Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung eines Bodenverdichtungsgrades
eines verdichteten bzw. zu verdichtenden Bodens gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1, sowie eine Bodenverdichtungsvorrichtung gemäss dem Oberbegriff des Patentanspruchs
8.
Stand der Technik
[0002] In der deutschen Offenlegungsschrift DE-A 100 19 806 wurde versucht, ein "Springen"
einer Bodenverdichtungsvorrichtung zu verhindern, da hierdurch eine Lockerung des
bereits verdichteten Bodens eintreten kann, sowie eine rapide Erhöhung des Maschinenverschleisses
auftritt. Hierzu wurden Schwingungen detektiert, welche Oberwellen der anregenden
Schwingungen eines Bodenverdichtungselements sind. Es wurde hier davon ausgegangen,
dass Oberwellen durch eine Rückwirkung einer überhöhten Schlagenergie auf einen bereits
verdichteten Boden entstehen.
[0003] In der DE-A 100 28 949 wurde ein System vorgestellt, welches sich zur Bestimmung
eines Verdichtungsgrades sowohl bei Walzen wie auch bei Plattenrüttlern eignete. Es
wurde ein Wegsensor zur Messung einer vertikalen Bewegung des Oberbaus an diesem angeordnet.
Das mit dem Sensor gemessene Signal wurde in ein erstes und in ein zweites Teilsignal
aufgeteilt. Das erste Teilsignal durchlief ein Hochpassfilter und das zweite Teilsignal
ein Bandpassfilter. Das Hochpassfilter war derart eingestellt, dass es Frequenzen
knapp unter der Anregungsfrequenz passieren liess, also bei einer Anregungsfrequenz
von 60 Hz konnten 51 Hz noch passieren. Das Bandpassfilter war derart eingestellt,
dass Frequenzen von 15% bis 60% der Anregungsfrequenz passieren konnten. Die vom Bandpassfilter
kommenden Signale wurden durch die vom Hochpassfilter kommenden Signale dividiert.
Der Quotient nahm mit der Anzahl von Passagen über einem zu verdichtenden Bereich
kontinuierlich zu und sollte ein zuverlässiger Indikator für die Bodensteifigkeit
sein.
[0004] In der WO 98/17865 ist eine Bodenverdichtungsvorrichtung mit einem Beschleunigungsaufnehmer
an einer Bandage beschrieben. Mit der Bodenverdichtungsvorrichtung konnten gemäss
Ausführungen in der WO 98/17865 die drei nachfolgenden Verdichtungsvorgänge eingestellt
werden:

Auflastbetrieb: Die Vorrichtung bleibt in Bodenkontakt. Der Beschleunigungsaufnehmer
misst nur die Umlauffrequenz der Unwucht (1 · f).

Optimaler Betriebszustand: Die Bandage hebt periodisch vom Boden ab. Der Beschleunigungsaufnehmer
misst Oberschwingungen (2 · f, 3 · f usw.) mit stark abnehmender maximaler Amplitude.

Instabiler Zustand: Die ganze Bodenverdichtungsvorrichtung (Walze) fängt an zu springen.
Es treten zu den Oberschwingungen Subharmonische (1/2 · f, 3/2 · f, 5/2 · f usw.)
auf.
[0005] Eine Verdichtung sollte immer dann optimal sein, d. h. am schnellsten und unter geringstem
Energieaufwand vollziehbar, wenn Resonanz des Bodenverdichtungssystems auftrat. Das
Bodenverdichtungssystem war aus dem zu verdichtenden Boden und der auf diesen einwirkenden
Verdichtungseinrichtung gebildet.
[0006] In der US-A 4,546,425 wird dargelegt, wie ein zu verdichtender Boden bei gleichbleibenden
Maschinendaten durch mehrere Überfahrten immer härter wurde und die verdichtende Walze
zu springen begann. Um dieses Springen zu verhindern, wurde ein einstellbarer Exzenter
verwendet.
[0007] In der US-A 5,695,298 wurden mit einem an einer Halterung und an einer Bandage angeordneten
Beschleunigungsmesser Schwingungen dieser Bandage ermittelt. Das Messsignal wurde
auf ein erstes Bandpassfilter für die Anregungsfrequenz (oder höhere Frequenzen) und
auf ein zweites Bandpassfilter für eine halbe Anregungsfrequenz gegeben. Mit einer
Divisionsschaltung wurde das Ausgangssignal des zweiten Bandpasses (Amplitude der
halben Anregungsschwingung) durch das Ausgangssignal des ersten Bandpasses (Amplitude
der Anregungsfrequenz) dividiert. Der Quotient sollte einen vorgegebenen Wert, beispielsweise
5% nicht überschreiten, damit noch ein stabiles Arbeiten unter Vermeidung instabiler
Zustände möglich war.
[0008] Bei einer nur geringen Anregung oder einem weichen Boden mass der Beschleunigungsmesser
eine nicht harmonische Schwingung. Wurde die Anregung gesteigert oder war ein steiferer
und elastischerer Boden erreicht, trat eine Periodizität der Schwingung mit halber
Frequenz auf. Dieser Zustand wurde als noch stabil betrachtet. Wurde nun die Anregung
noch mehr gesteigert oder war der Boden noch steifer, trat Springen der Bandage auf.
Der gemessene Quotient war hier bedeutend höher als oben erwähnt.
[0009] In der US-A 5,727,900 ist eine Kontrolleinrichtung für eine Bodenverdichtungsvorrichtung
beschrieben. Als Messdaten wurden hierbei die Beschleunigung horizontal und vertikal
der Bandage, die Position des Exzenters, die Exzentrizität des Exzenters und die Rollgeschwindigkeit
der Verdichtungsvorrichtung gemessen. Die hier beschriebene Bodenverdichtungsvorrichtung
arbeitete analog zur US-A 5,695,298 mit demselben Stabilitätskriterium, dass das Erscheinen
einer halben Anregungsfrequenz bezogen auf die Amplitude der Anregungsfrequenz auf
maximal 5% zu beschränken war.
Darstellung der Erfindung
Aufgabe
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Bodenbereich auf eine vorgegebene oder auf eine
entsprechend einer Maschinenauslegung maximal erreichbare Bodensteifigkeit zu verdichten,
den erreichten Verdichtungsgrad zu ermitteln sowie eine Bodenverdichtungsvorrichtung
zu schaffen, mit der diese optimale Bodenverdichtung vorzunehmen ist.
Lösung
[0011] Die Lösung der Aufgabe erfolgt verfahrensmässig durch die Merkmale des Patentanspruchs
1 und Vorrichtungsmässig durch die Merkmale des Patentanspruchs 7. Um eine optimale
Bodenverdichtung, d.h. eine Bodenverdichtung mit einer vorgegebenen bzw. maximal möglichen
Bodensteifigkeit (Verdichtungsgrad) zu erreichen, wird eine auf den Bodenbereich einwirkende
Bodenkontakteinheit einer Bodenverdichtungsvorrichtung über diesen bewegt. Auf die
Bodenkontakteinheit wirkt hierbei eine zeitlich sich periodisch mit wenigstens einer
Einwirkungsfrequenz ändernde Kraft ein. Die Schwingungen eines Schwingungssystems,
bestehend aus der Bodenverdichtungsvorrichtung mit der Bodenkontakteinheit und dem
jeweiligen Bodenbereich, werden ermittelt. Die Schwingungsform der Schwingung des
Schwingungssystems wird aufgenommen und aus der Schwingungsform, aus den Maschinenparametern
der Bodenverdichtungsvorrichtung und aus der zeitlichen Lage der einen Bodenverdichtungskraft
wird dann die Bodensteifigkeit (Verdichtungsgrad) ermittelt.
