[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft neue strahlenhärtende Pulverlackbindemittel, die
Maleinund/oder Fumarsäureester enthalten, sowie die Verwendung dieser Bindemittel
als Bestandteil von Beschichtungsmitteln.
[0002] Die Verwendung strahlenhärtender pulverförmiger Bindemittel bietet den prinzipbedingten
Vorteil gegenüber thermisch härtenden Pulvern, dass Verlauf und Härtung getrennt steuerbar
sind. Es ist daher üblich, zunächst den applizierten Pulverlack aufzuschmelzen, genügend
Zeit zu erlauben, um einen gewünschten Verlauf zu ermöglichen und danach mittels energiereicher
aktinischer Strahlung auszuhärten.
[0003] Um auch temperaturempfindliche Substrate beschichten zu können, sollte der Schritt
des Aufschmelzens bei möglichst niedrigen Temperaturen (≤ 120°C) und kurzer Zeitdauer
möglich sein, um einen guten Verlauf des Beschichtungsmittels zu gewährleisten und
das Substrat nicht zu schädigen.
[0004] Strahlenhärtende Bindemittel basieren auf den in der Pulverlackchemie bekannten chemischen
Systemen wie acrylfunktionellen Polyestern oder Polyacrylaten. Für besonders hochwertige
Beschichtungen werden Urethanacrylate verwendet.
[0005] Während EP-A 410 242 die Herstellung derartiger Bindemittel in organischen Lösungsmitteln
beschreibt, lehrt DE 199 398 43 die lösungsmittelfreie Herstellung unter Verwendung
eines hohen Massenanteils von 10 - 95 Gew.-% einer kristallinen Komponente, die aus
einem Mono- oder Diisocyanat und einem Mono-Hydroxyalkyl(meth)acrylat aufgebaut ist.
Obwohl sehr gute Beschichtungseigenschaften erhalten wurden, ist die Lagerstabilität
dieser Pulverlacke schlecht. Im Mahlund Siebprozess verbackt das Pulver, so dass eine
industrielle Anwendung nur bei nicht praxisgerechten gekühlten Umgebungstemperaturen
möglich ist.
[0006] WO-A 03 044 111 beschreibt bei Raumtemperatur mahlbare, lagerstabile, pulverförmige
amorphe Urethanacrylate, die keine Tendenz zum Verbacken haben und nach Aufschmelzen
besonders niedrigviskos sind. Die Glastemperaturen dieser Verbindungen liegen oberhalb
45°C. Um einen guten Verlauf der beschriebenen Pulverlackbindemittel zu erhalten sind
Aufschmelztemperaturen über 120°C notwendig, die für einige wichtige Substrate wie
bestimmte Kunststoffe und Holzarten zu hoch sind.
[0007] Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe bestand daher darin, die bekannten strahlenhärtenden
Pulverlacksysteme dahingehend zu verbessern, dass bereits bei Aufschmelztemperaturen
≤ 120°C zufriedenstellende Verlaufseigenschaften erreicht werden, wobei Mahlbarkeit
und Lagerstabilität nicht negativ beeinflusst werden dürfen.
[0008] Es wurde nun gefunden, dass bei Raumtemperatur gut mahlbare und lagerstabile Pulverlacke
mit dem gewünschten Aufschmelzverhalten erhalten werden, wenn monomere Malein- und/oder
Fumarsäureester dem strahlenhärtenden Pulverlack zugesetzt werden.
[0009] Gegenstand der Erfindung sind Bindemittelzusammensetzungen mit einer Glasübergangstemperatur
T
g innerhalb des Bereiches einschließlich der Grenzen von 30 bis 90°C enthaltend
A) einen oder mehrere kristalline Ester der Malein- und/oder Fumarsäure,
B) ein oder mehrere amorphe oder teilkristalline Harze, die mindestens eine unter
Einwirkung aktinischer Strahlung mit ethylenisch ungesättigten Verbindungen unter
Polymerisation reagierende Gruppe enthalten sowie
C) gegebenenfalls Hilfs- oder Zusatzstoffe.
[0010] Unter aktinischer Strahlung wird elektromagnetische, ionisierende Strahlung verstanden,
insbesondere Elektronenstrahlen, UV-Strahlen sowie sichtbares Licht (Roche Lexikon
Medizin, 4. Auflage; Urban & Fischer Verlag, München 1999).
