[0001] Die Erfindung richtet sich auf ein Trainingsgerät, insbesondere eine Standfahrrad
oder dergleichen, mit einer Schwungscheibe und einer auf die Schwungscheibe einwirkenden,
über eine Einstellanordnung einstellbaren Bremseinrichtung.
[0002] Derartige Trainingsgeräte weisen herkömmlicherweise in der Regel eine Wirbelstrombremse
auf, die gebildet wird durch eine metallische Schwungscheibe und eine von dieser über
einen Luftspalt getrennten Magnetspule. Dabei ist die Bremsleistung über den Strom
in der Spule einstellbar bzw. regelbar.
[0003] Derartige Wirbelstrombremsen weisen den Nachteil auf, dass sie eine relativ kostenaufwändige
und schwere, metallische Schwungscheibe und eine Magnetspule erforderlich machen,
die ihrerseits ein nicht unerhebliches Gewicht aufweist und kostenverursachend ist.
[0004] Hiervon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde unter weitgehender Wahrung
der Einstell- bzw. Regelgenauigkeit herkömmlicher Wirbelstrombremsen die aufzubringende
Tretleistung bzw. ganz allgemein die Trainingsleistung auf einfache und kostengünstige
Weise einstellbar bzw. regelbar zu machen.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Einstellanordnung ein
temperaturabhängig verlagerbares Einstellelement, insbesondere in Form eines Dehnstoffarbeitselements,
umfasst.
[0006] Derartige Dehnstoffarbeitselemente werden serienmäßig in erheblichem Umfang z.B.
als Einstellelemente an Heizungsventilen hergestellt und vertrieben. Sie arbeiten
so, dass in Abhängigkeit von Temperaturänderungen ein Arbeitskolben linear verstellt
wird, der sich bei Temperaturerhöhung aus einem Gehäuse herausbewegt und beim Abkühlen
durch eine Rückstellfeder zurückgedrückt wird.
[0007] Es handelt sich dabei also um eine Art temperaturgesteuerten Hydraulikstellmotor
mit sehr großer Betätigungskraft, der sich durch kompakte Abmessungen, hohe Reaktionsgeschwindigkeit,
große Stellwege, äußerst präzise Regelung, mechanische Schwingungsunempfindlichkeit,
Wartungsfreiheit, lange Lebensdauer und Entbehrlichkeit von Hilfsenergie auszeichnet.
Eine genaue Beschreibung eines derartige Dehnstoffarbeitselements findet sich beispielsweise
in der Firmenschrift "Dehnstoffarbeitselemente" der BEHR Thermot-tronik GmbH.
[0008] Im Rahmen der Erfindung ist vorgesehen, dass das Einstellelement, vorzugsweise in
Form eines Dehnstoffarbeitselements, zumindestens mittelbar bremsend auf das Schwungrad
einwirkt, was im Falle eines Trainingsgerätes mit einer Wirbelstrombremse mit einer
zumindestens teilweise metallischen Schwungscheibe und einem auf diese einwirkenden
Magneten und mit einem Luftspalt zwischen Schwungscheibe und Magneten dadurch realisiert
wird, dass das Einstellelement zur Veränderung der Bremsleistung die Breite des Luftspaltes
zwischen Magneten und Schwungscheibe verändert, vorzugsweise in der Form, dass das
Einstellelement des Abstand des Magneten von der Schwungscheibe verändert.
[0009] Es sind bereits Versuche bekannt geworden, durch die Veränderung des Luftspaltes
eine Einstellung bzw. Regelung der Bremsleistung und damit der aufzubringenden Trainingsleistung
zu bewerkstelligen. Dies wurde mit Hilfe eines Getriebestellmotors bewerkstelligt,
wobei ein derartiger Motor aber kostenaufwändig und wartungsbedürftig und im Hinblick
auf die Stellkraft relativ zur Baugröße nicht konkurrenzfähig ist.
