[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Struktur eines Geschosses nach dem
Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] In Geschossen mit Hohlladungen und Mehrfachsprengköpfen treten beim und nach dem
Aufprall im Ziel hohe Schockenergien auf, welche die Wirkladung stören, deren Leistung
vermindern oder sogar ausser Funktion setzen.
[0003] Es ist u.a. allgemein bekannt, dass in sogenannten Tandem-Hohlladungen sowohl der
Aufprallschock, als auch die Zündung der Vorladung die Ausbildung eines hochenergetischen
Strahls verhindern können.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung eine schockabsorbierende Struktur für ein Geschoss
zu schaffen, welche dessen Systemsicherheit erhöht und insbesondere eine vorzeitige
Initiierung der Hauptladung verhindert.
[0005] Die im Ziel auftretenden Störungen sollen minimiert werden; Einflüsse von aktiven
Panzerungen (Explosive Reactive Armor = ERA) auf die Wirkleistung des Geschosses sollen
dabei ebenfalls reduziert werden.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0007] Die im Patentanspruch erwähnten Ladungen sind meist Hohlladungen und bilden somit
eine Tandem-Hohlladung. Es sind aber auch andere geformte Ladungen und Kombinationen
davon denkbar, wie beispielsweise eine vordere Projektil-Ladung und eine hintere konventionelle
Ladung (u.a. nach EP -B1- 0 955 517. Ebenso lassen sich Mehrfachsprengköpfe nach dem
gleichen Grundprinzip realisieren.
[0008] Der Erfindungsgegenstand geht von der Erkenntnis aus, dass die Geschosshülle im Bereich
ihrer vorderen (ersten) Ladung dünnwandig sein kann, wenn auf äussere massive Strukturen
verzichtet wird, welche den Gasschlag der ersten Ladung umlenken. Ebenfalls ist das
Distanzrohr dünnwandig und verhindert durch eine kontinuierliche Vergrösserung seines
Durchmessers eine direkte Weiterleitung des Aufprallschocks auf das Zentrum der zweiten
Ladung. Der am Ziel entstehende hohe Innendruck lässt das Distanzrohr bersten, die
einzelnen Fragmente fliegen in radialer Richtung weg, ohne die zweite Ladung zu behindern.
[0009] Die zweite Ladung weist gegenüber der ersten Ladung ein um wenigstens den Faktor
2 grösseres Kaliber auf; dementsprechend steigt auch der Durchmesser des Distanzrohrs
an. Die Länge des Distanzrohrs, d.h. der Abstand zwischen den beiden Ladungen beträgt
wenigstens das Zweifache des zweiten Kalibers.
[0010] Die ebenfalls erwähnten ringförmigen Flansche wirken als Schockbarrieren und reduzieren
die mechanische Belastung der Zündsysteme und der Ladungen.
[0011] Beschleunigungsmessungen an Geschossen mit Tandem-Hohladungen, die eine nach den
Merkmalen des Patentanspruchs gestaltete Struktur aufweisen zeigen am Ort der Hauptladung
relativ kleine g-Werte (9,81 ms
-2). Ebenfalls sind die den Wirkstrahl besonders störenden Vibrationen minimal. Belegt
ist dies bei abgefeuerten Geschossen durch die im Ziel erreichte hohe Bohrleistung
des Hohladungsstrahls.
[0012] In abhängigen Ansprüchen sind vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung aufgezeigt.
[0013] Die Teilung des Distanzrohrs gemäss Anspruch 2 hat fertigungstechnische und kinematische
Vorteile.
[0014] Die Ausführungsform nach Anspruch 3 ist sehr platzsparend und nimmt in idealer Weise
den Aufschlagimpuls zur Inbetriebsetzung der Zündvorrichtung auf.
[0015] Durch eine metallische Kalotte lassen sich die beim Aufprall und der Zündung der
Vorladung entstehenden Schockwellen auf den Gehäusemantel umleiten; Anspruch 4.
[0016] Vorteilhaft ist nach Anspruch 5 eine Vergrösserung der freien Weglänge des durch
eine hintere Hohlladung gebildeten Stössels.
[0017] Ein direktes Aufsetzen der Kalotte entsprechend dem Anspruch 6 reduziert die freie
Weglänge des Stössels, erhöht aber die Wirkung Umlenkung der Schockwellen.
[0018] Eine seitliche Lagerung des Dämpfungsmaterials in einem elastischen Ring reduziert
die Übertragung von Vibration auf die nachfolgende Struktur.