[0012] Vorzugsweise wird hier im Gegensatz zu den bekannten Bodenverdichtungsverfahren bzw.
den bekannten Bodenverdichtungsvorrichtungen nicht versucht, Subharmonsiche zur Einwirkungsfrequenz
zu eliminieren. Im Gegenteil, sie werden bewusst ausgewertet. In vorteilhafter Weise
wird nämlich von der Erkenntnis ausgegangen, wie in der Detailbeschreibung dargelegt
ist, dass die Frequenzen der Subharmonischen einen erreichten Bodenverdichtungsgrad
definieren. Je tiefer die Frequenz der tiefsten Subharmonischen ist, desto grösser
ist der Bodenverdichtungsgrad, über den eine Bodenkontakteinheit einer Bodenverdichtungsvorrichtung
bewegt wird.
[0013] In einer besonderen Ausführungsvariante werden nicht nur die Subharmonischen ermittelt,
sondern auch deren Amplituden, welche zur Amplitude der Einwirkungsfrequenz ins Verhältnis
gesetzt werden. Vorzugsweise wird man die maximalen Amplitudenwerte hierzu verwenden.
Es können aber auch Amplitudenwerte bei einer vorgegebenen Phasenlage verwendet werden.
Wie aus einem unten beschriebenen Feigenbaum Szenario ersichtlich ist, ergibt diese
Berücksichtigung neben der Ermittlung der Subharmonischen eine exaktere Bestimmung
der erreichten bzw. vorhandenen Bodensteifigkeit.
[0014] Man kann nun die Bodenkontakteinheit, welche mit dem zu verdichtenden bzw. bereits
verdichteten Boden in Kontakt ist, mit einer einzigen Sinus-Schwingung in der Regel
durch einen umlaufenden Exzenter oder durch zwei winkelmässig gegeneinander verstellbare
Exzenter kraftmässig beaufschlagen. Es können aber auch mehrere Exzenter mit unterschiedlichen
Umlauffrequenzen verwendet werden. Zu jeder dieser Frequenzen ergibt sich dann eine
Reihe von Subharmonischen je nach erreichtem Bodenverdichtungsgrad. Werden mehrere
"Grundfrequenzen" verwendet, kann eine detailliertere Aussage über die erreichte bzw.
die zu messende Bodenverdichtung gemacht werden.
[0015] Vorzugsweise wird man jedoch die Einwirkungsfrequenz auf die Bodenkontakteinheit
einstellbar wählen. Bei einer einstellbaren Frequenz kann nämlich eine Resonanz des
Schwingungssystems, bestehend aus Bodenkontakteinheit und dem zu verdichtenden bzw.
verdichteten Bodenbereich, ermittelt werden. Ein Arbeiten in Resonanz ergibt eine
Verdichtung bei reduzierter Verdichtungsleistung. Da das Schwingungssystem aufgrund
der zu erbringenden Verdichtungsleistung ein gedämpftes System ist, ergibt sich aus
dem Grad der Dämpfung ein Phasenwinkel zwischen der maximalen Amplitude der Anregung
(z.B. Kraft durch die rotierenden Unwuchten) und der Schwingung des Systems = Schwingung
der Bodenkontakteinheit). Um diesen Phasenwinkel bestimmen zu können, wird man auf
der Bodenkontakteinheit neben einem Sensor für die Subharmonischen einen Sensor anbringen,
der die zeitliche Auslenkung in Bodenverdichtungsrichtung misst. Die zeitliche Auslenkung
der Anregung (Kraftaufbringung auf die Bodenkontakteinheit) kann ebenfalls gemessen
werden; man kann sie jedoch leicht aus der augenblicklichen Stellung der Unwucht bzw.
der Unwuchten ermitteln. Die zeitliche Lage der maximalen Amplituden (Anregungsschwingung
zur Schwingung der Bodenkontakteinheit) wird man mit einer Vergleichereinheit ermitteln.
Die Anregung wird man vorzugsweise derart einstellen, dass die maximale Amplitude
der Anregung um 90° bis 180°, vorzugsweise um 95° bis 130° der maximalen Amplitude
der Bodenkontakteinheit vorauseilt.
[0016] Vorzugsweise wird man auch die maximale Amplitude der anregenden Kraft einstellbar
auslegen. Eine Verstellung der anregenden Kraft kann bei der Verwendung z.B. von zwei
Unwuchten erreicht werden, welche mit gleicher Umdrehungsgeschwindigkeit rotieren
und deren winkelmässiger Abstand änderbar ist. Die Unwuchten können gleichsinnig oder
auch gegensinnig bewegt werden.
[0017] Das Auftreten von Subharmonischen kann, sofern eine eine Bodenkontakteinheit aufweisende
Bodenverdichtungsvorrichtung nicht entsprechend ausgelegt ist, zu Maschinenschäden
führen. Man wird deshalb Dämpfungselemente zwischen der jeweiligen Bodenkontakteinheit
und den restlichen Maschinenteilen derart auslegen, dass eine Übertragung der Subharmonischen
gedämpft wird. Man kann natürlich die gesamte Bodenverdichtungseinheit derart auslegen,
dass die tieffrequenten Subharmonischen keinen Schaden anrichten; deren Frequenz ist
ja gemäss den Ausführungen in der Detailbeschreibung bekannt. Man kann aber auch die
Amplitude der anregenden Kraft so weit herunterfahren, dass die Amplituden der Subharmonischen
keinen Schaden anrichten bzw. nicht mehr vorhanden sind.
[0018] Aus der nachfolgenden Detailbeschreibung und der Gesamtheit der Patentansprüche ergeben
sich weitere vorteilhafte Ausführungsformen und Merkmalskombinationen der Erfindung.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0019] Die zur Erläuterung der Ausführungsbeispiele verwendeten Zeichnungen zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung zur Erklärung eines analytischen Modells eines schwingungsfähigen
Systems mit einem beispielsweisen Walzenzug und einem zu verdichtenden bzw. verdichteten
Bodenbereich,
- Fig. 2
- ein Beispiel einer Umsetzung eines dimensionslosen Modells in ein Simulink-Modell,
- Fig. 3
- einen Vergleich zwischen einer gemessenen (links) und einer berechneten (rechts) Bewegung
einer springenden Bandage auf einem harten Bodenbereich, wobei auf der Abszisse die
Zeit und in der Ordinate die jeweilige Auslenkung aufgetragen sind,
- Fig. 4
- ein vereinfachtes Modell einer schwingenden Bodenkontakteinheit auf einem zu verdichtenden
bzw. verdichteten Bodenbereich,
- Fig. 5
- einen gemessenen (rechts) und einen berechneten (links) Phasenraum (Orbital) einer
Bodenverdichtungseinheit (Bandage des Walzenzuges AC 110 Ammann), wobei die Abszisse
die Auslenkung in x-Richtung und die Ordinate die Geschwindigkeit in X-Richtung zeigt
(ein einzelner Kurvenzug schliesst sich immer nach der Zeit einer Grundschwingung
= Anregungsfrequenz der Bandage),
- Fig. 6
- ein Bewegungsverhalten eines Walzenzuges bei gleichbleibenden Maschinenparametern
über einem unterschiedlich harten Untergrund,
- Fig. 7
- ein Beispiel einer chaotischen Bewegung einer Grabenwalze auf hartem Untergrund (Bodenbereich),
wobei die obere Abbildung eine Auslenkung des Oberwagens (gestrichelt) und eines Unterwagens
(ausgezogen) der Grabenwalze über der Zeit darstellt, die mittleren beiden Abbildungen
das zur Auslenkung gehörende Frequenzspektrum und die unteren drei Abbildungen links
einen Phasenraum für den Oberwagen, die mittlere Abbildung die verwendete Grabenwalze
und die rechte Abbildung einen Phasenraum für den Unterwagen zeigen,
- Fig. 8
- eine zu Figur 7 analoge Darstellung jedoch für eine Vibrationsplatte,
- Fig. 9
- eine Zusammenstellung dynamischer Verdichtungsgeräte im Verzweigungsdiagramm, wobei
n = 1 eine Anregung mit einer Grundschwingung, n = 2 eine erste Subharmonische (f/2),
n = 4 die nächste Subharmonische (f/4), n = 8 eine dritte Subharmonische /f/8) kennzeichnet,
- Fig. 10
- eine einfache Ausführung zur Abschätzung einer Bodenverdichtung, wie man sie vorzugsweise
an einer Vibrationsplatte anordnen kann und
- Fig. 11
- eine Variante zu der in Figur 10 dargestellten Schaltung.