[0010] Wenn derartige Geräte für medizinische Zwecke eingesetzt werden sollen, muss die
Bremsleistung mit eine Genauigkeit von +/- 5% regelbar sein. Zur Erzielung einer derartigen
Regelung ist es aus DE 199 13 415 A 1 bekannt, zur Erfassung der momentanen Bremsleistung
eine Einrichtung zur Messung der Veränderung der Breite des Luftspaltes zwischen Elektromagneten
und Scheibe vorzusehen. Üblicherweise beträgt dieser Luftspalt zwischen den Polenden
des Elektromagneten und der Scheibe der Wirbelstrombremse 0,3 bis 0,4 mm. Je stärker
die Bremsleistung ist, desto geringer wird der Spalt, so dass man davon ausgehen kann,
dass Bremsleistung und Spaltbreitenänderung direkt korreliert sind. In erste Näherung
kann von einem proportionalen Zusammenhang ausgegangen werden. Zur Erzielung einer
noch größeren Genauigkeit ist es aber auch vorstellbar, dass die Abhängigkeit von
Luftspaltbreite und Bremsleistung zunächst empirisch erfasst und in Form einer Tabelle
oder Kurve abgespeichert wird, wobei die Regelung dann jeweils auf diese abgespeicherten
Daten zurückgreift.
[0011] Als Magnet kann ein Permanentmagnet verwendet werden, wobei heute Permanentmagneten
mit hoher Feldstärke verfügbar sind.
[0012] Zur Vermeidung einer Beeinflussung des Dehnstoffarbeitselements durch Temperaturänderungen
im Raumtemperaturbereich kann mit einem Arbeitstemperaturbereich deutlich oberhalb
der Raumtemperatur gearbeitet werden.
[0013] Die Temperaturveränderung an dem Dehnstoffarbeitselement kann durch elektrisches
Heizen und/oder Kühlen bewerkstelligt werden, wobei für das Heizen in an sich bekannter
Weise ein Heizdraht mit einstellbarer bzw. regelbarer Heizleistung verwendet werden
kann. Alternativ können zum Heizen und/oder Kühlen Peltier-Elemente eingesetzt werden,
die je nach Vorzeichen und Höhe der angelegten Spannung heizen oder kühlen.
[0014] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in Verbindung
mit der Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine Ansicht eines gattungsgemäßen Trainingsgerätes,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung des Bereiches um das erfindungsgemäße Einstellelement.
[0015] Ein in der Zeichnung dargestelltes Trainingsgerät umfasst einen Rahmen 1 bestehend
aus miteinander verschweißten Metallprofilen, wobei der Rahmen 1 über Klammerelemente
2 mit einem vorderen, quer verlaufenden Ständerteil 3 zu einem hinteren, quer verlaufenden
Ständerteil 4 verbunden und dementsprechend gegen seitliches Umkippen gesichert ist.
[0016] Von dem hinteren Ende des Rahmens 1 erstreckt sich als Sattelaufnahme ein rechteckiges
Stahlrohr 5 nach hinten oben. In dieses Stahlrohr 5 ist ein korrespondierendes Stahlrohr
6 teleskopartig eingesetzt. An dem oberen Ende dieses zweiten Stahlrohres 6 ist ein
Sattel 7 über eine in der Zeichnung im einzelnen nicht dargestellte Einrichtung 8
nach vorne und hinten positionseinstellbar auswechselbar befestigt. Über eine Feststellschraube
9 kann die Verschiebbarkeit des Stahlrohrs 6 relativ zum Stahlrohr 5 unterbunden werden,
das heißt eine Höheneinstellung vorgenommen werden.
[0017] Ausgehend von einem oberen, schräg nach vorne verlaufenden Rahmenteil 10 des Rahmens
1 erstreckt sich nach oben ein als Lenkeraufnahme dienendes Stahlrohr 11, welches
über Haltewinkel 12 abgestützt ist.
[0018] In dem Stahlrohr 11 ist ein handelsüblicher Triathlonlenker 13 über eine Schraube
14 höhenverstellbar festgelegt.
[0019] Von dem unteren Abschnitt des Stahlrohrs 11 erstreckt sich schräg nach oben ein Träger
15, an dessen oberem Ende eine Messanzeigeeinrichtung 16 angeordnet ist. Diese umfasst
einen Dreh-Einstellknopf 17, der vom Lenker 13 aus ohne Verlassen der Fahrposition
betätigbar ist.
[0020] An dem Stahlrohr 11 ist ein Halter 18 für zwei Getränkeflaschen 19 angeordnet.
[0021] Im Inneren des Rahmens 1 ist ein Riemengetriebe 20 angeordnet, umfassend eine Tretkurbel
21, welche mit einem Schwungrad 22 in Verbindung steht und einen um eine Umlenkrolle
23 geführten Treibriemen, der um eine Scheibe 24 einer Wirbelstrombremse geführt ist.
