[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auftragen von mindestens einer Streichfarbe
mit einem hohen Feststoffgehalt auf eine Materialbahn.
[0002] Wie allgemein bekannt ist, werden Streichfarben zwecks einer besseren Auftragbarkeit
vor dem Auftragen mit einem Verdünnungsmittel verdünnt. Um eine durch die Verdünnungsmittel
verursachte tiefe Penetration der aufgebrachten Farbe in die Materialbahn, insbesondere
eine Papier- oder Kartonbahn, zu vermeiden, und um eine schnelle Trocknung der aufgebrachten
Farbe sicherzustellen, geht der Trend immer mehr zu Farben mit zunehmend höheren Feststoffgehalten.
Bei der Verarbeitung von Farben mit zunehmend höheren Feststoffgehalten stößt man
jedoch mit der Höhe der Feststoffkonzentration an von der Streichmaschine vorgegebene
Grenzen. Diese von der Streichmaschine vorgegebenen Grenzen variieren in Abhängigkeit
vom verwendeten Streichverfahren.
[0003] So tritt bei der Verwendung von Farben mit hohen Feststoffgehalten bei Klingenstreichaggregaten
ein so genanntes "Bleeding" oder auch "Bladeüberkochen" auf. Da aufgrund des hohen
Feststoffgehalts die Streichfarbe schnell trocknet, bilden sich hinter der Rakelklinge
beim Abrakeln der überschüssigen Farbe kleine angetrocknete zähe Farbklumpen, die
in die Umgebung wegspritzen, wodurch das Phänomen des so genannten "Bleeding" oder
"Bladeüberkochen" entsteht. Da die abzurakelnde Farbe sehr zäh ist, ist ein sehr hoher
Anpressdruck der Rakelklinge erforderlich. Dieser hohe Anpressdruck, mit dem die Rakelklinge
bei einem hohen Feststoffgehalt der Farbe gegen die Materialbahn gedrückt werden muss,
kann jedoch zu einer Beschädigung der Materialbahn führen, wobei es im Extremfall
sogar zu einem Abriss der Materialbahn kommen kann. Hohe Feststoffgehalte der Streichfarbe
führen auch zu erhöhtem Verschleiß der Rakelklinge.
[0004] Bei Filmstreichaggregaten, also wo die Streichfarbe zunächst auf die Oberfläche einer
Auftragswalze aufgebracht und danach in einem Nip an die Materialbahn abgegeben wird,
führen diese hohen Feststoffgehalte in den Streichfarben zu einem so genannten "Stabspucken"
am Rakelstab. Dabei entstehen aufgrund der angetrockneten zähen Streichfarbe kleine
Farbperlen, die in die Umgebung wegspritzen. Durch dieses Phänomen des so genannten
"Stabspucken" wird die Oberflächengüte der Materialbahn beeinträchtigt.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die obengenannten Nachteile beim Aufstreichen
einer Streichfarbe mit hohem Feststoffgehalt auf eine Materialbahn, insbesondere aus
Papier oder Karton, zukünftig zu vermeiden.
[0006] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch ein Verfahren zum Auftragen von mindestens
einer Farbe mit einem hohen Feststoffgehalt auf eine Materialbahn, wobei der Auftrag
mit mindestens einem Vorhangauftragswerk erfolgt. Bei dem mindestens einen Vorhangauftragswerk
bildet die Farbe beim Auftragen einen flüssigen Vorhang, der sich aus einer Austrittsdüse,
aus der die Farbe austritt, auf die zu bestreichende Materialbahn erstreckt. Dadurch
können zukünftig die oben beschriebenen Phänomene, die aus der ungünstigen Rheologie
der zäh gewordenen Farbe resultieren, nicht mehr auftreten. Die Streichfarbe kann
dabei im sogenannten 1:1 Auftrag aufgebracht werden. Das bedeutet, dass nur soviel
Menge an Streichfarbe aufgebracht wird, wie auf der Materialbahn auch verbleiben soll.
Es sind dadurch keine Rakelelemente, wie Rakelklinge oder Rakelstäbe notwendig, wodurch
die Nachteile des Standes der Technik vermieden werden können. Ein derartiges Vorhangauftragswerk
ist in der DE-A1 100 12 344.9 beschrieben.
[0007] Die Farbe kann zweckmäßigerweise anorganische Farbpigmente aufweisen.
[0008] Da Kalziumkarbonat zu den wichtigsten Streichpigmenten zählt, können die anorganischen
Farbpigmente Kalziumkarbonat sein.
