[0001] Die vorliegende Erfindung befasst sich mit dem Bereich der Uhrmacherei, insbesondere
mit einem unter dem Namen Hemmung bekannten Uhrenmechanismus.
[0002] Die Hemmung hat zum Ziel, die Schwingungen der Unruh (bzw. des Pendels) einer Uhr
zu unterhalten und zu zählen, wobei sie die eingangs vom Federhaus über das Räderwerk
abgegebene Energie erhält und periodisch Teilmengen dieser Antriebsenergie freisetzt,
um dem Regulierorgan die ihm durch Reibungsverluste entgangene Energie zurückzuerstatten.
Die Hemmung ist ein Verteilungsorgan. Die verschiedenen Hemmungsmechanismen wurden
in zahlreichen Schriften behandelt, wobei auf das Werk "Théorie de I'horlogerie* von
Reymondin et al, Fédération des Ecoles Techniques, 1998, ISBN 2-940025-1-X, Seiten
99 bis 128 verwiesen werden kann.
[0003] Die heute am meisten verwendete Hemmung ist die Schweizer Ankerhemmung. Obwohl diese
hier nicht näher beschrieben wird, soll zusammenfassend festgehalten werden, dass
ein solches System hauptsächlich aus einem Hemmungsrad, einem Anker und einer direkt
mit der Unruh verbundenen Rolle besteht, und dass ein Zyklus einer solchen Hemmung
die vier wesentlichen Funktionsphasen Ruhewinkel, Auslösung, Impuls und Sicherung
umfasst.
[0004] Ein anderer, unter dem Namen Duplex bekannter Hemmungstyp war Gegenstand einer in
dem am 30. April 1890 auf den Namen von L. Marckwald angemeldeten Schweizer Patent
Nr. 2209 - 64 beschriebenen Weiterentwicklung. Wie bei der Schweizer Ankerhemmung,
handelt es sich dabei um eine Hemmung mit frei beweglichem Anker, wobei Anker und
Hemmungsrad während der Ruhephase nicht in Berührung mit der Rolle kommen, d.h. um
eine frei schwingende Unruh.
[0005] In der oben erwähnten Duplex-Hemmung enthält der Anker eine Ein- und eine Ausgangspalette
sowie einen Impulsfinger. Das Hemmungsrad weist zwei verschieden grosse, unmittelbar
übereinanderliegende Verzahnungen auf. Die Ankerpaletten umspannen einen geringfügig
grösseren Winkel als der Teilungswinkel des Hemmungsrades.
[0006] Die Paletten und der Impulsfinger arbeiten jeweils mit der grossen resp. der kleinen
Verzahnung zusammen. Der Hauptanteil des Antriebsimpulses wird durch die Einwirkung
der kleinen Verzahnung auf den Impulsfinger geleistet. Alle anderen Funktionen werden
durch das Zusammenspiel zwischen Paletten und grosser Verzahnung erfüllt. Nach der
Auslösungsphase erhält indessen die zu diesem Zeitpunkt im Eingriff befindliche Palette
einen leichten Impuls von der grossen Verzahnung. Somit erhält die Unruh während einer
vollen Schwingung im Verlauf der ersten Halbschwingung einen teils von der einen und
dann von der anderen Verzahnung abgegebenen Doppelimpuls, resp. im Verlauf der zweiten
Halbschwingung einen Impuls schwacher Intensität, der ausschließlich durch die grosse
Verzahnung verursacht wird.
[0007] In dieser Lösung ist die Impulsverteilung, wie in der sehr klassischen Schweizer
Ankerhemmung, nicht symmetrisch zur sogenannten Zentrumslinie über Anker- und Unruhdrehpunkt,
wodurch dieses System einen Isochronismus-Fehler aufweist. Zudem erfolgt ein starker
Eingriff der Ankerpaletten in die Zähne der grossen Hemmungsradverzahnung, wodurch
insbesondere während der Auslösung hohe Reibungsverluste und eine relative Ungenauigkeit
verursacht werden.
[0008] Das Ziel der vorliegenden Erfindung ist die Beschreibung bzw. Darstellung eines Lösungsvorschlags
für eine Hemmung mit verlorener Halbschwingung, ohne die oben aufgeführten Nachteile.
