(19)
(11) EP 1 524 351 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
20.04.2005  Patentblatt  2005/16

(21) Anmeldenummer: 03023601.2

(22) Anmeldetag:  16.10.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D06B 1/02, A41D 27/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK

(71) Anmelder: Kannegiesser Garment & Textile Technologies GmbH + Co.
32602 Vlotho (DE)

(72) Erfinder:
  • Kaiser, Albrecht
    32602 Vlotho (DE)
  • Dressler, Michael
    32791 Lage (DE)

(74) Vertreter: Grünecker, Kinkeldey, Stockmair & Schwanhäusser Anwaltssozietät 
Maximilianstrasse 58
80538 München
80538 München (DE)

   


(54) Verfahren zum Verstärken textiler Flächengebilde


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verstärken textiler Flächengebilde, bei dem ein Spinnvlies auf die zu verstärkenden Bereiche des Flächengebildes aufgebracht und mit diesem verbunden wird, wobei das Spinnvlies durch Ablegen einer Vielzahl aus einer Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde hergestellt wird. Ferner betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zum Durchführen des Verfahrens, umfassend einen Träger für ein textiles Flächengebilde und eine Spinndüsenanordnung zum Ablegen einer Vielzahl aus der Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verstärken textiler Flächengebilde, bei dem ein Spinnvlies auf die zu verstärkenden Bereiche des Flächengebildes aufgebracht und mit diesem verbunden wird, sowie eine Vorrichtung zur Durchführung derselben.

[0002] Textile Flächengebilde, und zwar insbesondere Gewebe, Gewirke, aber auch Vliese, finden unter anderem bei der Herstellung von Bekleidungsstücken und anderen Textilien und Gegenständen Einsatz. Hierbei werden diese Materialien häufig mit einer partiellen oder auch vollflächigen Verstärkung versehen.

[0003] Insbesondere auf dem Gebiet der Bekleidungsstücke, wie auch anderer Textilien, hat es sich bewährt, die Materialien, die üblicherweise als Oberstoff bezeichnet werden, mit einem separaten, flächigen Verstärkungsmaterial, einem sog. Einlagestoff, zu verkleben. Bei den Einlagestoffen handelt es sich zumeist um mit einer Haftmasse versehene Vliesstoffe, Gewirke oder Gewebe, die unter Hitze und Druck mit dem Oberstoff verbunden werden. Durch die Wahl der Fasern, z.B. der Vlieserzeugung und der Verfestigungsmethode lassen sich hierbei die Eigenschaften des Einlagestoffes gezielt festlegen. In der Regel werden die Vliesstoffe hierbei als Spinnvlies hergestellt, wobei endlose Einzelfilamente verwirbelt und auf einem Trägerband abgelegt werden. Anschließend muss dieses Spinnvlies mit einer Klebeschicht, wie z.B. in der DE 32 48 889 beschrieben, versehen werden, um dann mit dem Oberstoff verbunden zu werden. Diese bekannte Art der Verstärkung von Materialien ist jedoch sehr aufwendig, da die Oberstoffteile und die Einlagestoffteile zunächst separat zugeschnitten werden müssen, die zugeschnittenen Teile exakt aufeinander positioniert und anschließend in einer Fixiermaschine miteinander verbunden werden.

[0004] Um dieses Verfahren zu vereinfachen, wurde zum Beispiel in der DE 100 49 706 eine Verstärkung vorgeschlagen, wobei eine die Verstärkung bildende Substanz im fließfähigen Zustand gezielt auf das zu verstärkende Material aufgebracht wird. Die Arbeitsschritte des Zuschneidens des Einlagestoffs sowie der exakten Positionierung der beiden Materialien aufeinander ist folglich nicht mehr notwendig. Um hier das zu verstärkende Material auf den Oberstoff aufzubringen, ist es jedoch notwendig, dass die Substanz in einem fließfähigen Zustand vorliegt, so dass diese auf den Oberstoff aufgespritzt, gesprüht oder dergl. werden kann. Hierzu ist es notwendig, die aufzubringende Substanz mit Wasser oder Lösungsmitteln zu versetzen, um den fließfähigen Zustand zu erreichen. Es werden jedoch zusätzliche Trocknungsschritte notwendig, zudem muss sichergestellt werden, dass die zugefügte Substanz, d.h. Wasser oder Lösungsmittel, den Oberstoff nicht durchdringt, und möglicherweise Flecken hinterlässt.

