[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verbesserung der Füllfähigkeit von gepresstem
Tabak, wie geschnittenen Tabakblättern oder -rippen bzw. Tabakzusatzstoffen, durch
Behandlung des Tabakmaterials mit einem aus Stickstoff und/oder Argon bestehenden
Behandlungsgas bei Drücken von 400 bis 1.000 bar gefolgt von einer kontinuierlichen
Dekompression und anschließender thermischer Nachbehandlung des ausgetragenen Tabakmaterials.
[0002] Derartige Verfahren, die auch als INCOM-Blähverfahren bekannt sind, haben sich gegenüber
der Druckbehandlung von Tabak mit Kohlendioxid, Ammoniak oder flüchtigen organischen
Gasen als vorteilhaft erwiesen. So beschreibt die DE 29 03 300 C2 ein derartiges Blähverfahren
mit Arbeitsdrücken zwischen 300 und 800 bar. Die Beispiele zeigen einen großen Einfluss
des Enddruckes auf die Füllfähigkeitsverbesserung, aber nur einen unwesentlichen Einfluss
der Einwirkzeit im Bereich zwischen 1 und 10 Minuten. Die Schrift enthält keinen Hinweis
auf eine mögliche Pressung oder Verdichtung des Tabaks.
[0003] DE 31 19 330 C2 offenbart die thermische Behandlung des mit Gas unter Druck behandelten
Tabaks durch Wasserdampf bzw. Sattdampf und verweist bezüglich der Hochdruckbehandlung
auf das bereits zitierte Patent DE 29 03 300 C2.
[0004] Ferner beschreibt die DE 34 14 625 C2 ein Kaskadenverfahren, wonach durch verschiedenartigste
Maßnahmen wie Kühlung des Behandlungsgases vor der Beaufschlagung des Reaktors, Kühlung
des Autoklaven oder Einsatz eines unterkühlten und verflüssigten Behandlungsgases
gewährleistet sein soll, dass die Temperatur des ausgetragenen Tabaks vor der Wärmebehandlung
unter 0 °C liegt. Die Bespiele beruhen auf einer Füllung des 200-1-Autoklaven mit
30 kg Tabak, was einer Fülldichte von 0,15 kg/dm
3 entspricht.
[0005] Das Patent DE 39 35 774 C2 beschreibt die Kühlung des verdichteten Behandlungsgases
im Autoklaven über einen externen Wärmeaustauscher, wobei mehrere Autoklaven zu einem
sogenannten Train zusammengeschaltet wurden. Das Verfahren stellt letztlich eine besondere
Form der Kühlung von Gas und Behandlungsgut dar.
[0006] DE 100 06 425 C1 beschreibt die Behandlung eines Tabaks mit relativ geringer Feuchte
bis etwa 16% bei einer Arbeitstemperatur größer 55 °C. Aus dem genutzten Autoklavenvolumen
von 2 dm
3 und einer Tabakeinwaage von 300 g errechnet sich eine Fülldichte der Tabakschüttung
von 0,15 kg/dm
3, was der bereits zitierten DE 34 14 625 C2 entspricht.
[0007] DE 100 06 424 A1 offenbart die Dekompression mit mindestens einer Haltestufe und
eine Erwärmung des unter Restdruck stehenden Systems um Tabakaustragstemperaturen
von 10 bis 80 °C zu erzielen.
[0008] Die im Stand der Technik beschriebenen Fülldichten von ca. 0,15 kg/dm
3 ergeben sich, wenn der Tabak ohne einen weiteren Pressvorgang in den Druckbehälter
eingefüllt wird. Eine Erhöhung der Fülldichte brachte bei den bekannten Verfahren
mit schnellem Druckaufbau hingegen geringere Füllfähigkeiten des expandierten Tabakmaterials.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die bekannten Verfahren dahingehend zu
weiter zu entwickeln, dass sie bei vergleichbar hoher Füllfähigkeit wirtschaftlicher
als bisher sind.
[0010] Überraschenderweise zeigt sich nämlich, dass entgegen der Lehre aus der DE 29 03
300 C2 im Bereich hoher Fülldichten die Einwirkzeit des komprimierten Gases einen
erheblichen Einfluss auf die resultierende Füllfähigkeit des expandierten Tabakmaterials
ausübt.
