(19)
(11) EP 1 516 960 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
23.03.2005  Patentblatt  2005/12

(21) Anmeldenummer: 04104071.8

(22) Anmeldetag:  25.08.2004
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D21H 23/72
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL HR LT LV MK

(30) Priorität: 17.09.2003 DE 10343120

(71) Anmelder: Voith Paper Patent GmbH
89522 Heidenheim (DE)

(72) Erfinder:
  • Henninger, Christoph
    89522, Heidenheim (DE)
  • Tietz, Martin
    89520, Heidenheim (DE)
  • Fäthke, Volker
    40595, Düsseldorf (DE)
  • Reich, Stefan
    89522, Heidenheim (DE)
  • Fröhlich, Uwe
    89129, Langenau (DE)

   


(54) Verfahren zum Streichen einer Faserstoffbahn


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Streichen einer Faserstoffbahn. Da bei Klingenstreichaggregaten die Auftragsmenge schlecht regelbar und nach oben hin begrenzt ist und außerdem Rakelstreifen entstehen können, ist es die Aufgabe der Erfindung diese Nachteile zu beseitigen. Deshalb wird ein Verfahren vorgeschlagen, bei dem erfindungsgemäß mindestens ein Auftragsmedium mit mindestens einem Klingenstreichaggregat (11, 13) aufgebracht wird, und in einem späteren Arbeitsgang mindestens ein weiteres Auftragsmedium mit mindestens einen Vorhangauftragswerk (16, 17) aufgebracht wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Streichen einer Papier-, Karton- oder anderen Faserstoffbahn.

[0002] Allgemein ist aus dem Stand der Technik bekannt, dass Faserstoffbahnen, insbesondere bei graphischen Papieren oder Kartonen mehrfach gestrichen werden, um eine Oberfläche von hoher Qualität zu erzeugen. Zu diesem Zweck werden häufig ein Klingenstreichaggregat nach einer Filmstreicheinrichtung oder zwei Klingenstreichaggregate hintereinander angeordnet. Bei hochwertigen Papiersorten ordnet man meistens zwei Klingenstreichaggregate hintereinander an, um eine hohe Glätte zu erzielen. Bei der Verwendung von zwei hintereinander angeordneten Klingenstreichaggregaten kann es jedoch zu Beschädigungen der Faserstoffbahn kommen, im Extremfall sogar zu einem Abriss der Faserstoffbahn. Besonders bei Klingenstreichaggregaten (sog. Blade-Coatern) ist die Auftragsmenge schlecht regelbar und nach oben hin eingeschränkt. Außerdem können so genannte Rakelstreifen entstehen, die sich nachteilig auf die Qualität der fertigen Faserstoffbahn auswirken.

[0003] Die Erfindung hat die Aufgabe ein Verfahren der eingangs genannten Art dahingehend zu verbessern, dass die Rakelstreifen keinen Einfluss mehr auf die Qualität der fertigen Faserstoffbahn haben, und die Auftragsmenge besser reguliert werden kann.

[0004] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch ein Verfahren zum Streichen einer Faserstoffbahn, bei dem erfindungsgemäß mindestens ein Auftragsmedium mit mindestens einem Klingenstreichaggregat aufgebracht wird, und in einem späteren Arbeitsgang mindestens ein weiteres Auftragsmedium mit mindestens einem Vorhangauftragswerk (Curtain Coater) aufgebracht wird. Durch das Aufbringen des weiteren Auftragsmediums mit dem kontaktlos, und im wesentlichen nach dem Schwerkraftprinzip wirkenden Vohangauftragswerk nach dem Aufbringen des Auftragsmediums mit dem Klingenstreichaggregat werden eventuelle durch das Klingenstreichaggregat erzeugte Rakelstreifen überdeckt, so dass sie keinen Einfluss mehr auf die Qualität der fertigen Faserstoffbahn haben. Außerdem lässt sich durch ein Vorhangauftragswerk die Auftragsmenge und somit die Schichtdicke sehr genau und zuverlässig regulieren, da mit einem Vorhangauftragswerk die Schichtdicke mittels der Dicke des Vorhangs genau eingestellt werden kann. Da sich die von einem Vorhangauftragswerk aufgebrachte Schicht genau an die Kontur der darunter liegenden Schicht, die durch die Klinge schon egalisiert ist, anpasst, ist damit eine Glättung der Oberfläche der Faserstoffbahn mit dem Klingenstreichaggregat erreicht, bevor die Schicht mit dem Vorhangauftragswerk aufgebracht wird. Durch das Aufbringen der weiteren Schicht durch das Vorhangauftragswerk nach dem Aufbringen der Schicht durch das Klingenstreichaggregat werden die Laufeigenschaften der Faserstoffbahn verbessert, sodass Abrisse der Faserstoffbahn erheblich reduziert werden können. Wegen der guten Laufeigenschaften können das mindestens eine Klingenstreichaggregat und das mindestens eine Vorhangauftragswerk eine Einheit mit der Papiermaschine (online-Verfahren) bilden. Auf diese Weise muss also die Faserstoffbahn nach dem Verlassen der Trockenpartie nicht mehr aufgewickelt werden, bevor sie an die Streichmaschine weitergegeben wird.