[0005] Aus der DE 2 819 547 ist ein Verfahren zum Versteifen textiler Flächengebilden unterschiedlichen Zuschnitts für die Herstellung von Bekleidungen durch Beschichten derselben mit Kunststoff bekannt. Hierbei erfolgt das Aufbringen des Kunststoffs über einen Druckzylinder, wobei der als Paste zugeführte Kunststoff durch den Druck direkt mit dem textilen Flächengebilde verbunden wird. Kein Hinweis findet sich in dieser Druckschrift bezüglich des verwendeten Kunststoffes oder bezüglich notwendiger Trägersubstanzen derselben.

[0006] Auch die DE 2 552 878 betrifft ein Verfahren zur Verstärkung eines Gewebes, bei dem eine Verteilung eines Verstärkungsmaterials als ein Fluid auf eine Fläche des Gewebes so aufgebracht wird, dass die Verstärkung nicht bis zur anderen Gewebefläche durchdringt. Hierbei wird das Fluid vorzugsweise als Muster mit starker Richtungsabhängigkeit, beispielsweise durch Aufdruck von diskontinuierlichen und kontinuierlichen Linien über einen Druckzylinder aufgebracht. Um hier eine Vielzahl von Aufdruckvorrichtungen zu vermeiden, wird vorgeschlagen, in erster Linie das Tiefdruckverfahren anzuwenden und dabei die Druckwalzen während des Druckvorganges gegebenenfalls in und außer Berührung mit dem durchlaufenden Stoffteil zu bringen, wodurch wahlweise Zonen mit und ohne Aufdruck erzeugt werden können. Auch Druckmasken werden in diesem Zusammenhang genannt. Ein Nachteil der Kunststoffverstärkung ist jedoch, dass der O-berstoffzuschnitt lediglich durch Aufdrucken einer Kunststoffmasse verstärkt wird, jedoch bei weitem nicht den füllig-textilen Griff erreicht, wie er mit einem mit Einlagestoff versehenen Oberstoff erzielt werden kann. Der nur mit Kunststoff verstärkte Oberstoff ist in diesem Zusammenhang flach und hart, insbesondere dann, wenn die aufgedruckte Kunststoffharzmasse in den Oberstoff eindringt.

[0007] Um dieses Problem zu lösen, schlägt die DE 301 46 56 ein Verfahren zur Verstärkung von Oberstoffzuschnitten für Kleidungsstücke durch rasterförmiges Bedrucken der Rückseite des Oberstoffes mit einer wässrigen, vernetzbaren, flockenbindenden Dispersionspaste durch ein Tiefdruckverfahren, deren Beflockung und Aushärtung durch Erhitzung vor, bei welchem die Dispersionspaste elektrostatisch beflockt, durch Hitze koaguliert und/oder Vortrocknen vorstabilisiert und in einem weiteren Arbeitsgang in einer beheizten Kammer im Stapel bei 90 bis 140°C auskondensiert wird. Hierdurch soll das verstärkte Oberstoffteil fülliger und textiler wirken, und im wesentlichen einem einlageverstärkten Oberstoffteil entsprechen. Auch hierbei ist jedoch das vorgeschlagene Verfahren, insbesondere durch die notwendigen zusätzlichen Verfahrensschritte, sehr aufwendig und stellt daher keine wirkliche Alternative zu den bekannten Einlagestoffen dar.

[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein einfaches und flexibles Verfahren zur Verstärkung von textilen Flächengebilden, wie z.B. Oberstoffen, sowie eine Vorrichtung hierfür zu schaffen.