[0011] Der zitierte Stand der Technik beschreibt zwar, wie das grundlegende Verfahren weiter
im Hinblick auf eine möglichst hohe Füllfähigkeit des expandierten Tabakmaterials
optimiert werden kann. Neben dem Füllfähigkeitsgewinn ist aber auch die Tabakfüllmenge
bei gegebenem Autoklavenvolumen ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit des
INCOM-Verfahrens. Eine Erhöhung der Füllmenge ermöglicht nicht nur eine höhere Durchsatzleistung
sondern führt außerdem zu einer Absenkung des spezifischen Verbrauchs an Behandlungsgas
und Verdichter-Energie für eine zu expandierende Tabakmenge.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren wird im folgenden anhand von Beispielen näher erläutert.
[0013] Hierzu wird zunächst der Begriff "Druckzeit" definiert als die Summe aus Druckaufbauzeit
bis zum erstmaligen Erreichen des Enddruckes und der optionalen Haltezeit nach Erreichen
des Enddruckes bis zum Einleiten des Dekompressionsvorgangs.
[0014] Eine erfindungsgemäße, ausreichend lange Druckzeit kann durch folgende Varianten
der Prozessführung erzielt werden:
i. Langsamer Druckaufbau bis zur direkt nachfolgenden Dekompression
ii. Schneller Druckaufbau mit anschließender Haltezeit, d.h. Stehenlassen des Behälters
unter Druck ohne Zufuhr oder Abfuhr von Behandlungsgas
iii. Schneller Druckaufbau mit anschließender Haltezeit, vor Beginn der Dekompression
erfolgt ein Nachspeisen von Behandlungsgas, um erneut den Enddruck zu erreichen.
[0015] Da während der Haltezeit aufgrund der Abkühlung der Druck im Behälter absinkt, ermöglicht
eine Prozessführung nach Variante iii., vor der Dekompression erneut den Enddruck
einzustellen. Überraschenderweise führt dieses Vorgehen gegenüber Variante ii. zu
einer weiteren, allerdings geringen Füllfähigkeitssteigerung.
[0016] Die folgenden Beispiele 1 und 2 beschreiben zunächst den Einfluss verschiedener Druckzeiten
und Prozessvarianten bei einer Fülldichte des Tabaks im Druckbehälter von 0,15 kg/dm
3 gemäß Stand der Technik:
Beispiel 1
[0017] Die Hochdruckbehandlung wurde in einem Laborautoklaven mit einem genutzten Inhalt
von 2 dm
3 durchgeführt. Eine Ummantelung zur Zirkulation flüssiger Medien diente zur Einstellung
der gewünschten Arbeitstemperaturen. Der Druckaufbau erfolgte von unten, der Druckabbau
nach oben. Mehrere Ventile ermöglichten die beabsichtigten Schaltungsschemata. Ein
Kompressor diente zur Einstellung des Enddruckes.
[0018] Die Laborvorrichtung zur thermischen Nachbehandlung bestand aus einem als Transportband
dienenden durchlässigen Drahtgewebe, Leitblechen zur Ausbildung des Tabakvlieses in
der gewünschten Breite, einer Dampfdüse mit schlitzartiger Austrittsöffnung und einer
unter dem Band angeordneten Dampfabsaugvorrichtung. Die Nachbehandlung mit Sattdampf
erfolgte bei einer Bandgeschwindigkeit von 5 cm/s und einer Dampfleistung von 10 kg/h.
[0019] Die Tabakproben wurden in flachen Plastikschalen ausgebreitet und im Normklima bei
21 °C und 62% relativer Feuchte konditioniert. Die Füllfähigkeiten wurden mit Hilfe
eines Borgwaldt-Densimeters bestimmt, und das spezifische Volumen in cm
3/g auf eine Sollfeuchte von 12 Gew.-% und eine Solltemperatur von 22 °C umgerechnet.
Aus den Daten des unbehandelten Vergleichs bzw. Basis und den expandierten Mustern
errechnet sich die auch als Blähgrad bezeichnete relative Füllfähigkeitsverbesserung
nach der folgenden Formel, in welcher F
B die Füllfähigkeit der Basis und F
E die Füllfähigkeit des expandierten Tabaks bedeuten:

[0020] Die Versuche wurden mit einer Tabakfeuchte von 18 Gew.-% und Tabakeinwaagen von 300g
durchgeführt. Die Arbeitstemperatur wurden durch Thermostatisierung auf 40°C eingestellt.