[0009] Im Näheren betrifft die Erfindung:
eine Hemmung der Bewegung von Uhrteilen mit einer Hebefläche und einer Unruh, die
zu beiden Seiten eines Totpunkts auf einer auf die Hebefläche aufgesetzten Achse schwingt,
die so angeordnet ist, dass sie die Bewegung der Unruh unterstützt. Zur Hemmung gehören:
- eine Platte, die fest mit der Achse der Unruh verbunden ist,
- ein Anker, der drehbar um eine Achse auf der Hebefläche befestigt ist und abwechselnd
von einer ersten Ruheposition in eine zweite Ruheposition wechseln kann, in denen
er sich gegen die Anschläge der Hebefläche stützt und der so geformt ist, dass er:
■ über eine Ankerstange, die mit der Platte zusammenarbeitet,
■ einen Eingangsarm mit einer Eingangspalette,
■ einen Ausgangsarm mit einer Ausgangspalette, wobei die Arme in einer ersten ebenen
Fläche ausgerichtet sind und gemeinsam einen stumpfen Winkel bilden, und
■ über einen Impulsarm, der quer zum Eingangs- und Ausgangsarm in einer zweiten Ebene
angeordnet ist, und zu dem eine Impulspalette mit einer Impulsebene gehört,
wobei die Arme und die Ankerstange fest miteinander verbunden sind, verfügt und
- ein Hemmungsrad, das um eine Achse durch die Wirkung eines Antriebsdrehmoments drehbar
auf der Hebefläche angeordnet ist und aus zwei koaxialen und übereinanderliegenden
Verzahnungen besteht, von denen die erste in der ersten Ebene angeordnet ist und mit
den Eingangs- und Ausgangspaletten zusammenwirkt und die Zweite in der zweiten Ebene
angeordnet ist und mit der Impulspalette zusammenwirkt, um die Kraft eines Impulses
des Hemmungsrads über den Anker an die Unruh weiterzugeben.
[0010] Nach der Erfindung berühren die Oberflächen der Eingangs- und Ausgangspalette die
Zahnung der ersten Rads und sind so ausgerichtet, dass das durch das Rad ausgelöste
Drehmoment, wenn es sich dagegen stützt, gleich Null ist oder versucht, den Anker
in der Ruhestellung zu halten. Vorteilhaft ist, wenn die Oberfläche der Eingangspalette,
die mit der ersten Zahnung zusammenwirkt:
- über eine Ruheoberfläche, die sich in ihrem zu ihrem Befestigungspunkt angrenzenden
Bereich befindet und eindeutig eben und so angeordnet ist, dass die Kraft, die dort
durch den Druck der Verzahnung erzeugt wird, die Zentrumslinie, die die drehbaren
Achsen des Rads und des Ankers verbindet, zwischen diesen beiden Achsen in der Umgebung
der Ankerachse trennt, und
- über eine Freigabefläche, die an die Ruhefläche angrenzt und sich bis auf ihr freies
Ende erstreckt und somit einen zylindrischen Anteil aufweist, dessen Mitte auf der
Ankerachse liegt, verfügt.
[0011] Darüber hinaus besteht die Oberfläche der Ausgangspalette, die mit der ersten Verzahnung
zusammenwirkt, aus einer eindeutig ebenen Ruheoberfläche, die so ausgerichtet ist,
dass die Kraft, die dort der Druck der Verzahnung auslöst, in der Umgebung der Ankerachse
die Zentrumslinie trennt, welche die drehbaren Achsen des Rads und Ankers über die
Ankerachse hinaus in Richtung der Unruh verbindet.