[0020] Grundsätzlich sind in den Figuren gleiche Teile und Elemente mit gleichen Bezugszeichen
versehen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0021] Bei einer analytischen Beschreibung dynamischer Bodenverdichtungsvorrichtungen nimmt
eine Betrachtung einer Bodenkontakteinheit zusammen mit dem verdichteten bzw. zu verdichtenden
Boden als ein einziges System eine zentrale Rolle ein. In
Figur 1 ist hierzu ein Walzenzug
1 mit hinteren, gummibereiften Rädern
3 und einer vorderen Bandage
5 als Bodenkontakteinheit sowie einem Chassis
6 dargestellt. Ausgehend von diesem System ist eine einseitige Bindung zwischen einem
zu verdichtenden Bodenbereich
7 (Unterbau) und dem Walzenzug
1 (Verdichtungsgerät) der Hauptgrund für das Auftreten nichtlinearer Effekte. Die einseitige
Bindung wird begründet durch die Tatsache, dass zwischen dem Verdichtungsgerät
1 und dem Bodenbereich
7 Druckkräfte aber keine Zugkräfte übertragen werden können. Dementsprechend handelt
es sich um eine kraftgesteuerte Nichtlinearität; das Verdichtungsgerät
1 verliert bei Überschreiten maximaler Bodenkraftwerte periodisch den Kontakt zum Bodenbereich
7 (Untergrund). Zusätzliche nichtlineare Elemente der Bodeneigenschaften, wie beispielsweise
schubdehnungsgesteuerte Steifigkeitsveränderungen, können im Vergleich dazu vernachlässigt
werden. Auch die überlineare Federkennlinie von (Gummi-) Dämpfungselementen
8 zwischen Chassis
6 und Bodenkontakteinheit
5 (Bandage), bzw. einem Oberwagen
9 und einem Unterwagen
11 einer später erläuterten Grabenwalze
12 ist von untergeordneter Bedeutung und beeinflusst die Rechenergebnisse einer analytischen
Beschreibung nicht wesentlich. Analoges gilt für eine Vibrationsplatte
14 mit einem Oberwagen
15 und einem Unterwagen
17.
[0022] Ein Verdichtungsgerät hat generell, wie auch der Walzenzug 1 in Figur 1, eine Bodenkontakteinheit
(Bandage
5, Unterwagen
11 bzw.
17) mit einem vibrierenden Teil z.B. mit einer rotierenden Unwucht
13 mit einer Masse
md samt einem Unwuchterreger. Auf diesen vibrierenden Teil
13 stützt sich ein statisches Auflastgewicht des Chassis
6 mit einer Masse
mf (statisches Gewicht) über Dämpfungselemente
8 (Steifigkeit
kG, Dämpfung
cG) ab. Das statische Gewicht
mf ergibt zusammen mit den Dämpfungselementen
8 ein fusspunkterregtes Schwingungssystem, das tief abgestimmt wird (tiefe Eigenfrequenz).
Der Oberwagen 9 oder 15 bzw. das Chassis 6 wirkt im Vibrationsbetrieb gegenüber den
Schwingungen des Unterwagens
11 oder
17 bzw. der Bandage
5 als Tiefpass zweiter Ordnung. Damit wird die in das Chassis
6 bzw. den Oberwagen
9 oder
15 transmittierte Vibrationsenergie minimiert.
[0023] Der zu verdichtende bzw. verdichtete Boden des Bodenbereichs 7 ist ein Baustoff,
für den, je nach untersuchten Eigenschaften, unterschiedliche Modelle existieren.
Für den Fall des oben erwähnten Systems (Bodenkontakteinheit - Boden) kommen einfache
Feder-Dämpfer-Modelle (Steifigkeit
kB, Dämpfung
cB) zur Anwendung. Die Federeigenschaften berücksichtigen die Kontaktzone zwischen Bodenverdichtungseinheit
(Bandage) und elastischem Halbraum (Bodenbereich). Im Bereich der Erregerfrequenzen
von Verdichtungsgeräten, die oberhalb der tiefsten Eigenfrequenz des Systems (Bodenkontakteinheit
- Boden) liegen, ist die Bodensteifigkeit
kB eine statische, frequenzunabhängige Grösse. Diese Eigenschaft konnte in der hier
vorliegenden Anwendung im Feldversuch für homogene und geschichtete Böden nachgewiesen
werden.
[0024] Führt man Maschinen- und Bodenmodell unter Berücksichtigung der einseitigen Bindung
in ein Gesamtmodell zusammen, beschreibt das nachfolgende Gleichungssystem (1) für
die Freiheitsgrade
xd der Bandage
5 und
xf des Chassis
6 die zugehörigen Bewegungsdifferentialgleichungen.

[0025] Ausgehend von einer einseitigen, bodenkraftgesteuerten Bindung ergibt sich:
- md :
- schwingende Masse [kg] z.B. Bandage 5 bzw. Unterwagen 11 bzw. 17
- mf :
- stat. Auflastgewicht [kg] z.B. Chassis 6 bzw. Oberwagen 9 bzw. 15
- muru :
- stat. Moment Unwucht [kg m]
- xd :
- Bewegung schwingende Masse [mm]
- xf :
- Bewegung Auflastgewicht [mm]
- Ω :
- Erregerkreisfrequenz [s-1] Ω = 2π · f
- f:
- Erregerfrequenz [Hz]
- kB :
- Steifigkeit der Unterlage/des Bodenbereichs [MN/m];
- cB :
- Dämpfung der Unterlage/des Bodenbereichs [MNs/m]
- kG :
- Steifigkeit der Dämpfungselemente [MN/m]
- cG :
- Dämpfung der Dämpfungselemente [MNs/m]
[0026] Eine Bodenreaktionskraft F
B zwischen Bandage
5 und verdichtetem bzw. zu verdichtendem Bodenbereich
7 steuert dabei die Nichtlinearität der einseitigen Bindung.
[0027] Die analytische Lösung der Differentialgleichungen (1) besitzt die folgende, allgemeine
Form:
- j = 1
- lineare Schwingungsantwort, Auflastbetrieb
- j = 1,2,3,...
- periodisches Abheben (die Maschine verliert pro Erregungsperiode einmal den Kontakt
zum Boden)
- j = 1,1/2, 1/4, 1/8,....
- und zugehörige Oberwellen: Springen, Taumeln, chaotischer Betriebszustand
[0028] Für Grabenwalzen (Figur 7), Vibrationsplatten (Figur 8) und Stampfer gelten grundsätzlich
dieselben Überlegungen , unter Berücksichtigung des jeweiligen Erregerprinzips resultieren
analoge Gleichungen.
[0029] Eine numerische Simulation erlaubt die Berechnung der Lösungen der Gleichungen (1).
Insbesondere für den Nachweis chaotischer Schwingungen ist die Verwendung numerischer
Lösungsalgorithmen unerlässlich. Mit Hilfe analytischer Berechnungsverfahren, wie
der Mittelungsmethode, können für lineare und nichtlineare Schwingungen sehr gute
Näherungslösungen und Aussagen grundsätzlicher Natur zu einer Bifurkation der Grundschwingungen
getroffen werden. Die Mittelungstheorie ist beschrieben in Anderegg Roland (1998),
"Nichtlineare Schwingungen bei dynamischen Bodenverdichtern, Fortschritte VDI, Reihe
4, VDI Verlag Düsseldorf. Dies erlaubt einen guten Gesamtüberblick über die auftretenden
Lösungen. Bei mehrfach verzweigenden Systemen sind analytische Methoden mit einem
unverhältnismässig hohen Aufwand verbunden.
[0031] Die resultierenden Gleichungen (3) werden graphisch mit Simulink® modelliert, siehe
Figur 2. Die Nichtlinearität wird vereinfacht als eine rein kraftgesteuerte Funktion
betrachtet und mit Hilfe des "Switch"-Blocks aus der Simulink-Bibliothek modelliert.