[0005] In einer Weiterbildung der Erfindung wird die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des mindestens einen Klingenstreichaggregates getrocknet. Durch die Trocknung wird die aufgebrachte Schicht für den Auftrag der nächsten durch das Vorhangauftragswerk aufzubringenden Schicht vorbereitet. Durch die Trocknung der Faserstoffbahn ist eine einfachere Führung derselben möglich, da Einrichtungen zur berührungslosen Umlenkung der Faserstoffbahn somit entfallen können.

[0006] Um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten, bevor die Faserstoffbahn in das Vorhangauftragswerk eintritt, kann die Faserstoffbahn bevor sie in das mindestens eine Vorhangauftragswerk eintritt ein erstes Glättwerk durchlaufen. Durch dieses Glättwerk werden eventuelle Rauhigkeiten beseitigt, sodass auch unerwünschte Luftgrenzschichten an der Oberfläche der Faserstoffbahn minimierbar sind.

[0007] Um die Weiterverarbeitbarkeit der Faserstoffbahn sicherzustellen, kann die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des mindestens einen Vorhangauftragswerk einen Trockner durchlaufen. Als Trockner kommt zunächst ein kontaktlos wirkender Trockner (z.B. Infrarot- und/oder Lufttrockner) in Frage. Im Anschluss daran kann mit herkömmlichen Trockenzylindern eine Resttrocknung erfolgen.

[0008] Zum Aufbringen einer weiteren Schicht auf derselben oder auf der anderen Seite der Faserstoffbahn kann sie nach dem Verlassen des mindestens einen Vorhangauftragswerks ein weiteres Vorhangauftragswerk durchlaufen. Das kann nass in nass - also ohne Zwischentrocknung, aber auch mit Zwischentrocknung erfolgen.

[0009] Zur weiteren Optimierung der Oberfläche der Faserstoffbahn kann die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des letzten Trockners ein letztes Glättwerk durchlaufen.

[0010] In einer weiteren Ausführungsform kann das mindestens eine Auftragsmedium vorteilhafterweise mit mindestens einer Filmstreicheinrichtung aufgebracht werden, bevor das mindestens eine weitere Auftragsmedium durch das mindestens eine Vorhangauftragswerk aufgebracht wird. Mit der mindestens einen Filmstreicheinrichtung lässt sich die Dicke der aufgetragenen Schicht ebenfalls sehr genau regeln. Außerdem passt sich die von der Filmstreicheinrichtung aufgebrachte Schicht an die Kontur der darunter liegenden Schicht an.

[0011] Um die auf der Faserstoffbahnoberfläche vorhandenen Rauhigkeiten weitestgehend zu beseitigen, kann die Faserstoffbahn erst die mindestens eine Filmstreicheinrichtung durchlaufen, bevor sie anschließend das mindestens eine Klingenstreichaggregat passiert.

[0012] Außerdem betrifft die Erfindung eine Anordnung von Vorrichtungen zur Behandlung der Oberfläche der Faserstoffbahn mit mindestens einem Klingenstreichaggregat und/oder mindestens einer Filmstreicheinrichtung, wobei erfindungsgemäß nach dem mindestens einen Klingenstreichaggregat und/oder der mindestens einen Filmstreicheinrichtung mindestens ein Vorhangauftragswerk angeordnet ist.