[0012] Die Hemmung nach vorliegender Erfindung umfasst darüber hinaus folgende Eigenschaften:
- die Ausgangspalette, die Impulspalette und die zwei Verzahnungen sind so angeordnet,
dass die besagte Impulsebene bei Beginn des Impulses deutlich an der Zentrumslinie
ausgerichtet ist,
- der Impulsarm, die Impulspalette, die kleine Verzahnung des Hemmungsrads und die Platte
sind so ausgerichtet, dass der durch die Unruh beschriebene Winkel während dem Impuls
symmetrisch zum Totpunkt ist,
- die Eingangs- und Ausgangspaletten umgeben das Hemmungsrad in einem Winkel, der mindestens
drei Schritten der besagten Verzahnungen entspricht,
- das erste Rad hat einen größeren Durchmesser hat als das Zweite,
- das Hemmungsrad verfügt unter anderem über einen Anker und die Räder der Hemmung bestehen
aus zwei Flächen, die fest mit dem besagten Anker verbunden sind,
- die Zahnungen des Hemmungsrads sind spitz und arbeiten über diese Spitzen mit den
Paletten zusammen.
[0013] Weitere Eigenschaften gehen aus der folgenden Beschreibung hervor, die unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung erstellt wurde, in welcher:
- die Abbildungen 1 und 2 Ansichten der erfindungsgemässen Hemmung zu Beginn der Auslösung
resp. zu Beginn des Impulses während der toten Halbschwingung, und
- die Abbildungen 3a und 3b vergrösserte Ansichten der Eingangs- resp. der Ausgangspalette
sind.
[0014] Die vorliegende Erfindung findet bei mechanischen Uhren Anwendung. Die üblicherweise
für das Funktionieren einer solchen Uhr notwendigen Elemente, die dem Fachmann gut
bekannt sind, werden hier nicht beschrieben. Zur Erinnerung sei lediglich erwähnt,
dass die Hemmung die Energie vom Antriebsorgan über das Räderwerk erhält und an das
Regulierorgan, d.h. an die Unruh weiterverteilt.
[0015] In der Abbildung 1 sind ein Teil der Unruh 8 mit einer Achse 12, ein Anker 22 und
ein Hemmungsrad 48 dargestellt. Auf die Unruhwelle 12 ist eine Doppelrolle 10 aufgepresst,
die von einer kleinen Rolle 14 und einer grossen Rolle 16 gebildet wird, welche beide
konzentrisch zur Unruhwelle 12 liegen. Die Rolle 14 ist mit einer Einkerbung 18, resp.
die Rolle 16 mit einem Steuerstift 20 ausgestattet, welche radial mit der Achse 12
fluchten.
[0016] Der Anker 22 ist um die Achse 24 schwenkbar montiert und besteht aus einer Ankerstange
26, einem Eingangsarm 28 und einem Ausgangsarm 30, beide bei der Welle 24 zusammenlaufend.
Die Arme 28 und 30 tragen je eine vorzugsweise aus Rubin bestehende Palette, bzw.
eine Eingangspalette 32 resp. Ausgangspalette 34. Das freie Ende der Ankerstange 26
weist die Form einer mit zwei Hörnern 38, 40 und einem Sicherheitsstift 42 ausgestatteten
Gabel 36 auf, die auf bekannte Weise mit der Doppelrolle 10 zusammenarbeitet.
[0017] Der Anker 22 ist erfindungsgemäss mit einem dritten, Impulsarm genannten, den beiden
anderen Armen überlagerten Arm 44 ausgestattet, dessen eines Ende auf der Welle 24
befestigt ist und dessen anderes Ende eine Impulspalette 46 trägt. Der Impulsarm 44
ist, global gesehen, quer zu den Armen 28 und 30 angeordnet.
Das Hemmungsrad 48 ist mit einer Achse 50 verbunden und besteht aus einem grossen
Rad 52 und einem fest mit diesem verbunden kleinen Rad 54 sowie aus einem Trieb 56.
Diese beiden Räder sind spitzverzahnt, wie bei einer Englischen Ankerhemmung, und
weisen je 15 Zähne auf. Der auf der Welle 50 angeordnete Hemmungstrieb 56 stellt die
kinematische Verbindung zum nicht dargestellten Räderwerk her. Die beiden Räder 52
und 54 sind auf den Trieb 56 aufgenietet und teilungsgleich zueinander positioniert.
[0018] Schliesslich sind noch zwei Begrenzungsanschläge 58 und 60 vorhanden, die, wie ihr
Name besagt, den Ausschlag des Ankers 22 beidseitig begrenzen. Diese können als in
die Werkplatte eingepresste Stifte oder als direkt in die Werkplatte oder in die Ankerbrücke
eingearbeitete Seitenwände umgesetzt sein.