[0009] Bezüglich des Verfahrens wird diese Aufgabe durch ein Verfahren zum Verstärken textiler Flächengebilde, bei dem ein Spinnvlies auf die zu verstärkenden Bereiche des Flächengebildes aufgebracht und mit diesem verbunden wird, dadurch gelöst, dass das Spinnvlies durch Ablegen einer Vielzahl aus einer Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde hergestellt wird. Das Spinnvlies wird folglich nicht mehr in einem separaten Schritt hergestellt, sondern direkt auf dem Oberstoff erzeugt, d.h. der Oberstoff dient in diesem Fall als Trägerschicht für das Spinnvlies. Somit entfallen auch die Schritte des Zuschneidens des Einlagestoffs, das Verfahren wird vereinfacht und kann schneller durchgeführt werden.

[0010] Ferner wird hierdurch ermöglicht, direkt eine Verbindung zwischen dem Oberstoff und dem Spinnvlies zu erzielen, so dass die im Stand notwendige Klebeschichten, sowie die bislang notwendigen Fixierschritte entfallen. Da sich das Spinnvlies auf die Oberfläche des Oberstoffes legt, besteht hier nicht die Gefahr, dass sich der Stoff durch das Aufbringen des Spinnvlieses in seiner Qualität verändert.

[0011] Vorteilhafterweise kann das Spinnvlies mehrlagig auf dem Material aufgebracht werden. Hierdurch ist es möglich, die Art des Spinnvlieses dem jeweiligen textilen Flächengebilde anzupassen, d.h. je nachdem ob ein leichteres Material oder ein schwereres Material verarbeitet wird, bzw. ob eine leichtere oder eine starre Verstärkung erwünscht ist.

[0012] Ferner kann das Spinnvlies vollflächig auf einem zu verstärkenden, textilen Flächengebilde aufgebracht werden. Dies hat sich insbesondere dann bewährt, wenn das Material entweder vollflächig verstärkt werden soll, oder vollständig verstärkte Abschnitte aus dem solchermaßen verstärkten Flächengebilde ausgeschnitten werden sollen.

[0013] Vorteilhafterweise kann das Spinnvlies abschnittsweise, vorzugsweise innerhalb vorgegebener Umrisse, auf einem zu verstärkenden textilen Flächengebilde aufgebracht werden. Dies hat sich insbesondere dann bewährt, wenn das textile Flächengebilde in Form einer fortlaufenden Bahn mit dem Spinnvlies verstärkt wird, wobei das Aufbringen des Spinnvlieses abschnittsweise auf den später auszuschneidenden Oberstoffteilen erfolgt, z.B. im Bereich der Säume, Revere, Schlitze, etc., sowie auch beim Verstärken bereits zugeschnittener Teile, die nur abschnittweise verstärkt werden sollen.

[0014] Hierbei hat es sich als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn das Spinnvlies entlang der Umrisse der aus textilen Flächengebilde auszuschneidenden Elemente aufgebracht wird. Wird die Verstärkung ausschließlich im Bereich späterer Schnittkanten der Oberstoffteile bzw. Materialteile aufgebracht, ist es möglich, die Schnittkanten zu verstärken, wodurch ein Ausfransen des textilen Flächengebildes während des Ausschneidens vermieden wird. Der Schutz gegen Ausfransen ist ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung.

[0015] Gemäß einer anderen bevorzugten Ausführungsform kann das Spinnvlies in verschiedenen zu verstärkenden Bereichen eines textilen Flächengebildes mit unterschiedlicher Stärke, Dicke oder Dichte aufgebracht werden. Hierdurch wird ermöglicht, innerhalb einer fortlaufenden Materialbahn bereits die unterschiedlichen auszuschneidenden Elemente zu berücksichtigen, und hier die unterschiedlich stark zu verstärkenden Bereiche entsprechend auszubilden.