[0022] An der Tretkurbel sind Pedale 25 auswechselbar derart befestigt, dass der Rennfahrer
ihm gewohnte übliche Fahrpedale anbringen kann. Der Rahmen 1 ist seitlich mit transparenten
Abdeckplatten 26 aus Acrylglas abgedeckt, welche über Distanzschrauben 27 auf Abstand
zum Rahmen 1 gehalten werden, so dass entstehende Wärmeenergie entweichen kann.
[0023] In Fig. 2 ist schematisch der linke untere Bereich innerhalb des Rahmens 1 in Fig.
1 dargestellt. Dieser Bereich umfasst die bereits erwähnte Scheibe 24 der Wirbelstrombremse,
die gleichzeitig auch als Schwungscheibe wirkt, weiterhin einen Permanentmagneten
29 der Wirbelstrombremse sowie die Riemenspannanordnung (als solche in der Zeichnung
nicht dargestellt) mit der Umlenkrolle 23. Die Scheibe 24 ist über ein Kugellager
30 gelagert.
[0024] Der Permanentmagnet 29 induziert in der Scheibe 24 Wirbelströme, welche wiederum
ein Magnetfeld erzeugen, welches in der Wechselwirkung mit dem Permanentmagneten 29
eine Bremswirkung verursachen.
[0025] Der Permanentmagnet 29 weist einen Abstand Δ von der Peripherie 28 der Scheibe 24
auf, wobei die Bremswirkung durch Verringerung des Abstands Δ erhöht und durch Vergrößerung
des Abstands Δ vermindert werden kann, d.h. über diesen Abstand Δ ist eine Einstellung
bzw. Regelung der Bremsleistung möglich.
[0026] Um den Abstand Δ einstellbar zu machen, ist der Permanentmagnet 29 an einem Schwenkhebel
31 gelagert, der um ein Schwenklager 32 verschwenkbar ist. Über ein weiteres Schwenklager
33 an der Unterseite ist der Kolben 34 eines Dehnstoffarbeitselements 35 schwenkbar
gelagert, welches über schematisch angedeutete Halswicklungen 36 nach Vorgabe einer
Regelungsschaltung 37 beheizbar ist.
[0027] Beim Erwärmen fährt der Kolben 34 des Dehnstoffelements 35 in der Zeichnung nach
links heraus, wodurch der Schwenkhebel 31 um das Lager 32 geschwenkt und der Permanentmagnet
29 unter Verkleinerung des Abstandes Δ näher an die Peripherie 31 der Scheibe 24 verschwenkt
wird, so dass die Bremswirkung und damit die Bremsleistung erhöht wird.
1. Trainingsgerät, insbesondere Standfahrrad oder dergleichen, mit einer Schwungscheibe
und einer auf die Schwungscheibe einwirkenden, über eine Einstellanordnung einstellbaren
Bremseinrichtung, dadurch gekennzeichnet, dass die Einstellanordnung ein temperaturabhängig verlagerbares Einstellelement (35) umfasst.
2. Trainingsgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Einstellelement (35) ein Dehnstoffarbeitselement ist.
3. Trainingsgerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Einstellelement (35) zumindest mittelbar bremsend auf die Brems-Scheibe (24)
einwirkt.
4. Trainingsgerät nach Anspruch 3, umfassend eine Wirbelstrombremse mit einer zumindestens
teilweise metallischen Brems-Scheibe und einem auf diese einwirkenden Magneten, wobei
zwischen Magneten und Schwungscheibe ein Luftspalt ausgebildet ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Einstellelement (35) zur Veränderung der Bremsleistung die Breite (Δ) des Luftspaltes
zwischen Magneten (29) und Brems-Scheibe (24) verändert.
5. Trainingsgerät nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Einstellelement (35) den Abstand (Δ) des Magneten (29) von der Brems-Scheibe
(24) verändert.
6. Trainingsgerät nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Magnet (29) ein Permanentmagnet ist.
7. Trainingsgerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Dehnstoffarbeitselement (35) in einem Temperaturbereich deutlich oberhalb der
Raumtemperatur betrieben wird.
8. Trainingsgerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Temperaturveränderung an dem Dehnstoffarbeitselement (35) durch elektrisches
Heizen und/oder Kühlen bewerkstelligt wird.
9. Trainingsgerät nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizen durch einen Heizdraht (36) bewerkstelligt wird.
10. Trainingsgerät nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizen und/oder Kühlen durch Peltier-Elemente bewerkstelligt wird.
11. Trainingsgerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Dehnstoffarbeitselement (35) und damit die Luftspaltbreite (Δ) über eine Temperaturregelung
regelbar ist.