[0019] Die beschriebene Hemmung ist vom Typ mit verlorener Halbschwingung. Dies bedeutet,
dass die Unruh in einer ersten, sogenannten toten Halbschwingung den Anker so kippt,
dass das grosse Rad 52 ohne Impuls vom Anschlag an der Eingangspalette 32 zum Anschlag
an der Ausgangspalette 34 übergeht. In einer zweiten, sogenannten aktiven Halbschwingung
bewirkt die Unruh das Loskommen des grossen Rades 52 von der Ausgangspalette 34, und
das kleine Rad 54 verleiht der Palette 46 einen Impuls.
[0020] Es sollen nun die relativen Positionen und Dimensionen dieser verschiedenen Elemente
einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Zunächst sind die Achsen der Unruh 12
und des Ankers 24 fluchtend ausgerichtet und bilden eine sogenannte Zentrumslinie.
Im abgebildeten Beispiel ist die Achse 50 des Hemmrads 48 an der Zentrumslinie ausgerichtet,
es kann jedoch versetzt werden. In dieser zweiten Anordnung wird eine sogenannte Nebenhemmung
verwendet, die den Vorteil aufweist, dass der Anker in Bezug zu seiner Achse ins Gleichgewicht
gebracht wird
[0021] Die Wechselwirkung zwischen der Gabel 36 und der Doppelrolle 10 ist ähnlich wie bei
der Schweizer Ankerhemmung. Der Steuerstift 20 arbeitet mit den Hörnern 38 und 40
zusammen und der Sicherheitsstift 42, der bei einem Stoss an der Rolle anschlägt,
wechselt dank der Einkerbung 18 der kleinen Rolle 14 von deren einen Seite zur anderen.
Die Eingangspalette 32 und die Ausgangspalette 34 sind derart angeordnet, dass sie
im Gleichtakt der Unruhschwingungen abwechslungsweise mit den Zähnen des grossen Hemmungsrades
52 zusammenarbeiten. Die Paletten 32 und 34 umfassen einen geringfügig grösseren Winkel
als der über drei Radteilungen gemessene. Die Impulspalette 46 arbeitet mit den Zähnen
des kleinen Hemmungsrades 54 zusammen.
[0022] Aus der Abbildung 3 geht hervor, dass die Aussenseite AC der Eingangspalette 32 eine
Ruheebne AB und einen Auslösungsbogen BC aufweist. Wird eine Linie rechtwinklig zur
Ruheebene AB durch den Punkt gezogen, an dem die Seitenfläche AC mit dem Rad 52 in
Berührung kommt, so schneidet diese Linie die über die Ankerachse 22 und die Unruhachse
12 verlaufende Zentrumslinie derart, dass ein Zugmoment entsteht, das dahin wirkt,
die Ankerstange 26 am Anschlag 58 abgestützt zu halten.
[0023] Der Bogen BC weist eine zur Bewegungsbahn der Palette konzentrische Krümmung und
einen Zentrumswinkel von typisch zwölf Grad auf, der dem Impulswinkel α des Winkels
entspricht, welcher in Abbildung 2 dargestellt ist, sodass der Rücklauf des Hemmungsrades
auf den Beginn der Auslösung beschränkt ist. Zudem läuft die Eingangspalette erfindungsgemäss
zu einer Auslösungsschnabel genannten Spitze am Punkt C aus. Die die Innenseite der
Spitze der Palette 32 bildende Ebene CD ist zur Achse des Ankers 24 hin ausgerichtet
und kommt somit nie mit den Zähnen des grossen Hemmungsrades 52 in Berührung.
[0024] Die Ausgangspalette 34 weist eine Ruheebene EF auf, gegen welche die Zähne des grossen
Hemmungsrades 52 zur Abstützung kommen. Wird eine Linie rechtwinklig zur Ruheebene
EF durch den Punkt gezogen, an dem die Seitenfläche AC mit dem Rad 52 in Berührung
kommt, so schneidet diese Linie die über die Ankerachse 22 und die Achse 50 des Hemmungsrades
48 verlaufende Zentrumslinie derart, dass ein Zugmoment entsteht, das dahin wirkt,
die Ankerstange 26 am Anschlag 60 abgestützt zu halten.