[0016] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform können aus dem textilen Flächengebilde nach dem Aufbringen des Spinnvlieses Elemente mit vorbestimmten Umrissen zugeschnitten werden. Hierbei hat es sich als besonders bevorzugt erwiesen, dass das mit Spinnvlies verstärkte textile Flächengebilde entlang und/oder innerhalb der von dem Spinnvlies gebildeten Umrisse, vorzugsweise durch den von dem Spinnvlies gebildeten Randbereich, zugeschnitten wird. Diese Maßnahme berücksichtigt wiederum den Schutz vor dem Ausfransen des textilen Flächengebildes.

[0017] Vorteilhafterweise kann das Aufbringen des Spinnvlieses mittels einer oder mehreren Spinndüsenanordnungen erfolgen. Hierbei ist bevorzugt, dass das Spinnvlies rechnergesteuert aufgebracht wird. Insbesondere bei einer Aufbringung der Verstärkung durch eine rechnergesteuerte Auftragseinrichtung ist es möglich, eine textile Flächenbahn unter maximaler Materialausnutzung dicht an dicht mit entsprechenden Konturen aufweisenden Verstärkungen bzw. vollflächigen Verstärkungen zu versehen. Hierdurch ist eine Materialverstärkung unter maximaler Ausnutzung des Materials der Bahn auf dem textilen Flächengebilde möglich.

[0018] Vorteilhafterweise wird das Spinnvlies im Spunbond-Verfahren oder im Meltblown-Verfahren aufgebracht. Diese beiden Verfahren haben sich bei der Herstellung von Spinnvliesen bewährt.

[0019] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann das textile Flächengebilde vor Aufbringung des Spinnvlieses aufgeheizt werden.

[0020] Gemäß einer anderen bevorzugten Ausführungsform kann die Oberfläche des textilen Flächengebildes zuerst vorbehandelt werden und anschließend das Spinnvlies aufgebracht werden. Hierbei hat sich insbesondere das Coronaverfahren zur Vorbehandlung besonders bewährt, da hierdurch einfach eine Veränderung der Oberfläche erzielt werden kann.

[0021] Beide vorgenannten Verfahrensschritte, denen das textile Flächengebilde vor der Aufbringung des Spinnvlieses unterworfen wird, dienen einer verbesserten Affinität des Spinnvlieses an dem textilen Flächengebilde. Beide genannten Verfahrensschritte sind hierbei einfach durchzuführen und lassen sich einfach in den bestehenden Verfahrensablauf integrieren.

[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren kann hierbei kontinuierlich oder diskontinuierlich betrieben werden.

[0023] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform können die Filamente bzw. Filamentabschnitte aus einem thermoplastischen Polymer gebildet werden. Vorzugsweise kann das thermoplastische Polymer aus der Gruppe gewählt werden, umfassend Polyurethane oder Polyolefine, wie Polyethylen oder Polypropylen, Polyamide, Polyester, Polylactide oder dergleichen. Diese Materialien haben sich im Einsatz als besonders geeignet erwiesen und stellen eine sichere Verbindung mit dem zu verstärkenden textilen Flächengebilde bereit.

[0024] Bezüglich der Vorrichtung wird die Erfindung durch eine Vorrichtung zum Durchführen des Verfahrens gelöst, welche einen Träger für ein textiles Flächengebilde und eine Spinndüsenanordnung zum Ablegen einer Vielzahl aus der Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde aufweist.

[0025] Durch die erfindungsgemäße Vorrichtung werden folglich Verfahrensabläufe miteinander kombiniert, die zuvor getrennt voneinander durchgeführt wurden. So erfolgt die Bildung und das Aufbringen des Spinnvlieses als Verstärkung textiler Flächengebilde, unmittelbar auf dem textilen Flächengebilde, das hierbei die Rolle des Trägers übernimmt. Hierdurch entfallen die bisher notwendigen Lagerungskosten für Einlagestoffe, sowie die aufwendigen Fixierschritte, die eine exakte Positionierung der Einlagestoffe erfordert.