[0032] Das Koordinatensystem der Gleichungen (1) und (3) beinhaltet eine statische Einsenkung
infolge des Eigengewichts (statisches Auflastgewicht
mf, schwingende Masse m
d). Im Vergleich mit Messungen, die aus der Aufintegration von Beschleunigungssignalen
resultieren, muss die statische Einsenkung zu Vergleichszwecken im Simulationsresultat
subtrahiert werden. Die Anfangsbedingungen für die Simulation sind alle "0" gesetzt.
Die Resultate werden für den Fall des eingeschwungenen Zustands angegeben. Als Lösungssolver
wird "ode 45" (Dormand-Price) mit einer variablen Integrationsschrittweite (max. Schrittweite
0.1 s) im Zeitbereich von 0 s bis 270 s gewählt.
[0033] In Figur 3 ist ein Vergleich zwischen einem simulierten und einem gemessenen Fall
eines "starken Springens" eines Walzenzugs
1, hier eines Walzenzuges der Firma Ammann AC 110 mit 11 t Gesamtgewicht, dargestellt.
Eine sehr gute Übereinstimmung zwischen gemessenem und berechnetem Schwingungsverhalten
einer Bandage 5 ist erkennbar. Neben einem Amplitudenverhältnis der Grundschwingung
(j = 1) zu einer Subharmonischen (j = 1/2) ist ein identischer Phasenwinkel bei einer
Messung und bei der Berechnung zu erkennen (gleiche Schwingungsform). Die Messdaten
wurden mit einem in vertikaler Richtung am nichtdrehenden, schwingenden Teil der Bandage
5 montierten Beschleunigungssensor erfasst, das Signal anschliessend verstärkt und
mit Hilfe eines Programmpakets z.B. LabView/DIAdem® analysiert.
[0034] Aus diesem Vergleichsbeispiel ergibt sich, dass mit dem oben angeführten, vergleichsweise
einfachen Modell gemäss Figur 2 bzw. den Gleichungen (1) und (2) das Betriebsverhalten
eines dynamischen Bodenverdichtungsgerätes sehr treffend auch für den Fall stark nichtlinearer
Effekte, wie dem "Springen", beschrieben werden kann und das Berechnungsmodell somit
alle relevanten Parameter berücksichtigt.
[0035] Zur Ermittlung der in
Figur 3, rechte Abbildung, dargestellten Schwingungsform sind in dem in
Figur 2 dargestellten Simulations-Modell u.a. als Parameter eine Amplitude
A0 von 1 mm und eine Bodensteifigkeit
kB von 140 MN/m vorgegeben worden. Misst man die Bewegung in einem Zeitbereich für das
"Springen" eines Walzenzuges, so kann durch ein iteratives Berechnungsverfahren auch
die tatsächliche Bodensteifigkeit bis auf eine Toleranz bestimmt werden. Es müssen
hierzu die Maschinenparameter des Verdichtungsgeräts, der Betriebszustand und die
zeitliche Position der Unwucht bzw. der Unwuchten bekannt sein.
[0036] Der praktisch gemessene und numerisch simulierte Betriebszustand des Springens des
Walzenzugs AC 110 stellt im Hinblick auf die Chaostheorie ein nichtlineares System
nach Auftreten der ersten Periodenverdoppelung dar. Die Verdichtungsgeräte gehören
damit zu den technischen Systemen, die grundsätzlich zu chaotischem Verhalten fähig
sind. Ihre Dynamik kann folglich mit den Methoden der nichtlinearen und chaotischen
Schwingungslehre beschrieben werden. Damit eröffnet sich ein grosses Feld verschiedener
Analysemethoden, welche in Theorie und Praxis der Verdichtungstechnik angewendet werden
können.
[0037] In der Chaostheorie haben sich verschiedene Betrachtungsmethoden nichtlinearer Schwingungen
etabliert, mit deren Hilfe die Struktur des deterministischen, chaotischen Bewegungsverhaltens
untersucht und nachgewiesen wird. Es wird hierzu auf die Veröffentlichungen von Moon,
Francis C. (1992); "Chaotic and Fractal Dynamics, An Introduction for Applied Scientists
and Engineers"; Mc Graw Hill sowie Thompson, J.M.T.; Stewart, H.B., (2002) "Nonlinear
Dynamics and Chaos, 2. Edition, John Wiley & Sons, Ltd. hingewiesen.
[0038] Es handelt sich insbesondere um die Analyse von:
- Zeitreihen, d. h. Bewegungsverhalten in Funktion der Zeit;
- Spektralanalysen der Zeitreihe (Fast Fourier Transformation FFT), beispielsweise zur
Erkennung subharmonischer Schwingungsanteile, chaotische Systeme besitzen kontinuierliche
Spektren;
- Phasenraumanalysen, Betrachten der Weg-Geschwindigkeits-Entwicklung in Funktion des
Parameters Zeit, x(t)-ẋ(t);
- Zeichnet man im Phasenraum nur jene Punkte auf, für welche t = nT (n = 0, 1, 2, 3,..)
ist, erhält man die Poincaré-Abbildung; chaotische Systeme zeigen in diesen Abbildungen
ihre fraktale Struktur besonders ausgeprägt;
- Berechnung des Ljapunov-Exponenten; für Werte des Exponenten grösser, bzw. gleich
"0" verhält sich das System instabil. Im Bereich chaotischer Bewegungen und der jeweiligen
Bifurkationspunkte tritt dieser Fall auf, es existieren mehrere Attraktoren gleichzeitig,
man befindet sich im Grenzgebiet (Separatrix) zweier oder mehrerer Lösungs-Einzugsbereiche.
[0039] Für die Betrachtung des chaotischen Maschinenverhaltens von Bodenverdichtungsgeräten
genügt es meist, den schwingenden Teil zu untersuchen. Insbesondere bei gut abgestimmten
Gummidämpferelementen sind in den Elementen (Bandage, Chassis, ...) die dynamischen
Kräfte gegenüber den statischen Kräften vernachlässigbar klein und es gilt

<<

. In diesem Fall können die beiden Gleichungen in (1), bzw. (3) addiert werden und
es ergibt sich eine Gleichung (4a) für einen Freiheitsgrad des schwingenden Elements
xd ≡
x . Das zugehörige analytische Modell findet sich in
Figur 4.
[0040] FB ist die auf den Bodenbereich wirkende Kraft; siehe
Figur 2. Diese gewöhnliche Differentialgleichung 2. Ordnung wird in die beiden nachfolgenden
Differentialgleichungen 1. Ordnung umgeschrieben:

mit

und

als bodenkraftgesteuerte Nichtlinearität.
[0041] Es gilt die Identität
x2 ≡
ẋ.
[0042] Daraus wird eine Phasenraum-Darstellung mit
x1(
t)-
x2(
t), bzw.
x(
t)-
ẋ(
t) abgeleitet.
[0043] Die Phasenkurven, auch als Orbitale bezeichnet, sind im Fall linearer, stationärer
und monofrequenter Schwingungen geschlossene Kreise bzw. Ellipsen. Bei nichtlinearen
Schwingungen, bei denen zusätzlich Oberwellen auftreten (periodisches Abheben der
Bandage vom Boden), sind die Oberwellen als aufmodulierte Periodizitäten zu erkennen.
Erst bei Periodenverdoppelungen, also subharmonischen Schwingungen wie dem "Springen",
mutiert der ursprüngliche Kreis zu geschlossenen Kurvenzügen, die Schnittpunkte in
der Phasenraum-Darstellung aufweisen.
[0044] Bezogen auf die Auswertung von Figur 3 für den dortigen Walzenzug (Ammann AC 110)
auf harter Unterlage ergibt sich die in Figur 5 dargestellte Phasenkurve. Die linke
Darstellung zeigt die gemessenen und die linke Darstellung die berechneten Werte.
Wiederum zeigt sich die Übereinstimmung der Simulation mit den in der Praxis gemessenen
Daten.