[0011] Im Sinne dieser Erfindung wird mit Schmelzpunkt diejenige Temperatur bezeichnet,
bei der der kristalline Ester der Fumar- oder Maleinsäure (Komponente A) bei 1 bar
Atmosphärendruck schmilzt. Im Gegensatz dazu haben amorphe Harze (wie z.B. solche
in Komponente B) keinen defmierten Schmelzpunkt. Amorphen Harzen können verschiedene
charakteristische Temperaturen zugeordnet werden, in denen die Eigenschaften des Materials
sich ändern. Eine davon ist die Glasübergangstemperatur T
(g), die den Übergang vom festen zu einem gummi/zähen Zustand beschreibt. Im Falle von
semikristallinen Harzen (solche, die auch in Komponente B Verwendung finden), kann
sowohl eine Glasübergangstemperatur Tg als auch ein Schmelzpunkt zugeordnet werden.
Letzterer ist immer höher als ersterer. Eine detailliertere Beschreibung ist zu finden
bei H.-G. Elias, "An Introduction to Polymer Science", VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim,
1997, Kapitel 10.2.4., Moduli and Poisson Ratios', Seiten 330-332.
[0012] Als Ester ROOC-CH=CH-COOR' der Malein- bzw. Fumarsäure können in A) sowohl die Halbals
auch die Vollester einzeln oder in beliebigen Mischungen untereinander eingesetzt
werden. Bevorzugt weisen sie einen Schmelzpunkt innerhalb des Bereiches einschließlich
der Grenzen von 20 - 180°C, bevorzugt von 40 - 140°C, besonders bevorzugt von 80 -
135°C auf.
[0013] R ist dabei ein gegebenenfalls Heteroatom-enthaltender, gegebenenfalls ungesättigter
aliphatischer, cycloaliphatischer, araliphatischer oder aromatischer Rest und R' ist
entweder H oder ebenfalls ein gegebenenfalls Heteroatom-enthaltender, gegebenenfalls
ungesättigter aliphatischer, cycloaliphatischer, araliphatischer oder aromatischer
Rest.
[0014] R, R' können grundsätzlich auch funktionelle Gruppen wie Vinyl-, Allyl-, Epoxy-,
Cyano-, Isocyanato-, Amino-, Thiol-, Hydroxyl-, Halogen-, Nitro-, Sulfon-, Sulfoxy-,
Amid-, Ether-, Ester-, Carbonsäure-, Harnstoff-, Urethan-, Uretdion-, Allophanat-,
Biuret-, Isocyanurat-, Thioester-, Thioamid-, Carboxyl-, Carbonyl-, Aryl- und/oder
Acylgruppen aufweisen.
[0015] Bevorzugt steht R für Methyl, Ethyl, n-Propyl, Isopropyl, n-Butyl, Isobutyl, tert.-Butyl,
Pentyl, Hexyl, Heptyl, Octyl, Nonyl, Decyl, Dodecyl, Cycloheptyl oder Cyclohexyl,
besonders bevorzugt für Ethyl, Isopropyl, n-Butyl oder Cyclohexyl.
[0016] Besonders bevorzugt werden Fumarsäuredialkylester R-OOC-CH
2=CH
2-COOR' mit R = R' = Methyl, Cyclohexyl oder Dodecyl; die Fumarsäurehalbester R-OOC-CH
2=CH
2-COOH mit R = Methyl, Ethyl, Isopropyl, Cyclohexyl, Allyl, Dodecyl, Propargyl oder
Butyl; die Maleinsäuredialkylester R-OOC-CH
2=CH
2-COOR' mit R = R' = Cyclohexyl oder Dodecyl; oder die Maleinsäurehalbester R-OOC-CH
2=CH
2-COOH mit R = Ethyl, Isopropyl, Cyclohexyl oder Dodecyl eingesetzt.
[0017] Ganz besonders bevorzugt werden ausschließlich die Fumarsäureester, insbesondere
die Fumarsäurehalbester der vorstehend genannten Art in A) eingesetzt.
[0018] Die in den erfindungsgemäßen Bindemittelzusammensetzungen enthaltenden Malein- bzw.
Fumarsäureester sind nach EP-A 69 926 technisch leicht durch Umsetzung von Maleinsäureanhydrid
mit dem entsprechenden Alkohol oder -gemisch und gegebenenfalls anschließender Isomerisierung
zugänglich.