[0019] Besonders bewährt hat sich eine Gewindeverbindung gemäss Anspruch 8, da sie einen
Teil der Schockwelle auffängt.
[0020] Die Ausführungsform nach Anspruch 9 erhöht die Schockabsorbtion und reduziert die
Übertragung von Vibrationen auf die empfindliche zweite Ladung.
[0021] Dämpfungsmaterialien und insbesondere Dämpfungsringe aus leicht verformbarem Material
haben sich bewährt wie beispielsweise handelsüblicher Aluminiumschaum. Besonders vorteilhaft
ist aber ein Material aus einem Kunststoff der mit eingelagerten Mikroballons versehen
ist, wie in der CH -A5-674077 beschrieben. Vgl. Anspruch 10.- Derartige Materialien
sind heute handelsüblich und werden zur Detonationswellen-Umlenkung in geformten Ladungen
verwendet. Analog wirkende Werkstoffe auf Holzbasis (Zellulose) sind ebenfalls bekannt.
[0022] Die im Anspruch 11 erwähnten Materialverdickungen und Unstetigkeiten führen bei der
Detonation der Vorladung an den beschleunigten Massenteilen (Fragmenten des Flansches)
zu Geschwindigkeitskomponenten in radialer Richtung. Dies verhindert Kollisionen mit
nachfolgenden Teilen und mit dem Strahl der Hauptladung. Gleichzeitig dient der ringförmige
Flansch der Verdämmung der Vorladung.
[0023] Praktische Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in Zeichnungen dargestellt.
[0024] Es zeigen:
- Fig. 1
- ein selbstangetriebenes Geschoss mit einer Tandem-Hohlladung,
- Fig. 2
- die Vorladung nach Fig. 1 mit einer vorderen Schockbarriere, in einer vergrösserten
Teilschnittdarstellung mit weiteren Einzelheiten,
- Fig. 3
- eine Ausgestaltung und die Wirkung einer hinteren Schockbarriere,
- Fig. 4
- eine alternative Ausgestaltung einer weiteren Schockbarriere und
- Fig. 5
- die Lagerung der Hauptladung nach Fig. 1 in der Geschosshülle in Teilschnittdarstellung.
[0025] Das selbstangetriebene Geschoss mit einer Tandem-Hohlladung nach Fig. 1 ist axialsymmetrisch
zu einer mit A bezeichneten Achse aufgebaut. Ein Kopf 1 besteht aus einer Spitze 2
mit eingelegten elastischen Ringen 3 und weist auf Grund seiner schlanken Form gute
aerodynamische Eigenschaften auf. Gegenüber dem eigentlichen Aufschlagteil, der Spitze
2, zurückversetzt befindet sich eine erste Hohlladung, bestehend aus einer Auskleidung
4 und einem Hochleistungssprengstoff, der Ladung 5. Beide bilden eine Vorladung und
sind in einem zylindrischen Bereich 7a angeordnet, welcher heckseitig durch einen
Flanschring 10a abgegrenzt ist. In diesen Flanschring 10a ist eine autonome Zündvorrichtung
6 eingesetzt, welche in ein Teil eines Distanzrohrs 7b hineinragt. Das Teil 7b ist
über eine Passung einer Fügestelle 7d mit einem weiteren Teil 7b' des Distanzrohrs
verbunden. Das Teil 7b' besitzt frontseitig einen Flanschring 10b mit einem offenen
Durchlass 13, der durch eine Trägerkalotte 11' abgedeckt ist. Darüber ist ein Dämpfungsmaterial
9' aufgeklebt. Darunter befindet sich ein relativ grosser Hohlraum 8, der einen eventuellen
Gasschlag der Vorladung 4,5 aufnehmen könnte und der dessen kinetische Energie in
Verformungs- und Bruchenergie auf das Distanzrohr 7b,7b' überträgt.
[0026] Eine weitere Fügestelle 12 verbindet das Distanzrohr 7b', überlappend, mit einem
weiteren zylindrischen Bereich 7c der Geschosshülle 7a-7c. Hier befindet sich die
Hauptladung 14,15 mit ihrer Auskleidung 14 und dem Sprengstoff 15. Diese Hohlladung
14,15 ist auf einem Heckteil 21 abgestützt, welches in einem Adapter 16 ein weiteres
autonomes Zündsystem 17 aufnimmt und aus dem die Antriebsdüsen 18 eines an sich bekannten
Feststoff-Antriebs 19 herausragen. Endseitig sind aufklappbare Flügel eines Leitwerks
20 ersichtlich.