[0045] Mit zunehmender Zahl der Subharmonischen treten immer mehr Schnittpunkte auf, vergl.
die Phasenkurven in
Figur 7 für eine Grabenwalze und für eine Vibrationsplatte in
Figur 8.
[0046] Es hat sich gezeigt, dass das Auftreten von subharmonischen Schwingungen in Form
von Verzweigungen oder Bifurkationen ein weiteres, zentrales Element stark nichtlinearer
und chaotischer Schwingungen ist. Im Gegensatz zu Oberwellen stellen subharmonische
Schwingungen einen neuen, gesondert zu behandelnden Betriebszustand eines nichtlinearen
Systems dar; dieser Betriebszustand unterscheidet sich stark vom ursprünglichen, linearen
Problem. Oberwellen sind nämlich klein im Verhältnis zur Grundschwingung, d. h. die
nichtlineare Lösung des Problems verbleibt, mathematisch betrachtet, in der Umgebung
der Lösung des linearen Systems.
[0047] Die zugehörigen Amplituden der zusätzlichen subharmonischen Schwingungsanteile befinden
sich hingegen in derselben Grössenordnung wie die Grundschwingung. Die
Figur 6 zeigt das gemessene, unvermittelte Auftreten des Springens eines Walzenzugs (Ammann
AC 110) beim Übergang der Maschine von einer sehr weichen Unterlage (Reifen) auf ein
bereits verdichtetes, hartes Sand-Kies-Gemisch. Bei ansonsten gleichbleibenden Maschinenparametern
sind Bodensteifigkeit und Dämpfung die veränderlichen Systemparameter. In
Figur 6 oben ist das gemessene Schwingungsverhalten dargestellt, welches sofort auf den Systemparameterwechsel
reagiert und ohne zusätzliche Energiezufuhr zu "springen" beginnt, d. h. die erste
Subharmonische mit der Frequenz
f/2, bzw. der Periodizität 2T tritt sofort auf (Zeitdauer des Wechsels: ca. 4 Umdrehungen
der Unwucht bei 36 [Hz] Vibrationsfrequenz => ca. 1/9 [s] Übergangszeit, m
d = 4000 [kg]). Man beachte, dass sich die Bandage auf dem weichen Pneu (k
B = 30 MN/m) im linearen Auflastbetrieb befindet, währenddem auf der harten Unterlage
(k
B = 140 MN/m) sofort ein Abheben, bzw. ein Springen einsetzt.
[0048] Die durchgeführte FFT zeigt in
Figur 6 links das lineare, monofrequente Schwingungsverhalten auf dem Reifen; die auf harter
Unterlage zusätzlich auftretende subharmonische Schwingung weist im Vergleich zur
Grundschwingung eine rund doppelt so grosse Amplitude auf (rechte Darstellung in
Figur 6). Misst man bei jeder Unwuchtumdrehung in einer ausgezeichneten Position des rotierenden
Exzenters die zugehörige Schwingungsamplitude, bzw. den Deformationswert der Bewegung,
ist dieser auf dem Pneu immer konstant (harmonisch), auf der harten Unterlage alterniert
der Wert jedoch entsprechend des zusätzlichen subharmonischen Schwingungsanteils.
Oberwellen sind infolge ihrer Periodizität bei dieser Art der Signalerfassung nicht
zu erkennen. Die Messwerterfassung kann in der Praxis durch den Impuls einer Hall-Sonde,
welche den NullDurchgang der Vibrowelle erfasst, ausgelöst werden. Damit lassen sich
auch Poincaré-Abbildungen generieren. Werden die periodisch erfassten Amplitudenwerte
in Funktion des variierten Systemparameters, in unserem Falle also der Bodensteifigkeit
k
B, aufgetragen, entsteht das Bifurkations- oder sogenannte Feigenbaum-Diagramm (untere
mittlere Darstellung in
Figur 6). In diesem Diagramm erkennt man zum einen die Eigenschaft der sich bei steigender
Steifigkeit im Bereich der Verzweigung schlagartig vergrössernden Amplituden, die
Tangente an die zugehörige(n) Kurve(n) verläuft im Verzweigungspunkt vertikal. Deshalb
ist in der Praxis auch keine zusätzliche Energiezufuhr für das Springen der Walze
erforderlich. Das Diagramm zeigt weiter auf, dass bei steigender Steifigkeit (Verdichtung)
weitere Verzweigungen folgen, und zwar in immer kürzeren Abständen bezogen auf die
kontinuierlich zunehmende Steifigkeit
kB. Die Verzweigungen erzeugen eine Kaskade neuer Schwingungsanteile mit der jeweils
halben Frequenz der vorhergehend tiefsten Frequenz des Spektrums. Da sich die erste
Verzweigung aus der Grundschwingung mit der Frequenz
f, bzw. Periode T, abspaltet, entsteht die Frequenz-Kaskade
f, f/2, f/4, f/8 etc. Analog zur Grundschwingung generieren auch die Subharmonischen Oberwellen und
es entsteht ein Frequenzkontinuum im tieffrequenten Bereich des Signalspektrums. Dies
ist ebenfalls eine spezifische Eigenschaft des chaotischen Systems, im vorliegenden
Fall also des vibrierenden Walzenzugs.
[0049] Man beachte, dass sich das System des Verdichtungsgerätes in einem deterministischen
und nicht in einem stochastischen chaotischen Zustand befindet. Da die Parameter,
welche den chaotischen Zustand bewirken, nicht alle messbar sind (nicht vollständig
beobachtbar), kann der Betriebszustand der subharmonischen Schwingungen nicht für
die praktische Verdichtung prädiktiert werden. Das Betriebsverhalten in der Praxis
ist zudem durch viele Unwägbarkeiten gekennzeichnet, die Maschine kann durch den starken
Kontaktverlust zum Boden wegrutschen, die Belastung der Maschine durch die tieffrequenten
Schwingungen wird sehr hoch. Laufend können weitere Bifurkationen des Maschinenverhaltens
(unverhofft) auftreten, die sofort starke Zusatzbelastungen zur Folge haben. Hohe
Beanspruchungen treten auch zwischen Bandage und Boden auf; dies führt zur unerwünschten
Auflockerung oberflächennaher Schichten und zieht Kornzertrümmerungen nach sich.
[0050] So wird bei neuen Geräten, die über eine aktive Regelung der Maschinenparameter in
Funktion gemessener Grössen verfügen (z.B. ACE: Ammann Compaction Expert) bei Auftreten
der ersten subharmonischen Schwingung mit der Frequenz
f/2 sofort die Unwucht und damit die Energiezufuhr verringert. Diese Massnahme verhindert
zuverlässig das unerwünschte Springen oder Taumeln der Bandage. Zudem garantiert eine
kraftgesteuerte Regelung von Amplitude und Frequenz des Verdichtungsgerätes eine Steuerung
der Nichtlinearität und damit eine sichere Verhinderung des Springens/Taumelns, die
ja letztlich die Folge der auftretenden Nichtlinearität ist.
[0051] Aufgrund der Tatsache, dass die subharmonischen Schwingungen einen jeweils neuen
Bewegungszustand der Maschine darstellen, müssen Relativmessungen, z. B. zur Erfassung
des Verdichtungszustandes des Bodens, für jede neu auftretende subharmonische Schwingung
neu auf die Bezugsprüfverfahren, wie beispielsweise den Druckplattenversuch (DIN 18
196) geeicht werden. Im Fall eines "Kompaktometers", bei dem zur Verdichtungskontrolle
das Verhältnis von erster Oberwelle
2f zu Grundschwingung
f verwendet wird, ändert sich mit dem Auftreten des Springens die Korrelation grundsätzlich;
nur innerhalb des jeweiligen Verzweigungszustandes der Bewegung existiert ein linearer
Zusammenhang des Messwerts mit der Bodensteifigkeit.
[0052] Für die betrachteten Maschinen tritt die Bifurkation in Form des Periodenverdoppelungsszenarios
auf, die
Figur 7 bzw. die
Figur 8 zeigen dies anhand des FFT-Spektrums für eine Grabenwalze bzw. eine Vibrationsplatte.