[0019] Komponente B) enthält ein oder mehrere amorphe oder teilkristalline Harze, die mindestens
eine unter Einwirkung aktinischer Strahlung polymerisierbare Gruppe enthalten. Solche
Harze sind beispielsweise Polyester, Polycarbonate, Polyacrylate, Polyether, Polyurethane
oder Polyamide oder beliebige Mischungen solcher Polymere, die mindestens eine unter
Einwirkung aktinischer Strahlung polymerisierbare Gruppe enthalten.
[0020] Durch aktinische Strahlung polymerisierbare Gruppen können beispielsweise Vinyl-,
Vinylether-, Propenyl-, Allyl-, Maleinyl-, Fumaryl-, Maleinimid-, Dicyclopentadienyl-,
Acrylamid-, Acryl- und Methacryl-Gruppen sein, bevorzugt sind Vinylether-, Acryl-
und/oder Methacryl-Gruppen, besonders bevorzugt sind Acrylgruppen.
[0021] Geeignete Polyester oder Polyamide werden üblicherweise durch Umsetzung ungesättigter
Säuren bzw. Anhydride wie Maleinsäure(anhydrid) und Fumarsäure mit mehrfach OH- und/oder
oder NH-funktionellen Verbindungen erhalten.
[0022] Geeignete Polyester, Polycarbonate oder Polyurethane sind beispielsweise durch Umsetzung
ungesättigter OH-funktioneller Verbindungen mit 2 bis 12, vorzugsweise 2 bis 4 Kohlenstoffatomen
mit beispielsweise Säure-, Ester- oder Säurechlorid-funktionellen Polyestern oder
Polycarbonaten oder NCO-funktionellen Polyurethanen zugänglich.
[0023] Beispiele für geeignete ungesättigte OH-funktionelle Verbindungen sind Hydroxyethyl(meth)-acrylat,
2- und 3-Hydroxypropyl(meth)acrylat, 2-, 3- und 4-Hydroxybutyl(meth)acrylat, weiterhin
OH funktionelle Vinylether, wie z.B. Hydroxybutylvinylether sowie deren Mischungen.
[0024] Des weiteren können als OH-funktionelle ungesättigte Verbindungen OH-funktionelle
(Meth)acrylsäureester bzw. -amide eingesetzt werden, die durch Umsetzung von bis zu
n-1 Äquivalenten (Meth)acrylsäure mit n-wertigen Alkoholen, Aminen, Aminoalkoholen
und/oder deren Gemischen erhältlich sind. Als n-wertige Alkohole kommen dabei Glycerin,
Trimethylolpropan und/oder Pentaerythrit infrage.
[0025] Ebenfalls können Produkte aus der Umsetzung von epoxyfunktionellen (Meth)acrylsäureester
mit (Meth)Acrylsäure verwendet werden. So ergibt die Umsetzung von Glycidylmethacrylat
mit Acrylsäure einen gemischten Acrylsäure- Methacrylsäureester des Glycerins, der
ebenfalls vorteilhaft verwendet werden kann.
[0026] Geeignet sind auch Umsetzungsprodukte von Polyestern mit Säurezahlen >5 und glycidylfunktionellen
(Meth-)acrylaten (z.B. Glycidylmethacrylat).
[0027] Bevorzugt sind als OH-funktionelle ungesättigte Verbindungen zum Aufbau ungesättigter
Polyester, Polycarbonate und Polyurethane ist Hydroxyethylacrylat und die isomeren
Hydroxypropylacrylate.
[0028] Polyacrylate können nur nach der Polymerisation der Acrylat- und Vinylaromatenmonomere
strahlenhärtend modifiziert werden. Dies gelingt über funktionelle Gruppen, die inert
gegenüber den Herstellungsbedingungen des Polyacrylats sind und anschließend erst
zu ungesättigten strahlenhärtenden Gruppen weiter modifiziert werden. Geeignete Gruppen
hierzu sind beispielsweise
| Inerte Gruppe |
Modifizierungsreagenz |
Strahlenhärtende Gruppe |
| Epoxy |
Acrylsäure, dimere Acrylsäure |
Acrylat |
| Säure |
Glycidylmethacrylat |
Methacrylat |
| Säure |
Hydroxyalkylacrylat |
Acrylat |
| Alkohol |
Maleinsäureanhydrid |
Maleinat |
| Alkohol |
Acrylsäure, dimere Acrylsäure |
Acrylat |
| Alkohol |
Acrylfunktionelles Isocyanat |
Urethanacrylat |
| Isocyanat |
Hydroxyalkylacrylat |
Urethanacrylat |
| Anhydrid |
Hydroxyalkylacrylat |
Acrylat |
[0029] Verschiedene amorphe oder teilkristalline Harze, die mindestens eine unter Einwirkung
aktinischer Strahlung polymerisierbare Gruppe enthalten, sind auch kommerziell erhältlich.