[0027] In nachfolgenden Figuren sind gleiche Funktionsteile mit gleichen Bezugsziffern versehen.
[0028] In der vergrösserten Schnittdarstellung Fig. 2 sieht man oberhalb des zylindrischen
Bereichs der Geschosshülle 7a die Einschraubstelle für die Spitze 2 angedeutet. Die
Auskleidung 4 endet in einer Gewindeverbindung 41. der Sprengstoff 5 liegt formschlüssig
am massiven Flanschring 10a an, welcher einstückig mit dem Teil 7a ausgebildet ist.
Ferner ist zentral ein Zündvertärker 42 in einem Zentrierzapfen 44 eingesetzt, der
seinerseits einen Dämpfungsring 43 aufnimmt, an dem das hier nicht gezeichnete Zündsystem
6 anliegt. Das zylindrische Teil 7a endet passend im Hohlraum des Distanzrohrs 7b.
[0029] Die Darstellung Fig. 3 zeigt die untere Schockbarriere, die in den Innenraum des
Distanzrohrs 7b hineinragt. Hier lässt sich erkennen, dass die Fügestelle 7d mit einem
vorstehenden Ring des unteren Teils 7b' passend ist und sich das Teil 7b dort abstützt.
In einem ebenfalls massiven Flanschring 10b sind ein Dämpfungsring 9 und darin eingesetzt,
eine Kalotte 11 aufgeklebt.
[0030] Die Figur 3 zeigt symbolisch durch Pfeile dargestellt, die Front einer Schockwelle,
die von der Kalotte 9 abgeleitet wird. Im Innern der Bohrung 13 kann sich somit der
Stössel J eines Hohlladungsstrahls ungestört ausbilden.
[0031] Eine analoge Lösung ist in Fig. 4 ersichtlich: Hier trifft die Schockwelle zuerst
auf Dämpfungsmaterial 9' und dann erst auf eine in der Bohrung 13 zentrierte Träger-Kalotte
11'. Zudem ist das Dämpfungsmaterial 9' randseitig in einem weichen Dämpfungsring
45 gelagert.
[0032] Einzelheiten zum Zusammenbau der Hauptladung sind der Fig. 5 zu entnehmen:
[0033] Das Distanzrohr 7b' ist innenseitig in die zylindrische Geschosshülle 7c eingesetzt
und bildet eine Fügestelle 12.
[0034] Die Auskleidung 14 liegt formschlüssig auf der geformten Ladung 15 auf und besitzt
an ihrem grössten Durchmesser einen Passring 14a, der durch eine Dämpfungshülse 46
und eine Gewindehülse 47 belastet ist. Die Gewindehülse 47 ist in ein Innengewinde
48 der zylindrischen Geschosshülle 7c eingeschraubt.
[0035] Eingezeichnet ist eine Hüllkurve G, welche den durch Störungen weitgehend freien
sensiblen Bereich der Hohlladung charakterisiert.
[0036] Bewährt hat sich eine Geschosshülle aus einer handelsüblichen Aluminiumlegierung.
Diese lässt sich leicht mechanisch bearbeiten und zeigt inhärente Dämpfungseigenschaften,
was insbesondere durch eine Reduktion der auf die Ladungen übertragenen Vibrationen
gegenüber anderen metallischen Materialien positiv in Erscheinung tritt. Die Fügestellen
sind in an sich bekannter Weise geschrumpft und geklebt.
[0037] Die'typische Marschgeschwindigkeit des Geschosses liegt unterhalb von 300 m/s. Das
Kaliber der Vorladung ist im Ausführungsbeispiel 32 mm; dasjenige der Hauptladung
112 mm.
[0038] Als Zündsysteme haben sich handelsübliche "Impact shock, Piezo Fuze Systems" (PEPZ-05,
Zaugg Elektronik AG, CH-4573 Lohn-Ammannsegg) mit einstellbaren Verzögerungszeiten
für die Vorladung von < 25 µs und für die Hauptladung von zirka 370 µs als zweckmässig
erwiesen.