[0026] Vorteilhafterweise kann die Auftrageinrichtung rechnergesteuert über dem textilen Flächengebilde bewegt werden. Dies ermöglicht die exakte Positionierung der Verstärkungen, gleichzeitig ist es möglich, auf einer einzelnen Bahn eines textilen Flächengebildes unterschiedlichste Verstärkungen auszubilden.

[0027] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann die Spinndüsenanordnung einen Spinnbalken mit einer Vielzahl von Spinndüsen umfassen. Mittels des Spinnbalkens und der Spinndüsen werden die einzelnen Filamente einfach erzeugt, die sich dann auf das textile Flächengebilde legen.

[0028] Vorteilhafterweise kann der Träger und/oder die Spinndüsenanordnung parallel zu der Ebene des textilen Flächengebildes bewegbar angeordnet sein. Hierdurch ist es möglich, auch komplizierte Muster auf dem textilen Flächengebilde einfach zu erzeugen.

[0029] Ferner kann die Vorrichtung ein Paar gegenläufiger Walzen umfassen, durch welche das mit dem Spinnvlies versehene textile Flächengebilde durchführbar ist. Durch diese Walzen kann eine zusätzliche Haftung des Spinnvlieses an dem textilen Flächengebilde erzielt werden. Hierbei ist es möglich, die Walzen entweder zu kühlen oder zu erwärmen, je nachdem ob sich das Spinnvlies bereits vollständig mit dem textilen Flächengebilde verbunden hat bzw. ob das Spinnvlies dichter an das textile Flächengebilde angelegt werden soll.

[0030] Vorteilhafterweise kann die Vorrichtung Einrichtungen zur Aufheizung des textilen Flächengebildes vor Ablage der Filamente bzw. Filamentabschnitte auf dem textilen Flächengebilde aufweisen. Eine andere bevorzugte Ausführungsform der Vorrichtung kann eine Coronaanlage zur Oberflächenbehandlung des textilen Flächengebildes vor Ablage der Filamente bzw. Filamentabschnitte auf dem textilen Flächengebilde vorsehen. Durch die zusätzliche Breitstellung einer Einrichtung bzw. Anlage zur Oberflächenbehandlung des textilen Flächengebildes können die Verbindungseigenschaften zwischen Spinnvlies und dem textilen Flächengebilde noch weiter verbessert werden.

[0031] Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.

[0032] Es zeigt:
Fig. 1
eine schematische Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Verstärken flächiger Materialien, und
Fig. 2
eine Draufsicht auf die Arbeitsfläche der Vorrichtung gemäß Fig. 1.


[0033] Die in Ansicht 1 dargestellte Vorrichtung umfasst eine Arbeitsplatte 1, auf welcher ein textiles Flächengebilde 2 ausgebreitet ist. Das textile Flächengebilde 2 wird hierbei von einer Vorratsrolle 3 kontinuierlich abgewickelt und über die Arbeitsplatte 1 in der durch den Pfeil angegebenen Richtung befördert. Die Arbeitsplatte 1 dient hierbei gleichzeitig als Träger für das textile Flächengebilde 2 und kann eine integrierte Beförderungseinrichtung mit umfassen. Ferner kann die Arbeitsplatte 1 mit Halteeinrichtungen, z.B. Ansaugeinrichtungen, versehen sein, um das textile Flächengebilde 2 unverschiebbar in seiner Position zu halten. Dies kann insbesondere während des Aufbringens der Verstärkung notwendig sein.