[0025] Die Palette 34 läuft zu einer deren Auslösungsschnabel bildenden Spitze am Punkt
F aus. Die Ebene FG bildet mit der Ruheebene EF einen spitzen Winkel, sodass die Zähne
des grossen Hemmungsrades 52 nie damit in Berührung kommen.
[0026] Die Impulspalette 46 weist eine Impulsebene Hl auf, an welcher die Zähne des kleinen
Hemmungsrades 54 zur Abstützung kommen. Die Palette 46 läuft zu einer deren Impulsschnabel
bildenden Spitze am Punkt I aus. Die Ebene IJ bildet mit der Impulsebene Hl einen
spitzen Winkel, sodass die Zähne des kleinen Hemmungsrades 54 nie damit in Berührung
kommen.
[0027] Zu Beginn der in der Abbildung 1 dargestellten Auslösung dreht die Doppelrolle 10
in der Richtung des Pfeils 62, der Sicherheitsstift 20 ist im Begriff, mit dem Horn
40 in Berührung zu geraten. Ein Zahn 52b des grossen Hemmungsrades 52 befindet sich
in Abstützung auf der Ruheebene AB.
[0028] Indem die Doppelrolle 10 mit der Unruh weiterdreht, stützt sich der Steuerstift der
Rolle 20 am Horn 40 ab und der Anker 22 wird geschwenkt. Die Eingangspalette 32 löst
sich aus ihrem Eingriff am Zahn 52b zunächst unter Herausgleiten der Ebene AB, bei
leichtem Rücklauf des Hemmungsrades 48, und dann der Ebene BC, durch deren oben beschriebene,
besondere Form jeglicher Rücklauf während dieser Bewegungsphase vermeidbar ist. Wenn
der Zahn 52b die Palettenspitze C erreicht, erfolgt wegen der besonderen Formgebung
der Ebene CD keinerlei Impuls auf die Eingangspalette. Das Hemmungsrad 48 fällt im
Gegenteil direkt durch, bzw. dreht frei weiter bis ein um drei Zähne vom Zahn 52b
entfernter Zahn 52e mit der Ausgangspalette 34 in Berührung gerät.
[0029] Hiermit liegt die in der Abbildung 2 dargestellte Situation vor : der Ankerstab 26
des Ankers 22 wird am Anschlag 60 abgestützt. Der Zahn 52e steht mit der Ruheebene
EF der Ausgangspalette 34 in Berührung und übt eine Zugkraft aus, die dahin wirkt,
den Ankerstab 26 gegen den Anschlag 60 zu drücken.
[0030] Der Winkel, den das Hemmungsrad 48 zwischen Auslösungsbeginn und seinem Aufhalten
durch die Ausgangspalette durchläuft, wird Fallwinkel genannt und liegt in der Grössenordnung
von drei Grad.
[0031] Der Anker 22 verharrt regungslos und das Hemmungsrad 48 ist durch seine Abstützung
auf der Ausgangspalette 34 gesperrt. Während dieser Zeit durchlaufen die Unruh und
die Doppelrolle 10 einen zusätzlichen, ansteigenden Bogen bis zur Beendung ihrer Halbschwingung,
worauf sie einen die nächste Halbschwingung einleitenden, absteigenden Bogen bzw.
die Ruhephase angehen. Der rollenseitige Steuerstift 20 gerät alsdann in Berührung
mit dem Horn 38 und bewirkt die Schwenkung des Ankers 22 in der durch den Pfeil 64
der Abbildung 2 angegebenen Richtung, wodurch zunächst ein leichter Rücklauf des Hemmungsrades
48 und daraufhin die Auslösung des Zahnes 52e durch die Ausgangspalette 34 verursacht
werden. Das hiermit freigegebene Rad 48 dreht erneut im Uhrzeigersinn weiter.