[0013] Diese Anordnung kann zusammen mit der Papiermaschine eine Einheit bilden, sodass die Faserstoffbahn nach dem Verlassen der Trockenpartie nicht mehr aufgewickelt werden muss, bevor sie an die Streichmaschinen übergeben wird.

[0014] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.

[0015] Im Einzelnen zeigen:
Fig. 1
eine schematische Ansicht einer ersten erfindungsgemäßen Anordnung;
Fig. 2
eine schematische Ansicht einer zweiten erfindungsgemäßen Anordnung;
Fig. 3
eine schematische Ansicht einer dritten erfindungsgemäßen Anordnung;
Fig. 4
eine schematische Ansicht einer vierten erfindungsgemäßen Anordnung.


[0016] Fig. 1 zeigt in einer schematischen Darstellung eine Anordnung 10 zur Oberflächenbehandlung einer hier nicht näher gezeigten Faserstoffbahn. Die Faserstoffbahn erhält in einem Klingenstreichaggregat 11 auf einer Seite einen ersten Vorstrich, mit dem Rauhigkeiten und Unebenheiten der Faserstoffbahn auf dieser Seite ausgeglichen werden. Anschließend durchläuft die Faserstoffbahn einen Trockner 12, in dem der Vorstrich, der auf der einen Seite der Faserstoffbahn aufgebracht wurde getrocknet wird, sodass die Faserstoffbahn anschließend weiterverarbeitet werden kann. In einem zweiten Klingenstreichaggregat 13 wird jetzt die andere Seite der Faserstoffbahn bestrichen, um auch auf dieser Seite Rauhigkeiten und Unebenheiten auszugleichen. Nach diesem Arbeitsgang durchläuft die Faserstoffbahn einen zweiten Trockner 14, in dem die andere Seite der Faserstoffbahn getrocknet wird. Um an den beiden gestrichen Seiten eventuell noch vorhandene Rauhigkeiten zu beseitigen, ist ein Glättwerk 15 vorgesehen. Dieses Glättwerk 15 kann vorteilhafterweise ein Kalander sein. Somit weist die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des Glättwerks 15 schon eine sehr hohe Oberflächenqualität auf, sodass eine unerwünschte Luftgrenzschicht bei der Weiterverarbeitung der Faserstoffbahn in einem Vorhangauftragswerk 16 ausgeschlossen ist. Abhängig von der herzustellenden Faserstoffbahn kann nach dem Vorhangauftragswerk 16 ein weiteres Vorhangauftragswerk 17 vorgesehen sein. In den beiden Vorhangauftragswerken 16 und 17 werden die Schlussstriche aufgetragen, wobei eventuell vorhandene Rakelstreifen überdeckt werden. Nach dem Verlassen des Vorhangauftragswerks 17 durchläuft die Faserstoffbahn einen letzten Trockner 18, bevor sie in einem zweiten Glättwerk 19 nochmals geglättet wird. Schließlich wird die Faserstoffbahn mit einer Wickelmaschine 100 aufgewickelt.

[0017] Fig. 2 zeigt eine Anordnung 20 zur Oberflächenbehandlung der Faserstoffbahn. Die Anordnung 20 unterscheidet sich von der Anordnung 10 durch eine Filmstreicheinrichtung 21 und einen Trockner 22, die dem ersten Klingenstreichaggregat 11 vorgeschaltet sind. Mit der Filmstreicheinrichtung 21 kann eine größere Dicke der aufzutragenden Schicht auf die Faserstoffbahn aufgebracht werden als dies mit Klingenstreichaggregaten möglich ist.

[0018] Fig. 3 zeigt eine weitere Anordnung 30 mit der die Faserstoffbahn behandelt werden kann. Die Anordnung 30 unterscheidet sich von der Anordnung 10 darin, dass zwischen dem Vorhangauftragswerk 16 und dem Vorhangauftragswerk 17 der Trockner 18 angeordnet ist. Nach dem Verlassen des Vorhangauftragswerks 17 durchläuft die Faserstoffbahn einen vierten Trockner 31, bevor sie in das Glättwerk 19 eintritt, um anschließend mit der Wickelmaschine 100 aufgewickelt zu werden.