[0034] Oberhalb der Arbeitsplatte 1 ist ein Spinnbalken 4 angeordnet, aus welcher kontinuierlich oder diskontinuierlich eine Vielzahl von Filamenten bzw. Filamentabschnitte auf das textile Flächengebilde 2 abgelegt werden. Der Spinndüsenbalken erstreckt sich hierbei senkrecht zu der Bewegungsrichtung des textilen Flächengebildes 2 über die gesamte Materialbahn und kann mehrere parallel zueinander angeordnete Reihen von Spinnbohrungen 5 wie in Fig. 1 dargestellt, aufweisen. Mittels dieser Spinndüsen werden erzeugte Filamente, welche sich beim Auftreffen auf dem textilen Flächengebilde wirr miteinander verbinden und verschränken, als Verstärkungen direkt auf dem textilen Flächengebilde abgelegt. Hierbei werden als Ausgangsmaterialien thermoplastische Polymere verwendet, die aufgeschmolzen und zu feinen Spinnfäden versponnen werden. Die versponnenen Fäden werden meist aerodynamisch verstreckt und erhalten so eine gewünschte Festigkeit. Die Ablage der Fäden erfolgt auf dem textilen Flächengebilde 2, wobei sich die einzelnen Filamente statistisch ungeordnet, d.h. wirr, verteilen und ablegen.

[0035] Gleichermaßen kann auch vorgesehen sein, dass die aus den Spinnbohrungen 5 austretende Schmelze von einem Luftstrom mit hohem Druck und hoher Temperatur mitgerissen wird, so dass Fasem mit geringer Dicke entstehen, die sich dann ebenfalls auf dem textilen Flächengebilde ablegen und hier ein Spinnvlies bilden.

[0036] Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Filamente oder Filamentabschnitte auf das textile Flächengebilde 2 auftreffen, besitzen diese eine ausreichend hohe Temperatur, um sich miteinander und mit dem textilen Flächengebilde 2 zu verbinden, um so eine unlösbare Verbindung zwischen dem textilen Flächengebilde 2 und dem Spinnvlies 6 zu erzielen.

[0037] Die Ablage der einzelnen Filamente bzw. Filamentabschnitte in Form eines Spinnvlieses 6 auf dem textilen Flächengebilde 2 kann kontinuierlich durchgeführt werden, wobei sich ausschließlich das textile Flächengebilde unter dem Spinnbalken 4 bewegt. Gleichermaßen kann der Spinnbalken 4 quer wie auch längs zu dem textilen Flächengebilde 2 hin und her bewegt werden, dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn nicht das vollständige Flächengebilde mit der Verstärkung versehen werden soll, sondern nur einzelne zuvor bestimmte Abschnitte. Das mit dem Spinnvlies 6 versehene textile Flächengebilde 2 wird von der Spinndüsenanordnung 4 zu zwei hinter der Arbeitsplatte 1 angeordneten sich gegenläufig zueinander bewegenden Walzen 7, 8 geführt, zwischen denen das mit dem Spinnvlies 6 versehene textile Flächengebilde 2 aufgenommen wird. Durch den von den Walzen ausgeübten Anpressdruck wird die Verbindung zwischen dem Spinnvlies 6 und dem textilen Flächengebilde 2 weiter verstärkt, zudem kann eine Verdichtung des Spinnvlieses erzielt werden. Zu diesem Zweck wäre es möglich, eine oder beide Walzen zusätzlich über vorgesehene Einrichtungen zu erwärmen.

[0038] Gleichermaßen können auch gekühlte Walzen eingesetzt werden, um den Verbund aus Spinnvlies 6 und textilem Flächengebilde 2 vor den weiteren Verfahrensschritten auf die Arbeitstemperatur abzukühlen. In diesem Zusammenhang kann eine entsprechende Abkühlung auch ohne Einsatz von Walzen durch eine Abkühlkammer, durch welche das mit dem Spinnvlies versehene textile Flächengebilde kontinuierlich durchgeführt wird, erfolgen.

[0039] Nachfolgend wird der Verbund aus Spinnvlies und textilem Flächengebilde auf einer weiteren Arbeitsplatte 9 abgelegt und einer Schneideinrichtung 10 neu zugeführt, die zumindestens über ein Schneidmittel 11, z.B. ein konventionelles Messer bzw. Laseroder Plasmastrahlen versehen. Die Schneideinrichtung 10 kann hierbei ähnlich wie die Spinndüsenanordnung rechnergesteuert quer und längs von dem textilen Flächengebilde verschiebbar angeordnet sein. Auf diese Weise ist es möglich, auch komplizierte Formen aus dem textilen Flächengebilde zu schneiden.