[0032] Ein Zahn 54a des kleinen Hemmungsrades 54 gerät alsdann in Berührung mit der Ebene
Hl der Impulspalette 46. Es beginnt die Impulsphase, wobei das Hemmungsrad 48 der
Unruh Energie zuführt, um deren Schwingung zu unterhalten, und zwar über den Anker
22 und insbesondere das Horn 40, welches mit dem Steuerstift 20 zusammenarbeitet.
Besonders vorteilhaft ist dabei die im Moment des Impulsbeginns gegebene Ausrichtung
der Impulsebene Hl der Palette 46 mit der Zentrumslinie.
[0033] Das Hemmungsrad 48 setzt seine Drehung fort, wobei die Auslösung der Impulspalette
46 erfolgt, und dreht frei weiter bis ein um vier Zähne vom Zahn 52e entfernter Zahn
52a die Ruheebene AB der Eingangspalette 32 berührt. Der Anker 22 wird geschwenkt
und der Zahn 52a gleitet auf der Ebene AB bis der Ankerstab 26 am Anschlag 58 anstösst.
In einer zweiten Ruhephase durchlaufen die Unruh und die Doppelrolle 10 einen neuen
zusätzlichen ansteigenden Bogen bis zur Beendung ihrer zweiten Halbschwingung, worauf
sie einen die nächste Halbschwingung einleitenden absteigenden Bogen angehen und ein
neuer Zyklus wie der eben beschriebene beginnt.
[0034] Diese Umsetzung bietet mehrfache Vorteile. An erster Stelle ist die Tatsache zu erwähnen,
dass die Impulsebene Hl der Palette 46 zum Anfangszeitpunkt des Impulses mit der Zentrumslinie
ausgerichtet ist und damit optimale Reibungsbedingungen zwischen der Palette 46 und
den Zähnen des kleinen Hemmungsrades 54 entstehen.
[0035] Dank dem Umstand, dass es sich bei der soeben beschriebenen Hemmung um einen Typ
mit verlorener Halbschwingung handelt, weist diese Hemmung einen vom rollenseitigen
Steuerstift 20 während des Impulses durchlaufenen Impulswinkel y auf, der symmetrisch
zur Zentrumslinie aufgeteilt ist, wodurch der Isochronismus-Fehler beträchtlich vermindert
wird.
[0036] Weiter sind der in der Abbildung 2 dargestellte Impulswinkel α des Ankers 22 und
β des Hemmungsrades 48 im Verhältnis zu den üblichen Werten gross, mit einem üblicherweise
zwischen acht und zehn Grad liegenden α-Wert von 12 Grad, resp. bei ca. zehn Grad
liegenden β-Wert von 19 Grad. Der Wirkungsgrad der Hemmung wird hierdurch merklich
erhöht.
[0037] Schliesslich ist die grosse Länge des Ausgangsarms 30 zu erwähnen, der zwei Teilungen
des grossen Hemmungsrades 48 umfasst, wodurch eine sehr weit von der Ankerdrehachse
24 entfernte Fallsteuerung des Hemmungsrades 48 durch die Ausgangspalette 34 ermöglicht
wird. Die Genauigkeit dieser Bewegung wird hier durch verbessert und die Palette 34
braucht nicht tief in die Verzahnung einzugreifen, um die Drehung des Rades 48 wirksam
aufzuhalten. Die zwischen diesen beiden Teilen ausgeübten mechanischen Belastungen,
und demzufolge deren Verschleiss, werden somit verringert. Gewiss wird die Trägheit
des Ankers durch dessen grössere Masse erhöht, aber die durch die Formgebung des Arms
erbrachte Verbesserung gleicht diesen Nachteil weitgehend aus.