Der Enddruck betrug 700 bar, die Dekompression erfolgte in etwa 0,5 min. Alle Versuche
basierten auf einer einheitlichen Mischung aus Virginiatabaken und der beschriebenen
Nachbehandlungsmethode mit Sattdampf. Variiert wurden die bruckaufbauzeit, die Haltezeit
nach Erreichen des Enddruckes sowie die Option des Nachspeisens am Ende der Haltezeit.
Die Tabelle 1 enthält die Zusammenstellung der Versuchsparameter und die erzielten
relativen Füllfähigkeitsverbesserungen bzw. Blähgrade.
Tabelle 1: Relative Füllfähigkeitsverbesserung (Fülldichte 0,15 kg/l, Arbeitstemperatur
40°C, Tabakfeuchte 18%)
| Prozessvariante |
i. |
i. |
i. |
ii. |
ii. |
iii. |
iii. |
| Druckaufbauzeit (min) |
3 |
6 |
12 |
3 |
3 |
3 |
3 |
| Haltezeit (min) |
0 |
0 |
0 |
5 |
10 |
5 |
10 |
| Druckzeit (min) |
3 |
6 |
12 |
8 |
13 |
8 |
13 |
| Füllfahigkeitsgewinn Δ% |
67 |
68 |
72 |
68 |
68 |
70 |
71 |
Beispiel 2
[0021] Die Versuche wurden analog Beispiel 1 durchgeführt, jedoch mit einer Tabakfeuchte
von 12% und einer Arbeitstemperatur von 60°C. Tabelle 2 enthält die Versuchsparameter
sowie die erzielten relativen Füllfähigkeitsverbesserungen bzw. Blähgrade.
Tabelle 2: Relative Füllfähigkeitsverbesserung (Fülldichte 0,15 kg/dm
3, Arbeitstemperatur 60°C, Tabakfeuchte 12%)
| Prozessvariante |
i. |
i. |
ii. |
iii. |
| Druckaufbauzeit (min) |
3 |
30 |
3 |
3 |
| Haltezeit (min) |
0 |
0 |
5 |
5 |
| Druckzeit (min) |
3 |
30 |
8 |
8 |
| Füllfahigkeitsgewinn Δ% |
77 |
79 |
75 |
76 |
[0022] Die Ergebnisse aus Beispiel 1 und 2 machen deutlich, dass im Bereich konventioneller
Stopfdichten die Druckzeit lediglich einen geringen Einfluss auf den Füllfähigkeitsgewinn
ausübt.
[0023] Die folgenden Beispiel 3 und 4 zeigen den Einfluss verschiedener Druckzeiten und
Prozessvarianten bei einer erfindungsgemäßen Fülldichte des Tabaks im Druckbehälter
von über 0,2 kg/dm
3:
Beispiel 3
[0024] Die Versuche wurden analog Beispiel 1 durchgeführt, jedoch mit einer Tabakeinwaage
von 500g. Der Tabak wurde während der Befüllung des Druckbehälters durch manuelles
Pressen verdichtet. Tabelle 3 enthält die Zusammenstellung der Versuchsparameter und
die erzielten relativen Füllfähigkeitsverbesserungen bzw. Blähgrade.
Tabelle 3: Relative Füllfähigkeitsverbesserung (Fülldichte 0,25 kg/dm
3, Arbeitstemperatur 40°C, Tabakfeuchte 18%)
| Prozessvariante |
i. |
i. |
i. |
ii. |
ii. |
iii. |
iii. |
| Druckaufbauzeit (min) |
3 |
12 |
20 |
3 |
3 |
3 |
3 |
| Haltezeit (min) |
0 |
0 |
0 |
5 |
10 |
5 |
10 |
| Druckzeit (min) |
3 |
12 |
20 |
8 |
13 |
8 |
13 |
| Füllfahigkeitsgewinn Δ% |
55 |
65 |
71 |
67 |
68 |
69 |
69 |
Beispiel 4
[0025] Die Versuche wurden analog Beispiel 2 durchgeführt, jedoch mit einer Tabakeinwaage
von 450g. Der Tabak wurde vor Befüllung des Druckbehälters mit Hilfe eines Mikrowellenofens
auf ca. 50°C erwärmt und beim Einfüllen durch manuelles Pressen verdichtet. Tabelle
4 enthält die Zusammenstellung der Versuchsparameter und die erzielten relativen Füllfähigkeitsverbesserungen
bzw. Blähgrade.