[0053] Dieses Szenario ist grundsätzlich für alle technischen und physikalischen Systeme
mit einer einseitigen Bindung gültig. Falls eine Unterlagssteifigkeit
kB sehr, bez. "unendlich" hoch wird, spricht man von auftretenden Impacts oder Stössen.
[0054] Der Phasenraum der Bewegungen des Ober- und Unterwagens der Vibroplatte und der Grabenwalze
(x'
d - x
d und x'
f - x
f) zeigen im Vergleich zum entsprechenden Orbital des Walzenzugs
(Figur 5) deutlich die Zunahme der Komplexität der Bewegungen beim Auftreten des fortgeschrittenen
Periodenverdoppelungsszenarios, bzw. des deterministischen Chaos.
[0055] Bei konstant belassenen Maschinenparametern kann das kaskadenartige Auftreten der
Bifurkationen und Oberwellen mit ihren zugehörigen Periodenverdoppelungen analog den
Grosswalzen als Indikator für die zunehmende Bodensteifigkeit und Verdichtung dienen
(relative Verdichtungskontrolle).
[0056] Währenddem Walzen, vom Walzenzug bis zur handgeführten Grabenwalze, die Abrollbewegung
der Bandagen für ihre Fortbewegung nutzen und damit kein direkter Zusammenhang zwischen
Vibration und Vorwärtsbewegung besteht, ist die Vibrationsplatte für ihre Fortbewegung
immer auf das periodische Abheben vom Boden angewiesen, gesteuert durch die Neigung
ihres Richtschwingers. Deshalb sind die Vibrationen und die Fortbewegung miteinander
direkt gekoppelt, Platten und Stampfer weisen in der Folge immer ein nichtlineares
Schwingungsverhalten auf. Dadurch geraten die Geräte mit zunehmender Steifigkeit
kB schneller in den Bereich des Periodenverdoppelungsszenarios, chaotische Betriebszustände
treten bei ihnen häufiger auf als bei Walzen. In der
Figur 8 ist ein gemessenes, chaotisches Frequenzspektrum dargestelt; der tiefste, ausgeprägte
Schwingungsanteil mit einer Frequenz f
E/8 belegt die dritte aufgetretene Bifurkation des Systems, die Oberwellen, insbesondere
bei 3
xf
E/8 (zweite Oberwelle der Subharmonischen f
E/8; auch die anderen Subharmonischen können Oberwellen bilden) sind stark ausgeprägt.
[0057] Da es sich bei Platten und Stampfern um Geräte mit einem Gewicht zwischen 50 bis
500 kg handelt, kann man salopp sagen: je kleiner das Gerät, umso grösser die vibrationstechnische
Herausforderung.
[0058] Entscheidend ist die Erkenntnis, dass alle vibrierenden Geräte für die maschinelle
Bodenverdichtung, vom Stampfer bis zum Walzenzug, in ihrem nichtlinearen Verhalten
mit Hilfe der Chaostheorie erklärt werden können. Sämtliche Bewegungsverhaltensformen
können im Rahmen des Periodenverdoppelungsszenarios eindeutig verschiedenen Bifurkationszuständen
zugeordnet werden [vom periodischen Abheben (keine Bifurkation) bis zum voll ausgebildeten
chaotischen Verhalten]. Die Chaostheorie ermöglicht erst den Gesamtüberblick über
das Bewegungsverhalten der verschiedenen Geräteklassen.
[0059] Eine Bemerkung zur Schwingungsisolation des Chassis, bzw. Oberwagens: Diese Maschinenbaugruppe
wird als fusspunkterregtes Teilsystem tief abgestimmt. Damit werden Schwingungen im
Bereich der Erregerfrequenz sehr gut isoliert. Mit zunehmender Zahl der auftretenden
Bifurkationen geraten die subharmonischen Schwingungsanteile zunehmend in den Bereich
der Resonanzfrequenz des Oberwagens/Chassis und die Schwingungsanteile werden dadurch
mit steigender Zahl der aufgetretenen Bifurkationen transmittiert. In der Praxis ist
dies an den grossen Bewegungen der entsprechenden Maschinenteile zu erkennen. Auch
aus diesem Grund sind subharmonische Schwingungen unerwünscht und möglichst zu vermeiden.
[0060] Die durch eine mit den oben erwähnten Bodenverdichtungsvorrichtungen erreichte und
bestimmte Bodensteifigkeit
kB kann, sofern auf genaue (exakte) Bodensteifigkeitswerte verzichtet wird und man nur
eine Anzeige wünscht, welche angibt, ob die Bodensteifigkeit bei weiteren Überfahrungen
mit der Vorrichtung ansteigt oder einen bereits zufriedenstellenden Wert erreicht
hat, stark vereinfacht und damit preisgünstig mit der nachfolgenden in
Figur 10 gezeigten Messvorrichtung
20 vorgenommen werden. Eine derartige Messvorrichtung
20 für einen Bodensteifigkeitsrichtwert wird man hauptsächlich bei den ohnehin preisgünstigen
Vibrationsplatten einbauen.
[0061] Die Schwingungen des Unterwagens
17 werden mit einem Beschleunigungssensor
21 aufgenommen, mit einem Verstärker
23 verstärkt und mit einem Integrator
25 über einen vorgegebenen Zeitraum integriert. Die Integration wird vorgenommen um
aus dem Beschleunigungswert, gemessen mit dem Beschleunigungssenor
21 nach zweimaliger Intergration einen Weg zu erhalten. Anschliessend wird das Ausgangssignal
des Integrators
25 auf mehrere Bandpassfilter
27 geführt. Das Bandpassfilter ist derart ausgelegt, dass einmal die Anregungsfrequenz
f, die erste Oberwelle mit der doppelten Anregungsfrequenz
2 · f, die erste Subharmonische mit der halben Anregungsfrequenz
f/2, die zweite Subharmonische mit einer vierten Anregungsfrequenz
f/4 und die dritte Subharmonische mit einer achtel Anregungsfrequenz
f/8 auf jeweils einen Ausgang
29a bis
29e transmittiert werden. Die Messvorrichtung hat hier beispielsweise für eine Überwachung
der Frequenzen
2 · f, f, f/2, f/4 und
f/8 vier Quotientenbildner
31a bis
31d. Der Ausgang
29b (Ausgangssignal zu
f) ist als Divisor mit allen Quotientenbildnern
31a bis
31d verbunden. Alle Ausgänge sind mit je einem Quotientenbildner
31a bis
31d verbunden. Der Ausgang
29a (Ausgangssignal zu
2 ·f) ist als Dividend mit dem Quotientenbildner
31a verbunden, dessen Augangssignal (Quotient) an dessen Ausgang
33a anliegt. Der Ausgang
33a ist über eine Normierungsschaltung
35 an zwei Leuchten
37a in einem Anzeigetableau
39 geführt.
[0062] Analog wird mit den Ausgängen
29c (f/2), 29d (f/4) und
29e (f/8) verfahren, welche als Dividend auf die Quotientenbildner
31b, 31c bzw.
31d geführt werden. Ein Ausgang
33b, 33c bzw.
33d des Quotientenbildners
31b, 31c bzw.
31d wird über die Normierungsschaltung
35 an jeweils zwei Leuchten
37b, 37c bzw.
37d im Anzeigetableau
39 geführt. Leuchten nur die Leuchten 37a ist der betreffende Bodenbereich noch nicht
ausreichend verdichtet. Leuchten die Leuchten
37b ist eine bereits bessere Verdichtung erreicht, wobei die Verdichtung dann bis zu
den Leuchten
37d immer besser wird. Leuchten beispielsweise die Leuchten
37b auch bei mehrmaligem Überfahren mit der Vibrationsplatte nicht auf,so ist eine weitere
Verdichtung, sei es aufgrund der Bodenzusammensetzung oder der Maschinendaten der
verwendeten Vibrationsplatte, nicht möglich. Analoges gilt für die Leuchten
37c bzw.
37d.