1. Hemmung der Bewegung von Uhrteilen mit einer Hebefläche und einer Unruh, die zu beiden
Seiten eines Totpunkts einer Achse (12) schwingt, die auf besagte Hebefläche aufgesetzt
und so ausgerichtet ist, dass sie die Bewegung der besagten Unruh unterstützt:
- mit einer Platte, die fest mit der Achse (12) der Unruh verbunden ist,
- einem Anker (22), der drehbar um die Achse (24) auf der Hebefläche aufgesetzt ist
und abwechselnd von einer ersten Ruheposition in eine zweite Ruheposition wechseln
kann, in denen er sich jeweils gegen die Anschläge der Hebefläche stützt und der aus
einem:
■ Stab (26), der mit der Platte (10) zusammenwirkt,
■ aus einem Eingangsarm (28) mit einer Eingangsplatte (32),
■ aus einem Ausgangsarm (30) mit einer Ausgangsplatte (34), wobei die besagten Arme
in einer ersten Ebene ausgerichtet sind und gemeinsam einen stumpfen Winkel bilden,
und
■ einem Impulsarm (44), der quer zum Eingangsarm (28) und Ausgangsarm (30) in einer
zweiten Ebene ausgerichtet ist und über eine Impulsplatte (46) verfügt, die mit einer
Impulsebene versehen ist, gebildet ist,
wobei die Arme und der Stab fest miteinander verbunden sind und
- ein Hemmungsrad (48), das um eine Achse (50) drehbar auf die Hebefläche montiert
ist und der Wirkung eines Drehmoments unterliegt und aus zwei koaxialen und übereinanderliegenden
Zahnrädern besteht, von denen das Erste in der ersten Ebene ausgerichtet ist und mit
den Eingangs- und Ausgangspaletten zusammenwirkt und das Zweite in der zweiten Ebene
ausgerichtet ist und mit der Impulspalette zusammenwirkt, um die Impulsenergie des
Hemmungsrads über den Anker weiterzugeben,
dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächen der Eingangs- und Ausgangspaletten die Verzahnung des ersten Rads
berühren und so ausgerichtet sind, dass das durch das Rad ausgelöste Drehmoment, wenn
es sich dagegen stützt, gleich Null ist oder versucht, den Anker in Ruhestellung zu
halten.
2. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche der besagten Eingangspalette (32), die mit der ersten Verzahnung zusammenwirkt,
in ihrem an ihren Befestigungspunkt angrenzenden Bereich eine eindeutig ebene Oberfläche
aufweist, die so ausgerichtet ist, dass die Kraft, die dort durch den Druck des Zahnrads
entsteht, die Zentrumslinie, welche die Drehachsen des Rads und des Ankers verbindet,
zwischen diesen Achsen neben der Ankerachse trennt.
3. Hemmung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche der besagten Eingangspalette (32), die mit der ersten Verzahnung zusammenwirkt,
unter anderem im an die Ruheoberfläche angrenzenden Bereich bis hin zum freien Ende
über eine Freigabefläche verfügt, die einen zylindrischen Anteil aufweist, dessen
Mitte sich auf der Achse des besagten Ankers (24) befindet.
4. Hemmung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche der besagten Ausgangspalette, die mit dem ersten Zahnrad zusammenwirkt,
aus einer eindeutig ebenen Ruheoberfläche besteht und so ausgerichtet ist, dass die
Kraft, die dort durch den Druck der Verzahnung entsteht, in der Umgebung der Ankerachse
die Zentrumslinie trennt, welche die drehbaren Achsen des Rads und Ankers über die
Ankerachse hinaus in Richtung der Unruh verbindet.
5. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausgangspalette, die Impulspalette und die beiden Verzahnungen so ausgerichtet
sind, dass die besagte Impulsebene bei Beginn des Impulses eindeutig an der Zentrumslinie
ausgerichtet ist.
6. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Impulsarm, die Impulspalette, die kleine Verzahnung des Hemmrads und die Platte
so ausgerichtet sind, dass der von der Unruh während dem Impuls durchlaufene Winkel
symmetrisch zum Totpunkt ausgerichtet ist.
7. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Eingangsund Ausgangspaletten das besagte Hemmungsrad in einem Winkel umgeben,
der mindestens drei Schritten der besagten Verzahnungen entspricht.
8. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Zahnrad einen größeren Durchmesser hat als das Zweite.
9. Hemmung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Hemmungsrad unter anderem über einen Anker verfügt und dadurch, dass die besagten
Zahnräder aus zwei Flächen bestehen, die fest auf diesen Anker aufgesetzt sind.
10. Hemmung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Verzahnungen der besagten Zahnräder spitz sind und über ihre Spitzen mit den
besagten Palettenoberflächen zusammenwirken.