Tabelle 4: Relative Füllfähigkeitsverbesserung (Fülldichte 0,225 kg/dm
3, Arbeitstemperatur 60°C, Tabakfeuchte 12%)
| Prozessvariante |
i. |
i. |
ii. |
iii. |
| Druckaufbauzeit (min) |
3 |
20 |
3 |
3 |
| Haltezeit (min) |
0 |
0 |
10 |
5 |
| Druckzeit (min) |
3 |
20 |
13 |
8 |
| Füllfahigkeitsgewinn Δ% |
65 |
76 |
73 |
74 |
[0026] Die Beispiel 3 und 4 verdeutlichen den Einfluss der Druckzeit auf den Füllfähigkeitsgewinn
bei erfindungsgemäßen Fülldichten von über 0,2 kg/dm
3. Ein guter Expansionseffekt kann unter diesen Bedingungen nur erzielt werden, wenn
die Druckzeit einen Wert von ca. 300 s übersteigt. Weiterhin wird deutlich, dass bei
vergleichbaren Druckzeiten die Prozessvariante iii. die besten Ergebnisse liefert.
1. Verfahren zur Verbesserung der Füllfähigkeit von Tabak, wie geschnittenen Tabakblättern
oder -rippen bzw. Tabakzusatzstoffen, durch Behandlung des 10-30 % Ausgangsfeuchte
aufweisenden Tabakmaterials mit einem aus Stickstoff und/oder Argon bestehenden Behandlungsgas
bei Drücken von 400 bis 1.000 bar gefolgt von einer kontinuierlichen Dekompression
und anschließende thermische Nachbehandlung des ausgetragenen Tabakmaterials, dadurch gekennzeichnet, dass der Tabak vor, während oder nach Befüllung des Druckbehälters mechanisch verdichtet
wird, so dass die Fülldichte der Tabakschüttung im Autoklaven mehr als 0,2 kg/dm3 beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Druckzeit, also die Zeit zwischen Beginn des Druckaufbaus und Dekompression mindestens
300 s beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Tabak vor oder bei der Verdichtung erwärmt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass die Druckzeit von mindestens 300 s nach schnellem Druckaufbau durch Stehenlassen
des Behälters unter Druck erreicht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Stehenlassen des Behälters vor der Dekompression eine erneute Drucknachspeisung
erfolgt.
1. Process for enhancing the filling capacity of tobacco, such as cut tobacco leaf or
tobacco midribs, or tobacco additives, by treating the tobacco material having an
initial moisture of 10-30 % with a treatment gas consisting of nitrogen and/or argon
at pressures of 400 to 1,000 bar followed by a continuous decompression and subsequent
thermal post-treatment of the discharged tobacco material, characterised in that that the tobacco is mechanically compressed before, during or after the pressure vessel
is filled, so that the filling density of the tobacco charge in the autoclave is greater
than 0.2 kg/dm3.
2. Process according to claim 1, characterised in that the pressure time, that is to say the time between the start of pressure build up
and decompression, is at least 300 s.
3. Process according to claim 1 or 2, characterised in that the tobacco is heated before or during compression.
4. Process according to claims 1-3, characterised in that the pressure time of at least 300 s is reached after rapid pressure build up by allowing
the vessel to stand under pressure.
5. Process according to claim 4, characterised in that after the vessel is allowed to stand, before the decompression, renewed pressurisation
is performed.
1. Procédé permettant d'améliorer la capacité de charge du tabac, tel que les feuilles
ou côtes de tabac coupées ou additifs du tabac, par traitement du tabac présentant
une humidité de sortie de 10 à 30 % avec un gaz de traitement constitué d'azote et/ou
d'argon pour des pressions allant de 400 à 1000 bars, suivi par une décompression
continue et un traitement thermique ultérieur consécutif du tabac évacué, caractérisé en ce que le tabac est comprimé mécaniquement avant, pendant ou après le remplissage du récipient
sous pression de manière à ce que la densité de charge des chutes de tabac atteigne
plus de 0,2 kg/dm3 dans l'autoclave.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le temps de pression, donc le temps s'écoulant entre le début de la montée en pression
et la décompression, atteint au moins 300 secondes.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le tabac est chauffé avant ou lors de la compression.
4. Procédé selon la revendication 1 à 3, caractérisé en ce qu'un temps de pression d'au moins 300 secondes est obtenu en laissant reposer le récipient
sous pression après la rapide montée en pression.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que, après le repos du récipient, une nouvelle alimentation en pression s'effectue avant
la décompression.