[0063] Anstelle der beiden Leuchten könnte sofern nur das Auftreten der Subharmonischen
angezeigt werden soll nur eine einzige Leuchte verwendet werden. Es wird jedoch mit
der Messvorrichtung
20 nicht nur das Frequenzverhalten ermittelt, es werden auch die maximalen Schwingungsamplituden
der einzelnen Schwingungen (Einwirkungsfrequenz
f, Oberwellen
n · f, Subharmonische
f/[2 -n]) ausgewertet. In
Figur 6 sind in der mittleren unteren Darstellung ("Feigenbaum Szenario") beim Auftreten
der ersten Subharmonischen
f/2 für einen bestimmten Zustand die Amplituden
A(f) und
A(f/2) der Einwirkungsfrequenz
f und der ersten Subharmonischen
f/2 eingezeichnet. Das untere rechte Bild in derselben
Figur 6 zeigt die beiden Amplitudenwerte. Es ist hier ersichtlich, dass die maximale Amplitude
A(f) mit der Einwirkungsfrequenz
f kleiner ist als diejenige
A(f/2) der ersten Subharmonischen
f/2. Die zu erwartenden maximalen Amplituden können analog aus dem "Feigenbaum Szenario"
abgelesen werden. Auf der Abszisse des "Feigenbaum Szenarios" ist die Bodensteifigkeit
kB (Verdichtungsgrad) aufgetragen. Sind somit die tiefste vorhandene Subharmonische
sowie die maximalen Amplituden der Schwingungsfrequenzen bekannt, kann auf die Bodensteifigkeit
kB (Verdichtungsgrad) geschlossen werden. Ist ein durch die Normierungsschaltung
35 vorgegebener Amplitudenwert erreicht, leuchtet die jeweils zweite Leuchte der Leuchtenanordnung.
Selbstverständlich kann auch die Leuchtstärke in Abhängigkeit der Amplitudenhöhe gesteuert
werden.
[0064] Anstelle des Bandpassfilters
27 kann auch eine Einheit verwendet werden, welche eine schnelle Fourier-Transformation
(Fast Fourier Transformation FFT) ausführt.
[0065] Anstelle eines Bandpassfilters
27 kann auch innerhalb von Zeitfenstern die jeweilige Schwingungsamplitude bestimmt
werden. Hierbei wird man, ausgehend immer von der untersten Lage des Exzenters und
bekannter Umdrehungsgeschwindigkeit, die Amplitudenwerte für die erste Oberwelle und
entsprechenden Subharmonischen aufnehmen, sofern sie vorhanden sind.
[0066] In
Figur 11 ist eine Variante zu der in
Figur 10 dargestellten Schaltung dargestellt. Im Gegensatz zur Schaltung
20 in
Figur 10 wird in dieser Schaltung
40 ein zum Beschleunigungssensor
21 analog ausgebildeter Beschleunigungssensor
42 am Oberwagen
15 einer Vibrationsplatte
14 angeordnet. Durch (nicht dargestellte) Dämpfungselemente zwischen Ober- und Unterwagen
erfolgt eine Schwingungsdämpfung. Die Ausgangssignale des Beschleunigungssensors
42 für die erste Oberwelle
2f und die erste und zweite Subharmonische
f/2 und
f/4 werden nun im Gegensatz zur Schaltung
20 nicht integriert und als Beschleunigungssignale nach einer Verstärkung durch den
Verstärker
23 in einem Bandpassfilter
41 bearbeitet. Die Signale sind nämlich in der Regel ausreichend hoch. Das Signal der
dritten Subharmonischen
f/8 wird nun, da es in der Regel klein ist, mit einem Integrator
43 integriert und analog wie in
Figur 10 verarbeitet. Es muss nicht erst ab der dritten Subharmonischen
f/8 integriert werden. Es kann auch bereits die zweite Subharmonische
f/4 oder erst die vierte Subharmonische
f/16 integriert werden.
[0067] Der Sensor zur Aufnahme der Schwingungsform des Schwingungssystems ist gemäss obiger
Beschreibung am Unterwagen
11 bzw.
17 oder am Chassis
6 angeordnet; er kann aber auch am Oberwagen 9 bzw. 15 angeordnet werden. Bei einer
Anordnung am Oberwagen 9 bzw. 15 sind Schwingungsbeeinflussungen durch die Dämpfungselemente,
wie oben skizziert, zu beachten.
[0068] Der Nachweis des chaotischen Verhaltens dynamisch erregter Verdichtungsgeräte stellt
die aus verschiedenen Untersuchungen bekannten Schwingungsverhaltensweisen in einen
gemeinsamen Kontext. Basis ist die einseitige Bindung zwischen Boden (Asphaltschicht)
und dem schwingenden Teil des Gerätes. Die Vergrösserung der Schwingungserregung und/oder
die zunehmende Steifigkeit des Bodens mit zunehmender Verdichtung führt zum periodischen
Abheben des Verdichtungsgerätes vom Boden. Die resultierende Nichtlinearität nimmt
mit grösserer Unwucht, bzw. weiter zunehmender Verdichtung zu, was zur Bifurkation
des Bewegungsverhaltens führt. Die Verzweigung tritt plötzlich auf und stellt je nach
Maschinentyp einen unerwünschten oder gewollten Betriebszustand dar. Deshalb wird
dieser bei geregelten Walzen durch Verringern der vertikal wirksamen Unwucht vermieden.
Bei ungeregelten Verdichtungsgeräten tritt der schwingende Teil in das Periodenverdoppelungsszenario
ein, das Bewegungsverhalten wird chaotisch. Die nichtlinearen Schwingungen aller Verdichtungsgeräte
führen mit zunehmender Nichtlinearität über das Periodenverdoppelungsszenario ins
deterministische Chaos. Die subharmonischen Schwingungen übertragen sich zudem auf
den Oberwagen, bzw. das Chassis. Das chaotische Verhalten der Bandage macht das Lenken
der Maschine unmöglich, Kornzertrümmerungen und Auflockerungen an der Oberfläche sind
weitere, unerwünschte Folgen. Dieser Betriebszustand beansprucht die Maschine zudem
sehr stark und ist somit in der Praxis zu unterbinden.
[0069] Der Nachweis des chaotischen Betriebsverhaltens zeigt die Obergrenzen der Verdichtungsleistung
heutiger Geräte auf. Die maximal mögliche, in den Boden einzutragende Leistung wird
durch das beginnende Periodenverdoppelungsszenario begrenzt. Will man Verdichtungsgeräte
mit besserer Leistung bauen, muss die Energie auf alternative Art und Weise in den
Untergrund eingebracht werden. Ausgelöst wird das deterministische Chaos durch die
kraftgesteuerte Nichtlinearität der einseitigen Bindung zwischen Bandage/Unterwagen
und Boden. Die optimale Anpassung von Amplitude und Frequenz in Funktion des Bodenzustands
bei der neusten Generation selbstregelnder Vibrationswalzen und Walzenzüge ist eine
sehr effektive Möglichkeit, den Leistungseintrag in den Boden zu maximieren.
[0070] Die Bandbreite praktisch auftretender Schwingungsformen kann mit der chaostheoretischen
Betrachtung des Verdichtungsgerätes einfach abgeschätzt und die einzelnen Maschinenteile
für die zu erwartenden Extrembelastungen dimensioniert werden. Viele praktische Beanspruchungsbilder
lassen sich erst mit Hilfe der subharmonischen Schwingungen erklären.
[0071] Klassische und moderne Methoden der flächendeckenden dynamischen Verdichtungskontrolle
(FDVK) fussen sowohl bezüglich ihrer Grundlagen als auch ihrer praktischen Anwendungen
(Normen) auf der Chaostheorie.
[0072] Die Erkenntnisse aus der Anwendung der Theorie des deterministischen Chaos bilden
eine hervorragende Basis für die künftige Verdichtungsgeräteentwicklung.