[0040] Anschließend werden die zugeschnittenen Materialabschnitte über eine weitere Beförderungseinrichtung 12 zu den nächsten Verfahrensschritten überführt.

[0041] Zusätzlich zu der vorstehend beschriebenen Vorrichtung und dem entsprechenden Verfahrensablauf kann vorgesehen sein, dass das textile Flächengebilde vor dem Ablegen der Filamente bzw. Filamentabschnitte in einem vorgeschalteten Verfahrenschritt vorbehandelt wird. Eine solche Vorbehandlung des textilen Flächengebildes kann hierbei zu einer noch verbesserten Verbindung zwischen dem Spinnvlies und dem textilen Flächengebilde führen.

[0042] Geeignete Vorbehandlungen umfassen hierbei einerseits die Aufheizung des textilen Flächengebildes bevor die Filamente bzw. Filamentabschnitte auf dem textilen Flächengebilde abgelegt werden. In diesem Fall werden die Filamente bzw. Filamentabschnitte auf das vorgewärmte Flächengebilde aufgebracht. Andererseits kann die Oberfläche des textilen Flächengebildes vorbehandelt werden, um so eine Struktur zu erhalten die zu einer besseren Haftung des Spinnvlieses auf der Oberfläche führt. hierbei hat sich das Coronaverfahren besonders bewährt.

[0043] Fig. 2 zeigt ein Beispiel eines textilen Flächengebildes, welches mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einem Spinnvlies versehen wurde. Hierbei ist ein Beispiel zur Herstellung von Bekleidungsstücken dargestellt. Fig. 2 zeigt eine Aufsicht auf eine Materialbahn, wobei alle einzelnen auszuschneidenden Abschnitte dargestellt sind. Hierbei sind die Bereiche, auf welche das Spinnvlies aufgebracht wurde, vollflächig schwarz dargestellt. Da der Spinndüsenbalken 4 rechnergesteuert über das textile Flächengebilde 2 bewegt wird, ist es möglich, die durch das Spinnvlies erzeugte Verstärkung exakt auf dem textilen Flächengebilde 2 zu positionieren, wobei auch feinste Linien möglich werden. Aus Fig. 2 wird deutlich, dass nicht nur die notwendigen Verstärkungen mit dem Spinnvlies durchgeführt werden, sondern dass sämtliche Umrisse 13 der auszuschneidenden Oberstoffzuschnitte mit einer Umrandung aus dem Spinnvlies versehen werden. Hierbei ist es möglich, die unterschiedlichen verstärkten Bereiche mit sich voneinander unterscheidenden Verstärkungen zu versehen, d.h. bestimmte Verstärkungen können dichter bzw. steifer durchgeführt werden als andere.

[0044] Nach Aufbringen der einzelnen Verstärkungen und ggf. nach Abkühlen derselben wird das verstärkte flexible Flächengebilde 2 der Schneideinrichtung 10 zugeführt. Hierbei erfolgt das Ausschneiden der umrandeten Materialabschnitte vorzugsweise innerhalb der von dem Spinnvlies gebildeten Markierung. Auf diese Weise kann ein Ausfransen des Materials während des Schneidvorganges und während der weiteren Verarbeitungsschritte verhindert werden.


Ansprüche

1. Verfahren zum Verstärken textiler Flächengebilde, bei dem ein Spinnvlies auf die zu verstärkenden Bereiche des Flächengebildes aufgebracht und mit diesem verbunden wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Spinnvlies durch Ablegen einer Vielzahl aus einer Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde hergestellt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies mehrlagig auf das textile Flächengebilde aufgebracht wird.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies vollflächig auf einem zu verstärkenden textilen Flächengebilde aufgebracht wird.
 