Bezeichnungsliste
[0039]
- 1
- Kopf eines Geschosses mit Tandemladung
- 2
- Spitze (Aufschlagteil)
- 3
- Elastische Ringe (O-Ringe)
- 4
- Auskleidung Vorladung (Precursor)
- 5
- Sprengstoff zu Vorladung
- 6
- 1. Zündsystem (Piezo-Zündsystem)
- 7a-7c
- Geschosshülle
- 7a,7c
- zylindrische Bereiche der Geschosshülle
- 7b,7b'
- Teile Distanzrohr
- 7d
- Fügestelle in Geschosshülle
- 8
- Hohlraum Distanzrohr
- 9, 9'
- Dämpfungsring, Dämpfungsmaterial
- 10a,10b
- Flanschringe (massiv)
- 11,11'
- Kalotte; Träger-Kalotte
- 12
- hintere Fügestelle
- 13
- Durchlass / Bohrung
- 14
- Auskleidung Hauptladung
- 14a
- Passring an 14
- 15
- Sprengstoff zu Hauptladung
- 16
- Adapter Antrieb
- 17
- 2. Zündvorrichtung (Piezo-Zündsystem)
- 18
- Antriebsdüsen
- 19
- Feststoff-Antrieb
- 20
- Leitwerk (aufklappbar)
- 21
- Heckteil
- 41
- Gewindeverbindung von 4
- 42
- Zündverstärker
- 43
- Dämpfungsring (oben)
- 44
- Zentrierzapfen
- 45
- Dämpfungsring (unten)
- 46
- Dämpfungshülse
- 47
- Gewindehülse
- 48
- Innengewinde in 7c
- A
- Achse / Flugrichtung
- J
- Stössel der Hohlladung (Jet)
- G
- Hüllkurve des sensiblen HL-Bereichs
1. Geschoss in welchem im Ziel, durch wenigstens eine beim Aufprall ansprechende Zündvorrichtung,
eine erste Ladung initiiert und mit einer definierten Zeitverzögerung eine zweite
Ladung initiierbar ist, wobei die beiden Ladungen in einer Achse zueinander über ein
Distanzrohr beabstandet, in einer mantelförmigen Geschosshülle angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Geschosshülle (7a-7c) einen zylindrischen Bereich (7a) aufweist, welcher die
erste Ladung (4,5) aufnimmt, dass das Distanzrohr (7b) über seine Länge stetig, auf
den Durchmesser der zweiten Ladung (14,15) ansteigt und dass die zweite, grössere
Ladung ebenfalls in einem zylindrischen Bereich (7c) angeordnet ist, dass zwischen
der ersten Ladung (4,5) und dem frontseitigen Teil des Distanzrohrs (7b), in diesem,
ein relativ zur Geschosshülle (7a-7c) dicker, sich orthogonal zur Gehäuseachse (A)
erstreckender, erster ringförmiger Flansch (10a) und im heckseitigen Teil des Distanzrohrs
(7b') ein weiterer ringförmiger Flansch (10b) vorgesehen sind.
2. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Distanzrohr (7b,7b') eine Fügestelle (7d) aufweist und dass die Flansche (10a;10b)
einstückig mit je einem Teil des Distanzrohrs (7b bzw. 7b') ausgebildet sind.
3. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Flansch (10a) ein Zündverstärker (42) eingesetzt ist, welcher an ein Piezo-Zündsystem
(6) angeschlossen ist.
4. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf dem zweiten Flansch (10b), frontseitig, eine metallische Kalotte (11) aufgesetzt
ist.
5. Geschoss nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die metallische Kalotte (11) auf einem Dämpfungsring (9) gelagert ist.
6. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf dem zweiten Flansch (10b), frontseitig, eine metallische Kalotte (11') direkt
aufgesetzt ist, welche Dämpfungsmaterial (9') trägt.
7. Geschoss nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Dämpfungsmaterial (9') seinerseits durch einen Dämpfungsring (45) gehalten ist.
8. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Auskleidung (4) der ersten Ladung (5) über eine Gewindeverbindung (41) in die
Geschosshülle (7a) eingesetzt ist.
9. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Auskleidung (14) der zweiten Ladung (15) mit einem Passring (14a) versehen ist
und über eine Dämpfungshülse (46), eine Gewindehülse (47) in die Geschosshülle (7a)
eingesetzt ist.
10. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Dämpfungsring (9) bzw. das Dämpfungsmaterial (9') aus einem organischen Werkstoff
mit eingelagerten Okklusionen besteht.
11. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der ringförmige Flansch (10a) frontseitig Materialverdickungen aufweist, deren Steigung
unstetig ist.