[0019] Fig. 4 zeigt eine Anordnung 40, mit der die Oberfläche der Faserstoffbahn auf beiden Seiten zweimal mit einem Klingenstrich versehen wird. Zu diesem Zweck weist die Anordnung 40 nach dem Glättwerk 15 ein drittes Klingenstreichaggregat 41 zur Behandlung der einen Seite der Faserstoffbahn und nach einem Trockner 42 ein drittes Klingenstreichaggregat 43 zur Behandlung der anderen Seite der Faserstoffbahn auf. Nach dem Klingenstreichaggregat 43 wird die Faserstoffbahn in einem Trockner 44 getrocknet bevor sie im letzten Glättwerk 19 geglättet wird, um dann im Vorhangauftragswerk 16 auf der einen Seite bestrichen zu werden. Nach dem Verlassen eines Trockners 45 wird die Faserstoffbahn im zweiten Vorhangauftragswerk 17 von der anderen Seite bestrichen, und anschließend in einem Trockner 46 auf der anderen Seite getrocknet. Mit der Wickelmaschine 100 wird die Faserstoffbahn dann aufgewickelt.

[0020] Nachzutragen ist, dass das besagte Vorhangauftragswerk 16, 17 z.B. aus der WO98/48113 und das Klingenstreichaggregat 11, 13, 41, 43 beispielsweise aus der EP 0 533 035 B1 und eine Filmstreicheinrichtung z.B. aus der DE 197 31 249.7 A1 bekannt ist.

Bezugszeichenliste



[0021] 
10
Anordnung
11
Klingenstreichaggregat
12
Trockner
13
Klingenstreichaggregat
14
Trockner
15
Glättwerk
16
Vorhangauftragswerk
17
Vorhangauftragswerk
18
Trockner
19
Glättwerk
100
Wickelmaschine
20
Anordnung
21
Filmstreicheinrichtung
22
Trockner
30
Anordnung
31
Trockner
40
Anordnung
41
Klingenstreichaggregat
42
Trockner
43
Klingenstreichaggregat
44
Trockner
45
Trockner
46
Trockner



Ansprüche

1. Verfahren zum Streichen einer Papier-, Karton- oder anderen Faserstoffbahn,
dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auftragsmedium mit mindestens einem Klingenstreichaggregat (11, 13, 41, 43) aufgebracht wird, und in einem späteren Arbeitsgang mindestens ein weiteres Auftragsmedium mit mindestens einem Vorhangauftragswerk (16, 17) aufgebracht wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des mindestens einen Klingenstreichaggregates (11, 13, 41, 43) getrocknet wird.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn, bevor sie in das mindestens eine Vorhangauftragswerk (16) eintritt, ein erstes Glättwerk (15, 19) durchläuft.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des mindestens einen Vorhangauftragswerkes (16, 17) einen Trockner (18, 31, 45, 46) durchläuft.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des mindestens einen Vorhangauftragswerkes (16) ein weiteres Vorhangauftragswerk (17) durchläuft.
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn nach dem Verlassen des letzten Trockners (18, 31, 45) ein letztes Glättwerk (19) durchläuft.
 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auftragsmedium mit mindestens einer Filmstreicheinrichtung (21) aufgebracht wird, bevor das mindestens eine weitere Auftragsmedium durch das mindestens eine Vorhangauftragswerk (16, 17) aufgebracht wird.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Faserstoffbahn erst die mindestens eine Filmstreicheinrichtung (21) und dann das mindestens eine Klingenstreichaggregat (11, 13, 41, 43) durchläuft.
 
9. Anordnung (10, 20, 30, 40) von Vorrichtungen zur Behandlung der Oberfläche der Faserstoffbahn mit mindestens einem Klingenstreichaggregat (11, 13, 41, 43) und/oder mindestens einer Filmstreicheinrichtung (21),
dadurch gekennzeichnet, dass nach dem mindestens einen Klingenstreichaggregat (11, 13, 41, 43) und/oder der mindestens einen Filmstreicheinrichtung (21) mindestens ein Vorhangauftragswerk (16, 17) angeordnet ist.
 
10. Anordnung (10, 20, 30, 40) nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Einheit mit einer der Herstellung der Faserstoffbahn dienenden Papiermaschine bildet.
 




Zeichnung










Recherchenbericht