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies abschnittsweise, vorzugsweise innerhalb vorgegebener Umrisse, auf einem zu verstärkenden textilen Flächengebilde aufgebracht wird.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies entlang der Umrisse von aus dem textilen Flächengebilde auszuschneidenden Elemente aufgebracht wird.
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche der Ansprüche 1, 3, 4 und/oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies in verschiedenen zu verstärkenden Bereichen eines textilen Flächengebildes mit unterschiedlicher Stärke, Dicke oder Dichte aufgebracht wird.
 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass aus dem textilen Flächengebilde nach dem Aufbringen des Spinnvlieses Elemente mit vorbestimmten Umrissen zugeschnitten werden.
 
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mit Spinnvlies verstärkte textile Flächengebilde entlang und/oder innerhalb der von dem Spinnvlies gebildeten Umrisse, vorzugsweise durch den von dem Spinnvlies gebildeten Randbereich, zugeschnitten wird.
 
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das aufgebrachte Spinnvlies vor dem Zuschneiden des textilen Flächengebildes gekühlt wird.
 
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Flächengebilde vor dem Aufbringen des Spinnvlieses zugeschnitten wird.
 
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies mittels einer oder mehreren Spinndüsenanordnungen aufgebracht wird.
 
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies rechnergesteuert aufgebracht wird.
 
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies im Spunbond-Verfahren aufgebracht wird.
 
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Spinnvlies im Meltblown-Verfahren aufgebracht wird.
 
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Flächengebilde vor Aufbringung des Spinnvlieses aufgeheizt wird.
 
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des textilen Flächengebildes vorbehandelt wird und dass anschließend das Spinnvlies aufgebracht wird.
 
17. Verfahren nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass die dass die Oberfläche des textilen Flächengebildes mit dem Coronaverfahren vorbehandelt wird.
 
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren kontinuierlich durchgeführt wird.
 
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren diskontinuierlich durchgeführt wird.
 
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass die Filamente bzw. Filamentabschnitte aus einem thermoplastischen Polymer gebildet werden.
 
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, das thermoplastische Polymer aus der Gruppe gewählt wird, umfassend Polyurethane oder Polyolefine, wie Polyethylen oder Polypropylen, Polyamide, Polyester, Polylactide oder dergleichen.
 
22. Vorrichtung zum Durchführen des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 21, gekennzeichnet durch
einen Träger für ein textiles Flächengebilde und eine Spinndüsenanordnung zum Ablegen einer Vielzahl aus der Spinndüsenanordnung austretenden Filamenten bzw. Filamentabschnitten unmittelbar auf das Flächengebilde.
 
23. Vorrichtung nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinndüsenanordnung rechnergesteuert über dem textilen Flächengebilde bewegbar ist.
 
24. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 22 oder 23, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinndüsenanordnung einen Spinnbalken mit einer Vielzahl von Spinndüsen umfasst.
 
25. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 22 bis 24, dadurch gekennzeichnet, dass die Trägerbeförderung und/oder die Spinndüsenanordnung parallel zu der Ebene des textilen Flächengebildes bewegbar angeordnet sind.
 
26. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 22 bis 25, des weiteren umfassend ein Paar gegenläufiger Walzen, durch welche das mit dem Spinnvlies versehene textile Flächengebilde durchführbar ist.
 
27. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 22 bis 25, des weiteren umfassend Einrichtungen zur Aufheizung des textilen Flächengebildes vor Ablage der Filamente bzw. Filamentabschnitte auf dem textilen Flächengebilde.
 
28. Vorrichtung nach einem der Anspruche 22 bis 25, des weiteren umfassend eine Coronaanlage zur Oberflächenbehandlung des textilen Flächengebildes vor Ablage der Filamente bzw. Filamentabschnitte auf dem textilen Flächengebilde.
 




Zeichnung







Recherchenbericht