[0009] Das Kalziumkarbonat kann einen Feststoffgehalt von mehr als 65 Prozent aufweisen.
Somit können jetzt Kalziumkarbonat enthaltende Streichfarben verarbeitet werden, die
als Streichfarbe einen höheren Feststoffgehalt als bisher aufweisen können.
[0010] Ebenso ist es möglich, dass die Streichfarbe Farbpigmente mit einer plättchenförmigen
Gestalt aufweist. Durch die Verarbeitung der plättchenförmigen Farbpigmente kann erfindungsgemäß
auch eine glänzende Oberfläche der Materialbahn hergestellt werden.
[0011] Ein solches plättchenförmiges Farbpigment kann Kaolin sein, das ebenfalls zu den
häufig verwendeten Streichpigmenten zählt.
[0012] In einer Weiterbildung der Erfindung ist es auch möglich, eine auch oft verwendete
Kalzium-Kaolin-Mischung zu verwenden, die einen Feststoffgehalt von mehr als 63 Prozent
aufweisen kann.
[0013] Es können auch plättchenförmige Kaolinpigmente mit einem großen Breite-Dicke-Verhältnis
aufgestrichen werden, die einen Feststoffgehalt von mehr als 60 Prozent aufweisen
können.
[0014] Vorteilhafter Weise kann das Kaolin auch ein kalziniertes Kaolin sein, das ebenfalls
einen Feststoffgehalt von mehr als 60 Prozent aufweisen kann.
[0015] Ein ebenso häufig verwendetes Streichpigment ist Talkum. Vorteilhafterweise können
die Farbpigmente eine Kaolin-Talkum-Mischung aufweisen, die auch einen Feststoffgehalt
von mehr als 60 Prozent aufweisen kann.
[0016] Bevorzugterweise können die Streichfarben, welche Kaolinpigmente, Kalzium-Kaolin-Mischungen,
Kaoline mit einem großen Breite-Dicke-Verhältnis, kalziniertes Kaolin oder Kaolin-Talkum-Mischungen
aufweisen, einen Feststoffgehalt von mehr als 60 Prozent, insbesondere von mehr als
62 Prozent aufweisen.
[0017] Außerdem betrifft die Erfindung eine Streicheinrichtung zum Auftragen von mindestens
einer Streichfarbe mit einem hohen Feststoffgehalt auf eine Materialbahn, insbesondere
aus Papier oder Karton, die erfindungsgemäß ein Vorhangauftragswerk aufweist.
[0018] Das Vorhangauftragswerk ist online innerhalb einer der Herstellung der Materialbahn
dienenden Maschine betreibbar. In bestimmten Fällen, wo ein online-Betrieb nicht möglich
ist, kann das Beschichten bzw. das Veredeln der Materialbahn auch offline, also im
Anschluss an die Herstellungsmaschine erfolgen.
1. Verfahren zum Auftragen von mindestens einer Streichfarbe mit einem hohen Feststoffgehalt
auf eine Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton, dadurch gekennzeichnet, dass die Streichfarbe mit mindestens einem Vorhangauftragswerk aufgetragen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Streichfarbe anorganische Farbpigmente aufweist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Farbpigmente Kalziumkarbonat verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Kalziumkarbonat einen Feststoffgehalt von mehr als 65 Prozent aufweist.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Streichfarbe Farbpigmente mit einer plättchenförmigen Gestalt aufweist.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Farbpigmente Kaolin oder eine Kalziumkarbonat-Kaolin-Mischung verwendet werden.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine eine Kalziumkarbonat-Kaolin-Mischung aufweisende Streichfarbe einen Feststoffgehalt
von mehr als 63 Prozent aufweist.
8. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das plättchenförmige Pigment ein großes Breite-Dicke-Verhältnis aufweist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass als Kaolin ein kalziniertes Kaolin verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass solche Farbpigmente verwendet werden, die eine Kaolin-Talkum-Mischung aufweisen.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Streichfarbe einen Feststoffgehalt von mehr als 60 Prozent aufweist.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Streichfarbe einen Feststoffgehalt von mehr als 60 Prozent, insbesondere mehr
als 62 Prozent aufweist.
13. Streicheinrichtung zum Auftragen von mindestens einer Streichfarbe mit einem hohen
Feststoffgehalt auf eine Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton, dadurch gekennzeichnet, dass die Streicheinrichtung mindestens ein Vorhangauftragswerk aufweist.