Beispiele sind die Produkte der UVECOAT® -Reihe der Fa. UCB S.A., BE und die Produkte
der URACROSS® P-Reihe der Fa. DSM N.V., NL.
[0030] Als Komponente C) können in der Technologie der Lacke, Farben, Druckfarben, Dichtstoffe
und Klebstoffe übliche Zusätze oder Hilfsmittel enthalten sein. Dazu gehören auch
durch aktinische Strahlung aktivierbare Initiatoren, die eine radikalische Polymerisation
der entsprechenden polymerisierbaren Gruppen auslösen. Fotoinitiatoren, die durch
UV- oder sichtbares Licht aktiviert werden, sind hierbei bevorzugt. Fotoinitiatoren
sind an sich bekannte, kommerziell vertriebene Verbindungen, wobei zwischen unimolekularen
(Typ I) und bimolekularen (Typ II) Initiatoren unterschieden wird. Geeignete (Typ
I)-Systeme sind z.B. aromatische Ketonverbindungen, z.B. Benzophenone in Kombination
mit tertiären Aminen, Alkylbenzophenone, 4,4'-Bis(dimethylamino)benzophenon (Michlers
Keton), Anthron und halogenierte Benzophenone oder Mischungen der genannten Typen.
Weiter geeignet sind (Typ II)-Initiatoren wie z.B. Benzoin und seine Derivate, Benzilketale,
Acylphosphinoxide z.B. 2,4,6-Trimethyl-benzoyl-diphenylphosphinoxid, Bisacylphosphinoxide,
Phenylglyoxylsäureester, Campherchinon, α-Aminoalkylphenone, α,α-Dialkoxyacetophenone
und α-Hydroxyalkylphenone. Es können auch Gemische dieser Verbindungen eingesetzt
werden. Bevorzugt werden solche Verbindungen, die sich mit den Methoden der Pulverlacktechnik
gut einarbeiten lassen und nicht zu einer Reduktion der Lagerstabilität oder Mahlbarkeit
der Bindemittel fuhren. Beispiele hierfür sind 1-Hydroxycyclohexylphenylketon, Benzidimethylketal
oder ― bei pigmentierten Systemen ― 2-Methyl-1-(4-(methythio)phenyl-2-morpholino-propanon-1
oder Trimethyl-benzoyl-diphenyl-phosphinoxid.
[0031] Soll die Härtung der polymerisierbaren Bestandteile zusätzlich thermisch initiiert
werden, eignen sich als Verbindungen der Komponente C Peroxyverbindungen wie Diacylperoxide
z.B. Benzoylperoxid, Alkylhydroperoxid wie Diisopropylbenzolmonohydroperoxid, Alkylperester
wie tert.-Butylperbenzoat, Dialkylperoxide wie Di.-tertbutylperoxid, Peroxidicarbonate
wie Dicetylperoxiddicarbonat, anorganische Peroxide wie Ammoniumperoxodisulfat, Kaliumperoxodisulfat
oder auch Azoverbindungen wie 2,2'-Azobis[N-(2-propenyl)-2-methylpropionamide], 1-[(Cyano-1-methylethyl)azo]formamide,
2,2'-Azobis(N-butyl-2-methylpropionamide), 2,2'-Azobis(N-cyclohexyl-2-methylpropionamide),
2,2'-Azobis{2-methyl-N-[2-(1-hydroxybutyl)]propionamide}, 2,2'-Azobis{2-methyl-N-[2-(1-hydroxybutyl)]propionamide,
2,2'-Azobis{2-methyl-N-[1,1-bis(hydroxymethyl)-2-hydroxyethyl]propionamide, weiterhin
auch Benzpinakol. Diese Radikalbildner können in bekannter Weise mit Beschleunigern
kombiniert werden z.B. mit Cobaltverbindungen und/oder aromatischen Aminen.