1. Verfahren zur Ermittlung einer Bodensteifigkeit (kB) (Verdichtungsgrad) eines verdichteten bzw. zu verdichtenden Bodenbereichs (7), in dem eine auf den Bodenbereich (7) einwirkende Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) einer Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) über diesen bewegt wird, wobei auf die Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) eine zeitlich sich periodisch mit wenigstens einer Einwirkungsfrequenz (f) ändernde Bodenverdichtungskraft (FB) einwirkt und Schwingungen eines Schwingungssystems [Bodenverdichtungsvorrichtung
(1; 12; 14) mit Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) - Bodenbereich (7)] ermittelt werden, dadurch gekennzeichnet, dass eine Schwingungsform der Schwingung des Schwingungssystems (f, f/[2 · n], A(f), A(f/[2 · n])) aufgenommen wird und aus der Schwingungsform, aus Maschinenparametern der Bodenverdichtungsvorrichtung
und aus einer zeitlichen Lage der einen Bodenverdichtungskraft (FB) die Bodensteifigkeit (kB) (Verdichtungsgrad) ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennnzeichnet, dass zur Einwirkungsfrequenz (f) Subharmonische (f/2, f/4, f/8 usw.) aus der Schwingungsform (f, f/[2 · n], A(f), A(f/[2 · n])) des Schwingungssystems ermittelt werden und aus sämtlichen Subharmonischen (f/2, f/4, f/8 usw.) zur Einwirkungsfrequenz (f) diejenige mit der tiefsten Frequenz (f/[2 · n]) ermittelt wird, wobei eine erreichte Bodensteifigkeit (kB) umso höher ist, je tiefer die Frequenz der tiefsten subharmonischen Frequenz (f/[2 · n]) ist, und vorzugsweise Schwingungsamplitudenwerte (A(f), A(f/[2 · n]) der Subharmonischen (f/[2 · n]) aus der Schwingungsform sowie der Einwirkungsfrequenz (f) miteinander in eine gegenseitige Beziehung zur exakteren Ermittlung der Bodensteifigkeit
(kB) (Verdichtungsgrad) gebracht werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die zeitlich sich periodisch ändernde Bodenverdichtungskraft (FB) eine reine "Sinus"-Schwingung einer einzigen Frequenz (f) oder vorzugsweise eine
Überlagerung mehrerer "Sinus"-Schwingungen ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Einwirkungsfrequenz (f) der sich zeitlich ändernden Bodenverdichtungskraft (FB) auf eine Resonanzfrequenz (f0) des Schwingungssystems eingestellt wird oder vorzugsweise auf eine Frequenz eingestellt
wird, welche die Resonanzfrequenz (f0) um einen vorgegebenen, lediglich von Einstellstabilitäten bestimmten, Frequenzwert
überschreitet.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die jeweils tiefste Subharmonische (f/[2 · n]) bei einer Bewegung der Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) über einen jeweiligen Bodenbereich (7) diesem Bodenbereich (7) zugeordnet abgespeichert wird und mit einer tiefsten gemessenen Subharmonischen (f/[2 · n]) bei einem erneuten Überfahren verglichen wird und ein weiteres Überfahren eingestellt
wird, sofern keine tiefere Subharmonische (f/[2 · n]) nach einer vorgegebenen Anzahl Überfahrungen erreicht wird, da keine weitere Bodenverdichtung
bei den eingestellten Maschinendaten erreichbar ist.
6. Verfahren nach Anspruch 2 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass Amplitudenwerte der Schwingungen der Subharmonischen über einen jeweiligen Bodenbereich
(7) diesem Bodenbereich (7) zugeordnet abgespeichert werden und mit den Amplitudenwerten
bei einem erneuten Überfahren verglichen werden und ein weiteres Überfahren eingestellt
wird, sofern ein erhöhter Amplitudenwert der tiefsten Subharmonischen nach einer vorgegebenen
Anzahl Überfahrungen erreicht wird, da keine weitere Bodenverdichtung bei den eingestellten
Maschinendaten erreichbar ist.
7. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Amplitude (A0) der anregenden Bodenverdichtungskraft (FB) unmittelbar nach der Ermittlung der jeweils tiefsten Subharmonischen (f/[2 · n]) auf einen Wert zurückgestellt wird, bis eine stabile Lage der Bodenverdichtungsvorrichtung
erreicht ist.
8. Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) zur Verdichtung eines Bodenbereichs (7) auf eine vorgegebene Bodensteifigkeit (kB) (Verdichtungsgrad) mit einer auf den Bodenbereich (7) einwirkenden Bodenkontakteinheit (5; 11; 17), mit einem Antrieb für wenigstens eine schwingende Masse (md), welche auf die Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) eine periodisch sich ändernde Bodenverdichtungskraft (FB) ausübt, und mit wenigstens einem Sensor (21) zur Ermittlung einer Schwingung eines Schwingungssystems [Bodenvorrichtungsvorrichtung
(1; 12; 14) mit Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) - Bodenbereich (7)], gekennzeichnet durch eine mit dem wenigstens einen Sensor (21) verbundene Auswerteeinheit (20), mit der ausgehend von einer auf die Bodenkontakteinheit (5; 11; 17) wirkenden, anregenden Schwingung bzw. anregenden Schwingungen mit einer Einwirkungsfrequenz
(f) bzw. -frequenzen eine Schwingungsform aufnehmbar und abspeicherbar ist und aus der
Schwingungsform, aus Maschinenparametern der Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) und aus einer zeitlichen Lage der Bodenverdichtungskraft (FB) die Bodensteifigkeit (kB) (Verdichtungsgrad) mit der Auswerteeinheit (20) ermittelbar ist.
9. Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass zur Einwirkungsfrequenz (f) der wenigstens einen schwingenden Masse (md) mit der Auswerteeinheit (20) hierzu mehrere Subharmonische (f/2, f/4, f/8 usw.) ermittelbar sind und aus diesen Subharmonischen (f/2, f/4, f/8 usw.) diejenige mit einer tiefsten Frequenz (f/[2 · n]) als Mass für die Bodensteifigkeit (kB) (Verdichtungsgrad) bestimmbar ist, wobei die erreichte Bodensteifigkeit (kB) umso höher ist, je tiefer die Frequenz der tiefsten subharmonischen Frequenz (f/[2 · n]) ist, und vorzugsweise mit der Auswerteeinheit (20), vorzugsweise maximale, Amplitudenwerte (A(f), A(f/[2 · n]) der Subharmonischen (f/[2 · n]) aus der Schwingungsform sowie der Einwirkungsfrequenz (f) miteinander in eine gegenseitige Beziehung zur exakteren Ermittlung der Bodensteifigkeit
(kB) (Verdichtungsgrad) gebracht werden.
10. Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Sensor mit dem Antrieb verbunden ist und die Frequenz der wenigstens
einen schwingenden Masse durch den Antrieb derart einstellbar ist, dass eine maximale
Schwingungsamplitude erreichbar ist, was eine Resonanz eines Schwingungssystems anzeigt.
11. Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) nach einem der Ansprüche 7 bis 9, gekennzeichnet durch einen zweiten Sensor, mit dem der Zeitpunkt einer, vorzugsweise maximalen, Kraft
der wenigstens einen schwingenden Masse in Bodenverdichtungsrichtung feststellbar
ist, wobei der erste Sensor derart ausgebildet ist, dass er zusätzlich eine vorgegebenen,
vozugsweise eine maximale, Schwingungsamplitude der Bodenkontakteinheit in Bodenverdichtungsrichtung
feststellen kann, und eine mit den beiden Sensoren und dem Antrieb verbundene Vergleichereinheit,
welche die Antriebsfrequenz derart einstellt, dass zwischen den beiden maximalen Amplitudenwerten
ein voreilender Phasenwinkel der anregenden Masseschwingung zwischen 90° und 180°,
vorzugsweise zwischen 95° und 130°, vorhanden ist.
12. Bodenverdichtungsvorrichtung (1; 12; 14) nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine schwingende Masse eine veränderbare Unwucht hat und die Unwucht
derart in ihrem Unwuchtmoment reduzierbar ist, dass die gemessenen Subharmonischen
gerade noch in die Messempfindlichkeit des ersten Sensors fallen.