombre de Mach de sortie est entre 2,5 et 4.