[0032] Weiterhin verwendbare Zusätze sind Stabilisatoren, Lichtschutzmittel wie UV-Absorber
und sterisch gehinderte Amine (HALS), weiterhin Antioxidantien, Füllstoffe sowie Lackhilfsmittel,
z.B. Antiabsetzmittel, Entschäumungs- und/oder Netzmittel, Verlaufmittel, Reaktivverdünner,
Weichmacher, Katalysatoren und/oder Verdicker sowie Pigmente, Farbstoffe und/oder
Mattierungsmittel. Der Einsatz von Lichtschutzmitteln und die verschiedenen Typen
sind beispielhaft beschrieben in A. Valet, Lichtschutzmittel für Lacke, Vincentz Verlag,
Hannover, 1996.
[0033] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen
Bindemittelzusammensetzungen, bei dem die Komponenten A) bis C) in beliebiger Reihenfolge
oder als Mischung unter Rühren, Kneten oder sonstigem Vermischen bei Temperaturen
von 40 bis 140°C, vorzugsweise 60 bis 120°C miteinander vermischt werden und abschließend
zu einem Granulat zerkleinert werden.
[0034] Zur Vermischung eignen sich beispielsweise Extrudern oder Knetern, bevorzugt werden
Extruder verwendet.
[0035] Die Extrusionsbedingungen liegen dabei in einem Temperaturbereich in dem die Bestandteile
der Komponente B) bereits erweichen, also oberhalb der Glasübergangstemperatur T
g von B), jedoch noch unterhalb Schmelzpunkts T
m der Komponente A). Extrusionsbedingungen oberhalb des Schmelzpunktes T
M von A) sind auch möglich, aber nur dann wenn eine Rekristallisation der Ester A)
nach der Extrusion aus dem Gemisch stattfindet. Ebenfalls ist es möglich auf ein gemeinschaftliches
Extrudieren zu verzichten und A) und B) getrennt voneinander zu mahlen, zu sieben
und durch einfaches Mischen der Pulver zu vermengen.
[0036] Die Komponente C) kann dabei vor dem Vermischen zu einer der Komponenten A) oder
B) gegeben werden oder während oder nach der Vermischung der Komponenten A) und B)
zugefügt werden.
[0037] Die Granulierung erfolgt in an sich in bekannter Weise beispielsweise durch Mahlen
und anschließendes Sieben zur Entfernung von groben oder zu feinem Kornanteilen. Bevorzugt
weisen die Bindemittelzusammensetzungen nach dem Mahlen eine mittlere Korngröße von
weniger als 200 µm , besonders bevorzugt kleiner 100 µm auf.
[0038] Die so hergestellten pulverförmigen Bindemittelzusammensetzungen können nach üblichen
Pulverauftragsverfahren, wie z.B. elektrostatischen Pulversprühen, turboelektrischem
Auftrag, elektromagnetischen Bürsten oder Wirbelsintern, auf die zu überziehenden
Formteile aufgebracht werden. Die Überzüge werden dann zunächst durch Einwirkung von
Hitze (z. B. durch IR-Strahler und/oder in Umluft- bzw. Konvektionsöfen) geschmolzen.
Es bildet sich ein klarer Film, sofern keine Pigmente o. ä. eingearbeitet wurden.
Die Härtung der Überzüge kann entweder durch Erhitzen auf 130-220°C, vorzugsweise
150-190°C, und/oder durch die Einwirkung von energiereicher Strahlung wie UV- oder
Elektronenstrahlung erfolgen. In letzteren bevorzugten Fall wird nur eine niedrige
Temperatur zum Aufschmelzen benötigt. Diese liegt bevorzugt ≤ 120°C, besonders bevorzugt
≤ 100°C, ganz besonders bevorzugt ≤ 90°C, wobei die Aufschmelzdauer bevorzugt ≤ 20
min, besonders bevorzugt ≤ 15 min, ganz besonders bevorzugt ≤ 10 min beträgt.
[0039] Im Falle der Vernetzung mittels UV-Strahlung ist es notwendig, in Komponente C) Fotoinitiatoren
homogen einzuarbeiten. Als Fotoinitiatoren sind die üblicherweise eingesetzten Verbindungen
geeignet, wenn sie die Pulvereigenschaften wie Rieselfähigkeit und Lagerfähigkeit
nicht negativ beeinflussen.
[0040] Die bei C) genannten Fotoinitiatoren, die in Mengen zwischen 0,1 und 10 Gew.-%, vorzugsweise
0,1 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Bindemittels, eingesetzt werden, können
als einzelne Substanz oder, wegen häufiger vorteilhafter synergistischer Effekte,
auch in Kombination miteinander verwendet werden.
[0041] Gegenstand der Erfindung ist weiterhin die Verwendung der erfmdungsgemäß hergestellten
Bindemittel für Pulverlacke zur Beschichtung von Substraten aus Holz, Metall, Kunststoff,
mineralischen Stoffen oder bereits beschichteten Substraten oder von Substraten, die
aus beliebigen Kombinationen der genannten Materialen bestehen: Insbesondere seien
hier Anwendungen in der Industrielackierung von MDF-Platten, vormontierten höherwertigen
Gütern, die bereits temperaturempfindliche Baugruppen enthalten aber auch die Lackierung
von Möbeln, Coils, Gegenständen des täglichen Lebens, Automobilkarossen und deren
Anbauteile genannt. Auch Kompositmaterialen aufgebaut aus Kunststoff und Metall sind
geeignete Substrate.
[0042] Insbesondere auf Metall- oder Kunststoffteilen kann die Verwendung der Ester A),
die noch freie Carboxylatgruppen aufweist zu einer besonders guten Haftung fuhren.
Beispiele:
[0043] In den nachfolgenden Beispielen beziehen sich alle Prozentangaben auf das Gewicht.
[0044] Die Glasübergangstemperatur T
g wurde mit einem Differential Scanning Kalorimeter (Typ DSC 12E, Metler-Toledo GmbH,
Giessen, DE) in einem Temperaturintervall von ―15°C bis + 150°C (Aufheizrate 10K/Minute)
bestimmt.
[0045] Die angegebenen Schmelzpunkte in °C wurden mit einem Kapillar-Schmelzpunkt-Messgerät
(Typ Büchi 530, Büchi Labortechnik AG, CH-9230 Flawil) bestimmt.
[0046] Die Ermittlung des NCO-Gehaltes erfolgte durch Titration gemäß DIN 53 185.
Beispiel 1
Amorphes Urethanacrylatharz
[0047] In einem Planschlifftopf wurden 2425.70g Desmodur I [1-Isocyanato-3-Isocyanatomethyl-3,5,5-trimethylcyclohexan
(IPDI)] (Bayer AG, Leverkusen, DE) vorgelegt und bei 90°C 1.60 g 2,5-Ditert.-butylhydrochinon,
4.00 g 2,6-Di-tert.-butyl-4-methylphenol, 2.00 g Desmorapid Z (Dibutylzinndilaurat)
(Bayer AG, Leverkusen, DE) und 4.00 g p-Methoxyphenol gelöst. Nun wurde unter Wärmeentwicklung
eine Mischung aus 1179.24 g Hydroxypropylacrylat und 383.46 g 1,2-Ethandiol innerhalb
von 3 h zudosiert, die Temperatur wurde dabei bei 90°C gehalten. Mit zunehmender Viskosität
der Harzschmelze wurde bis auf 116°C erwärmt. Nach 1,5 h Rühren wurde ein NCO-Gehalt
0,05 Gew.-% erreicht. Die Schmelze wurde in einer Aluschale überführt und man ließ
diese erkalten. Die Glastemperatur T
g des amorphen, glasharten, spröden Produkts betrug 49,2°C.
Beispiel 2
Kristalliner monomerer Fumarsäuremonocyclohexylester
[0048] In die Lösung von 196 g Maleinsäureanhydrid und 2 g Jod in 200 g eines technischen
Alkyl-Aromaten-Gemisches als Lösungsmittel wurden bei 160°C im Verlaufe von 50 Minuten
200 g Cyclohexanol eingetropft. Das Reaktionsgemisch wurde heiß filtriert, im Wasserstrahlvakuum
eingedampft und der Rückstand aus Leichtbenzin/Toluol umkristallisiert. Man erhielt
den Fumarsäurecyclohexylmonoester in farblosen Kristallen mit einem Schmelzpunkt T
m von 87°C.
Beispiel 3
Herstellung der Beschichtungen
[0049] Das Produkt aus Beispiel 1 (Komponente B) wurde mit einem Hexler der Firma Alpine,
Augsburg, DE, Typ CA 80 a―2 gehexelt. Die gehexelte Komponente B) und der Fumarsäureester
aus Beispiel 2 (Komponente A) wurden getrennt auf einer Mühle Neumann & Esser GmbH,
Übach-Palenberg, DE Typ ICM 4 gemahlen (Sichter 20 m/s, Rotor 80 m/s) und mit einem
120 µm Sieb gesiebt. In einem Premixgefäß wurden 91,25 Gew.-% der zerkleinerten Komponente
B), 7,00 % der zerkleinertem Komponente A), 1,0 Gew.-% Worlee Add 101 (Worlee-Chemie
GmbH, Lauenburg, DE) als Verlaufshilfsmittel und 0,75 Gew.-% Photoinitiator Irgacure®
2959 (Ciba Specialty Chemicals Inc., Basel, CH) eingewogen und in einem Premixer Prism
Pilot 3, Prism Ltd., Lichfield, Staffordshire, UK (Premixereinstellung: 20 s, 1200
rpm) vorgemischt. Anschließend wurde in einem Extruder APV MP19-15PC, APV Baker Ltd.,
Newcastle-under-Lyme, Staffordshire, UK mit den Temperatureinstellungen Zone 1 Sollwert
35°C/ Zone 2 Sollwert 40°C / Drehzahl der Wellen: 150 rpm / gemessene Temperatur der
Schmelze 53°C / Dosierungseinstellung 5,0 / Auslastung am Extruder durchschnittlich
55 % extrudiert. Die so erhaltenen Chips wurden auf einer Mühle der Firma Neumann
& Esser, Übach-Palenberg, DE, Typ ICM 4 gemahlen (Sichter 20 m/s, Rotor 80 m/s), mit
einem 120 µm Sieb gesiebt und umgehend mit einer Spritzpistole ITW Gema, ITW Gema
AG, St. Gallen, CH (50-60 mV, Druck variabel, Dosierung variabel) auf grau beschichtetes
Coilcoat Blech (Coil-Coating Blech grau 100 x 200 mm, Zanders, Solingen, DE) gesprüht.
Im Umluftofen wurde wie in Tabelle 1 angegeben der Film aufgeschmolzen und das heiße
Coilcoat Blech anschließend mit UV-Licht mit einem Gerät IST S131 P-7FO, Weiner &
Pfleicherer-Hildebrand Strahlentechnik GmbH, Oberbohlingen, DE (CK normal 2, Bandgeschwindigkeit
10m/min) bestrahlt. Der Film war sofort hart und wurde nach Abkühlen auf Raumtemperatur
und 60 min. Lagerung beurteilt. Die Lösemittelfestigkeit wurde mittels eines in Aceton
getränkten Wattebausches, der mit einem Andruck von ca. 1 kg in 100 Doppelhüben über
den Film bewegt wurde, beurteilt. Die Glanzmessung erfolgte mit einem Glanzmessgerät
micro-TRI-gloss, BYK-Gardner GmbH, 82538 Geretsried, DE nach DIN 67530 im Winkel von
60 und 85°.
[0050] Die Filme sind lösemittel- und kratzfest und zeigen die in Tabelle 1 angegebenen
Verlaufs- und Glanzeigenschaften.
Tabelle 1:
| Beschichtungsversuche |
| Versuch |
Zeit/Min. |
Temp./°C |
Schicht/µm |
Glanz 60°/85° |
Verlauf |
Aceton |
| 1 |
5 |
100 |
66-103 |
83,5/95,5 |
Gut |
0 |
| 2 |
10 |
100 |
53-65 |
83,2/97,1 |
Gut |
0 |
| 3 |
10 |
90 |
61-83 |
88,1/92,5 |
Gut |
0 |
| 4 |
15 |
80 |
62-92 |
87,9/91,7 |
Gut |
0 |
| 5 |
5 |
120 |
66-80 |
90,0/101,1 |
Sehr Gut |
0 |
[0051] Die Beschichtungsversuche zeigen, dass die erfindungsgemäßen Beschichtungsmittel
selbst bei 80°C noch zu hochglänzenden Beschichtungen hoher Oberflächenqualität verlaufen.